Ausgabe 
(5.2.1934) Nr. 35
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Nr. 32 / 1. Vierteljahr Montag, den 2. Februar Einzelpreis 12 Rps.

Braune Hansa-Messe in Bremen

Zuspitzung im Helmwehr-Konflikt

Innsbruck, 4. Februar.

Am Sonntag früh traf der Führer der öster­reichischen Heimatwehren, Fürst Starhemberg, in Innsbruck ein. Mittags fand ein Appell der in der Landeshauptstadt aufgebotenen Heimatwehr­abteilungen statt, bei dem Dr. Steidle und Fürst Starhemberg Ansprachen hielten. Bemerkenswert in der Rede Starhembergs war die außerordent­liche Schärfe, mit der er sich ausschließlich gegen die Führer der christlich-sozialen Partei wandte. Er erklärte, wenn der Obmann der christlich-sozia­len Partei, Abgeordneter Czermak, in Oesterreich noch reden wolle, habe die Heimwehr in dieser Front nichts mehr zu suchen. Zögere Dollfuß noch länger mit durchgreifenden Maßnahmen, dann würden die österreichischen Heimwehrleute bald nicht mehr hinter ihm stehen. Starhemberg for­derte schließlich die Entfernung aller demokrati­schen Parteiführer aus dem jetzigen Regime.

Die Verhandlungen zwischen der Heimatwehr­und der Bundesregierung wegen der bekannten Forderungen sind noch nicht abgeschlossen, haben sich aber so zugespitzt, daß mit einem osfenen Kon­flikt gerechnet werden mutz.

Im Lause des Tages sind zahlreiche Papier­böller zur Explosion gebracht worden. Vier Na­tionalsozialisten wurden in das Konzentrations­lager geschasst. In Rentte wurden wegen der Ex­plosion von 13 Papierböllern sieben Nationalsozia­listen in das Konzentrationslager eingeliefert.

Balkan-Vakt paraphiert

Belgrad, 4. Februar.

Die Balkan-Konferenz ist am Sonntagabend zum Abschluß gebracht worden. Ueber das Ergebnis wurde folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:

Die Außenminister Griechenlands, der Türkei, Rumäniens und Südslawiens traten am Sonntag zur Schlußkonferenz zusammen und paraphierten den endgültigen Wortlaut des Balkan-Paktes. Die Minister entschlossen sich, dieses Dokument noch im Laufe der kommenden Woche in Athen zu enterzeichnen. Der Wortlaut des Paktes wird nach der Unterzeichnung verössentlicht werden.

Die Einigung scheint einige Schwierigkeiten bereitet zu haben, Programmgemäß hätte die Konferenz nämlich schon am Sonntagmittag beendet werden sollen. Es verlautet, daß es bis zur letzten Minute ungewiß gewesen sei, ob eine Einigung zustande kommen werde

AngeftMenvefbcMöe

verschwinden

Berlin, 4. Februar.

Durch die Neuorganisation innerhalb der Deutschen Arbeitsfront, die in der vorigen Woche durch den Führer der DAF., Pg. Dr. Ley, bekannt­gegeben worden ist, hat sich als notwendig erwiesen, auch innerhalb der Angestelltenschast eine organisatorische Neuordnung zu vollziehen. Wie die NSK. meldet, fand in diesen Tagen im Hause des Gesamtverband es der deutschen An­gestellten in Berlin, in Anwesenheit des Organi­sationsleiters der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Selzner, und sämtlicher Verbandsleiter der Angestellten unter dem Vorsitz des Pg. Förster eine Besprechung statt, in der das Grundsätzliche über die Neuorganisation der Angestellten­verbände zum Ausdruck gebracht wurde.

Der Führer der deutschen Angestellten, Staats­rat Pg. Förster, gab in großen Zügen die Richtlinien für die Neuorganisation der Ange­stelltenverbände bekannt. Diese Neuordnung be­steht darin, daß die bisher bestehenden neun selb­ständigen Angestelltenverbände verschwinden und an ihre Stelle die deutsche Angestelltenschast tmtt, die alle deutschen Angestellten umfaßt. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront hat Pg. Förster auch für die deutsche Angestelltenschast zum Führer ausersehen, der von sich aus den Pg. August ha'-d als seinen Stellvertreter benannte. Die Ver­waltung dieser deutschen Angestelltenschast liegt in Händen alter, bewährter Nationalsozialisten.

Schweres Kraftwagenunglück

cknb. Koblenz, 4. Februar.

In der Nähe des Moselortes Dieblich ereignete sich am Spätabend des Sonnabends ein schweres Berkehrsunelück. Ein Lieferwagen, der mit acht Marktfrau- > aus verschiedenen Dörfern des Hunsrücks vom Koblenzer Markt nach Hause fuhr, verunglückte kurz vor Weltersbach. Der Liefer­wagen mußte hier einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Lieferwagen ausweichen. Hierbei verlor der Wagenführer des Koblenzer Lieferwagens infolge der Glätte auf der vereisten Landstraße die Gewalt über den Wagen. Der Wagen stürzte eine drei Meter hohe Böschung nach der Mosel hin ab. Die acht Marktfrauen trugen zum größten Teil schwere Kopf- und innere Verletzungen davon. Auch der Wagen­führer mutzte schwer verletzt dem Krankenhaus zugeführt werden. Der Wagen, der sich mehrere Male überschlug, wurde zertrümmert.

Vvm 9. bis 24. ÄUNi 1934

Bremen, 4. Februar.

Ueber dem Eingang zum Schütting steht die Devise:

buten und binnen wagen und winnen

Unter diesem Motto soll auch in der Zukunft wieder nach vorwärts gestrebt werden. Der Nationalsozialismus denkt gar nicht daran, die wirtschaftlichen Beziehungen zum Ausland zu unterbinden. Unser Ziel bedeutet also auf der einen Seite Zurückgewinnung des Vertrauens im Ausland. Um dies zu erreichen, ist die Braune Hansa-Messe" für Bremen beschlossen worden.

Auf ihr soll gezeigt werden, daß trotz aller Not und trotz des Elends die deutsche Wirtschaft, im Kern gesund, in der Lage ist, Gutes zu an­gemessenen Preisen zu leisten. Allerdings wird die Braune Hansa-Messe bei der Not der Zeit äußerlich nicht mit großen Luxusausstellungs- Hallen aufwarten können. Es stehen hier nicht Hunderttausende von Mark allein schon für diese Bauten, die gewiß das äußerliche Bild ver­schönern, wie früher zur Verfügung. Es ist aber dafür gesorgt, daß die auszustellenden Gegen­stände in zweckdienlicher, würdiger und auch tech­nisch einwandfreier, ansprechender Form zur Aus­stellung gelangen.

An sich bedarf es keiner besonderen Betonung, daß nicht, wie frühere Ausstellungen, dieBraune Hansa-Messe" mit zum Großverdienen der Aus­stellung selbst bestimmt ist. Der Wirtschaft und dem Volke soll genutzt werden! Ueberschüsse aus der Messe selbst sollen also nicht erzielt werden. Die Platzmieten und übrigen Einnahme-Quel­len dienen nur zur Bestreitung der unumgäng­lich nötigen Kosten, die eine solche Veranstaltung überhaupt mit sich bringen muß. Wird ein

Polens Geepolitik

Warschau, 4. Februar.

Unter der ÜberschriftMare nostro" bringt der regierungsfreundliche und großindustrielle Kurjer Polski" einen bemerkenswerten Bericht über eine Vortragsreihe, die dieser Tage von der Technischen Hochschule in Warschau über das obige Thema veranstaltet wurde und an der hervor­ragende Vertreter der polnischen Seepolitik, wie der frühere Handelsminister Kwiatkowski, Pro­fessor Michalski, Dr. Spitzer sowie Ministerialrat für Seefragen, Nazodzinski, beteiligt waren. Die Vortragsreihe diente vor allen Dingen dem Nach­weis, daß der Besitz eines eigenen Seehafens eine historische Notwendigkeit und Bedingung des Be­standes sowie der Machtentsaltung Polens sei. Die

Ueberschuß bei derBraunen Hansa-Messe" er­zielt, so wird dieser, wie auch anderswo, restlos zur Werbung für die deutsche Wirtschaft im Auslande wieder verwandt.

Die Bearbeitung des gesamten Ausstellungs- wie Messewesens liegt übrigens in den Händen der NS.-Hago in Verbindung mit dem Institut für Deutsche Wirtschaftspropaganda. Berücksich­tigt man die Unzulässigkeit der kleinen lokalen Ausstellungen der Vergangenheit zusammen mit der besonders für Bremen als Seehandelsstadl großen Not, und besinnt man sich auf der an­deren Seite einmal wieder auf die vorhandenen hochwertigen Möglichkeiten unserer engeren Hei­mat überhaupt, so muß jeder Norddeutsche die Braune Hansa-Messe" als eine erstklassige Ge­legenheit betrachten, die wirtschaftliche Lethargie zu beseitigen, um neues Leben zu schaffen.

Die Hamburger Braune Messe auf der Cap Po- lonio hat bei den Behörden und Wirtschastskrei- sen der Schwester-Hansestadt eine ganz hervor­ragende Mitarbeit ausgelöst. Mit Rücksicht auf die llrwüchsigkeit und Vodenständigkeit des hie­sigen Menschenschlages dürfte es in dieser Hin­sicht in Bremen wohl noch viel besser werden.

Die Fühlungnahme der Leitung derBraunen Hansa-Messe" mit Kreisen der Bremer und Nord- westdeutschen Wirtschaft hat bereits gezeigt, daß der alte Hanseatengeist hier noch nicht einge­schlafen ist. DieBraune Hansa-Messe" ist ge­nau wie der Tag des Handels in Braunschweig von vornherein zum Ctfolg bestimmt. Sie wird nach allem das halten, was sie schon jetzt ver­spricht.

Das vorgesehene Programm ist mit den zu­ständigen Vertretern der Wirtschaft. Kammern und der Regierung eingehend durchgesprochen wor­den. Auf dieser Messe wird alles gezeigt, was in 'wirtschaftlicher Hinsicht von Bedeutung ist.

Die Ausstellung selbst gliedert sich in 10 Abtei­lungen und zwar:

1. Abteilung: Schiffahrt verbunden mit Seefischerei und allen einschlägigen Industrien, wie Netz-

Entwicklung Edingens sei gewissermaßen die Folge einer physischen Notwendigkeit, da Polen nur durch die See imstande sei, wirtschaftliche Ueber- seegebiete zu haben.

Heute müsse Polen nachholen, was es in der Vergangenheit versäumt habe. Zu allererst müsse es ein Programm der Handelspolitik aufstellen. So sei es notwendig Export unter eigener Flagge, auf eigenen Schiffen, mit eigenem Kapital zu treiben. Ferner müsse an der Seeküste die Ent­stehung derjenigen Industriezweige gefördert werden, die die beste Aussicht auf günstige Ent­wicklung böten. Alsdann müsse angestrebt werden, aus Gdingen einen Durchgangshafen zu machen, was vor allen Dingen für die Tschechoslowakei, Rumänien und die Balkanstaaten von Wichtigkeit sein werde. Zu diesem Zweck sei der Ausbau des

und Segelmacherei, Werften, Häfen usw.

2. Abteilung: Ueberseehandel (Kaffee, Tabak,

Baumwolle, Südfrüchte, für den Export, Jn- dustrieerzeugnisse).

3. Abteilung: Deutscher Einzelhandel (Keine Warenhäuser).

4. Abteilung: Deutsches Handwerk und Gewerbe

bei der Arbeit (Ehrcnhof des deutschen Hand­werks).

5. Abteilung: Industrie.

8. Abteilung: Verkehr (Reichsbahn, Vorortbahnen, Luft-Hansa, Fliegerei und Autos usw.).

7. Abteilung: Sport und Wochenende (Boote, Zelte, Wochenendhäuser usw.).

8. Abteilung: Kultur (Theater, Museum,

Städtische Einrichtungen).

g 'Abteilung: Kolonialwesen (VDA., Städtisches Museum).

10. Abteilung: Sportliche Veranstaltungen

(Wasserball, Handball, Fußball, Springkon- kurrenzen, Schwimmen, Tennis, Radrennen usw.)

Die Beteiligung steht frei für alle Geschäfte und Betriebe, die den Vorschriften über deutsche und arische Art entsprechen.

Als Ausstellungsgelände ist der geräu­mige Platz beim Weser-Stadion am Oster- deich in Aussicht genommen worden.

Großveranstaltungen politischer, automobilisti- scher, sportlicher und sonstiger Art werden die Braune Hansa-Messe" umrahmen. Die Eintritts­preise werden so niedrig gehalten, daß auch dem ärmsten unserer Volksgenossen der Zutritt möglich ist.

Die Voraussetzungen zum Erfolg derBraunen Hansa-Messe" sind nach allem sehr gut. Berück­sichtigt man dann den ungeheuren wirtschaftlichen Zweck nach außen und nach innen, so kann es, wie gesagt, einen Fehlschlag niemals geben.

Handelsexports sowie der Handelspolitik not­wendig.

Todesstrafe aus Kuba abgeschafft

Paris, 4. Februar.

Aus Havanna wird gemeldet: Der Präsident Hendieta hat einen Erlaß unterzeichnet, der die Todesstrafe bis auf weiteres abschafft. Man faßt diese Maßnahme als Zeichen dafür auf, daß die unter der Regierung Machado angeklagten Per­sonen nicht vor Gericht gestellt werden sollen.

2n der Wohnung des Unterstaatssekretärs im Innenministerium, Guerve, explodierte eine Bombe.. Der Bruder des Unterstaatssekretärs wurde verwundet.

Der Kamps um die Saar

In seiner großen Rede vor dem Reichstag am 30. Januar hat der Führer neben anderen wichtigen Problemen auch zur Saarfrage Stellung genommen und den deutschen Stand­punkt noch einmal vor aller Welt dargelegt. Die Reichsregierung hatte der französischen Regierung den Vorschlag unterbreitet, schon jetzt das Saarproblem zu bereinigen, um zu verhindern, daß bei der im nächsten Jahr vor­gesehenen Volksabstimmung bei einer der beiden Nationen Zwangsläufig das Gefühl einer Niederlage zurückbleibt. Unter Hinweis daraus, daß die Abstimmung eine unge­heure Mehrheit für Deutschland ergeben wird, hat der Kanzler Frankreich nahe gelegt, vvm Gesichtspunkt der Versöh­nung der beiden Länder schon vorher eine beide Seiten gleichmäßig befriedigende Lösung zu suchen, die in diesem Falle von der gesam­ten Bevölkerung an der Saar freudig aufge­nommen werden würde. Dieses Angebot Adolf Hitlers ist von der französischen Regie­rung abgelehnt worden. Trotzdem hat der Kanzler und mit ihm das deutsche Volk die Hoffnung nicht aufgegeben, daß dennoch in beiden Nationen der Wille zu einer wahr­haften Aussöhnung und endgültigen Be- grabung des historischen Kriegsbeils sich im­mer mehr verstärken und endlich zum Durch­bruch kommen wird.

Hieraus geht unzweideutig hervor, daß die Reichsregierung auch weiterhin zur Verstän­digung bereit ist. Auch die Deutsche Front an der Saar läßt keine Gelegenheit vorüber­gehen, um die Welt über die wirkliche Lage im Saargebiet aufzuklären und immer wie­der dem Willen der überwältigenden Mehr­heit der Saarländer zur Heimkehr in das Reich Ausdruck zu geben. Diese sachliche Auf­klärungsarbeit scheint nicht ohne Erfolg ge­blieben zu sein. Die Saarfrage beginnt all­mählich auch im Ausland ein anderes Gesicht zu bekommen, als es gemeinhin von der fran­zösischen Presse gezeichnet wird. Man erkennt auch im Ausland, daß die in Versailles künst­lich geschaffene Saarfrage niemals mit dem Eelbstbestimmungsrecht der Völker in Ein­klang zu bringen ist, und es wird immer offenbarer, daß es nur die aus Deutschland geflüchteten Emigranten, die wenigen bezahl­ten Separatisten und Agenten Frankreichs sind, die der Welt vorzutäuschen suchen, daß es Bevölkerungskreise an der Saar gibt, die die Rückkehr zum Reich nicht wollen.

Daß die Wahrheit sich mehr und mehr durchsetzt, patzt den Landesverrätern vom Schlage eines Matz Braun ebensowenig in den Kram, wie der saarländischen Regie­rungskommission, die sich zur Schutzherrin aller dieser separatistischen und franzosen- freundlichen Umtriebe aufgeschwungen hat.

Zur Verdunkelung der Sachlage ist diesen Leuten jedes Mittel recht. So hat Matz Braun es kürzlich durchzusetzen versucht, bei einer demnächst stattfindenden Kundgebung in einem großen Festzelt nur französisches Bier ausschenken zu lassen. Mit anderen Worten, die saarländische Brauindustrie sollte zugun­sten der französischen Bierbrauer geschädigt werden. Und vielleicht hoffte man durch un- entgeldlichen Ausschank französischen Biers nebenbei noch ein politisches Geschäft machen zu können. Die sogenannte Saarregierung tut ein übriges, um durch fortgesetzte Zei­tungsverbote die öffentliche Meinung zu un­terdrücken, wobei man sich geradezu unglaub­licher Verbotsgrllnde bedient. DasSaar- brücker Abendblatt" beispielsweise ist, nach­dem es erst kürzlich auf drei Tage verboten worden war, mit einem vierzehntägigen Verbot belegt worden, weil es den Vor­sitzenden der vom Völkerbundsrat eingesetz­ten Abstimmungskommission, den Italiener Aloisi, auf das landesverräterische Treiben einer gewissen Presse im Saargebiet auf­merksam zu machen gewagt hatte. Ebenso spricht die Tatsache Bände, daß der Prozeß gegen Kommerzienrat Hermann Röchling erneut vor dem Obersten Gerichtshof des Saargebiets ausgerollt worden ist, obwohl Röchling im Dezember vorigen Jahres von der Anklage freigesprochen wurde, durch ein Flugblatt gegen die französischen Schulen verschiedene Teile der Bevölkerung gegenein­ander aufgereizt zu haben. Röchling ist da­mals von der Saarbrücker Strafkammer aus­drücklich das Recht zugebilligt worden, in den das Eaargebiet seit Jahren beunruhigenden Schulkampf einzugreifen, und es ist festge­stellt worden, daß dadurch der Tatbestand der Aufreizung keineswegs gegeben ist.

Man wird abwarten müssen, wie sich die neue französische Regierung zu den in der Kanzlerrede wiederholten Vorschlägen Deutschlands stellen wird. So, wie sich das die französische Presse vorstellt, die unter Miß­achtung des Willens der Bevölkerung eine gewaltsame Lösung verlangt, indem man das Abstimmungsergebnis ähnlich wie im iMe Oberschlesien fälscht, geht es jeden- falls nicht Die Kreise Frankreichs, die solchen Zielen immer noch nachgehen, werden sich tau­schen, wenn sie glauben, daß das national-

Paul-Boncour zum Kriegsminister ernannt

Paris, 4. Februar.

Der radikalsozialistische Abgeordnete Mar- chandeau, der im letzten Kabinett Lhautemps Vudgetminifter war, ist zum Finanz- und Bndgetminister ernannt worden, der Abge­ordnete Paul-Boncour zum Kriegsminister und der radikalsozialistische Abgeordnete Zau­bert zum Unterstaatssekrctär im Finanz- und Budgetministerium.

Kriegsminister Fabry und Finanzminister Pistri erklären in ihrem gemeinsamen Rücktritts­schreiben an Daladier, daß. das Kabinett die Auf­gabe übernommen habe, das Ansehen des Staates wieder herzustellen. Im Ministerrat am Sonn­abend sei aber zwischen der Mehrheit der Kabi­nettsmitglieder und dem Kriegs- und dem Finanzminister eine tiefgehende Meinungsver­schiedenheit über die Wege und Mittel entstanden, die im gegenwärtigen Augenblick geeignet seien, zum Ziele zu führen. Wir halten es daher für eine Pflicht der Loyalität, so erklären die beiden Minister in ihrem Schreiben, Sie zu bitten, auf unsere Mitarbeit zu verzichten, noch bevor sich die Regierung dem Parlament vorgestellt hat und solange es dem Herrn Ministerpräsidenten noch leicht fällt, die erforderliche Unterstützung zu finden.

pariser Kabinettsrat

Paris, 4. Februar.

Ministerpräsident Daladier hat im Verlauf des Kabinettsrats, der am Sonntagvormittag zusam­mengetreten war, Paul-Boncour und Marchan- deau dafür gedankt, daß sie das Kriegsministerium

bzw. das Finanzministerium übernommen haben. Ebenso hat er Iaubert seinen Dank ausgesprochen, der zum Unterstaatssekretär im Finanzministerium ernannt worden ist.

Der Kabinettsrat hat ferner folgende Ernen­nungen beschlossen: Der bisherige Präfekt des Departements Rhone, Villey, ist zum Präfekten des Departements Seine ernannt worden als Nachfolger des bisherigen Präfekten Renard, dessen Rücktrittsgesuch angenommen worden ist. Der bisherige Generaldirektor im Unterrichts­ministerium für schöne Künste, Bollaert, ist zum Präfekten des Departements Rhone ernannt worden. Der bisherige Inspektor der Akademie von Paris, Huisman, ist zum Generaldirektor im Unterrichtsministerium für schöne Künste ernannt worden.

Der Justizminister hat dem Kabinettsrat an­schließend Bericht erstattet über den Stand der laufenden Untersuchungen.

Der Kabinettsrat hat ferner beschlossen, die Ee- neralinspektion für Kreditwesen, die vor einigen Jahren dem Handelsministerium angegliedert wor­den war, mit sofortiger Wirkung wieder dem Fi­nanzministerium anzugliedern. Im Einvernehmen mit dem Landwirtschaftsminister hat der Justiz- minister ferner die Verfügungen bekanntgegeben, die er erlassen hat, um Zuwiderhandlungen gegen die Gesetze über den Schutz des Getreidemarktes sofort zu ahnden. Im Anschluß an den Kabinetts­rat hat Ministerpräsident Daladier folgende Er­klärung abgegeben:

Der Ministerpräsident, der verantwortlich ist für die Regierungsautontät, lehnt jede Pressepolitik ab. Er ist nur darauf bedacht, seine Pflicht gegen­über dem Lande zu erfüllen. Er ist entschlossen, volle Klarheit über die Stavisky-Angelegenheit zu

schassen und in Zukunft Unregelmäßigkeiten, wie sie vorgekommen sind, unmöglich zu machen. Er wird sich durch nichts aufhalten lassen. Der Aus- schuß, der nach dem Zusammentritt des Parla­ments beauftragt werden wird, die Stravisky-An- gelegenheit bis auf den Grund zu prüfen, wird in der Stunde, die auf seine Bildung folgen wird, alle notwendigen Schriftstücke erhalten, die er für die Erfüllung seiner Aufgabe benötigt, und vor allem die vollständige Liste der von Stavisky aus­gestellten Echecks.

Chiappes Ablehnung

ckvb. Paris, 4. Februar.

Der bisherige Pariser Polizeipräfekt Lhiappe hat an den Ministerpräsidenten Daladier ein län­geres Schreiben gerichtet, in dem er sein Erstau­nen über seine plötzliche Absetzung zum Ausdruck bringt. Der Ministerpräsident und der Innen­minister hätten ihm noch vor wenigen Tagen, der letztere sogar noch vor kaum 24 Stunden, so viele Versicherungen der Achtung und der Anhänglich­keit gegeben, daß er in keiner Weise ihre Absicht, ihn abzusetzen, hätte ahnen können. Die uner­klärliche, allzu edele Beförderung, die man ihm anbiete, sei nach seiner Ansicht nur eine auf Miß­trauen zurückzuführende Maßnahme. Deshalb lehne er sie ab.

Der Präsekt des Seine-Departements, Re­na r d, hat heute dem Innenminister seinen Rück­tritt mitgeteilt. Er begründet seinen Schritt da­mit, daß seine Tätigkeit zu sehr mit der des Polizeipräfekten Chiappe verbunden gewesen sei, als daß er nach dessen Absetzung noch im Amte bleiben könne. Er stehe auf dem Standpunkt, daß die gegen Chiappe getroffene Maßnahme nicht dem Interesse der Stadt Paris entspreche.