Ausgabe 
(18.9.1933) Nr. 251
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

hrgana

-

!S.

«Vvore^^

aung ik?Ä

6 Noch ^ "0

bigt-n S°I

«"s AS

irdischer'

W°kr^ 'L L».

>.°r"st°dlL' °n°r. deuU

«dhenn ^

r Marien, z. !h>kago.

°us

^Port aus ^

^hu.w°.^T

^ Fugend. " "Der Odi».

Uhr, j.

5" drenie^

-nversamnih,,. ^ svrichj Aufgaben j» ererns Br-m« DroMenstaG -ber ist Pstj^

Bandonion, Täg für N». >n W-SS „h,

lackerstraße.

mtag, zg ^ »robe im M».'

krein ve, , AI. Sevtdr,

n-Neustadh Gliche Mitslil.

sangverein.

ilößchen. M g, W.M Lhi

die Lander, ub, OrtSgrnd- iloß-Restaurant aus Lambnrz, ird die Zucht- irenvreise find ide, Herr L ussteller recht- m Schnauze« Vorrichtwigs der Tiere ge- - uud Wusch«, leteiligen. Tie d Schutzhunde

rchen^ücht» hr, findet d«i iauser Peer!» uug Haien d« öemstr. 1, zu

beteil. sich M - u. Kultur- lichtskursus? rdere Berück- ,ung der Bei­chte. Reiche dermaterial mtlich 1 M. itlich 3 Mai!, d. u. D IN -

hologin 1L rstr. 85 A

stcrarbeitvi auß. d. Hails! ilh. Haas, Henerstr. 8

Schirme

iert schnell L billig Hirm-HA ttorstt. 12--

ratur. u. Re»' rrsertg. a. Art tien, M- , Kornstt- ltS !70.

snn

,-Tskrr

nrel-

-tttene

urse:

oittsZ-

Zen^ix

,susr

Kur«

onst

iNil«

Z-8 Mr- >ut - -°e°

Uptb6^°

ei,, r°'°ü:

Ile. 251 Jahrgang 1933

und Geschäftsstelle: Geeren K-S. Sprechstunden der Schnftlertung: Montag bis Freitag 12 bis 13 Uhr Fernivreckier- Z^konten: ^ Bremen, Commerz.

^ dEbank-Deutsche Antioguiabank. PostscheÄonto: Hamburg 747 38. - Dre BNA erscheint täglich morgens, nur am Montag mittags und koket monatl. AM. 236 einschließl. Botenlohn, durch die Post bezogt erböbt sich der Preis um 42 Rvs. Zustellgsld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entricht-"-

Vremen. Montag, dp« 18. September 1833 " EinzeSpreiS 15 Vfg.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 0-13. auswärts RM. 0.17; im Textteil RM. 0.75, auswärts RM. 1.—: Stellengesuche RM- 0.06; Familienanzeigen. Stellenangebote und Wohnungsmarkt RM. 008; sonstige kleine private Anzeigen bis zu 20 mm bei Vorauszahlung (ohne Rabatt) RM. ,0.08. Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigen­schluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung, Streik. Verbot u- s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf die Rückzahlung des Bezugspreises.

Das ArnMoke Draan des Genals der Freien MrnkrAadt Bremer*

Scharfe Gegensätze in dec österreichischen Regierung

Berlin, 18. September. -

^us verZLvFeuer

So wurden im alte« System die Gelder

verwirtschaftet

In krasser Form enthüllten sich am Sonntag die Gegensätze, die zwischen den ein­zelnen Parteien des Regierungslagers bestehen, in den Reden in Graz, wo die Grün­dungsfeier der nationalständischen Front stattfand, die bekanntlich von Vizekanzler Winkler geführt wird. Dieser richtete u. a. einen Appell an den Bundeskanzler und sagte, es gehe nicht an, datz durch die radikalen Thesen die Bevölkerung in ständiger Unruhe und Unsicherheit gehalten werde. Er wandte sich gegen ein faschistisches Experim ent.

Der Bundesführer der Heimwehren, Fürst faschistischen Totalitätsstaat gefordert hat» den Vizekanzler Winkler einen Korrup gierung freimachen solle.

Mit geMSem Bajonett gegen NattonalsorlaWen

Klagenfurt, 18. September.

In Spittal an derDrau kam es am Sonntag vor dem Gebäude des Bezirksgerichts zu Kund­gebungen einer großen Menschenmenge, die sich gegen die erfolgte Dienstenthebung des Bezirks­hauptmanns von Spittal und gegen die von christ- lichsozialer Seite und vom Heimatschutz geforderte Amtsenthebung des Landeshauptmanns von Körn­ten, Kernmayer, richteten. Polizei und Gendar­merie wollten die Ansammlungen zerstreuen, wo­bei es zu Zusamenstößen mit den Kundgebern kam.

Um die Ruhe wiederherzustellen, wurde eine Kompagnie Alpenjäger aufgeboten, die dann mit gefälltem Bajonett die Straße räumte. Bon den Kundgebern wurden sechs Personen ver­letzt, davon eine schwer durch einen Bajonettstich in die Lunge.

Wien, 18 . September.

Wie aus Graz berichtet wird, sammelten sich

Starhemberg, der wiederholt schon den hielt in Kufstein eine Rede, in der er u. a. tio nisten nannte, von dem sich die Re-

während einer Kundgebung der nationalständischen Front, als gerade die Bundeshymne gespielt wurde, etwa 360 Personen an, die das Deutschland­lied mit erhobenem Arm sangen. Die Polizei nahm 130 Personen fest.

Kampfansage der österreichischen Sozialdemokratte

Wieu, 18. September.

Der sozialdemokratische Parteivorstand trat am Sonntag zusammen und faßte einen Beschluß, in dem zum Ausdruck gebracht wird, die österreichische Arbeiter- und Angestelltenschaft habe ihre Selbst­überwindung — gegenüber dem Kampf der Regie­rung gegen die Nationalsozialisten — nicht zu'dem Zweck geübt, um sich von dem österreichischen Heim- wehr-Faschismus niederwerfen zu lassen.

Die Partei und der Vuudesvorstaud erklären, daß für den Fall eines gewalttätigen Angriffes des Heimwehr-Fafchismus gegen Verfassung und Gesetze der Republik die erforderlichen Beschlusse gefaßt seien.

Ministerpräsident Göring Mit­glied des groben ArbeitStonventS

Berlin, 17. September.

Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Staats­rat Dr. Ley, hat, wie der Nationalsozialistische Zei­tungsdienst meldet, den preußischen Ministerpräsi­denten Hermann Göring gebeten, in den Großen Arbeitskonvent der Deutschen Arbeitsfront einzu­treten. Ministerpräsident Göring hat dieser Bitte mit großer Freude entsprochen und dabei zum Aus­druck gebracht, daß er ihr besonders gern nach­komme, weil er sich immer mit der deutschen Arbei­terschaft verbunden gefühlt habe.

Elftes Todesopfer des Solinger UngMSS

Bochum, 17. September.

Im Städtischen Krankenhaus ist der SA.- Reservemann Fritz Kann aus Bochum als elftes Todesopfer des Autounglücks bei Solingen heute morgen gestorben. Ein zwölftes Opfer befindet sich noch in Lebens­gefahr.

Südamerttasshel aus deutschen Schifte« verbilligt

Hamburg, 17. September.

Wie wir erfahren, hat die vor kurzem ab­

gehaltenen Konferenz der am Südamerika- Paffageverkehr beteiligten Reedereien für Reisen nach der Ostküste Südamerikas eins Ungleichung der Fahrpreise aller Passagier­klassen an die verschiedenen Valuten be­schlossen. Für die nach Südamerika fahren­den deutschen Passagierreedereien wirkt sich dieser Beschluss in einer etwa Ivprozen- tigen Ermäßigung der Fahrpcise aus. Die neuen Raten treten für die Abfahrten nach dem 1. Oktober 1933 in Kraft.

Schweres SegelbootSnugMÜ bei Villa«

Berlin, 18. September.

Wie „Der Montag" meldet, hat stch am Sonntag vor Pillau ein schweres Ssgelbootsunglück ereig­net. Die mit vier Personen besetzte Segeljacht „Valdur" wurde etwa 700 Meter vom Molenkopf entfernt bei der Wendung auf die Südmole gewor­fen und völlig zertrümmert. Der Besitzer der Jacht, Kaufmann Riedel aus Königsberg, und zwei Da­men, deren Namen bisher nicht festgestellt werden konnten, ertranken. Der vierte Insasse, der Jung­mann Harnack, konnte von einer Barkasse des vor Pillau liegenden Linienschiffes „Hessen" gerettet werden.

Interessante Einzelheiten r« dem nrotzen Rundsunlstandal

' Berlin, 18. September.

Zu den Verhaftungen der früheren Rund- funkgrötzen Dr. Magnus, Dr. Flesch und Alfred Braun, die vom Konzentrationslager Oranienburg (wie bereits gestern berichtet) aus Grund eines Haftbefehls wegen Untreue in das Untersuchungsgefägnis Berlin-Moabit eingeliesrt worden sind, erfahren wir noch folgende interessante Einzelheiten:

In dem Strafverfahren gegen den ehe­maligen Direktor der Berliner Funkstunde, Professor Knoepfke, der bekanntlich Ende dieser Woche seinem Leben freiwillig ein Ende machte, spielte der frühere Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft, Dr. Magnus, als Zeuge eine sehr eigenartige Rolle, die der Staatsanwaltschaft Veranlassung gab, seine Tätigkeit als Direktor der Reichsrundfunk­gesellschaft sowie als Aufsichtsratsmitglied der meisten deutschen Sender nachzuprüfen.

Es ergab sich hierbei, datz die Korruption an den Sendern Leipzig, Dreslau und Köln von gleicher Ungeheuerlichkeit wie bei der Berliner Funkstunde war und datz diese Mitz- stände von Dr. Magnus geduldet wurden. Er lietz es zu, datz sich die verantwortlichen Rundsunkleiter an den genannten Sendern neben ihren hohen Gehältern gegenseitig hohe Tantiemen, Sonderspesen und sonstige Sonderzuschüsse zuschoben, wofür er sich Sonderspesen von den einzelnen Sondergesell- schaften zahlen lietz.

InKoln z. B., wo sich der frühere Inten­dant Hardt neben seinem Gehalt und Auf­wandsspesen riesige Sondereinnahmen da­durch zu verschaffen wußte,datz er sich mehrere Jahre hindurch, an manchen Tagen sogar dreimal vor das Mikrophon stellte und 'sich dann dafür die höchstmöglichen Mitwirkungs­honorare anwies, hat Dr. Magnus, als die

Öffentlichkeit auf diese Vorgänge aufmerk­sam wuroe, dem Intendanten Hardt ein Sonderhonorar von monatlich 1000 zugewiesen. Magnus hat ferner erlaubt, datz der frühere Anfsichtsratsvorsitzende des Mit­teldeutschen Rundfunks in Leipzig, der Rechtsanwalt und Notar Dr. Otto, der in- ^ zwischen auch verhaftet wurde, neben seinem' Gehalt, neben einer jährlichen Aufwands­entschädigung von etwa 5000 und einer Tantieme von 4000-R ohne irgendwelche Un­terlagen ständig noch weitere 14 000 -R „für besondere Tätigkeit" bekam.

Im Zusammenhang mit der Knoepfke- Affäre, bei der in der Öffentlichkeit immer wieder die Frage erhoben wurde, wie es überhaupt möglich war, daß Knoepfke sich phantastische Sondereinnahmen verschaffen konnte, dürfte es nicht ganz uninteressant und für das Strafverfahren besonders gra­vierend sein, daß Dr. Magnus von der Ber­liner Funkstunde

eine besondere IahresentschänLigung von 10000 Reichsmark erhielt.

Herr Knoepfke zahlte eben an Herrn Dr. Magnus Schweigeleder dafür, daß er sich riesige Nebeneinnahmen mit Duldung feiner höchsten Auffichtsstelle verschaffen konnte.

Unter diesem Gesichtspunkt wird auch der Selbstmord Professor Knoepfkes verständlich, denn die strafrechtlichen Verfehlungen dieses ehemaligen Berliner Rundfunk-Direktors waren allerschwerster Art. Knoepfke hat in der Voruntersuchung selbst nicht bftritten, mehrere 100 000 RM. Einkommen- und Ver­mögenssteuern hinterzogen zu haben. Die Untersuchung in dem Verfahren gegen Knoepfke hat ferner ergeben, datz Knoepfke sich unberechtigt Spesen in Höhe von 71000 Reichsmark bei der Berliner Funkstunde aus­zahlen ließ.

Es ist festgestellt worden, datz er bei einem Gehalt von 48 000 bis 50 000 Reichsmark durch Sondereinnahmen, Spesen und be­sonders durch seine Einkünfte an der Zeit­schrift „Funkstunde" in der Zeit von 1924 bis 1932 1 388955 RM. vereinnahmt hat!N

Neben Kaviar-, Sekt- und sonstigen Schlemmergelagen, die bei sämtlichen ver­hafteten Rundsunkleitern an der Tagesord­nung waren, ist bei diesen Verhafteten der Tatbftand handelsrechtlicher Untreue ge­geben.

Es konnte in Breslau festgestellt wer­den, datz in großem Umfange an den Sonn­tagen Vergnügungsfahrten aus Kosten der Rundfunkgesellfchaft vorgenommen wurden und datz im Falle Köln der Geschäfts­direktor Corte nach dem eigenen Geständnis Dienstreisen liquidierte, die er gar nicht ge­macht hat. In Köln wurden des weiteren so­wohl von dem Intendanten Hardt wie von seinem Direktor Corte erhebliche Schmier­gelder an den Redakteur eines Revolver­blattes gezahlt, der persönliche Angriffe gegen den Kölner Rundfunk richtete.

Der Rundfunkskandal ist durch die Ver­haftung von Dr. Magnus und durch die Ver­haftungen an den Sendern Köln, Breslau und Leipzig aus den Höhepunkt gelangt. Noch bleibt die Rolle zu klären, wie der Sozial- demokrat Heilmann» der einen unbe­dingten Einfluß aus alle diese Sender hatte, im Hintergrund gespielt hat. Viele Fäden über den Rundsunkkorruptionsskandal dürs­ten, ähnlich wie beim Barmat-Skandal, auch bei ihm zusammenlaufen. Die Strafverfahren, die die Staatsanwaltschaften in Berlin, Köln, Leipzig und Breslau anhängig gemacht haben, beweisen, wie notwendig die Säuberung des alten Systemrundfunks durch die national­sozialistische Rundfunksührung war.

Englischer Minister erkennt Deutschlands

Gleichberechtigung an

London, 18. September.

Auf einer konservativen Parteiversamm­lung in Carnoustie in Schottland führte der Staatssekretär des Innern, Sir John Wil­ma u r, u. a. aus:

Aus dem Festlande erleben wir ein neues Sichregen in Deutschland, und sicher werden wir alle es mit Freude erleben, datz die deutsche Nation von dem Gefühl erfüllt ist, sie habe wieder ein Recht darauf, von den anderen Völkern des Kontinents aus den Fuß der Gleichheit behandelt zu werden. Ich habe die Zuversicht, datz die dort ingang be­findliche Bewegung den Deutschen die Mög­lichkeit gibt, aus der Basis der Gleichberechti­gung ihren gebührenden Platz in der Gemein­schaft der Nationen einzunehmen.

Ein semizöMchee Versuchsballon

Paris, 17. September.

Am Vorabend der Pariser Besprechungen fassen die hiesigen Bläter noch einmal den französischen Standpunkt in der Abrüstungs- und Kontrollfrage zusammen, wobei lediglich in den Ausführungen über die beabsichtigte Dauer der Probezeit einige Unterschiede festzustellen sind. Die einen sprechen von drei bis vier Jahren, andere, wie der „Petit Pavisien", wünschen sie auf fünf Jahre ausgedehnt.

Interessant ist ein Versuchsballon des Außen- politikers des „Echo de Paris", Pertinax, der die Frage aufwirtft, ob It a l i e n und D e ut s ch- land sich damit zufriedengeben würden, wenn man die Rüstungseinschränkungen, die nach Ablauf der Probezeit eintreten sollen, schon jetzt

fest umgrenzte. Der „Petit Paristen" erläutert den Versuchsballon, indem er erklärt, die etappen­weise Abrüstung könne unter Umständen bereits in dem Abkommen näher festgelegt werden, das man in Gens zusammen mit der Ausarbeitung des Kontrollsysiems beschließen wolle. Die Gefährlich­keit gewisser Vorschläge, die man in Rom zu unter­stützen scheine und die darauf hinausgingen, Deutsch­land die Herstellung der ihm durch den Versailler Vertrag verbotenen Massen in geringem Umfange zu gestatten, brauche kaum unterstrichen zu wer- den7 denn ein solches Zugeständnis machte jede spätere Kontrolle illusorisch. Wenn man Deutsch­land erlauben würde, zehn oder zwanzig Militär­flugzeuge zu bauen, so könne man sicher sein, daß es die Fabrikation gleich in großem Umfange auf­nehmen würde. Eine Kontrolle wäre dann un­möglich.

Der Lclilüssel Luni asialisclieri krieäen

Von unserem stänckigen llericdterstsiter

- r Tokio, Ansang September.

Das japanische Kriegsministerium hatte unlängst eine Erklärung veröffentlicht, die durch ihre Offen­heit außerordentlich, angenehm berühren mutz. Es erklärt vor der Welt: Was'wir getan haben, haben wir getan, um unseren Frieden in Ostasien sicher­zustellen. Wir haben kein anderes Ziel gehabt als den Bestand Mandschukuos zu sichern, und wir werden es weiter sicherstellen und sind bereit, jedem Eingriff, von chinesischer. Seite mit allen Macht­mitteln zu begegnen. Gleichzeitig wurde die Hoff­nung ausgesprochen, die Chinesen möchten endlich etwas zur Aussöhnung der beiden großen Völker Ostasiens tun. Japan ist zu Entgegenkommen be­reit, aber das A.und O seiner Bedingungen ist die Anerkennung des selbständigen Mandschukuos. Das ist einfach und klar, wie überhaupt die ganze japa­nische Linie. (Dazu gehört nicht zuletzt auch'der Rücktritt des japanischen Außenministers, dem der Finanzminister folgen wird, so daß die letzten Hin­dernisse für eine Armeediktatur in Japan beseitigt sein dürften. Die Schriftlettung.) Aber China bleibt noch ein Rätsel, das nach wie vor innerlich nicht zur Ruhe kommen kann, und wo die Vielhett der Männer und Parteien, die um die Macht ringen, eine einheitlich« Willensbildung und Mei­nungsäußerung nach außen immer aufs neu« ver­hindert.

Da ist z. B. im Norden Chinas der Gouverneur von Lhili, Huang-fu, einflußreiches Mitglied der Kuomintang, Freund, Vertrauter und politischer Beauftragter des Marschalls Chiang-kai-shek wie auch des chinesischen Staatspräsidenten Wang-chin- wei. Huang-fu ist überzeugter An­hänger der Verständigung mit Japan,

der den Marschall zum Abschluß des Waffenstill­standes Ende Mai bestimmt hat und für die Durch­führung verantwortlich ist, die das gesamte japa­nische Kriegsministerium in auffälliger Form ge­lobt hat. Man lief Sturm gegen ihn von Kanton bis zur Mongolei des Marschalls Feng-yll-hsiang, wollte seine Stellung unterminieren, und man sprach in den letzten Monaten viel von Huang-fus Rücktritt von der Verwaltung in Peking. Wäre das geschehen, so wären die Japaner sicherlich weiter vormarschiert, und Ostasten wäre der Hexen­kessel geblieben, der es war. Huang hat seine Polittt in Nordchina nicht aus sentimentalen Rück­sichten und Verbrüderungsgedanken heraus be­trieben, sondern lediglich deshalb, weil er nach dem Feldzug von Jehol die vollständige Nutzlosigkeit jeden militärischen Widerstandes gegen Japan ein­gesehen hatte. Und anerkannt, datz die japanische Forderung nach Aufhebung des antijapanischen Boykotts unbeugsam war. Nanking hat Huang in dieser Politik unterstützt, sowohl in Beschlüssen der Regierung auf einer Konferenz in Lushan sowie auch dadurch, daß Chiang-kai-shek mit der prakti­schen Art, in der Huang Waffenstillstand und Ein­schränkung des Boykotts durchführte, einverstanden war. Kanton dagegen drohte, predigte Widerstand bis zum letzten Mann. Aber man sah auch dort ein, datz mit solchen Methoden kein Fortkommen war. Trotzdem deuteten die nervösen, ja beschwörenden Artikel in der japanischen Presse, die von der Re­gierung Wachsamkeit und rasches Handeln erwartet, darauf hin, daß Tokio der Entwicklung weiterhin mit größter Reserve gegenübersteht.

Die von Japan gewünschte direkte Verständigung mit Ehina, unter Aus­

schaltung aller fremden Vermitt­lung ist über die Waffenstillstands- tung Chinas ergibt sich aus den Beschlüssen der bereits erwpähnten Konferenz von Lushan: Der Grundsatz des Widerstandes gegen Japan auf lange Sicht wird trotz derzeitiger Beruhigung und Ein­stellung des Boykotts als Grundlage der chinesischen Politik betrachtet.. Irgendwelche Verhand­lungen mit Japan über Beseitigung der schwebenden Fragen sollen ge­gebenenfalls nur unter Vermitt­lung der interessierten Mächte er­folgen.

Unter der Erklärung, die chinesische Industrie und Wirtschaft entwickeln zu,wollen, wird China den europäischen Mächten und den Vereinigten Staaten weitreichende Zugeständnisse machen und eine umfassende Anleihepolitik betreiben. Man ermattet daraus für China wieder ein aktiveres Interesse der Mächte und des Völkerbundes gegen Japan.

Der chinesische Finanzmimster Soong hat auf seiner Reist zur Londoner Wittschaftskonferenz in Amerika und später in Europa sehr bedeutsame Verhandlungen in die Wege geleitet und nicht un­wichtige Abschlüsse zustandegebracht. In Amerika wurde eine Baumwolle- und Weizenanleihe in Höhe von 56 Millionen Dollar für China abge­schlossen. Aber . auch in den europäischen Haupt­städten hat Soong gearbeitet, um durch eine finanziell« Einmischung des Auslandes in chinesi­sche Angelegenheiten eine Front gegen Japan zu- standezubringen. Die japanische Presse schloß daraus, die Anleihen sollten dazu dienen, China neue Waffen für den Krieg mit Japan zu-liefern. Damit ^ hält man natürlich die Stimmung des Volkes in Atem und sichert stch den notwendigen Widerhall für den'nicht unmöglichen Fall neuer Zusammenstöße. Dabei weiß Japan ganz genau,

wie lange es dauert, bis man mit einigen Waffen­lieferungen-ein schlagfertiges Heer- entwickelt. Jn- Wirklichkeit ist es die Wiederholung des Eingriffs von Amerika und Europa in ostasiatische Fragen, was Japan beunruhigt. Ein Gespenst, das man gebannt zu haben glaubte, taucht nun aus der Hal­tung der Zentralregierung in Nanking und aus der Aktivität des Herrn Soong wieder auf.

Datz Japan von einer Wiederaufnahme oder Verstärkung der völkerbundlichen Tätigkeit im Osten Unzuträglichkeiten ermattet, und alles tut, um diese unerwünschte Lage zu verhindern,, oder. unschädlich zu machen, lehrt der Sturm,. der sich über die. Bestellung eines Völkerbundsberaters her chinesischen Regierung erhoben hat, und der zu einer Anfrage de-r japanischen Regierung in Gens führte. Herr Dr. Rajchmann, Direktor im Gesund­heitsamt des Völkerbundes, ein Mann polnischer Nationalität, der als ebenso gro ß e r Freund Chinas wie als geschworener Feind Japans bekannt ist, soll der chinesischen Regierung im Auftrag des Völkerbundes als Berater in gesundheitlichen und allgemeinwirt­schaftlichen Fragen zur Verfügung stehen.

^ Die Japaner haben, um von vornherein hinsicht­lich des völlig unpolitischen Charakters der Mis­sion des Herrn Rajchmann erst gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, in Genf angefragt, und die Antwort des Generalsekretärs zu ihren Akten neh­men können, daß 'Herr Rajchmann eben nur ge­sundheitliche und wirtschaftliche Funktionen zu er­füllen habe. Gegen eine unerwünschte politische Be- tätigung des Herrn Rajchmann hat man sich also in Tokio vorbeugend gerüstet. So klein diese Epi­sode im großen- Stil der ostastatischen Kräfte er­scheinen mag, so ist sie doch bezeichnend. Ein japa­nisches Blatt schrieb in diesen Tagen zur außen­politischen Lage: Japan hat den Völkerbund ver­lassen und ist nach Asien zurückgekehrt. Japan ist

heute nicht mehr dasselbe, als was es bisher be­trachtet wurde. Es hat aufgehört, blind im Kiel­wasser Englands und Amerikas zu segeln. Japan ist nichbmehr.im Schlepptau der gro­ss en M ä ch t e, s o n d e r n d e r e.n.R i v a l e. Ja­pan i st s e l L st e i n e g r oß e N-a ti o n g e w o r- den.diesiich im Wettstreit mit England und Amerika befindet.

Das sind stolze Worte, und nicht nur Worte, sondern ganz die Gefühle, die dieses Volk nach der Beendigung des mandschurischen Konflikts be­wegen. Daß die verantwortliche japanische Politik sich nicht blenden läßt, sondern die Lage sehr nüch­tern und skeptisch beurteilt, ist nichtsdestoweniger zum Besten der Nation. Japan kann die Gegner­schaft einzelner Mächte. aushalten. Aber in die Isolierung, die während der mandschurischen Zwi- schenfälle. mit. oder ohne Verschulüen der Japaner entstanden war, will die japanische Regierung.nicht ' wieder hineingeraten. Diese Politik Japans wird mit allem Takt, aber mit großer Beharrlichkeit weiter betrieben. Sollte es Japan gelingen, sich mit den Vereinigten Staaten zu verständigen, wo­zu Ansätze vorhanden sind, so ist viel erreicht. Eine Isolierung seitens des Völker­bundes, die der moralischen und ma- teriellenUnterstützungderVereinig- ten Staaten entbehrt, ist für Japan keineJsolierungmehr. Dann kann Japan auch den wirtschaftlichen-Kamps mit dem britischen Weltreich, der an allen Ecken und Enden der Welt auflodert, mit einer gewissen Ruhe entgegensehen. Und der zähe Kamps Chinas um die verlorenen Gebiete, der aufs neue zur großen, wenn auch nicht zur aktuellen Politik der Nanking-Regierung er­hoben zu sein scheint, verliert für Japan seine ärg­sten Gefahren. Alles hängt von Amerika ab, alles, sogar Krieg und Frieden.