«reiner
das amtliche Organ öes Senats
-er Freien Sanfesladt Vremen
MouatS-Bezug: Bei täglichem Erscheinen RM 2.30 einschließlich 8V Rps Zustellungsgebühr: durch die Post RM 2 30 einschließlich Uebcrweisungsgebühr ausschl Poitbestellgelo. Ter Bezugspreis ist im voraus zu entrichten — Postscheck Hamburg 74 733. - Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz
19
3
3
Anzeigen»!«»:. Hiesige je mm-Aeile >3 Rps., auswärtige 17 Rps.: im Textteil hiesige 7ö Rps.. auswärtige 100 Rps Klein-Aiizeigen bis 20 01 m. Familien-Anzeigen 'und WvhnungSmarkt bei' Vorauszahlung 8 Rpt.. Stellengesuche 8 Rps -Platzvorschristen ohne jede Verbindlichkeit. Alle- sonstigen Bedingungen nach Tarif. Sprechzeit -es Verlages und der Schristleituag 18 bis 17 Uhr. / Schluß der Anzeigen-Annahme 18 Uhr.
Nr. Z25 / 4. Vierteljahr
Freitag, den 1 . Dezember
Einzelpreis is Rps.
Einheitliche
AdventSgotteödienste
Berlin, 30. November
Am ersten Advent, dem Beginn des neuen Kirchenjahres, wird das volksmissionarische Amt der Deutschen Evangelischen Kirche mit der Durchführung der volksmissionarischen Arbeit beginnen. Am ersten Adventssonntag wird die Predigt in allen evangelischen Gottesdiensten über den gleichen Text gehalten werden. Es wird ein Lied sein, das Millionen evangelischer Deutscher zu der gleichen Stunde singen. Das große Wort Jesu vor seinem kaiserlichen Richter Pilatus: Ich bin dazu geboren und in die Welt'gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll 7 wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme lJoh. 18, Vers 37) und das kraftvolle Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit" werden dem deutschen Einheitssonntag sein inneres Gepräge geben. Zu den Gottesdiensten dieses Sonntages werden in erster Linie die christlichen Hausvater aufgerufen. Darüber hinaus soll der ganze Dezembermonat. wie der erste Dezember im Zei - chen des Dritten Reiches, zu einem vorweihnachtlichen deutschen Advent gestaltet werden. Deutsche Adventssitte, deutsche Adventsbräuche und deutsche Adventslieder sollen im Raum der Kirche lebendig werden. Am Nachmittag des zweiten Adventssonntages wird darum in allen Gemeinden der evangelischen Kirche eine liturgisch ausgestattete Feier des deutschen Advents veranstaltet.
Rücktritt des Kirchenmimsleriums
Berlin, 30. November.
Amtlich wird durch den Evangelischen Pressedienst gemeldLt:
Das geistliche Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche ist zurückgetreten. Der Reichsbischos hat die Rücktrittserklärnng angenommen und die Mitglieder des geistlichen Ministeriums gebeten, bis zur Neubildung ihre Aemter weiterzuführen.
Amtseinführung des Reichs- bischofs verschoben
Berlin, 30. November.
Der Evangelische Pressedienst meldet: Mit Rücksicht auf die durch den Rücktritt des geistlichen Ministeriums geschaffene Lage hat der Reichsbischos beschlossen, daß die auf den ersten Advent festgesetzte Feier seiner Amtseinführung aus einen späteren Termin verschoben wird.
Der Präsident des Deutschen Noten Kreuzes, von W i nterfeldt - Menkin, hat, wie der „Lokal-Anzeiger" meldet, nach Errichtung der neuen Satzung des Deutschen Roten Kreuzes der Reichsregierung sein Amt zur Verfügung gestellt.
Berlin, 30. November. Mit dem 15. Dezember tritt eine wesentliche Neueinrichtung des Arbeitsdienstes uns Leben. An diesem Tage werden'drei von der Rcichsleitung des: Arbeitsdienstes im ganzen Reiche eingerichteten Meldeämter für den Arbeitsdienst ihre Tätigkeit aufnehmen. Diese Meldeämter haben die Aufgabe, sämtliche Freiwilligen, die sich für den deutschen Arbeitsdienst melden, zu erfassen und von nun ab alle Einstellungen ' in den Arbeitsdienst vorzunehmen. . ,
Um diese Aufgabe durchführen zu können, ist bereits das Reichsarbeitsministerium bzw. die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbcits- ' losenversicherüng ' ersucht worden, allen Arbeitsämtern die Anweisung zugeben, daß ab 15. De-
Berli», 30. November.
Der Reichslciter für den Freiwilligen Arbeitsdienst Staatssekretär Hier?, gewährte, wie das VDZ.-Büro meldst, einem Vertreter der „Leipziger Neuesten Nachrichten" eine Unterredung, in der er außerordentlich bedeutsame Angaben über den Arbeitsdienst mächte.
Dem Arbeitsdienst sei eine große' volkswirtschaftliche Produktivität zuzuerkennen. Schon jetzt finde man überall im Reiche zahlreiche Stellen, die im Vorjahre noch Oedland waren und aus denen heute Kartoffeln oder Getreide wachsen Der Arbeitsdienst wolle durch bestmögliches Bearbeiten deutschen Bodens unser Volk unabhängig von der Einfuhr lebensnotwendiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse machen. Wenn der Arbeitsdienst diese Aufgabe erfülle, dann habe er eine derartig produktive Aufgabe gelöst, daß demgegenüber alle im privatkapitalistischen Geiste angestellten Rentabilitätsberechnungen abwegig erschienen. Die volkswirtschaftliche Produktivität des Arbeitsdienstes werde in viel höherem Maße erscheinen, wenn es gelungen sei. den vom alten System hinterlassenen Zustand eines planlosen Einsatzes zu überwinden. Dazu wäre eine
planvolle Arbeitsbeschaffung für den Arbeitsdienst
gipfelnd in einer zentralen Stelle des Reiches und Zweigstellen in den Ländern usw notwendig Seit Jahren weise er auf diese Notwendigkeit hin. Er hoffe, daß es ihm schließlich gelingen werde, die dazu nötige Unterstützung anderer Reichsbehörden zu gewinnen. Zur finanziellen Produktivität verwies der Staatssekretär u. a darauf, daß
zember die Freiwilligen, die sich für den Arbeitsdienst melden, an das nächstgelegene Meldeamt des Arbeitsdienstes zu verweisen find.
.Von jetzt ab werden also.alle Freiwilligen, die sich'melden., durch den Arbeitsdienst selbständig . eingestellt und zwar durch die Meldeämter. Annahmen erfolgen täglich an den Wochentagen während der Dienststunden. Die Einstellung in den Ar- ' bcitsdienst erfolgt aber nur.noch am 1. einer jeden > Monats. Wer nach dem 15. eines Monats sich'meldet, läuft Gefahr, daß seine Einstellung erst im. übernächsten Monat erfolgen kann. Die Meldeämter werden auch die Entlassung aus dem Arbeitsdienst regeln und werden jeden Angehörigen des Arbeitsdienstes einen Arbeitspaß ausstellen.
der jugendliche Arbeitslose dem deutschen Volke durchschnittlich 1,5V RM. täglich koste. Der Ar- beitsdienftwillige koste 2,14 RM. einschließlich der Kosten für Führung und Verwaltung. Für die Mehrkosten von 64 Pfg. werde erreicht, daß der junge Mensch, anstatt für Key vaikvlpirtjchaft- lichen Produktionsprozeß auszufallen, volkswirtschaftliche Werte schaffe und daß er. anstatt durch Arbeitslosigkeit zu'verkümmern, Leib und Seele bei der Arbeit gesund erhalte und zu einer hohen sittlichen Auffassung vom Begriff Arbeit erzogen werde. Dieser Vorteil, der sich durch Zahlen gar nicht ausdrücken lasse, sei von größter Bedeutung auch für die Volkswirtschaft.
Eine Entlastung der Gemeinden trete schon durch das Ausscheiden der jungen Leute aus der Erwerbslosenfürsorge ein. Dazu komme noch die starke Belebung der ortsansässigen Wirtschaftskreise durch ein Lager, das 2VV junge Leute mit ihren vielfältigen Bedürfnissen umfaßt. Das Geld, das dem Arbeitsdienst siir die Unterhaltung von Mannschaft und Lager zur Verfügung gestellt werde, fließe doch restlos in die Volkswirtschaft zurück. Daher bemühten sich die Gemeinden auch, Arbeitslager in ihrem Bereich zu bekommen.
Es sei seibsiverstäirdlilh. daß ein Abbau des Arbeitsdienstes im kommenden Winter nicht stattfinden werde. Wetterfeste Unterkünfte, allerdings teilweise von spartanischer Einfachheit, seien vorhanden. Daneben Habs die Rsichsleitung transportfähige Holzbaracken bereitgestellt, die bereits in zahlreichen Fällen in unbewohnten Gegenden errichtet wurdeir. Was die Veschäftigungsmög- lichkeiten anlange, so würden zur Durchführung
: Dieser Paß wird in Deutschland bald ein sehr wichtiges > Dokument sein, mit dem der Besitzer manchen Vorteil erringen kann. Wir könne» uns denke», daß dir Zeit nicht sern ist. wo der ,Ein- zslyr, wenn er um Arbeit oder um Anstellung im Staatsdienst bei Gemeinden, Behörden usw. bemüht, zuerst zu hören bekommt: „Zeigen Sie Ihren Arbeitspaß" und daß das Vorzeige» des Arbeitspasses ihn dann moralisch vor denen ein Plus geben wird, die solchen Arbeitspaß nicht vorzuzeigen vermögen. Die junge Männerwelt Deutschlands hat als« ein erhebliches Interesse daran, dafür zu sorgen, daß sie in den Besitz eines Arbeitspasses gelangt. Das ist nur möglich über den Arbeitsdienst,, der ein Ehrendienst für Deutschland ist.
der in Deutschland vorhandenen volkswirtschaftlichen wertvollen Kulturarbeiten bei einem Jahreseinsatz von einer
Viertel Million Menschen noch wenigstens 4Ä Jahr« benötigt
werden. Auch'für den Winter sei vorgesorgt. Im übrigen bleibe unverrückbares Ziel dre Einführung der allgemeinen gleichen Arbeitspflicht.
Zum Schluß betonte Staatssekretär Hier! noch, daß die aus dem Arbeitsdienst Ausscheidenden vielfach schon vor der Entlassung von Unternehmern angefordert würden. Die von der Reichsleitung geschaffenen Organisation des Arbeitsdank e. B bemühe sich um die Förderung der Aufnahmebereitschaft der Wirtschaft für die durch den Arbeitsdienst ertüchtigten jungen Menschen.
Haltet die Arbeitszeit ein!
Der Treuhänder den Arbeit für Südwestdsutsch- land hat vor einigen Tagen einen Bauunternehmer inhaftieren lassen, weil er seinen Arbeitern die Tariflöhne nicht zahlte und die 48ftündige Arbeitszeit überschreiten ließ. Der Treuhänder hat darüber hinaus den Architekten, uuftr dessen Leitung die Arbeit des inhaftierten Banunternehmers ausgeführt wurde und der den Bauherrn bei der Auswahl der Banunternehmer berate,, hat, angedroht, daß auch er eine gleiche Bestrafung, zu erwarten habe, wenn er in Zukunft bei der von ihm vorzinchlagenden Auswahl der Vannnternehmcr nicht darauf achtet, daß solche Angebote, bei denen nicht mit Tariflohn kalkuliert ist, überhaupt vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. (Siehe auch Seite 2Z
Vierzig Jahre Arbeit ür 250000 beuische Volksgenossen
primsi cisr AuksripoliM
Von ^gon ^risclr. IV!. ^ci s rs
Wer als Vaterlandsfreund, als guter Deutscher, als' dienstsreudiger Anhänger des neuen Staates oder auch als eingeschriebener Nationalsozialist in diesen letzten Wochen und Tagen den Gang der außenpolitischen Begebenheiten in Europa, in Amerika, in Ost und Fern-Ost aufmerksam verfolgt hat, der ist sich darüber klar geworden, daß unser neues Deutschland nicht „über kurz oder lang", sondern ..über sehr kurz" in «inen neuen Abschnitt seiner Entwicklung eintreten wird.
Unter „außenpolitischen Begebenheiten" darf man freilich nicht nur das oft dürre und dürftige Tatsachengerippe der gemeldeten äußerlichen Ereignisse verstehen, wie etwa den Verleumdungsschachzug des bewußten Pariser Blattes, die Unterredung Hitlers mit dem französischen Botichaster. den mit den bekannten drei fettgedruckten Sternen gezeichneten, unzweifelhaft vom französischen Generalstab eingeflößten Aufsatz in der „Revue des deux manches" über den „nicht wieder gut zu machenden Fehler der vorzeitigen Rhetnlandräumung", den Wert des Saargebietes als französischen Festung-stützpunkt und die Möglichkeit oder Unmöglichkeit einer neuen Besetzung von Mainz.. Die nackten tagesgeschichtlichen Wirklichkeiten scheinen oft nicht viel zu besagen! Sind doch selbst andere, wie man meinen sollte ftutzigmachendere, zu unruhvollem Nachdenken Anlaß bietende Tatsachenmeldungeu m diesen Tagen durch die Welt gegangen, ohne daß die deutsche Presse in ihrer überwiegenden Mehrheit groß Aufhebens davon gemacht hat! So z. B. der ungeheure Stimmungserfolg des verschlagenen, starkneroigen und ganz überlegenen sawjet- russischcn Außenministers Lftwinew in Nemyoick,
die unmittelbare Abreise desselben von dort nach Italien und die Ankündigung eines großen Empfanges zu seinen Ehren durch Mussolini...
Wenn man sich erinnert, daß eben dieser Lit- winow auf der diessommerlichen Weltwftrschafls- konfcrenz in London nicht nur unbestreitbar und unübersehbar die einzige im staatsgeschäft- lichen Sinne starke Persönlichkeit war, die nicht bloß mit statistischem Zahlenkram langweilte oder Eesinnungssprüche vom Stapel ließ, sondern der auch als einziger Gewinner praktische Politik machte, dem offiziellen Gequassel fern blieb, in den Gängen und Hotelhallen privatim verhandelte und mit einer dickbäuchigen Aktenmappe voll unterschriebenen Nichtangriffspakten feixend ab,zog: — wenn man sich daran erinnert und dem nachdenkt, dann wäre es unseres Trachtens nach so langsam an der Zeit, daß die deutsche Presse ihre Aufmerksamkeit von der Innen- auf der Außenpolitik verlegte.
Die Zeit der tätigen Mitarbeit am Gedeihen des neuen Staates ist da. Sie kann nicht bestehen im geschäftigen Auswalzen der amtlichen Mitteilungen über die Maßnahmen sozialer und kultureller Fürsorge. Wenn das Ausland behauptet, die deutichen Zeitungen seien bloß noch Schallplatten des Eoebbelsministeriums, so war das ein Ehrentitel n u r s 0 l a n g e , als es den Sieg der totalen Revolution, des neuen Slaatsgedankens noch irgendwo und irgendwie zu sichern und zu befestigen galt . . , Davon kann seit dem 12. November keine Rede mehr sein. Die Niederhaltung kommunistischer Umtriebe ist eine rein staatspolizeitech- nische Verwaltungsangelegenheit. weiter nichts mehr Und die Reaktion auf der anderen Seite ist nc-.h wenige: eine innerpolitische Wirklichkeit
mehr. Sie ist eingeschmolzen in dem Tiegel des überwältigenden Abstimmungsprozesses. Die paar dürren, verdorrenden Triebe, ausgedrückt in der winzigen Prozentzahl von Nichtwählern und Nein-Stimmen, sterben lautlos ab. Es braucht sich also keine oornovemberlich gleichgeschaltete „bürgerliche" Zeitung heute mehr hitlrnschcr als Hitler selbst zu bemühen. Die Meinung ist frei .... d. b. in jedem Sinn«, der noch einen Sinn hat; nicht frei gegen den Staat: — dafür gibt es heute weder Schreiber noch Leser mehr! Aber frei für eigene Gedanken! Für tätige Mitarbeit am staatsgs schüft lichen Wohl und Wehe der Nation.
Der Führer besitzt die größte außenpolitische Besonnenheit, die je ein deutscher Staatsmann gezeigt hat. Er läßt sein neues Deutschland wachsen... Er kennt keine Uebereilung . . . Kein Mann der Partei ist eilig als Leiter der deutschen Außenpolitik eingesetzt worden. Kaum ein wichtiger Posten dieses Rcichsministeriums, kaum eine Botschafter- oder Eelandtenstelle von ausschlaggebendem Gewicht ist van der Partei besetzt.
Niemand hat je behauptet, das Fiihrerprinzip im neue» Staat nehme exklusiv und autoritär auch die rein geschicklichkeitsmäßige. vom Welt- anschaungsmäßlgcn gänzlich unberührte außenpolitische staatsg e s ch ä i t l i ch e Gerissenheit für sich in Anspruch und mit Beschlag! Ohne die geht es nicht! Das weiß niemand besser als der Führer, der sicher nicht umsonst bislang der billigen Versuchung widerstanden hat, etwa dem italtemichen Regierungschef einen auf Parallelität der völkischen Ideale gegründeten Sympathiebesuch zu machen?! Es war hohe außenpolitische Sraats- mannsweisheit, daß er dies nicht getan hat . . . Ebenso wie er vom ersten Tage seines Regierungsantritts tiihl und nüchtern unterschieden hat
zwischen deutschem Kommunismus und der außenpolitischen staatsgeschästlichen Realität eines weltpolitischen Machtfaktors wie der sowjetrus- sischcn Republik, der gegenüber es nicht gilt deutscher Nationalsozialist, sondern deutscher gerissener Staats g eschä ftsm an n zu sein . . .
Und so ist es sein unbezweifelbarer Wille, daß das fridertzianische großherzige Wort in Kraft bleibe, das er nach dem Tags von Potsdam sprach: , Wer Deutschland liebt, darf uns kritisieren." d. h. darf auf dem Wege der öffentlichen Meinungsbildung durch die verantwortungsbewußte Presse Für und Wider der außergesinnungsmätzigen praktischen Geschäftspolitik mit Zivilcourage zur Erörterung stellen ...
Uns will es scheinen, als ob es an dieser von der nationalsozialistischen Regierung nie einen Augenblick gedrosselten und geknebelten Zivilcourage wieder einmal, wie schon so oft, ja beinahe immer in Deutschland, bedenklich zu mangeln beginne! . . .
Ein sogenanntes „diplomatisches Revirement", d. h. eine durchgreifend« Umbesctzung außenpolitischer Posten ist nur eine Frage der Zeit im neuen Staats Die Zeit aber drängt. Wir brauchen weltpolitische Eeschäftsköpfe. Die Führung wird sie nickt übersehen, w e n n sie s i ch t b a r werden Wie aber werden st« sichtbar? Selbst im gesamten Aus- land. trotzdem dort noch die Auswahlmöglichkeit durch die tatsächlich tagenden und demokratisch redefechtenden Parlamente besteht — selbst im gesamten Ausland sucht man sich die geschastsklu- gen Praktiker zum großen Teile aus der Presse heraus. . .
Wo soll nun im neuen Deutschland sem-Is ein moderner, junger, der schweren iioliencn außenpolitischen Lage des Landes geschäftlich gewachsener diplomatischer Nachwuchs herkommen, wenn der gesamte sogenannte deutsche „Blätterwald", frommer und päbstlicher als der Padst,
Die Mahnung des toten Soldaten
Bon Raimund H a i n tz, Landesprrssechef der NSTAP. Oesterreichs
Auf dem. Westfriedhof in Nürnberg liegt ein junges Grab, und über dem frischen Hügel wölbt sich ein Berg rwn Kränzen. Grünes Reiser, Lorbeer, Rosen, Nelken, Chrysanthemen, Latschenzweige, und zwischendurch leuchten rote Schleifen mit dem Hakenkreuz auf weißem Grund. Bänder mit den Farben Slywarz-Weiß-Rot und eine Seidenschleise Rot-Weib-Rot. Der große Reiferkranz mit diesem Band ward hingelegt von Männern aus dem Lande, aus dem die Kugel käm, die das junge, blühende Leben zerstörte.
Fröhlich, lachend und singend zog der noch nicht zwanzigjährige Reichswehrmann Philipp Schuhmacher mit feinen Kameraden vor wenigen Tagen hinaus und hinaus in die von jungem Schnee bedeckten bayerischen Berge, hart an der Grenze, um den Schneeschuhiaus zu erlernen und — wenige Stunden später färbte sein heißes, junges Blut die weiße Schneedecke.
Gemordet von einem, der dieselbe Spraäje spricht wie sein Opfer. „Gemordet von einer Kugel, die aus unserer Heimat, aus Oesterrcich, kam."
Am offenen Grabe hatte der Führer und Kanzler des deutschen Volkes, der an das Grab seines jüngsten Soldaten geeilt war, das ausgesprochen, was hunderttausendrn Nationalsozialisten Oesterreichs, lyas dem überwiegenden Teil des deutsch-österreichischen Volkes angesichts des toten, grauen Kameraden auf den Lippen lag:
„Die Mörder dieses deutschen Soldaten sind nicht identisch mit den Millionen unserer Stammesbrüder jenseits der Grenze. Würden diese Stammesbruder die Möglichkeit besitzen, ihre Stimmen frei zu erheben, so würden sie sich feierlich lossagen von den Mördern und Prinzipien, aus denen diese Blutschuld erwuchs."
Für diese Worte dankt das deutsche Volk Oesterreichs dem Kanzler des neuen Deutschland. Das Volk Oesterreichs hat nichts gemein mit den Mördern unseres Blutsbruders, wie es ebenso diejenigen ablehnt, die letzten Endes für diese Kainstat verantwortlich sind.
Der Tote an der Grenze zweier deutscher Länder darf nicht umsonst gefallen sein. Sein Blut mutz den Mann zur Besinnung bringen, dem die Mörder kurz nach ihrer verbrecherischen Tat huldigten. Herr Tollfuß, der immer wieder beteuert, christlich und deutsch zu denken und zu fühlen, muß jetzt, um nicht auch noch das Vertrauen seiner nur mehr wenigen anständigen Anhänger zu verlieren, eine starke Mauer setzen zwischen sich und Mördern und
fortfährt, über Deutsche und Deutschtum alles das zu sagen und nachzuholen, was er — vor dem 30. Januar zu sagen versäumte, statt jetzt die Augen aus die Außenwelt zu richten, und die Regierung mit fruchtbarem Meinungsaustausch zu unterstützen, wie des geeinten Vaterlandes lebensnotwendige Geschäftsinteressen am klügsten ja. sagen wir es noch einmal, am gerissensten zu wahren sind . .
Wenn Litwinow sich „einen Dreck darum schert", daß sein neuester wirtschaftspolitischer Verhandlungspartner ausgerechnet in der Hochburg des Kapitalismus, in den Vereinigten Trauten von Nordamerika sitzt: wenn er dort als „seriöser" und höchst ebenbürtiger staatsgeschäftlicher Genosse groß gefeiert wird. wenn er von da schnurstracks zum anderen innerpolitischen Todfeind, zum faschistischen Italien auf Ramschvisil« fähr!: wenn Mussolini, wie nicht zu '.Weiseln, pflichtgemäß der aktiven italienischen Handelspolitik den Vorrang einräumt vor seinen weltanschaulichen Sympathien: — dann wird es Zeit, daß das ganze geeinte deutsche Vaterland sich darüber klar wird, daß der große festliche Zeitabschnitt des innerdeutschen Umbruchs abgeschlossen iit und der Alltag der praktischen staatlichen Eeschästsgcbarung angebrochen ist.
Köpfe vor die Front! Deutschland ist einig und ist frei. Meinungen heraus! Schimpfen und entrücken. Gesinnungen und Gefühls i» die Außenpolitik hineinzutragen war immer ein deutsches Laster Deutschland wirb weiterhin, wie immer bisber. solange als ein tückischer Kinvskops, als ein hinterhältig boshafter Tölpel in der Welk an- gesichert werden, wenn es nach dem Heinrich be- jubeiten Laster der Uneinigkeit, das es nun endgültig nbg/lcgi bat. nickt auch jetzi dieses alte Laster besiegt, adstre-ft, von sich schlenkert und zwar besser heute als morgen! Die Zeit ist reis dafür. Primat der Außenpolitik ist die Losung!