Ausgabe 
(22.1.1934) Nr. 21
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Nr. 21 / i. Vierteljahr 5

Montag, den 22 .

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Erster Reichsbauerntag in Weimar

Das Bauerntum die Blutquelle

der Nation

Weimar, 21. Januar.

In feierlicher Weife wurde am Sonntag­vormittag der zweite Tag des Reichsbauern­tages in der Weimar-Halle eröffnet. Unter stürmischen Heilrufen der Versammlung be­trat Reichsbauernführer Darrö den Saal. Staatssekretär Willikens betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß bereits der erste Tag des Bauerntages als ein Tag der Arbeit und der Freude gezeigt habe, daß das, was die Reichsbauernführerschaft als Ziel­setzung für das deutsche Bauerntum gesät habe, schon in der Gemeinschaft des deutschen Bauerntums feste Wurzeln zu schlagen be­ginne. Reichsstatthalter und Gauleiter von Thüringen, Sauckel, unterstrich diese Auf­fassung; das, was an den beiden Tagen des Reichsbauerntages aufgezeigt werde, könne in seiner Bedeutung für unser Volk und unsere Nation vielleicht erst in 500 oder 1000 Jahren voll gewürdigt werden. Der Bauer aber, der heute Glied der Volksgemeinschaft sei, möge es für seine wesentliche Pflicht ansehen, den Millionen von Bauernenkeln, die heute ohne Haus und Hof in der Not und Enge der Stadr säßen, ein Bruder in der Tat zu sein.

Der Bauer im Dritten Reich

Dann hielt Staatsrat Meinberg einen Vortrag, der Stellung und Aufgabe des Bauern im Dritten Reich behandelte. Er entwickelte dabei folgende Eedankengänge:

Wir können heute erst auf eine kurze Weg­strecke seit dem Sieg der nationalsozialistischen Erhebung zurückblicken. Aber diese kurze Weg­strecke zeigt uns ganz klar und eindeutig, wohin der Weg für unser deutsches Volk und sein Bauerntum gehen wird und gehen muß. Die Ge­schichte des deutschen Bauerntums lehrt uns, daß der bisher beschrittene Weg die einzige Möglich­keit war, um den deutschen Bauern vom drohen­den Untergang zu retten. Darum wollen wir auch hier einen Blick in die Vergangenheit wer­fen, um dadurch neue Richtungspunkte auf das Ziel der Zukunft zu gewinnen.

Dabei müssen wir uns aber von der Geschichts­auffassung der Kreise freimachen, bei denen die deutsche Kultur erst mit Karl dem Großen wie sie ihn nennen beginnt und die im Bau­erntum lediglich ein kulturell tiefstehendes Proletariat sehen. Auch die Anschauung eines zweiten Kreises von Menschen, die im liberalisti- schen Eelddenken des 19. Jahrhunderts groß und alt geworden sind, dürfen wir uns dabei nicht zu eigen machen. Mit ihnen brauchen wir uns hier nicht auseinandersetzen, denn sie werden mit dem Absterben ihrer Weltanschauung ebenfalls ihr un­rühmliches Ende finden. Auseinandersetzen müssen wir uns aber mit denen, die im Germanentum Barbarentum und im Bauerntum der Bauern­kriege minderwertiges, schwachsinniges Untermen­schentum sehen. Würden wir jener Auffassung, die jahrhundertelang fast ausschließlich die An­sicht der sogenannten Intelligenz war, für die Zu- kunftsgestaltung des Bauerntums zugrunde legen,

dann hätten nicht wir recht, sondern die Agrar- politiker des Liberalismus. Bejaht man aber, daß das nordisch-germanische Blut als Kulturträger große aufbauende Werte besitzt, dann muß man das Bauerntum als Bluterneuerungsquelle in den Stand setzen, seinen Pflichten dem Volke gegenüber nachkom­men zu können.

Es war das Hauptziel liberalistischer Geschichts­auffassung, diese hervorragenden sittlichen und kulturellen Fähigkeiten der germanischen Raste abzuleugnen. Daß man uns mit Bewußtsein be­logen hat, geht ganz klar und eindeutig aus den Forschungsarbeiten eines Hermann Wirth, eines Teudt und anderer hervor. Dem, der heute noch die in das Römische Reich einbrechenden Ger­manen als rohe Barbaren hinstellt, die die hohe Kultur des Römers mutwillig zerstört hätten, braucht man bloß den Ausspruch des Bischofs von Massilia, Salvian, der selbst Römer war, ent­gegenzuhalten. Salvian sagte:Wo Goten woh­nen, ist nur der Römer unsittlich, und wo Van- dalen wohnen, da wird selbst den Römern wieder Sitte beigebracht." Ebenso ist auch die Gestalt Karls des Großen vollkommen verzerrt worden. Die furchtbaren Auswirkungen bei den Kämpfen gegen germanische Stämme und das Abschlachten germanischer Edelinge beweist, daß Karl der Große sich nur des Christentums bediente, um seine Machteroberungspläne über Deutschland auszudehnen. Aus freien Germanen schuf er Hörige und Leibeigene. Er öffnete die Tore für den Einbruch römischer Rechtsauffassungen. Die aus der Verfallzeit des Römischen Reiches stam­menden Regierungsformen verpflanzte er in das deutsche Volk und zwang ihm somit ein artfrem­des, nicht im eigenen Gefühl wurzelndes Recht auf.

Alte deutsche Rechtsauffastung hatte den Grund­satz geprägt:Gemeiner Nutz gehet vor sunder- lichen Nutz". Unter dem Einfluß der fremden Geistesverfassung entstand ein undeutsches Wesen, das bereits im Frühmittelalter folgendes bittere Sprichwort prägen konnte:Das Ich und Mich, das Mir und Mein regiert in dieser Welt allein".

Diese volkszerstörende Auffassung fraß sich mit der Zeit immer tiefer und tiefer in die herr­schenden Schichten.unseres Volkes ein. Von dieser Umwälzung wurde vor allem das Bauerntum auf das Härteste betroffen, denn jedes Wort der neuen früh-kapitalistischen Lehre war ein Dolchstoß gegen bäuerliche Gesinnung und Le­bensauffassung. Wollte sich der Bauer nicht selbst aufgeben, so mußte er sich mit allen Mitteln zur Wehr setzen, und so erleben wir das Zeitalter der Bauernkriege, das in wechselndem Auf und Ab 390 Jahre gedauert hat. Das Bauerntum kämpfte gegen die Vergewaltigung seines Rechts, es for­derte die Wiederherstellung der alten ständischen Gerichtsbarkeit. In diesem Kampf entstanden aus ihm heraus herrliche Heldengestalten wie Wil­helm Teil und Florian Geyer. Das zähe Ringen endete zwar mit der Niederwerfung des Bauern, doch sangen die letzten Haufen:Geschlagen kehren wir nach Haus', doch unsere Enkel fechten's besser aus".

Mit dem Ende des Kampfes war die Freiheit des Bauern verschwunden. Erst der Zusammen- bruch der preußischen Monarchie bringt wieder einen Mann ans Staatsruder, Freiherrn vom Stein, der in meiner westfälischen Heimat die Be­deutung eines freien Bauernstandes als Grund­lage für den Staat erkannt hatte. Das Schicksal wollte es, daß er seine Pläne nicht selber verwirk­lichen konnte, die von seinen in den Gedanken- gängen der französischen Revolution befangenen Nachfolgern unbewußt verfälscht wurden. Stein betont immer wieder:Von der Erhaltung der Bauernhöfe und der adligen Güter von gesunder Größe hängt die Erhaltung eines tüchtigen Standes von Landbewohnern ab." Daß er mit seiner Auffassung nicht durchdrang, hat dem deut­schen Volk die unglückselige liberalistische Ent­wicklung gebracht, in der das Bauerntum zu einem

Gewerbe mit dem Zweck eines möglichst hohen Geldgewinnes gestempelt wurde.

Die Auffassung des Wirtschaftsliberalismus führte zu einer Auflösung des Volkes in Jnter- essenhaufen zum Kampfe aller gegen alle. Erst dem Nationalsozialismus ist es vorbehalten ge­wesen, dieser unseligen Zersetzung ein Ende zu bereiten. Das Bauerntum ist wieder zu einer tragenden Schicht des Volkes gemacht worden.

Die Stellung des deutschen Bauerntums im Dritten Reich ergibt sich aus einer neuen Rechts­schöpfung. Der erste Schritt hierzu, gleichzeitig der entscheidende Schritt, ist dasReichserbhof- gesetz", das den Bauern und sein Geschlecht auf der Scholle festigt und durch dessen Auswirkung in kommenden Jahrhunderten ein dauernder Strom guten deutschen Blutes unser Volk befruchten

wird. Dem dient dasReich nährstand Si­tze setz", das die Ware, die der Bauer erzeugt, aus der Kalkulation der volksfremden Wirtschaft-, auffassung herausnimmt. Die dritte große Auf­gabe ist die Schaffung neuen Bauern­tums dort, wo durch den Kampf der Jahr- Hunderte das Bauerntum vernichtet und zerstört wurde.

Sie alle, die Sie die Führer des deutschen Bauerntums bis in die Kreise hinein darstellen, Sie alle tragen ein erhebliches Maß an Verant­wortung für die Erreichung dieser Ziele. Die Ge­schichte wird uns niemals nach den Rechten messen, die man uns als Bauernführer gegeben hat, son­dern nach den Pflichten, die wir auf uns ge­nommen und erfüllt haben. Wir müssen immer eingedenk sein: Nicht das Recht zu leben ist das Primäre, sondern das Primäre ist die Pflicht, die wir als Generation nach vielen Jahrhunderten von Generationen auf uns nehmen müssen. Ein verweichlichtes Geschlecht würde daran zerbrechen. Darum wollen wir, daß unsere Jugend nicht in Bequemlichkeit, sondern in Härte aufwachse, damit sie die Kämpfe in der Zukunft bestehen kann.

Möge auch die kommende Zeit aus uns keine Wohilebcr und Schlemmer machen, sondern uns hart erhalten, damit wir unter unserer Haken- krcnzfahnc die Ueberwinder einer fünfzehn Jahr­hunderte langen fremden Entwicklung werden und Arbeiter am Bau einer zweitausendjährigen deutschen Geschichte.

Die Rede des Reichsbauernführers

Unter großer Aufmerksamkeit hielt sodann Reichsernährungsminister und Reichsbauern­führer R. Walther DarrS seine mit beson­derer Spannung erwartete Rede über die Grundsätze nationalsozialistischer Bauernpoli­tik und ihre zukünftigen Aufgaben. Der Reichsbauernführer ging davon aus, daß man am ersten deutschen Vauerntag der deutschen Geschichte feststellen könne, daß wohl auf kei­nem innerpolitischen Gebiet die Totalität des nationalsozialistischen Führeranspruchs so in die Wirklichkeit habe umgesetzt werden können. Der besondere Dank gelte daher den, alten Kämpfern der Bewegung, die treu und unbe­irrt als Gefolgsleute Adolf Hitlers in den schwersten Jahren ihre Pflicht erfüllt haben, um damit den totalen Durchbruch nationalsozialistischer Agrar­politik zu ermöglichen. Die disziplinierte Zusammenfassung des deutschen Bauerntums habe die legale Durchführung der Revolution garantiert und damit unsägliches Leid von unserem Lande ferngehalten.

.Zum ersten Male hätten sich vor drei Jahren gleichfalls in Weimar die Bauernvertreter der NSDAP. versammelt, wobei zum ersten Male erklärt worden sei, daß das wirtschaftliche Moment im Rahmen der agrarpolitischen Probleme in zweiter Reihe uNd der Bauer als Mensch in erster Reihe zu stehen habe. Diese Zusammenkunft sei das Signal zur Sammlung des ganzen deutschen Bauerntums unter einem Symbol gewesen.

Geschichtlich betrachtet sei der erste Reichs­bauerntag der Abschluß einer unseligen Epoche der deutschen Bauerngeschichte und zugleich der Beginn einer neuen Zeit.

Aus dem letzten Jahrtausend der deutschen Geschichte rage immer wieder der Gegensatz des deutschen Bauern zu den Repräsentanten der eindringenden Ueberfremdung hervor. Unsere Jugend aber habe man die deutsche

Geschichte als ein glanzvolles oder düsteres Bilderwerk ohne jeden organischen Zusam­menhang dargestellt. Als die Hohenstaufen vergessen hätten, daß der Schwerpunkt ihrer Macht in ihrer deutschen Heimat lag, habe der Elendsweg des deutschen Bauern begonnen. Diese Abkehr von Blut und Boden hätten die Staufen damit bezahlt, daß der letzte Hohe- staufe unter dem Henkerschwert in Italien gestorben sei. Auch in der jüngeren Geschichte, als Bismarck, der in seiner Politik immer bäuerlich dachte, gehen mußte, und ein junger Kaiser unter Caprivi einenneuen Kurs" verkündete, da habe man zum zweitenmal in der deutschen Geschichte jenen Weg der Hohen­staufen begangen, der unzweifelhaft über kurz oder lang in innerpolitischem Chaos enden mutzte.

Es ist mir ein Bedürfnis, so erklärte der Reichsbauernführer weiter, an dieser Stelle Adolf Hitler den Dank des deutschen Bauerntums dafür zum Ausdruck zu bringen, daß er das nationalsozialistische Deutschland bewußt aus dem Bauerntum auf­baut und damit eine neue Epoche deutscher Geschichte einleitet.

Der Reichsbauernsührer beschäftigte sich dann eingehend mit den

wirtschastspolitischcn Fragen

und erklärte, wenn der Reichskanzler dem deut­schen Bauerntum durch das Reichserbhosrecht eine Sonderstellung eingeräumt habe, so deshalb, weil er in dem Bauerntum dieVlutsquelle der Nation erblicke.

Der Grundsatz des NationalsozialismusGe­meinnutz geht vor Eigennutz" sei eine Erkenntnis von ungeheurer Tragweite und erst, wenn man sich klar und eindeutig zu dieser Grunderkenntnis be­kenne und von hier aus die Bedeutung des Land­

volkes zum Gesamtvolk überprüfe, könne man die nationalsozialistische Agrarpolitik verstehen. Es gehe niemals um den Sondernutzen eines Standes, sondern um das Wohl des gesamten Volkes.

Die Einigung der Bauernschaft sei die erste, und die Einheit zwischen Bauernführer und Minister die zweite Voraussetzung zum Agrargesetzentwurf gewesen. Das Reichsnährstandsgesetz rage als erstes Gesetz besonders hervor. Es sei die Voraussetzung gewesen für das Gesetz über die Ge­treidefestpreise. Der Bauer sei durch die sinkenden Preise immer mehr der Verelendung anheim ge­fallen. In dieser gefährlichen Lage habe man die grundsätzliche Umschaltung gewagt und den Preis für die wichtigsten Erzeugnisse in gleicher Staffe­lung nach Raum und Zeit festgelegt, in gerechter Abwägung nach den Interessen des Erzeugers und des Verbrauchers. Man habe damit nicht nur den Bauern vor einem weiteren Preisverfall geschützt, sondern auch den Verbraucher vor ungerechter Preiserhöhung bewahrt. Mit dem festliegenden Preise ändere sich auch das ganze Wirtschafts­system mit einem Schlage. Wenn man liberalistisch eingestellt gewesen wäre, hätte man angesichts des Prcisverfalls Stützungsmatznahmen ergriffen, um den Preis zu halten. Das wäre aber nur den Eetreidespekulanten zugute gekommen und der Staat habe auf seinen Eetreideoorräten sitzen blei­ben müssen. Aus dieser Erkenntnis heraus habe man das kapitalistisch-liberalistische System in der Landwirtschaft beseitigt.

Aus den gleichen Erkenntnissen sei auch das Reich scrbhofgesetz entstanden, das dem Boden den Charakter einer Handelsware nähme. Bejahe man die Absonderung von der kapitalisti­schen Wirtschaft, dann bejahe man auch folgerich­tig den Gedanken der Unveräußerlichkeit, der Un­teilbarkeit, der Unverschuldbarkeit des Bodens, wie er im Reichserbhofgesetz verankert sei, und zu­gleich die Festpreise. So sehe man den Aufbau einer völlig neuen, unkapitalistischen, in sich ge­schlossenen Wirtschaft. Zu dem Bestreben nach

Hohe Politik «m Pufi

Legierung und legierende in Japan

Das abenteuerliche Dasein des letzten chinesi­schen Kaisers, der trotz des Umsturzes in China und trotz der Wirren und Jntrigen bei der Ab­wicklung der chinesischen Revolution von 1911 bis heute sein Leben behielt, tritt in ein neues Kapitel ein. Der junge Mann. der im Verlauf der letz­ten Jahre tatsächlich lediglich alsjunger Mann" ohne besondere Bedeutung das eintönige Leben eines Menschen, der beruflich keinen rechten Un­terschlupf finden kann, leben mußte, sieht nun wieder die angestammte Kaiserkrone auf seinem Haupt. Zum ersten Male wurde er als Zwei­jähriger Kaiser genannt, der als Sechsjähriger abdanken mutzte. Jetzt macht er einen neuen Versuch mit der Kaiserwürde im Alter von acht­undzwanzig Jahren.

Puji sollte schon oftmals umgebracht werden und verdankt die Erhaltung seines Lebens nur der außerordentlichen Sorgfalt der japanischen Geheimpolizei, die ihn niemals aus den Augen ließ, weil die japanische Regierung mit dem ein­stigen Kaiser immer irgend etwas vorgehabt hat- Die Beharrlichkeit der Japaner im Punkte Puji hat sich gelohnt. Das Kaiserreich Mandschukuo wird auf das übrige China eine gewaltige An­ziehungskraft ausüben, wobei es wenig ausmacht,

daß Puji sich von Tokio abhängig fühlen muß. Vielen Chinesen mag es schon heute als wichtig erscheinen, daß ihr Kaiser überhaupt wieder da ist. Abhängigkeiten kann man abschütteln. Des­halb erscheint Puji bestimmt nicht allen Chine­sen, nicht einmal allen nationalen Aufbaukräften, alsVerräter" der chinesischen Sache. Wenn Ja­pan mit ihm Politik auf lange Sicht trieb, wes­halb soll Puji nicht selbst ebenfalls Politik auf lange Sicht getrieben haben? Wer vermag in seine innerste Brust zu schauen? Was heißt Werkzeug der Japaner sein? Können diese nicht eines Tages vor einer Tatsache stehen, die ihnen deutlich macht, daß ihr vermeintliches Werkzeug sich als Meister ihrer selbst erweist oder wenig­stens erweisen möchte.

Die Beantwortung dieser Frage liegt in der Zukunft. Daß sie wirklich einmal gestellt werden könnte, darf man auch heute nur mit einer ge­wissen Zurückhaltung vermuten. Kaiser Puji wird sich wenig daraus machen, daß eine der zahlreichen politischen Eeheimgesellschaften im Ge­triebe der immer noch in vollem Fluß befind­lichen chinesischen Umwälzung einen Preis auf seinen Kopf gesetzt hat. Derartige Dinge ist er gewöhnt. Sein Leben war immer in Gefahr, und ist es in jedem Augenblick. Die Japaner, die es bis heute mit dem Aufgebot aller Kraft gegen Angriffe zu schützen wußten, würden mit Puji sehr wahrscheinlich kurzen Prozeß machen,

wenn sie Verrat in ihrem Sinne durch ihn wittern. Auf Pujis Kopf setzte jene Geheimge- sellschaft den Preis von fünfzehntausend Mark. Herzlich wenig für den Kopf eines Kaisers! Ein solcher Gedanke wird erst recht lebendig, wenn man hört, daß die gleichen Mordbrüder für die Tötung des Generals Hischikari hunderttausend Mark aufwenden wollen. Das heißt, daß diesen berufsmäßigen chinesischen Attentätern mehr dar­an liegt, einen japanischen Gewalthaber zu be­seitigen, als die Kaiserpuppe in seinen Händen auszulöschen. Vielleicht ist der Preis auf Pujis Kops so niedrig, und vielleicht spricht man so laur darüber, um anzudeuten, daß es nicht auf den Kaiser chinesischen Ursprungs, sondern auf seine japanischen Eefangenenwärter ankommt, wobei es gleichgültig ist, ob die Gefangenschaft gewollt oder ungewollt ist. Wir wissen allzu wenig von dem Politiker Puji und bemühen uns vergeblich, sein politisches Gesicht zu erkennen und zu deu­ten, auch nachdem er als Präsident des neu ge­gründeten Mandschukuo aus dem Dunkel des Privatlebens in das hellere Licht der Öffentlich­keit getreten ist. Die Japaner geben sich die größte Mühe, uns den Chinesen als primitiv erscheinen zu lasten. Deshalb veranlaßten sie ihn unter anderen zu einem Brief an den König von England mit Bilderbeilagen, von denen eine den jungen Kaiser in der Kleidung der Golf­spieler, also in höchst lächerlichem äußeren Rah­men, wenigstens in einem derartigen Zusammen­hang, vorführt.

Um die Kaiserkrönung entwickelte sich unter japanischer Leitung ein buntes und eindrucks­volles militärisches Gepränge. Das diplomatische Korps wurde nur durch einen Japaner vertreten.

Auch am 6. Februar, dem Geburtstag des neuen Kaisers, werden sich die Diplomaten der anderen Länder noch nicht vor den Toren seines Palastes drängen; denn die Anerkennung des Kaiserreiches Manschukuo steht immer noch aus. Die Erhebung des Landes zum Kaiserreich ist ja nichts anderes als einer der japanischen Schachzüge, der diplo­matischen Anerkennung und damit der Billigung seines mandschurischen Vorgehens einen neuen breiten Weg zu erschließen. Die vollendete Tat­sache wird mit dem Kaiserschnörkel geschmückt, um ihr nach außen hin ein gefälligeres Aussehen zu geben.

Die Frage, ob sie gefällt oder nicht, bleibt für die japanische Politik aber nicht das Entschei­dende. Alle noch so geschicktenVersöhnungs"- Schritte der amtlichen japanischen Politik können nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß die Er­richtung des Kaiserreiches Mandschukuo nicht der Abschluß, sondern nur ein Haltepunkt der japani­schen Ausdehnungspolitik ist. Die Regierung von Tokio bemüht sich nur immer wieder, die Welt von ihrenfriedlichen" Absichten zu überzeugen. Die Welt aber unterscheidet immer klarer zwi­schen der Regierung und den Regierenden von Tokio. Die Regierenden und die Regierung be­stehen nicht mehr aus den gleichen Persönlichkei­ten. Die Regierung von Tokio hat nur noch die Bedeutung einer Außenwand zur Verschleierung der wirklichen Vorgänge im japanischen Hause, das heißt zu ihrer formellen Verdunkelung. Die wirklich Regierenden, die japanische Admiralität und der japanische Generalstab, machen aus ihrem

Herzen keine Mördergrube. Sie können unmöglich noch deutlicher über ihre Absichten sprechen, als das heute beispielsweise in den Militärzeitschrif­ten des japanischen Heeres und der Seemacht ge­schieht. Da wird ausdrücklich gesprochen von der Notwendigkeit der Aufrüstung, um Japans Aus­dehnungsdrang mit Waffengewalt sicher zu stellen. Die japanischen Admirale und Generale scheuen selbst schon nicht mehr vor der Bekundung zu­rück, daß Japan seine Politik nötigenfalls gegen die ganze Welt mit der Waffe durchsetzen müsse. Mit ihren Zielen und ihrem Wollen hat die Welt es zu tun, und nicht mit der Regierung; sicherte sich doch die japanische Admiralität durch den Machtspruch des Kaisers das Recht, alle ihr geeignet erscheinenden Schritte für die Sicherheit des Landes unabhängig von der amtlichen Regie­rung einzuleiten. Die Kaiserschaft Pujis bedeutet also kein Ende, sondern ganz im Gegenteil einen neuen Anfang, die Herrichtung einer neuen Aus­fallstellung.

Die Beitrittspslicht zur Reichsschrifttumskam­mer besteht bekanntlich nicht für die Leiter fach­licher, unpolitischer Zeitschriften. Eine bisher ungelöste Frage stellen hier die Beitrittsverhält­nisse solcher Theaterleiter, welche Vühnenblätter herausgeben, dar. Theaterblätter sind gewisser­maßen politisch, kulturpolitisch jedenfalls. Die Deutsche Bühne" sagt dazu:Wir halten diese Anmeldung - mächst nicht für erforderlich. Sollte wider Erwarten die Anmeldung erforderlich sein, lo wird dies rechtzeitig mitgeteilt."