Ausgabe 
(24.9.1933) Nr. 257
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Nr. 257 Jahrgang 1933

Bremen, Ssrmtag, den 24 . September 1938 Emzewreis 15 P?g.

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Heue Schlagadern des Verkehrs

HMer« erster Spatenstich zu 640v Kilometer deutscher Rcichsautobadnen in Franksurt a. Nt. / Der Führer aus dem StahlheimMg in Hannover

3 . Verhan-Kmgstag m Leipzig

Leipzig, den 23. September 1SSS.

Der dritte Tag des Reichstagsbrandstifterprozesses brachte die Vernehmung der uugeklagten bulgarischen Kommunisten Dimitroff und Poposs. Bei den Verhand­lungen trat schlaglichtartig zutage, wie der Bolschewismus über die ganze Welt seine Netze gesponnen hat, daß überall gewissenlose Elemente sitzen, mit der Aufgabe, im geeigneten Augenblick Attentate und Terrorakte, Brand und Aufruhr zu organisieren.

Mit gefälschten Pässen sind sie über die deutsche Grenze gekommen und haben sich jahrelang unangemeldet in Berlin ausgehalten. Im Dunkeln haben sie gehetzt und ge- wühlt, die Fäden ihrer hochverräterischen Arbeit kiesen nach Moskau and nach anderen Metropolen Europas.

Gerade die Vernehmung am gestrigen Verhandlungstage hat die ungeheure Gefahr aufgedeckt, in der Deutschland schwebte, und darüber hinaus bei einem Gelingen der bol­schewistischen Umsturzpläne die ganze Welt.

Die Angeklagten traten bei ihrer Vernehmung mit ungewöhnlicher Frechheit auf, man erkannte, daß diese gewissenlosen Burschen vor nichts zurückschreckten, um ihre hoch­verräterischen Ziele zu erreichen.

Auf die ausländischen Pressevertreter hat gerade die Vernehmung des dritten Ver­handlungstages einen ungewöhnlich starken Eindruck gemacht, und ihre Berichterstattung wird aus die Öffentlichkeit des Auslandes nachhaltig einwirken und sicher mit dazu bei­tragen, das Verständnis für das neue Deutschland und seinen Kampf gegen den Kommu­nismus zu fördern.

(Eingehender Prozetzbericht auf der 2 Seite des Hauptblattes.)

Frankfurt a. M L8. September.

L w alle Kaiserstadt ist heute der Mittelpunkt histo­rischen Geschehens. Der große Plan der national­sozialistischen Regierung, als Teil der Kampfer ge­gen die Arbeitslosigkeit Deutschland mit einem Netz von Autostraßen zu durchziehen, wird heute mit dem ersten Spatenstich zu der Teilstrecke Frankfurt DarmstadtMannheimHeidelberg seine Verwirk­lichung finden.

Ganz Frankfurt nimmt freudigen Anteil an die­sem geschichtlichen Ereignisse. Aus der Umgebung Frankfurts, aus Hessen und Nassau strömen fortge­setzt zehntausende in die Stadt, um den Führer, der zum ersten Male nach der Machtüber­nahme in Frankfurt weilt, zu begrüßen.

Vor cittsr

Auf dem Hofe des Arbeitsamts versammelten sich um 7 Uhr mehr als 700 bisher arbeitslose Volks­genossen, die dazu ausersehen sind, den Autostraßen- bau zu beginnen. Der Präsident des Landesarbeits- amtes, Oberregierungsrat Dr. Kühne, beglück­wünschte die Arbeiter. Dieser Tilg des Arbeitsbeginnes an der ersten Autobahn Deutschlands weise nicht nur dem deutschen Verkehrswesen neue Wege, dieser Tag bedeute einen großen Fortschritt in der Ankurbelung der Wirtschaft. Die Bedeutung dieser Stunde liege aber auch darin, daß sie die Verbundenheit der deut­schen Arbeit mit dem Führer zum Ausdruck bringe. Der Redner dankte dem Führer , für die große Ar- bestsschlacht, die er begonnen und mit Erfolg weiter geführt habe. Seine Ansprach« klang in ein dreimaligesSieg-Heil" auf den Führer aus.

Nun formierten sich die Arbeiter zu einem langen Zuge, um unter Vorantritt einer Musikkapelle und unter Begleitung einer SA.-Abteilung zum Börsen­platz zu marschieren.

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Auf dem Börsenplatz begrüßte Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger die Arbeiter der Stirn und der Faust und wies darauf hin, daß nun mehr als 2 Millionen durch die Maßnahmen des Führers aus der verelenden Arbeitslosigkeit wieder einer frucht­baren Tätigkeit zugeführt worden find.So werbet Ihr nun als Wahrzeichen eurer Arbeit die Schau- seln erhalten, um an dem Bau der Autobahn Main-Neckar, Hand anzulegen. So bleibt beseelt als Soldaten , der Arbeit von dem zähen Willen, der die Kämpser der NSDAP. umlohte, als sie auszogen, den Nationalsozialismus in den Bau zu tragen, und vollendet das Werk des großen Deutschen Wolf Hitler." .

Nachdem der stürmische Beifall zu der Ansprache des Reichsstatthalters verklungen war, ergriff Gene-

ralinspektor Dr. K o ch das Wort und führte u. a.

aus:Wir haben euch jetzt aus dem Arbeitsamt her- ausgeholt, um euch Arbeit und Brot zu geben. W,r bauen keine Luxusstraßen, wir bauen Straßen, Auto­straßen, nicht nur in Frankfurt a. M. sondern im ganzen Reich und geben euch nicht nur Arbeit für ein paar Wochen, sondern nach und nach hoffen wir, 300 000 Mann für einige Jahre und vielleicht sogar für 10 Jahre beschäftigen zu können. Und damit werden im Zusammenhang mit diesen Autostraßen- bauten eine Million Menschen Beschäftigung finden können.

Wir bauen keine Straßen nur für Luxusautos, im Gegenteil, der Lastwagen soll dominieren, der die Großstädte, die Häsen mit den Fabriken verbindet, die

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landwirtschaftlichen Erzeugnisse vom Lande in die Städte bringt. Ihr seid die ersten, d,e be, diesem Bau eingesetzt werden. Und nun ergreift die Werk­zeuge, die nicht eher ruhen sollen, bis der letzte Kilo- meter der Autobahn fertig gestellt ist." Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer schloß General­inspektor Koch seine Ansprache.

Peichsstatthalter Sprenger überreichte dann im Namen des Führers jedem einzelnen der über 700 Arbeiter das Werkzeug.

Die Zimmerleute und Holzfäller bekamen schwere Beile. Die Ingenieure und Landmesser Schublehren und Meßmaße. Die Maurer und Betonterer Kellen, die Tiefbau- und Hilfsarbeiter jeder einen Spaten. Damit war die Kundgebung auf dem Börsenplatz be- endet. Die Arbeiter formierten sich zu einem impo­santen Zug mit geschultertem Werzeug und marschier­ten durch die Straßen der Stadt in südwestlicher Richtung nach dem gleich vor den Toren der Stadt gelegenen Arbeitsplatz, an dem der Führer den er- sten Spatenstich vornehmen wird,

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Der Führer, Reichskanzler AdolfHttler, traf heute vormittag um 10.08 Uhr im Flugzeug auf dem Frankfurter Flugplatz ein, wo er von einer unge- Heuer großen Zuschauermenge begeistert empfangen wurde. SA. und SS-, Hitler- Jugend und Jungvolk empfingen ihm mit großen Blumensträußen. Mehrere Flugzeuge der Flieger­staffel der SA. und der akademischer, Fliegerschule umkreisten den weiten Platz, um Adolf Hitlers Flug­zeug zu empfangen.

Unter den anwesenden Führern der Partei und der Spitzen der Behörden bemerkte man Retchsstatthalter und Gauleiter Sprenger, den Franken-Führer Streicher, General von Hammerstein, Generalinspekteur Dr. Todt, Reichsstatthalter- v e r - Oldenburg, sowie den Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorpmüller. Adolf Hitler be­gab sich im Kraftwagen durch ein Spalier von SA.- Leuten durch die Stadt nach der Arbeitsstätte.

Kurz vor dem Führer war Reichsminister Dr. Goebbels ebenfalls auf dem Flugplatz einge­troffen.

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Der Platz, auf dem der erste Spatenstich zu dem Bau der Autoteilstrecke Main-Neckar stattfindet, liegt dicht gim Ufer des Main, Arbeiterhütten, Feldbahnen und ein aufgestelltes Profil für die Autobahnbrücke über den Main sowie eine einzige Fahnenstange, das ist der Platz, auf dem dieser feierliche Staatsakt voll-.

Nunmehr ergriff der Führer das Wort zu einer großangelegten Rede:

Meine Herren Minister! Meine Herren Präsiden­ten der Reichsbahn und der Reichsbank! Meine Her­ren Statthalter, Gauleiter und Parteigenossen und meine deutschen Arbeiter!

Wir stehen heute am Beginn einer gewaltigen Ar- beit. Sie wird in ihrer Bedeutung nicht nur für das deutsche Verkehrswesen, sondern im weitesten Sinne für die deutsche Wirtschaft erst in späteren Jahrzehnten vollständig gewürdigt werden. Dem Verkehr beginnen wir nunmehr neue Schlagadern zu bauen! Neue Verkehrswege werden nun in. der Gestaltung des deutschen Autostraßenwesens die ge­bührende und notwendige Berücksichtigung finden.

In Jahrzehnten Wird man dann den Ver­kehr abhängig sehen von diesen neuen großen Verkehrsstratzen, die wir nunmehr durch ganz Deutschland ziehen wollen. 6 400 Kilometer sind der erste Beginn dieses Werkes.

Ich weiß, daß diese gigantische Arbeit nur denkbar ist durch die Zusammenarbeit vieler, daß dieses Werk nie hätte entstehen können, wenn nicht, angefangen vom Kabinett, der Reichsregierung über die Deutsche Reichsbank und die Deutsche Reichsbahn die Erkennt­nis der Größe dieses Werkes Platz gegriffen hätte, undderWille,diesesWerkzuverwirk- l i ch e n.

Wir kämpfen damit zugleich an gegen die schwerste Not und das tiefste Unglück, das über Deutschland im Laufe der letzten 15 Jahre gekommen ist.

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der Millionen Menschen zu einer unwürdigen und unmöglichen Lebensführung verdammte, muß be­seitigt werde n. Wir sind uns darüber klar, daß der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit nicht von heute auf morgen zum vollen Erfolg führen kann, aber wir sind uns auch klar darüber, daß dieser Kampf unter allen Umständen durchgeführt werden muß. Wir sind entschlossen, es zu tun, denn wir haben der Nation das Gelöbnis abgelegt, diese Not zu beseitigen.

Vier Jahre haben wir uns damals ausgebet«:» und wollen diese vier Jahre nützen zum Segen und Frommen unseres deutschen Volkes und damit in

zogen wird. Schon lange vor Beginn des feierlichen AkteS ist der Platz voneiner dichtenMen- schenketteumsäumt. Um 10 Uhr marschieren unter Vorantritt der Musik die 700 eingestellten Ar­beiter mit Hacken und Spaten über den Schultern auf und nehmen mit der Front nach dem Stand des FührerS Aufstellung.

Dahinter gruppieren sich die Angehörigen der Ar­beiter. Nach und nach treffen die Ehrengäste ein, unter ihnen auch der Führer der deutschen Arbeits- front, Pg. Dr. L ey, der vielen Arbeitern die Hände schüttelt, und ReichSbankpräsident Dr. Schacht. Um 10.45 Uhr verkünden heranbrausende Heil-Rufe des Nahen des FührerS. Er begrüßt zunächst Dr. Schacht und Dr. Dorpmüller und nimmt dann die Huldigung einer Gruppe von Kindern ent­gegen, die ihm prächtige Blumensträuße überreichen. Dann eröffnet Gaüpropagandaleiter Müller- Scheld den feierlichen Akt.

Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger begrüßte den Reichskanzler im Namen aller, die von jenem Geist erfüllt worden find, den er zuerst gepredigt habe:Oft sind Sie zu uns gekommen und haben uns durch Ihr persönliches Beispiel Mut gegeben und den Glauben erhalten, daß letzten Endes Ihr Wille in Deutschland zum Siege führt, daß das Volk sich letzten Endes zu Ihnen, zum Nationalsozialismus bekennt. Heute, glaube ich, darf ich iM Namen aller sprechen, die deutsch gesonnen find.

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daß es durch Ihre Tatkraft nun ans Werk gehen kann. Wir find uns bewußt, daß der Bau der Auto­bahnen, der heute begonnen wird, ein Denkmal sein wird für den Führer. Ich schätze mich glücklich als Reichsstatthalter von Hessen, daß hier an dieser Stelle das große Werk begonnen werden kann!" Mil einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, das be­geisterten Widerhall fand, schloß der Reichsstatthalter seine Ansprache.

Nach dem Gesang des Deutschland, und des Horst- Wessel-Liedes meldete der Generalinspekteur des

erster Linie für den deutschen Arbeiter. Ich bin, meine Arbeiter, in der Zeit meines Kampses um die Macht in Deutschland von denen, die selbst vorgaben, Arbeiterinteressen zu vertreten, oft angegriffen wor« den mit dem Hinweis auf meine Herkunft. Damals pflegte man zu sagen: Was will denn der ehemalige Bauarbeiter oder Anstreicher eigentlich?

Ich bin glücklich und stolz, daß mich das Schick­sal gezwungen hat, diesen Weg zu gehen. So habe ich vielleicht mehr als andere Verständnis bekommen für den deutschen Arbeiter, für sein Wesen, für sein Leid, aber auch für seine Le­bensnotwendigkeiten.

Wenn wir dieses Werk heute beginnen, dann tue ich es aus diesen Gefühlen, aus diesen Erfahrungen meines eigenen Lebens heraus; ich weiß daher auch, daß das, was heute mit einem Fest beginnt, für viele Hunderttausende Mühe und Schweiß bedeuien wird. Ich weiß, daß dieser Tag des Festes vergeht, daß die Zeiten kommen, da Regen, Frost und Schnee dem einzelnen die Arbeit sauer und schwer machen werden. Aber es ist notwendig, diese Arbeit muß ge­tan werden;

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Den zweckmäßigsten Weg, das deutsche Volk wieder in den Prozeß der Arbeit zurückzuführen, sehe ich dann durch große monumentale Arbeiten irgendwo zunächst die deutsche Wirtschaft wieder in Gang zu setzen.

Es ist unser Ziel, die Konsumkraft der Massen langsam zu heben und aus diesem Wege die Produktionsstätten mit Aufträgen zu versehen und die deutsche Wirtschaft wieder in Be­wegung zu bringen.

Ich bitte euch daher, stets zu bedenken, daß es heute nicht in unserem Ermessen steht, welche Arbeit wir zu wählen haben. Ich bitte euch, zu bedenken, daß wir in einer Zeit leben, die das Wesentliche in der Arbeit an. sich steht, daß wir einen Staat aufbauen wollen, der die Arbeit schätzt um ihrer selbst willen, weil er.eine Pflicht an der Nation erfüllt, einen Staat, der durch seinen Arbeitsdienst jeden erziehen will, jedes Söhnchen auch hochgeborener Eltern, zur

deutschen Straßenwesens Dr. To ^ t dem Führer die Arbeitsbereitschaft der ersten deutschen Reichsauto­bahnen. Die Arbeiter seien bereit, auf den Befehl des Führers die Arbeit zu beginnen. Darauf über­reichte der Vorsitzende des Vorstandes der Deutschen Reichsautobahnen, Generaldirektor Dr. Dorp­müller, dem Reichskanzler einen Spaten und dankte gleichzeitig namens der Deutschen Reichsbahn dem Führer, daß er die Deutsche Reichsbahn und die deutschen Autobahnen zusammengeschlossen habe zu Nutz und Frommen unseres Vaterlandes.

Achtung der Arbeit, zum Respekt vor der körperlichen Tätigkeit im Dienste der Volksgemeinschaft.

Ich weiß, daß dieser große Prozeß des inneren Zusammenschmiodcns unseres Volkes nicht von heute aus morgen vollzogen werden kann. Was in 30, 40, 50, 100 Jahren allmählich auseinanderbrach, daß ihr verzogen und verbildet wurdet, das können auch wir nicht in wenigen Monaten beseitigen. Die Menschen haben ihre Voreingenommenheit zu sehr in sich ein­gepflanzt erhalten, als daß sie von heute aus morgen vergessen sein könnten. Allein sie werden vergessen. ' Eine notwendige Umstellung, die wir nicht voll­ziehen werden durch Theorien, nicht vollziehen wer­den durch Erklärungen oder durch Wünsche und Hoffnungen, sondern die wir nur vollziehen durch das Leben selbst, in dem wir heute Millionen Men­schen ansetzen

für die Wiedergenesung der deutschen Wirtschaft.

neres denken, daß sie nicht nur eine Stunde der Ein­leitung für den Bau dieses größten Straßennetzes der Welt, sondern daß diese Stunde zugleich wiÄer ein Markstein sei für den Bau.der deutschen Volks­gemeinschaft, einer Gemeinschaft, die uns als Volk und als Staat das geben wird, was wir mit Recht auf dieser Welt fordern und verlangen dürfen. So bitte ich Sie denn:

Gehen Sie jetzt zur Arbeit! Der Bau muß heute beginnen! Das Werk nehme seinen Anfang! Und ehe wieder Jahre vergangen, soll das Riesenwerk zeugen von unserm Dienst, unserm Fleiß, un­serer Fähigkeit und unserer Entschlußkraft.

Vetttscke ^Leüec, an cias Weck

*

Im Anschluß an die Rede des Führers wurde eine Lore mit Sand umgekippt und der Reichskanzler warf einige Schippen Sand auf die Baustelle. In diesem Augenblick ging die Hakenkreuzflagge am Fahnenmast hoch. Die Feldbahnlokomotive gab ein langanhaltendes Pfeifensigrml und die auf dem Main liegenden Schisse nahmen das Signal auf und ließen hre Sirenen und Schiffspfeifen ertönen, bis schließlich auch die Sirenen sämtlicher FrankfurterFabrikenmehrereMinu- ten lang in'diese Sinfonie der Arbeit einstimmten.

mit Oolliuk Lukriecleii

Das krauLösisokio LcLo auk 4is nsuo OoHknü-Diktatur

Bremen, 24. September.

Durch die Krise des Kabinetts Dollfnß, die durch die zweifelhafte Patentlösung der Errichtung einer Diktatur Dollfuß in einem Tage beigelegt worden ist, ist das Problem Oesterreich in seiner vollen Schärfe wieder aufgerollt worden. Eingehendere Berichte aus Wien legen zwar dar, daß das Drama am Ballhausplatz nach dem Vorspiel der letzten Wochen kaum einen anderen Verlauf der eigentlichen Handlung erwarten ließ, in­dessen ändert dies nichts an der Tatsache, daß auch die Halb- oder Dreivierteldiktatur Doll­fuß' den Kern des ganzen Problems unbe­rücksichtigt läßt. Dieser Kern liegt aber da­rin, daß der ehemalige Bundeskanzler und jetzige Diktator unter dem Druck des Auslandes das österreichische Volk vergewaltigt und es an der Be stimmung der politischen Geschicke des eigenen Landes hindert, um die Fiktion von der Selbständigkeit Oesterreichs" aufrechtzuer­halten. Der Uebergang vom ersten Kabinett Dollfuß zu dem jetzigen Regime, das den gleichen Namen trägt, ist im Rahmen des ge schichtlichen Kampfes um die Macht in Oesterreich und um die Zukunft des Landes nur eine kleine Etappe; entscheidend wird weiter bleiben, ob es dem Bundeskanzler, der sich innerpolitisch nur auf die Bajonette der Heimwehren und außenpolitisch auf die Hilfe einiger Großmächte stützt, gelingen wird, die Mehrheit des österreichischen Volkes weiter gegen den Willen der Deutschen in Oesterreich zu regieren. Der Wille dieser Mehrheit geht aber nach wie vor dahin, daß die Bewegung, die heute über SO v. H. aller Stimmen hinter sich hat, zugelassen wird. daß alle Maßregeln gegen ihre Führer rück gängig gemacht und daß Neuwahlen zum Parlament ausgeschrieben werden, die allein Zeugnis dafür ablegen können, wie und von wem das österreichische Volk regiert wer­den will.

Es ist typisch, daß in sämtlichen Wiener Verlautbarungen ständig insbesondere da­rauf hingewiesen wird, daß Dollfuß nunmehr die gesamte Exekutivgewalt in seiner Hand vereinigt. Dagegen ist weder von eurem kon­kreten Negierungsprogramm noch sonst etwas von konstruktiven, aufbauenden Maßnahmen der neuen Regierung bekannt geworden. Diese augenfälligen Hinweise besagen schon eindeutig! wohin der Weg der Diktatur füh­ren wird. Der Nationalsozialismus, der heute allein noch der Träger des deutschen Gedankens in Oesterreich ist, soll weiter rück­sichtslos bekämpft werden. Schon die letzten Maßnahmen der alten Regierung Dollfuß haben gezeigt, daß dieser Kampf gegen den Nationalsozialismus die Form eines Ver-

Ein Riesenwerk soll zeugen

von unserer Entschlußkraft"