Ausgabe 
(29.1.1934) Nr. 28
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öas amtliche Organ kles Senats

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N,-. 28 / i. Vierteljahr ;

Montag, den 2 y. Ianua

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Stalin warnt Japan

Eine Rede auf dem Moskauer Parteikongreß

Heute Abrüstuikgö- eeklärung im Unterhaus

änb. Lokdon, 28. Januar.

Mit der größten Spannung wird hier dem Wiederzusammentritt des englischen Parlaments entgegengesehen, vor allem aber der Erklärung, die von britischer Seite im Unterhaus zur Ab- rüstungssrage erwartet wird. Ueber die Reich­weite der bevorstehenden Erklärung herrscht noch völlige Unklarheit. Allgemein wird angegeben, daß nach den bisherigen fruchtlosen diplomatischen Verhandlungenirgend etwas getan werden muh", da die Zeit für ein flickwerkartiges Kom- promih zwischen den Einzelheiten von Plänen und Gegenplänen vorbei ist und die Notwendig­keit für die Schaffung eines neuen Standards die Forderung des Augenblicks ist.

Sunday Times" erwartet, daß die Erklärung des Reichskanzlers am Dienstag einen wichtigen Einfluß auf die Aussichten einer schliehlichen Ab­rüstungsvereinbarung haben werde. Die Lage sei sehr schwierig. Alles deute auf eine allgemeine Versteifung der Haltung der deutschen Regierung hin. Trotzdem werde die britische Regierung ihre Bemühungen, einen Ausgleich zwischen den ein­ander entgegengesetzten Standpunkten Deutsch­lands und Frankreichs zu erzielen, fortsetzen.

Die Marxisten und Dollfuß

Wien, 29. Januar.

Der marxistische Parteirat stellte in seiner Sitzung am Sonntag zur Aufforderung des Bun­deskanzlers wegen Mitarbeit am Neuaufbau des Staates fest, daß die sozialdemokratische Partei bereits in früheren Beratungen ihre Bereitschaft erklärt habe, an einer friedlichen und verfassungs­mäßigen Entwirrung der politischen Krise mit­zuwirken. Der Parteirat erklärte, daß die sozial­demokratische Arbeiterschaft auch jetzt jederzeit zu dieser Mitwirkung bereit sei, daß aber der Abbau der Freiheitsrechte des Volkes und der sozialen Rechte der Arbeiter jene innere Bereit­schaft der Arbeiterschaft zur Mitarbeit, welche der Bundeskanzler begehre, nicht aufkommen lasse. Die sozialdemokratischen Arbeiter und Angestell­ten ständen zur Unabhängigkeit Oesterreichs und seien bereit, sie mit allen Mitteln zu verteidigen. Der Parteirat hat schließlich Weisungen über die Fortsetzung des Abwehrkampfes gegen alle faschi­stischen Bestrebungen beschlossen, die den Orga­nisationen übermittelt werden. (Siehe auch S. 2.)

Deutscher Tag in Aegyplen

(lud. Kairo, 28. Januar.

In Erinnerung an den ersten Jahrestag der deutschen Revolution wurde heute in Kairo der Erste Deutsche Tag in Aegypten" gefeiert, wo­zu aus allen Teilen Aegyptens die Deutschen in einer Anzahl von annähernd 1000 Teilnehmern nach Kairo zusammengeströmt waren. Ansprachen hielten Gesandter Stohrer, Landesgruppenleiter Heß, der Berliner Eauredner Diewerge und Präzeptor Grimm. Die Feier war ein erhebendes Bekenntnis gemeinsamer Verbundenheit zum Dritten Reich und seinem Führer.

Keine Neuwahlen in Spanien. Havas meldet aus Madrid, der spanische Ministerpräsident habe erklärt, daß vorläufig keine Gemeinde- und Staatsneuwahlen stattfinden werden.

üab. Moskau, 28. Januar.

Auf der 17. Tagung der kommunistischen. Par­tei der Sowjetunion hielt Stalin als General­sekretär der Parte: eine mehrstündige Rede über die gesamte innen- und außenpolitische Lage. Nach einem Ueberblick über die Ent­wicklung der Weltwirtschaftskrise entwickelte Stalin bis ins Einzelne die bekannten sowjet- russtschen Wirtschaftstheorien. Die gesamte Welt­wirtschaftskrise in Europa, Asien und den Ver­einigten Staaten habe gezeigt, wie krank die kapi­talistische Wirtschaft sei. Die Belebung, die man in der zweiten Hälfte des Jahres 1933 habe fest­stellen können, sei, so behauptete Stalin, auf eine Steigerung der Rüstungen zurückzuführen.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen be­tont« Stalin den Wunsch der Sowjetregierung, unbedingt die Friedensbeziehungen zu der ganzen Welt aufrecht zu erhalten, obwohl es Mächte gebe, die einen Konflikt mit der Sowjet-

änb. Parrs, 28. Januar.

Der Präsident der Republik hat am Sonntag­vormittag die Beratungen über die Kabinetts­bildung fortgesetzt. Zunächst empfing er den ehe­maligen Minister Tardieu, der nach Aeuße­rungen, die er gegenüber der Presse machte, für die nationale Union, für beschleunigte Verab­schiedung des Haushaltes, für einen neuen Mann an der Spitze der Regierung und unter Umständen für Auflösung der Kammer eingetreten ist.

Anschließend empfing Staatspräsident Lebrun den ehemaligen Ministerpräsidenten Herriot, der es nach Verlassen des Elysse ablehnte, eine Erklärung abzugeben. Als dritter kam der ehe­malige Justizminister Barthou an die Reihe. Schließlich empfing der Staatspräsident den Vor­sitzenden des Finanzausschusses des Senats und ehemaligen Ministerpräsidenten Caillaux.

Der Präsident wird im Verlaufe des Montags die Persönlichkeit ins Elysöe berufen, der er den Auftrag zur Kabinettsbildung erteilen wird.

Bei einer Beratung, die die sogenannteAb­ordnung der Linksparteien" heute nachmittag ab­gehalten hat, hat Herriot erklärt, die Lage habe sich so sehr verschlimmert, daß die radikalsoziali­stische Partei allein die Regierungsmacht nicht mehr übernehmen könne. Es müßten möglichst viele der Linksgruppen in der Regierung ver­treten sein.

Im Zusammenhang mit den Verhandlungen über die Regierungsbildung ist es übrigens in­teressant, daß der Abgeordnete Flandin, Mit­glied der Linksrepublikanischen Fraktion, also der Gruppe, die den Anschluß nach rechts bilden

union provozieren wollten. Die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Amerika bezeichnete Stalin als eine wichtige internationale Aktion. Es sei dadurch für eine fruchtbringende Zu­sammenarbeit die Grundlage geschaffen worden.

Die Beziehungen zu Japan verdienten die größte Aufmerksamkeit. Die japanische Ableh­nung, mit der Sowjetunion einen Nichtangriffs­pakt abzuschließen, sei ein feindseliger Akt ge­wesen. Das gleiche gelte von den Verhandlungen über die chinesische Ostbahn. Japanische Agenten begingen unglaubliche Dinge gegenüber sowjet- russischen Angestellten und verletzten dauernd die Gesetze auf der chinesischen Ostbahn. Ei» Teil der japanischen Militärpartei rufe offen zur Besitz­ergreifung der Küstengebiete auf und die japa­nische Regierung halte es nicht einmal für not­wendig, sie zur Ordnung zu rufen.

Wir wollen den Frieden, betonte Sta­lin, und wir sind zu allen Maßnahmen bereit,

würde, wenn eine Verbreiterung der Regie­rungsbasis nach dieser Seite hin zur Tatsache wird, in der ^.gsnos bleonomigns st lRvanoisrs einen scharfen antiparlamentarischen Artikel ver­öffentlicht, in dem es heißt, die öffentliche Mei­nung wisse noch nicht, ob sie den Parlamentaris­mus eigentlich noch wolle oder nicht. Wenn aber das Hin- und Hergerede und die Jntrigen in den Wandelgängen zur Bildung einer parlamentari­schen Regierung führen, dann seien binnen kur­zem eine Sch a tz a m t s k r i s e und Stratzenkund- gebungen zu erwarten. Wenn dagegen der Chef der neuen Regierung sich zehn energische, erfah­rene Männer aussuchte, die die Rahmen der Par­teien brechen, und wenn er Vollmachten fordere und rasch und durchgreifend handele, dann werde er das Geschwür bald beseitigen, ein Geschwür, das Frankreich vor der Welt entehre.

Mit einem ausführlichen Gedankenaustausch mit den Abgeordneten Marin, Laval und zuletzt mit Linier, dem Vorsitzenden der repu­blikanischen Linken des Senats, hat der Präsi­dent der Republik die Reihe der Sonntags­besprechungen abgeschlossen. Er wird die Nacht zur Prüfung der Ergebnisse seiner Fühlungnahme benutzen und sich am Montagvormittag entschei­den.

Senator Linier erklärte beim Verlassen des Esysse, die erste Aufgabe der neuen Regierung müsse darin bestehen, genügend Autorität zur Be­seitigung der ungesunden Atmosphäre zu bewei­sen, die das Parlament und das Land ergriffen habe. Die öffentliche Meinung lege weniger Wert auf die politische Einstellung der künftigen Mi­nister, als auf ihre moralischen Quali­

um eine normale Situation herbeizuführen. Wir können aber in dieser Richtung nichts mehr tun. Wir müssen das Land vor Überraschungen schützen und auf einen Angriff gefaßt sein. Wir fürchten uns nicht vor Drohungen und wir sind bereit, jeden Schlag mit einem Gegen- schlag zu beantworten. Wer den Frieden will und Eeschäftsbeziehungen mit uns anzubahnen sucht, wird stets bei uns Unterstützung finden. Diejenigen aber, die es versuchen wollen, uns zu überfallen, werden einen Denkzettel bekommen, daß sie die Lust verlieren werden, ihre Schweine­schnauze noch einmal in den Sowjetgemllsegarten zu stecken.

Stalin streifte dann noch kurz die Beziehungen zu Deutschland, wobei er behauptete, daß in Deutschland angeblich sowjetfeindliche Kräfte am Werke seien. Die Sowjetunion jedoch, fuhr Sta­lin fort, trete dennoch für die Aufrechterhaltung der freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland ein.

täten. Ein erweitertes Kabinett sei zu wün­schen, damit alle an der Gesundung mitarbeiten könnten, um den bedauerlichen Zustand, in dem das Land sich befinde, zu beseitigen.

London, 28. Januar.

Wie ernst die Lage in Paris am Sonnabend aufgefaßt wurde, geht aus einer telephonisch übermittelten Meldung derSunday Times" aus Paris hervor, derzufolge am Sonnabendnachmit­tag trotz des Versprechens, daß die französischen Behörden vor einem Jahr gegeben hätten, die Zensur von Nachrichten einzustellen, französische Regierungszensoren bei den Telegraphenämtern eingesetzt worden seien, um alle Telegramme über die Kabinettskrise aufzuhalten. Der Wortlaut dieser Telegramme habe erst ins Innenmini­sterium zur Billigung gesandt werden müssen.

Doumergue verzichtet

cinb. Paris, 28. Januar.

Der Präsident der Republik, Lebrun, hat .heute abend telephonisch dem ehemaligen Präsi­denten der Republik, Gaston Doumergue, der dem Parlament zurzeit nicht mehr angehört, auf seinem Landsitz in Tournefeuille die Kabinetts­bildung angetragen. Doumergue hat dieses Ange­bot nicht angenommen, und zwar mit der Begrün­dung, daß er infolge feines hohen Alters nicht mehr in der Lage sei, ein so schweres Amt zu über­nehmen.

Graf Bethlen über Revisionsfragen

«inb. Budapest, 28. Januar.

Der frühere Ministerpräsident Graf Bethlen kam in einer Rede in Debrecen am Sonntag auch auf die außenpolitischen Fragen zu sprechen. Die internationale Lage, so führte er aus, habe sich beträchtlich verschlechtert. Der Weiterbestand des Völkerbundes hänge davon ab, ob er die Reform­anträge Mussolinis beachten werde oder nicht. Die Kleine Entente strebe die Befestigung der Bande zwischen den einzelnen Mitgliederstaaten an und nehme Eroßmachtsallllrcn an, ob- schon die Großmächte davon als einer Parvenu- Großmacht keine Kenntnis nehmen wollen. Auf dem Balkan wolle man Bulgarien in den neuzufchaffenden Pakt einbeziehen. Der Redner sei dennoch optimistisch. Denn nicht der Zeit­abschnitt der Zusammenarbeit der Völker, sondern auch jene Form sei zu Ende, in der Besiegte und Sieger gezwungen gewesen seien, bei politischer Ungleichheit miteinander zu arbeiten.

Deutschlands Austritt aus dem Völker­bünde habe dieser Epoche ein Ende gemacht, wo­für Deutschland Dank gebühre. Nach der Zeit der Reparationsjahre und dem jetzt noch andauernden Zeitabschnitt des Kampfes um die Gleichberechti­gung werde der Zeitabschnitt kommen, der berufen sei, die territoriale Ungerechtigkeit der Friedensverträge aus der Welt zu schaf­fen. Bis dahin müsse Ungarn die öffentliche Mei­nung der ganzen Welt über die ihm widerfahrenen Ungerechtigkeiten aufklären. Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Italien, Oesterreich und Ungarn würde der Redner auf das wärmste be­grüßen,

Italienische

Hanöwerksaborönung in Berlin

Berlin, 28. Januar.

In Erwiderung des Besuches der deutschen Handwerkerfllhrer in Italien im vorigen Jahr traf Sonntag früh auf dem Potsdamer Bahnhof eine italienische Handwerker-Abordnung unter Führung von Professor Buronzo-Rom ein. Zum Empfang der italienischen Gäste waren Ver­treter des Reichsstandes des Deutschen Hand­werks erschienen, sowie ein Vertreter der italie­nischen Handelskammer in Berlin.

Mit herzlichen Worten begrüßte Vizepräsident Zeleny im Namen des Reichsstandes die ita­lienischen Handwerkerführer in der Reichshaupt­stadt und sprach die Hoffnung aus, daß sie den besten Eindruck von den deutschen handwerklichen Betrieben und ihren Einrichtungen sowie über­haupt vom Leben des deutschen Menschen im neuen Reich empfangen mögen. Nach Dankes­worten bekräftigte Professor Buronzo-Rom die bereits angebahnte Zusammenarbeit zwischen dem italienischen und dem deutschen Handwerk. Mittags statteten die Italiener in ihren schwar­zen Uniformen dem Ehrenmal Unter den Linden einen Besuch ab und legten einen Kranz neben den Kränzen des Reichspräsidenten und des Füh­rers nieder. Anschließend daran besuchten die Italiener auf besonderen Wunsch das Grab des deutschen Freiheitshelden Horst Wessel. Auch hier j wurde ein großer Kranz niedergelegt.

Frankreichs Regierungskrise

Tardieu, Herriot und Barthou beim Staatspräsidenten / Heute Entscheidung

über den Nachfolger Ehautemps'

Johann Gottliel» Fichte

Lur 120, Wiederkehr feines Todestages

: 3. Juli 1799 rattert eine Postkutsche durch lore der Stadt, müde lehnt in ihr ein sieben- reißigjähriger Privatgelehrter. Die Wache ihn passieren: Johann Eottlieb Fichte ist

erlin angekommen.

st ein Jahr schon wirft ihn das Schicksal Deutschland. Nicht nur Jntrige, bru- Macht stemmt sich dem geistigen Kämpfer für »eutschen Gedanken entgegen: Aus Jena, wo moralischem S o n n t a g s v o r l e- gen für die Studenten" begeisterten rhall fanden, hat man ihn verdrängt, keine i will ihm Asyl gewähren, kein Lehrstuhl i sich ihm: der zum geistigen Kämpfe ruft, nundtot gemacht werden! wn am Tage nach seiner Ankunft wird im ßischen Staatsrat beschlossen, daß er zunächst schärfste zu bewachen sei. Und am folgenden erscheint der Polizei-Inspektor, um sich zu digen, ob Fichte sich nur zum Vergnügen m n aufhalte oder ob er etwain Geschäften

^Vierteljahr verstreicht. Studenten, denen Name kein leerer Begriff mehr kommen zu bitten, er möge Vorlesungen halten All- ich setzen sich auch einflußreichere Kreise für -in und er kann alsbald sein« elfte Vorle-

'niostens eine Wirkungsstätte! Er erhält k!in Amt doch in seinen Privatvorlesungen t sich die geistige Elite der Nation zufammen.

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als er im Winter 1801 über d.eErundzuge gegenwärtigen Zelters f?rich > l esung, die die .Aden an d,e deutsche Na- ' innerlich vorbereitet da erscheint sei s

Fürst Metternich! So stark ist schon damals die Macht seines Wortes und seiner deutschen Idee, daß er auch ganz anders geartete Naturen zeit­weise in den Bann seiner Gedanken zwingt.

Bis an den letzten Hauch!"

Da kommt der Krieg. Napoleons Heere über­fluten das Land. Fichte bittet, als Feldprediger auf den Schlachtfeldern durch die Kraft seines Wortes helfen zu dürfen. Sein Gesuch wird ab­gelehnt!

Jena! Zusammenbrach: für den Mann, der steter Rufer zum Widerstand war, ist kein Platz mehr in einem Preußen, das von den Heeren und Häschern Napoleons beherrscht wird. Er muß fliehen, geht mit den Besten der Nation als Emigrant zunächst nach Königsberg.

Und dort erlebt er das furchtbare Schicksal des aus der Heimat Vertriebenen, vertrieben um der Liebe zur Heimat willen! Losgerissen von Frau und Kind, in größter wirtschaftlicher Be­drängnis, muß er tatenlos zusehen, wie sein Va­terland unter dem Joch des fremden Tyrannen verblutet. Seine Briese aus jenen Tagen sind deutsch«Emigrantenbriefe", muß er doch damit rechnen, daß jede Zeile von den Schergen Napoleons durchschnüffelt wird. So be­schränkt er sich auf Andeutungen, ganz selten bricht sein heißes Herz durch, als er seiner Frau, die ihm zur Rückkehr rät, gut zuspricht und zu er­klären versucht, warum er nicht in ein Preußen unterNapoleons Hoheit" zurückkehren könne:

Ich denke noch ganz so, wie ich in den letzten Tagen meines Zusammenlebens mich gegen Dich deutlich ausgesprochen, und ich werde so denken bis an den letzten Hauch meines Lebens; ich

wünsche, daß auch Du, teures schweizerisch-deut­sches Weib, wieder ganz zu der Gesinnung zurück­kehrst, und dem Sohne, den Du mir geboren, daß er einst würdig meinen Platz ersetze, keine andere einflößt....

Meine Unehre willst Du nicht und unter keiner Bedingung, es kommt jetzt nur darauf an, daß Du erkennst, wo Schmach und Schande liegt." Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben."

Entsetzliche Wochen, Monate der Qual und Ein­samkeit . . . Und doch wachsen gerade in diesen

schwersten Stunden in Fichtes Fühlen und Den­ken, jene Werke, die die Jahrhunderte überdauern werden, die zum ewige» Gute deutschen Geistes gehören. Hier im Exil ballen sich die Gedanken, die er ein Jahr später seinem Volke verkündet.

Denn im Winter 1807/08 steht Johann Gottlieb Fichte abermals auf der Rednerkanzel der Ber­

liner Universität. Der Hörsaal gedrängt voll, Junge und Alte, jeder, der deutsch fühlt, will zu­gegen sein, hier, wo der Rufer das Auferstehen der deutschen Nation kündet. Und gewaltig dringt aus diesem Saale sein Appell ins Volk: Es hängt von Euch ab, ob Ihr das Ende sein wollt und die Letzten eines nicht achtungswür- digen und bei der Nachwelt gewiß sogar über Gebühr verachteten Geschlechts . . . oder ob Ihr der Anfang und der Entwicklungspunkt sein wollt einer neuen über alle Vorstellungen herr­lichen Zeit, von denen an die Nachkommenschaft die Jahre des Heils zählen wird. Bedenket, daß Ihr die Letzten seid, in deren Gewalt die große Veränderung steht . .

Euch, Deutsche, insgesamt, welchen Platz in der Gesellschaft Ihr einnehmen möget, beschwören diese Reden . . . Denket, daß in meine Stimme sich mischen die Stimmen Eurer Ahnen, aus der grauen Vorwelt, die mit ihren Leibern sich ent- gegengestemmt haben der heranströmenden römi­schen Weltherrschaft, die mit ihrem Blute er­kämpft haben die Unabhängigkeit der Berge, Ebenen und Ströme, welche unter Euch den Fremden zur Beute geworden sind. Sie rufen Euch zu: Vertretet uns, überliefert uns ebenso ehrenvoll und unbescholten der Nachwelt, wie es auf Euch gekommen ist . . .!"

Ganz Deutschland hörte den Ruf. Und bald klang es von Süd bis Nord. von Ost bis West:

Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben, An Deines Volkes Auferstehen,

Laß diesen Glauben Dir nicht rauben,

Trotz Allem, Allem, was geschehen . . .!"

Wackgemittelt von seinem Wort. . .

Dann grisi die Nation, wachgerüttelt von Männern wie Fichte und Arndt, zu den Waffen- das Volk stand auf, jagte den welschen Eroberer aus deutschen Gauen! Fichte ist es nicht vergönnt

hat er wirken können als Mahner zu deutscher Einigkeit im befreiten Deutschland.

Seine Frau hatte sich kurz nach Kriegsausbruch als Helferin in einem Lazarett gemeldet, doch sie war den Anstrengungen körperlich nicht gewach­sen, in den ersten Januartagen des Jahres 1814 brach sie mit einem heftigen Nervenfieber zu­sammen. Ueber jene schwersten Tage und das Sterben seines Vaters berichtet der Sohn:

An dem Tage der dringendsten Gefahr wollte Fichte seine Vorlesungen über die Wissenschafts­lehre beginnen... Er nahm Abschied von der schon bewußtlosen Kranken, und vom Schmerz gebeugt, hatte sein Geist doch noch die Selbstbe­herrschung, einen Vortrug über die abstraktesten Gegenstände zwei Stunden hintereinander fort­zusetzen . . . Aber gerade während der höchsten Gefahr hatte sich eine wohltätige Krisis vorbe­reitet, und wir vergessen den Augenblick nicht, wo Fichte, von Freude überwältigt, mit Inbrunst über seine Gattin sich hinneigte und sie als ge­rettet, als ihm neu geschenkt begrüßte. Aber vielleicht war gerade dies der Augenblick, wo sie unschuldig und unbewußt selbst ihm den Keim der Krankheit einflößte. Schon am anderen Tage fühlte er ein bedeutendes Uebelbefinden .... Indes hatte das Uebel besonders den Kopf be­täubend angegriffen und im Fortgang der Krank­heit wurden die lichten Augenblicke immer sel­tener. In einem der letzten brachte ihm sein Sohn aus den Zeitungen noch die Nachricht an das Bett von Blüchers Rheinübergang und dem raschen Vordringen der Verbündeten in Frankreich. Da erwachte sein Geist noch einmal zu alter Kraft; es war die letzte Freude, die ihm aus Erde» wurde . . ."

Am 27. Januar 1814, gegen S Uhr. schloß er lur immer die Augen. Wo aber Deutsche sind. da wird sein Geist und sein Wort aus ewig fort­leben.