Ausgabe 
(6.12.1933) Nr. 330
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Nr. 330 / 4. Vierteljahr

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Binnenschiffe werden überholt

Reichszufchüsse zum Zweck der Arbeitsbeschaffung

Die Vereidigung von Heß und Röhrst

Die neuernannten Minister ohne Portefeuille Hetz und Rohm wurden vom Reichspräsi­denten empfangen und von ihm vereidigt

Berlin, S. Dezember.

Das Reichsverkehrsministerium war seit Wochen bemüht, im Zusammenhang mit den Maßnahmen der Reichsregierung zur Be­hebung der Arbeitslosigkeit aus den Mitteln des IVN-Millionen-Fonds für Wohnungs­instandsetzungen eine entsprechende Aktion für Instandsetzungen an Binnenschiffen durch­zuführen, durch die der Binnenschiffahrt Dar­lehen zur Instandsetzung ihrer Fahrzeuge zu­geführt werden sollten. Die Aktion konnte nicht weiter verfolgt werden, da sich ergeben hatte, datz die erforderlichen Sicherheiten für solche Darlehen meist nicht aufzubringen waren.

Nunmehr hat sich ermöglichen lassen, aus dem 50V-Millionen-Fonds für Instandsetzung von Gebäuden bis zu vier Millionen für die Instandsetzung von Binnenschiffen abzu­zweigen. Aus diesen Mitteln werden Reichs­zuschüsse gewährt, und Zwar innerhalb ge­wisser Höchstgrenzen von 20 v. H. bei gewöhn­lichen Instandsetzungen und Umbauten und von 80 v. H. bei Arbeiten, die notwendig sind, um dem Schiff die Klasse zu erhalten, oder wieder zu geben. Außerdem werden ZinsoergiitunMcheine wie beim Gebäude­instandsetzungsfonds gegeben.

Die Zuschüsse sind der Höhe nach durch be­sondere Sätze je Tonne oder PS. begrenzt. Die Arbeiten müssen bis zum 1. April 1934 durchgeführt sein. Die Verteilung der Zu­schüsse ist den Ländern übertragen. Die Län-

Gegen Unsitten bei der Beslaggung

Berlin, S. Dezember.

Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gibt bekannt: Es ist zu be­

obachten, da'g an Privathäusern die nationalen Flaggen vielfach ohne jeden besonderen Anlaß gezeigt werden, daß sie an den Tagen, an denen eine allgemeine Beslaggung stattfand, nachts nicht wieder eingezogen werden, und daß sie sogar tage- und wochenlang hänge» bleiben. Um dieser die Bedeutung der Flaggen und die Würde der na­tionalen Symbole beeinträchtigenden Unsitte zu steuern, wird daraus hingewiesen, daß Flaggen nur an den Tagen gezeigt werden dürfen, an denen aus besonderen Anlässen die Beslaggung von Privathäusern von behördlicher Seite als angebracht und erwünscht bezeichnet oder von parteiamtlicher Seite angeordnet worden ist. Die Flaggen mühen an diesen Tagen möglichst früh­zeitig gesetzt werden und sind mit Sonnenunter­gang wieder einzuziehen.

Es wird nochmals daraus aufmerksam gemacht, daß es nicht statthast ist, die Hakenkreuzflagge und die schwarzweitzrote Flagge, die beide neben einander bestehen, in irgendeiner Form zu ver­einigen.

der haben die entsprechenden Weisungen er­halten und werden unverzüglich die Stellen bekanntgeben, an die die Anträge zu richten sind, und die über die Anträge zu befinden haben. Die Richtlinien und Antragsmuster werden im Reichsverkehrsblatt bekannt­gegeben werden.

Die Frage einer Finanzierung von Ab- wrackplänen muh, da Mittel hierfür nicht zur Verfügung stehen, zurückgestellt bleiben.

*

Diese Maßnahmen, die die Binnenschiffahrt aus dem Weg über den Süv-Millionensonds für Instandsetzung von Gebäuden in das Ar­beitsbeschaffungsprogramm einschaltet, sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die ganze Binnenschiffahrt. Denn neben der

Wien, 5. Dezember.

Wie hier verlautet, wird Litwinow aus der Durchreise nach Berlin am Mittwoch in Wien eintreffen und hier kurz Aufenthalt nehmen. In Berlin wird er Donnerstag eintreffen.

Rom» 5. Dezember.

Litwinow verlas heute mittag vor der auslän­dischen Presse eine Erklärung. Mit seinem Besuch habe er in erster Linie der Genugtuung über die zwischen Sowjetruhland und Italien seit langem bestehenden Beziehungen Ausdruck geben wollen, die Rußland weder ändern noch durch andere er­setzen wolle. Seit Bestehen dieser Beziehungen habe sich kein Konflikt und fast keine Meinungs­verschiedenheit zwischen den beiden Ländern einge­stellt, die aus ihrer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit nur Nutzen ziehen könnten. Es sei nur natürlich, wenn die Vertreter der Außen­politik Sowjetrußlands und Italiens in einen Gedankenaustausch über die Probleme und die entsprechende Haltung ihrer Regierung eintraten, wie das gerade jetzt bei seiner Begegnung mit Mussolini geschehen fei.

Ausgehend von dem gemeinsamen Wunsch der Sicher st ellung des allgemeine« Friedens und von der Notwendigkeit einer dahinzielenden internationale» Zusammenarbeit haben sich bei diesen Besprechungen von neuem eine Menge Berührungspunkte in der Politik der beiden Länder ergeben. „Alles, was den Frie­den fördert oder garantiert, kann mit Sicherheit auf die Zustimmung Sowjetrußlands rechnen, während es alle zweifelhaften Kombinationen, und alles was nicht zur Vermehrung der Sicher­heit des Friedens dient, ablehnt."

Die Besprechungen über die internationalen Probleme, die er in den letzten Wochen mit dem französischen Außenminister Paul-Boncour, mit dem Präsidenten Roosevelt und mit dem italieni-

reinen Arbeitsbeschaffung, die durch das Zur- verfügungstellen dieser Mittel erreicht wird und die iin Augenblick als Ursache und Zweck der Hilfsaktion zu betrachten ist, wird für die gesamte Binnenschiffahrt, und damit für die deutsche Verkehrswirtschaft noch mehr erreicht.

Der Binnenschiffahrt wird hier die Gele­genheit geboten, ihre Tonnage wieder in einen voll leistungsfähigen Zustand zu ver­setzen, der ihr Lei der fortschreitenden Bele­bung der Gesamtwirtschaft wesentlich zu gute kommen wird. Bremen, als Endpunkt der Weserbinnenschiffahrt, wird die beleben­den Auswirkungen dieser Maßnahmen nicht nur arbeitsmarktpolitisch, sondern auch in einer allgemeinen Belebung der Weser- schiffahrt zu spüren bekommen.

schen Regierungschef Mussolini gehabt habe, hät­ten einzeln wie zusammen genommen, nicht nur den Beziehungen zwischen den entsprechenden Ländern, sondern auch der Sache des allgemeinen Friedens gedient.

Für das Scheitern der Abrüstungskonferenz sei von ihm in Newyork weder Japan noch Deutschland genannt oder gar verantwort­lich gemacht worden. Ein Eintritt Deutschlands in den Völkerbund sei eine Frage ohne aktuellen Wert. Was ein Aenderung der Beziehungen der Kleinen Entente zu Sowjetrußland betreffe, so habe die russische Regierung immer den Wunsch und sei auch bereit, mit allen Regierungen in gu­ten Beziehungen zu stehen. Es hänge von der Kleinen Entente ab, einen entsprechenden Wunsch vorzubringen. Mit dem Vatikan schließlich habe er in Rom keinerlei Fühlung gehabt.

Neue Gefahrenzone in Ehina

Englisches und amerikanisches Kriegsschiff in Futschau

Nanking, 8. Dezember.

Das chinesische Außenministerium hat den Ver­tretern der fremden Mächte empfohlen, ihre Landsleute zum Verlassen der Provinz Fukien aufzufordern. Zum Schutze der die Gefahren­zone verlassenen Europäer und Amerikaner sind ein britischer Zerstörer und ein amerikanisches Kanonenboot im Hafen von Futschau eingetrof­fen. Truppen der Nanking-Regierung haben vier Städte im Innern Fukiens mit Artillerie beschossen. Es handelt sich jedoch um Städte, in denen außer Missionaren fast gar keine Europäer und Amerikaner weilen.

Soziale Steuerpolitik

M. Die natkvnalfpzialistifche Führung hatte sofort nach der Uebernahme .der Staatsge­walt im Reich auch auf .dem Gebiet der Finanz- und Steuerpolitik zielbe­wußt die Förderung des Gesamt- Wohles der Nation in Angriff genommen. An die Stelle der Liebesgabenpolitik der früheren Regierungen gegenüber „lebens­wichtigen" Svnderinteressen einzelner Wirt­schaftsgruppen trat der die Evsamtwirtschaft erfassende Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Daß dieser mit beispielloser Energie einge­leitete Feldzug bereits Wer zweieinhalb Millionen Volksgenossen Arbeit und Brot verschafft hat, ist mehrfach gewürdigt worden. Ueber das ziffernmäßige Ergebnis der Ar- beitsfchlacht hinaus sind nun auch außer­ordentlich weittragende Erfolge finan­zieller und steuerpolitischer Art zu verzeichnen, über die sich vorgestern (wie wir bereits im größten Teil unserer Dienstag- Ausgabe berichteten) Staatssekretär Rein­hardt bei einem Eeneralappell der Ber­liner Haus- und Grundbesitzer zum ersten Mal ausführlich äußerte. Bekanntlich sind bereits im Vorjahre und im Januar d. I. Arbeitsbeschaffungspläne in Kraft getreten; das weitaus wirksamste Programm aber da­tiert vom 1. Juni 1933. Wenn von den im Rahmen dieser drei Programme bewilligten > 1390 Millionen RM. bis jetzt erst 509 Milli­onen RM. ihrem Zweck zugeführt wurden, so

konnte der Referent der Reichsregierung an­gesichts der noch verbleibenden Arbeitsvor­räte, der Mittel für schwebende Bewilligun­gen und der 'Aufkommen an freiwilligen Spenden mit Recht von einem außer­ordentlich günstigen Ausblick in die Zukunft sprechen. Wir haben jeden­falls, was die Finanzierung der Arbeits­schlacht betrifft, den Angriff gegen die Er­werbslosigkeit noch nicht in seiner ganzen Stoßkraft durchgeführt und verfügen über Reserven, die einen Rückschlag inden kritischen Wintermonaten völlig unmöglich erscheinen lassen.

Das Fallen der Arbeitslofenziffer hat zwangsläufig eine Erhöhung der Steuerein­nahmen, eine Verminderung der sozialen Lasten und damit eine Verbesserung der öf­fentlichen Haushalte zur Folge. Diese selbst muß sich wieder aus die Arbeitsbeschaffung günstig auswirken. Mit besonderer Freude wird gerade das schassende deutsche Volk davon Kenntnis nehmen, daß die finanzpoli­tische Entspannung in einer kompromißlos sozialen Steuerpolitik ihre Auswirkung fin­den soll. Die geplante Neugestaltung der Einkommensteuer, deren Tarif mit 8 Prozent statt bisher mit 10 Prozent be­ginnen soll, steht erfreulicherweise ebenso wie die Reform derVermögens-undErb- schaftssteuer im Zeichen der Förderung kinderreicher Familien, sollen doch über die jetzige Regelung bedeutend hinausgehende Kinderermäßigungen — vom dritten Kind

Litwinow reist über Berlin

Der russische Volkskommissar des Aeußeren über seine Friedenspolitik

Schulerffehung und Kührerprinzip

Von proksssor l)r. Ssriiarci Lucicls, blannovsr

Schon seit Jahrzehnten ist von sachkundiger Seite immer wieder die Forderung erhoben worden, daß die Schule, und zwar vor allem die höhere Schul«, sich mehr als es geschah und geschieht, die Pflege der Persönlichkeit angelegen sein lassen müsse. Nachdem jetzt durch die national« Revolution an die Stelle des demokratischen Massenprinzips in unserem gesamten Volksleben das Führerprinzip getreten ist, wurde jene Forderung der Persönlich­keitsbildung noch umso dringlicher, denn das Führerprinzip hat Persönlichkeiten zur Voraus­setzung.

Allerdings muß dann zunächst Klarheit herr­schen über den Begriff und das Wesen der Per­sönlichkeit. In der vergangenen individualistischen Zeit ist mit dem Begriff „Persönlichkeit" viel Mißbrauch getrieben worden, so daß er in man­chen Kreisen in Mißkredit kam. Aber dadurch wird der Wert wahrer Persönlichkeit nicht beeinträch­tigt. Die Aufklärungsphilosophie von Leibniz und Wolfs setzte das Wesen der Persönlichkeit in das Selbstbewußtsein und betrachtete als ihr aus­zeichnendes Merkmal die Intelligenz. Erst bei Kant, der dem Begriff der Persönlichkeit einen ethischen Einschlag gab, wächst dieser über die bloße Intelligenz hinaus und erweitert sich zur „Frei­heit und Unabhängigkeit von dem Mechanismus der ganzen Natur", so daß nunmehr zum Wesen der Persönlichkeit nicht mehr bloß das Selbst­bewußtsein, sondern auch die Selbstbestimmung gehört. Und in diesem Kant schen Sinne muß Per­sönlichkeit gefaßt und erstrebt werden, wenn sie in den Dienst des Führerprinzips treten oder viel­mehr, wenn Persönlichkeit und iHib'-r identisch werden sollen.

Solche Persönlichkeiten oder Führer heranzu­bilden, muß sich auch vor allem die höhere Schule als Ziel setzen. Die alte höhere Schule des vorigen Jahrhunderts erstrebte weniger Menschen mit persönlicher Eigenart als vielmehr für den Staat brauchbare, gleichmäßig vorgebildete Beamte. Auch dieser Zielsetzung sind in unsern höheren Schu­len Einrichtungen und Maßnahmen entsprungen, die mit dem Führerprinzip nicht vereinbar sind.

Wir denken dabei zunächst an den in ihnen seit fast 100 Jahren vorherrschenden pädagogischen Intellektualismus, der in einseitiger Weise fast nur den Verstand und das Gedächtnis pflegt und darüber die Pflege von Willen, Gemüt und Phan­tasie vernachlässigt. Das entspricht nicht mehr dem Persönlichkeitsbegrifs, der Adolf Hitler vor­schwebt. Das erkennt man aus der entschiedenen Art, in der Hitler der Charakterbildung den Vor­rang vor der wissenschaftlichen Bildung zuerkennt. Er sagt ausdrücklich in seinem Buch „Mein Kampf", es sei sehr zu bedauern, daß in unseren Schulen die bewußte Entwicklung guter, edler Charaktereigenschaften gleich Null sei. Es müsse im völkischen Staat auf die Charakterbildung ein ganz anderes Gewicht gelegt werden; sie sei viel wichtiger „als manches von dem, was zurzeit unsere Lehrpläne ausfüllt."

Eine weitere Einrichtung, die in den höheren Schulen dem Führerprinzip widerspricht, ist das in ihnen herrschende System der allgemeinen Bildung, das zur Folge hat, daß selbst auf der Oberstufe dieser Schulen, auf der die individuelle geistige Eigenart der Schüler und eine Differen­zierung in verschiedene Begabungsrichtungen sich deutlich zu zeigen pflegt, auf jene Eigenart keine Rücksicht genommen, sondern von allen Schülern in allen Fächern dasselbe verlangt wird. Es

wird dabei ganz übersehen, daß durch ein solches System die individuelle geistige Eigenart, die für eine Persönlichkeitsbildung und für eine Bildung zum Führertum gerade von besonderem Wert ist, unterdrückt wird. Darauf hat schon im vorigen Jahrhundert Ludwig Wiese, der damals das preußische höhere Schulwesen lange Jahre gelei­tet hat, mit ernsten Worten hingewiesen. Er sagt, daß die höhere Schule die Aufgabe habe, die schöpferische Originalität durch weitgehende Berücksichtigung der geistigen Eigenart der Schü­ler möglichst zu pflegen und ihr nicht entgegen­zuarbeiten. Sie müsse weniger auf Fleiß und Fortschritte in allen Lehrgegenständen sehen als vielmehr Talent und Neigung berücksichtigen. Das viele Wissen wecke kein geistiges Leben, son­dern ertöte es; darum müßten wir „Güter über Bord werfen, um Menschen zu retten". Wenn die Bildung zur Persönlichkeit und zum Führer­tum gefördert werden soll, dann muß auf der Oberstufe der höheren Schulen, auf der bei den Schülern bestimmte Begabungsdifferenzierungen (so vor allem für das fremdsprachlich-historische, für das mathematisch-naturwissenschaftliche, für das philosophische und das literarische Gebiet) hervorzutreten pflegen, die Unterrichtsorgani­sation von ihrer Starrheit befreit und organi­satorisch die Möglichkeit geschaffen werden, daß ein Schüler, wenn er auf dem Gebiete seiner Sonderbegabung mehr leistet, als der Lehrplan verlangt, dafür auf einem seiner Begabung nicht liegenden Gebiet entsprechend entlastet wird. Auf der Unterstufe und auf der Mittelstufe muß selbstverständlich allen Schülern ein bestimmtes Maß von Allgemeinbildung übermittelt werden. Bei der individuellen Bildung der Oberstufe kann sich dann die jugendliche Persönlichkeit von der Stelle aus, wo sie in ihrer angeborenen Ve- gabungsrichtung ein Kraftzentrum hat, frei ent­wickeln. Auch mit dieser Forderung entsprechen wir dem Erziehungsprogramm Adolf Hitlers.

Diese Maßnahmen betrafen den Unterricht; eine dritte betrifft die Zucht in den Schulen. In ihr herrscht oft noch immer zu viel bloßer Zwang und gleichmachender Drill. Dadurch wird aber auch wieder die Entwicklung zum Führertum aufgehalten, die ohne ein gewisses Maß von Freiheit nicht möglich ist, Goethe hat einmal mit Recht gesagt: „Es geht alles bei uns dahin, die liebe Jugend frühzeitig zahm zu machen und alle Natur, alle Originalität aus- zutreiben, so daß am Ende nichts übrig bleibt als der Philister." Auch diesen Schaden im bis­herigen Schulleben hat Hitler richtig erkannt und gekennzeichnet. Er tadelt es, daß man schon in der Schule leider mehr Wert auf das „reu­mütige" Geständnis und das „zerknirschte Ab­schwören" des kleinen Sünders lege als auf ein freimütiges Bekenntnis. „Letzteres erscheint manchem Volksbildner von heute", bemerkte er, „sogar als sichtbarstes Merkmal einer unver­besserlichen Verworfenheit, und so manchem Jun­gen wird unglaublicherweise der Galgen wegen Eigenschaften prophezeit, die von unschätzbarem Wert wären, wenn sie das Gemeingut eines ganzen Volkes bildeten."

Damit haben wir auf einige Schäden in den Schulen, besonders in den höheren Schulen hin­gewiesen, die sich mit dem Führerprinzip nicht vertragen und die deshalb im völkischen Staat, in dem jener Prinzip überall herrschen soll. un­bedingt beseitigt werden müssen.

Das Theater der Jagend eröffnet

Die vom preußischen Ministerpräsidenten Eö- ring und dem Kultusminister Rüst geschaffene neue Bühne der Berliner Jugend im Schiller- Theater wurde in diesen Tagen mit einem Festakt eröffnet. Schirmherr des Theaters ver Jugend ist der preußische Ministerpräsident selbst, der sich bei der Eröffnungsfeier durch Staatssekre­

tär Körner vertreten ließ. Zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsregierung wohnten der Feier bei. Vertreter der Berliner Lehrerschaft waren in großer Zahl anwesend. Die preußische Staatskapelle unter Leitung von Professor Robert Heger eröffnete den Festakt mit dem Deutsch­landlied und dem Vorspiel aus den Meister­singern. Staatskommissar Hans Hinkel, der Leiter des Amtlichen Preußischen Theaterausschusses, sprach Worte der Begrüßung und gab dem Dank Ausdruck, daß es möglich geworden sei, zum erstenmal der deutschen Jugend ein eigenes Theater zu geben. Außer dem Ministerpräsiden­ten und dem Kultusminister gebühre auch dem preußischen Finanzminister Dr. Popitz Dank, der es ermöglicht habe, daß an seinem heutigen Geburtstag das Theater eröffnet werden könne. Nach den nationalsozialistischen Grundsätzen sei es nicht mehr denkbar, die Jugend in beliebige Theatervorstellungen zu führen. Die Fugend allein sei der Garant dafür, daß das Errungene in Zukunft bewahrt und für kommende Genera­tionen weiter getragen werden. Hinkel übergab dem Oberbürgermeister Dr. Sahm das Theater zu treuen Händen

Oberbürgermeister Dr. Sahm wünschte namens der Stadtverwaltung Berlin dem neuen Theater der Jugend alles Gute und nahm das Haus in die Obhut der Reichs- und Landeshauptstadt. Er gelobte, daß die Reichshauptstadt alles daran setze, dieses Haus in dem Sinne zu führen, wie es dem Willen des Schöpfer, des preußischen Minister­präsidenten Göring, entspreche.

Eröffnet wurde die Spielzeit mit Schillers „Wilhelm Teil" in der Inszenierung des Inten­danten Herbert Maisch Der Völkische Beobachter hatte der Eröffnungsvorstellung eine kunstvolle mit dem Bild des /Pihrers geschmückte Festschrift gewidmet, die Aussprüche und Geleitworte füh­render Persönlichkeiten des politischen und kul­turellen Lebens enthält.