Ausgabe 
(6.2.1934) Nr. 36
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Nr. 36 / i. Vierteljahr

Dienstag, den 6. Februar

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Oesterreich ruft doch den Völkerbund an!

Hochspannung in Tirol / 1000 Heimwehrleute in Znnöbruck zusammengezogen

Don österreichischer amtlicher Seite wird mitgeteilt: Die österreichische Regierung hat am Montag nach mehr als fünfstündigen Beratungen beschlossen, dem Bundeskanzler Dollfuß die Ermächtigung für die einleitenden Schritte zur Anrufung des Völkerbundes im deutsch-österreichischen Konflikt zu erteilen.

Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft sür Erd­kunde, lluiversitiitsprof. Dr. Friedrich Metz. Die Hästlingc wurden gefesselt abgeführt.

2m Unterhaus erklärte Sir John Simon auf die Frage, ob die Politik der britischen Re­gierung für die Unabhängigkeit Oester­reichs eintreten werde, die Regierung verfolge die Entwicklung der Dinge in Oesterreich mit gespanntester Aufmerksamkeit. Die Haltung der britischen Regierung sei dem Hause von ihm be­reits am 21. Dezember mitgeteilt worden, und jener Darlegung entspreche noch immer die Poli­

tik Englands. Auf die Frage des konservativen Unterhausmitgliedes Villmatz, wie denn England die Unabhängigkeit Oesterreichs aufrecht erhalten wolle, wenn es Heer, Marine und Luftstreit­kräfte abschaffe, gab Simon keine Antwort. Die Frage Sir Aasten Chamberlains, ob man das Haus nicht über den neuesten Stand der österrei­chisch-deutschen Beziehungen informieren könne, beantwortete Simon dahingehend, daß er im ge­genwärtigen Augenblick nichts darüber sagen könne und verwies erneut auf seine Darlegung am 21. Dezember.

Pulverfaß Paris

imiMM / Divisionen und Tanks in Bereitschaft

Herr Dollfutz hat also im österreichischen Mini­sterrat es durchgesetzt, in dem, wie er sagt, „deutsch-österreichischen Konflikt" den Völkerbund anzurufen. Es muß immer wieder betont werden, daß von einem „deutsch-österreichischen Konflikt" keine Rede sein kann. Dieser Konflikt existiert nur in der Einbildung des Herrn Dollfuß.

In Völkerbundskreisen bestreitet man nicht, daß der Beschluß des österreichischen Ministerrates einem neuen Ausweichen vor einer sofortigen Entscheidung gleichkommt. Auf telefonische An­frage wurde dem Völkerbundsrat vom Bundes­kanzleramt in Wien mitgeteilt, daß ein Schritt des Bundeskanzlers, zu dem dieser durch die Minister ermächtigt worden ist, nicht vor dem 8. Februar, also erst nach der Rückkehr des Bundeskanzlers von Budapest, erfolgen würde. In den nächsten Tagen soll dann eine entspre­chende Note zunächst vorbereitet werden. Es er­scheint demnach nicht ausgeschlossen, daß neue Schwierigkeiten entstehen, die weitere Verzöge­rungen bringen.

In deutschfeindlichen Kreisen Genfs macht sich eine gewisse Beunruhigung daüber bemerk­bar, daß der österreichische Ministerrat den Bundeskanzler nur ganz allgemein „ermächtigt" hat, die beabsichtigten Schritte zu tun und daß diese wenig genaue Fassung vielleicht einen be­sonderen Sinn haben könnte.

Von deutscher Seite kann man der beabsich­tigten „Aktion" des Herrn Dollfuß mit aller Ruhe, aber mit desto größerer Bestimmtheit gegenüberstehen. Der österreichische Schritt wird höchstens die innerpolitische Spannung in Oester­reich verschärfen, nicht aber eine Beruhigung des Landes. Was Dollfutz nach außen hin aber er­reicht, ist die Schaffung eines tatsächlichen Konfliktes zwischen Deutschland und Oesterreich. Die Verantwortung hierfür trägt einzig und allein Dollfuß. Wie sich Dollfutz nun weiter die Völkerbundsaktion gegen Deutschland denkt, ist mehr als schleierhaft. Soll der Völkerbund Deutschland einen „Rüssel" erteilen, soll er Noten mit Deutschland wechseln? Es wird ein inter­essantes diplomatisches Spiel werden, falls der Völkerbund sich hier einmischen würde, ein Spiel, das man bald abbrechen wird, weil es sich nicht lohnt. Aber scheinbar muß Herr Dollfutz dieses Spielchen wagen, um die Aufmerksamkeit auf die trostlos verfahrenen Zustände im eigenen Lande abzulenken. Besonders sind in Tirol die Ver­hältnisse aufs Höchste gespannt und verworren. Heute abend sind etwa 1000 Mann Heimwehr in Innsbruck zusammengezogen worden. Der neu­ernannte Landesausschutz von Heimwehr-Enaden ist inzwischen mit der Landesregierung in ern­stem Konflikt geraten. Auf der anderen Seite behaupten die Sozialdem. Partei und die Christi, soz. Partei ihre Existenz. Alles deutet darauf hin, daß Oesterreich vor sehr ernsten Er­eignissen steht, deren Ursprung bestimmt nicht in einem deutsch-österreichischen Konflikt zu suchen ist.

Die Ereignisse in Lirol

Die letzten Ereignisse in Tirol finden in Re- gierungskreisen stärkste Beachtung. Die radikalen Forderungen der Tiroler Heimwehren auf Durch­führung eines autoritären Regimes und Auflö­sung der Christlich-Sozialen sowie der sozialde­mokratischen Partei haben für die Regierung eine neue schwierige Lage geschaffen. Die Inns- brucker Rede Starhembergs vom Sonntag, die sich in ungewöhnlich scharfen Ausfällen gegen die Christlich-Sozialen erging, und von der Regie­rung eine endgültige Entscheidung über den wei­teren innenpolitischen Kurs mit oder ohne die politischen Parteien forderte, wird von den amt­lichen Stellen hier ohne die gegen die Christlich- Sozialen gerichteten Stellen veröffentlicht.

Von den Tiroler Heimwehren soll jedoch jetzt weiter verlangt worden sein, daß sämtliche Lan­desregierungen durch die hauptsächlich aus Heim­wehrvertretern zusammenzusetzenden Landesaus­schüsse ersetzt werden. Demgegenüber hat der Landeshauptmann von Riederösterreich, Reither, in einer Rede vor dem katholischen Volksvcrband erklärt, die Christlich-Soziale Partei werde sich ihren Platz an der Sonne nicht nehmen lassen.

Auf Grund der Verhandlungen zwischen Landes­regierung und Heimatwehr hat der Landeshaupt­mann von Tirol in einem Erlaß an die Leiter der Vezirksbauvtmannslbasten mitgeteilt, daß den einzelnen Vezirkshanptleuten in Tirol Ver­trauensmänner der Heimatwebr beigegeben wer­den. Die Landesleitung der Tiroler Heimatwehr hat d-efl Vertrauensleute für die acht Bezirks- haunimannd-s-aften im Lande bereits namhaft ge- ms-^t. ibr Amtsantritt erfolgt sofort

Die Tiroler Heimwchren haben am Montag vormittag das Gebäude der Jnnsbrucker sozial­

demokratischen „Volkszeitung" besetzt. Vom Ver­lagsdirektor wurde die Polizei zur Hilfe herbei­gerufen, die von den Heimwehren die sofortige Räumung des Gebäudes verlangte. Das Gebäude des sozialdemokratischen Organs wird gegenwärtig von der Polizei bewacht. Es scheint sich bei dem Vorgehen der Heimwehren darum gehandelt zu haben, die Veröffentlichung des sozialdemokrati­schen Aufrufs an die Arbeiterschaft zu verhindern.

15 Nationalsozialisten aus Tirol wurden am Sonntag in ein Konzentrationslager nach Nieder- österreich gebracht. Unter ihnen befindet sich der

Krach in der csmLSie

cknd. Paris, 5. Februar

Bei den Kundgebungen, die die Anhänger der Action Francaise und andere rechtsstehenden Gruppen am Sonntag abend auf den Boulevards veranstalteten, wurden 75 Verhaftungen vorge­nommen. Der neue Pariser Polizeipräfekt Bon- nefoy-Sibour leitete persönlich die polizeilichen Abwehrmaßnahmen.

In der Comedie Francaise kam es während der Aufführung von Shakespeares „Co- riolan" ebenfalls zu heftigen Kundgebungen, über die die Linkspresse möglichst hinwegzugehen versucht. Nach dem Bericht des „Echo de Paris" hielt, als der Vorhang hochging, auf einer Tri­büne ein Zuschauer eine Ansprache, in der er sich gegen die Entlassung des bisherigen Inten­danten Fabre wandte.

Er behauptete, daß niedere politische Machen­schaften daran schuld seien. Der Redner wurde von dem polizeilichen Ordnungsdienst zum Schweigen gebracht, was die Zuschauer empörte, die Hochrufe auf Fabre ausbrachten und die Ent-

Daladirrs Kurswechsel

blü. Die sich von neuem bedenklich zuspitzende Lage in Paris zeigt wieder einmal, daß der Bogen des Parlamentarismus, allzu straff gespannt, auch im Westen Europas zwangs­läufig zerspringen muß. Das französische Volk läßt seinen Ruf nach einer autoritären, auf sich selbst gestellten Regierung immer ein­dringlicher und unerschrockener vernehmen, aber Ministerpräsident Daladier zieht es vor — eben weil er sich aus der vom parlamen­tarischen System ausgehenden Umklammerung nicht Herauswinden kann —, mit dem Rechen­stift in der Hand durch Anschluß nach links das Abstimmungsergebnis in der Kammer vorweg zu nehmen. Dieses Ziel hat er er­reicht, indem er das freigewordene Finanz­ministerium mit dem Radikalsozialisten M rchandeau und das Kriegsministerium mit dem Sozialisten Paul - Boncour be­setzte, nachdem das Ausscheiden der rechts­gerichteten Minister Fabry . und Pietris

feniung des neuen Intendanten Thoms forderten. Sie riefen im Chor: „P f u i! D a l a d i e r, zu­rücktreten! zurücktreten!"

Der Lärm dauerte minutenlang an. Das Stück konnte erst beginnen, nachdem die Menge ihrem Unmut durch einen Pfui-Gesang auf Dala­dier nach einer bekannten Schlagermelodie Aus­druck gegeben hatte. Diese Szenen wiederholten sich! in den Wandelgängen sind einige Zuschauer beinahe handgemein geworden. Nach Schluß des Theaters setzten viele Zuschauer auf der Straße ihre Pfui-Rufe gegen die Regierung und beson­ders Daladier fort.

Die politische Ausschlachtung der Regierungs­umbildung wirkt sich in der Presse besonders aus. Die Opposition sagt der Regierung und ihrer Linksmehrheit schärfste Fehde an. Das „Echo de Paris" behauptet, daß Innenminister Frot die Rundfunkverbreitung des Schreibens Lhiappes an Daladier unterbunden habe. Frot habe auch ge­logen. wenn er erkläre, daß die Pariser Polizei die Maßnahmen der Regierung ruhig hingenom­men habe.

dem Kabinett den überparteilichen Charakter genommen hatte. Der Preis, den die So­zialisten für ihre Beteiligung an der Regie­rung und damit die Neuauflage des Linkskartells forderten, war der Kopf des ihnen verhaßten Pariser Polizeipräfekten Chiappe. Daladier hat den „Diktator von Paris" bereitwillig fallen lassen; eigentlich wollte er ihn (um im Bilde zu bleiben) die Treppe hinauffallen lassen, aber Chiappe hat seine großzügige Berufung zum Gouverneur von Marokko mit dem Hinweis auf seine weiße Weste ebenso großzügig abgelehnt.

So gut die Rechnung nun zwar in der Kammer, der sich Daladier heute zu „stellen" gedenkt, aufgeht, so hat dieses politische Ge­schäft doch zwei Seiten. Die Sozialisten und Daladier waren noch vor wenigen Tagen zu­einander eingestellt wie Feuer und Wasser, und wenn sich der Ministerpräsident jetzt ge­rade in die Hände seiner früheren Feinde be­gibt, so kann diese Freundschaft leichter noch als Glas zerbrechen. Mit der heute erfol-

Die Spannung in Paris ist fast bis zum Siede­punkt gestiegen. Nicht nur die rechtsstehen­den Verbände fordern ihre Anhänger auf, am Dienstag gegen die Regierung zu mani­festieren, die „eine Herausforderung an alle ehr­lichen Elemente" sei, sondern auch die K 0 mmu- nisten scheinen sich zu rüsten. Die Soziali­sten ihrerseits baben eine Art Alarmbereitschaft eingerichtet Die „Action Francaise" hat die Pa­role ausgegeben, sich für einen neuen Schlag gegen das Regime bereit zu halten.

Angesichts dieser von den verschiedenen politi­schen Richtungen angebcncn Weisungen hat die Regierung es für notwendig gehalten, Vorkehrun­gengen zu treffen. Einige Blätter berichten, daß nicht nur die Pariser Polizei und Garnison zum Einschreiten bereitstehe, sondern daß auch verschie­dene Garnisonen in der Nähe von Paris Befehl erhalten haben, sich marschbereit zu halten. „Le Ionr" meldet, daß Tanks aus Compiögne nach Paris unterwegs seien und daß man insgesamt zwei Divisionen bei den um Paris liegenden Gar­nisonen angefordert habe.

genden Entscheidung in der Kammer wird es jedenfalls nicht getan sein, sondern auf die praktische Arbeit der Regierung kommt es an, für die von den Sozialisten bereits eine ganze Reihe unannehmbarer Forderungen angemel­det werden. Dazu kommt die nun in voller Energie auch gegen Daladier gerichtete V 0 l k s st i m m u ng , die sich weder durch Truppenzusammenziehungen noch mit der An­kündigung neuer Maßnahmen gegen die Sta- visky-Korruption beschwichtigen lassen wird. Die Wählermassen, vor allem aber die poli­tischen Gruppen der Jugend, sind enttäuscht, daß die Erneuerung des Staatslebens in Frankreich von Parteitaktikern wieder einmal vereitelt worden ist. Nach Daladiers Links­schwenkung aber weiß man es, daß auch der ehemalige Kriegsminister nicht die so stür­misch erwartete neue Epoche, sondern nur eine weitere kurzlebige Episode der fran­zösischen Staatspolitik eingeleitet hat

(Siehe auch Seite 2)

Außenminister Beck nennt den deutsch-polnischen Vakt ein

Dokument -es Friedens

„NaSikale Wendung in den Beziehungen Berlin-Warschau"

clnb. Warschau, 5. Februar.

Außenminister Beck erstattete am Montagnach­mittag im Außenausschuß des Senates den bereits seit einigen Wochen angekündigten und mit Span­nung erwarteten Bericht über die Außenpolitik Polens. Der Minister wies zunächst auf die fort­dauernden Schwierigkeiten auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete hin, durch die nicht zuletzt eine internationale Zusammenarbeit gehemmt und auch eine Mickerung innerhalb größerer Staaten­gruppen vAirsacht werde. Dies könne Polen indes nicht dazu berechtigen, aus seine eigene Ini­tiative zur praktischen Stabilisierung und Festi­gung des Friedens zu verzichten. Daher habe er, der Außenminister, besonderen We>'t auf die Frage unmittelbarer Beziehungen gelegt.

Ueber das Verhältnis Polens zu Genf erklärte der Minister. Polen nehme an den Arbeiten des Völkerbundes auch weiterhin teil. obgleich schon der zweite seiner größeren Nachbarn heute außer­halb des Völkerbundes stehe. Ueber eine etwaige

Reform des Völkerbundes werde zwar viel gesprochen, aber bislang fehle es noch an einem greifbaren Entwurf hierfür. In diesem Zu­sammenhange erinnerte der Minister daran, daß Polen seinerzeit den Antrag auf Verallgemeine­rung der Minderheitenschutzverträge unterstützt habe. Seiner Meinung nach müßten die darin ent­haltenen Verpflichtungen entweder allgemein sein, oder das heutige System müsse revi­diert werden.

Eine zweite Frage sei die A b r ü st u n g s kau­fe r e n z und deren bisheriges betrübliches Schick­sal. Beck erwähnte hierbei die beiden neuen, sei­ner Meinung nach sehr beachtlichen Vorschläge, die in den Abrüstungsdenkschriften Englands und Italiens enthalten seien.

Das Abrüstungsproblem berühre die wesent­lichsten Fragen der Sicherheit. Die unmittel­bare Festigung der Sicherheit an der östlichen Grenze Polens durch den Nichtangriffsver-

trag mit Sowjetrußland sei etwas Posi­tives, das durch das weitere Abkommen über den Begriff des Angreifers ergänzt worden sei. Hier­durch sei eine größtmögliche Genauigkeit in der Festlegung des Verzichtes auf jeden Angriff er­reicht worden. Seine besondere Befriedigung drückte der Minister über den Anteil des verbün­deten Rumäniens aus, durch den die Bedeutung und das Ausmaß dieses Friedensstatuts bedeutend erhöht worden sei. Zwischen Polen und Sowjet­rußland habe sich infolgedessen eine Atmosphäre des Wohlwollens herausgebildet, die zur Beseiti­gung politischer Gegensätze auf verschiedenen Ge­bieten und zur Uebereinstimmung der Anschauun­gen über viele Fragen geführt habe. Die pol­nische Regierung lege großen Wert auf die Wei­terentwicklung der guten Beziehungen mit der Sowjetregierung. Er. der Minister, hoffe, diese Fühlungnahme recht bald persönlich aufnehmen und fördern zu können.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Randbemerkungen

Bremen, 6. Februar 1934.

^ b. fl. Warum wir Ge-

Rlllld um das WHW. sanken über das Win- terhilfswerk an die Spitze dieser Ausführun­gen stellen? Weil das WHW. in seiner eminenten innenpolitischen Bedeutung genau so wichtig ist als z. B. die Frage der Arbeits­beschaffung, weil es gerade beim WHW. dar­auf ankommt, daß der Bevölkerung täglich wieder eingehämmert werden muh, wie not­wendig es ist, hier keine Vernachlässigung des Pflichtgefühls eintreten zu lassen. Es ist nicht nötig, daß, wie wir kürzlich einmal in einer auswärtigen Zeitung feststellten, dem Publikum mitgeteilt wird, was unsere Füh­rer und Staatsmänner als Eintopfgericht essen und wie es ihnen vorzüglich mundet. Zunächst ist dies eine Geschmack- und Takt­losigkeit sondergleichen, zum anderen aber bedarf es keines besonderen Hinweises, daß nationalsozialistische Führer selbstverständ­lich am vorgeschriebenen Tag Eintopfgericht essen. Der Nationalsozialist ißt Eintopfgericht, ganz g ich, wer er ist und wie er heißt. Das WHW. hat es nicht nötig, auf diese Art und Weise Reklame zu machen. Das Eintopfgericht darf nicht vom guten Willen des Einzelnen ab­hängen, sondern gehört zu den Selbstverständ­lichkeiten, über die man nicht zu diskutieren braucht. Bei dieser Gelegenheit sei auch die eigenartige Erscheinung festgestellt, daß in den Bremer Hotels und Restaurants die Zahl der Sonntag-Mittagsgäste am Eintopfgericht- Sonntag gegenüber jener an früheren Ein- topf-Sonntagen und den übrigen Sonntagen jetzt stark zurückgegangen ist. In manchen Lokalen erreicht diese Abnahme im Vergleich zum Eintopf-Sonntag im November bis zu 80 Prozent. Hungern diese Leute bis abends oder halten sie sich zu gut und zu vornehm, ein einfaches Mahl einmal einzunehmen? .. Je weiter wir uns dem Zeitpunkt nähern, da im Frühjahr d. I. das neue große Arbeits­beschaffungsprogramm in Angriff genommen wird, das die Zahl der Arbeitslosen wieder um Millionen verringern muß, desto stärker müssen die Anstrengungen sein, das WHW. 1933/34 zum glücklichen Ende zu bringen. Die ständige und nie erlahmende Opferbereit­schaft muß im nationalsozialistischen Staat die höchste Tugend des Volkes sein.

Horn verschieden. Der Verstorbene, der bis vor wenig Tagen der Bundesführer des Kysfhäuserbundes gewesen war und frei­willig aus diesem Amte schied, hat mehrere Male in unserer Nordwestecke geweilt, wird also vielen Lesern kein persönlich Unbekann­ter mehr sein. Hohe militärische Tugenden und ein ausgezeichnetes Organisationstalent befähigten ihn zu jenem verantwortungs- reichen Führeramt. Als er damals die Füh­rung im Kyffhäuserbund übernahm, gab er dem Bunde von 3 Millionen alter Soldaten Richtlinien für eine neue staatspolitische Be- tätigung. Daß diesen Aufgaben unter dem alten System gewisse Grenzen gezogen waren, sei nur nebenbei erwähnt. Jedenfalls hatte von Horn erkannt, daß der Kyffhäuser­bund sich nicht nur auf einer rein kamerad­schaftlichen Grundlage aus die Dauer bewe­gen kann, sondern auch gewisse politische Ziele verfolgen muß, wenn er sich eine Zu­kunftsexistenz sichern soll. Ihm schwebte damals der Gedanke vor, mit dem Kyff­häuserbund eine sog. „Deutsche Front" ins Leben zu rufen, die nicht nur die alten Soldaten umfassen sollte, sondern darüber hinaus alle bewußt national denkenden Deutsche. Dieses Ziel, so anerkennenswert es war, konnte unter den alten Verhältnissen nie verwirklicht werden, dazu fehlte es auch an dem erforderlichen fanatischen Kampfes­geist innerhalb des Kysfhäuserbundes. Die mehrfach ausgegebene Parole: „Mehr Aktivi­tät" konnte sich nicht durchsetzen. Nach der nationalsozialistischen Revolution glaubte man, der „Kyffhäuserbund" sollte das Sam­melbecken für einen großen deutschen Solda­tenbund werden, der auch sämtliche Spezial- waffen-Bünde in sich aufnehmen würde. Die Entwicklung der Dinge nahm andere Wege. Der Kyffhäuserbund wurde, wie alle anderen Soldatenbllnde, in der SA. R. II eingegliedert. Damit sind ihm endgültig seine politischen Aufgaben zugewiesen werden. Die alten Sol­daten marschieren jetzt in gleichem Schritt und Tritt mit der SA. Das von General von Horn begonnene Erneuerungswerk des Kyffhquserbundes fand hiermit seinen Ab­schluß und seine Krönung. Die „Teutsche Front" ist in die große deutsche Volksgemein­schaft eingemündet.

- Wenn früher unsere oeut-

vstVjetruMcher scheu Kommunisten einen MiÜtstNHMS Reichswehrsoldaten erblick­ten, bekamen sie entweder das Gruseln oder einen Wutanfall. Sie wet­terten über diesen verfl... deutschen Mili­tarismus, der dem deutschen Volke nicht aus-