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Ile. 251 Jahrgang 1933
und Geschäftsstelle: Geeren K-S. Sprechstunden der Schnftlertung: Montag bis Freitag 12 bis 13 Uhr Fernivreckier- Z^konten: ^ Bremen, Commerz.
^ dEbank-Deutsche Antioguiabank. PostscheÄonto: Hamburg 747 38. - Dre BNA erscheint täglich morgens, nur am Montag mittags und koket monatl. AM. 236 einschließl. Botenlohn, durch die Post bezogt erböbt sich der Preis um 42 Rvs. Zustellgsld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entricht-"-
Vremen. Montag, dp« 18. September 1833 " EinzeSpreiS 15 Vfg.
Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 0-13. auswärts RM. 0.17; im Textteil RM. 0.75, auswärts RM. 1.—: Stellengesuche RM- 0.06; Familienanzeigen. Stellenangebote und Wohnungsmarkt RM. 008; sonstige kleine private Anzeigen bis zu 20 mm bei Vorauszahlung (ohne Rabatt) RM. ,0.08. Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigenschluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung, Streik. Verbot u- s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf die Rückzahlung des Bezugspreises.
Das ArnMoke Draan des Genals der Freien MrnkrAadt Bremer*
Scharfe Gegensätze in dec österreichischen Regierung
Berlin, 18. September. -
^us verZLvFeuer
So wurden im alte« System die Gelder
verwirtschaftet
In krasser Form enthüllten sich am Sonntag die Gegensätze, die zwischen den einzelnen Parteien des Regierungslagers bestehen, in den Reden in Graz, wo die Gründungsfeier der nationalständischen Front stattfand, die bekanntlich von Vizekanzler Winkler geführt wird. Dieser richtete u. a. einen Appell an den Bundeskanzler und sagte, es gehe nicht an, datz durch die radikalen Thesen die Bevölkerung in ständiger Unruhe und Unsicherheit gehalten werde. Er wandte sich gegen ein faschistisches Experim ent.
Der Bundesführer der Heimwehren, Fürst faschistischen Totalitätsstaat gefordert hat» den Vizekanzler Winkler einen Korrup gierung freimachen solle.
Mit geMSem Bajonett gegen NattonalsorlaWen
Klagenfurt, 18. September.
In Spittal an derDrau kam es am Sonntag vor dem Gebäude des Bezirksgerichts zu Kundgebungen einer großen Menschenmenge, die sich gegen die erfolgte Dienstenthebung des Bezirkshauptmanns von Spittal und gegen die von christ- lichsozialer Seite und vom Heimatschutz geforderte Amtsenthebung des Landeshauptmanns von Körnten, Kernmayer, richteten. Polizei und Gendarmerie wollten die Ansammlungen zerstreuen, wobei es zu Zusamenstößen mit den Kundgebern kam.
Um die Ruhe wiederherzustellen, wurde eine Kompagnie Alpenjäger aufgeboten, die dann mit gefälltem Bajonett die Straße räumte. Bon den Kundgebern wurden sechs Personen verletzt, davon eine schwer durch einen Bajonettstich in die Lunge.
Wien, 18 . September.
Wie aus Graz berichtet wird, sammelten sich
Starhemberg, der wiederholt schon den hielt in Kufstein eine Rede, in der er u. a. tio nisten nannte, von dem sich die Re-
während einer Kundgebung der nationalständischen Front, als gerade die Bundeshymne gespielt wurde, etwa 360 Personen an, die das Deutschlandlied mit erhobenem Arm sangen. Die Polizei nahm 130 Personen fest.
Kampfansage der österreichischen Sozialdemokratte
Wieu, 18. September.
Der sozialdemokratische Parteivorstand trat am Sonntag zusammen und faßte einen Beschluß, in dem zum Ausdruck gebracht wird, die österreichische Arbeiter- und Angestelltenschaft habe ihre Selbstüberwindung — gegenüber dem Kampf der Regierung gegen die Nationalsozialisten — nicht zu'dem Zweck geübt, um sich von dem österreichischen Heim- wehr-Faschismus niederwerfen zu lassen.
Die Partei und der Vuudesvorstaud erklären, daß für den Fall eines gewalttätigen Angriffes des Heimwehr-Fafchismus gegen Verfassung und Gesetze der Republik die erforderlichen Beschlusse gefaßt seien.
Ministerpräsident Göring Mitglied des groben ArbeitStonventS
Berlin, 17. September.
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, hat, wie der Nationalsozialistische Zeitungsdienst meldet, den preußischen Ministerpräsidenten Hermann Göring gebeten, in den Großen Arbeitskonvent der Deutschen Arbeitsfront einzutreten. Ministerpräsident Göring hat dieser Bitte mit großer Freude entsprochen und dabei zum Ausdruck gebracht, daß er ihr besonders gern nachkomme, weil er sich immer mit der deutschen Arbeiterschaft verbunden gefühlt habe.
Elftes Todesopfer des Solinger UngMSS
Bochum, 17. September.
Im Städtischen Krankenhaus ist der SA.- Reservemann Fritz Kann aus Bochum als elftes Todesopfer des Autounglücks bei Solingen heute morgen gestorben. Ein zwölftes Opfer befindet sich noch in Lebensgefahr.
Südamerttasshel aus deutschen Schifte« verbilligt
Hamburg, 17. September.
Wie wir erfahren, hat die vor kurzem ab
gehaltenen Konferenz der am Südamerika- Paffageverkehr beteiligten Reedereien für Reisen nach der Ostküste Südamerikas eins Ungleichung der Fahrpreise aller Passagierklassen an die verschiedenen Valuten beschlossen. Für die nach Südamerika fahrenden deutschen Passagierreedereien wirkt sich dieser Beschluss in einer etwa Ivprozen- tigen Ermäßigung der Fahrpcise aus. Die neuen Raten treten für die Abfahrten nach dem 1. Oktober 1933 in Kraft.
Schweres SegelbootSnugMÜ bei Villa«
Berlin, 18. September.
Wie „Der Montag" meldet, hat stch am Sonntag vor Pillau ein schweres Ssgelbootsunglück ereignet. Die mit vier Personen besetzte Segeljacht „Valdur" wurde etwa 700 Meter vom Molenkopf entfernt bei der Wendung auf die Südmole geworfen und völlig zertrümmert. Der Besitzer der Jacht, Kaufmann Riedel aus Königsberg, und zwei Damen, deren Namen bisher nicht festgestellt werden konnten, ertranken. Der vierte Insasse, der Jungmann Harnack, konnte von einer Barkasse des vor Pillau liegenden Linienschiffes „Hessen" gerettet werden.
Interessante Einzelheiten r« dem nrotzen Rundsunlstandal
' Berlin, 18. September.
Zu den Verhaftungen der früheren Rund- funkgrötzen Dr. Magnus, Dr. Flesch und Alfred Braun, die vom Konzentrationslager Oranienburg (wie bereits gestern berichtet) aus Grund eines Haftbefehls wegen Untreue in das Untersuchungsgefägnis Berlin-Moabit eingeliesrt worden sind, erfahren wir noch folgende interessante Einzelheiten:
In dem Strafverfahren gegen den ehemaligen Direktor der Berliner Funkstunde, Professor Knoepfke, der bekanntlich Ende dieser Woche seinem Leben freiwillig ein Ende machte, spielte der frühere Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft, Dr. Magnus, als Zeuge eine sehr eigenartige Rolle, die der Staatsanwaltschaft Veranlassung gab, seine Tätigkeit als Direktor der Reichsrundfunkgesellschaft sowie als Aufsichtsratsmitglied der meisten deutschen Sender nachzuprüfen.
Es ergab sich hierbei, datz die Korruption an den Sendern Leipzig, Dreslau und Köln von gleicher Ungeheuerlichkeit wie bei der Berliner Funkstunde war und datz diese Mitz- stände von Dr. Magnus geduldet wurden. Er lietz es zu, datz sich die verantwortlichen Rundsunkleiter an den genannten Sendern neben ihren hohen Gehältern gegenseitig hohe Tantiemen, Sonderspesen und sonstige Sonderzuschüsse zuschoben, wofür er sich Sonderspesen von den einzelnen Sondergesell- schaften zahlen lietz.
InKoln z. B., wo sich der frühere Intendant Hardt neben seinem Gehalt und Aufwandsspesen riesige Sondereinnahmen dadurch zu verschaffen wußte,datz er sich mehrere Jahre hindurch, an manchen Tagen sogar dreimal vor das Mikrophon stellte und 'sich dann dafür die höchstmöglichen Mitwirkungshonorare anwies, hat Dr. Magnus, als die
Öffentlichkeit auf diese Vorgänge aufmerksam wuroe, dem Intendanten Hardt ein Sonderhonorar von monatlich 1000 zugewiesen. Magnus hat ferner erlaubt, datz der frühere Anfsichtsratsvorsitzende des Mitteldeutschen Rundfunks in Leipzig, der Rechtsanwalt und Notar Dr. Otto, der in- ^ zwischen auch verhaftet wurde, neben seinem' Gehalt, neben einer jährlichen Aufwandsentschädigung von etwa 5000 und einer Tantieme von 4000-R ohne irgendwelche Unterlagen ständig noch weitere 14 000 -R „für besondere Tätigkeit" bekam.
Im Zusammenhang mit der Knoepfke- Affäre, bei der in der Öffentlichkeit immer wieder die Frage erhoben wurde, wie es überhaupt möglich war, daß Knoepfke sich phantastische Sondereinnahmen verschaffen konnte, dürfte es nicht ganz uninteressant und für das Strafverfahren besonders gravierend sein, daß Dr. Magnus von der Berliner Funkstunde
eine besondere IahresentschänLigung von 10000 Reichsmark erhielt.
Herr Knoepfke zahlte eben an Herrn Dr. Magnus Schweigeleder dafür, daß er sich riesige Nebeneinnahmen mit Duldung feiner höchsten Auffichtsstelle verschaffen konnte.
Unter diesem Gesichtspunkt wird auch der Selbstmord Professor Knoepfkes verständlich, denn die strafrechtlichen Verfehlungen dieses ehemaligen Berliner Rundfunk-Direktors waren allerschwerster Art. Knoepfke hat in der Voruntersuchung selbst nicht bftritten, mehrere 100 000 RM. Einkommen- und Vermögenssteuern hinterzogen zu haben. Die Untersuchung in dem Verfahren gegen Knoepfke hat ferner ergeben, datz Knoepfke sich unberechtigt Spesen in Höhe von 71000 Reichsmark bei der Berliner Funkstunde auszahlen ließ.
Es ist festgestellt worden, datz er bei einem Gehalt von 48 000 bis 50 000 Reichsmark durch Sondereinnahmen, Spesen und besonders durch seine Einkünfte an der Zeitschrift „Funkstunde" in der Zeit von 1924 bis 1932 1 388955 RM. vereinnahmt hat!N
Neben Kaviar-, Sekt- und sonstigen Schlemmergelagen, die bei sämtlichen verhafteten Rundsunkleitern an der Tagesordnung waren, ist bei diesen Verhafteten der Tatbftand handelsrechtlicher Untreue gegeben.
Es konnte in Breslau festgestellt werden, datz in großem Umfange an den Sonntagen Vergnügungsfahrten aus Kosten der Rundfunkgesellfchaft vorgenommen wurden und datz im Falle Köln der Geschäftsdirektor Corte nach dem eigenen Geständnis Dienstreisen liquidierte, die er gar nicht gemacht hat. In Köln wurden des weiteren sowohl von dem Intendanten Hardt wie von seinem Direktor Corte erhebliche Schmiergelder an den Redakteur eines Revolverblattes gezahlt, der persönliche Angriffe gegen den Kölner Rundfunk richtete.
Der Rundfunkskandal ist durch die Verhaftung von Dr. Magnus und durch die Verhaftungen an den Sendern Köln, Breslau und Leipzig aus den Höhepunkt gelangt. Noch bleibt die Rolle zu klären, wie der Sozial- demokrat Heilmann» der einen unbedingten Einfluß aus alle diese Sender hatte, im Hintergrund gespielt hat. Viele Fäden über den Rundsunkkorruptionsskandal dürsten, ähnlich wie beim Barmat-Skandal, auch bei ihm zusammenlaufen. Die Strafverfahren, die die Staatsanwaltschaften in Berlin, Köln, Leipzig und Breslau anhängig gemacht haben, beweisen, wie notwendig die Säuberung des alten Systemrundfunks durch die nationalsozialistische Rundfunksührung war.
Englischer Minister erkennt Deutschlands
Gleichberechtigung an
London, 18. September.
Auf einer konservativen Parteiversammlung in Carnoustie in Schottland führte der Staatssekretär des Innern, Sir John Wilma u r, u. a. aus:
Aus dem Festlande erleben wir ein neues Sichregen in Deutschland, und sicher werden wir alle es mit Freude erleben, datz die deutsche Nation von dem Gefühl erfüllt ist, sie habe wieder ein Recht darauf, von den anderen Völkern des Kontinents aus den Fuß der Gleichheit behandelt zu werden. Ich habe die Zuversicht, datz die dort ingang befindliche Bewegung den Deutschen die Möglichkeit gibt, aus der Basis der Gleichberechtigung ihren gebührenden Platz in der Gemeinschaft der Nationen einzunehmen.
Ein semizöMchee Versuchsballon
Paris, 17. September.
Am Vorabend der Pariser Besprechungen fassen die hiesigen Bläter noch einmal den französischen Standpunkt in der Abrüstungs- und Kontrollfrage zusammen, wobei lediglich in den Ausführungen über die beabsichtigte Dauer der Probezeit einige Unterschiede festzustellen sind. Die einen sprechen von drei bis vier Jahren, andere, wie der „Petit Pavisien", wünschen sie auf fünf Jahre ausgedehnt.
Interessant ist ein Versuchsballon des Außen- politikers des „Echo de Paris", Pertinax, der die Frage aufwirtft, ob It a l i e n und D e ut s ch- land sich damit zufriedengeben würden, wenn man die Rüstungseinschränkungen, die nach Ablauf der Probezeit eintreten sollen, schon jetzt
fest umgrenzte. Der „Petit Paristen" erläutert den Versuchsballon, indem er erklärt, die etappenweise Abrüstung könne unter Umständen bereits in dem Abkommen näher festgelegt werden, das man in Gens zusammen mit der Ausarbeitung des Kontrollsysiems beschließen wolle. Die Gefährlichkeit gewisser Vorschläge, die man in Rom zu unterstützen scheine und die darauf hinausgingen, Deutschland die Herstellung der ihm durch den Versailler Vertrag verbotenen Massen in geringem Umfange zu gestatten, brauche kaum unterstrichen zu wer- den7 denn ein solches Zugeständnis machte jede spätere Kontrolle illusorisch. Wenn man Deutschland erlauben würde, zehn oder zwanzig Militärflugzeuge zu bauen, so könne man sicher sein, daß es die Fabrikation gleich in großem Umfange aufnehmen würde. Eine Kontrolle wäre dann unmöglich.
Der Lclilüssel Luni asialisclieri krieäen
Von unserem stänckigen llericdterstsiter
- r Tokio, Ansang September.
Das japanische Kriegsministerium hatte unlängst eine Erklärung veröffentlicht, die durch ihre Offenheit außerordentlich, angenehm berühren mutz. Es erklärt vor der Welt: Was'wir getan haben, haben wir getan, um unseren Frieden in Ostasien sicherzustellen. Wir haben kein anderes Ziel gehabt als den Bestand Mandschukuos zu sichern, und wir werden es weiter sicherstellen und sind bereit, jedem Eingriff, von chinesischer. Seite mit allen Machtmitteln zu begegnen. Gleichzeitig wurde die Hoffnung ausgesprochen, die Chinesen möchten endlich etwas zur Aussöhnung der beiden großen Völker Ostasiens tun. Japan ist zu Entgegenkommen bereit, aber das A.und O seiner Bedingungen ist die Anerkennung des selbständigen Mandschukuos. Das ist einfach und klar, wie überhaupt die ganze japanische Linie. (Dazu gehört nicht zuletzt auch'der Rücktritt des japanischen Außenministers, dem der Finanzminister folgen wird, so daß die letzten Hindernisse für eine Armeediktatur in Japan beseitigt sein dürften. Die Schriftlettung.) Aber China bleibt noch ein Rätsel, das nach wie vor innerlich nicht zur Ruhe kommen kann, und wo die Vielhett der Männer und Parteien, die um die Macht ringen, eine einheitlich« Willensbildung und Meinungsäußerung nach außen immer aufs neu« verhindert.
Da ist z. B. im Norden Chinas der Gouverneur von Lhili, Huang-fu, einflußreiches Mitglied der Kuomintang, Freund, Vertrauter und politischer Beauftragter des Marschalls Chiang-kai-shek wie auch des chinesischen Staatspräsidenten Wang-chin- wei. Huang-fu ist überzeugter Anhänger der Verständigung mit Japan,
der den Marschall zum Abschluß des Waffenstillstandes Ende Mai bestimmt hat und für die Durchführung verantwortlich ist, die das gesamte japanische Kriegsministerium in auffälliger Form gelobt hat. Man lief Sturm gegen ihn von Kanton bis zur Mongolei des Marschalls Feng-yll-hsiang, wollte seine Stellung unterminieren, und man sprach in den letzten Monaten viel von Huang-fus Rücktritt von der Verwaltung in Peking. Wäre das geschehen, so wären die Japaner sicherlich weiter vormarschiert, und Ostasten wäre der Hexenkessel geblieben, der es war. Huang hat seine Polittt in Nordchina nicht aus sentimentalen Rücksichten und Verbrüderungsgedanken heraus betrieben, sondern lediglich deshalb, weil er nach dem Feldzug von Jehol die vollständige Nutzlosigkeit jeden militärischen Widerstandes gegen Japan eingesehen hatte. Und anerkannt, datz die japanische Forderung nach Aufhebung des antijapanischen Boykotts unbeugsam war. Nanking hat Huang in dieser Politik unterstützt, sowohl in Beschlüssen der Regierung auf einer Konferenz in Lushan sowie auch dadurch, daß Chiang-kai-shek mit der praktischen Art, in der Huang Waffenstillstand und Einschränkung des Boykotts durchführte, einverstanden war. Kanton dagegen drohte, predigte Widerstand bis zum letzten Mann. Aber man sah auch dort ein, datz mit solchen Methoden kein Fortkommen war. Trotzdem deuteten die nervösen, ja beschwörenden Artikel in der japanischen Presse, die von der Regierung Wachsamkeit und rasches Handeln erwartet, darauf hin, daß Tokio der Entwicklung weiterhin mit größter Reserve gegenübersteht.
Die von Japan gewünschte direkte Verständigung mit Ehina, unter Aus
schaltung aller fremden Vermittlung ist über die Waffenstillstands- tung Chinas ergibt sich aus den Beschlüssen der bereits erwpähnten Konferenz von Lushan: Der Grundsatz des Widerstandes gegen Japan auf lange Sicht wird trotz derzeitiger Beruhigung und Einstellung des Boykotts als Grundlage der chinesischen Politik betrachtet.. Irgendwelche Verhandlungen mit Japan über Beseitigung der schwebenden Fragen sollen gegebenenfalls nur unter Vermittlung der interessierten Mächte erfolgen.
Unter der Erklärung, die chinesische Industrie und Wirtschaft entwickeln zu,wollen, wird China den europäischen Mächten und den Vereinigten Staaten weitreichende Zugeständnisse machen und eine umfassende Anleihepolitik betreiben. Man ermattet daraus für China wieder ein aktiveres Interesse der Mächte und des Völkerbundes gegen Japan.
Der chinesische Finanzmimster Soong hat auf seiner Reist zur Londoner Wittschaftskonferenz in Amerika und später in Europa sehr bedeutsame Verhandlungen in die Wege geleitet und nicht unwichtige Abschlüsse zustandegebracht. In Amerika wurde eine Baumwolle- und Weizenanleihe in Höhe von 56 Millionen Dollar für China abgeschlossen. Aber . auch in den europäischen Hauptstädten hat Soong gearbeitet, um durch eine finanziell« Einmischung des Auslandes in chinesische Angelegenheiten eine Front gegen Japan zu- standezubringen. Die japanische Presse schloß daraus, die Anleihen sollten dazu dienen, China neue Waffen für den Krieg mit Japan zu-liefern. Damit ^ hält man natürlich die Stimmung des Volkes in Atem und sichert stch den notwendigen Widerhall für den'nicht unmöglichen Fall neuer Zusammenstöße. Dabei weiß Japan ganz genau,
wie lange es dauert, bis man mit einigen Waffenlieferungen-ein schlagfertiges Heer- entwickelt. Jn- Wirklichkeit ist es die Wiederholung des Eingriffs von Amerika und Europa in ostasiatische Fragen, was Japan beunruhigt. Ein Gespenst, das man gebannt zu haben glaubte, taucht nun aus der Haltung der Zentralregierung in Nanking und aus der Aktivität des Herrn Soong wieder auf.
Datz Japan von einer Wiederaufnahme oder Verstärkung der völkerbundlichen Tätigkeit im Osten Unzuträglichkeiten ermattet, und alles tut, um diese unerwünschte Lage zu verhindern,, oder. unschädlich zu machen, lehrt der Sturm,. der sich über die. Bestellung eines Völkerbundsberaters her chinesischen Regierung erhoben hat, und der zu einer Anfrage de-r japanischen Regierung in Gens führte. Herr Dr. Rajchmann, Direktor im Gesundheitsamt des Völkerbundes, ein Mann polnischer Nationalität, der als ebenso gro ß e r Freund Chinas wie als geschworener Feind Japans bekannt ist, soll der chinesischen Regierung im Auftrag des Völkerbundes als Berater in gesundheitlichen und allgemeinwirtschaftlichen Fragen zur Verfügung stehen.
^ Die Japaner haben, um von vornherein hinsichtlich des völlig unpolitischen Charakters der Mission des Herrn Rajchmann erst gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, in Genf angefragt, und die Antwort des Generalsekretärs zu ihren Akten nehmen können, daß 'Herr Rajchmann eben nur gesundheitliche und wirtschaftliche Funktionen zu erfüllen habe. Gegen eine unerwünschte politische Be- tätigung des Herrn Rajchmann hat man sich also in Tokio vorbeugend gerüstet. So klein diese Episode im großen- Stil der ostastatischen Kräfte erscheinen mag, so ist sie doch bezeichnend. Ein japanisches Blatt schrieb in diesen Tagen zur außenpolitischen Lage: Japan hat den Völkerbund verlassen und ist nach Asien zurückgekehrt. Japan ist
heute nicht mehr dasselbe, als was es bisher betrachtet wurde. Es hat aufgehört, blind im Kielwasser Englands und Amerikas zu segeln. Japan ist nichbmehr.im Schlepptau der gross en M ä ch t e, s o n d e r n d e r e.n.R i v a l e. Japan i st s e l L st e i n e g r oß e N-a ti o n g e w o r- den.diesiich im Wettstreit mit England und Amerika befindet.
Das sind stolze Worte, und nicht nur Worte, sondern ganz die Gefühle, die dieses Volk nach der Beendigung des mandschurischen Konflikts bewegen. Daß die verantwortliche japanische Politik sich nicht blenden läßt, sondern die Lage sehr nüchtern und skeptisch beurteilt, ist nichtsdestoweniger zum Besten der Nation. Japan kann die Gegnerschaft einzelner Mächte. aushalten. Aber in die Isolierung, die während der mandschurischen Zwi- schenfälle. mit. oder ohne Verschulüen der Japaner entstanden war, will die japanische Regierung.nicht ' wieder hineingeraten. Diese Politik Japans wird mit allem Takt, aber mit großer Beharrlichkeit weiter betrieben. Sollte es Japan gelingen, sich mit den Vereinigten Staaten zu verständigen, wozu Ansätze vorhanden sind, so ist viel erreicht. Eine Isolierung seitens des Völkerbundes, die der moralischen und ma- teriellenUnterstützungderVereinig- ten Staaten entbehrt, ist für Japan keineJsolierungmehr. Dann kann Japan auch den wirtschaftlichen-Kamps mit dem britischen Weltreich, der an allen Ecken und Enden der Welt auflodert, mit einer gewissen Ruhe entgegensehen. Und der zähe Kamps Chinas um die verlorenen Gebiete, der aufs neue zur großen, wenn auch nicht zur aktuellen Politik der Nanking-Regierung erhoben zu sein scheint, verliert für Japan seine ärgsten Gefahren. Alles hängt von Amerika ab, alles, sogar Krieg und Frieden.