Ausgabe 
(23.1.1934) Nr. 22
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Nr. 22 / 1 . Vierteljahr 2

-ienötag, den 23. Äanua

r Einzelpreis is Rps.

Neuer Skandal in Paris

Die kleinen Sparer um weitere 200 Millionen Francs geschädigt

Schlägerei im Äustizpalast

Das Echo

der deutschen Antwort

Beschlüsse des Pariser Ministerrates — Wird England eingreifen? — Mussolini für Vier- mächte-Berhandlnngen

dnb. Paris, 22. Januar Der Ministerrat hat nach der amtlichen Ver­lautbarung einen Bericht des Ministerpräsidenten Thautemps und des Außenministers Paul-Bon- cour über die deutsche Antwort angehört. Die deutsche Antwort ist dem Minister für Lan­desverteidigung zugewiesen worden. Im nächsten Ministerrat wird sie erneut behandelt werden. Der Außenminister gab dem Ministerrat einen Bericht über die Verhandlungen in Genf und über die im Hinblick auf die Volksabstimmung im Saargebiet vorgesehenen Maßnahmen.

änd. London, 22. Januar. Der Pariser Berichterstatter der „Times" glaubt über den Inhalt der deutschen Antwort u. a. sagen zu können: Während die französische Regie­rung nach wie vor zugebe, daß Deutschland eine größere Menge an Kriegsmaterial haben müsse, die der in Aussicht genommenen Verstärkung der deutschen Mannschaftszahl entspreche, argumentiere die Reichsregierung jetzt, daß die deutsche Sicher­heit nicht nur eine unverhältnismätzige Vermeh­rung der deutschen Rüstungen, sondern auch eine Besserung der Beschaffenheit der Waffen durch Hinzufügung von Verteidigungswaffen, wie leich­ter Tanks und Geschütze, die Deutschland gegen­wärtig versagt seien, brauche. Diese Forderung nach qualitativer Aufrüstung werde begründet mit der Verminderung des militärischen Wertes der Reichswehr, wenn sie in eine Streitmacht mit kurzer Dienstzeit umgewandelt werde. Die

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Forderung nach 300 000 Mann werde aufrecht­erhalten. Bezüglich der SA. und SS. wieder­holt die deutsche Regierung, daß diese nicht als Soldaten betrachtet werden können.

In einem Leitaussatz über die soeben zu Ende gegangene Tagung des Völkerbundsrates kommt die „Times" auf die ALrüstungsfrage zu sprechen. Die britische Regierung werd« sich in den nächsten Tagen entscheiden müssen, ob sie positiv in die Besprechungen zwischen Deutschland und Frankreich eingreifen solle. Voraussetzung sei dabei, daß sie amtlich Kenntnis von dem In­halt der französischen uiü> deutschen Mitteilungen erlange. „

Der Korrespondent der „Morningpost" in Rom weiß zu melden, nach italienischer Auffassung sollte nicht zugelassen werden, daß die deutsch­französischen Verhandlungen sich in die Länge ziehen. Es sollte vielmehr eine Zusammen­kunft der vier Westmächte abgehalten werden, um die europäische Lage „von einem höheren Gesichtspunkt" aus zu prüfen. Mussolini glaube, daß eine Rüstungspause und eine Rege­lung europäischer Streitigkeiten notwendig seien, um Europa in den Stand zu setzen, in Einigkeit der von außen her drohenden wirtschaftlichen und politischen Gefahren gegenüberzutreten. Die un­mittelbare Gefahr für ein uneiniges Europa sei seiner Meinung nach „Japans Drang nach dem Westen".

änb. Paris, 22. Januar.

Während der Stavisky-Skandal die Gemüter in Erregung hält, wird bereits eine neue Betrugs­angelegenheit ans Tageslicht gezerrt, die der Po­lizei und dem Gericht schon seit längerer Zeit be­kannt gewesen zu sein scheint. Es handelt sich um den Direktor der Veamtenbank, Georg Alexandre, gegen den Vorführungsbefehl erlassen worden ist.

Alexandre ist seit Montag aus seiner Wohnung verschwunden. Er betrieb vor Jahren in der Pro­vinz einen Trödel laden, bis er auf den Gedanken kam, in Paris eine Bank zu gründen, die den Be­amten und Festbesoldeten gegen geringe Zinssätze Darlehen gewährte. Das Eründungskapital be­stand in Zeichnungen von Beamten, die einen Teil ihres Einkommens zur Verfügung stellen mußten. Auf diese Weise soll Alexandre nicht weniger als 50 Millionen Franken zusammengebracht haben, für die er auf seinen Namen ausgestellte Obli­

gationen ausgab. Mit dem so beschafften Geld be­teiligte er. sich an einer Reihe von Unternehmun­gen nnd gründete eine Reihe eigener Gesellschaften, die inzwischen bankrott gemacht haben.

Man behauptet, daß die Summen um die die kleinen Sparer durch Alexandre geschädigt worden sind, 200 Millionen Franken beträgt. Bekanntlich trat auch Stavisky zeitweise unter dem Namen Alexandre auf, das dazu führte, daß auch die Ve- amtenvank des wirklichen Alexandre im Zusam­menhang mit der Staviskq-Angelegenheit genannt wurde.

Kurz vor Redaktionsschluß geht uns folgende Pariser Meldung zu: Der Direktor der Veamten­bank, George Alexandre» hat sich Montag nach­mittag den Gerichten gestellt. Der Untersuchungs­richter hat gegen ihn Anklage wegen Betrügerei, Vertrauensmißbrauchs und Verstoß gegen das

kommen, ist die Konferenz im Weißen Hause, zu der Roosevelt sämtliche diplomatischen Vertreter der süd- und Mittelamerikanischen Staaten ein­berufen hat, um mit ihnen die Frage der An- erkennungderneuenkubanischenRe- gierungzu besprechen. Von Staatssekretär Hüll wird darauf hingewiesen, daß es das erste Mal sei, daß ein Präsident der Vereinigten Staaten eine solche Konferenz einberufe. Die Tatsache be­weise den Willen der amerikanischen Regierung, den außenpolitischen Grundsatz Roosevelts: der „gutnachbarlichen Beziehungen", in die Wirklich­keit umzusetzen.

Die amerikanische Regierung werde nach An­erkennung der neuen kubanischen Regierung be­strebt sein, der kubanischen Regierung baldigst

der in Chile eingefrorenen deutschen Forderun­gen aus dem Wirtschaftsverkehr getroffen.

Die Auftanung dieser Forderungen erfolgt in der Hauptsache durch die Einräumung von Ein­fuhrgenehmigungen für Chile-Salpeter nach Deutschland in Höhe von 106 000 Tonnen, ein Be­trag, der durch zusätzliche Bestellungen und Auf­träge Chiles in Deutschland noch um weitere 24 000 Tonnen erhöht werden kann, ferner durch zusätzliche chilenische Kupferlieferungen und durch Lieferungen sonstiger chilenischer Erzeugnisse. Das Abkommen, das für die Dauer des lausenden Düngemitteljahres, d. h. bis zum 30. Juni 1934 befristet ist, wird vom 1. Februar 1934 an vor­läufig angewendet werden.

Gesetz betr. Gründung von Aktiengesellschaften er­hoben und ihn sofort in Haft nehmen lassen.

Die Stavisky-Angelegenheit führte am Montag zu einem Zwischenfall in den Wandelgängen des Justizpalastes. Bekanntlich hat der radikalfozia- listische Abgeordnete Hesse seine Wiederwahl zum Vizepräsidenten der Kammer abgelehnt, weil er Stavisky als Rechtsbeistand beraten hat. Hesse er­schien nun im Justizpalast in der Anwrltsrobe und wurde deswegen von seinem Kollegen L'Her- mitte zur Rede gestellt. Ein Wort gab das andere, bis L'Hermitte an Hesse die Aufforderung richtete, unverzüglich den Justizpalast zu verlassen. Hesse antwortete ihm mit einem Faustschlag ins Gesicht. Die Streitenden wurden schließlich durch herbei­eilende Rechtsanwälte und Beamte des Justiz­palastes getrennt. Der Vorfall wurde vom Vor­sitzenden der Pariser Anwaltskammer zu Protokoll genommen und dürfte weitere Folgen haben.

Freie Stadt Danzig

Von WilhelmZarske- Danzig

Danzig will nicht mehr, wie in den ver­gangenen Jahren, einen Gefahrenherd ge- fiirchteter Konflikte sein, sondern der Mark­stein eines neuen Anfangs im Denken von Volk zu Volk. Die im Jahre 1920 geborene Freie Stadt Danzig ist in eine Form gepreßt worden, deren Gesicht nur wie ein Schatten der früheren Herrlichkeit des alten Danzigs aussieht. Gewiß, einst verband eine Per­sonalunion die Stadt Danzig mit dem polnischen Könige, der polnische Staat aber, selbst der polnische König, hatte keinerlei Ein­fluß auf Danzigs Hafen, auf seine Wirtschaft, auf seine Verkehrsmittel, auf seine Währung, auf seine Zollgesetzgebung oder gar auf seine auswärtigen Angelegenheiten. Der polnische König hatte sich grundsätzlich nicht in Dan­zigs innere und äußere Gestaltung einzu­machen. Er durfte keine polnischen Gesandten nach eigener Maßgabe in Danzig einsetzen und mußte in deutscher Sprache mit Danzigs Regierung verkehren.

Wer die Geschichte Danzigs kennt, weiß, daß in seinem Leben wie in dem einer jeden Stadt Tage des Glücks mit Stunden der Sorge abwechselten. Danzig hat im Mittel­alter, in den Zeiten seiner wirtschaftlichen Blüte und seiner hohen Kultur europäische Bedeutung gehabt, eine Bedeutung, die für Danzig wertvoll und — für alle Zukunft ge­sehen — wegweisend für sein Schicksal war.

Im Gegensatz zu jener Zeit seiner Macht und seiner Weltgeltung beruhte Danzigs Be­deutung während seiner Existenz als Frei­staat in einer unangenehmen Eigenschaft, nämlich der eines möglichen Gefahrenherdes europäischer Konflikte. Nationalsozialistisches Bekenntnis ist immer offen und kompromiß­los ausgesprochen worden und entspringt einem ehrlichen und aufrichtigen Empfinden. Danzig hat keinesfalls freudig und mit inne­rer Zustimmung sein hartes Schicksal getragen, vielmehr sein unfreiwilliges Dasein als eine Last auf sich genommen. Dem Danziger blutet das Herz, wenn er zusehen mußte, wie die Docks seiner Werften leer und leerer wurden und der Lärm seines Hafens immer mehr verstummte. Man hatte Danzig aus seiner natürlichen Umgebung herausgerissen, um dem neugeschaffenen Polen einen Zugang zum Meere zu verschaffen.

Dabei waren die Schöpfer der Verträge, die Danzig zu einem selbständigen Staat stempel­ten, von der Absicht ausgegangen, mit der an Erfahrung reichen Handelsstadt Danzig dem neugeschaffenen Polen — dem es an Wirtschafts- und Handelszentren fehlte —, ein Instrument in die Hand zu geben, dessen es sich nach Belieben bedienen sollte. Danzkg mußte mit weinenden Augen zusehen, wie die Zollunion, die Danzig mit Polen zu einer Wirtschaftsgemeinschaft verschmolz, sich keines­falls zugunsten der kleinen, aber leistungs­fähigen Danziger Industrie auswirkte, da von Jahr zu Jahr der Absatz Danziger Erzeug­nisse nach dem aufnahmefähigen polnischen Markt immer neuen Behinderungen ausge­setzt wurde.

Andererseits war es schmerzlich, zusehen zu müssen, wie unweit des Danziger Hafens, der

Zusammenarbeit -er Amerika-Staaten

Das Ergebnis der Gübamerikareife Hulls

änb. Washington, 22. Januar.

Der, wie gemeldet, von einer längeren Reise durch Südamerika zurückgekehrte Staatssekretär Hüll konnte als Ergebnis seiner Verhandlungen mit den leitenden Politikern aller lateinameri­kanischen Staaten eine bedeutende Besserung -erallgemeinen Stimmung und begrün­dete Anssicht aus eine engere Zusammenarbeit sämtlicher amerikanischer Staate« feststelle». Als Beispiel erwähnte Hüll vor allem das Zustande­kommen des Weihnachtswaffenstillstandes im Chaco-Eebiet.

Ein weiteres Zeichen für die Absicht der Ver­einigten Staaten, mit den südamerikanischen Republiken zu einer engeren Zusammenarbeit zu

an

Handelsabkommen

Deutschland - Gyile

Am 22. Januar 1934 ist vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes und dem chilenischen Gesand­ten in Berlin ein vorläufiges Abkommen über den Handels- und Zahlungsverkehr zwischen dem Deutschen Reich und der Republik Chile unter­zeichnet worden.

Das Abkommen, das in den nächsten Tagen im Reichsanzeiger veröffentlicht wird, regelt die Han­dels- und Schiffahrtsbeziehungen zwischen den bei­den Staaten auf der Grundlage der Meist­begünstigung. In dem Abkommen sind außerdem Vereinbarungen über die Anstauung

„wieder auf die Beine zu helfen". Auch hierbei sei sie bereit, mit den lateinamerikanischen Staa­ten zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Pro­grammpunkt sei der Abschluß einer Reihe von zweiseitigen Zoll- und Handelsver­trägen, in denen jedoch allen anderen Staaten die bedingte Meistbegünstigung angeboten werden solle. Staatssekretär Hüll hofft, bald mit Präsi­dent Roosevelt über eine Botschaft an den Kon­greß verhandeln zu können, in der die Ermächti­gung zum Abschluß solcher Verträge mit allen fremden Mächten gefordert werden soll. Das Ziel der amerikanischen Handelspolitik sei, über mög­lichst viele Waren, bei denen das Konkurrenz­problem nicht so dringend sei, Handelsabkommen abzuschließen.

Araki tritt zurück

änb. London, 22. Januar.

Wie Reuter aus Tokio meldet, hat der Kriegs­minister General Araki aus gesundheitlichen Grün­den seinen Abschied eingereicht. Als Nachfolger hat er General Senjurjo Hayashi, den Generalinspek­tor des militärischen Schulungswesens, in Vor­schlag gebracht. Dem Rücktrittsgesuch Arakis ist stattgegeben worden. Senjurjo Hayashi wird mor­gen das Kriegsministerium übernehmen.

Zum Befinden des Reichspräsidenten wird mit­geteilt, daß der Reichspräsident sich auf dem Wege der Besserung befindet.

Die Parteie«

Gin Sireifzug durch Gegenw

In Anbetracht der letzten Ereignisse in Rumä­nien dürfte ein Ueberblick über die verschiedenen rumänischen Parteien gerade jetzt von besonderem Interesse sein. Die jetzt regierende Partei ist die „Nationalliberale" Partei, zu deren Führer nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Duca, Konstantin, allgemein Dinu Bratianu genannt, gewählt wurde. Diese Partei ist die älteste der jetzt bestehenden Parteien Rumäniens. Sie wurde schon lange vor dem Kriege von John Bratianu, dem Vater ihres jetzigen Führers, gegründet, und zwar als „fortschrittliche" Partei gegen die „konser­vative" Partei von Larp, Marghiloman usw. Vor, während und auch noch einige Jahre nach dem Kriege wurde die Partei vom „großen" Jonel Bra­tianu, dem Sohne Ion Bratianus, geführt, dem „Löwen und Begründer Eroß-Rumäniens (Roma- nia Mars)". —

Seit dem Kriege hatten die Liberalen bis zum Herbst 1928 mit nur ganz kurzen Unterbrechungen die Regierungsgewalt in Händen, und zwar zu­erst unter Führung Zone! Bratianus und nach sei­nem Tode unter der Führung seines Bruders Vrn- tila Bratianu, der vorher unter dem Minister­präsidium Jonels Jahre hindurch Finanzminister war. Die Partei stützt« sich von jeher in allererster Linie auf die Banken und die nach dem Kriege durch diese, in erster Linie in Siebenbürgen und dem Banat, z. T. künstlich großgezogene einhei­mische Industrie. .

Während und auch nach dem Kriege verfolgte diese Partei stets eine ausgesprochene frankophile Außenpolitik, und ihre Führer, nicht zuletzt der er­mordete Ministerpräsident Duca, der ebenso wie auch der jetzige Ministerpräsident Georg Tata- rescu in Frankreich studiert hat, galten als

in Rnmiinie»

;t und jüngste Vergangenheit

„ganz besondere Freunde Frankreichs". Als der jetzige König Carol II. am 8. Juni 1930 aus seinem Exil in Frankreich unverhofft nach Rumänien zu­rückkehrte und den Thron seines Vaters, aus den er bekanntlich in erster Linie auf Betreiben Jonel Bratianus hatte verzichten müssen, wieder bestieg, war es der damalige Parteiführer Duca, der sich sehr scharf gegen den König einstellte.

Das hatte zur Folge, daß eine Spaltung der Partei eintrat, indem der Sohn Jonel Bratianus. Georg Bratianu, sich auf die Seite des Königs Carl II. stellte und sich mit seinen Anhängern von der Partei loslöste. Beide liberalen Parteien beanspruchen die „rechtmäßige" Nachfolge der alten nationalliberalen Partei Jonel Bratianus. Die Partei Georg Bratianus, die im neuen Parlament gleichfalls vertreten ist, wird allgemein als „Ee- orgistische" bezeichnet. In der hier immer mehr und mehr akut werdenden Judenfrage haben sich bisher beide Parteien ziemlich indifferent verhal­ten. Die liberale Partei hat durch den Tod Ducas einen sehr schweren Verlust erlitten, da sie dadurch des Führers beraubt wurde, der die erforderlichen Fähigkeiten. Energie und Führereigenschaften, be­saß. Es ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß in absehbarer Zeit mit einer neuerlichen Spaltung der Liberalen zu rechnen ist, zumal die Berufung von Georg Tatarescu, dem Vertreter der jüngeren Generation in der Partei, zum Ministerpräsidenten bei der älteren Generation sehr viel böses Blul gemacht hat. Die Wahl Dinu Bratianus zum Vor­sitzenden der Partei soll den bestehenden Riß nur notdürftig verkleistert haben.

Im Herbst 1928 wurde die Regierung der libe­ralen Partei durch di „Nationalzaraniistsche Par­tei" (nationale Bauernpartei) unter Führung von

Maniu abgelöst. Diese Partei ist aus einer Ver­schmelzung der „Nationalen Partei" Siebenbür­gens und des Banats unter Maniu und der „Za­ranistischen" (Bauern-) Partei des Altreiches un­ter dem Vauernführer Miha lache entstanden.

Die „Nationalzaranisten" stützten sich, wie der Name schon sagt — Zara gleich das Land — in der Hauptsache auf die Bauernschaft, unter der sie auch heute noch eine verhältnismäßig große An­hängerschaft haben. Diese Partei regierte seit 1928, mit einer etwa einjährigen Unterbrechung durch eine Regierung Jorgas, bis zum November 1933 das Land. Das Ministerpräsidium hatten ver­schiedene ihrer Führer, u. a. Maniu, Miro- nescu und zuletzt Vaida Voevod, inne. — Innenpolitisch versuchte die Partei eine Reihe von Maßnahmen durchzuführen, um das Los der Bauernschaft, die bekanntlich etwa 80 Prozent der Bevölkerung umfaßt, zu erleichtern. Um die Staats­kasse zu füllen, beschritt sie den sehr gefährlichen Anleiheweg und brachte sich dadurch in vollstän­dige, immer fühlbarer werdende Abhängigkeit vom französischen Kapital, das dem reichen Rumä­nien zunächst mit offenen Armen entgegenkam.

Die nationalzaranistischen Regierungen wurden gezwungen, z. T. gegen ihren Willen, die von ihnen als richtig erkannte wirtschaftliche Annähe­rung an Deutschland, dem „besten Kunden" Rumä­niens, nicht durchzuführen, und die letzte national- zaranistüche Regierung unter Daida mußte im Herbst 1933 zurücktreten.

Allerdings hatten sich im Laufe der letzten Jahre außerdem auch noch große Zersetzungserscheinungen innerhalb der Partei bemerkbar gemacht Einer­seits lagen die Gründe dafür in den Meinungs­verschiedenheiten zwischen den Führern der beiden Gruppen Alt- und Neu-Rumäniei, anderer­seits aber, namentlich in der teilen Zeit auch Meinungsverschiedenheiten in berug auf die Be­handlung der sog. „extremen Rechtsparteien" und der Juden.

Der Hauptführer der Nationalzaranistischen Partei und Hauptgegenspieler der Brüder Bra­tianu, Maniu, hat sich schon vor Jahresfrist äußer­lich ganz zurückgezogen. Parteiführer ist jetzt Mihalache. Ob diese Partei jemals wieder den Einfluß gewinnen wird, den sie gehabt hat, muß als sehr zweifelhaft bezeichnet werden.

Als Folge der Zersetzungserscheinungen hat sich vor etwa anderthalb Jahren Iunian, ein frühe­rer Führer der Nationalzaranistischen Partei und Justizminister in der ersten Regierung Manius, von der Partei getrennt. Er hat eine eigene Par­tei gegründet und hat bei den letzten Wahlen ver­hältnismäßig gut abgeschnitten. Außenpolitisch ist diese Partei Junians deutschfreundlich eingestellt, in der Judenfrage indifferent. Dasselbe gilt auch für die Partei Argetoianus, des früheren Finanzministers aus der Regierungszeit Jorgas.

Vor etwa zwei Jahren hat sich der langjährige erste Mitarbeiter des greisen Feldmarschalls Ave - rescu, Octavian Eoga, von diesem getrennt. Die Partei Averescus war gleich nach dem Kriege sehr mächtig. Averescu war eine Zeitlang nach dem Kriege auch Ministerpräsident. Sie hat aber immer mehr und mehr an Bedeutung eingebüßt, vor allem, seitdem Averescu vor etwa zwei Jahren scharf gegen den König Front gemacht hatte. Diese Einstellung Averescus gegen den König war auch der Hauptgrund, weswegen sich Eoga von ihm ge­trennt hat. Die Partei Averescus ist im jetzigen Parlament überhaupt nicht mebr vertreten

Dagegen hat es den Anschein daß die Partei Gogas, die „Nationale Agrarpartei", Aussichten hat, in der Zukunft auch eine Rolle zu spielen Goga hat bei den Wahlen recht gute Erfolge ge­habt. Sein Programm weist im Eeaenmtz zu allen bisher genannten Parteien gewisse naiionalsozia- listische Züge auf. so u a. in der nationalen und der Raucnfraae in der Frage des Purlamentaris mus usw. Seine Devise lautet: Rumäni'n den

Rumänen", und er macht scharf gegen die Ueber- fremdung Rumäniens, vor allem der rumänischen

Wirtschaft, Front. In der Minderheitenfrage räumt er der deutschen Minderheit eine Sonderstellung, sowohl kulturell als politisch, ein, weil bei ihr eine Jrredenta infolge der geographischen Lage Rumäniens nicht in Frage kommt.

Von den im Parlament vertretenen rumänischen Parteien ist zum Schluß nur noch die antisemitische Partei des greisen Professors Cuza zu erwäh­nen. Cuza ist bekanntlich ein alter Vorkämpfer des Antisemitismus in Rumänien. Er hat schon vor vielen Jahren die große Gefahr erkannt, die dem Lande von den etwa 10 Prozent seiner Bevölke­rungszahl ausmachenden Juden droht. Die letzten Wahlen haben bewiesen, daß seine Partei an Stoßkraft nichts verloren hat. In der Minderhei­tenfrage und der Außenpolitik steht Cuza ungefähr auf demselben Boden wie Eoga.

Außer diesen rumänischen Parteien sind im Par­lament noch die deutsche und die ungarische Min­derheit vertreten. Die jüdische Minderheitspartei und die Sozialdemokraten, die im letzten Parla­ment noch vertreten waren, haben bei den letzten Wahlen keine Abgeordneten mehr durchbringen können. Ebensowenig ist es der rumänischen „Na­tionalsozialistischen Partei" Siefan Tatares- cus gelungen, ein Abgeordnetenmandat zu er­ringen.

Die kommunistische Partei, die im Agrarland Rumänien im allgemeinen eine untergeordnetere Rolle spielt, ist schon seit Jahren verboten und war bereits in den letzten Parlamenten nicht mehr vertreten

Eine Partei, die zweifellos, wenn sie nicht noch vor den Wahlen verboten worden wäre, einen großen Wehlerfolg auszuweisen gehabt hätte, ist die. namentlich in der letzten Zeit, viel genannte Partei oder richtiger gesagt Bewegung von Corne­lius Zelea Codreanu, die ..Eiserne Garde". Dte;e Bewegung hat in den weitesten Kreisen Ru­mäniens in Stadt und Land sowohl bei der brei­ten Masse als auch den Intellektuellen sehr tiefe Wurzeln geschlagen. zv.