Ausgabe 
(12.1.1934) Nr. 11
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Üas amtliche Organ kles Senats

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-er Freien Hansestadt öreinen

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Nr. ii / i. Vierteljahr

Freitag,

den 12 .

Januar

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Gtavisky-Gkan-al vor -er Kammer

„Das Varlament ist ungeduldig" / Dubarrg und Agmard verhaftet

Snb. Paris, 11. Januar.

Die seit Tagen mit Spannung erwartete Kam­mersitzung, die dem Stavisky-Skandal gewidmet ist, begann am Donnerstag um 15.30 Uhr im Zeichen der allgemeinen Nervosität. Der zum zehnten Male wiedergewählte Kammerpräsident Vouisson eröffnete die Sitzung. Er führte u. a. aus: Die Kammer ist ungeduldig. Sie will ohne Verzögerung in die vom ganzen Land erwartete Aussprache eintreten. Wollen wir zulassen, daß noch länger die Unruhe andauert gegenüber dem trotz aller mutigen Anstrengungen weiter be­stehenden Fehlbetrag im Haushaltsplan, die Un­ruhe gegenüber der außenpolitischen Lage, die un­bestimmt zu sein schien, obwohl die französische Politik in ihrer Beständigkeit und in ihrem Fest­halten am Frieden in den Augen aller klar ist. Wird die Abrüstungskonferenz durch ein unhalt­bares Paradoxon, durch eine grausame Ironie Auftakt eines neuen Wettrüstens sein? Weiter die Unruhe gegenüber der llnstabilität der Re­gierung. Ist es für die Autorität der Regierung nicht außerordentlich abträglich, daß in einem Jahre vier Kabinette aufeinander gefolgt sind? Sodann die Unruhe gegenüber der tragischen Eisenbahnkatastrophe von Lagny? Und nun wirft ein neuer Skandal die schwerwiegendste Frage auf: Wird das Privatkapital, an das der Staat appelliert, um seine schwebende Schuld zu konso­lidieren, immer wieder von den Frechsten aus­gebeutet werden? Die öffentliche Meinung ist alarmiert. Man wird sie nur durch eine klare Sprache beruhigen können.

Nach Verlesung der langen Reihe der Inter­pellationen erklärte Ministerpräsident Chau- temps, daß er für die Behandlung der Inter­pellationen über das Eisenbahnunglück von Lagny Freitag, den 19. Januar, vorschlage und für die Aussprache über die Stavisky-J nterp ellationen die heutige Sitzung annehme.

Die Kammer wird u. a. über einen Antrag zu entscheiden haben, wonach im Interesse einer rest­losen Aufklärung der Angelegenheit die parla­mentarische Immunität sämtlicher Abgeordneter auf drei Monate aufgehoben werden soll.

„Verrottung des Regimes"

bnä. Paris, 11. Januar.

Der Direktor der „Volontß", Duvarry, und der frühere Chefredakteur der „Liberte", Camillr Aymard, sind heute vormittag in ihren Wohnun­gen verhaftet worden. Sie werden voraussichtlich sofort nach Bayonne überführt. Aymard hat bereits zugegeben, von Stavisky 39 909 Franken erhalten zu haben, bestreitet aber, ihm irgend­welche Dienste geleistet zu haben. Dubarry leug­net zwar nicht ab, dah die „Volontv" häufig fi­nanzielle Mittel bekam — man spricht von zwei Millionen — behauptet aber, dah diese Gelder aus der Kasse der Gesellschaft Sapiens stammten. Er habe nicht gewußt, dah es sich dabei nur um eine Art Strohmann handelte.

Der Untersuchungsrichter von Bayonne hat die Aufhebung der Immunität des Abgeordneten

Bonnaure von der radikalen Partei beantragt. Der Abgeordnete soll sich seine Wahlkampagne und eine Schneiderrechnung in Höhe von 15 009 Franken durch Stavisky haben bezahlen lassen.

Die Gegenüberstellung des verhafteten Direk­tors der Credit Municipal von Bayonne, Tis- sier, und des gleichfalls verhafteten Bürger­meisters der Stadt, Abgeordneter Garat, die vom Untersuchungsrichter vorgenommen wurde, hat keine Klärung gebracht. Tissier bleibt bei seiner Behauptung, nur auf Anweisung Ka­rats gehandelt zu haben, der mit Stavisky unter einer Decke steckte. Beide hätten sich auch in den Gewinn aus den Finanzgeschäften, deren betrü­gerischen Charakter er nicht erkannt habe, geteilt.

Das französisch-russische Handelsabkommen wurde Donnerstag mittag im Auhenministerium von dem Sowjetbotschafter Dowgalewski und dem Leiter der russischen Handelsvertretung, Ostrowski, einerseits sowie dem französischen Außenminister, dem Wirtschaftsminister und dem Unterstaats­sekretär im Wirtschaftsministerium andererseits unterzeichnet.

Außenminister Paul-Boncour erklärte anschlie­ßend Pressevertretern, daß dieses Abkommen den Abschluß zweijähriger Verhandlungen darstelle. Die Unterzeichnung des Abkommens sei nicht nur für die Wirtschaftsinteressen der beiden Länder, sondern auch für die allgemeine Politik von Bedeutung. Die Tragweite dieser Politik, die Herriot begonnen habe und die fortgesetzt werde, habe er, Paul-Voncour, am 15. Februar in der Kammer bei der Ratifizierung des französisch­russischen Nichtangriffsabkommens unterstrichen. Damals habe er erklärt, daß dieses Abkommen lebendig sein und sich voll auswirken müsse.

Auch Botschafter Dowgalewski betonte die poli­tische Tragweite des Wirtschaftsabkommens, das einen großen Schritt auf dem Wege der franzö­sisch-russischen Beziehungen darstelle. Er sei der Ueberzeugung, daß sich dem Nichtangriffsabkom- men und dem Wirtschaftsabkommen neue Fort­schritte anschließen würden.

Ueber den Inhalt des in Paris unterzeichneten französisch-sowjetrussischen Handelsvertrages wird weiter bekannt, daß das Abkommen auf die Dauer von einem Jahr abgeschlossen ist. Rußland verpflichtet sich darin, innerhalb dieser Zeitdauer in Frankreich für mindestens 250 Mil­lionen Franken Waren zu bestellen. Die fran­zösische Regierung bewilligt Rußland die Meist­begünstigung oder Zwischentarife und behält ihm bei den gegenwärtigen Kontingentierungsbestim­mungen eine Quote vor. In dem Handelsvertrag werden die Rechte und Pflichten der sowjetrussi- schen Handelsvertretung in Frankreich umrissen

Garat bestreitet die Aussagen Tissters, muß aber zugeben, mit Tissier eng befreundet gewesen zu sein. Die Bekanntschaft des Hoch­staplers will er durch Vermittlung hochstehender Persönlichkeiten gemacht haben. Er weigerte sich jedoch, Namen zu nennen. Schließlich ließ er sich auf Drängen der dem Verhör beiwohnenden Ver­teidiger zu der Aeußerung herbei, Stavisky habe sich vor jedermann damit gebrüstet, daß er bei dem Pariser Polizeipräfekten ein­und ausgehe. Garat selbst hat die beiden jedoch niemals zusammengesehen.

Der Vollzugsausschuß der radikalen Partei nahm am Mittwoch im Zusammenhang mit der

Stavisky-Angelegenheit zur politischen Lage Stel­lung. Der Parteivorsitzende Herriot sagte u. a., die ehrlichen Elemente hätten es satt, immer wieder in den ersten Spalten der Blätter von Verbrechen, Diebstählen und Skandalen zu lesen. Nach einem Rechtfertigungsversuch des zurückge­tretenen Kolonialministers Dalimier wurde 'eine Entschließung angenommen, in der die rücksichts­lose Aufklärung des letzten Skandals ohne Scho­nung auch noch so hoch stehender Persönlichkeiten gefordert wird.

Die Liga de Jeunesse patriote er­läßt einen Aufruf zu der großen öffentlichen Pro­testkundgebung gegen die „Verrottung des Re- gims", die der Finanzskandal Stavisky habe zutage treten lassen. Die Rechtspresse haut in die gleiche Kerbe und fragt, ob man vor einer poli­tischen Krise stehe. Anhänger der royalistischen Action francaise haben am Mittwoch abend vor dem Finanz- und Außenministerium Kundgebungen veranstaltet. Es erfolgten meh­rere Verhaftungen.

Vertrag Paris-Moskau unterzeichnet

Die politische Tragweite des französisch-russischen Wirtschaftsabkommens

cinb. Paris, 11. Januar.

und abgegrenzt. Die französischen Firmen und Staatsangehörigen genießen auf Grund des Han­delsvertrages bei Ausübung ihrer Tätigkeit in Sowjetrußland die Meistbegünstigungsbehand­lung.

Und England?

Der Einspruch gegen die Herabsetzung der fran­zösischen Einfuhrkontingente

cknb. Par»s, 11. Januar

Der Handelsattachs der englischen Botschaft sprach am Mittwoch am Quai d'Orsay in der Kontingentierungsfrage vor. Die englische Re­gierung beschwert sich über die Herabsetzung der Einfuhrkontingente auf 25 v. H. Die franzö­sische Regierung sei, wie man in gut unterrich­teten Kreisen betont, durchaus bereit, weitest-

GPD.-KukS hochverräterisch

Eine Entscheidung des Reichsgerichts

Leipzig, 11. Januar

Im Rahmen des Abwehrkampfes gegen die ausländische Greuelpropaganda hat das Reichs­gericht am Donnerstag eine wichtige, grundsätz­liche Entscheidung gefällt. Aus Anlaß des Straf­verfahrens gegen einen tschechoslowakischen Händ­ler aus Hof in Bayern, der'mehrere Exemplare der Miniaturausgabe der in Karlsbad erschei­nenden üblen Hetz- und Wochenschrift „Der Neue Vorwärts" eingeschmuggelt und hier verteilt hatte, wurde vom höchsten deutschen Gericht nun auch der neue, von politischen Flüchtlingen im Ausland bestimmte deutschfeindliche Kurs der SPD. als hochverräterisch erklärt. Außer­dem wurde bei dem Angeklagten ein Verstoß gegen die die Aufrechterhaltung des Zusammen­hanges unter den früheren Parteien verbietende Verordnung gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 angenommen und auf eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren erkannt.

gehendes Interesse zu zeigen. Man könne aber England keine Ausnahmestellung ein­räumen. Wenn England sich auf die restlose Wie­derherstellung der amerikanischen Kontingente berufe, so sei zu erwidern, daß die Vereinigtem Staaten Frankreich größtes Entgegenkommen in der Frage der Einfuhr französischer Weine be­wiesen hätten.

Auch Gchuldenverhanölung

cinb. Paris, 11. Januar.

In gut unterrichteten französischen Kreisen ver­lautet, dah im Anschlich an die Unterzeichnung des russisch-französischen Wirtschaftsabkommens in allernächster Zyit Verhandlungen über die Rege­lung der russischen Schulden gegenüber Frankreich aufgenommen werden sollen.

Der Vorsitzende betonte in seiner Urteilsbe­gründung, dah sich nun auch die SPD durch ihre im Ausland betriebene Greuelhetze in die Front der staatsfeindlichen marxistischen Parteien ein­gereiht habe mit dem eindeutigen Ziel des ge­waltsamen Umsturzes der Hitler-Regierung.

Nach der Machtübernahme durch die National­sozialisten habe der frühere legale Kurs der Par­tei eine völlige Aenderung erfahren und sei nun zur unverhüllten Illegalität übergegangen. Die Parteileitung habe sich, wie sich aus ihren Kampfschriften ergebe, auf neue revolutionäre Methoden umgestellt und versuche nun, durch hoch­verräterische Umtriebe von jenseits der Reichs- grsnzen, das Ansehen des Reiches zu schädigen.

Litauisches Dementi

ävb. Kowno, 11. Januar.

Die litauische Telegrafenagentur erklärt nach­drücklich, daß die in Tilsit verbreiteten Gerüchte über neue Eewaltmaßnahmen in Memel, hie die Litauer in den nächsten Tagen auszuführen be­absichtigten, unbegründet seien.

Recht und Volk

Ein juristisches Nachwort zur Lubbe- Hinrichtung

Von Amtsgerichtsrat Hasper, Berlin-Pankow

Es ist harte, wohl die schärfste Kritik an dem Urteil von Leipzig geübt worden in der Feststellung, daß es ein Fehlurteil sei. Der Vorwurs ist schwer. Wer ihn erhebt, soll sich klar sein, worauf er ihn gründet und vor allem, gegen wen er ihn richtet.

Es erscheint wichtig, hierzu etwas zu sagen, nicht um des Prozesses an sich wegen, der ist ja nun beendet, auch nicht um des Urteils an sich wegen, dies haben die Richter zu verant­worten, die es fällten: aber um des Grund­sätzlichen willen, das dieser Prozeß offen­barte und das für die kommende Rechts- resorm an dem Kernpunkt rührt, an dem die Rechtsreform einsetzen muß.

Der Prozeß war — mitten in der größten Epoche deutscher Rechtsgeschichte — ein ge­radezu klassisches Schulbeispiel dafür, wie unser Recht, unser Gerichtsverfahren und unser Gericht volksfremd sind, ein Schul­beispiel dafür, wie im künftigen Recht ein Prozeß nicht geführt werden darf. Wenn wir volksnahes Recht schassen wollen, so müssen wir Hinaushören ins Volk, wie der Laie darüber denkt. Es ist eine Stimme ge­wesen im Volk während des Prozesses: wir verstehen diesen Prozeß nicht!

Und das, obwohl dieser Prozeß wohl wie selten einer jeden einzelnen gepackt hat, weil er fühlte, daß dieser Prozeß Weltgeschichte der Gegenwart war. Noch gibt es immer: hie Juristen — hie Volk. Das hat auch hier den Gegensatz zwischen Geschehen vor Gericht und Begreifen im Volk bestimmt. „Juristisch" war die Lage einfach: Beweiswürdigung ge­gen Torgler. Indizienbeweis. Grundsatz: Dem Angeklagten muß seine Schuld bewiesen wer- ' den. Er braucht nicht seine Nichtschuld zu beweisen. In ciubio pro reo. Bei geringstem Zweifel an der Vollständigkeit des Indizien­beweises: Freisprach.

Das war Inbegriff der bisherigen Schulung des Juristen. Logischer Gedankenprozeß des juristischen Begriffes, Glied an Glied. So haben die Richter des Reichsgerichts geurteilt.

Der Fehler lag im System. Der Fehler liegt darin, daß alles „juristisch" gesehen wird. Wäre „juristisch" gleich rechtlich, dann wäre es richtig. „Juristisch" denken hieß aber bisher: Sich einspannen in ein logisches Begriffsystem, in ein mathematisches Rechen­exempel. Das aber entspricht nicht dem viel­seitigen Leben, und deshalb nicht den An­schauungen derer, die lebendiges wirkliches Leben leben.

Jeder Prozeß, gleich ob Zivil- oder Straf­prozeß, ob vor dem kleinsten Amtsgericht oder vor dem Forum der Welt, ist ein Le­bensvorgang, über den der Richter nur dann richtig urteilt, wenn er ihn in den Zu­sammenhang des Lebens stellt, in dem er entstanden ist. So muß das Verfahren fern. Das Ergebnis muß und darf nichts an­deres sein als das Urteil jedes gereiften ge­sunden Menschenverstandes, also so, wie ein gereift, gerecht und natürlich denkender Laie ' diesen Zusammenhang beurteilen würde.

Kunst und Kultur im

U8L. Das Thema auch nur blitzartig beleuchten zu wollen, heißt schon: dieses alte Erenzland deutschen Schaffens an seinem augenblicklich wundesten Punkt schmerzlich treffen. Im Kunst­leben kann man eine geradezu hundertprozentige Verjudung beobachten, ein Ueberwuchern des Fremdrassigen, wie man es im Deutschen Reich selbst im alten System nie und nirgends kannte.

Ein Blick in den Konzertspiegel dieser Tage beweist die vollständige Besitzergrei­fung des österreichischen Konzert­wesens durch die Juden. Josef Schmidt, Tauber, Rosenthal, Rqpaport, Rose, Morini, Cahier, Horowitz und Kohn werden von einer selbstverständlich jüdischen Konzertagentur dem Wiener Publikum serviert. Auch nicht ein ein­ziger Arier unterbricht diesen Reigen.

Einen Gipfelpunkt jüdischer Geschäftigkeit leistete sich der aus 30 jüdischen Flüchtlingen bestehende Chor „Hanigun", der zu seinem Erstauftreten die herrlichsten Kritiken zu Reklamezwecken selbst mit­brachte. Jüdische Musikstudierende gründeten ein Orchester, um den geflüchteten Greuelopfern Zemlinsky, Schönberg, Bruno Walter, Klemperer und wie sie alle heißen. Betätigungsmöglichkeiten zu geben. Dem Nationalsozialisten Generalmusik­direktor Professor Leopold Reichwein aber ent­zieht man die Jugendkonzerte des Unterrichts­ministeriums und überträgt sie einem Kapell­meister, der sich bester auf „vaterländische" Ge­sinnung versteht als auf Musik. Die Behörde ver­bietet auch den Kampfbund für Deutsche Kultur, obwohl er sich nie eine andere Aufgabe stellte als die im Titel enthaltene

Die Tendenz, zugunsten von Ausländern, Fremd­rassigen und Flüchtlingen das bodenständige Kunst- leben auszuschalten Äer zurückzudrängen, treibt

heutigen Oesterreich

auch in der Staatsoper die seltsamsten Blüten. Dort sind von fünf Dirigenten vier und von fünf Korrepetitoren vier Juden. Neben dem jüdischen Regisseur Dr. Wallerstein verpflichtete man nun auch eine jüdische Vallettmeisterin.

Auch bei den Sprechbühnen Wiens herrscht vollständig jüdischer Kurs. Allen voran marschiert Max Reinhardt, der in seiner Überheblichkeit jagar Goethe prostituierte und Max Pallenberg den Mephisto als braven Soldaten Schweik spielen ließ. In das Kapitel Reinhardt fallen auch die Salzburg er Fest spiele, die im völligen Verkennen des tieferen, also boden­ständigen Festspiclcharakters und in Außeracht­lassung der typisch salzburgischen Eigenart zu einem Sommer-Stelldichein der Juden­welt herabgewürdigt wurden.

Ursprünglich der Pflege des deutschen Volks­stückes geweiht, vergaß nun auch das „Deutsche Vnlksiheater" seine PUicht und schwenkte in die marxistisch-jüdischen Fahrwasser ab. In der „Scala" beschäftigt der Jude Dr. Beer seine Schüler und alten Freunde aus Berlin. Neben diesen und neck anderen jüdischen Bühnen gibt es auch ein „Hebräisches Theater". Auch eine „Oester­reichische Volksbühne wurde ins Leben gerufen. Sie unterscheidet sich unwesentlich von der er­wähnten „Hebräischen Bühne" und bringt wie jene ausnahmslos jüdische Mitwir­kende: Olga Fuchs, Karla Stein, Rudi Weiß, Egon Kurz, Namen, die wahrlich berufen sind, österreichische Volkskunst zu pflegen!

In Wien, in dem deutsche Künstler hungern und verfolgt werden, bildet sich ein „Verein zur För­derung jüdischer Künstler". Im Aufruf dieses Vereins, der die ganze Unverschämtheit jüdischen Treibens im Dollfuß - Oesterreich widerspiegelt,

heißt es: Eine auserlesene Zahl jüdischer Künstler, die in Deutschland unter den nichtigsten Ver­wänden verfemt und geächtet wurden, sind ihren Verfolgern entkommen und zu uns nach Wien geflüchtet. Diese edlen Menschen, Bühnenkünstler allerersten Ranges, gehen nun daran, in Wien ein neues Theater zu schaffen, eine Pflegestätte geisterhebender Kunst ins Leben zu rufen. Wir müssen nun dartun, daß unser Oesterreich ein Kulturstaat ist und Menschen dieser Größe nicht oem Verderben preisgibt. Es ergeht daher auch an Sie der dringende Appell, dieses Werk nach Kräften zu unterstützen. Das Komitee: Dr. David Feuchtwang, Dr. Moritz Bach, Dr. Sigmund Freund, Dr. David Rotblum, Dr. Samuel Kraus, Moritz Pick, Benno Wünsch." Diese Herren be­weisen, in wessen Hände Herr Dollfuß die Kunst und Kultur Oesterreichs legt.

Wien wurde das große Flüchtlingslager der Hebräer. Sie und die Regierung Dollfuß stützen einander, helfen einander aus. Das deutsche Volk in Oesterreich aber fühlt das Ungesunde und Un­haltbare dieser Situation. Es sieht die Wasser­triebe, die eine totgeweihte Giftpflanze vor ihrem Sterben hochschießen läßt aus dem Sumpf der herrschenden Verhältniße, über dem eine Stickluft liegt und das fahle Licht der autoritären Regie­rung mit ihren dunklen Nebensonnen, den Juden Mandl, Lederer, Dr. Hecht und Dr. Fuchs.

Noch schlimmer liegt das Kunstleben in der Provinz darnieder. Die Unterstützungen durch den Staat bleiben aus. Die „Urania"- Zweigstellen brechen zusammen. Sie waren die letzten, die versuchten, deutsche Volksbildung zu fördern. Fortsetzung und Ausbau dieser Be­strebungen wäre Pflicht des Rundfunks ge­wesen. Er aber nahm nicht Notiz von seiner hohen Aufgabe, sondern wurde vielmehr in der Haupt­sache ein Dorodo für Protottionskinder der ver­schiedenen Parteien und Persönlichkeiten. Kürzlich sandte Radio-Wien einen modernen Abend der

Musikbolschewiken Webern und Alban Berg. Als Aufführende verpflichtete die Musikdirektion der „Ravag" 6 Juden und eine tschechische Sängerin. Die Veranstaltung charakterisiert die enge Ver­bindung von Schwarz und Rot so sehr, daß es überflüssig ist, näher darauf einzugehen. Um aber auch die letzte kritische Stimme zum Schweigen zu bringen, hat der Herr Bundeskanzler jetzt auch das Verbot des „Deutschen Funkhörerbundes" verfügt.

Im engen Zusammenhang mit der „Ravag" steht die Filmgesellschaft „Selenophon", ein halb privates Unternehmen des Generalmusikdirektors vom Rundfunk. Nichtsdestoweniger wurde die „Selenophon" mit den S t a a t s g e ld e r n der „Ravag" gestützt. Als Lohn, daß die Sozialdemo- kraten zu diesen nicht ganz sauberen Aktionen der Schwarzen schwiegen, drehten die Schwarzen für die Roten die Wahlfilme. Heute steht diese dilettantische Filmerzeugung im „vater­ländischen" Dienste.

Die deutschösterreichische Künstler- schaft aber ringt mit den Sorgen um das tägliche Brot. Nicht ein Mangel an Begabungen, ein Ver­siegen des österreichischen Talentes trägt Schuld an dem Rückgänge der Kunst in Deutschösterreich, sondern das System der Wiener Regierung, die dieKunst an die Juden verriet.

Diestaatliche Musikakademie galt in der Vorkriegszeit als bedeutendste Anstalt dieser Art, als Inbegriff künstlerischer Vollendung. Nun sank sie, gleich der zweiten großen Musiklehranstalt Oesterreichs, dem Neuen Wiener Konservatorium, zur jüdischen Hochburg im Musikleben Wiens herab. Am letzteren unterrichten fast sämtliche mdischen Musikkritiker, wodurch ein besonders geeigneter Boden für alle möglichen Verbindungen und Protektionen, natürlich nur für Juden, ge­geben erscheint.

Deutschöfterreich, dessen kultureller und künst­lerischer Platz an einer der ersten Stellen in der deutschen Nation stand und wieder stehen wird das Oesterreich eines Haydn, Mozart, Schubert und Johann Strauß, das tönendeWunder- land des deutschen Volkes, das die beste Oper, die bedeutendste Mustkakademie besaß, dessen Maler in aller Welt geschätzt wurden und dessen Geschmack vorbildlich war und tonangebend liegt in Fesseln. Ist es nicht brutale, feige Ee- walt, wenn man Künstlern, nur weil sie deutsch suhlen, ihre Tätigkeit unterbinden und ihnen von hinten herum ihre Existenz untergraben läßt, ihnen gleichzeitig die Ausreise verweigert, sie also ruinieren und aushungern will?

begrenzten Sinne, die sich abschloß vom qroßi Brudervolk des Reiches, sondern immer nur e ge>amtdeutsches Denken. Schubert schrieb sei, Musik zur „Schönen Müllerin" und zu sein ,Winterreise" nach Gedichten eines Berlin Dichters. Er blieb Wiener und sein Dicht Müller Berliner. Und doch waren bei! Deutsche, die sich in einer gemeinsamen Idee weit fanden.

Goethe schuf keine oxts- und landbedingte Weimarsche Kunst, sondern eine deutsche. Wagner ist kein sächsischer, kein bayerischer, sondern ein deutscher Nationalheros. Und wie die Symphonien Vruckners, die Lieder Wolfs nichts österreichischer Alleinbesitz für St. Florian oder Windischgrütz 'andern gesamtdeutsches Kunstgut sind, so ist Dürer keine Nürnberger, Brahms keine Hamburger, Beethoven keine Bonner Lokalgröße. Sie alle sind Deutsche. Brahms zog auch nicht nach Wien, um hier Hamburger Musil zu schreiben, sondern deutsche Musik Andreas Hofer starb nicht für Meran und Umgebung, sondern für die große deutsche Idee.