Ausgabe 
(14.9.1933) Nr. 247
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 247 Jahrgang 1933

Verlag, Schriftleitung und Geschäftsstelle: Teeren 88. Sprechstwcken der SchrisUeitung: Montag bts Freitag 12 bis 13 Uhr. Fernsprecher: Roland Nr. 623328. Bankkonten: Die Sparkasse in Bremen, Commerz» u- Privatbank, Deutsche Antioquiabank. Postscheckkonto: Hamburg 747 38. Die BNZ. erscheint täglich morgens nur am Montag mittags, und kostet monaU. RM. 2.30 einschließt. Botenlohn, durch die Post bezogen erhöht sich üerPreisum42Rpf.Zustsllgeld. DerBezugspreisistimvoraus zu entrichten.

Vesmen. Donnerstag, den 14. September 1933 Einzelpreis 15 Vfg.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 8-18, auswärts RM. 0.17; :m Texttell RM. 0.75, auswärts RM. 1.; Stellengesuche RM- 0.06; Familienanzeigen, Stellenangebote und Wohnungsmarkt RM. 0-08; sonstige kleine'prwate Anzeigen bis zu 20 mm bet Vorauszahlung (ohne Rabatt) RM. 0.08. Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigen» schluß 16 Uhr. Bet Betriebsstörung, Streik, Verbot u- st w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf die Rückzahlung des Bezugspreises,

vueMrkalimEoriaWMe Zeiiimy

Das Amtliche Orsan des Senals der ^rererr Brernen^

Der Lampk ZeZen HunZer unil Xalte:

Deutschland a!S Bahnbrecher

aus sozialem Gebiet

Das Winterhilssweel eines geeinten Volles

Unsere

- « . »ud die der Ein südafrikanischer Grotz- AuSlandSdeutschen kaufmann, Deutscher, und

Direktor eines Handelsun» Vernehmens in Kapstadt, nahm Gelegenheit, mit einem Vertreter unseres Blattes zu sprechen. ^An die Greuelgeschichten glaubt bei uns kein Mensch", sagt er, ,/dazu sind wir durch die Ro» thermere-Hetze im Weltkrieg zu sehr abge­stumpft". Und zu der Weltjudenfrage konnte er uns ein Vorkommnis erzählen, das einer ge­wissen Komik nicht entbehrt: Auch in Südafrika habe sich der Unwillen laut gemacht gegen die Einwanderungswelle der lOlprozentigen Gall­ier. Nicht nur die eingesessene Holländer-, Eng- änder- und Deutschen-Bevölkerung habe sich aber gegen die Ueberschwemmung mit frischim­portierten Ostgaliziern gewehrt, sondern ausge­rechnet die angestammten" Juden in Südafrika selbst, die seit Jahrzehnten dort Handel trieben.

Noch haben die Deutschen in Uebersee keinen leichten Stand aber sie sind voll Vertrauens und wollen mit der Deutschenhetze schon fertig werden. Sie haben es schwer da draußen, denn sie müssen gegen einen Feind kämpfen, dem wir rm Inland seit 1918 gegenüberstanden. Dabei entbehren sie aber jener großen, vertrauenden Zuversicht, die uns immer und immer wieder stärkte, sie entbehren auch der Idee, die die alten Kämpfer gegen alle Angriffe stark machte. Es liegt an uns, unseren Brudern im fernen Afrika den schweren Kampf um Deutschlands Welt­geltung mit allen Mitteln, besonders mit denen großer Leistungen, zu erleichtern.

*

Der Schrei Die Konjunkturstimmung

nach dem Orden in den Reihen der gleichge­schalteten Spießbürger treibt die sonderbarsten Blüten! So kann man z. B. die Klage hören, daß die Redaktionen mit unzäh­ligen Anfragen bombardiert werden, ob nicht bald neue Orden eingeführt würden oder welche Dienststelle berechtigt sei, noch nachträglich Kriegsauszeichnungen zu verleihen. Nun wissen wir zwar zu genau, welche Schiebungen bei der Verteilung von Ehrenzeichen vorgekommen sind und welch böses Blut es bei den Grabenkämpfern gemacht hat, wenn irgend ein jüdischer Schieber, der in der sicheren Etappe das große Maul führte, die höchsten Auszeichnungen an seine stolz­geschwellte und wohlgemästete Brust geheftet be­kam, während an der Front der tapferste Offizier und Soldat, die stündlich dem Tod in die Augen blickten, oft monatelang warten mußten bis sie die symbolischen Ehrenzeichen in der Hand hielten. Wir danken es der Obersten SA-Füh- rung, daß sie gegen diesen Ordensrummel energisch Stellung genommen hat. Den wirk­lichen Frontsoldaten, der vier Jahre hindurch dem Toben der Materialschlacht die Stirne bot und nicht wie ein Jammerlappen a la Remarque in die Heimat zurückkehrte, lassen diese Mätzchen kalt. Auf ihn schauen wir Jungen, wenn er auch nur ein kleines, schon fast verblichenes Band im Knopfloch trägt, in Ehrfurcht und Bewunderung auf. Die Klempnerladen gleichgeschalteter Hei­matkrieger aber treiben uns die Schamröte ins Gesicht.

Die Reform des Das Reichskabinett hat Steuerwesens angesichts der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit auf eine grundlegende Neugestaltung der Bür­gersteuer für 1934 verzichtet. Im wesentlichen bleiben also die Bestimmungen die gleichen, doch sind einige erhebliche Neufestsetzungen er­folgt: Zunächst ist die allgemeine Steuerfrei­grenze um 20 Prozent erhöht worden; ebenso hat man die Grenze für Sozialrentner, die bisher 990 RM. betrug, der allgemein herauf­gesetzten Freigrenze angeglichen. Außerdem werden für das Kalenderjahr 1934 im Gegen­satz zu früher auch die nicht Wahlberechtigten, wie z. B. die Reichswehrangehörigen, zur Bürgersteuer herangezogen. Und schließlich gilt in Zukunft auch für die Länder, die bisher einen eigenen Landessatz für die Bürgersteuer festlegen konnten, nur noch der Reichssatz. Das sind die neuen Bestimmungen, die aber nur für das Jahr 1934 gelten, da man in abseh­barer Zeit in dieser Beziehung grundsätzliche Aenderungen vornehmen will. Jedenfalls lasten sich aber schon aus diesen kleinen Bestim­mungen die großen Richtlinien erkennen, un­ter denen die geplanten durchgreifenden Re­formen des Steuerwesens in Angriff genom­men werden sollen: Streben nach gerechtem sozialen Ausgleich und der gerade auf diesem Gebiet bitter notwendigen Vereinheitlichung.

Allgemeiner Streit in Kuba

London, 13. Sept. Unter dem Einfluß von russi­sche Agenten und der radikalen ABC-Organisation der Studenten hat sich in Kuba die Bewegung für einen allgemeinen Streik sehr verstärkt. Wäscherei­angestellte, Schneider, Mllchträger und Brauerei- arbeiter sind bereits in den Streik getreten. Die Bäcker und Bauarbeiter haben ebenfalls beschloßen, sofort in den Streik einzutreten. Unter den Indu­striearbeitern herrscht große Unruhe. Der neue Präsident hatte bereits die Absicht gehabt, zurück­zutreten und ist nur auf Bitten des Sergeanten Batist» geblieben.

Bettln, 13. September

Im sogenannten Thronsaal des Propagan­daministeriums wurde am Mittwoch in feier­lichster Form in Anwesenheit des Reichs­kanzlers, des Vizekanzlers und fast aller übrigen Mitglieder des Reichskabinetts, so­wie zahlreicher Landesminister, der Partei­führer und vieler Ehrengäste derAusschuß zum Kampf gegen Hunger und Kälte" kon­stituiert. Sofort nach dem Erscheinen des Führers, den die Versammlung mit erhobe­ner Rechte grüßte, eröffnet« der Reichsprefse- schef Funk die Kundgebung.

Reichspropagandaminister Dr. Goeb­bels ergriff dann das Wort zu einer mit stürmischen Beifall aufgenommenen Rede.

In einer Riesenkraftanstregung, führte Dr. Goebbels aus, sei es der Reichsregierung gelun­gen, die furchtbare Ziffer der Arbeitslosigkeit um über 2 Millionen zu senken. Man müsse jedoch da­mit rechnen, daß für den kommenden Winter noch weiterhin eine Millionenanzahl von Volksgenossen erwerbslos sei.

Die Regierung sei nicht gewillt, sie ihrem eige­nen Elend zu überlassen. Sie habe den Plan ge­faßt, in einem «och nie dagewesenen grandiosen Hilsswerk schützend an ihre Seite zn treten und ihnen die Ueberdauerung des Winters ohne allzu große Not möglich zu machen.

Dieses Winterhilfswerk sei keine private Für­sorge, sondern eine Aktion, die von der Regierung selbst geleitet und oom ganzen Volk getragen werde. Jeder einzelne Lolksgenossr sei mit dafür verantwortlich, daß sie gelingt. Niemand werde sich davon ausschließen dürfen. Was am 1. Mai zum ersten Male demonstrativ in Erscheinung trat, das werde hier in der Tat lebendig weiden:

Die Schranke«, die Bürger und Proletarier voneinander trenne», seien niedergerissen.

Die Regierung werde Vorsorge treffen, daß die­ses Winterhilfswerk mit den saubersten und an­ständigsten Verwaltungsmethoden durchgeführt werde, die überhaupt denkbar seien. Um den Not­leidenden auch äußerlich zu zeigen, daß die ganze Nation mit ihnen fühlt, soll in jedem Monat der erste Sonntag ihnen gewidmet sein. In großen Straßen- und Häusersammlungen würden die Mit­tel für diese Aktion herbeigeschafft werden.

Die Regierung richtet an die gesamte deutsche

Oessentlichkeit den Appell, an diesen Sonn­tagen mittags lediglich ein Eintopfgericht im

Preise von höchstens SO Pfennigen pro Person zu verzehren.

Ein gleiches solle auch in Gastwirtschaften und Hotels durchgesührt werden. Die dabei ersparten Gelder würden ohne Abzug in die große Hilfskasse hiueingegeben.

Der Reichsminister machte im weiteren Ver­laufe seiner Rede nähere Angaben über

die Organisation des Wiuterhilsswerks

Meine Herren! Viele Jahre haben wir im Innern gegen den Gedanken der internatio­nalen marxistischen Solidarität gekämpst. Wir haben in dieser vermeintlichen interna­tionalen Solidarität nur den Feind wirkli­cher nationaler Einstellung gesehen, ein Phantom, das den Menschen wegzog von der einzig vernünftigen Solidarität, die es geben kann: Von der Solidarität, die blutmäßig, ewig begründet ist. Wir sind uns aber auch immer klar darüber gewesen, daß man diese Vorstellung nicht beseitigen kann. ohne dre andere an ihre Stelle treten zu lassen. Daher mutz als Motto über dieser großen Hilfs­aktion das Wort stehen:Nationale Solidaritä t".

Wir haben die internationale marxistische Solidarität innerhalb unseres Volkes zer­brochen, um den Millionen deutscher Arbeiter eine andere, bessere Solidarität dafür zu geben. Es ist die Solidarität unseres eigenen Volkes, die unzertrennliche Verbundenheit nicht in glücklichen, sondern auch in schlim­men Tagen, die Verbundenheit nicht nur mit denjenigen, die vom Glück gesegnet sind, son­dern auch mit denjenigen, die vom Unglück verfolgt sind.

Wenn wir diesen Gedanken der nationalen Solidarität richtig anfassen, dann kann es nur ein Gedanke des Opfers sein, das heißt also, wenn der eine oder andere sagt, man würde dabei zu stark belastet werden, man müsse ja immer wieder geben, dann kann man nur erwidern:Das ist nun ein­mal der Sinn einer wirklichen nationalen Solidarität. Im Nehmen kann die wirkliche nationale Solidarität ihren Sinn nicht ha­ben."

Wenn ein Teil unseres Volkes durch Ver­hältnisse, an denen alle mit schuld sind, in Not geraten ist, und der andere, vom Schicksal davon ausgenommen, nur einen Teil der

im einzelnen und teilte mit, daß an der Spitze des Werkes die Reichsführung des Winterhilss- werks mit dem Sitz in Berlin steht. Bei ihr liegen die Aufgaben der Organisierung des Winterhilfs- werkes. Für das ganze Reich sind einheitliche Sammelsonntage vorgesehen. Für Eeldsammlun- gen sind mit den Angestellten- und Beamtenver­bänden Verhandlungen zwecks gestaffelter Abzüge zugunsten des Winterhilfswerkes aufzunehmen. Inhaber von Bank- und Postscheckkonten werden aufgefordert, monatlich einen bestimmten Betrag von ihrem Konto abbuchen zu lassen. Einen nicht unwesentlichen Ertrag für das Winterhilfswerk soll eine über das ganze Reich verbreitete SO-Pfg.» Straßen-Brieflotterie einbringen. Für Spender, die monatlich einen angemessenen Betrag zeichnen, ist eine kleine Plakette mit der AufschriftWir helfen" vorgesehen, die die Spender an ihren Wohnungstilren befestigen können und die sie von weiteren Sammlungen befreit. Bei den Straßen- und Haussammlungen gelangen besondere Ab­zeichen zur Ausgabe, Plaketten und Abzeichen ha­ben für jeden Monat eine bestimmte Farbe. Das gesammelte Bargeld soll grundsätzlich nur für den Einkauf von Lebensmitteln, Heizmaterial usw. verwendet werden. Masienspeisungen sollen nur für diejenigen veranstaltet werden, die keinen eigenen Herd haben.

Die Lebensmittelsammlungen auf dem Lande sollen möglichst in der Erntezeit durchgeführt wer­den. Die Sammlungen bei den Lebensmittelgroß­handlungen und bei den kleinen Geschäften kom­men in der Form-zur Durchführung, daß von den Geschäftsinhabern Menge und Art der zur Ver­fügung gestellten Waren in Sammellisten einge­tragen werden, die die Grundlage für die spätere Ausgabe von Bezugsscheinen bilden. In gleicher Weise soll bei der Brennstoff- und Kleiderbe­schaffung verfahren weiden.

Für die Spenden des Winterhilfswerkes ge­währt die Deutsche Reichsbahn Frachtfreiheit.

Ferner sind durch die örtlichen Ausschüsse des Winterhilfswerkes mit Theater-, Film- und Kon­zertbetrieben Vereinbarungen dahin getroffen, daß von diesen Betrieben in möglichst großem Um­fange Freikarten für die notleidende Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Ferner sollen Ver­gnügungsstätten den Reinertrag eines Abends ab­liefern. Als Gegenleistung dafür erfolgt die Be­kanntgabe dieser Vergnügungsstätten im Rund­funk.

Der Reichsmiurster teilt mit, daß die Reichs­regierung wie bisher ihre repräsentative» Pflich­ten aus das allergeringste Mindestmaß einschrän­ke« werde, und schloß mit den Worten:Einer tritt für alle «in und alle sllr Einen!" Das Volk wird eine Not- und Brotgemeinschaft sein und das Wort, das wir im Kamps um die Macht zu unserer Parole erhoben haben, soll nun, da wir im Besitz der Macht sind, beglückende Wirklichkeit werden: Gemeinnutz geht vor Eigennutz!"

Not freiwillig auf sich zu nehmen bereit ist, dann sagen wir:

Es soll mit Absicht einem Teil unseres Vol­kes eine gewisse Not mit aufgebürdet wer­den, damit er dadurch hilft, die Not des an-

Berlin, 13. September.

Der Mord an den Polizeihauptleuten Anlauf und Lenk, der am Sonntag, 9. August 1931, auf dem damaligen Bülowplatz von Kommunisten be­gangen wurde, ist jetzt von der Kriminalpolizei in enger Zusammenarbeit mit der SA restlos auf­geklärt worden. Diese Vluttat, die keine Einzel- aktion fanatischer Mitglieder darstellte, sondern von der obersten Parteileitung planmäßig vor­bereitet und durchgeführt worden ist, ist zur Zeit Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung, die gegen insgesamt 21 Kommunisten wegen gemein­schaftlichen Mordes geführt wird. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, daß die früheren Reichstagsabgeordneten der KPD Heinz Neu­mann und Hans Kippenberger für die Mordtat verantwortlich sind. Sie und neun an der Mordtat direkt oder indirekt beteiligte Kommu­nisten sind geflohen und werden von der Krimi- -nalpolizei noch gesucht. Für Mitteilungen aus dem Publikum, die zu einer Festnahme der Ge­suchten führen, ist eine Eesamtbelohnung von 4000 RM. ausgesetzt. Außer um Neumann und Kippenberger handelt es sich um Frau Kippen-

deren Teiles erträglicher zu gestalten. Je größer die Bereitwilligkeit ist, ein solches Opfer aus sich zu nehmen, um so schneller witt> man die Not der andern Seite dadurch min­dern. Jeder mutz verstehen, daß fein Geben überhaupt nur dann im Sinne der Herstel­lung einer wirklichen Volksgemeinschaft einen Wert hat, wenn dieses Geben für ihn ein Opfer bedeutet.

Nur so kann man letzten Endes diese Kö­tzer« Solidarität aufbauen, zu der wir Hin- streben müssen, wenn wir die andere über­winden wollen. Wenn das ganze Volk rich­tig erfaßt hat, daß diese Maßnahmen für jeden ein Opfer bedeuten müssen, dann wird aus diesen Maßnahmen heraus nicht nur eine Mil­derung, sondern es wird nochetwas viel Gewal­tigeres herauskommen, es wird daraus die Ueberzeugung wachsen, daß die Volksge­meinschaft nicht ein leerer Begriff ist, son­dern daß sie wirklich ein lebendiger ist.

Wir benötigen in dem schweren Kampf der Nation diese Gemeinschaft mehr denn je. Wenn Deutschland vom Glück gesegnet wäre, dann könnte man vielleicht ihre Bedeutung etwas geringer einschätzen, da wir aber schwere Zeiten zu ertragen haben, müssen wir uns darüber klar fern, daß wir sie nur dann überwinden können, wenn unser Volk wie ein einziger Stahlblock zusammenhält. Das werden wir nur dann erreichen können, wenn die Millionenmassen, die nicht vom Glück, gesegnet sind, das Gefühl bekommen, daß die vom Glück mehr Begünstigten mit ihnen fühlen und bereit sind, freiwillig ein Opfer auf sich zu nehmen, um damit vor aller Welt die unzertrennliche Verbundenheit un­seres Volkes zu dokumentieren.

Was das deutsch« Volk dadurch an Opfern bringt, das wird, dessen kann jeder überzeugt sein, mft Zins und Zinseszlns unserem Volk aus diesem Wege zurückerstattet werden. Denn was sind alle materiellen Opfer, die man freiwillig bringt, gegenüber dem größ­ten Geschenk, nämlich dem Geschenk,

ein gemeinsames, einheitliches Volk zu sein,

das sich als zusammengehörig fühlt und be­reit ist, seinen irdischen Schicksalsweg auch gemeinsam anzutreten und gemeinsam durch­zukämpfen.

Der Segen, der aus dieser Gemeinsamkeit, aus dieser nationalen Solidarität kommt, ist viel gewaltiger und viel wichtiger, als das Opfer, das der einzige Mensch nun dafür bringt. Diese große Aktion gegen Hunger und Kälte muß unter dem Motto stehen: Die internationale Solidarität des Proletariates haben wir zerbrochen. Davon wollen wir aufbauen die lebendige nationale Solidarität des deutschen Volkes.

Wie ein Gelöbnis klang das vom Reichs­presseschef auf den Kanzler und das deutsche Volk ausgebrachte Heil, dem spontan das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied folg­

berger und die Kommunisten Walter Ulbricht, Erich Mielke, Wilhelm Peschke, Wilhelm Becker, Herbert Dobersolzki, Eerhart Wallitschka und Paul Kühne.

Reichsdeutsche

aus demSaarsebier ausgewiesen

Saarbrücken, 13. September.

Die Regicrungskommission hat den Proku­risten Nebel und den Monteur Merk er in Saarbrücken, beides Reichsdeutsche, wegen angeblicher Tätigkeit für die NSBO. aus dem Saargcbiet ausgewiesen. Beide bestreiten entschieden, nach dem Ver­bot der NSBO. für diese tätig gewesen zu sein.

Merker, der seit etwa zehn Jahren im Saargebiet ansässig ist, hat gegen seine Aus- weisung Beschwerde eingelegt. Er wurde je­doch gezwungen, sofort das Saargebiet mit seiner Familie zu verlassen.

I>Iorweßiscke Zersplitterung

sVon »»»«r«» »oeckeak«» 0.-ll.-ö4ttseixii»r) OSIo, den 11. September lS38

Seit daS norwegische Volk im Jahre 1993 sich von der Union mit Schweden lossagte, tst eS nie wieder politisch einig gewesen. Auch annähernd nicht, und die Zersplitterung schreitet immer weiter sott. Aus den drei großen Parteien, der Rechten, der Linken und der Arbeiterpartei, find sechs geworden, die mitreden dürfen und noch mehrere, die ohne jede politische Bedeutung sind, aber dazu beitragen, das Volk zu zer­splittern und die politische Unlust in der Nation großzuziehen. Zerklüftet wie das Land, ist auch das Volk, und diese Zerrissenheit wird durch einen Wahlkampf besonders grell be­leuchtet. Dies ist in jedem Land der Fall, be­sonders aber in Norwegen, wo der Wahlkampf mit aller Schärfe ausgetragen wird, deren ein leidenschaftliches Volk fähig ist.

Schaut man aber näher bin und forscht danach, was es eigentlich ist, das die Parteien so unüber­brückbar trennt, so ist man erstaunt, wie wenig Entscheidendes man da findet. Natürlich steht bürgerliche Weltanschauung gegen die mar­xistische, die in Norwegen obendrein stark radi- kalisiert ist, aber wie gering ist eigentlich, was die bürgerlichen Parteien untereinander trennt. Diese ähneln dem Weibchen in dem alten Volks- scherzwort:Hüpfe Weiberl, hier ist ein B ich. Das Weiberl hüpfte, aber es war kein Bach." Einst mögen vielleicht starke weltanschauliche Ströme einige der Parteien, z. B. die Rechte und die Linke voneinander getrennt haben, aber jetzt sind die Gegensätze zusammengeschrumpft. Kleine Klassengegensätze sind wohl da, aber nicht größer, als sie mit gutem Willen überbrückt wer­den könnten. Doch der gute Wille scheint nicht vorhanden zu sein. Das unbedeutend Trennende wird zu Bergen aufgebauscht, die Zerklüftung vertieft, die Zersplitterung durch Gehässigkeiren verschärft wenigstens im Wahlkampl.

Leider Pflegt man in Norwegen dir trennen­den Kleinlichkeiten wichtig zu nehmen, auch wenn die Leidenschaften des Wahlkampfes vo rüber sind. Die Folge ist eine unglückliche Unitnigteit in der Staatsführung, weil keine Regierung über eine ausreichende Mehrheit verfügt und jeder­zeit von eiiner rivalisierenden Parier im Verein mit der Arbeiterpartei, die immer für einen klei­nen Regierungssturz zu haben ist, zu Fall ge­bracht werden kann. Gegenwärtig hatVenstre" eine ziemlich radikale Linkspartei, die Regie­rungsmacht inne, nachdem sie im Frühjahr die Bauernregierung stürzte, wahrscheinlich, uin bei den jetzt bevorstehenden Wahlen den Wahlappa­rat in die Hand zu bekommen. Ihr Regieren aber ist ein Lavieren mit übertriebener Rücksicht­nahme gegen die Parteien, von deren Gnade sie lebt. Von der Verwirklichung eines politischen Programmes kann natürlich unter diesen Um­ständen nicht die Rede sein. Von einer tatkräf­tigen Staatsführung auch nicht.

Um eine Aenderung in diesen für das allge­meine Staatswohl wenig förderlichen inner­politischen Zuständen herbeizuführen, hat der frühere Landesverteidigungsminister in der Bauernregierung, Quisling, eine neue Partei ..NationaleSammlung" gegrün­det. Sein politisches Programm ist für Norwegen neu und weitgehend, in einigen Punkten fordert er sogar Verfassungsänderungen. Er ist stark antim a r xistisch eingestellt und wird deshalb von der Arbeiterpartei auf das Schärfste bekämpft. Mit den übrigen Parteien aber ist er geneigt zusammenzuarbeiten. Seinen Willen zu der nationalen Sammlung zeigt er auch durch seine Aufforderung für eine gemein­same Listenfübrung bei den Wahlen. Dieser Auf­forderung ist seine alte Partei, die Bauernpartei, und die Freisinnige Partei nachgekommen, wäh­rend die Rechte sie abgelehnt hat.

Die Bauernpartei ist eine reine Klassen- partei, aber von starker konservativer Gesinnung, wie überhaupt der norwegische Bauer tief mit der Erde verwurzelt ist. Sein hartes Ringen um den oft kargen Boden hat ihn genügsam gemacht. Er ist stolz auf seine Selbständigkeit und darauf, sein eigener Herr zu sein. Er ist der zunehmenden Industrialisierung gegenüber etwas feindlich ein­gestellt und hegt eine Art Verachtung oder Ge­ringschätzung für das Proletariat. Man nennt ihn antisozial und er ist es vielleicht auch in dem Sinne, wie die Arbeiter das Wort auffassen. Als die Bauernpartei an der Regierung war, zeich­nete sie sich auch durch größte Sparsamkeit mit den Mitteln des Staates aus, vor allem durch Verweigerung von übertriebenen Wohlfahrts­unterstützungen.

Die freisinnige Partei ist in kultureller Be­ziehung radikal, in ihrer sonstigen Politik aber ziemlich rechtsgerichtet. In dem Kampf um die Selbständigkeit Norwegens in der Unionszeit war sie führend, aber verlor dann mehr und mehr den Kontakt mit dem Volke. Sie hat in der letzten Zeit eine etwas überschwängliche aktivistisch-pa- triotische Politik verfolgt, die in dem bekannten Grönlandskonflikt mit Dänemark eine empfind­liche Schlappe erlitten hat.

Die Rechte bekennt sich zu dem bewährten kon­servativ-nationalen Ideale und man hat ge­glaubt, daß sie die erste Partei sein würde, die auf das Zusammengehen mit oer nationalen Sammlungspartei eingehen wird. Aber sie lchnt standhaft jede Listenverbindung mit der Quis- lingpartei ab, mit der Begründung, daß ihre Po­litik dahin geht, die Verfassung und die Souve­ränität des Volkes zu schützen und sie sich des­halb einer Diktaturpartei nicht anschließen kann.

Narm trat Mols Hitler vor das Mikrophon

ten.

Gemeine komnumMche Mordtat reftlos aufgeklärt

Die ehemaligen KM^AbgeorLneten Reumann und Kippenberger

als Anstifter festgestellt