Ausgabe 
(28.9.1933) Nr. 261
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m. 281 Iahrgarrs 1933

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1.

Veemen. DonnerSisg. den 28. Sepiemver 1933 EmzeWeeiS 15 Vks.

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Die Lürlgttng ciec cketttscLe« eva«Aeel5c5L« Klccüe oo^kso-e«

Ludwig Müller zum Relchsbischof bmifm

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Erste deutsche Nationalsynode in Wlttenberg. ErMung der protestantischen Hoffnung.

Wittenberg, 27. September Wittenberg, die Hochburg und der symbolische Ort des Protestantismus, erlebt heute den Tag. der i« seiner grasten «beschichte zweifellos den Höh«. Punkt darstellen wird. An diesem Tag« wird das Werk gekrönt, da» Luther vorgeschwebt hat und das au dem Widerstand Kais« Karl» V. und der damaligen verquickn»- von Staat und Kirche scheitert« and da» ober auch seine« Epigone« trotz aller Bersuche nicht gelang.

und als juristisches Mitglied Rechtsanwalt Dr. Werner-.Berlin, die von ihm auf die Kirchen- verfassung vereidigt wurden. Bischof Hossenfelder dankte im Namen des Deutschen Evangelischen

I Kirchenvolkes dem Reichsbischof und legte in dessen Namen ein Treuebekenntnis ab, dar er schloß: Mein Reichsbischof Ludwig Müller, wir begrüßen I Dich!"

Die programmatische Rede des

AeichSbischof

An diesem Tage wird der Jahrhundert« alte Wunsch erfüllt: Die Fassung einer deutschen Ratio- Nalknche.

An versuchen hat es von Anbeginn der deutschen evangelischen Kirche nicht gefehlt. Die Wittenberg- stadt hat noch um die Mitte des vorigen Jahrhun­dert» die beiden ersten evangelischen Kirchentag« .evangelischen Kirchenbundes gesehen, aber diese Einigung war formaler Natur, war ein Bund, in dem die 28 Landeskirchen ein Eigenleben führten

Erst mit der durch Adolf Hitler geschaffenen inneren Einigung Deutschlands er- erlebt, sie hat vor zehn Jahren die Gründung des hielten die Bestrebungen der nationalen Christen neuen Auftrieb. Das groß« kirchliche Berfassungs­werk hat heute durch die feierlich« Unterzeichnung, die Ratio na lsynode und die Berufung des ersten deutschen evangelischen Reichsbischofs seinen Ab­schluß gefunden.

Wie am Luthertag war die Feststadt in ein Meer von Fahnen getaucht. Schon am Bormittage war die Kollegiumstrahe, die Hauptstraße Wittenbergs, von flutendem Leben erfüllt. Jeder Zug brachte neue Gäste. ImGoldenen Adler", dem Haupt­quartier der Deutschen Christen, herrschte ein dau­erndes Kommen und «Sehen. Die spät Angekom­menen hatten Mühe, noch ein Quartier zu finden. Der Festzug war vom schönsten Sonnenschein über­gössen.

In den frühen Morgenstunden formiert« sich ein feierlicher Zug aus SA., SS., Stahlhelm, Hitler- Jugend und Verbänden mit ihren Fahnen, und schließlich auch der deutsche Theologensturm aus Augustburg, der am Vortage mit Autobussen ein­getroffen war. Der Zug ging von der Kollegium­straße zumGoldenen Adler". Dort schlössen sich der Landesbischof Müller, die Landessynode und die Ehrengäste an. Die Straße war Kopf an Kopf von Schaulustigen besetzt, die den Zug mit erho­benen Rechte begrüßten. Der Zug begab sich in die Schloßkirche zu einem feierlichen Gottesdienst, bei dem der wllrttembergische Landesbischof Wurm die Predigt hielt.

Der FeffM irr Ssr

Stadßvfarrkirche

Wittenberg, 27. September.

Um 6 Uhr nachmittags wurde die öffentliche Tagung der Nationalsynode mit feierlichem Orgel­spiel wieder aufgenommen. Die Stadtpfarrkirche war außerordentlich stark besetzt. Den Vorsitz über­nahm Professor Fetzer.

Während sich alle Anwesenden von ihren Plätzen erhoben, teilte er mit, daß von den dazu berufe­nen Vertretern der Landeskirche der Landes- bifchof Ludwig Müller als Reichsbischof der Deut­sche« Evangelischen Kirche vorgeschlagen worden sei. Er bat die Synode um Kundgebung ihres Willens zu diesem Vorschlag. Die Synodalen be­kundeten durch die gemeinsame laute Erklärung Ja" ihre Zustimmung zu dieser Berufung. Gegen die Berufung des Landesbischsfs Müller wandte sich keine Stimme, so daß Ludwig Müller durch einstimmige Willenserklärung der Deutschen Evan­gelischen Nationalsynode zum ersten Reichsbischof. der Deutschen Evangelischen Kirche berufen ist.

Feierlicher Lhoralgesang setzte ein; als er ver­klungen war, fragte Professor Fetzer den Landes- Lischof Ludwig Müller, ob er bereit sei, das Amt des Reichsbifchofs anzunehmen und gemäß der Verfassung der Deutschen Evangelischen Landes­kirche die Aufgaben und Sorgen der evangelischen Eesamtkirche Deutschlands auf sein Herz und Ge­wissen zu nehmen als erster lutherischer Relchs­bischof der Deutschen Evangelischen Kirche.

Landesbischof Ludwig Müller antwortete:Ja, ich will es mit Gottes Hilse!" Der R-ichsbifchos sprach sodann ein Gebet, worin er die Gnade und Hilse Gottes für sich erflehte, damit ihm die Aus­führung seines hohen Amtes ermöglicht werde.

;r Relchsbischof übernahm > 0 ^ den Vorsitz Snnode und berief in das geistliche Mlnifte- 1 den Landesbischof Schössel-Hainburg sur Lutheraner, den Seminardirektor W - lster in Westfalen für die Reformierten, Br- Hossenfelder-Berlin sur die Alliierten

Reichsbischof Müll« hielt vor der National- synode ein« programmatisch« Rede. Darin führt« er u. a. an,: Der heutig« Tag ist für die Ge­schichte der evangelischen Kirche» für die De» schichte des deutschen Volke» von größter Bedeu­tung. Ein alter Traum Dr. Martin Luthers, eine alte tiefe Sehnsucht deutschen evangelischen Hoffen» geht in Erfüllung, weil aus Traum und Sehnsucht «in Ziel geworden ist, erkämpft und erstritten mitten in den großen Lebensentschet- düngen der Nation und in enger Verbindung mit ihr.

Es war nicht so sehr der Gegensatz der evan­gelischen Vekenntnisgruppen, e» war vielmehr das lähmende und unübersehbare Nebeneinander und Gegeneinander der großen, kleinen und kleinsten Landeskirchen, die zwar in sich manch­mal herrliche Schätz« bewahrten, aber in ihrer Gesamthet nicht zu geschlossenem Einsatz kamen.

Mit dem heutige« Tag« beginnt nun ein neuer Gefchichtsabschnitt. Ist es wirklich ei« entschei­dender Tag in der Geschichte der Kirche, so müssen wir die Gewißheit haben, daß er uns durch Gottes Gnade geschenkt wird. Je größer die Aufgaben sind, die wir in dieser Stunde vor «ns sehen, je so gewaltiger ist der geschichtliche Augenblick, in dem wir stehe«.

Der ewige Herr der Kirche hat uns als seine Streiter ins Feld gerufen. Darum sei es hier frei und ehrlich bekannt, in der neu geeinten Deutschen Evangelischen Krche hat nur einer die Leitung und Führung: Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit. Was nun heute auf Grund der neuen Verfassung wer­den wird, ist kein lockerer Kirchenbund, sondern eine einheitliche Kirche, vielgestaltig in ihren Gliedern, aber eins in bleibendem Grunde, in der Erkenntnis, daß die großen Aufgaben der Gegenwart gelöst werden müssen.

Die neue Kirche ist reich geliedert nach der Art der Arbeit, aber einheitlich und geschlossen in der Eesamtführung. Ein großes Erwachen ist durch unser Volk gegangen, unfaßbar für den, der die innere Verbindung zum Geschehen unserer Tage nicht finden kann, groß und herrlich für den, der selbst kämpfend diese neue Zeit mit herausführte.

Hier muß auch der Glaubensbewegung Deutsche Christen besonders gedacht werden, von der der Führer anerkennend geschrieben hat:Ihnen wird trotz aller Anfeindungen die Geschichte einmal das Zeugnis ausstellen, eine der entscheidendsten Taten.des religiösen Lebens unseres Volkes ge­fühlt, gefordert und am Ende mit vollbracht zu haben." Die ganze deutsche Freiheitsbewegung mit ihrem Führer, unserem Kanzler, wird von uns empfunden als ein Geschenk Gottes, gegeben in einer Zeit der Entscheidung, wo die Feinde des Kreuzes Christi auf dem besten Wege waren, unser Volk innerlich und äußerlich völlig zu ver­nichten.

Aus dem Siegeszug der deutschen Freiheitsbe­wegung hören wir das mahnende und aufrüttelnde Rufen unseres Gottes. Wir sind des ehrlichen und aufrichtigen Willens, aus diesen Ruf Gottes zu hören und danach zu tun. Darum müssen wir uns in dieser feierlichen Stunde unserer großen Verantwortung bewußt werden und uns die Frage vorlegen, was sind wir als Männer der Kirche unserem Volke schuldig?

Gerade der Ewigkeitsauftrag der Kirche ver­langt, daß wir die gegenwärtige Stunde erken­nen. Ein neues Ne'ch ist >m Werden, der neue Mensch im neuen Reich will auch werden. Da darf die Kirche nicht warten, bis die Menschen zu ihr kommen, sondern die Kirche muß die Menschen suche«, und zwar die Menschen, wie sie heute nun einmal da find.

So heißt der Auftrag der Kirche, heran an das deutsche Volk mit einer befreienden, helfenden, fröhlichen Botschaft von Christus dem Kämpfer, dem Heiland, dem Herrn. Und das ist der Ruf zu Kamps und Arbeit.

Wir wollen darüber wachen, daß die Bekennt­nisse in ihrer doppelten Gestalt unangetastet blei­ben und zwar so, daß wir daraus gerade den Auftrag Gottes erkennen, heute in unserer Lage eine bekennende Kirche zu sein und zu werden.

Da« gemeinsam« Kleinod aller Kirchen, die Re­formation, ist und bleibt die Rechtfertigung allein au» dem Glauben. So haben wir dt« große Aus­gabe, dieses Evangelium unserem Volk« in seiner Sprach« und Art zu bringen. Au» dieser Ver­pflichtung ist den meisten von un» da» Begehren entstanden, die Verkünd« des Evangeliums und dt« Verwalter der Kirche müßten auf deutschem Boden deutschen Bluter sein. E» ist für uns ein« Selbstverständlichkeit, daß wir al» deutsche evan­gelische Christen mit der Gestaltung und dem Schicksal unserer Volksgemeinschaft fest und un­zertrennbar verbunden sind; dies« Volksverbun­denheit empfinden wir verantwortlich als eine gottgewollte. Wir denken dabei nicht daran, die überzeitlich« Einheit der Kirche Christi, die Ge­meinschaft im Wort und Sakrament auch mit den Angehörigen anderer Rationell und Rassen zer­reißen zu wollen, aber die Gleichheit vor «Sott schließt nicht die Ungleichheit der Menschey un­tereinander aus, die doch auch auf Gottes Willen zurückgeht. Der Artikel von der Schöpfung wird durch den dritten Glaubensartikel nicht aufge­hoben, sondern auch gerade bejaht und bestätigt.

Aus allen bisherigen Erörterungen dürfte klar geworden sein, daß die Deutsche Evangelisch« Kirche kein« gleichgültige Neutralität dem Staat gegenüber kennt. Wir wollen aber andererseits auch nicht Staatskirche sein. Was wir aber als gewaltige Ausgabe erkennen, das ist die Verant­wortung gegenüber dem Staat.

Der Staat ist nicht Herr der Kirche; aber die deutsche Kirche lebt im deutschen Staat; das ist für uns eine gottgegebene Tatsache. Von diesem Gesichts­punkt aus mutz die Regelung des Verhältnisses des Reiches zur evangelischen Kirche erfolgen. Dabei ist es für uns eine herzstärkende Freude, daß diesem neuen Verantwortungswillen der Kirche auch ein neuer Staat gegenübersteht, mit dem ausgesprochenen Willen, die kirchliche Arbeit zu fördern und ihr im Ganzen der Volksgemeinschaft den Raum und die Freiheit zu gewähren, die sie braucht. Dieser Staat wird den evangelischen Einfluß aus die heran­wachsende Jugend mit Verständnis und Fürsorge be­handeln, die Ausgaben der kirchlichen Liebcstätigkeit als Mithilfe begrüßen.

Die Gewissensfreiheit, wie sie unsere Reformato­ren forderten, und wie sie die Kirche braucht, wird und will er nicht hindern, sondern geraoe anerken­nen. Vertrauen ist die Grundlage des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche im neuen Staat. So bleibt der Staat. Staat und die Kirche Kirche. Vertrauen soll und wird'auch die Grundlage unserer Beziehun­gen zu den evangelischen Kirchen des Auslandes sein. Gerade weil wir unsere Sendung an unser Volk er­kennen, werden wir zu den evangelischen Kirchen aller Völker ein Verhältnis ehrlicher und wahr­haftiger Zusammenarbeit haben.

Ich benutze daher die Gelegenheit, von dieser Stätte aus, -"i welche die gesamte evan­gelische Christenheit de- Welt mit Dankbar keil .blickt, Gruß und Segens­wunsch der geeinten Deutschen Evan­gelischen Kirche zu entbieten.

Auch zu den übrigen Kirchengcmeinschasten innerhalb unseres Vaterlandes möchten wir sreundschastliche Beziehungen unterhalten. Wir wünschen nicht, daß die werdende neue Volks­gemeinschaft durch konfessionelle Kämpfe zerrissen wird. Gerade eine Kirche, die sich ihrer Ver­antwortung bewußt ist, kann ehrlich und ossen zu den anderen Kirchengemeinschaften stehen. Das gilt auch insbesondere von den evangelischen Reichskirchen.

Unser Wunsch ist nicht, daß sie Güter daran geben, die ihnen wertvoll sind, sondern wir rechnen auf ihre Mitarbeit, wo gemeinsame Arbeitsgebiete sind. Eine Sorge liegt uns besonders am Herzen. Es ist die Sorge um den Neuaufbau des Pfarrerstandes und der Neuaufbau der Gemeindearbcit. Eine lebendige Kirche kann sich. nur aufbauen -aus lebendigen Gemeinden. Von dem Pfarrer ist ein neues Amtsbewußtsein zu fordern, das keinen Standesdünkel kennt, sondern aus dem Bewußtsein persönlicher Verantwortung er­wächst.

Dieses Amt-bewußtsein kann aber nur echt sei«, wenn es tu lebendiger Volksverbundenheit wurzelt. Darum muß der junge Theolog« den Dienst an Volk und Vaterland in der SA und im Arbeitslager als Ehrenpflicht ansehen. Begeisterte Prediger und Lehrer sollen ins Land ziehen, nichtgeistliche Be­amte" wollen wir haben, sondern Kämpfer unseres Herrn Jesu Christi, die zum Dienst an der Ge­meinde berufen sind.

Brachte uns das neue Reich eine neue volks- kamrrodschaft, soll uns dir neue Kirche eine neue Kameradschaft des Glaubens und des Opfers brin­gen. DaS Alte geht zu Ende, das Neue kommt herauf. Der ktrchenpolitisch« Kampf ist vorbei, der Kampf um die Seele des Volkes beginnt.

Dein Wort ist unseres Herzens Trutz Und Deiner Kirche wahrer Schutz.

Dabei erholt' uns, lieber Herr,

Daß nur nicht anderes suchen mehr".

Als der Reichsbischof seine Ausführungen beendet hatte, sprachen ihm die Mitglieder des geistlichen Ministeriums, die Vertreter der Rerchs- und Etaatsregterung und andere Ehrengäste ihre Glück­wünsche aus.

In einem Schlußgebet erbat der Reichsbischof den Segen Gottes für sein verantwortungsvolles Amt, für dar deutsch« Volk, den Reichspräsidenten, den Kanzler und Führer. Er erbat auch den Segen für die evangelischen Glaubensgenossen jenseits der Retchsgrenzen sowie für alle diejenigen, -te in un­serem Lande leben und nicht dem evangelischen ' Glauben angehören, und schließlich für alle Völker der Erde, damit alles Wahre, Reine, Heilige und Groß« zum Steg« komme und seine Wahrheit sich ausbreite. Das Gebet ging über in das Vater­unser. Der Reichsbischof schloß mit einem Segens» spruch für die Gemeinde und vertagte die Synode. Mit dem Gesang des alten ResormationsltedesEin feste Burg ist unser Gott" fand diese bedeutsame Tagung für dt« Deutsche Evangelische Kirche ihren Abschluß.

Am Abend wurde dem Reichsbischof ein Fackel- zug dargebracht, vom Balkon des Rathauses be­grüßte der Reichsbischof die Menge, die ihm immer wieder zujubelte. Der feierliche Gesang des alten LiedesIch bete an die Macht der Liebe" schloß den unvergeßlichen, historischen Tag in der Luther­stadt Wittenberg.

Bremen in Kürze ohne WohlsahrtSerwerdSlose

Großzügige ArbeiSSvlarmna des Senats Wichtige Verlautbarung in der OrtSgruppenveriammlung Voventor

Gestern abend fand eine Versammlung der Ortsgruppe Doventor in den Centralhallen statt, die außerordentlich stark besucht war. Nach einigen Begrüßungsworten des OrlSgruppen- leiterS erteilte dieser dem Direktor des Arbeits­amtes Bremen, Dr. Henschke, das Wort. Dr. Henschke führte etwa folgendes aus:

Die Verfassung, wie sie von den sozialdemokra- tischen Bonzen seinerzeit aufgestellt wurde, be­stand lediglich aus Paragraphen. Man hatte zwar gesagt:Jeder Deutsche hat das Recht auf Arbeit", aber schon als dieVerfassung geschrieben war, begann das Recht auf Arbeit abzubröckeln. Es wurden zwar Arbeitsämter geschaffen, aus ihnen aber wurden nur Sammelstellen für Ar« beitslose, nur Arbeit hatee man nicht zu schaffen vermocht. Der Ruf nach Ar­beit verhallte, und die Arbeitslosenkurve stieg rasend, während die Arbeitsämter selbst sich ent­wickelten zu Domänen sozialdemokratischer Bonzen.

Die Zeiten haben sich seit der nationalsozia­listischen Revolution geändert. Durch Deutsch­land geht eine Welle von Vertrauen zwischen Ar­beitgeber und Arbeitnehmer. Wenn sich, wie im Reich so auch in Bremen, die Arbeitsverhältnisse grundsätzlich geändert haben, so ist das in unserer Stadt insbesondere Dr. Markert und seiner groß angelegten Initiative zu verdanken. Es ist das Verdienst Dr. Markerts, daß Entscheidungen getroffen wurden oder noch getroffen werden, die geeignet sind, die Geißel der Arbeitslosigkeit von uns abzuwenden.

Wenn in Bremen die Arbeitsbeschaffungsmaß­nahmen nur langsam durchdringen, so ist das eine Folge davon, daß Bremen an der Peripherie Deutschlands liegt. Erst wenn sich die Wirtschaft des Binnenlandes gebessert hat, wird auch auto­matisch unsere Stadt den Nutzen daraus ziehen können. DasSchicksalBremens hängt mit dem Schicksal der Werften un­mittelbar zusammen, wie auch mit der Struktur seines Arbeitsamtsbezirkes. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß Gebiete mit große» Länd-ereien besser in der Lage sein werden, Men­schen zu beschäftigen, als ein Gebiet, in dem Kleinbauernwirtschaft dominiert.

Dennoch hat sich die Arbeitsmarktlage, die noch bis zu Beginn der nationalsozialistischen Revo­lution in ständiger Verschlechterung begriffen war, zusehends gehoben. An Hand von gra­phischen Kurven bewies Dr. Henschke eindeutig das Absinken der Arbeitslosenziffer von 62300 im Februar 1933 auf etwa 41 000 am 1. September d. I. Damit ist ein gewaltiges Stück Arbeit ge­leistet, wenn auch die Arbeitsverhältnisse der Stadt Bremen beträchtlich über der Reichsdurch- schnitts-AAieitslosenzahl liegt.

Die beiden letzten Gesetze haben besonders zur Verminderung der Arbeitslosigkeit beigetragen.

Auf dem Programm stehen Jnstandsetzungs- arbeiten mit vorstädtischen Kleinsiedlungen, Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffung, die Spende

der nationalen Arbeit, Ueberführung weiblicher Arbeitskräfte in die Hauswirtschaft, Förderung der Eheschließungen und Steuersenkung aus allen möglichen Gebieten.

Als besonders bemerkenswerte Tatsache be- tonte Dr. Henschke, daß nunmehr das Reinhard- Programm in kürzester Frist zur Auswirkung kommen wird. Das Programm wird auch für unsere Stadt insofern Bedeutung haben, als in ihm 2,5 Millionen für Bremen vorgesehen sind. Damit werden die Bremer Vorschläge fast restlo- befolgt werden können.

Folgende Maßnahmen werden entweder im Oktober oder doch noch in diesem Jahre in An­griff genommen werden können. Die Kinder« klinik bekommt zwei ausgebaute Geschosse, die Chirurgische Klinik wird hygienisch und jener- sicher hergerichtet werben. Weiter ist eine große Menge von Einzelarbeiten zu vergeben. Abge­sehen davon, daß die Brantstraßenbrücke fahrbar gemacht wird, werben an weiteren Brücken Jn- standsetzungsarbeiten getätigt. In den Städtischen Werken sollen folgende Arbeiten ausgeführt werden:

Trinkwasserversorgung der Gemeinde

Huchting, wodurch alle WohlfahrtS-

erwerbslosen unterkommen können,

Errichtung eines neuen Kesselhauses beim Kräfte Werk Hastedt, Legung eines zweiten elektrischen Speisekabels für Licht nach Vegesack, Ban einer neuen Reglerskala für das Gaswerk, Versorgung der Gemeinde Arsten mit Gas und Wasser, wei­terhin Tiefbauarbeiten im Hafen unb'Kanali- sierung des Steintors, der Riensberger-, der Neuenlanderstr. und der Kattenturmer Heerstr« Die Arbeiten werden sehr beschleunigt ausge­führt, sollen etwa Mitte Oktober beginnen und mit Hochdruck durchgeführt werden. Damit wird das große Versprechen der nationalsozialistischen Regierung zur Tatsache. Außerprogrammlich sollen Stadtrandsiedlungen für 145 Siedler ge­schaffen und noch in diesem Jahr begonnen werden.

Für Jnstandsetzungsarbeiten an Wohnhäu­sern wurden bisher 20 Prozent Zuschüsse ge­zahlt. Der bremische Staat hat in Berlin da­für gekämpft, daß auch hier Verbesserungen und Gesetzesabäuderungen erfolgen. So konnten durch die Initiative der bremischen Senatoren 500 Millionen Mark eingesetzt wer­den, so daß die bremischen Vorschläge restlos befolgt werden können.

Die Stadt Bremen ist soweit berücksichtigt, daß es nach Ansicht Dr. Hcnschkes fast schwer fallen wird, die gesamte Summe bis zum 31. März unterzubringen.

Die Notstandsarbeiten werden einen be­deutenden Umfang erfahren: neben der Ver­größerung des Flugplatzes werden noch in diesem Jahr zahlreiche Straßen nmgepfla- stert, wobei nur Löhne zu zahlen sind und keine Kosten für die Stadt entstehen. Damit ist insbesondere den Steinsetzern eine glän­zende Tätigkeit in Aussicht gestellt.