Ausgabe 
(3.2.1934) Nr. 33
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Nr. 33 / 1. Vierteljahr

Sonnabend, den 3. Februar

Einzelpreis 15 Rps.

Dollfutz wird belehrt

Die deutsche Antwort an Wien / Oesterreich will den Völkerbund anrufen

ävb. Berlin, 2. Februar.

Das österreichische amtliche Kommunique über die Sitzung des Ministerrats in Wien vom 2. ds. Mts. teilt mit, daß die Antwortnote der deut­schen Regierung den von der österreichischen Bun­desregierung erhobenen Beschwerden in keiner Weise Rechnung trage und sich damit begnüge, die einzelnen Beschwerdepunkte einfach in Abrede zu stellen. Aus diesem Grunde habe der Minister­rat die deutsche Antwortnote einhellig für unbe­friedigend empfunden. Angesichts dieser Stellungnahme der österreichischen Regierung hält es die deutsche Regierung für angebracht, die deutsche Antwort nachstehend bekannt zu geben:

Antwort auf die von dem Herrn österreichi­schen Gesandten am 17. v. Mts. überreichte Note. Die Note enthält eine einseitige Schilderung ge­wisser Vorkommnisse in Oesterreich und verbindet damit den Vorwurf, daß diese Vorkommnisse auf eine unzulässige, von Deutschland unternommene Einmischung in die innerpolitischen öster­reichischen Verhältnisse zurückzuführen seien. Sie spricht von einem Konflikt zwischen den bei­den deutschen Staaten und gibt dem ganzen Fra­genkomplex eine Darstellung, die ihn von vorn­herein unter einen falschen Gesichtspunkt rückt. Bevor die deutsche Regierung auf die einzelnen Vorkommnisse eingeht, hält sie es für nötig, die­sen falschen Gesichtspunkt richtigzustellen.

Es handelt sich nicht um einen Konflikt zwischen den beiden deutschen Staaten als solchen, der unter die von der österreichischen Regierung gemachten Begriffe des Völkerrechts fiele, sondern um die Auseinandersetzung der österreichischen Regierung mit einer historischen Bewegung des ganzen deutschen Volkes. Der Natio­nalsozialismus, der die Bevölkerung des Reiches mit elementarer Kraft ergriffen und der die deutsche Bevölkerung Oesterreichs schon seit langem in seinen Bann gezogen hat, wird von der öster­reichischen Regierung mit allen Mitteln der Ge­walt in seiner legalen Entwicklung und freien Entfaltung gehindert.

Es ist selbstverständlich, daß durch die politische Grenze zwischen dem Reich und Oesterreich das Gefühl völkischer und geistiger Verbundenheit nicht beseitigt und das llebergreifen volksbewegender Ideen nicht ausgehalten werden kann.

Die österreichische Regierung kann nicht erwarten, daß Deutschland einem Regierungs­system gleichgültig gegenübersteht, das alles das entrechtet und unterdrückt, was das deutsche Volk mit neuem Mut und neuer Zuversicht erfüllt. Es ist unvermeidlich, daß der schwere innerpolitische Konflikt in Oesterreich auch auf das Verhältnis des Reiches zu Oesterreich seine gefühlsmäßige Rückwirkung hat. Trotzdem hat die deutsche Regierung es auf das pein­lichste vermieden, sich in die inner­politischen Verhältnisse Österreichs einzumischen. Sie hat Wiederholt zum Aus­druck gebracht, daß ihr jeder Gedanke an gewalt­

same Einmischung oder irgendeine Verletzung vertraglicher Bindungen vollkommen fern liegt. Sie kann daher nur 'ihr lebhaftes Befremden darüber äußern, daß die österreichische Regierung bei mehrfachen Anlässen die deutsche Regierung verdächtigt hat, als ob sie die Unabhängigkeit Oesterreichs bedrohe.

Bei dieser grundsätzlichen Einstellung der deut­schen Regierung versteht es sich im Gegensatz zu der Darstellung der österreichischen Regierung ganz von selbst, daß die deutsche Regierung es nur begrüßen würde, wenn endlich eine Verständigung zwischen der österreichischen Regierung und der nationalsozialistischen Partei in Oesterreich her­beigeführt werden könnte. Auch von seiten nationalsozialistischer Kreise in Deutschland ist niemals etwas geschehen, was einer solchen Ver­ständigung hätte entgegenwirken können. Ferner hat auch, soweit hier bekannt, die nationalsozia­listische Partei in Oesterreich selbst niemals ihre Mitarbeit an der Lösung des innerpolitischen österreichischen Problems abgelehnt.

Die österreichische Regierung weiß, daß die Zu­sammenkunft, die auf Grund der Berliner Demarche des Herrn österreichischen Gesandten vom 1. Ja­nuar dieses Jahres zwischen Herrn Bundeskanzler Dollsutz und Herrn Habicht durch Vermittlung der Reichsregierung vereinbart worden war, im letzten Augenblick nicht etwa von nationalsozialistischer Seite, sondern von der österreichischen Regierung selbst ohne jeden stichhaltigen Grund abgesagt worden ist.

Daß die deutsche Regierung stets darauf Bedacht genommen hat, eine Verschärfung der Lage zu ver­meiden, kann die österreichische Regierung z. B. aus der Zurückhaltung ersehen, mit der von deutscher Seite der Zwischenfall Schumacher behandelt worden ist. Obwohl es sich um die Erschießung eines Reichswehrsol- daten durch beamtete österreichische Erenzorgane auf deutschem Gebiet handelte und obwohl die ge­meinsame Untersuchung dies ergab, hat die deutsche Regierung alles getan, was eine schnelle Bei­legung dieses ernsten Zwischenfalles ermöglichte.

Trotzdem hat die österreichische Regierung es bis­her unterlassen, die zugesicherte gerichtliche Sühne herbeizuführen. Die deutsche Regierung muß dar­auf bestehen, daß ihr jetzt endlich die damals in Aussicht gestellte Mitteilung über die Bestrafung der Täter zugeht. Nach diesen Ausführungen möchte die Reichsregierung auf die einzelnen von der österreichischen Regierung erhobenen Be­schwerden näher eingehen. (Forts. Seite 3)

cinb. Wien, 2. Februar.

Nach einer halbamtlichen Mitteilung wird ein außerordentlicher Ministerrat bereits in aller­nächster Zeit zusammentreten, um den endgültigen Beschluß über die internationale Aktion Oester­reichs gegen Deutschland zu fassen. Man

erwartet, daß die Sitzung noch vor der Abreise des Bundeskanzlers Dollfutz nach Budapest am 7. Februar stattfinden wird. Die allgemein als unmittelbar bevorstehend angesehene An-

berufung des Völkerbundes durch die Regierung wird von der Presse bereits als eine feststehende Tatsache hingestellt.

FrankreichsAbrüstungs"-Diplomatie

Der Inhalt der Varifer Denkschrift zur deutschen Gleichberechtigung Vor der Veröffentlichung der Berliner Antwort

ckvb. Paris, 2. Februar.

Dasnicke meinoirv der französischen Regie­rung zu den Forderungen Deutschlands hinsicht­lich seiner militärischen Gleichberechtigung" ist nunmehr veröffentlicht worden. Es nimmt ein­leitend Bezug auf den von der deutschen Regie­rung wiederholt ausgesprochenen Wunsch, zwi­schen Frankreich und Deutschland Verhandlungen anzubahnen, in denen die Schwierigkeiten zwi­schen beiden Ländern geregelt werden sollen, ei­nem Wunsch, den die französische Regierung nicht weniger klar beantwortet habe. Durch die dem französischen Botschafter gegebenen Erklärungen und Informationen sei die französische Regie­rung nunmehr in der Lage, sich zu den verschie­denen Punkten, die bisher zur Sprache gekommen seien, zu äußern.

Die französische Regierung, so heißt es weiter, geht zunächst nur auf die Vorschläge der Reichs- regierung an sich ein, ohne für den Augenblick die allgemeinen Erwägungen zu erörtern, die zur Unterstützung dieser Vorschläge besonders in bezug auf den Rüstungsstand Deutschlands angeführt werde. Sie begrüßt die Bereitschaft der Reichs­regierung, mit allen Nachbarn Nichtangriffs­pakte abzuschließen; diese wären nur insoweit zweckmäßig, als sie, ohne die in Kraft befindlichen Abkommen, namentlich aus dem Locarno- Vertrag zu schmälern, neue Sicherheitsgaran­tien schaffen konnten,durch die die Signatar-

staaten gleichzeitig gegen jede Bedrohung ihrer äußeren Unabhängigkeit und gegen jeden Versuch her Einmischung' in ihre. inneren Angelegenheiten geschützt werden." Ebenso nimmt die französische

Monarchistische Verbände ausgehst

Berlin, 2. Februar.

Auf Grund einer Anregung des preußischen Mi­nisterpräsidenten hat sich der Reichsminister des Innern veranlaßt gesehen, die Landesregierungen zu ersuchen, alle monarchistischen Verbände sofort aufzulösen und zu verbieten.

Die Maßnahme hätte sich erübrigt, wenn sich die Verbände der gebotenen Zurückhaltung befleißigt und auf die Pflege rein geschichtlicher Erinne­rungen beschränkt hätten. Der nationalsozialistische Staat wird die historischen Verdienste großer deutscher Fürsten und preußischer Könige stets an­erkennen. Er kann es aber nicht dulden, daß sich dunkle Elemente in die monarchistische Bewegung einschleichen und den Versuch machen, sie zu einer Opposition gegen den nationalsozialistischen Staat auszubauen. Schon solche Versuche verstoßen gegen Sinn und Geist des Gesetzes gegen die Neubildung von Parteien vom 11. Juli 1933, daß die Natio­nalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei als einzige in Deutschland bestehende Partei anerkannt hat.

Regierung mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Reichsregierungwenigstens im Prinzip" einer an Ort und Stelle vorzunehmenden automatischen und periodischen und in ihrer Gegenseitigkeit glei­chen Kontrolle zustimme; sie möchte aber wissen, ob Deutschland dem im Laufe der letzten Genfer Komiteearbeitenan denen Deutschland leider nicht teilgenommen hat" in Aussicht ge­nommenen Maßnahmen zustimmt. Ueber einen besonders wichtigen Punkt müsse sich die französische Regierung in aller Offenheit aussprechen:

Im gleichen Augenblick, wo das Reich unter Bedingungen, die die Regelung der gegenwärtigen Schwierigkeiten erleichtern sollten, seinen guten Willen versichert, glaubt es, auf dem Gebiete der Rüstungen ein Programm von Forderungen auf­stellen zu sollen, das den Grundsätzen direkt zu­widerläuft, die die Genfer Konferenz, und zwar mit Zustimmung der deutschen Abordnung selbst bisher anerkannt hat, und die in der Erklärung der Mächte vom 11. 12. 32, auf die die deutsche Regierung gern Bezug nimmt, ausdrücklich ins Auge gefaßt sind." Aus den Angaben der deut­schen Regierung gehe nämlich nicht nur hervor, daß Deutschland die Erhöhung seiner ständigen Truppenzahl auf 399009 Mann verlange, sondern auch, daß diese Zahl bei weitem noch nicht die Gesamtzahl der Streit­kräfte darstellen sollte, über die Deutschland jeder- (Fortsetzung Seite 2)

Der Balkan-Pakt

Bremen, 3. Februar.

K. Viü. In Belgrad sind soeben die vier Außenminister Rumäniens, Eüdslawiens, Griechenlands und der Türkei zu der bereits seit Wochen angekündigten Balkankonferenz zusammengetreten. Das Tressen der Minister Titulesku, Ieftitsch, Maximos und Tewsik Ruschdy Bey wäre bei dem oft beobachteten Reisefieber der Staatsmänner des europä­ischen Südostens an sich nichts Bemerkens­wertes, wenn in der jugoslawischen Haupt­stadt nicht doch der letzte Akt eines ausge­sprochen politischen Schauspiels über die Bühne des Balkans gehen würde. Wir wissen noch nicht, ob dieses Schauspiel einen tragi­schen oder einen tragikomischen Abschluß haben wird. Sein Titel lautet:Revisions­gegner schließen einen Friedenspakt wer Revisions-Ansprüche zu haben glaubt, darf durch seinen Beitritt zum Pakt feierlich aus sie verzichten." Der Sinn dieses Titels wird sofort klar, wenn man erfährt, daß der bul­garische Ministerpräsident und Außenminister Muschanow nicht zu den Mitwirkenden der Belgrader Handlung gehört. Bulgarien hat zwar auch kein Interesse daran, daß der Vulkan Balkan wieder in seine aus der Vor­kriegszeit her ausreichend bekannte Neigung verfällt, jeden Augenblick die todbringende Lama des Krieges über die nahe beieinander liegenden Grenzen zu wälzen. Aber dieses zentral gelegene Balkangebiet hat gleich an drei der paktschließenden Nachbarn An­sprüche auf Grenzregulierungen, und zwar an Slldslawien hinsichtlich Macedonien, an Griechenland wegen Trazien und des behinderten Zugangs zum Aegäischen Meer, sowie an Rumänien mit Bezug auf die Tobrudscha. Die vier Außenminister haben sich alle redliche Mühe gegeben sogar Kö­nige telephonierten, Sofias Zustimmung zum Pakt, der die jetzigen gemeinsamen Lan­desgrenzen auf zunächst 5 Jahre garantieren soll, zu gewinnen, aber Bulgarien sah die Gefahr einer Einkreisung mit Recht als das geringere von zwei Uebeln an und antwortete wiederholt mit einem glatten Nein. Nicht­angriffspakte als Beweise des Willens zu friedlicher Regelung der territorialen Streitfragen abzuschließen war und ist man gern bereit, doch den Vertrag von Neuilly, das Balkan-Versailles, feierlich anerkennen, das hieße von Bulgarien denn dochzuviel verlangen.

Der frühere griechische Ministerpräsident Venizelos weilt zur Zeit auf Kreta, der Insel, deren Bevölkerung 1911 zum Anschluß an Griechenland drängte und so die Reihe der Balkankriege mit einleitete. Von dieser also immerhin historischen Stelle aus warnt Venizelos eindringlich vor einem Paktab­schluß gegen Bulgarien und mit Süd- slawien ohne Einvernehmen mit Italien. Wir Kennen nicht den Wortlaut des Protestbriefes, den er nach Athen geschickt hat, aber es wäre verständlich, wenn er mit unmittelbarer Adresse an die Bulgaren seinen 2500 Jahre vor ihm lebenden Landsmann Solon zitiert hätte: Hütet Euch, daß man nicht auch Euch einst zurufen muß:Ihr habt Euch selber Euer Los geschaffen, drum gebt den Göttern nicht die Schuld daran! Dummheit und Feig-

Der Film als Propagantzamittel

Die Filmpolitik der nationalsozialistischen Be­wegung war schon in der Vorbereitungszeit auf zwei große Ziele gerichtet: Einmal auf die För­derung und Schaffung solcher Filme, die eine un­mittelbare Werbung für die Ideen und Ziele des Nationalsozialismus darstellen, und außerdem auf «ine vielseitige, teils unmittelbare, teils mittelbare Einflußnahme auf alle Gebiete der schöpferischen Filmerzeugung, um die geistigen Voraussetzungen der nationalsozialistischen Weltanschauung auch im Film zu verankern. Handelt es sich im einen Fall um das enger begrenzte Gebiet des eigentlichen Propagandafilms, so ist Mit allem übrigen der Spiel- und Kulturfilm gemeint, der sich nicht zum Wortführer der Bewegung macht, aber praktisch doch die Ideen verkörpert, die dem deutschen Leben im nationalsozialistischen Staate Inhalt und Form verleihen.

Der Reichspropagandaleitung, Abteilung Film, sind vor allem eine Reihe praktischer und organi­satorischer Maßnahmen zu verdanken, die dem Film geistig, künstlerisch und wirtschaftlich neue Ziele gesteckt und neue Grundlagen geschaffen ha­ben. Sie wird jetzt aber auch dazu übergehen, wie sie das schon bei dem ReichsparteitagfilmSieg ^ des Glaubens" getan hat, einzelne wertvolle Filme mit Hilfe der von ihr geschaffenen und ihr zur Verfügung stehenden Vertriebsmöglichkeiten in allergrößtem Ausmaße umzusetzen und so eine denkbar weite Verbreitung derartiger Filme zu erzielen.

Der Nürnbergfilm ist mit 79 eingesetzt worden. Bis Ende März 1934 sind alle Kopien belegt. Die Beteiligung der Bevölkerung, die überall begeistert zu dem Film strömt, beträgt in manchen Orten 79 Prozent. In großem Umfange hat sich gerade bei diesem Film der von der Reichspropaganda-

leitung eingeschlagene Weg als richtig erwiesen, nämlich den Film durch die Landesfilmstellen und durch die Parteidienststellen mitzuverbreiten. Heute schon kann mit Sicherheit damit gerechnet werden, daß viele Millionen Erwachsener und alle Schul­kinder in Deutschland den Film zu sehen bekom­men werden.

Auch der 30. Januar, der Jahrestag der deut­schen Revolution, war für die Landesfilmstellen im ganzen Reiche ein gegebener Anlaß, vor und nach diesem Tage in allen Parteidienststellen, zum Teil auch, soweit es die Wetterverhältnisse gestatteten, durch Freilichtvorsührungen das ein­drucksvolle Dokument jener ereignisreichen Tage, den FilmDeutschland erwacht", neu hervorzu­holen. Es hat sich dabei nicht um eine Wiedec- aufrichtung alter Erinnerungen gehandelt, son­dern um das Nacherleben des Aufbruchs einer neuen Zeit, um die Huldigung, die ein Volk der Wende seiner Geschichte darbringt. Gerade an diesem Film konnte man eindrucksvoll die Be­deutung erkennen, die der Film auf dem Gebiete der Volksaufklärung und Propaganda im besten Sinne des Wortes einzunehmen vermag.

Heute ist dieser Film nicht nur allen denen ein Ausdruck ihres Bekenntnisses, die die Revo­lution mit Kopf und Herz miterlebt haben, son­dern auch Hunderttausenden von Volksgenossen, die vor einem Jahre noch abseits gestanden haben, oder an denen auch damals die großen geschicht­lichen Ereignisse ohne innere Erschütterungen ohne tiefere Wirkung vorübergegangen sind - gerade auch diesen Zögernden ist er zn einer Offenbarung, ja, zu einer Brücke ins neue Deutsch­land geworden. Auch jenseits der Grenzen Hai dieser Film den Glauben der Ausländsdeutschen an die Heimat neu belebt. In diesen Tagen

mehren sich wieder die Anfragen aus den Kreisen unserer deutschen Vrüder im Auslande nach dem Film vom erwachenden Deutschland so stark, daß die Reichspropagandaleitung in ihrer Haupt­abteilung Film diesen wohlverstandenen Wünschen nur zu einem Bruchteile nachzukommen vermag.

Bei der Durchführung ihrer praktischen Film­tätigkeit stützt sich die Reichspropagandaleitung teils auf die Landesfilmstellen der NSDAP., teils auf die neu geschaffene Kulturfilmstelle und den Deutschen Kulturfilmvertrieb, die ihre Aus­strahlung in der Reichsvereinigung deutscher Lichtspielstellen findet. In dieser sind alle gemein­nützigen Veranstalter, mit Ausnahme der Schulen, vereinigt. Die Kulturfilmbühnen werden übrigens in anderer Form angeschlossen. Die Leiter der Landesfilmstellen sind zugleich auch Leiter der Unterabteilungen der Reichsvereinigung.

Die Erweiterung ihres Wirkungskreises erblickt die Reichspropagandaleitung vor allem in einem energischen Einsätze des Kultur­filmes, der eine überragende Stellung inner­halb der Filmarbeit der Landesfilmstellen ge­winnen soll.

Aber auch die Sportpropaganda, die jetzt durch die Vorbereitungen auf die Olympia 1936 in den Vordergrund gerückt ist, wird die Reichspropa­gandaleitung beschäftigen. Dabei soll der Volks­sportgedanke neben der Hinwirkung auf die Olympiade besondere Berücksichtigung finden. Zu diesem Zweck werden die Lehr- und Kulturfilm- hersteller an die großen Aufgaben heranzuführen sein, die ihrer auf diesem Gebiete harren.

Jetzt schon werden insbesondere die Winter­kampfspiele in Braunlage und Schierke, sowie die Heeresmeisterschaften und die deutschen Kämpfe in Verchtesgaden zum Anlaß genommen, den ersten Film einer Reihe geplanter Sportfilme herzustellen. In großen Zügen und ganz allge­mein soll mit diesem Auftakt das Verständnis

und die Begeisterung des deutschen Volkes für die Notwendigkeit der Pflege des Sportes als einer nationalen Aufgabe geweckt werden. Auch jeder sportfremde Deutsche soll durch diesen Film die Wirkung der Olympiade 1936 in ihrer sport­lichen und nationalen Bedeutung erkennen lernen.

Im Anschluß an diesen ersten Film sollen dann 10 bis 12 Kultur- und Lehrfilme während der Vorbereitungen auf die Olympiade aus den ver­schiedenen Teilen des deutschen Sportes geschaf­fen werden. Die Krönung dieser Filmpropaganda soll schließlich in der Herstellung zweier großer Olympiadefilme im Jahre 1936 bestehen.

Das eigentliche Gebiet des Kulturfilms aber wird jetzt durch die Heraushebung eines Filmes beschickten, der es verdient, daß er mit allen Mitteln der zur Verfügung stehenden Organi­sationen weiten Kreisen des deutschen Volkes zu­gänglich gemacht wird. Es ist der FilmWas ist die Welt?", den der Maler und Tricktechniker Svend Noldan zustande gebracht hat.

Dieser Film, der ganz neue Wege geht, ist ein Stück Lebenswerk. Mehr als drei Jahre hat Nol­dan an den Vorarbeiten und an den Aufnahmen gearbeitet. Nur unter großen Opfern war es möglich, vorwärtszukommen und die immer wie­der erforderlichen Vetriebsgelder aufzubringen. Aber nachdem jetzt der Film fertig ist, gilt es vor allem auch, für den Rückfluß der aufgenommenen Kapitalien zu sorgen.

Erfahrungsgemäß ist die Unterbringung von Filmen, die irgendwie neue Wege gehen, nicht ganz leicht. Die Verleiher lassen sich ungern auf ein Wagnis ein, weil sie den Mißerfolg bei den Theaterbesitzern befürchten, und es ist mehr als einmal zu beobachten gewesen, daß man in Verleiherkreisen für die Bedeutung eines Films, der die ausgetretenen Pfade der Produktion verließ, kein Verständnis aufzubringen vermocht hat. Es geht dem Film da nicht besser und nicht

schlechter als anderen bahnbrechenden Schöpfungen, aber man erinnert sich doch auch mit unangenehmen Gefühlen daran, daß die Verleiher sehr gerne von der kulturellen Sendung des Films sprechen und fast regelmäßig versagen, wenn sie sich dann eines Films annehmen sollen, der mit anderen Mitteln als den üblichen die Herzen der Kinobesucher erreichen will. Wir sind ja heute immerhin so weit, daß es nicht mehr möglich ist, achselzuckend über das Werk eines Außenseiters" nur deshalb hinwegzugehen, weil er die bewährten Mittel des abgebrauchten Film­erfolges nicht anwendet, sondern durch Ver- geistigung und gemütvolle Verinnerlichung die Menschen zu packen sucht.

Den Verleihern mutz nicht nur die Einsicht, sondern auch der Mut wachsen, bei solchen Filmen zuzugreifen, und das einzige, was sie für ihr Zögern ins Feld führen können, wäre das Latz sie im großen Maße auch die Unterstützung der Presse bei ungewöhnlichen Filmen brauchen der gleichen Presse zwar, der sie jahrelang vor­geredet haben, die Filme der vergangenen Zeit seien die allein selig machende Zukunft, und nochmals der gleichen Presse, an deren Film- freudigkeit sie sich in dem gleichen Atemzug wenden, in dem sie ihre Spalten mit Propaganda- material aller Art füllen.

Der große Wandel wird also nicht von heute auf morgen kommen, aber wir sind auf dem Wege dahin, und wir sind es um so mehr, als es heute in der Tat möglich ist, einen verheißungsvollen Film herauszuheben und ihm eine Verbreitung zu verschaffen, die seinen ideellen Erfolg sicherstellt und auch seinen wirtschaftlichen Notwendigkeiten gerecht wird.

So erlebte der Noldan-FilmWas ist die Welt. zunächst einmal seine Uraufführung im Rahmen der ersten Veranstaltung, mit der die