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H Nr. 18 / i. Vierteljahr
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das amtliche Organ -es Senats
Monats-Bczug: Bei täglichem Erscheinen RM. 2.3V einschließlich 3V Rps. Zustellungsgebühr; durch die Post RM. 2 30 einschließlich Neberweisungsgebühr, ausschi Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich- ten. — Postscheck Hamburg 172 72. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch auf Erstattung oder Ersatz Bremer Zeitung, Berlagsgesellschaft m. b. H., Geeren 6 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 828.
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Freitag, den is. Januar
Sprechzeit des Verlages we rktäglich von 12-13 Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 16-17 Uhr.
Einzelpreis 12 Nps.
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ZwischenMe in der französischen Kammer
Stürmische Gtavisky-Debatte
Im Senat neue Ausfälle gegen Deutschland
- ,, . änb. Paris, 18. Januar.
, Die französische Kammer hat am Donnerstagnachmittag die Beratung des Haushalts für 1932 und zwar mit dem Haushalt des Justizministers, begonnen. Außerdem hat der Justizminister die sofortige Aussprache über den von der Regierung vor einigen Tagen eingebrachten Gesetzesentwurf verneint, der allen denjenigen, die sich Verfehlungen zum Schaden der Sparer haben zu schulden kommen lassen, den Handel mit Wertpapieren verbietet.
Die Interpellation des rechtsgerichteten Abgeordneten Henriot über die gerichtliche Untersuchung des Falles Stavisky verursachte gleich zu Beginn einen wahren Sturm. Der Kammerpräsident hatte zeitweise Mühe, die Ruhe wieder herzustellen. Es zeigt sich, daß diese Angelegenheit parlamentarisch noch nicht begraben ist. In dem Geklapper der Pultdeckel, den Zwischenrufen und dem Klatschen der Abgeordneten, mit dem sie ihre jeweils sprechenden Gesinnungs
genossen zu unterstützen versuchten, verhallte ab und zu sogar die Glocke des Präsidenten. Es gab eine erregte Auseinandersetzung zwischen dem Interpellanten und dem Finanzminister. Immer wieder griffen einzelne Abgeordnete von ihren Bänken in die Ausführungen Henriots ein. Sachliche Angriffe wechselten mit persönlichen Seiten- hieben. In dem Hin und Her zwischen rechts und links war minutenlang kein Wort zu verstehen, so daß der Kammerpräsident schließlich die Sitzung abbrach.
Der Senat setzte am Donnerstagnachmittag seine außenpolitische Aussprache fort. Als erster sprach der radikalsozialistische Senator l a Brousse, der sich vor allem mit der angeblichen Aufrüstung Deutschlands befaßte, die er als Gefahr für Europa darstellte. Der radikalsozialistische Senator Lafont glaubte, Zweifel an der Aufrichtigkeit Deutschlands äußern zu müssen. Er erinnerte, wie dies ja bereits verschiedentlich ge
schehen ist, an die Erinnerungen Stresemanns und behauptete, Deutschland habe sich seither nicht geändert. Es genüge, Hitlers Buch „Mein Kampf" zu lesen, um sich über Deutschland im klaren zu sein. Er begrüßte schließlich die Rede Roosevelts, deren Bedeutung um so größer sei, als sie auf dem „lärmenden Austritt" Deutschlands aus dem Völkerbund gefolgt sei.
Senator Lemery stellte die Behauptung auf, das Ergebnis der französischen Politik sei die Aufrüstung Deutschlands. Paul-Voncour habe vergessen, zu erklären, was er eigentlich unter „internationaler Zusammenarbeit" verstehe. Kontrolle, Sanktionen und Nichtangriffspakts, die nur Papierfetzen seien, wünsche Frankreich nicht. Er und seine Freunde forderten, daß man Frankreichs Militärmacht nicht antaste, solange keine besseren Garantien vorhanden seien. Frankreich brauche sich nicht von anderen ins Schlepptau nehmen zu lassen, sondern müsse eine entschlossene französische Politik betreiben.
Suvich verhandelt mit Dollfuß
Hakenkreuzfahnen grüßen den italienischen Staatssekretär in Wien
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" änb. Wien, 18. Januar.
Der italienische Unterftaatsfekretiir des Aeußern, Suvich, ist heute früh zu einem offiziellen Besuch bei der österreichischen Regierung in Wien ein- gctrosfen. Aus dem Bahnhof hatten sich Bundeskanzler Dollfuß, Mitglieder der Regierung und Vertreter der Militär- und Zivilüchörden zum Empfang eingefunden.
. ' Während des Eintreffens des italienischen . Staatssekretärs, gingen in der Nähe des Süd- bahnhofes. zwei Papier böller - hoch, die weiter keinen Schaden anrichteten. Von einem in der Nähe des Südbahnhofes gelegenen Hotel- dach wurden mit einem Wurfgeschoß Hakenkreuzfahnen in der Richtung des Südbahn- . Hofes abgelassen. Bei den außerordentlich strengen Absperrungsmaßnahmen, die die Polizei auf der ganzen Linie der Abfahrt des Staatssekretärs vom Südbahnhof zu seinem Hotel vorgenommen
hatte, wurde eine Anzahl von Personen «er- - haftet. Die Polizei hat weiter ungewöhnlich' strenge Sicherungsmaßnahmen getroffen, um alle Kundgebungen während der Anwesenheit des italienischen Staatssekretärs zu verhindern.
Von italienischer Seite wird erklärt, daß der Besuch des Staatssekretärs Suwich in erster Linie als eine E r w i d e r u n g auf die drei Besuche des Bundeskanzlers Dollfuß beim italienischen Regierungschef aufzufassen sei.
In den Vormittagsstunden stattete der Staatssekretär dem Bundesipräsidenten Mitlas und dem Bundeskanzler Dollfuß den üblichen offiziellen Besuch ab. der sodann vom Kabinettsdirektor des Vundespräsidenten und vom Bundeskanzler Dollfuß im Hotel „Jmperial" erwidert wurde.
Die sachlichen Beratungen zwischen Suvich und Dollfuß, an denen von österreichischer Seite der Leiter der politischen Abteilung des Außen-
ministeriums, Gesandter Hornbostel teil- . nimmt, beginnen in den Nachmittagsstunden. Zu . den Programmpunkten der Besprechung gehören, wie verlautet, wirtschaftspolitische Fragen, die Förderung der italienischen Wein- und Früchte- ousfuhr nach Oesterreich, sowie die Ausfuhr österreichischer Agrar- Holz- und Jndustrieprodukte nach Italien, die Errichtung einer Freihafenzone für Oesterreich in Trieft und darüber hinaus die Regelung der wirtschafts- politischen Fragen in Mitteleuropa auf Grund ses bekannten italienischen Memorandums vom 28. September v. I.
Ueber die erste Unterredung zwischen Unter- staatssekretär Suvich und Bundeskanzler Dr. Dollfuß wird amtlich mitgeteilt: Unterstaatssekretär Suvich stattete mittags Bundeskanzler Dr. Dollfuß einen Besuch ab. Die Besprechung, die einen außerordentlich herzlichen Charakter trug. dauerte über eine Stunde.
Der 18. Januar in Berlin
Berlin, 18. Januar.
Anläßlich der 63. Wiederkehr des Tages der Reichsgrllndung hatten die Dienstgebäude Preußens und der Stadt Flaggen gesetzt. Bereits in den frühen Morgenstunden haben eine Reihe von politischen Verbänden und Kriegeroereinen am Denkmal Bismarcks vor dem Reichstag und
am Nationaldenkmal, dem Denkmal des ersten Kaisers, Kränze niedergelegt. Um 12 Uhr zog die Wache des Wachregiments in Stärke einer Kompagnie vor dem Ehrenmal Unter den Linden auf, wo das Musikkorps das Deutschland- und Horst-Wessel-Lied intonierte, das die nach Tausenden zählende Zuschauermenge mit erhobenen Arm mitsang, während die Truppe das Gewehr präsentierte.
Den Höhepunkt der Feiern, die in der Reichs- houptstadt zur Erinnerung an die Reichsgrllndung veranstaltet wurde, bildete der Festakt in der Universität. Zu der Feier waren zahlreiche Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden, der Wehrmacht, der Polizei und der nationalsozialistischen Verbände erschienen. Unter den Klängen des Triumphmarsches von Beethoven vollzog sich der Einmarsch der Professorenschaft, die feierlichen
Dem Dichter des Deutschlandliedes
Doffmann von Fa llersleben 60. Todestag arn l9. Januar
Gibt es einen Deutschen, der noch nie ein Lied des Dichters gesungen hat? Wenn hier und da einer fragen würde, wer ist denn dieser Hoff- mann von Fallersleben, und man würde ihm sagen: der Dichter des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles", dann leuchtete sicherlich sein Gesicht auf, denn das „Lied der Deutschen" sang er wie oft schon!
August Heinrich Hoffmann wurde am 2. April 1798 als Sohn des Kaufmanns und Bürgermeisters Heinrich Wilhelm Hoffmann zu Fallersleben im Hannöverschen geboren. Schwere Zeiten lagen über Deutschland, während das Kind heranwuchs. Not und Elend waren fast überall zu Hause, Napoleon hielt seine Hand auf unserer Heimat. Des Knaben begeistertes Herz fand schon früh Lieder für des Landes Not. Kaum sechzehnjährig, veröffentlichte er seine ersten Freiheitsgesänge. Dann bezog er die Göttinger Universität, um Theologie zu studieren; von der Kanzel wollte er das Volk lehren und führen. Bald aber merkte er. daß dies nicht seine eigentliche Berufung war, und als er in Kassel die Brüder Grimm kennenlernte, wandte er sich endgültig der Germanistik zu. In Bonn machte Ernst Moritz Arndt auf den jungen Menschen einen unauslöschlichen Eindruck, und Hoffmann begann die deutschen Mundarten zu studieren, Volkslieder und Volksbräuche aufzuschreiben; gern kramte er in alten Büchereien nach vergessenen Weisen. Mit fünfundzwanzig Jahren wurde er Bibliothekar in Breslau und sieben Jahre später dort Professor für deutsche Sprache und Literatur. Er ist aber kein gelehrter Knasterbart gewesen, sondern ein begeisterter Sänger. Manche verübelten ihm das, wurden nei
disch auf seinen Dichterruhm, und als er seine „Unpolitischen Lieder", die damalige Mißstände markant geißelten, drucken ließ, schickte ihn die ängstliche Regierung „als ungeeignet" vom Katheder fort.
Nun begann sein Wanderleben durch ganz Deutschland. Den Jubel und die Feiern, die man ihm überall darbrachte, heilten seine Herzenswunde nicht; die Not des Vaterlandes brach mächtiger in ihm auf. Aber nicht wenige seiner besten Lieder entstanden in dieser Zeit. Schlicht,
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Hoffmann v. Fallersleben
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Die eigenhändige Niederschrift des Liedes
Ornat trugen. Den Festvortrag hielt Profestor Bäumler. Der Tag von Versailles, so führte er aus, sei früher der höchste Festtag im Vorkriegs- deutschland gewesen. In den letzten Jahren aber habe er im Schatten eines anderen Versailles gestanden. Erst der 30. Januar habe es ermöglicht, den Tag der Reichsgründung in der alten Weise wieder zu begehen. An die Stelle Bismarcks sei nunmehr Adolf Hitler getreten. Auch er sei von vielen als der Verwirklicher des Einheitstraumes betrachtet worden. Kein anderer Tag fordere so zum Nachdenken über die Mission Adolf
Hitlers auf, wie gerade der 18. Januar. Große geschichtliche Ereignisse seien nicht das Ergebnis unzähliger Einzelhandlungen, sondern sie seien geknüpft an die Hellsichtigkeit und Kraft einzelner Großer. Was Bismarck und Hitler heraushebe, sei ihr einzigartiges Verhältnis zum Schicksal, das aus der Größe ihres Charakters entspringe. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied beschlossen den Festakt.
Auch an der Handelshochschule, an der tierärztlichen Hochschule und an der landwirtschaftlichen Hochschule wurde der Reichsgründungstag begangen.
„Oesterreich erwache!"
polizeischikanen am Reichsgrünöungötag / Mafsenvechaftungen
und Geiselsestnahmen
schön, stark und trotzig wuchsen sie, und wir kennen und lieben sie noch. Eine unübersehbare Reihe Volks-, Kinder-, Vaterlands- und Soldatenlieder sind es: „Nachtigall, Nachtigall, wie sangst du so schön!" und „Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus oem Wald", oder „Wer hat die schönsten Schäfchen", „Abend wird es wieder", „Treue Liebe bis zum Grabe", „Wie könnt ich dein vergessen", „Zwischen Frankreich und dem Böhmerwald", und eines der allerbesten: „Das treue Roß":
„Ich hab' mein Roß verloren,
Mein apfelgraues Roß.
Es war so treu im Leben,
Kein treueres wird es geben Im ganzen Zug und Troß.
Sllb. Innsbruck, 18. Januar.
Aus Anlaß des Reichsgründungstages waren im deutschen Konsulat, an dem auch die schwarz- weiß-rote und die Hakenkreuzflagge gehißt war, Empfangslisten ausgelegt, in die sich im Laufe des Vormittags zahlreiche Personen eintrugen. Gegen 12 Uhr zog die nationale Studentenschaft zum Siidtiroler Platz, wo sich das Konsulat befindet, um sich ebenfalls in die Listen einzutragen. Vor der Einbiegung aus den Südtiroler Platz wurde den Studenten jedoch von Polizeileuten der Weiterzug verwehrt. Unter Absingen des Liedes „Burschen heraus" kehrten die Studenten um und riefen „Heil Hitler" und „Oesterreich erwache". Nun drang die Polizei mit blankem Säbel und Gummiknüppel aus die Studenten ein. Die Zusammenstöße, die teilweise heftigen Charakter annahmen, setzten sich auch in anderen Straßen fort. Zahlreiche Angehörige der Studentenschaft wurden verhaftet und ins Gefängnis eingeliefert.
cknb. Linz, 18. Januar.
Gegen das Landhaus in Linz, dem Sitz der oberösterreichischen Landesregierung, wo auch die Kanzleien des neuernannten Sicherheitsdirektors, Freiherr von Hammerstein, untergebracht sind, wurde am Dienstagabend gegen 8 Uhr von unbekannten Tätern ein Papierböller geworfen. Durch die Erplosion wurde eine Reihe von Fensterscheiben zertrümmert. Die Staatspolizei nahm noch in den Nachtstunden einen umfangrei
chen Sicherheitsdienst auf. Auch die von der Regierung vor kurzem aufgebotenen Schutzkorps- und Hilfspolizeiabteilungen wurden zur verschärften Bewachung der öffentlichen Gebäude herangezogen.
Obgleich die in der Nacht von Polizei und Kriminalbeamten vorgenommenen zahlreichen Hausdurchsuchungen bei vermeintlichen Mitgliedern der aufgelösten NSDAP. in allen Fällen ergebnislos verliefen, wurden in den frühen Morgenstunden des Mittwoch gegen 30 Verhaftungen vorgenommen, wobei festgestellt werden muß, daß die Verhafteten mit dem Anschlag in keinerlei Verbindung stehen, sondern, daß ihnen nicht einmal eine Verbindung mit der NSDAP. nachgewiesen werden konnte. Sie stehen lediglich im Verdacht nationaler Gesinnung.
In der gleichen Nacht vom 16. auf 17. Januar sind auch in Riod und Enns Papierbölleranschläge verübt worden, ohne daß es bisher gelang, die Täter zu ermitteln. In ganz Oberösterreich sind anscheinend über den Kopf des Sicherheitsdirektors hinweg durch unmittelbaren Auftrag der Wiener Zentralregierung zahlreiche Verhaftungen und Geiselfestnahmen erfolgt.
In dem Linzer Vorort Klein-München ist es in den letzten Tagen zu Ansammlungen von Arbeitslosen gekommen, die durch Ueber- fallkommandos der Polizei zerstreut wurden. In der Bevölkerung macht sich eine wachsende Unruhe und Gärung bemerkbar.
Drei Todesurteile in Hamburg
Der Vrozeß wegen der Ermordung des Hitterjungen Bloecker
cknb. Hamburg, 18. Januar.
Am Donnerstag nachmittag wurde unter starkem Andrang der Oeffentlichkeit und in Anwesenheit des Reichsstatthalters im Prozeß wegen der Ermordung des Hamburger Hitlerjungen Otto Bloecker das Urteil gefällt. Der Hauptangeklagte Fischer, der nach eigenem Geständnis die verhängnisvollen Schüsse abgegeben hat. wurde wegen gemeinschaftlichen Mordes und wegen versuchten Totschlags zum Tode und zu einer Gesamtstrafe von 18 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ferner wurden die Angeklagten Dettmer und
Hclbig wegen gemeinschaftlich vollendeten Mordes zum Tode und zu einer Zuchthausstrafe von je acht Jahren verurteilt. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Zwei Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von drei vezw. zwei Jahren. Die übrigen 28 Angeklagten bekamen Zuchthausstrafen von 12 bis 4 Jahren.
Der Hitlerjunge Bloecker war bekanntlich bei einem kommunistischen Ucberfall auf ein Lokal im Stadtteil Hoheluft am 28. Februar vorigen Jahres erschossen worden. Ein anderer Hitlerjunge war schwer verletzt worden.
Und als es wollte sterben,
Da blickt' es mich noch an,
AIs spräch's mit seinen Mienen:
Kann dir nicht weiter dienen,
Ade, mein Reitersmann!
Und als es war gestorben,
Da grub ich's ehrlich ein;
Wohl unter grünen Matten In eines Lindbaums Schatten,
^ Das sollt sein Denkmal sein!
Da sitzen die kleinen Vögel Und halten das Totenamt.
Ihr braucht nicht erst zu lesen,
Wie treu mein Roß gewesen,
Sie singen's insgesamt."
„Niemandes Herr, niemandes Knecht", wurde Hoffmanns- Wahlspruch; konnte er die Jugend nicht mehr lehren, so konnte er dem Volke Lieder singen. Süd-, west-, oft- und nordwärts pilgerte er — nein, wurde er gehetzt, denn nirgends wurde der von der Polizei überwachte Dichter geduldet. Neben den dichterischen entstehen aber auch wissenschaftliche Arbeiten, wertvolle Schriften über deutsche Sprache und Literatur, so die „Deutsche Philologie", ,/Oie deutschen Eesellschaftslieder des 16. und 17 Jahrhunderts". „Spenden zur deutschen Literaturgeschichte" „Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luther" „Fundgruben für Geschichte deutscher Sprache", „Altdeutsche Vlät- i ter" und andere. Fünf Jahre fand er dann Auf- ; nähme in Mecklenburg auf dem Gute des Dr. Schnelle, und endlich erhielt er im Jahre 1818 seine Rehabilitation Damals sang man schon lange das ,Lied der Deutschen" . . .
Es war am 26. August des Jahres 1811, als Hoffmann dieses Lied auf Helgoland, das noch unter englischer Herrschaft stand, hinausjubelte. Der Verleger Campe hatte den Dichter besucht,
und Hoffmann bot ihm das Lied an: „Es koste aber vier Louisdor!" Campe las und legte wori los die Louisdor hin. Vier Wochen später tru ein Flugblatt es durch alle deutschen Gaue. lln am 5. Oktober des gleichen Jahres sang die Hani burger Turnerschaft und die Schäffersche Liede, tafel das „Lied der Deutschen" bei einem de, Rechtsgelehrten Pros. Karl Theodor Welcher da, gebrachten Fackelzug zum ersten Male. Hoffman war mitten unter den Singenden. Er ahnte nich welche Macht dieses Lied über den deutschen Mer scheu erhalten sollte: 1870 zogen die Deutschen de mit nach Frankreich; im großen Krieg wurde e an allen Fronten gesungen; und schon wie ein Sage ragt das heldenhafte Regiment 218, da Regiment der jungen Freiwilligen, das unter der Gesang dieses Liedes bei Langemark in den To ging, in unsere Tage.
Hoffmann, der sich im Jahre 1849 verheiratet! versuchte nun, seßhaft zu werden, aber vergebln bemühte er sich um eine Stelle. Erst 1884 würd sein Leben etwas sorgenfreier, als er in Weima das ..Weimarische Jahrbuch für deutsche Sprach! Literatur und Kunst" herausgab. Bis 1839 lebt er hier, 1860 wurde er Bibliothekar des Herzog von Ratibor auf Schloß Corvey, und im gleiche Jahre traf ihn ein Schmerz, den er nie meh überwand: der Tod seiner Frau.
Sein Lebensabend war still und beschaulich e schrieb seine Lebensgeschichte, die 1866 ersch'ier gab 1868 die „Lieder der Landsknechte unter 6 und K. von Frundsberg" heraus und ging vo unwiderstehlicher Wanderlust getrieben hin un wieder auf Reisen. In der Nacht zum 20. Janua 1874 starb er an einem Schlaganfall.
Hoffmanns Stimme war des deutschen Volke Stimme. Sie wird es bleiben, denn der deutsch Mensch spiegelt sich in dieses Dichters Liedern.
Ilons Ltnrm