Ausgabe 
(5.12.1933) Nr. 329
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

g

WL'tz

schlagt

spiele

>TB. 5:« (z.g, Uebcrraschung,

P"°'Ls

««'xL"

M-Z

«zielk wi^

urmer sorgt U hab^n L

-rr-L^

/SL:.s

»tz.ZL.

, °uf Ausgleich -chluß gelingt, i eihrn den Mannschaften kL

S°s°ck-Bl. 14:«

?d °rwl

rn 6:1 (4:v)

^O.Zeigte der So Leistungen, gz >ben, daß die St, ung seines Kön

chpc Bremen

rhn 1 8:5 (4:1);!

Tb. Zialin 8 (3:0). > '

>eiß 1 3:2 ( 2 : 2 ). - TSB. Eröpcli

-P- Verden Tv. Mahndors I tg

- Tvg. Hemelingen z

spiele

-K. 7:6 (42)

Lempo los. Der So warten: Halbrechii cht alle Anstrengen- aber die gute Der, keinen Gegner zum t es den DSK.-ru, tzt wird Tv. d. N. Gegentor und Aus wird durch die Ev en Spielhandlungen. ne 4:2-Führung zu ntwickelt sich immer st der Ball in den ingt beiden Mann- üiederbeginn werden r immer schwächer, mdes Freistellen er- digung die Arbeit, ares Tor den AuS- LSK. die Führung, t. Durch zwei Tore Tv .d. B. stellte Elf. BSK.War in gut. DSlPLtitrm sten Spielen.

l!!e:

Knaben 3:1. VSK. Z:2. VSK. 1. Frauen Shausen 4 MTB.

Eintracht 1 2:1 iche-Horn 4:1 (4:8). il 2. Knaben 3:2.

lwrdmai'k

irsprüuglich sänst- zuis-ammengestelli. zei-SV. Schwerin es Sporttages in Ereignis war dir ark Flensburg mit p Einen recht be- rddoutsche Meister r die Tnrnerschast

rg 10:3 l<:»1

SMNtag, nachdem relen bisher sechs g erstes Spiel in 'weis seines Köil- Spielhülst« wam gleichwertig, erst z größere Können auf Grund län- Tore erzielten, einziges entgegen-

mark Flcnsbu-g

1882 Hamburg

79:13

46:29

52:41

50:49

44:45

34:47

43:42

30:44

3:2b

vremer

8as amtliche Organ Ses Senats

Zeitung

ger Freien Lanfestaöt 6reinen

Monats-Bezug: Bei täglichem Erscheinen RM. 2,39 einschließlich 3V Rpf. Zustellungsgebühr; durch die Post RM. 2,30 einschließlich Ueberweisungsgebühr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich­ten. Postscheck Hamburg 74 738. Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.

1

9

3

3

Anzeiaen-Teil: Hielias ie mm-Zeile 13 Rpf-, auswärtige 17 Rpf.; im Textteil hiesige 75 Rpf., auswärtige 109 Rps KleinÄnzeiaen bis 20 mm, Familien-Anzeigen und Wohnungsmarkt der Vorauszahlung 8 Rpf-, Stellengesuche 6 Rps? Platzvorschriften ohne jede Verbindlichkeit, ^lle ft^-gen Bedingungen nach Tarif.

Sprechzeit des Verlages und der Schriftleitung 12 bis 1S Uhr. / Schluß der Anzeigenannahme 16 Uhr.

Nr. Z2Y / 4. Vierteljahr 3

Oienstag, den s. Dezembi

Einzelpreis is Nps.

Steuern werden gesenkt

Vergünstigungen für kinderreiche Familien / Einkommensteuer 8 Vvm Hundert / Staatssekretär

Reinhardt über die soziale Steuerreform

Berlin, 4. Dezember,

Auf einer Kundgebung der Hausbesitzer im Sportpalast hielt der Staatssekretär im Finanz­ministerium Reinhardt eine Rede. Er gab zu­nächst einen Ueberblick über die finanzpolitischen Maßnahmen der Regierung zur Arbeitsbeschaf­fung. Im Rahmen der verschiedenen Arbeits­beschaffungsprogramme, so führte er aus, seien bereits LOS Millionen RM. ausgezahlt worden, und es würden noch 1230 Millionen RM. ausgezahlt worden. Der unmittelbare Umsatz, der sich aus dem Arbeitsbeschaffungsgesetz vom 1. Juni 1933 ergibt, betrage nicht nur eine Milliarde, sondern weit mehr.

Eingehend beschäftigte der Staatssekretär sich mit dem Gebäudeinstandsetzungsgesetz vom 21. September 1933, durch das etwa 500 Millionen RM. zur Förderung von Instandsetzun - gen und Ergänzungen an Gebäuden zur Verfügung gestellt werden. Wer die Gelegenheit sein Haus instand zu setzen oder zu ergänzen jetzt nicht wahrnimmt, sagte der Staatssekretär, der muß später die Auswendungen restlos aus eigenen Mitteln bestreiten und auf jeden Zuschuß des Reiches und auf jegliche steuerliche Vergünstigung verzichten.

Im »eiteren Verlaus seiner Rede beschäftigte sich Staatssekretär Reinhardt mit Fragen der Steuerpolitik und der Steuerreform. Das Reichssinanzministerium sei gegenwärtig bei den Vorarbeiten für eine grundlegende Verein­fachung des gesamten deutschen Steuerwesens. Es werde ein Steuersystem geschaffen, das sozial gerecht sei und wirtschaftlich tragbar sei. Man werde nicht den Wünschen der verschiedensten In- teressentengruppen und Interessenten sondern ein­zig und allein den Interessen der Allgemeinheit und dem Gedanken der Volksgemeinschaft folgen. Der Hausbesitz werde eine nicht unbedeutende steuerliche Erleichterung erfahren.

Weiter sei eine allgemeine Ermäßigung des Einkommensteuersatzes in Aussicht genommen. Der Einkommensteuertaris solle nicht mehr mit zehn sondern mit acht von Hundert beginnen und nicht mehr bis zu SO v. H. reichen sondern schon weit tiefer seine Höchstgrenze erreichen. Darüber hinaus seien bedeutende Kinder-Ermätzigungen in Aussicht genommen. Diese sollten 15 v. H. der Einkommensteuer für das erste, 20 v. H. für das zweite, 25 v. H. für das dritte und 39 v. H. für das vierte und jedes weitere Kind betragen. Bei der Erbschaftssteuer sei beabsichtigt, die Besteuerung der Erbschaft von Ehegatte», Kindern und Enkeln zu beseitigen. Weitere Entlastungen seien bei der Abgabe zur Arbeitslosenhilfe in Aussicht genom­men. Auch mit der Frage der Hauszinssteuer werde man sich im Rahmen des Steuerumbaues besassen.

Das Wesen der Steuerreform werde darin be­stehen, mit der Kompliziertheit des Steuerrechts sofort, mit der Vielheit der Steuern im Laufe

einiger Jahre Schluß zu machen. Reich, Länder und Gemeinden würde» steuerlich als Einheit betrachtet werden. Die Vereinfachung des Steuer­wesens werde in ihrer Ganzheit zu einer Senkung der aus Produktion, Verbrauch und Besitz ruhen­den Lasten führen und eine Eeneralmaßnahme zur Gesundung von Wirtschaft und Finanzen darstellen.

Für den verhinderten Reichsarbeitsminister Seldt« sprach Staatssekretär Krohn vom Reichs- arLeitsministerium. Er führte nach einer Dar­legung der dem Hausbefitz zuteil gewordenen Hilfe u. a. etwa folgendes aus:

Schon jetzt zeigen sich günstige Auswirkungen der Jnstandsetzungsaktion. Die Zahl der durch Teilung gewonnenen Wohnungen ist sprunghaft gestiegen. Ebenso sind die Auswir­kungen auf das Handwerk zu beurteilen. Die Zahl der arbeitslosen Baufacharbeiter hat vom Februar bis Oktober um über 350 000 fast 58 v. H. abgenommen. Der Hausbesitz hat sich freudig hinter die Reichsregierung gestellt. Deshalb hat diese den Hausbefitz auch zum Ban­

nerträger im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit dieses Winters gemacht. Bei dieser Aufgabe muß sich der Hausbesitz natürlich über seine besonderen Pflichten klar sein. Diese bestehen darin, alles daran zu setzen, daß trotz Kälte und Frost mög­lichst kein Arbeiter mehr feiert als bisher."

Staatssekretär Feder vom Reichswirtschafts­ministerium führte aus, das Mindereinkommen an Mietsbeträgen gegen 1913 betrage 111 Mil­liarde RM., gleichzeitig sei der Wert des Haus- besitzes von 109 Milliarden auf 35 bis 49 Mil­liarden gesunken. An dieser Entwicklung seien die früheren Regierungen schuld. Ein wirtschaft­licher Aufstieg sei nur zu erwarten, wenn das politische Fundament des Nationalsozialismus gelegt sei. Nach der wirtschaftlichen Sanierung werde auch der Hausbesitz wieder eine gesunde Grundlage erhalten. Grundsätzlich sei zu be­tonen: Zinsen und Steuern könnten nur aus den Erträgen bezahlt wer­den. So sei das viel verkannte Wort von der Senkung der Zinsen zu verstehen. Dann sprach Staatssekretär Reinhardt vom Reichssinanz­ministerium.

Der Reichsmfttister der Finanzen hat durch Runderlaß vom 28. November 1933 die Reichs­steuer», die aus der Zeit vor dem 1. Januar 1933 rückständig sind, für Aufträge auf Ersatzveschaf- fungen an Maschinen, Geräten, Werkzeuge», auf Instandsetzungen, Ergänzungen usw. in Bewe­gung gesetzt. Er hat durch Schreiben an die Landesregierungen angeregt, die Aktion auch auf die Steuer« der Länder und der Gemeinde» wie beispielsweise Haus­zinssteuer, Grundsteuer, Gewerbesteuer usw. aus­zudehnen, und zu dem Zweck Anordnungen zu treffe», die dem Runderlaß des Reichsmini­sters der Finanzen entsprechen. Es ist zu wün­schen, daß alle Länder und Gemeinden sich sofort in den neuen Reinhardt-Plan einfügen. Die Aktion muß zur Vergebung zahlreicher Aufträge im Monat Dezember und zu erheblichen An­regungen der gesamten deutschen Wirtschaft im bevorstehenden Winter über das bisher vorge­sehene Ausmaß hinaus führen.

Stefan George 1"

Locarno, 4. Dezember: Der große

deutsche Dichter Stefan George ist in der Nacht zum Montag in Locarno im Alter von 65 Zähren nach kurzer Krankheit ge« starben.

So still wie Stefcm George gelebt hat, ist er aus dieser Welt gegangen, kaum, daß die Feiern seines 65. Geburtstages verklungen sind. Und doch reißt sein Tod eine Lücke in oas geistige Leben Deutschlands, wie sie tiefer und schmerzlicher nicht sein kann.

Als Kultusminister Ruft aus Anlaß des 65. Geburtstages den lebenden Dichter, der immer fern von allem literarischen Betrieb gestanden hat, damit ehrte, daß er seine vaterländische Sendung hervorhob, bewies er ein großes Verstehen des Charak­ters und der Art dieses strengen Sehers. Schon zu Anfang unseres Jahrhunderts hat Stefan George klar ausgesprochen, daß der am meisten für die Menschheit schaffe, der seine gesamten Kräfte zur Entfaltung zu brin­gen vermag. Für Stefan George war mit einer solchen Gesamtleistung die Verwurze­lung mit der Gemeinschaft deutschen Volks- tums notwendig verknüpft. Und als ihn die Masse der Literaten noch als einen über­spannten Aestheten abtun wollte, hatte er sich schon mit dem Gedanken an ein das deutsche Volkstum wieder verehrendes Volk, empor- gerissen von einer kraftvollen Jugend, ver­traut gemacht.

Das Ueberraschende und einmalig Große bei der Betrachtung des Gesamtschaffens Stefan Georges ist dies: es gibt keine Kraft, die dem deutschen Wesen heute eignet, die nicht schon in seiner Dichtung vorgeahnt wird. Darum ist es auch nicht möglich, das Werk dieses Mannes in Einzelheiten aufzu­lösen; das würde alles zerstören, zumindest aber verwirren. Das war dem Menschen der liberalistischen Zeit, der sich hemmungslos in der Vielheit seiner Anlagen und Blickrich­tungen gehen ließ, unverständlich. Nicht die Welt bloßer verstandesmäßiger Grundsätze und begrifflicher Darlegungen konnte den Menschen George erfassen, der mit seinem symbolhaften Schaffen wieder den verinner- lichten und wesenseigenen Deutschen ver­körperte. Die Art dieses großen Schaffenden war von Grund auf religiös. Demut vor Gott und Versenkung in die Beziehungen menschlichen Lebens sind ihm von je eigen gewesen. Er war ein Seher, dem die Sorge für die geistige Gesundung seines Volkes eine von Gott bestimmte Aufgabe gewesen ist.

George entstammt dem Bauerntum. Das erklärt die Unbeirrbarkeit, mit der er seine Sendung, die ihm vorgeschriebene Bahn beibehielt. Und er ist eine vollkommen n e u e Erscheinung. Seiner Persönlichkeit ist die Leidenschaftlichkeit Schillers oder die zu­friedene Äbgeklärtheit des alten Goethe fremd. Auch er stand außerhalb des lärmen­den Alltags, auch er war dennoch kein ver­zagender Asket; er schaffte unermüdlich für die Zukunft, für die neue Generation, und er wird Jahrhunderte über seinen Tod hinaus für die kommenden Geschlechter lebendig bleiben . . .

Stefan George wurde ani 12. Juli 1868 in Bilde sheim bei Bingen als Sohn eines Weinbergbesitzers geboren. Seine Familie

Nach den Stichwahlen in Spanien:

Parlament ohne Mehrheit

Die pulschgefahr von links - Terrorakte in Madrid und Barcelona

Madrid, 4. Dezember.

Die bisherigen Ergebnisse des zweiten Ganges der Spanischen Parlamentswahlen. stellen sich nach einer Veröffentlichung des spanischen In­nenministeriums wie folgt: Gewählt wurden

10 Radikale, 1 Konservativer Republikaner, 1 Unabhängiger Radikaler, 1 Unabhängiger Re­publikaner, 1 Mitglied der Volksvereinigung, 5 Mitglieder der Landwirtepartei, 2 Traditiona­listen, 8 Sozialisten, 1 Kommunist. In Madrid- Stadt sind 13 Sozialisten und 4 Rechtsparteiler gewählt worden. In Burgos ist auch der Grün­der der spanischen faschistischen Partei, Dr. Albinana, gewählt worden.

Die verhältnismäßig hohe Mandatsziffer, die die Sozialisten in Madrid erzielten, kann über ihre insgesamt erfolgte Nieder­lage nicht hinwegtäuschen. Die Rechtsparteien haben bekanntlich schon im ersten Wahlgang mit über 60 Prozent die absolute Mehrheit erhalten. Jener Ruck nach rechts hat sich durch das Resultat des letzten Sonntags noch ver­stärkt. Die Rückkehr Spaniens zur monar­chischen Staatsverfassung wird durch das Ge- samtwahlergebnis allerdings nicht zur De­

batte gestellt, denn es ist lediglich der katho­lisch-konservative Einfluß gesichert. Die eigent­lichen Monarchisten, die sich bei diesen Wahlen Traditionslisten nennen, sind innerhalb der Rechtsopposition nur eine Minderheit.

AlsLösung" wird eine Minderheitsregie­rung unter Lerroux, die von der Rechten tole­riert werden müßte, in Erwägung gezogen.

Wie wir bereits gestern berichteten, ist über ganz Spanien der Ausnahmezustand verhängt worden, den die Regierung mit der Gefahr einer bis ins einzelne vorbereiteten anar­chistischen Aufftandsbewegung begründet.

Streiks und Ausschreitungen

Paris, 4. Dezember.

Havas berichtet aus Madrid: Vergangene Nacht explodierten vor den Eingangstüren zu zwei großen Kaffeehäusern zwei Bomben. Der Sach­schaden ist beträchtlich. Menschen sind nicht zu Scha­den gekommen. Man nimmt an, daß dieser An­schlag mit dem Streik der Kasseehauskellner in Zusammenhang steht. Zn Madrid haben sich Wahl-

zwischensälle ereignet. So wurden gegen das Madrider Kasino mehrere Steine geworfen, wo­durch zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert wur­den. In einem Vorort wurde auf einen Auto­fahrer ein Anschlag unternommen und der Eigen­tümer des Wagens erschossen.

Aus Barcelona berichtet Havas, daß die Verhandlungen über die Beilegung des Trans- portarbeiterstreiks fehlgeschlagen sind. Im Stadt­teil Horta in Barcelona explodierte eine anschei­nend von anarchistischer Seite ausgelegte Bombe in einem Elektrizitätswerk. Ein Autobus, der trotz des Streiks ausgefahren war, wurde von den Streikenden überfallen und in Brand gesteckt. In Tarrasa hat die Polizei eine geheime Zusammen­kunft von Extremisten ausgehoben und 40 Per­sonen, darunter bekannte Anarchisten, verhaftet. Der Generalgouverneur hat die Verhaftung der Anarchisten und die Schließung der Noten Ge­werkschaften angeordnet.

Keine Einsllhrung der Arbeitsdienstpslicht

Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: Die Be­hauptung desManchester Guardian", vom 2. De­zember, daß am 1. Januar die Arbeitsdienstpflicht in Deutschland eingeführt wird, entspricht nicht den Tatsachen.

Loncisrbsriciit sus Srüsssl:

Gin strategischer

Baggermaschinen, Kettenwagen, Hunderte von Arbeitern an Zementbecken, prustende Arbeiter­kleinbahnen, tiefe Ausschachtungen das sind die eisten Eindrücke, die man zwischen Lüttich und Canne am großen Kanal-Bau gewinnt. Man baut einen Kanal, irgend einen Kanal, den man schon im voraus Albert-Kanal taufte? Dieser Bau, der in vier Jahren vollendet sein wird, hat eine außerordentliche Bedeutung für Belgien, vielleicht für ganz Europa, denn der vollendete Bau wird Lüttich mit Antwerpen direkt verknüpfen. Als Verkehrsweg also eine Lücke füllen und strategisch den Generalstäblern Belgiens eine neue Wehr in die Hand geben. Wenn im kommenden Sommer der erste Ab­schnitt LüttichCanne der Oesfentlichkeit über­geben wird, dürfte man in den offiziellen Reben nur sehr wenig auf diese strategische Seite ein­gehen. Denn zu einer guten Strategie gehört hinzu, baß man recht wenig über sie spricht.

Im Jahre 1930 begann man auf eindringliches Betreiben der Strategen mit dem Bau. Man bewilligte im Handumdrehen die 300 Millionen Mark, die zu dem Bau benötigt werden und star­tete so das größte öffentliche Arbeitsprogramm, das in Belgien jemals begonnen wurde.

Man nahm damit der seinerzeit unangenehm werdenden Arbeitslosigkeit Belgien ein gutes Teil der krassesten Folgen Eine stattliche An­zahl Arbeiter wurde herangezogen. Man brauchte Mai-bi-en und Menschen. Schließlich galt es, 30 M'O'o.rn Kubikmeter Erde zu be­wegen.

Sechs Riesenschleusen, l2 große Brücken, Dämme, Uferausbauten das sind einige der

Kanal ln Hellsten

notwendigen Bauten, die in dem Riesenpro­gramm stehen.

Kürzlich sagte ein belgischer Politiker:Die­ser Kanal ist Belgiens Panama-Kanal." Er stutzte einen Augenblick bei des Wortes zwei­facher und im zweiten Sinne unangenehmer Be­deutung und fuhr dann fort:

Der Panama-Kanal verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Hier wird die Maas mit der Scheide verbunden. Das sind Belgiens wich­tigste Wasserwege und Lebensadern."

Es ist kein Zweifel, daß die Pläne, die die Po­litiker, die den Bau durchsetzen, ebenso viel Hin­tergrund haben, wie die Ideen der Wirtschaft­ler, die sich da in Gedankengängen hineinträu- men, die in Deutschland nicht ohne aufmerk­sames Interesse bleiben können.

Der Albert-Kanal soll außer der Arbeitsbe­schaffung für den Augenblick sich in ferner Zu­kunft auswirken. Die Berechnungen gehen bis in das Jahr 1960. Man schafft mit dem Kanal eine billige Verbindung zwischen den neu ent­deckten, sehr reichen Kohlenfeldern von Campine und den hauptsächlichsten Konsumenten. Ferner wird eine direkte Verbindung hergestellt zwi­schen dem Hafen von Antwerpen und der Lüt- ticher Metall-, Zement- und Kurzwaren- Jndustrie.

Wir machen in 25 bis 30 Jahren aus dem bisher trostlosen und öden Campine ein Indu­striezentrum, durch das das Ruhrgebiet kalt­gestellt und übertrumpft wird!" sagte einer der belgischen Wirtschaftler, die sich mit ihrer gan­zen Kraft für das Projekt des Albert-Kanals einsetzten.

Doch nun zu der anderen Seite, zu der in­direkten Bedeutung des Kanals, über die man nicht so deutlich und direkt spricht. Jeder Was­serweg ist ein strategisches Hemmnis, das man in Rechnung setzen kann. Der Kanal ist, wenn vollendet, eine absolute Barriere gegen einen Einfall von Osten", wie die Generalstäbler Belgiens sich immer wieder ausdrückten. Die Verteidigung des Kanals wird umso leichter möglich, als das neue, oft besprochene, in seiner Bedeutung schon berühmte Riesenfort Eben- Emael den Kopf des Lanaye-Abschnittes deckt, durch den der Kanal führt. Dieses Fort sichert den Kanal in der ganzen Länge der holländi­schen Grenze, aber es deckt auch die Visö-Vrücke und das Mouland-Gebiet. Auf diesen Ausbau haben die belgischen Generalstäbler umso größe­ren Wert gelegt, als hier im Kriege 191418 schwache Punkte in der belgischen Verteidigungs­basis zu suchen waren.

Es ist den Belgiern nicht unangenehm, den Holländern versichern zu können, daß so auch die niederländischen Grenzen gesichert seien, obwohl Holland wenig Verständnis für den Verfolgungs­wahnsinnnach dem Osten" ausbringen dürfte.

Es gibt in bezug auf diesen strategischen Kanal auch noch einedritte Seite". Sie bezieht sich auf Holland direkt und erwächst aus der Tat­sache, daß die belgische Flugschiffahrt durch den neuen Kanal, dessen Fertigstellung im Jahr« 1937, falls kein« ernstlichen Störungen auftreten, garantiert sein soll. von der Notwendigkeit ent­bunden wird, holländisches Gebiet zu passieren, um Antwerpen zu erreichen vom Maasbassin aus. Das nimmt Holland einige Einflußnahme und Kontrolle des belgischen Handels, der hier pai sierte. Für Belgien aber bedeutet die ange­führte Tatsache eine Steigerung der wirtschaft­lichen und der politischen Unabhängigkeit.

Belgien versichert, daß damit die oft sehr pein­lichen Kontraversen zwischen Brüssel und dem Haag, die aus der Gebietsüberschneidung er­wuchsen, für immer beseitigt würden.

Und deshalb wird der Albert-Kanal für Bel­gien auch in dieser Hinsicht ein strategischer Kanal, der Panama-Kanal von Belgien, vor­erst in des Wortes guter Bedeutung.

Chinas älteste Knltirr

«restlich beeinflußt?

Die Frage, woher die früheste chinesische Kul­tur stammt, ob sie sich aus sich heraus entwik- kelt hat, oder durch fremde Völker ins Land ge­bracht ist, war bisher nicht zu lösen. Die Aus­grabungen, die 19291932 in Zentral-China durchgeführt wurden, und über die nun die ersten zusammenfassenden chinesischen Berichte vorliegen, werfen ein neues Licht auf diese Frage.

Durch Funde von zahlreichen Knochen, die mit altertümlichen Schriftzeichen bedeckt waren, an­geregt, begann man bei der Kreisstadt Anyang (in der Provinz Honan, Mittel-China) zu gra­ben. Es wurde möglich, die alte Schrift zu entziffern, und daraus zeigte sich, daß man die Hauptstadt der 2. Dynastie (Pin) entdeckt hatte, die etwa 1500-1000 besiedelt war. Die Inschrif­ten auf den Knochen waren meist Orakel über Opfer, Regen, Ernte und Ausgang von Kriegszügen, aber sie bestätigten doch auch in überraschender Weise die Berichte der alten An­nalen, die man bisher immer für mehr oder minder sagenhaft gehalten hatte. So erweitern die Ausgrabungen unsere Kenntnis des geschicht­lichen China.

Die Yin herrschten über ein kleines Reich, ringsum von Nicht-Chmesen (Tungusen. Tan- gnten) umgeben, und wohnten teils in Häusern, die im Grundriß den heutigen ähnlich sind, teils aber in Erdhöhlen, so wie heute noch manche

sibirischen Stämme. Diese Erdhöhlen waren runde, 2 Meter tiefe Löcher, die mit einem leichten Dach gedeckt waren. Dabei hatten die Yin eine hochentwickelte Bronzegußkunst, die Vor- läuferin der so berühmten altchinefischen Bron­zen. Die Ornamentik der Bronzen, seltsam in Linien und Voluten ausgelöste Tiere und Sym­bole, hat sich aus einer alten Knochenschnitz­kunst entwickelt. Daneben hatten sie schöne weiße Tongefäße.

Vor diesen Yin-Leuten lebten aber an der gleichen Stelle Leute mit einer anderen Kultur (Lang-shan-Kultur); auch sie wohnten in Erd­löchern und hatten eine schwarze Keramik. Und wieder kurz vor ihnen gab es dort eine Kultur mit farbig bemalter Keramik (Yang-shao-Kul- tur). Diese Keramik läßt sich durch ganz West- China verfolgen sie wird je weiter nach Westen, desto ausgeprägter und zeigt ganz überraschende Aehnlichkeiten mit der des frühen Vorderasien und besonders Südrußlands. Diese Aehnlichkeiten sind so stark, daß sie sich eigentlich nur durch Einwanderung erklären lassen. Diese müßte etwa um 2000 v. Chr. stattgefunden haben. - Weiter: die Form der Waffen der Yin-Lsute (um 1400 v. Chr.) zeigt mit der vorgeschicht­lichen Vronzekultur vom Jenissei und darüber binaus mit der gleichzeitigen Periode unserer Bronzezeit wieder starke Verwandtschaften. Es muß auch in dieser Zeit wieder eine Beeinflui- sung von Westen her stattgefunden haben. Da­neben zeigt die Yin-Kultur natürlich typisch chi­nesische Züge (Reisanbau, Sciidenzucht), nard- asiatische (Erdhöhlen, Knochenschnitzerei) und liidasiiUi che Züge (Tätowierung. Ornamente).

Die Ausgrabungen zeigen alw daß gerade in der ZUt der Entw-rNung der chinesischen Kultur Einflüpe van Europa 'a"s wirksam gewesen sind, die vielleicht sogar entscheidend gewesen sind.

Dr >V. Lb.