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Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Eeeren 8 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 82S.
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Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12-13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 16-17 Uhr.
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Dienstag, den 13. Februar
Einzelpreis 12 Rpf.
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Feuergefecht in Linz
Polizei stürmt das Sozialistenhaus
ckvd. Linz a. d. D., 12. Februar.
In den Morgenstunden des heutigen Montag ist es hier zu einem schweren Zusammenstoß zwischen der Vundespolizei und dem sozialistischrepublikanischen Schutzbund gekommen. Bei der Linzer Polizei waren bereits im Laufe des Sonntags Meldungen eingelaufen, daß in das Parteihaus des Schutzbundes erhebliche Mengen von Munition und Waffen gebracht worden seien. AIs die Polizei am Montag früh vom Schutzbund die Räumung des Hauses und die freiwillige Herausgabe sämtlicher Waffen verlangte, wurde vom Parteihaus aus mit scharfen Schüssen geantwortet. Die Polizeibeamten zogen sich zurück, gingen, nachdem Verstärkung eingetroffen war, wiederum vor und verlangten erneut die Herausgabe der Waffen und die Räumung. Aus dem Parteihaus wurde abermals als Antwort auf die Polizei gefeuert. Die Polizei schritbnun zusammen Mit militärischer Verstärkung zum Sturm auf das Parteihaus.
Von den Sozialdemokraten wurden Handgranaten auf die Polizei geworfen, woraus das Militär Maschinengewehre in Stellung brachte und die Fensterreihen bestrich. Ferner hat die Polizei die Fenster der dem Parteihaus gegenüberliegenden Häuserreihen besetzt «nd von dort aus das Feuer auf das Parteihaus eröffnet. In der Umgebung von Linz ist es gleichfalls zu größeren sozialistischen Demonstrationen gekommen. Die Polizei sah sich gezwungen, militärische Hilf« anzufordern.
Ueber die blutigen Straßenkiimpse in Linz geht uns zu später Stunde folgende Meldung zu:
Der Kampf mit den sozialistischen Schutzbiind- lern nimmt immer größere Ausdehnung an. In verschiedenen Stadtteilen sind gegenwärtig heftige Straßenkiimpse im Gange. Eine Polizeiwache im Innern der Stadt wurde von den roten Schutz- bündlern mit Maschinengewehren überfallen, jedoch nach längerem Kamps von Heimwehr und Polizisten wieder zurückgenommen. Ferner soll seit den Mittagsstunden ein Feuergesecht auf dem oberhalb der Stadt gelegenen Freien Berge im Gange sein, wo sich die Sozialdemolraten im Lause der Nacht verschanzt hatten.
Ueber Linz ist das Standrecht verhängt worden. Läden und Restaurants sind geschlossen. Aus der Umgebung soll ein starker Zuzug von roten Elementen im Gange sein. Die Zahl der Toten und Verwundeten läßt sich jedoch bisher noch nicht feststellen.
Vor dem sozialistischen Parteihaus find zwei Alpenjägerkompagnien mit Maschinengewehren eingesetzt worden, die aus Dachböden und Luken heraus das Haus beschießen und den verschanzten Sozialdemokraten mit Handgranaten zu Leibe rücken. Im Parteihaus werden vier Polizeibeamte von den Sozialdemokraten als Geiseln gefangen gehalten.
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Nach noch nicht bestätigten Meldungen hat das Militär nach heftigem Kampf das sozial- demokratische Parteihaus, das Hotel „Schiff", im Sturm genommen. Angeblich sollen bisher 15 Tote festgestellt worden sein.
Der Sicherheitsdireltor von Oberöfterreich erläßt eine amtliche Mitteilung, nach der bei dem Sturm auf das Parteihaus in Linz 40 Personen gefangen genommen wurden und Maschinengewehre sowie Sprengkörper beschlagnahmt wurden. Die sozialdemolratische Besatzung des Parkbades ergab sich auf die Drohung der Einsetzung von Artillerie hin. Ein rasch aufflackernder Widerstand an verschiedenen Stellen wurde mit Gewalt gebrochen. Gegen eine Schule, die zurzeit noch von Sozialdemokraten besetzt ist, ist eine größere Aktion im Gange, bei der Artillerie eingesetzt worden ist.
LLebemll Gewallaktionen
ckvb. Innsbruck, 12. Februar.
Polizei und Heimatwehr haben am Montag zwischen 1ö und 16 Uhr sämtliche sozialdemokra- tückien Gebäude in Innsbruck besetzt, u. a. das Parteiheim „Hotel Sonne", das Gewerkschaftshaus, die Arbeiterkammer und das Gebäude der sozialdemokratischen Volkszeitung. Der Hauptbahnhof und andere öffentliche Gebäude wurden gleichfalls mit starken Hcimatwehrabteilungen besetzt. Vor dem Parteiheim bildete sich eine Ansammlung von Sozialdemokraten, die die Internationale sangen. Die Pol^ei räumte den Platz; sie mußte mit dem Gummiknüppel gegen die Demonstranten vorgehen. Ueberfallkomman- dos mit Polizei und Heimwehrleuten besetzt durchführen die Straßen.
In Steyr ist es gleichfalls zu heftigen Zusammenstößen zwischen Schutzbündlern und der Polizei gekommen.
Generalstreik / Standrecht verhängt
cknb. Wien, 12. Februar.
Ein allgemeiner Proteststreik in der Wiener Arbeiterschaft ist Montag mittag hier ausgebrochen. In den Betrieben erschienen kurz vor 12 Ahr die sozialdemokratischen Betriebsräte und teilten den Arbeitgebern mit, daß die Arbeiterschaft einer allgemeinen Streikparole folgend, die Arbeit Punkt 12 !lhr mittags niederlegen werde. Der gesamte Wiener Straßenbahnverkehr ist damit um Punkt 12 Ahr zum Stillstand gekommen. Die Elektrizitäts- und Gaswerke sind gleichfalls in den Proteststreik eingetreten. Punkt 12 !lhr setzte gleichfalls der elektrische Strom in der ganzen Stadt aus. Die Polizeidirektion hat eigene Strommaschinen für den telegraphischen und telephonischen Polizeidienst in Kraft gesetzt. Man nimmt an, daß es sich um einen Proteststreik der Arbeiterschaft wegen der Vorgänge in Linz handelt. In dem lokalen Telephonverkehr sind gleichfalls Störungen infolge der Ausschaltung des elektrischen Stromes eingetreten. Die Dauer des Proteststreikes ist zur Stunde noch nicht zn übersehen.
In einer Mitteilung des Sicherheitsdirektors erfolgt die Verhängung des Standrechts in Wien. Es wird angeordnet, daß alle Haustüren um 20 Llhr geschloffen werden müssen. Die öffentlichen Gast- und Schankstätten müssen um 20 !lhr von den Gästen geräumt sein.
Am frühen Nachmittag wurde die sozialdemokratische Parteizentrale im 6. Gemeindebezirk, in der sich auch die Schriftlcitung der „Arbeiterzeitung" befindet, von starken Polizeiabteilungen mit aufgepflanztem Bajonett besetzt. Auch das Bezirks-Arbeiterheim und das Verbandsheim der Krankenkassen haben polizeiliche Besetzung erhalten. Alle öffentliche« Gebäude in Wien sind von dichten Polizeiketten umstellt.
Schießerei in Wie«
Verbot öer sozmlöemokratischen Vartel / Außerordentlicher Minlfterrat
cknd. Wien, 12. Februar.
In den Montagabend-Stunden haben die Unruhen in den Wiener Arbeiterbezirken wieder erheblich zugenommen. Stärkere Schießereien sollen in den Bezirken Ottakring, Simmering und in Dornbach zur Stunde im Gange sein. Die bisherigen Polizeiangaben von zwei Toten und achtzehn verletzten Polizisten wurden bereits als überholt bezeichnet. Polizei und Truppen sollen bisher nicht stark genug sein, um dem stündlich zunehmenden Widerstand der bewaffneten Sozialdemolraten gewachsen zn sein. Erhebliche Trup- penverstärkungen sind infolgedessen in die Vororte entsandt worden. Nähere Angaben über die zweifellos ernsten Vorgänge in den Vororten werden auf ausdrückliche Anweisung von amtlicher Stelle verweigert. Das Stadtinnere ist vollständig in Dunkel gehüllt, da die Straßenbeleuchtung fehlt. In der inneren Stadt ist alles ruhig.
Brot und Gebäck wurde in den Kleinverkaufsstellen nicht verkauft, da der Strom zum Backen fehlte.
Die Regierung beabsichtigt, wie verlautet, dem sozialdemokratischen Bürgermeister von Wien,
Seitz, ein Ultimatum zu stellen, entweder freiwillig zurückzutreten und die Macht sofort der Regierung zu übergeben, andernfalls er der Gewalt werde weichen müssen. Weiter soll nach der Besetzung des Rathauses ein Regierungskommissar für Wien ernannt werden.
Aeußerst strenge Absperrungsmaßnahmen sind in der ganzen Stadt mit einem riesigen Aufgebot von Polizei und Militär, Maschinengewehren und Drahtverhauen durchgeführt worden. Die auf den Schienen stehenden, von der Mannschaft verlassenen Straßenbahnwagen sind in den Abendstunden von der Polizei mit Kraftwagen abgeschleppt worden.
In den Straßen ist die Polizeikontrolle außergewöhnlich scharf. Alle verdächtigen Personen werden durchsucht. In den Hauptstraßen ist der Personenverkehr vollständig gesperrt. Die Vorstellungen der Theater und Kinos sind ausnahmslos abgesagt worden.
Im Kriegsministerium trat am Montag ein außerordentlicher Ministerrat unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers zusammen, von dem man ent
scheidende Beschlüsse erwartet. Die Regierung soll eine großangelegte Aktion gegen das Wiener Rathaus, die Hochburg und das Symbol des österreichischen Sozialismus, vorbereiten.
Man erwartet allgemein, daß die Regierung jetzt zum Verbot oder zur Auflösung der sozialdemokratischen Partei schreitet, das Wiener Rathaus besetzt und damit die Zentralstelle der sozial- demokratischen Partei in Oesterreichwird.
Die Stadt bietet heute einen durchaus kriegerischen Eindruck. Die großen Straßenzüge sind mit spanischen Reitern verstärkt. Ueberall patrouilliert Militär und Polizei mit aufgepflanztem Seitengewehr. Zeitungen sind am Montagabend nicht erschienen. Aus der Provinz treffen keinerlei Meldungen ein, da der lokale Telephonverkehr vollständig gesperrt ist. Am Polizeipräsidium wurden gegen 17 Uhr Maschinengewehre in Stellung gebracht.
Die Wache des seit Mittag besetzten sozialdemo- kratischen Parteihäuses, das gleichzeitig Sitz des republikanischen Schutzbund - Sekretariates ist,
Marxisten drohen
änk. Wien, 12. Februar.
Die sozialdemokratische Partei hat in der Nacht zum Montag einen Ausruf an das österreichische Volk erlassen, der durch Flugzettel in ganz Oesterreich verbreitet worden ist. In diesem Aufruf heißt es, Vizekanzler Fey rede von einer Verschwörung des republikanischen Schutzbundes gegen die Sicherheit des Staates, um sich damit den Vorwand für einen entscheidenden Schlag gegen das Wiener Rathaus und gegen die sozialdemolratische Partei zu schassen. Herr Fey, der die Arbeiterschaft bis aus das Blut reize, wage es, von einem verbrecherischen Anschlag bolschewistisch-marxistischer Elemente gegen die Bevölkerung zu reden. Die Wahrheit sei, daß die Sozialdemokratie niemanden, weder Bürger noch Bauern, angreife. Sie halte sich aber zum Kampf mit der Waffe für den Fall bereit, falls Faschisten es wagen sollten, die beschworene Verfassung der Republik vernichten zu wollen. Wenn
wurde am Nachmittag weiter verstärkt und gleichfalls mit Maschinengewehren ausgerüstet. Dagegen sind die ArLeiterheime in den verschiedenen Bezirken bisher nicht besetzt worden.
Der Leiter des Sicherheitswesens, Vizekanzler Fey, erstattete heute vormittag dem Bundeskanzler Bericht über die von der Arbeiterschaft erlassene Streikparole. Polizei und Sicherheitsbehörden befinden sich im Alarmzustand. Die öffentlichen Gebäude sind von der Polizei besetzt worden. Bei einzelnen Zeitungen streiken die Setzer. Durch die Straßen ziehen Abteilungen des Vundesheeres in feldmarschmäßiger Ausrüstung.
Infolge des Generalstreiks sind in der Stadt Unruhen ausgebrochen, die bereits ein Todesopfer gefordert haben.
Kurz vor Redaktionsschluß wird uns aus Wien gemeldet, daß der Ministerrat das Verbot der sozialdemokratischen Partei beschlossen hat.
der Eid und die Verfassung gebrochen würden und die Freiheit in Gefahr gerieten, dann werde die Arbeiterschaft zu den Waffen greifen.
Wiener Rathaus besetzt
ckvb. Wien, 12. Februar.
Das Wiener Rathaus ist in den heutigen Abendstunden von einem größerem Ausgebot von Truppen, Polizei und Gendarmerie besetzt worden, ohne Laß von sozialdemokratischer Seite ein ernsthafter Widerstand geleistet wurde. Hierbei ist eine Reihe von sozialdemokratischen Beamten, die nach einer amtlichen Erklärung in offenkundigem Zusammenhang mit den gegenwärtigen Gewalttätigkeiten standen, verhaftet worden. Ebenso ist der Vizebürgermeister der Stadt Wien, Emmerling, der Leiter der gesamten städtischen Betriebe, in den Abendstunden verhaftet worden.
Durch die Besetzung des Rathauses ist nunmehr die Zentrale der österreichischen Sozialdemokratie in den Händen der Regierung.
Llnd in Frankreich?
Varis von der Außenwelt abgeschnitten / 3ü? Streikposten verhaftet
Streiks auch in der Vrovinz
ävb. Paris, 12. Februar.
Durch den Generalstreik ist Paris gewissermaßen von der Außenwelt abgeschnitten. Das Fernamt stellt keine Verbindungen her. Die Telegrammannahme ist geschlossen. Militär mit aufgepflanzten Seitengewehr bewacht die Postämter. Innerhalb von Paris ist der Telephonverkehr nur zum Teil im Betrieb.
Der Verkehr der Autobusse und der Untergrundbahnen wird nur in beschränktem Umfang durchgeführt. Dank der technischen Nothilfe ist die Versorgung der Stadt mit Gas, Wasser und Elektrizität einstweilen gesichert. Der Eisenbahnverkehr wickelt sich normal ab. Es gab am Vormittag nur eine kurze Protestpause auf den Bahnen. Vor den großen Arbeitsstätten stehen überall Streikposten: sie werden jedoch durch Polizei
streifen scharf überwacht. Die Ladengeschäfte waren am Vormittag zum größten Teil geöffnet.
Es ist nur ein einziges Morgenblatt, die royalistische Action francaise, erschienen, deren Beschaffung übrigens auch ziemlich schwierig ist, da Streikposten den Verkauf der Zeitung zu verhindern suchen. Die Truppen werden in Alarmbereitschaft gehalten.
2n Boulogne-sur-Mer veranstalteten die Kommunisten am Sonntag unter dem Gesang der Internationale eine Straßenkundgebung. Elf Personen wurden verhaftet. Die Menge versuchte vergeblich, die Verhafteten zu befreien.
In der Marseiller Schwefel-Raffinerie ist ein Eroßfeuer ausgebrochen, das wegen Wassermangels schwer zu bekämpfen ist. Der Schaden
belauft sich auf 3 Millionen Fr. — Seine Entstehung dürfte auf einen Bombenanschlag zurückzuführen sein.
Die Generalstreikparole ist in der französischen Provinz im übrigen zu etwa 60 Pzt. befolgt worden. In dem Pariser Vorort Chaville ist in der vergangenen Nacht bei Zusammenstößen mit der Polizei ein Mann auf den Barrikaden gefallen.
Die Polizei hat in Paris 367 Streikposten wegen Behinderung Arbeitswilliger verhaftet. Nachdem sich mehrere Zwischenfälle ereignet haben, lmt die Leitung des Pariser Autobusverkehr- beschlossen, den bisher m beschränktem Umfange durchgeführten Betrieb der Autobusse im Laufe des Nachmittags völlig einzustellen.
Amboß Dollfuß
lr. kvlü. Bremen, 13. Februar
Während Paris und die gesamte französische Provinz unter den Auswirkungen des soziatdemokratischen und kommunistischen Generalstreiks von der Außenwelt abgeschlossen sind, erreicht uns aus Wien die Meldung, daß auch in dieser Landeshauptstadt ein großer Teil der werktätigen Bevölkerung die Arbeit niedergelegt hat. Nicht, um den Rosenmontag besonders feierlich zu begehen, sondern als Ausdruck eines politischen Protestes verlassen Männer und Frauen die Arbeitsstätten, ballen sich die aufgeregten Massen in den Straßen zusammen. Die Aktion in Paris war seit Tagen von marxistischen Agitatoren bis ins Einzelne vorbereitet, — was aber hat in Wi en so plötzlich den offenen Entscheidungskamps herbeigeführt? InLinz flog der erste Funke ins österreichische Pulverfaß: Der sozialistisch-republikanische Schutzbund und die Polizei haben zu den Waffen gegriffen, um das Linzer Parteihaus ist ein erbitterter Kampf entbrannt, die staatlichen Hüter der Ordnung haben sogar militärische Verstärkungen anfordern müssen und in der schönen, historischen Donaustadt hat nun das Geknatter der Maschinengewehre die harmloseren Karnevalsmelodien abgelöst. Der Draht spielte den Ausbruch der sozialdemokratischen Revolte sofort nach Wien hinüber, wo die Betriebsräte unverzüglich den Generalstreik ausriefen und die Sicherheitsbehörde wiederum mit der Verhängung des Standrechtes antwortete.
Die Not der Arbeitslosen lastet täglich schwerer auf Oesterreich, allein in Wien suchen wöchentlich mehr als 250 Menschen durch Selbstmord weiterer Not und tieferem Elend zu entrinnen, der auf ganzer Linie beobachtete Rückzug des Fremdenverkehrs hat in den letzten Monaten nicht weniger als 200 Hotelbesitzern das Rückgrat gebrochen, die an sich schon niedrigen Beamtengehälter sind während der Dollfuß-Aera um fast die Hälfte gekürzt worden, der Warenumsatz hat in der gleichen Zeit 40 Prozent seines Wertes eingebüßt, und nun pocht auchnoch der Bürgerkrieg mit knöchern der Hand an Dollfuß' Arbeitszimmer. Sieht der Bundeskanzler auch jetzt noch nicht, welchem Abgrund seine antideutsche, seine gegen den Nationalsozialismus gerichtete Politik das Volk Oesterreichs entgegentreibt?
Das Rennen um die totale Macht im Staat hat begonnen. Die Heimwehr en fordern in dem Glauben, an der Spitze zu liegen, von Dollfuß die Einlösung seines Versprechens, die Verfassung im Sinne Starhembergs und für dessen persönliche Zwecke umzubauen. Der Bundeskanzler seinerseits setzt in Ermangelung schöpferischer Eigenkraft fürdie Verfassungsreform Verhandlungen mit Parteigruppen und Verwaltungsinstanzen an, einem Manne gleichend, der mit Brandstiftern über die Verhinderung von Feuerschäden beraten will. Die Christlich-Sozialen und die Marxisten entdecken plötzlich, da ihnen die Heimwehrleute an den Kragen wollen, ihre BUndistsfähigkeit, kommen aber trotz des Koalitionsangebotes des Christlich-Sozialen Kunschak nicht zum Zuge. Der wirkliche, wenn auch ungekrönte Machthaber Wiens, der Sicherheitskommissar Fey, prüft seinen Hammer mit immer dreisteren Schlägen auf dem Amboß Dollfuß. Die Kräfte aber, die Oesterreich allein von diesem Parteien- wirrwarr, von all den Minister - intrigen und Bruderkämpfen befreien könnten, die Nationalsozialisten, sind unterdrückt, in Konzentrationslager geschleppt, über die Grenze getrieben, von der Arbeit am Staat jedenfalls ausaesMossen. Wie soll das enden?
Es ist noch nicht lange her, als der österreichische Bundeskanzler die Sozialdemokraten auf einen heimlichen Wink von Paris und von Prag her zur Mitarbeit am Aufbau einlud. Nun ist er, wie aus den letzten Meldungen über die Wiener Straßenkämpfe hervorgeht. wider seinen Willen in eine schroffe
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Niesenunterschlagung in Südslawien Ein Protest Lindberghs Krise in Prag . Neichstagung der NS-Hago