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Nr. 12 / i. Vierteljahr
Sonnabend, den 13 . Januar
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Verzweiflungskamps DoNfuß'
Der Terror gegen die beutfchbewuhte Bevölkerung / Heimwehrführer Gras Albert! bei Gauleiter Frauenseld verhaftet
clnd. Wien, 12. Januar.
Im Zuge der von der Regierung ergriffenen außerordentlich scharfen Kampfmahnahmeff gegen die nationalsozialistische Bewegung sind, wie verlautet, die nationalsozialistischen Führer Gauleiter Frauenseld, der Chefredakteur der von der Regierung verbotenen nationalsozialistischen „Deutschösterreichischen Tageszeitung", Schat - tenfrodt, und der Landesleiter für Nieder- österreich, Leopold, verhaftet worden.
Großes Aufsehen hat weiter die wie üblich zunächst dementierte Verhaftung des bekannten Heimwehrführers von Nicderösterreich, Graf Alberti, erregt. Es verlautet, daß in der letzten Nacht noch zahlreiche Verhaftungen und lleberfiihrungen in das Konzentrationslager Wöllersdorf vorgenommen worden sind und daß
änb. Berlin, 12. Zanuar.
Das Reichskabinett stimmte in seiner ersten Sitzung nach der Weihnachtspause dem vom Reichsarveitsminister und Reichswirtschaftsminister vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit grundsätzlich zu. Die Veröffentlichung des Gesetzes wird im Laufe der nächsten Woche erfolgen.
Ferner genehmigte das Reichskabinett ein Gesetz über die Anpassung der Vermögenssteuer» Erbschaftssteuer und Grunderwerbssteuer an die seit dem 1. Januar 1931 eingetretenen Wertrückstände. Schließlich stimmte das Reichskabinett dem Vorschlag des Reichsverkehrsministers über Veränderungen im Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft zu.
Das Gesetz über die Steueranpassung, das hierdurch verkündet wird, hat folgenden Wortlaut:
Die Geltungsdauer der „Verordnung des Reichspräsidenten über die Anpassung der Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer und Grunderwerbssteuer an die seit dem 1. Januar 1931 eingetretenen Wertrückgänge" vom 12. Mai 1932 (Reichsgesetzblatt 1 Seite 192) wird ausgedehnt: 1. aus die Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1934, 2. auf Neu- und Nachfeststellungen auf den 1. Januar 1934, sowie auf Neu- und Nachveranlagun- gen zur Vermögenssteuer auf diesen Zeitpunkt; 8 2 Abs. 3 der Verordnung vom 12. Mai 1932 bleibt unberührt, hinsichtlich der Erbschaftssteuer auf die Erwerbe, bei denen die Steuerschuld im
eine „General-Siiuberungsaktion" innerhalb der gesamten österreichischen Beamtenschaft in Betracht gezogen werde.
Von amtlicher Seite wird zu der Verhaftung des Landesführers Graf Alberti mitgeteilt, daß er bei der polizeilichen Durchsuchung des Hanfes des früheren Gauleiters Frauenseld angetroffen worden sei. Graf Alberti sei darauf von seinem Posten zurückgetreten. Der Vundesführer Star- hemberg habe sofort eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet.
Im Zusammenhang mit den Papierböllerexplosionen, die sich am Mittwochabend in Wien ereignet haben, wurden der zweite Bruder des Gauleiters Frauenseld, der Privatbeamte Richard Frauenseld, und der Sturmbannführer Ingenieur Klima als Geiseln ins Konzentrationslager Wöllersdorf verschickt.
Kalenderjahr 1934 entsteht, 4. hinsichtlich der Grunderwerbssteuer auf die Fälle, in denen die Steuerschuld im Kalenderjahr 1934 entsteht.
Diese- Gesetz tritt mit Wirkung ab 1. Januar 1934 in Kraft.
In der Begründung heißt es u. a.: Die Vermögenssteuerveranlagung für die Rechnungsjahre 1932 und 1933 beruhten auf der Vermögensbewertung nach dem Stand vom 1. Januar 1931. Seit diesem Tage sind in'einer großen Zahl von Fällen erhebliche V e r mö g e n s v e r än d e r un- gen, insbesondere Vermögensrückgänge, eingetreten. Die Berücksichtigung aller dieser Veränderungen durch eine „Neuaufstellung" des Vermögens und eine „Neuveranlagung" der Vermögenssteuer würde wegen der großen Zahl der Fälle zu einer allgemeinen neuen Bewertung und Veranlagung geführt haben. Diese Aufgabe wäre aber für die Finanzämter infolge ihrer Ee- schäftsbelastung untragbar gewesen. Die Neufest- stellungen des Vermögens und die Neuveran- lagungen der Vermögenssteuer auf den 1. Januar 1932 und 1. Januar 1933 sind daher durch gesetzliche Maßnahmen ausgeschlossen worden. Den seit dem letzten Stichtag eingetretenen Vermögensrückgängen wurde bei der Vermögenssteuer durch einen Pauschalabschlag von 2V v. H. der für 1931 festgesetzten Steuer Rechnung getragen. Entsprechende Maßnahmen waren für die Erbschaftssteuer und Erunderwerbssteuer getroffen worden.
Die Verhältnisse, die zu dieser Regelung geführt haben, liegen auch jetzt noch vor. Auch auf den 1. Januar kommt eine Neubewertung des Vermögens nicht in Betracht. Der vorstehende Gesetzentwurf sieht daher eine Ausdehnung des Ausschlusses der Neufeststellungen und Neuveranla-
cknb. Budapest, 12. Januar.
Sämtliche Blätter bringen die amtliche Meldung, daß der Architekt Materna, der Leiter der Gruppe österreichischer Nationalsozialisten, die vorgestern die Grenze nach Ungarn überschritten haben, den Ausweisungsbefehl erhalten hat. 27 Mitglieder der Gruppe sind bereits abgefahren. Es heißt, daß sie sich über die Tschechoslowakei nach Deutschland begeben.
Ungarn betrachtet übrigens die österreichischen Nationalsozialisten als politische Flüchtlinge und wird demgemäß für ihre vorläufige Beköstigung sorgen.
Es sei zu erwarten, daß nach und nach noch etwa 1VV0 Flüchtlinge über die ungarische Grenze kommen. Materna ist inzwischen mit einer 19 köpfigen Gruppe über Oroszvar nach Preßburg abgreift. (Weitere Meldungen Seite 2)
gungen auf den 1. Januar 1934 vor. Den seit dem letzten Stichtag eingetretenen Wertrückgängen soll auch diesmal durch einen Abschlag Rechnung getragen werden.- Bei der Bemessung dieses Abschlages könnten für das Jahr 1934 die bereits allenthalben sichtbaren Anzeichen für eine Besserung der Wirtschaftslage nicht außer Betracht gelassen werden. Trotz der gegenüber den Vorjahren zweifellos günstigeren Lage der Vermögensbesitzer sieht der vorstehende Gesetzentwurf für das Jahr 1934 von einer Herabsetzung des Abschlages ab. In der Aufrechterhaltung des bisherigen Abschlags von 20 v. H. liegt also ein erhebliches Entgegenkommen für die Steuerpflichtigen. Die Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1934 betrügt hiernach — ebenso wie für die Rechnungsjahre 1932 und 1933 — 8 v H. der auf Grund des Vermögens vorn 1. Januar 1931 ermittelten Vermögenssteuer für das Rechnungsjahr 1931. Auch für die Erbschaftssteuer und Erunderwerbssteuer wird nach dem vorstehenden Gesetzentwurf an dem bisherigen Abschlag von 20 o. H. festgehalten.
Die ArbettsfroMagMg m Weimar
änb. Weimar, 12. Januar.
Eine vorbildliche Organisation erwartete heute die Teilnehmer der NSVO.- und Deutschen-Ar- beitsfront-Tagungen in Weimar. Als erste begann um 14.30 Uhr in dem Eesellschaftssaal der Weimarer Halle eine Tagung der N2BO.- Landesobmänner, der Eaubetriebszellen- ollmänner sowie der Stellvertreter und Verbin
dungsmänner der NSBO.-Leitung. Nach der Eröffnung durch Pg. Lencer gab Pg. Staatsrat Schuhmann einen Rückblick auf das Jahr 1933 und verwies auf die naturnotwendigen Veränderungen, die sich aus dem neugeschaffenen Zustand ergeben haben. In großen Zügen wurden die Aufgaben der NSBO. für 1934 und der großzügige Plan umrissen, der zur Unterstützung des großen Aufgaben- planes unseres Führers aufgestellt worden ist.
Vor sämtlichen Presse- und Propagandawarten eröffnete um 16 Uhr im Hotel „Ehemnitius" Pg. Starcke eine Tagung, die alle Fragen der Presse und Propaganda behandelte. Pg. Biallas, Leiter des Amtes Presse und Propaganda der Deutschen Arbeitsfront, Hauptschriftleiter des Arbeitertums und Leiter der NSBO.-Pressestelle, erläuterte alle Fragen, die sich aus dem neuerlassenen Schriftleitergesetz ergeben haben.
Zur gleichen Zeit wurde von Pg. Heindorf im Hotel „Kaiserin Augusta" eine Tagung eröffnet,
äab. Saarbrücken, 12. Januar.
Bor dem hiesigen Schwurgericht begann am Freitag die Verhandlung gegen den Mörder des Nationalsozialisten Hemmer, der in der Nacht zum 26. September 1833 in Neunkirchen von dem Sozialdemokraten Lang erschossen wurde.
Der Prozeß wirft ein bezeichnendes Licht auf die Zustände im Saargebiet, wo unter den Augen der Regierungskommission von marxistischer und separatistischer Seite eine unglaubliche Hetze gegen die nationalsozialistische Bewegung betrieben werden darf. Zu dem Prozeß vor dem Schwurgericht sind mehr als SO Zeugen geladen.
Am Mordtage hielt sich der Angeklagte in einer Gastwirtschaft auf und trug eine geladene Pistole bei sich. Am Nachmittag ging er nach Hause, um sich noch einen schweren Ochsenziemer zu holen. In der Gastwirtschaft traf er den ihm bekannten Nationalsozialisten Hemmer in Begleitung von zwei Kameraden an. Lang bedrohte einen Begleiter Hemmers und fordert ihn auf. das Par-
Herr Mtzel vervMet
Onb. Berlin, 12. Januar
Das nationalsozialistische „Saarbrücker Abendblatt" vom 9. Januar ist von der Regierungskommission auf acht Tage verboten worden und die „Homburger Neuesten Nachrichten" haben das gleiche Schicksal erfahren, weil sie die im Reich allgemein bekannte Nachricht verbreitet haben, daß der frühere marxistische Reichstagsabgeordnete und Oberregierungsrat Ritzel von den deutschen Gerichtsbehörden wegen schwerer Vergehen steckbrieflich verfolgt wird.
Diese mit dem Bild des Herrn Ritzel versehene Mitteilung ist diesem naturgemäß nicht sehr angenehm gewesen, da er jetzt im Dienst der Regierungskommission des Saargebietes steht. Es wird interessant sein, zu sehen, ob die „Regie- rungs"-Kommission daraus eine „Beamtenbeleidigung" konstruiert.
Der französische Sender von Straßburg hat sich eine „Saarchronik" zugelegt, in der alles, was in der Weltpresse für Deutschland ungünstig ist
zu der sämtliche Finanzwarte der NSVO. und der einzelnen Verbände erschienen waren. Pg. Brinckmann, der Schatzmeister der Deutschen Arbeitsfront, gab einen allgemeinen Bericht über die Finanzlage der Deutschen Arbeitsfront sowie die Organisierung der Beitragseinziehung Lei den Einzelmitgliedern der Deutschen Arbeitsfront und der fördernden (korporativen) Mitglieder der Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Um 16.30 Uhr versammelten sich dann die Verbandsleiter, deren Stellvertreter und die Amtsleiter des Eesamtverbandes der Deutschen Arbeiter in der Weimarer Halle zu der vierten Tagung des 12. Januar. Staatsrat Pg. Schuhmann streifte die Ziele der alten, bisher gewerkschaftlichen Verbände und stellte diesen gegenüber die neuen Ziele, die von den Verbänden innerhalb des Eesamtverbandes der Deutschen Arbeiter aufgestellt und in klarer Linie künftig verfolgt werden. — Der Abend war einer Veranstaltung im Rahmen des Werkes „Kraft durch Freude" vorbehalten.
teiabzeichen abzulegen, was dieser jedoch ablehnte. Durch das besonnene Auftreten der Nationalsozialisten kam es noch zu keinem weiteren Zwi- schenfall. Der Angeklagte zechte dann bis nach Mitternacht. Als Hemmer, wie die Zeugen bestätigen, völlig nüchtern noch einmal die Gastwirtschaft betrat, fing Lang einen Streit mit ihm an und schlug mit dem Ochsenziemer grundlos auf ihn und seine Begleiter ein.
Der Nationalsozialist Schöneberger wurde so schwer verletzt, daß er bewußtlos zusammenbrach, Vom Wirt aus dem Lokal verwiesen, lauerte Lang auf der Straße auf Hemmer. Während der Wirt später auf die Straße trat, fand er Hemmer tot auf. Der Mörder flüchtete zu seinen Eltern. Bei der ' Verhaftung bedrohte er die Landjäger mit der Waffe und mußte erst durch einen Bauchschuß kampfunfähig gemacht werden.
Vor Gericht will sich Läng an nichts mehr erinnern können;.er behauptet, angegriffen worden zu sein. Demgegenüber sprechen die Zeugenaussagen eine deutliche Sprache.
mit Behagen breitgetreten wird. Es wirft ein interessantes Licht auf die Zusammenhänge zwischen dieser Stelle und gewissen autonomistischen Presseorganen im Saargebiet, daß das „Saarlouiser Journal", das sich heute noch als „früheres Amtsblatt" bezeichnet, in seiner Nummer vom 9. Januar ausdrücklich seine Leser auf diese „Saa^ chronik" von Straßburg aufmerksam macht.
Zusammenstöße in Versailles
cknb. Paris, 12. Januar.
In einer Sitzung der Radikalsozialisten in Versailles kam es zu schweren Zwischenfällen. Etwa 60 Royalisten drangen unerwartet in den Saal ein und schlugen mit Stühlen und Tischbeinen auf die Anwesenden ein. Selbst die Kronleuchter wurden von der Decke gerissen und die Spiegelscheiben zertrümmert. Erst einem starken Polizeiaufgebot gelang es, den Saal zu räumen. Etwa 20 Verletzte mußten sich im Krankenhaus von Versailles Notverbände anlegen lassen. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen.
Wichtige Beschlüsse des Reichskadinetts
Arbeitögefetz, Anpassung der Stemm, Reichsbahn-Verwaltungsrat
Die Blutiat von Neunkirchen
Der Mörder des Nationalsozialisten Hemmer vor Gericht
Uolksveickirndruhett und Kerufsbeamtenlm«
Gin geschichtlicher Äeberblick
Das Jahr 1933 ist nicht nur das Entscheidungsjahr für den Nationalsozialismus gewesen, es wurde auch ein Entscheidungsjahr für das Deutsche Volk und das Deutsche Reich. Daß diese Entscheidung aber ein Sieg wurde, verdanken wir der zielbewußten Führung Adolf Hitlers. Aus der Verbundenheit mit Blut und Boden, mit Volk und Vaterland heraus hat er seinen Kampf geführt und ihn durch die entscheidenden Siege vom 30. Januar, 5. und 21. März. 1. Mai, 14. Oktober und 12. November nicht nur zu deutschem Schicksal, sondern auch zu deutscher Geschichte gestaltet.
Was sich vom 9. November 1918 bis 30. Januar 1933 in Deutschland ereignet hatte, war weder groß noch heroisch. Denn es fehlte die Hand, die aus bloßem Geschehen schicksalhafte Geschichte formte. Die im Nebel verflossenen Novemberlinge schrieben Leitartikel für Zeitungen, aber sie besaßen nicht das Wort und die Kraft, auch nur eine Zeile für das Buch der deutschen Geschichte zu prägen. Was aber weit schlimmer war: die Systemgrößen waren so sehr von ihren individualistischen Fähigkeiten eingenommen, so sehr von ihrem politischen Egoismus umstrickt, daß sie den Blick für den geschichtlichen Zusammenhang verloren und die Politik in ihren Händen in Geschäft, ja in Geschäftigkeit zerrann. Das deutsche Geschehen war auf das Niveau einer jüdischen Betriebsamkeit hinabgesunken. Jetzt aber ist der Führer da. der es wieder in den Ruhmestempel der Walhalla stellt.
Schon der 21. März war ein solch geschichtlicher Tag von stärkster historischer Symbolik. Der Handschlag, den Hitler mit Hindenburg über den Särgen der großen Preußenkönige tauschte, war das Anknüpfen des heutigen Geschehens an das Ge
schichte gewordene Schicksal unseres Volkes. Hier gaben sich nicht nur zwei Männer die Hand, hier wurde der von einer fremden Politik unterbundene Blutkreislauf deutscher Geschichte wieder freier Strom. Blut und Boden vereinigten sich, germanische Rasse übernahm die Führung deutscher Nation.
Für keinen Stand ist dieser Tag von so grundlegender Bedeutung wie für die deutsche Beamtenschaft. In Potsdam wirkten und ruhen die beiden Männer, die Begründer und Beseeler eines preußischen Beamtentums sind: Friedrich Wilhelm l. und Friedrich der Große. Das Lied, das vom Turm der Garnisonkirche erklingt, sagt bester als jede philosophische Fassung, was der preußische König vom preußischen Beamten erwartete: „Ueb' immer Treu und Redlichkeit". Diese volksliedhafte Treue und Redlichkeit wurde von Friedrich Wilhelm I. zum Grundsatz und nationalen Brauchtum des preußischen Beamten gemacht. Sie waren der Fels von Bronze, auf denen der König die Souveränität des Staates stabilisierte. Mit einer harten, rücksichtslosen Tatkraft führte der König seine Reformen durch. An die Stelle „jener schlechten, miserablen Räte, so nur Diätenräte sind", setzte er eine achtunggebietende Gefolgschaft, die nicht nur von monarchischer, sondern auch von moralischer Disziplin beherrscht wurde.
Es war nicht im Sinne dieses Königs, wenn später durch den Kastengeist eine gewisse Volksentfremdung des Beamten eintrat, wenn der Beamte sich immer und zuerst als „königlicher Be amter" und dann erst in zweiter Linie auch als Diener des Volkes fühlte. So trat allmählich an die Stelle des Beamtentums eine gewisse Bürokratie, „d'e den Aufschwung der menschlichen Tä
tigkeit hemmt", wie der Freiherr vom Stein sagte. Mochte dieses Beamtentum damals äußerlich verknöchert erscheinen, eins war trotzdem in ihm lebendig geblieben, das Glockenspiel vom Turm der Potsdamer Garnisonkirche.
Niemand hat das klarer erkannt und mit Gerechtigkeitsgefühl bekannt, als unser Führer: „Deutschland war das bestorganisierte und best- oerwaltete Land der Welt. Man möchte den deutschen Beamten leicht bürokratische Starrköpsig- keit nachreden, allein dies war in all den anderen Staaten nicht anders, eher sogar noch schlechter. Was aber die anderen Staaten nicht besaßen, das war die wundervolle Solidität dieses Apparates sowie die unbestechlich ehrenhafte Gesinnung seiner Träger. Was dabei den deutschen Beamtenkörper besonders auszeichnete, war seine Unabhängigkeit von den einzelnen Regierungen, deren jeweilige politische Gesinnung auf die Stellung des deutschen Staatsbeamten keinen Einfluß auszuüben vermochte." (Mein Kampf, S. 308).
Im Kriege aber trat eine Aenderung ein, eine Wendung nach der schlimmen Seite. Die Kriegsgesellschaften gaben den Anlaß. Die Vermischung von Dienst- und Privatgeschäften brachte den ersten Mißton in das Glockenspiel von Treu und Redlichkeit. Wenn Bismarck noch gesagt hatte." „Mit schlechten Gesetzen uiid guten Beamten läßt sich immer noch regieren", so schreibt Hindenburg schon bei Betrachtung des Hilssdienstgesetzes in seinem Buch „Aus meinem Leben", daß das Gesetz ausschließlich nur zustande kam auf dem Boden innerpolitischer Handelsgeschäfte, nicht aber auf tiefgehender vaterländischer Stimmung. Die Präsidenten und Direktoren schössen nur so aus der Erde, schössen auch in die Gehälter, schössen aber auch oftmals daneben Dann wurde aber meist der bürokratische Beamte als der Sündenbock hingestellt. weil er nicht mit dem „Volke reden" konnte. Der angeblich trockene Beamte wurde in die Ecke gestellt und Männer aus dem Volke an
ihre Stelle gesetzt. Diese Zersetzung des Beamtentums von oben wurde durch die Einbürgerung artfremder Elemente durch die Revolte von 1918 von unten vollendet. Dem Druck von oben und von unten kam leider auch eine innere Neigung entgegen: Die Ilberalistischen Gedankengänge sogenannter Beamtenführer lösten die staatliche Bindung des Beamten. Der Staat, der dem Beamten bisher die Verleiblichung der Nation war, wurde zu einem bloßen Arbeitgeber gemacht und der Staatsdiener zu einem gewerkschaftlichen Arbeitnehmer sozialisiert. Der vom Marxismus gepredigte Klastenkampf zerstörte die letzte Verbundenheit der Berufs- und Volksschichten. In diesem Kampf aller gegen alle wurde auch das Berufsbeamtentum hineingezogen. Je mehr die Wirtschaftsnot zunahm, desto mehr nahm die Klangstärke des Potsdamer Glockenspiels ab Nicht die Bildung eines neuen Staates, sondern die Bildung neuer Gewerkschaften, nicht die Vereinigung der Volksklasten, sondern die Bildung von Orts- und Eehaltsklassen stand im Mittelpunkt des sogenannten „neutralen" Beamtenbundes. Kein Wunder, wenn das Berussbeamten- tum so bei Betonung egoistischer, statt staatlicher Belange an den Abgrund seines Bestandes gebracht wurde. Ein neuer Typ tauchte auf: Der Parteibuchbeamte. Er war kein Fürstenknecht, er war auch kein trockener Bürokrat, er war nur ein Nutznießer des Systems! Je höher hinauf, desto größer war der Genuß.
Die Schicksalswende
Der 80 Januar brachte mit der Uebernahme der Macht durch den Nationalsozialismus dem Be- ruisbeamtentum die Rettung. Adolf Hitler gab ihm den Standort wieder, von dem es aufgebaut werden konnte, die Earnisonkirche zu Potsdam mit ihrem Glockenspiel von Treu und Redlichkeit Er riß den Beamten aus der marxistischen Umklammerung der Gewerkschaft heraus und verband
sein Dasein wieder mit Blut und Boden seines Nolkes durch das Gesetz vom 7. April 1933, durch das die artfremden, undeutschen und unsauberen Elemente aus dem Berufsbeamtentum wieder entfernt wurde».
Die Idee des Nationalsozialismus faßte das Berufsbeamtentum zu einer Berufsgemeinschaft zusammen und gab ihm die verlorene Volksverbindung wieder.
Diese Volksverbundenheit lohte in unvergeßlicher Weise auf der Grenzlandtagung in Schneidemühle empor Ueberall wehten von den Häusern die Hakenkreuztahnen als Ausdruck eines neuen Hofsens und eines neuen Wollens, die Fahnen, hinter denen nicht ein Verein, eine Partei, ein Stand — sondern das ganze Volk geeint und geschlossen hinter der wieder sichtbar gewordenen geschichtlichen Gestalt eines Führers marschierte. Die Grenzlandtagung war nicht eine sachliche Beamtenversammlung, nicht eine Kundgebung debattierender Geister sondern die Manifestation eines neuen gewissen Geistes — des nationalsozialistischen Geistes, dem Gemeinnutz vor Eigennutz geht der wieder hinter einer Fahne marschiert auf der nicht das Kennzeichen irgendeines Standes, sondern das Sinnbild einer Volks- und Glaubensgemeinschaft steht. Hier in Schneidemiihl wurde es auch wohl denen, die es bisher nur dumpf geahnt hatten, klar. welch ein Glück es !ei nicht nur Beamter wildern zuerst und vor allen Dingen auch Deutscher zu ,ein. Und an dem grauen Grenzstein in Königsblick offen- oarte sich ein zweites G-UihI der Volksverbunden- heit: L-as Gefühl der Pflicht, kämpfend zu seinem Volks zu stehen. Aas diesem
.Es gibt kein Preußen, es gibt kein Bayern keine Beamte, keine Kaufleute keine Bauern mehr in diesem Linne, es gitst keine Äirbeiier mehr' innerhalb der engen, viel zu engen Grenzen gibt es heute nur noch eins: ein deutsches Volk«
Oarl Lisvsrt.