Nr. 248 Jahrgang 1933
Vremen. Freitag, den 15. September 1933 EinreSpeers 15 Wg.
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Unsere
Der amerikanische Wenn das Wiederaufblühen Wirtschaftsaufbau einer Wirtschaft allein von wirksamer Propaganda ab- hinge, dann müßte Amerika mit dem gestrigen Tage die Depression überwunden haben und in ein neues Stadium der „Prosperith" eingetreten sein.
Obwohl dieser von jchem Amerikaner sehnlichst herbeigewünschte Zustand vorläufig noch mehr Wunschtraum als Wirklichkeit ist, wird man aber die Reichhaltigkeit der Wirkung der von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten ins Leben gerufenen Propaganda nicht unterschätzen dürfen. Noch immer hat der Amerikaner, ein als Mensch zutiefst optimistisch eingestellter Staatsbürger, siegessicheren Parolen bereitwilliger Gefolgschaft geleistet, als sein Ohr einem das Leben tötenden Pessimismus hinzugeben. Ohne Zweifel ist es Amerika unter seiner neuen Führung neben dem nationalsozialistischen Deutschland auch am stärksten gelungen!' in die starre Front der Not eine Bresche zu schlagen. Noch hat aber Roosevelt viele der sich ihm entgegenstellenden Widerstände nicht überwunden, deswegen ist es für ihn von ausschlaggebender Bedeutung, daß die Welle der Begeisterung für sein Aktionsprogramm, die das ganze Land durchzieht, immer neu genährt wird, um so schließlich zu „barer Münze" geschlagen zu werden.
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Frankreichs In Le Havre ist ein
Aufrüstung neues französisches
Großflugboot vom Stapel gelaufen, das in den Dienst der Militärluftfahrt gestellt werden soll. Es handelt sich um einen Doppeldecker, der mit mehreren Maschinengewehren ausgerüstet ist und 14 Tonnen wiegt. Der Apparat soll als „Aufklärungsflugzeug" dienen.
Nun fängt man in Frankreich gar schon an, schwermotorige und schwerbewaffnete Flugzeuge zu bauen, wahrscheinlich, um die übrige Welt über die durchaus friedlichen Absichten aufzuklären. Auf solche Aufklärungen können wir ruhig verzichten. Wir wissen schon längst, daß unser friedlicher Nachbar in einem nur noch hysterisch zu bezeichnenden Verfolgungswahn rüstet, rüstet und noch einmal rüstet. Neue Abrüstungsverhandlungen stehen der Welt bevor. Jeder, der an ihnen teilnimmt, weiß, daß er in die Luft redet. Wozu also immer wieder diese Komödie.
Die deuMe Absrdrmng Mr Geck
Berlin, 14. Sept.
Das Kabinett hat den Reichsminister des Auswärtigen, Freiherrn von Neurath, mit der Führung der deutsche Abordnung für die bevorstehende Vollversammlung des Völkerbundes in Gens beauftragt. Als Delegierte werden neben dem Reichsauszcnminister der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, sowie der ständige deutsche Vertreter im Völkerbundsrat, Gesandter Dr. von Keller, treten. Zu Ersatzdelegierten sind Ministerialdirektor Dr. Gaus, Staatssekretär a. D. Freiherr vpn Rheinbaben und der Deutsche Gesandte in Bern, Freiherr von Weizäcker, bestimmt. Die Abordnung werden ferner verschiedene Beamte des Auswärtigen Amtes und anderer Ministerien begleiten.
Beisetzung der vemmMMen SA-Männer
Bochum, 14. Sept.
Einen würdigen Heimgang bereitete die Stadt Bochum und die NSDAP ihren toten Kameraden der SA.-Standarte 17. Alle öffentlichen Gebäude und fast alle Privathäuser hatten halbmast geflaggt. In der in einen Lorbeerhain umgewandelten Turnhalle des Lyzeums versammelten sich in der Mittagsstunde die Führer der SA und die zahlreichen Ehrengäste, sowie die Angehörigen der Toten mit der Geistlichkeit beider Konfessionen, während von allen Türmen der Stadt die Glocken läuteten. Die Reichsregierung hatte den Präsidenten des Landesfinanzamtes Münster als Vre- treter entsandt. Erschienen waren ferner der Oberpräsident von Westfalen, Freiherr von Lii- ninck, de» Regierungspräsident von Arnsberg, Freiherr von Stockhausen, der Oberbürgermeister von Bochum Dr. Piclum, der Oberbrügermeister von Solingen, Dr. Otto, die Oberbürgermeister der benachbarten Städte, als Vertreter des Kronprinzen Oberleutnant von Einem, Sraatsrat Gauleiter Wagner und zahlreiche Vertreter der NSDAP, sowie die Führer der einzelnen Organisationen. ,
Nach Ansprachen der Geistlichen wurden die zehn Särge mit der Hakenkreuzfahne und Blumen geschmückt zum nahegelegenen Ehrenmal getragen, wo die Särge aufgebahrt wurden. In geschlossenen Formationen begann hierauf der Vorbeimarsch der Standarte 17. Zu beiden Seiten der Straße, durch die der Trauerzug seinen Weg nahm, bildete SA, SS, Hitler-Jugend und Stahlhelm Spalier. Eine ungeheure Menschenmenge erwartete den Leichenzug, der sich gegen 3,30 Uhr zum Friedhof in Bewegung setzte.
Die Londoner Hornodre
Die „UntersuÄungskommisston" wegen des Reichstagsbrandes zusammengetreten
Landesverräter als Kronzeugen
London, 14. September.
Die sogenannte internationale juristisch« „Untersuchungskommission" über den Reichstagsbrand hat am Donnerstag ihre „Verhandlung" über den Brand im Gerichtsraum der Law Society begonnen. Große Vorsicht war angewendet worden, damit niemand ohne Einlaßkarten den Raum betreten konnte. In der Mitte einer langen Reihe von „Richtern" saß der englische Advokat Pritt, der zum Vorsitzenden der Kommission ernannt worden war. Anwesend war u. a. der englische Arbeiterführer Lansbury; natürlich fehlten auch nicht der englisch-indische Kommunistenführer Saklatvala und der sozialistische Schriftsteller Wells.
Interessant war, daß der Vorsitzende Pritt die Photographen bat, keine Lichtbilder von den versammelten „Zeugen" zu machen. Der Generalanwalt der letzten Arbeiterregierung, das Unterhausmitglied Rechtsanwalt Sir Stafford Cripps fungierte als „Berichterstatter" und bemühte sich, die „Notwendigkeit" des Londoner Ausschusses darzulegen, wobei er sich der gleichen Argumente bediente, mit denen die jüdisch-marxistische Presse die Greuelpropaganda bestreitet.
Eine große Enttäuschung mußte Cripps den Befürwortern dieser seltsamen Verhandlung mit der Mitteilung bereiten, daß drei der ursprünglichen Mitglieder der Kommission es vorgezogen haben, nicht zu erscheinen. Es sind dies der frühere italienische Minister Nitti, der französische Advokat Wasserte und der Schweizer Dr. Huber.
Daß die „Untersuchungskommission" übrigens keineswegs die Absicht Hat, im Lichte der Öffentlichkeit zu arbeiten, ging aus einer Mitteilung des Sekretärs der Kommission, Lawson, hervor, der bekannt gab, daß „jeder öffentlichen Sitzung eine private Sitzung vorhergehen soll, bei der das Material, das öffentlich im Laufe jedes Tages geprüft werden soll, behandelt werde.
Ein Mißgeschick gab es dann gleich zu Beginn der „Verhandlung", als man nämlich entdeckte, daß der Dolmetscher, der das amtliche deutsche Pressekommuniquö über den
Brand auf englisch vorlesen sollte, nirgends zu finden war.
Als Zeuge wurde zunächst Dr. Hertz, einer der vielen „konfessionslosen" früheren sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten gehört, der eine ausführliche Beschreibung des Reichstagsgebäudes lieferte. Der Ausschuß beabsichtigt, bis zum Dienstag mit seiner Tätigkeit fertig zu werden. Diese Beschleunigung erfolgt zu dem Zweck, schon vor Beginn des Leipziger Prozesses mit einem „Ergebnis" aufwarten zu können.
Der nächste „Zeuge" war der ehemalige Polizeipräsident Grzesinski, der sich stundenlang über den Preußischen Pressedienst verbreitete, von dem die erste amtliche Mitteilung über den Brand ausgegangen war. Die Zuhörer hatten den Eindruck, daß Grzesinski von den eigentlichen Vorgängen keine Ahnung hatte. Am Abend war eine sichtliche Enttäuschung bei denjenigen Besuchern bemerkbar, die sich ein für die deutsche Regierung ungünstiges Ergebnis versprochen hatten. Objektive Beobachter äußerten sich schon dahin, daß die bisherigen „Verstand lungen" dieses „Untersuchungsausschusses" sehr für die Wahrscheinlichkeit sprächen daß die Kommunisten tatsächlich die Brandstifter seien.
Das Interesse des Publikums ist gleich Null. Die Zeitungen allerdings veröffentlichen längere Berichte. In dem ziemlich kleinen Saale drängen sich über hundert Menschen zusammen, fast alles Juden, Man sah außer einigen deutschen und englischen Pressevertretern kaum einen Christen. Anf der Straße vor dem Eingang zum Haus der englischen Rechtsgesellschaft stand :insam uckd verlassen ein Zeitungsverkäufer, der die letzte Nummer des „New Leader", des Organs der englischen unabhängigen Arbeiterpartei zum Verkauf anbot, ferner einige Schutzleute, die sich sichtlich langweilten.
DerrtsOee Schritt in London
London, 14. September
Die Eröffnung des sogenannten „internationalen Gerichtshofes über den Reichstags
brand" ist von einem diplomatischen Schritt der deutschen Reichsregierung be- gleitet gewesen. Sie hat durch ihren Geschäftsträger in London bei dem englischen Autzenministerium angefragt, ob die Verhandlungen, die in den Räumen der englischen Rechtsgesellschaft stattfinden, irgendwie einen amtlichen Anstrich haben. Die Nachfrage wurde mündlich gemacht. Bom englischen Autzenministerium wurde daraus die Versicherung abgegeben, datz keinerlei amtliche Beziehungen zu den zurzeit in London stattfindenden Verhandlungen bestünden.
Auch der englische Iuristenbund lätzt erklären, datz er mit den Verhandlungen nichts zu tun habe. Der Raum, in dem die Verhandlungen stattfinden, sei „in der üblichen Art von dem internationalen Ausschutz gemietet"' morden.
Die „Verhandlungen" wurden durch eine „Eröffnungsrede" des englischen marxistischen Rechtsanwalts Sir Stafford Cripps eingeleitet. Er versuchte zu begründen, datz die „Atmosphäre" in Deutschland es den Zeugen, die dem jetzigen Regime in Deutschland feindlich gesonnen seien, unmöglich mache, nach Deutschland zu gehen. Mit dieser Behauptung versüße er die Einsetzung des „Ausschusses" autzerhalb Deutschlands zu rechtfertigen. Die Verhandlungen tragen in vollstem Sinne des Wortes einen rein politischen Charakter.
Dazu verlautet, datz die englische Regierung auf Veranlassung des Berliner Auswärtigen Amts darauf hingewiesen wurde, datz die Abhaltung derartiger Veranstaltungen mit Duldung der englischen Regierung auch eine gewisse Verantwortung der Regierung in sich schließe. Gegenüber diesem von dem deutschen Geschäftsträger zur Sprache gebrachten Gesichtspunkt wies das britische Auswärtige Amt auf die Tatsache hin, daß der englischen Regierung keine Handhabe durch die Gesetzgebung dafür gegeben sei, private Veranstaltungen dieser Art zu beeinflussen oder zu unterdrücken.
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abgehalten werden
Berlin, 13. September.
Im Sportpalast fand am Mittwoch abend die Mitgliederversammlung des Gaues Berlin der NSDAP statt, auf der Reichsminister Dr. Goebbels das Wort ergriff. Der stellvertretende Gauleiter Görlitzer gedachte in der Eröffnungsansprache der Leiden Toten Reinhold Muchow und seines Adjutanten Mähling, die aus so tragische Weise ums Leben gekommen sind.
Sodann hielt Reichsminister Dr. Goebbels eine wiederholt von Beifallsstürmen unterbrochene Rede. Er gab einen Rückblick auf die bisherigen Taten und Leistungen der Regierung, wobei er hervorhob, daß die Einigung, die in Deutschland vollzogen wurde, noch bedeutungsvoller für unsere Zukunft sei als die Bismarck'sche Einigung, denn Bismarck einigte nur die Fürsten und die Länder, Hitler aber einigte das Volk. Das sei das Entscheidende; denn damit sei Deutschland wieder als Faktor in die große Weltpolitik eingeschaltet.
Von einer kommunistischen Gefahr könne heute ganz und gar nicht mehr gesprochen werden. Das seien Sektierer, die heute noch versuchen, im Lande Unfrieden zu stiften und auf Schreibmaschinen
Friedrichstadt, 14. Sept.
Reichsminister DarrS traf Donnerstag mittag in Begleitung des Staatssekretärs Willikens in Friedrichstadt ein. Obcrpräsident Lohse begrüßte den Reichsminister mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, datz das stets hart umkämpfte Schleswig - Holstein schon Jahre lang auf die Durchführung des Planes der Eiderabdämmung warte Es habe erst die nationalsozialistische Regierung und der Führer Adolf Hitler kommen müssen, um dieses große Werk zu vollenden.
Reichsminister Darre führte u. a. aus: Die nationalsozialistische Regierung hat in voller Würdigung der hier der Nation gestellten ver- antwortungsschweren Aufgabe einen der bedeu-
Flugblätter herzustellen, um damit die breiten Masten zu mobilisieren. Sie würden Mann für Mann und Schlag auf Schlag ihre verdiente Strafe erhalten. (Beifall.)
Nach einem Hinweis auf das große Winter- hilfswerk fuhr Dr. Goebbels dann fort:
Im Auftrage des Führers habe ich heute nachmittag für die gesamte Organisation die Anordnung herausgegeben, daß mit dem 1. Oktober ein größerer Propagandafeldzug der nationalsozialistischen Bewegung einsetzt. Jeder Redner ist aufgefordert, wenn er ein hohes Staatsamt bekleidet, in zwei Monaten 13, und wenn er kein Staatsamt bekleidet, in zwei Monaten 25 Termine sür Versammlungen zur Versügung zu stellen. Wir werden in zwei Monaten 15V 000 öffentliche Versammlungen abhalten. Wir werden wieder mit dem Volk die lebendige Verbindung aufnehmen. Der Führer wird, wie immer bei allen Gelegenheiten, so auch hier, sich an die Spitze der Versammlungskampagne stellen. (Beifall.)
Nachdem wir in den Regierungsgeschäften das Gröbste hinter uns haben, werden wir uns dann wieder mit voller Kraft unserer Bewegung widmen.
tungsvollsten Frontabschnitte der gewaltigen Arbeitsschlacht des deutschen Volkes in das meer- umwundene Schleswig-Holstein gelegt, um ein Werk zu beginnen, das sich würdig an die Meliorationstaten des großen Preußenkönigs Friedrich anschließen wird. Die über 100 Kilometer weit ins Land hinreichenden ständigen Ueberschrvem« münzen durch die Nordseesluten sollen künftig verhindert werden.
Im Wjnter und Frühjahr wurden 176 000 Morgen fruchtbaren Landes überflutet. Heute noch macht das ganze Gebiet den Eindruck einer öden Fläche. Aber bald wird unser unbeugsamer Wille hier die Möglichkeit einer blühenden Landwirtschaft schaffen. Ein hoher Damm soll
die ganze Eiderbucht gegen die Nordsee abdämmen, in seinem Schutze sollen neue Bauernhöfe und Dörfer erblühen und die beiden Landesteile Schleswig und Holstein noch fester ineinander gefügt werden. Wir hoffen, daß bis zum Jahre 1836 das Werk endgültig abgeschlossen sein wird. Die auf 6 bis 7 Millionen Mark veranschlagten KostSn werden vom preußischen Staat getragen, aber auch die Beteiligten selbst werden das ihrige dazu tun, durch Entwässerungsanlagen, Umbruch und Düngung ein fruchtbares Kulturland zu schaffen. Die Kosten dieser meliorationstechnischen Einrichtungen werden etwa 10 Millionen Mark erfordern. Schritt für Schritt wollen wir das Meer von unserer Küste zuückdrängen und die „pontinischen Sümpfe" der deutschen Nordmark entwässern und einen großen Teil unserer Heimat retten.
Reichsminister Darrä vollzog dann den ersten Spatenstich.
S»aMmg ein« „Evaim. Kirche Nied-rsE-n"?
Rendsburg, 14. September.
Aus der Tagung der Landessynode der Evange- lischen-Lutherischen Kirche Schleswig-Holsteins in Rendsburg gab der Präsident des Landeskirchen- amtes 0. Freiherr von Heintze eine Darstellung über den Aufbau der geplanten evangelischen Kirche Niedersachsens. Der Grundgedanke ist der, die Landeskirchen von Hannover, Schleswig-Holstein, Hamburg, beide Mecklenburg, Braunschweig, Oldenburg, Vremen, Eutin, Lübeck und Schaum- burg-Lippe zu vereinigen, und dadurch ein Gebiet von etwa 7 Millionen evangelischer Seelen zu umfassen. Die Verfassung dieser werdenden Kirche ist den Grundgedanken der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche nachgebildet. Das Führerprinzip ist in allen Instanzen durchgeführt.
Die Mecklenburg-Schwerinische Landessynode bestellte Pastor Schultz-Badendiek zum Landes- kirchenfllhrer, der zum Erlasse aller Anordnungen für den im Rahmen der Reichskirchenreform durchzuführenden Neubau der Mecklenburgischen Landeskirche ermächtigt wird.
Hitlers Richter Oberlandesgerichtspräsidcnt.
München, 14. Sept.
Bei der feierlichen Amtseinführung des neuen Präsidenten des Oberlandesgerichts München, Oberlandesgerichtspräsident Reit hardt, erinnerte der bayerische Justizminister Dr. Frank den neuen Präsidenten u. a. daran, daß er einmal Richter über den Führer war. „Sie waren ihm ein gerechter Richter. In Ihrem Richteramt zeigten und gewährleisteten Sie die menschliche Güte, obwohl Versuche ergangen sind, die Sie von dieser Objektivität Ihres Amtes wegziehen wollten."
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Zusammenfassung der bremischen Hasenwirt- schast aus der Basis nationalsozialistischer Grundsätze.
Oh» dem kommenden berufSstänbischen Ausbau vorgreifen zu wollen, hat der bremisch« Senat mit den tm folgenden ausführlich wiedergesehenen Ausführungen deS Herrn StaatSratS Dr. VSlckers einen tn mehr als einer Hinsicht grundlegenden Plan entwickelt, der unS geeignet erscheint, den tn den Wirren der NachkrtcgSzett etwas inS Wanken geratenen Namen deS „königlichen Kaufmanns" alter hanseatischer Prägung wieder voll herzustellen. Besonders begrüßenswert erscheint uns der Will« des SenatS, den tn manchen bremischen Wirtschaftskrisen auch heute immer noch herrschenden Kastengeist dadurch zu bekämpfen, daß man tn einer Organisation, die in der bremischen Wirtschaft von ausschlaggebender Bedeutung sein kann und wird, von vornherein die gleichwertige Vertretung weiter Arbeitnehmerkreise vorgesehen hat. Der Hafenarbeiter, der trotz des maßgeblichen Einflusses der Sozialdemokratie im alten Staat nie für würdig befunden wurde, über sein Geschick selbst mitzubestimmen, wird damit bom Staat selbst herangezogen werden, um bei den zu fällenden Entscheidungen beratend mitzuwirken.
Am gestrigen Tage hat in der Handelskammer eine Aussprache über die korporative Zusammenfassung oer bremischen Hafenwirischast statt- gefunden. Im Austrage des Herrn Senatskommissars für Häfen und Eisenbahnen berichtete Staatsrat Dr. Völkers über die Pläne, die zwischen den bremischen und hambur- gtschen Behörden über die Neuordnung in den Häfen in den letzten Wochen erörtert worden sind.' Staatsrat Dr. Bölkers führte u. a. aus:
Es entspricht nicht der Auffassung vom nationalsozialistischen Staate im einzelnen den Staatsbürger in geschäftlicher Hinsicht zu überwachen. Die Wirtschaft gedeiht nach nationalsozialistischer Auffassung am besten, wenn sie möglichst frei von behördlicher Bevormundung ist. Die Tätigkeit des Staates muß sich darauf beschränken, die Voraussetzungen zu schaffen sür eine Wirtschaft, die sich frei hält von Auswuchserscheinungen, wie wir sie leider in den letzten Jahren nur zu oft gesehen haben. — Zu diesen Voraussetzungen, die der nationalsozialistische Staat für die Wirtschaft schaffen will, gehört in erster Linie die Herstellung der Verantwortlichkeit, einer Verantwortlichkeit der einzelnen Firma, des einzelnen Kaufmanns, der Berufsvereinigung des Unternehmers wie des Arbeiters und des Angestellten. Diese Verantwortlichkeit zu stärken, die Vorbedingungen für sie zu schaffen, das ist in dieser Zeit des Umbruchs die vordringliche Aufgabe des Staates und seiner Behörden.
Auch im Hasenbetrtebe soll die Idee der Verantwortlichkeit des Persönlichkeitswertes und der Achtung vor dem'Volksgenossen an erster Stelle stehen.
Wohl mutz anerkannt werden, daß unser Hafen funktioniert und die Dienstleistungen, mögen sie vom Reeder, von der Lagerhaus- Gesellschaft, vom Spediteur, vom Schiffsmakler, vom Stauer, vom Hafenarbeiter getan werden, gut ineinandergreifen und daß erst diese Zusammenarbeit das ausmacht, was als Hafenbetrieb anzusprechen ist. Und trotzdem entspricht der Hafen noch nicht dem, was wir von ihm erwarten. Infolge der Entwicklung nack dem Kriege sind manche Erscheinungen im Hafenbetriebe zutage getreten, die wir alle bedauern. Die Not der Zeit. die ungeheuerliche wirtschaftliche Krise hat einen ungezügelten Konkurrenzkampf heraufbeschworen, den man nicht billigen kann. Dieser Konkurrenzkampf hat manche Gebräuche entstehen lassen, die nicht mehr den Sitten und der Art eines ehrbaren Kaufmannes entsprechen.
Vielleicht hat irgend jemand damit angefangen, es bei Deklarationen und Vermessungen nicht ganz so genau zu nehmen, wie es nach unserer Wirtschaftsauffassung notwendig ist. Irgend jemand mag im scharfen Konkurrenzkampf seine Rechnungen nicht so aufgestellt haben, wie es sich für den ehrbaren Kaufmann gehört. Aus solchen Ansängen werden sich Gebräuche erklären lassen, die der nationalsozialistischen Auffassung nicht entsprechen: Frisierte Rechnungen, Rückvergütungen, Unterbietungen der normalen Preise bis zur Unrentabilität oder gar Uebervor- teilung des Kunden durch Angab« höherer Gebühren, als gesetzlich vom Staate festgelegt.
Wir wollen Ihnen mit unseren Plänen helfen, alles das zu beseitigen, was nicht in das Geschäftsgebaren des ordentlichen Kaufmanns hmeingehört. Wir wollen dem Gewerbetreibenden und dem Arbeitnehmer im Hafen die Möglichkeit geben, selbst Ordnung zu schaffen und die Grundsätze der Wirtschaft durchzuführen, die der nationalsozialistische Staat überall verlangen muß.
Wir wollen einen Selbstverwaltungskörper schaffen, in dem sämtliche Berufe, Firmen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die sich im Hafen betätigen, zusammengeschlossen sind. Namen tun nichts zur Sache. Nennen Sie diese Einrichtung Ka- fenbetriebsverband, Hasenvereintgung, Ha-