Ausgabe 
(24.1.1934) Nr. 23
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Uonats-Bezug: Bei

Nr. 23 / i. Vierteljahr

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Mittwoch, den 24 . Januar

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Neuregelung der 0ffizier«laufbahn in Italien

Rom, 23. Januar

In der Sitzung des italienschen Heeresrates, dessen Vorsitz Mussolini führt, wurde das ange­kündigte neue Veförderungsgesetz besprochen. Die­ses Gesetz sieht eine neuartige Lösung der Offi­zierslaufbahn insofern vor, als zwei verschiedene Laufbahnen geschaffen werden, die der Komman­deure und der Nichtkommandeure. Durch schnellere Beförderung der ersteren Gattung sollen beson­ders befähigte Führernaturen in die Lage ver­setzt werden, schon in verhältnismäßig jugend­lichen! Alter in höhere Kommandostellen zu ge­langen. Die Laufbahn der Offiziere soll darunter nicht leiden. Im Gegenteil, auch deren Beförde­rungsverhältnisse sollen gebessert werden.

Der Sinn des neuen Gesetzes dürfte darin zu suchen sein, daß der Anreiz für besonders begabte Elemente zum Eintreten in die Armee gesteigert wird, daß das Offizierskorps zur Selbstverant­wortung und Führerfreudigkeit erzogen und noch verstärkt vom faschistischen Geist durchdrungen wird. Im Heeresrat wird weiter die Frage der vormilitärischen und nachmilitärischen Erziehung behandelt. Es besteht in Italien die Tendenz, Lie Dienstzeit möglichst kurz zu halten und die Ausbildung durch entsprechende Vorbereitung der Jugend vor der Dienstzeit gleich wirksam oder noch wirksamer zu gestalten.

Starke Zunahme der Eheschließungen

cknb. Berlin, 23. Januar.

Nach den Feststellungen des Statistischen Reichs­amtes wurden im Jahre 1933 in den deutschen Großstädten im ganzen rund 209 00V Ehen ge­schloffen, das sind rund 40000 mehr als im Jahre 1932. Der größte Teil dieser Zunahme der Eheschließungen mit rund 34 000 entfällt auf die Monate August bis Dezember, d. h. also in die Zeit nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Förderung der Eheschließungen. Die, Heiratszif­fer betrug im Jahre 1933: 10,7 auf 1000 Einwoh­ner der Großstädte. Sie war damit die höchste seit den ersten Nachkriegsjahren, in denen die Heiratshäufigkeit bekanntlich mit dem Nachholen der während des Krieges unterbliebenen Ehe­schließungen eine außerordentliche Höhe erreichte. Insbesondere häuften sich die Eheschließungen in den letzten Wochen vor dem Weihnachtsfest. So wurden im Dezember des vergangenen Jahres allein 26 000 Ehen geschloffen, genau um die Hälfte mehr als im Dezember 1932.

Gedenkpostkarte der Neichspost zum 30. Januar

Die Deutsche Reichspost gibt zum 30. Januar, an dem sich der Tag der nationalen Erhebung zum ersten Male jährt, eine Eedenkpostkarte zu sechs Reichspfennigen in beschränkter Zahl heraus. Der Wertstempel in schwarzbrauner Farbe zeigt ein Doppelbild des Reichspräsidenten und des Reichs­kanzlers. Auf dem linken Teil der Vorderseite be­findet sich ein Bild des denkwürdigen Fackelzuges durch das Brandenburger Tor in Berlin. Der Ver­trieb der Karten durch die Postanstalten beginnt am 29. Januar. Die Karten können mit den erfor­derlichen Zusatzmarken auch nach dem Auslande benutzt werden.

Vutschversuch König Alsons?

Mysteriöse Flugzeugeeife eines Vertrauten des Königs

DeD. Madrid, 23. Januar

Der spanische Spiovageabwehrdienst sucht zur Zeit die Gründe und Hintergründe einer myste­riösen Flugzeugreise zu kläre», die ein Vertrauter des im Auslande lebenden König Alfons XIII. nach Madrid unternahm. Der heimliche Besuch ist vollkommen gelungen. Jedoch kann man über den Zweck des mysteriösen Besuchs nur Vermu­tungen haben. So nimmt man an, daß es sich um einen P «tschplan handelt» der durch diesen Vertrauten Alfonsos Lberbracht oder überprüft werden sollte.

Man nahm erst an, daß der geheimnisvolle Be­such in Madrid General Varrera oder General Martine; Anido gewesen sei, die beide Alfonsos erste Vertraute und seine rechte Hand sind. Es ist jedoch nachweisbar, daß beide Paris an den in Frage kommenden Tagen nicht verlassen haben, dagegen der spanische Oberst Ansaldo den Handstreich wagte. Er erreichte Spanien mit dem Flugzeug, das sein Bruder, ein bekannter Pilot führte. Bei Pamplona mußte jedoch in dem dichten Nebel eine Notlandung vorgenommen werden, die so unglücklich verlief, daß das Flug­zeug ernsteren Schaden nahm.

Oberst Ansaldo gelang es, mit einem Maultier­karren seinen Weg fortzusetzen und unbehelligt nach Madrid zu gelangen, während der Pilot sich verhaften ließ, um jede weitere Suche nach

seinem Bruder zu verhindern. Die Polizei wußte mit dem Piloten nichts anzufangen, der sagte, er sei aus Heimweh einmal über spanischem Gebiet gekreuzt und ließ ihn nach dreitägiger Haft wieder frei. Er beeilte sich selbstverständlich, über die Grenze nach Frankreich zurückzugelangen. Es gelang ihm, unter einem Waggon die Grenze zu erreichen und an dem Umladebahnhof, an dem Spurenwechsel der Bahnen, seinFahrzeug" zu wechseln.

Oberst Ansaldo erledigte seine Ausgabe restlos und fuhr dann mit einem geliehenen Auto bis an die Grenze, wo er die Posten mit einem fal­schen Paß zu bluffen wußte, so daß er für einen Augenblick" einen bekannten Offizier auf der französischen Seite begrüßen konnte natürlich, um nicht mehr nach Spanien zurückzukehren.

Mehr hat die Polizei über den Besuch nicht ermitteln können, alle Recherchen in Madrid ver­liefen erfolglos. Der Zweck der geheimnisvollen Madridreise im Auftrage des Königs Alfonso ist das große Rätsel des Tages.

Teilumbilöung des spanischen Kabinetts

Madrid, 23. Januar

Durch den Rücktritt des Innenministers Avello ist eine Teilumbildung des Kabinetts eingeleitet

worden. Avello hat bei den letzten Wahlen kein Mandat erhalten. Nur aus Gründen der Aufrecht­erhaltung der öffentlichen Sicherheit war er bis jetzt im Amt geblieben. Es verlautet, daß Lerroux dem Staatspräsidenten folgende Lösung der Teil­krise vorschlagen wird. Zum Innenminister wird der bisherige Kriegsminister Martine; Bar - rios ernannt. An seine Stelle tritt der Ab­geordnete der Radikalen Partei, Diego Hidalgo. Der bisherige Innenminister Rico Avello wird Oberkommiffar in Spanisch-Marokko.

Hinsichtlich des Außenministers Pita Romero ist noch keine Entscheidung gefallen, jedoch steht fest, daß für ihn das Einverständnis als Bot­schafter beim Vatikan eingeholt worden ist. Die Uebernahme dieses Postens ist nur' eine Zeit­frage. Dann würde Lerroux selbst das Autzen- ministerium mitübernehmen.

Der bevorstehenden Ernennung des jetzigen Außenministers zum Botschafter Leim Vatikan kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie seit dem Sturz der Monarchie im April 1931 den ersten Schritt zu einer Wiederaufnahme normaler Beziehungen Spaniens mit dem Vatikan darstellt. Wie verlautet, wird der Botschafter zunächst nur die Herstellung eines modus vivendi in Rom zu betreiben haben. Hinsichtlich eines späteren Kon­kordatabschlusses bleiben die Bedingungen des Vatikans abzuwarten.

Krach im französischen Parlament

Vfeiskonzert und Internationale während der Sitzung

änd. Paris, 23. Januar.

Die Kammer, die in ihrer Vormittags­sitzung den Gesetzentwurf zum Schutze des Sparkapitals verabschiedet hat, nahm nach­mittags den Haushalt der Strafanstalten in Angriff. Der Abgeordnete H - 2 «: iot unter­nahm einen neuen Vorstoß gegen die Regie­rung wegen des Stavisky-Skandals. Als Her- riot die Rednertribüne betrat, bemächtigte sich des Hauses eine gewaltige Erregung. Es ertönten laute Rufe und Zischen. kündigte an, daß er neue belastende Schrift­stücke bekanntgeben werde. Darauf wurde ihm von den Bänken der Radikalsozialiften zuge­rufen:Wieviel bezahlt man Ihnen?" Das war das Signal für ein Pfeifkonzert auf den Bänken der Rechten. Gleichzeitig stimmten die Kommunisten die Internatio­nale an. Der Lärm wurde schließlich so groß, daß der stellvertretende Kammerpräsident die Sitzung aufhob. Sämtliche Zuschauertribünen wurden geräumt.

In seinen Ausführungen vor der Kammer, die zu den lebhaften Zwifchenfällen und zur Unterbrechung der Sitzung führten, hat der Abgeordnete Her.', ot u. a. den Minister­präsidenten Chautemps persönlich bloßzustellen versucht mit der Erklärung, daß Chautemps

1932 der Rechtsbeistand Barbier de Foutons gewesen sei, der dem Verwaltgngsrat eines Stavisky-Unternehmens angehört habe. Her- riot behauptete weiter, daß der Name des Justizministers Raynaldy in den Aktenstücken einer Stavisky-Affäre stehe. Die Gerichtsver­fahren stockten, weil Einflüsse aus dem Par­lament oder aus den Regierungskreisen den Gang der Rechtsprechung verfälschten. Diese Bemerkung veranlaßte den radikalsozialisti-. schon Abgeordneten Bouessö zu dem Zwi­schenruf:Wieviel bezahlt man Ihnen?" In dem Lärm, den dieser Zwischenruf auslöste, rief Bouesss dem Abgeordneten He->t wei­ter zu:Ich erwarte Ihre Kartellträger!"

Vor Kundgebungen der Steuerzahler

Paris, 23. Januar.

Die französische Kammer setzte am Dienstag­vormittag die Aussprache über den Gesetzentwurf fort, der jedem wegen Vergehens gegen das Spar- kapital Verurteilten die Vornahme von Finanz­operationen verbietet. Innerhalb der einzelnen Gruppen wurde über die verschiedenen Möglich­keiten zur Beseitigung des Stavisky-Skandals be­raten. Bisher läßt sich noch nicht übersehen, wie

die Mehrheit sich zur Einsetzung eines Unter­suchungsausschusses oder zu dem Plan eines Ehrengerichtes des Volkes verhalten wird. Die Regierung hält sich Zurück. Man hat allgemein den Eindruck,, daß die ersten SäuLerungsmaßnah- men, die Chautemps bekanntgegeben hat, nicht den gewünschten Widerhall in der öffentlichen Mei­nung gefunden haben. Sogar nichtoppositionell eingestellt« Blätter betonen, daß es sich nur um halbe Maßnahmen handele und daß die Hauptschuldigen noch im Schatten blieben.

Die allgemeine Stimmung war nach wie vor nervös. Die gestrigen Kundgebungen der sction krsncsise und der kommunistischen Angestellten­gewerkschaften geben zu denken. Ohne zu ernsten Zusammenstößen zu führen, haben diese Kundgebun­gen stellenweise bis nach 2 Uhr gedauert. Man erwartet neue Kundgebungen. Diesmal scheint die Initiative von den Steuerzahlern auszugehen, die in Frankreich in besonderen Verbänden zu­sammengeschlossen sind.

Tschechoslowakisches Militärslugzeug abgesMrzt

Prag» 23. Januar.

Am Dienstag stürzte auf dem Präger Flugplatz ein Flugzeug des Fliegerregiments Nr. 5 ab. Der Flugzeugführer, ein Oberleutnant, einer der besten tschechoslowakischen Militärflieger, erlitt schwere Verletzungen, denen er im Krankenhaus erlag.

Reaktion

Von Albert Hoffmann, Kreis-Propaganda- und Organisationsleiter der NSDAP., Kreis Bremen

Es ist wieder einmal an der Zeit, grund­sätzlich zu einer Frage Stellung zu nehmen, die im Augenbliek sehr viele Gemüter erregt. Eine gewisse Clique, die den Anschluß ver­paßt hat, versucht in völliger Verkennung der Lage in das Weltgeschehen einzugreifen und das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Es muß ein für allemal festgestellt werden, daß nicht gewisse Cliquen, Clubs und Kaffee­kränzchen die nationalsozialistische Revolution gemacht haben, sondern daß die Revolution von Männern durchgeführt wurde, die durch jahrelange Entbehrungen, durch Verleumdun­gen, durch Kampf und Not sich ein neues Reich schaffen wollten. Seite an Seite standen die Soldaten der SA. und PO. und erstritten sich ihr Reich. Wenn heute Leute kommen, die glauben, auch sie wären gute Nationalsozialisten, so sei ihnen einmal deutlich gesagt:Ihr seid keine Na­tionalsozialisten, sondern ihr habt den Wunsch, solche zu wer­den." Nie werdet ihr jedoch von der Art der alten Kämpfer sein, weil ihr nicht den Gummiknüppel der seinerzeitigen Polizei ge­spürt, weil ihr nicht die Schießeisen der Kom­mune gehört habt und weil ihr niemals mit dem Janhagel des Reichsbanners im Kampf gestanden seid. Den alten Nationalsozialisten ist der Nationalsozialismus in Fleisch und Blut übergegangen. Was ihr aus vielen Büchern erlesen und erlernen müßt, das be­greift derAlte" blutsmäßig.

Jedoch, wir lehnen euch nicht ab. Im Ge­genteil, wir reichen euch die Hände zum Kampf. Aber ihr müßt schweigen und Diszi­plin halten können. Glaubt nicht, daß wir etwas vergessen haben. Wir werden, wenn wir es für richtig halten, von Zeit zu Zeit vergeben. Vergessen können wir nicht.

Und wenn heute die Leute in arroganter Weise vor uns hintreten und uns erklären, daß sie wer weiß wie lange schon National­sozialisten wären, so haben wir dafür nur ein leises Lächeln. Ihr hattet ja Zeit genug, den Nationalsozialismus unter Beweis zu stellen, jetzt lernt erst einmal schweigen!

Gefährlicher, viel gefährlicher sind aber die­jenigen, die den Anschluß verpaßten. Die auf eine verkehrte Karte gesetzt hatten und nun resigniert im Hintergrund stehen. Man bezeichnet sie allgemein mitReaktion". Sie sind es, die an jeder Maßnahme der Regie­rung Kritik üben. Sie sind es, die meinen, es wäre heute wieder an der Zeit, von sich reden zu machen, und nun dem deutschen Volke eineKaiser-Bewegung" aufdrängen wollen.

Man mag zur Frage der Monarchie stehen wie man will. Für uns Nationalsozialisten ist Hitler der Führer. Nur die nationalsozia­listische Weltanschauung ist imstande, die Ein­heit der Nation zu garantieren, und nur von der nationalsozialistischen Weltanschauung aus ist die Zukunft unseres Volkes gesichert. Wir werden jede Diskussion über Republik oder Monarchie zu unterbinden wissen. Wir

Das Heldenlied vom Pour le Merite

Ein Gedenkwort zur Tagung der Ritterschaft

Anläßlich der ersten Zusammenkunft der Ritter des Ordens Pour le Merite,n Berlin am 24. Januar, dem Geburtstage Friedrichs des Großen, hatte unser HL.-Mitarbeiter ein Gespräch mit einem Mitglied des Ordensrates, in dem dieser sich über die Tradition des Or­dens und den Sinn der Zusammenkun,t äußerte.

Warum Nitterschasts-Tagung?

Früher war es nach Kriegen üblich, daß Bücher über jene Soldaten erschienen, denen der Orden Pour le Merite verliehen war. Bei der Korre­spondenz über ein solches Buch entstand unter den beute noch lebenden 450 Rittern des Ordens der Wunsch, zusammenzukommen.

Die Männer, die sich hier treffen, wollen keinen Verein bilden, sie sind eine ideelle Geinem- z Ichnst aller, die durch das gemeinsame Ehren- ^ zeichen miteinander verbunden sind. Ein kleiner ' Ordensrat erledigt die Vertretung der Ritter­schaft. .

Wenn gerade im neuerwachten Deutschland sich die Träger dieses hohen Ordens zu einer ge­meinsamen Kundgebung zusammenfinden, wenn wir jetzt an den Ehrenstiirmen der SA vorbei­marschieren, so soll das Mahnung an uns und an alle sein, daß der Eei st des Pour le Nitrite im ncu-rwachten Deutschland lebendig bleibe.

Denn Pour le M>'rite, - das heißt stets: Leistung fürs Volk, die keine Höchstgrenze kennt!

Der E r st e, der im Weltkrieg mit dem Pour le M^ri*e ausgezeichnet wurde, war der junge Lciüimiit Haupt. Sein Schneid und seine Tarstrieit hatten das kaum Glaubliche vollbracht: ihm war es gelungen, ein feindliches Fort zu

erobern.

Bölcke. Jmmelmann, die beiden Richthofen und zahlreiche andere Kampfflieger, von denen wir damals Tag für Tag mit Erstaunen lasen, daß sie schon wieder einen, manchmal zwei feindliche Kampfflieger im Luftkampf besiegt, das waren Ritter des Ordens Pour le Merite.

Denn so gewaltig auch die Leistungen der gan­zen deutschen Truppen waren, wie tapfer und heldenhaft auch jeder Soldat, das, was diese Männer vollbracht, klang manchmal beinahe un­glaublich. Dieser Geist der höchsten Leistung, solche Männer, die im Kriege wie im Frieden mit letzter Kraft dem Vaterlande dienen, sie sollen allezeit im Volke lebendig bleiben, unserer Jugend stetes Vorbild sein!

Die Geschichte des Ordens

Wenige Tage nach seiner Thronbesteigung am 17. Juni 1740 hat Friedrich der Große den Orden Pour le Merite gestiftet. Seine tüchtigsten Mit­kämpfer aus den schlesischen Kriegen wurden mit ihm ausgezeichnet.

Als später Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz stiftete, blieb der Pour le Merite trotzdem der höchste Orden des preußischen Heeres Waren bisher mit ihm nur Soldaten, die auf dem Schlachtselde Außerordentliches geleistet hatten, ausgezeichnet worden, so schuf Friedrich Wil­helm lV die F r i e d e n s k l a s se des Ordens, mit dem jeweils die 30 bedeutendsten Männer der Wissenschaft und Künste ausgezeichnet wurden 1806 stiftete König Wilhelm I. für die im Kriege besonders verdienstvollen Armecführcr das Groß­kreuz des Ordens Pour le Merite

Kaiser Wilhelm II. verlieh bis zum Weltkriege den hohen Orden vierzehnmal: vier Kämpfer in

Deutsch-Südwest und -Ostafrika wurden damit ausgezeichnet, sieben Offiziere, die am Feldzug in China teilgenommen hatten. Außerdem verlieh er zum ersten Mal den Orden einem Schiff, dem KanonenbootIltis", das sich vor den Taku-Forts heldenhaft bewährt hatte, und das von da an den Orden auf der Vak über dem Vordersteven, auf dem Flaggenstock, sowie an den Schiffsbooten trug.

Dann kam Ser Weltkrieg, vier Jahre, in denen Heldentat auf Heldentat folgte. Etwa 650 mal ist der Orden in dieser Zeit verliehen worden. Jene besonders tüchtigen jungen Front- Offiziere tragen ihn heute voll Stolz, die m küh­nem Handstreich feindliche Forts eroberten, U- Voot-Kommandanten und Kampfflieger, deren Heldenmut auch der Feind die Anerkennung nicht versagen konnte, und schließlich besonders aus dem Jahre 1918 jene vielen tapferen Offi­ziere, die bereits mit allen verfügbaren Aus­zeichnungen geschmückt und sich auch schon den Hausorden ver Hohenzollern verdient hatten.

Aber auch ganzen Regimentern wurde als Dank für besondere Leistungen diese höchst! Aus­zeichnung vom Kaiser verliehen.

Die den Orden tragen . . .

Wenn die Ritterschaft sich jetzt in ihrer ersten großen Tagung zusammenfindet, so sind im Geist bei uns auch all jene Ritter des Ordens, die be­reits der kühle Rasen deckt. Die Liste, die wir hierüber zusammengestellt haben, enthält 228 Namen' Da steht der Prinz Leopold von Bayern, der Hauvtmann Bölcke. Eeneralfeldmarschall von Bülow, der tapfere Kommandant der U-9. Ka- pitänleutnnnt von Weddigen, die beiden Brüder Richthofen. und mit ihnen viele de- B sten un serer alten Armee

Unter den heute noch lebenden Rittern w-s Ordens ist manch ein"r, der jetzt im >, ueu Den ' land an führender Stelle arbeitet, so unser Mi­

nisterpräsident Göring und Bayerns Statt­halter, der Ritter von Epp.

Seit dem November 1918 ist der Orden nicht mehr verliehen worden. Abe.r wenn auch wir als seine letzten Träger dahingegangen sein werden, so wird dennoch der Geist der Pour le Msrite- Leistung im deutschen Volke unsterblich sein!

Garant dafür sind uns nicht zuletzt jene Ritter des Ordens, die an führender Stelle auch heute dem Staate dienen dürfen.

Garant dafür ist uns vor allem der Aelteste aus unserer Ritterschaft: unserr Reichspräsident, der Eeneralfeldmarschall von Hindenburg!

Major Georg Soldan, Mitglied des Ordens­rates der Ritterschaft des Ordens Pour le Merite

Triumphaler Erfolg Furtwänglers in -London

Zu dem größten Triumph, den deutsche Musiker je in England errungen haben dürften, gestaltete sich das erste diesjährige Konzert der Berliner Philharmoniker, das am Montagabend unter Pro­fessor Wilhelm Furtwänglers: Leitung in der Queens Hall stattfand. Die von gewissen Kreisen ausgehende Propaganda- gegen das .Nazi- Orchester" ist vollständig wirkungslos geblieben, so daß es anläßlich des Besuchs der deutschen Künstler zu keinen politischen Kundgebungen kam und das für alle Fälle bereitgestellte starke Poli­zeiaufgebot keine Gelegenheit zum Eingreifen fand. Im Gegenteil hatte man den Eindruck, daß das Publikum, unter dem man neben mehreren Mitgliedern des Kabinetts und hervorragenden Vertretern der englischen Musikwelt auch den deut­schen Botfchaiter von Hoesch bemerkte, den Deut­schen geflissentlich einen ganz besonders herzlichen Empfang bereitete. Der Beifall steigerte sich nach jeder Nummer des Programms, das Bachs dritte

Orchester-Suite und Schumanns vierte und Beet- - Honens siebente Symphonie umfaßte. Als das wundervolle Finale der Siebenten verklungen war, durchbrauste das bis auf den letzten Platz besetzte Haus ein Begeisterungssturm von solcher Ausdauer, daß Furtwängler und seine Musiker zehn Minuten lang das Podium nicht verlassen konnten.

Die Philharmoniker spielten am Dienstagnach- mittag in London und anschließend in New Castle, Glasgow, Manchester und Bristol, um dann am 28. Januar mit einem Konzert in'der Londoner Albert-Hall die englische Gastspielreise abzu­schließen.

Eine Ausstellung für die Pawlowa Das bekannte Internationale Tanzarchiv in Paris hat seine dritte große Ausstellung dem Andenken der großen Tänzerin Anna'Pawlowa gewidmet Die Schau umfaßt wichtige unveröffent­lichte Dokumente über das Leben der großen Russin und die Entwicklung ihrer Kunst, ferner Erinnerungsgegenstände, Kostüme, Bilder, Pla-, täte usw.

Ein Deutscher schrieb Islands Nationalhymne Einer der angesehensten Komponisten des Thü­ringer Landes. der Eisenacher Max R a e b e l. ist' in diesen Tagen 60 Jahre alt geworden V'ele sei­ner nordischen Volksmelodien sind heute in Is-' land ebenso bekannt wie die eigentliche Volks-' musik der Insel Vrunhilds.

Biihnennachweis bleib* bestehen. Das Ergebnis längerer Verhandlungen über das Schicksal des Bühnennachweises dürfte der Entschluß sein, den Nachweis bestehen zu lassen Die Stelle wird der ReiGsthealerkaininer direkt unterstellt und be­hält ihren Hauptsitz in Berlin. Auch die Zweig­stellen Köln und München werden aufrechter­halten werden.