Ausgabe 
(20.9.1933) Nr. 253
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m. 253 Jahrgang 1833

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Msmen- NMwsch. den 2 V. Sehiember 1933 Emzelvreis 15 Vsg.

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Das ArnMeke Vraaa des Senats der Trererr Sanf e ^adl BverrrerT

Der Lauer als <lsr Llulqusll uuä Lrualirar äss VoUres

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Zugend andie Zum kommissarischen Jn- Frontl tendanten des Nord­

deutschen Rundfunks ist der seitherige Geschäftsführer des Norddeut­schen Rundfunks, Direktor EustavGrupe, ernannt worden. Jndendant Erupe stammt aus Koppenbrügge, machte nach Besuch der Oberrealschule den Krieg als Freiwilliger von Anfang bis zu Ende mit, wurde dann Bank­beamter und später Rendant am Thalia-Thea­ter. Als Nationalsozialist stellte er sich restlos in den Dienst unserer Sache; er ist jetzt Gau­inspektor der Eauinspektion 4, Hamburg. In­tendant Erupe gehört dem Aufsichtsrat des Hamburgischen Staatstheaters an und ist seit 1931 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft. Mit dem alten Schlendrian im Rundfunk ist in diesen Tagen in ganzDeutschland gründlich aufgeräumt worden. Mit dem neuen Kurs kommen neue Männer an die Front, und wir begrüßen es, daß man sich bei der Besetzung Verantwortungsreicher Posten heute wieder auf die junge Generation be­sinnt, die unter dem alten Regime mit ge­bundenen Händen zusehen mußte, wie leben­dige und lebenswichtige Institutionen, zu denen der Rundfunk in allererster Linie ge­hört, unter einem überalterten, verknöcher­ten und korrumpierten Verwaltungsapparat jede Fühlung mit Volk und Leben verlor. Freie Bahn der Jugend — das war die Losung unserer Bewegung von je.

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Boykottiert Es sei zur Schande unseres eigenen den Kitsch! Vaterlandes gestanden, daß es in Deutschland seit jeher viele Menschen gab, die einen ungewöhnlichen HangsürallenKitsch hat­ten. So mußten wir es über uns ergehen lasten, daß der Weltkrieg ein Sammelsurium nationalen Kitsches in den Kleinhandel spülte, daß der Kaiser und alle Heerführer auf Bleistiften, Federhaltern, Sofakisten, Schokoladenpackungen usw. präsentiert wurden. Und so witterten auch nach dem dem 5. März tüchtige Geschäftsleute Morgenluft und sielten sich förmlich in Geschmacklosigkeiten. Beim Maiumzug in Königsberg führte die Fleischerinnung Figuren im Zug, die Hitler aus Nierenfett und Hindenburg aus Schweineschmalz darstellten. Man kann heute auf einem Sofakisten mit dem Bild des Führers „Nur ein Viertelstündchcn" „Für Freiheit und Brot" schlummern und man kann ebenso seine Nase in Taschentüchern schnäuzen, aus deren Zentrum den gleichgeschalteten Schnäuzer die Pioniere des Dritten Reiches anblicken. In Gastwirtschaften gibt es Stammkrüge, die mit revolutionären Führern und Parolen bemalt sind und aus denen jedes Getränk einen besonderen Geschmack bekommen soll Und Tante Sabine lutscht nur noch Bonbons m-t Haken- kreuzmustern oder in Hakenkreüzformen. Kurzum: es ist . höchste Zeit, daß jeder dem Reichspropaganda- ^ minister Dr. Goebbels tatkräftig hilft, d i e ! c m Unwesen zu Leibe zu rücke w Für 'diesen Kampf gegen den Kitsch muß sich jeder Volksgenosse zur Verfügung stellen. Vr muß selber diese Seuche ausrotten, wo er ihr begegnet und so Hand in Hand mit einem Staatswesen arbeiten, deren Träger und Führer nicht dafür gekämpft haben, daß thre heili­gen Ideale heute in dieser widerlichen Weise miß­braucht werden.

ZUM Tau -es derrWerr Sauern

Aehre und Mohnblume das Fepabzeichen zum 1. Oktober

Varres revolutionöres Vaueerrprogranun

Berlin, 19. September. Reichsernährungsminister DarrL sprach am Dienstag im Rundfunk im Nahmen einer Reichssendung über den Aufbau des Reichsnähr­standes und über die Maßnahmen zur Markt- und Preisregelung für landwirtschaftliche Er­zeugnisse. Er führte u. a. aus, daß die Reichs­regierung ihm bereits am 15. Juli d. I. die Er­mächtigung gegeben habe, die seit Jahren von ihm eingeleiteten Borabeiten zur Durchführung des ständischen Aufbaues in der Landwirtschaft in seiner Eigenschaft als Reichscrnährungsmini- ster fortzuführen, obwohl für die ganze übrige Wirtschaft die ständische Neugliederung noch zu­rückgestellt wurde.

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Diese Vorarbeiten seien im wesentlichen abge­schlossen. Seinem Bestreben sei hierbei die beson­dere Lage des Bauerntums entgegengekommen, die zum ständischen Zusammenschluß und Aufbau drängte. Die jetzt erhaltene Ermächtigung zur vorläufigen gesetzlichen Regelung des ständischen Aufbaues in der Landwirtschaft fiele also nicht ins Ungewisse, sondern bedeute lediglich die ge­setzliche Handhabe, um unter die abgeschlossenen Borabeiten für den Aufbau des Reichsnähr- ? standes den autoritären Schlußstrich zu ziehen. Dabei sei es nicht mehr von entscheidender Be­deutung, daß die ihm jetzt gegebene Möglichkeit zur gesetzlichen Untermauerung der bisher gelei­steten ständischen Vorarbeiten im Hinblick auf die Entwicklung in der übrigen Wirtschaft nur vor­läufigen Charakter tragen könne.

Der Minister gab die von ihm vollzogenen Er­nennungen in der Organisation des ständischen Aufbaues der Landwirtschaft bekannt und fuhr dann fort, daß die Ermächtigung zum Aufbau des Reichsnährstandes gerade zur richtigen Zeit komme. Das beweise die Unzulänglichkeit der Marktverfassung, in erster Linie des Getreide­marktes, zur Genüge.

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Wir müssen uns vollkommen darüber klar sein, daß der Landwirt kein Unternehmer im landläufigen Sinne sei. Der Nährstand könne und solle sich nicht an dem Spiel der freien Preisbildung beteiligen und dürfe nicht den damit verbundenen Gefahren aus­gesetzt sei«.

Wir brauchten den Bauern als den Blutguell und als den Ernährer des deutschen Volkes. Darum komme es auch nicht so sehr darauf an, daß der Bauer für seine ^Erzeugnisse einen mög­lichst hohen Preis erzielt, sondern es komme darauf an, daß der Bauer durch ein deutsches Recht mit. seinem. Grund und Boden fest ver­wurzelt werde, und daß.er einen gerechten Lohn für seine Arbeit, d. h. auskömmliche Preise, er­halte.

Wer den bäuerlichen Betrieb in das liberali- stisch-kapitalistische Wirtschaftssystem hineinstelle, versündige sich damit am Geist deutschen Bauern­tums und damit am deutschen Volke. Wir kämen in der Landwirtschaft nur dann zu gerechten Preisen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, wenn der Bauer den Konzernen, Trusts, Syndi­katen, Innungen usw. seinerseits eine Organi­sation der Verteilung und Verarbeitung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse entgegenstelle.

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Das neue Gesetz über den Reichsnährstand gebe die grundsätzliche Möglichkeit, zum System der gerechten festen Preise für den Bauern über­zugehen. Als erstes Gebiet sei hier die Ge­treidewirtschaft in Angriff genommen worden, und zwar durch das Gesetz über den Zu­sammenschluß von Mühlen und durch das in den nächsten Tagen zu veröffentlichende Gesetz zur Sicherung der Getreiöcpreise. Nachdem der Mi- l nister kurz den Hauptinhalt des Gesetzes über den I Zusammenschluß von Mühlen wiedergegeben hatte, f äußerte er sich über das bevorstehende Gesetz zur Sicherung der Getreidepreise und erklärte u. a., daß er danach grundsätzlich. ermächtigt werde, Festpreise für Getreide festzusetzen. Kaufverträge, die nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes über im Innern erzeugte Getreide abgeschlossen wer­den, gelten auch dann, wenn ein. niedrigerer Preis vereinbart sei, als Hu . den gesetzlich fest­gelegten Preisen abgeschlossen.

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Alle Vereinbarungen, die etwa eine Umgehung der Festpreise darstellten, seien unwirksam, denn dem Erzeuger müsse der gesetzlich festgesetzte Preis in voller Höhe. zugutekommen.

Verstöße gegen dieses Gesetz würden mit sehr schweren Strafen geahndet werden. So werde derjenige, der dem Bauern für sein Getreide weniger zahle oder auch nur ver­spreche weniger zu zahlen, mit Geldstrafe bis zu 100 000 RM. bestraft. In besonders schweren Fällen komme Zuchthaus und Geldstrafe in unbeschränkter Höhe in Be­tracht

Fahrlässig Zuwiderhandelnde würden mit Ge­fängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafen oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben Ge­fängnis könne bei vorsätzlichen Zuwiderhand­lungen auch auf Verlust der bürgerlichen Ehren­rechte und auf Zulässigkeit der Polizeiaufsicht er­kannt werden. Derartige Verurteilungen würden auch auf Kosten der Schuldigen öffentlich be­kanntgegeben, unter Umständen durch öffent­lichen Anschlad- Gegebenenfalls würde die Re­gierung auch me aus den Jahren 1923 und 1924 bestehenden Vorschriften über llntersagung des Handels und Schließung von Geschäftsräumen anzuwenden wissen.

D:r Minister erklärte dann, daß auf Grund dieses Gesetzes zunächst nur für Weizen und Roggen Festpreise geschaffen worden seien, weil diese beiden Getreidearten als Brotge­treide entscheidend für den Getreidemarkt seien. Gerste und Hafer würden demgegenüber in wesentlich geringeren Mengen umgesetzt. Das Festpreissystem trage zweierlei Gesichtspunk­ten, die auf natürliche Verhältnisse Rücksicht nähmen, Rechnung. Einmal würden die Preise für Roggen und Weizen zum Ende des Getretdewirtschastsjahres nach oben gestaffelt.

Berlin, 19. September

Zur Vorbereitung der zur Durchführung des Reichsgesetzes vom 13. September 1933 Reichsgesetzblatt Seite 628 über den vor­läufigen ' Aufbau des- Reichsnährstandes ^ und Matz-- nahmen zur Markt- und Preisregulierung- für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu erlassenden Ver­ordnungen bestimme ich auf Grund des Z 16, Ab­satz 1 des genannten Gesetzes hiermit:

l. Ich bestätige die vom Neichsbauernfiihrer bis­her auf der Grundlage der freien Selbstverantwor­tung getroffenen Einrichtungen, und zwar:

1. Die Einrichtung eines Reichsbauernführers.

2. Die Einrichtung eines Stabsamtes des Reichsbauernführers, zur Bearbeitung aller die Führung des Gesamtftandes betreffenden Aufgaben.

3. Die Einrichtung eines Reichsbauernrates, als Beirat des Reichsbauernführers, behalte mir aber die Bestätigung der derzeitigen Mit­glieder vor.

4. Die Einrichtung eines Verwaltungskörpers der Selbstverwaltung unter der Leitung eines Reichsobmannes der bäuerlichen Selbstver­waltung und die Unterglieberung dieser V«r° waltungseinrichtung in vier Hauptabteilun­gen, jede unter einem Hauptabteilungsleiter; diese Hauptabteilungen umsahen:

s) Hauptabteilung I: Reichsführergemein- schast des deutschen Bauerntums und die sich hieran anschließenden Verbände;

b) Hauptabteilung II: Landwirtschastsrat,

Preußische HauptlaNdwittschaftskammer, sowie Landwirtschafts- und Bauernkam­mern der Länder;

c) Hauptabteilung III: Reichsverband der deutschen landwirtschaftlichen Genossen­schaften Raiffeisen;

ä) Hauptabteilung IV: Landhandel (Eroß- und Kleinhandel) und die Be- und Ver­arbeite: landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

II:-Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffene ^Einrichtung, daß die unter 1/4 bezeich­neten Hauptabteilungsleiter sich mit einem Bei-

znm anderen werde das Preisgefalle vom We­sten nach dem Osten vollauf beachtet. Das aufgestellte Preisschema verstehe sich nur für das laufende Getreidewirtschaftsj-ahr mit seinem Charakter als Uebergangsjahr. Ob nicht im nächsten Jahre mehr Gleichmäßig­keit der Preisbildung, im Verlaufe des ganzen Getr-eidewirtschaftsjahres dafür aber ein we­sentlich höherer Anfangspreis festzusetzen sei, bleibe einer Regelung zu gegebener Zeit vor­behalten.

Die deutsche Getreidewirschast flehe jeqt aus einer völlig neuen Grundlage. Wäh­rend in früheren Jahren der Staat durch mißglückte Stützungsaktionen versuchte, den Getreidcvreis zu halten, sei nunmehr der Reichsnährstand im Zusammenwirken mit der Autorität des Staates zum Garanten der Preisbildung gemacht worden.

Dem Spekulantentum, das in der Bror- versorgungswirtschaft des deutschen Volkes in besonderem Maße sein Unwesen trieb, sei ein für allemal das Handwerk gelegt worden. Die nationalsozialistische Regierung habe im Gegensatz zu der einseitigen Politik der Ver­gangenheit die praktische Voraussetzung ge­schaffen, um dem Bauern wieder eine Er­zeugung dessen zu ermöglichen was in Deutschland fehlt, nämlich Futtermittel, Ocl- srüchte, Pflanzenfasern und Fett. Der Bauernbetrieb habe jetzt nicht nur die Mög­lichkeit, sondern auch die Pflicht, seine Wirt­schaft auf das nationalpolitische Ziel der Un­abhängigkeit in der Versorgung einzustellen.

Bereits bei der im Gange befindlichen Herbstbestellung komme es entscheidend darauf an, den Erfordernissen der Anpassung drr bäuerlichen Erzeugung an den Bedarf Rech­nung zu tragen. Daraus ergebe sich u. a., daß kein Bauer in diesem Herbst mehr Ge­treide anbauen dürfe, als im Herbst 1932. In erster Linie sei der Weizenanbau zu vcc» mindern, statt dessen sei eine Verstärkung der nationalen Futtergrundlage herbeizu­führen.

rat von zehn Fachberatern ihres Arbeitsgebietes umgeben, die auf Vorschlag des Hauptabteilungs­leiters vom Reichsobmann mit Genehmigung des Reichsbauernführers bestätigt und eingesetzt wer­den.

m. Ich bestätige die von der Selbstverwaltung eingesetzten Leiter der oben unter 1 genannten Einrichtungen, und zwar:

1. als Reichsbauernfllhrer: R. Walther Darre ,- 2. als -Führer des Staätsamtes Dr. Hermann. Reischle,

3. als Reichsobmann der Selbstverwaltung Wil­helm Meinberg,

4. als Hauptabteilungsleiter I Helmuth Reinke,

5. als Hauptabteilungsleiter II Dr. Karl Kränkle,

6. als Hauptabteilungsleiter M Arnold Trumpf,

7. als Hauptabteilungsleiter IV Herbert Daßler,

, 8. als. Geschäftsführer des ReichsLauernrates

den Geschäftsführer des Agrarpolitiken Apparate» der NSDA, Richard Arauner,

IV: Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffenen Einrichtung eines Reichsbauerntages.

V: Ich bestätige die von der Selbstverwaltung getroffen« Einrichtung der Landesbaurrnschaften, und zwar insbesondere:

1. Die Einrichtung des Landesbauernführers,

2. Die Einrichtung einer Stabsabteilung des Landesbauernfllhrers unter einem Stabsleiter,

3. Die Einrichtung des Landesobmanns,

4. Die Einrichtung der dem Landesobmann unmittelbar unterstellten vier Hauptabteilungs­leiter mit Aufgabengebieten und Einrichtungen entsprechend der eben unter 1/3 getroffenen Rege­lung für die Reichsstlltze des Landstandes.

5. Einen Beirat von zehn Fachberatern für die Hauptabteilungsleiter beim Landssobmann. Diese Beiräte werden gleichsinnig zu oben III auf Vor­schlag des Hauptabteilungsleiters vom Landes­obmann mit .Genehmigung des Landesbauern­führers eingesetzt

(Fortsetzung auf Seite 2.)

Die VeriüMiiZ äss Lsiclrsmiiiisters

M SrganiWotl -es Bauerntums

Ist Oenk eine (Zekaiir?

RunckkmiIrvortrLg von OeuerslleutuLllt s. O. v. ölstrooli

Wir bringen nachstehend den Wortlaut des inter dem gleichen Titel abgehaltenen Rundfunk- -ortrageL am gestrigen Abend, weil er uns wichtig ennq ericheint, um ihn auch denen zugänglich II machen, die ihn nicht mit angehört habe».

Die Schristleitung.

Meine Hörerinnen und Hörer! Vielleicht ist es ein Vorzug, daß ich nur zehn Minuten znr Verfügung habe, um die Frage zu beant­worten, ob Genf, das heißt, der Völkerbund und die Abrüstungskonferenz, eine Gefahr sind. Vielleicht wären wir in Genf weiter, wenn man sich dort einer ähnlichen Rede- beschränkung unterwerfen müßte. Denn der Beweis ist erbracht, daß man dort seit vier­zehn Jahren von der Abrüstung redet, ohne daß auch nur eine einzige Patrone abgeschafft worden wäre. Im Gegenteil! Der Völkch:- bund und die Abrüstungskonferenz haben vorn! ersten Tage ihres Bestehens an die Hände schützend übe. eine Aufrüstung unserer Um­welt gehalten, die alle Vorkriegsrüstungen tief in den Schatten stellt. Die sogenannte Abrüstungskonferenz hat sich als eine virtuose Ablenkungskonferenz glänzend bewährt.

Aber durch diese taktische Ablenkung von der feierlich versprochenen Abrüstung der an­deren werden wir Deutsche immer dring­licher hingelenkt darauf, daß uns jede prak­tische Gleichberechtigung und jede faktische Sicherheit völlig fehlen. Denn Gleichberech­tigung kann doch nur ein Rechtszustand sein, in dem uns nicht verboten ist, was sich die anderen erlauben. Sicherheit kann nur ein Wehrzusiand sein, in dem nicht in einer Nacht durch Bomben zerschlagen werden kann, was deutscher Fleiß in Jahrhunderten aufgebaut hat. Das kann jederzeit geschehen. Deutsch­land besitzt also die nationale Sicherheit, die der Artikel VIII der Völkerbundssatzung jedenk Völkerbundsmitglied-e zuspricht, nicht.. Es be­sitzt auch die Gleichberechtigung praktisch nicht, welche die bekannte Fimfmächteform-el vom II. Dezember vorigen Jahres ausdrücklich ge­währleistet hat.

So klar und stark die Rechtslage ist, die sich für Deutschland daraus ergibt, stärker hat sich bisher die Rechtsbeugung erwiesen, die in Genf seit Jahr und Tag betrieben wird. Es lohnt schon lange nicht mehr, die Unzahl der böswilligen Rechtsverdrehung-en und ad- vokatorischen Winkelzüge aufmarschieren zu lassen, die sich nur allzu oft ius Groteske verlieren. Es lohnt mehr, immer wieder auf die Tatsache unserer unaufhörlich wachsenden Unsicherheit hinzuweisen, die sich aus der Genfer Komödie ergibt:

Alljährlich wächst die Zahl der ausgebilde­ten Soldaten jenseits unserer Grenzen um Hun-dertlausende. Alljährlich vermehren un­sere Nachbarstaaten ihr Kriegsmaterial um . Zehntausend« von Tonnen. Alljährlich ent­stehen in allen Sieger- und Nachfolgestaaten Tausende hochwertiger und schwerer Waffen neu. Alljährlich nehmen die strategischen Bahnen, die von außen her auf die deutschen Grenzen hinführen, um Hunderte von Kilo- metern zu. Alljährlich prosperiert die Rü­stungsindustrie des frankophilen Europas mehr als irgendeine Industrie sonst. Mit anderen Worten: Das tyaffenleeve aber men- schenüberfüllte deutsche Tal ist von einer Lawinengefahr umlagert, die irgendwie zu beschönigen ein Verbrechen am deutschen Volke wäre.

Vielleicht sagt man unter den Zuhörenden, daß das nichts Neues sei, und das ist auch richtig. Neu ist aber, daß die gerüstete Welt es gar nicht mehr für nötig hält, ihre einseitige Aufrüstung irgendwie zu verschleiern. Paul-Boncour er­klärte kürzlich, es sei ganz unlogisch, von der Ab- rüstungskonferenz zu fordern, daß sie die schwe­ren Ängriffswafsen abschaffe. Die „LibertL" schrieb unlängst, es sei Wahnsinn, auch nur auf eine einzige Kanone zu verzichten. In der eng­lischen Presse wird offen zugegeben, daß die all­gemeine Weltatmosphäre einer Abrüstung nicht günstig sei. Die großen Seemächte haben soeben Flottenbauprogramm-e veröffentlicht, die je dreißig Millionen Pfund kosten werden und die klar erkennen lassen, daß jede Hoffnung auf eine allgemeine Abrüstung aufgegeben ist, sofern diese Hoffnung überhaupt jemals bestanden haben sollte. Schon am 1. Februar dieses Jahres, also vor den neuen Flottenplänen, legte die englische Admiralität ihrem Parlament eine Uebersicht vor, nach der Frankreich zur Zeit 81 Kriegsschiffe im Bau habe! Deutschland baut drei! Dies alles geschieht unter dem Schutze von Genf. Unter dem Schutze dieser Kulisse von Versailles sagte auch Boncour am 3. September: „Die Politik