Nr. 247 Jahrgang 1933
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Vesmen. Donnerstag, den 14. September 1933 Einzelpreis 15 Vfg.
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Das Amtliche Orsan des Senals der ^rererr Brernen^
Der Lampk ZeZen HunZer unil Xalte:
Deutschland a!S Bahnbrecher
aus sozialem Gebiet
Das Winterhilssweel eines geeinten Volles
Unsere
- « . »ud die der Ein südafrikanischer Grotz- AuSlandSdeutschen kaufmann, Deutscher, und
Direktor eines Handelsun» Vernehmens in Kapstadt, nahm Gelegenheit, mit einem Vertreter unseres Blattes zu sprechen. ^An die Greuelgeschichten glaubt bei uns kein Mensch", sagt er, ,/dazu sind wir durch die Ro» thermere-Hetze im Weltkrieg zu sehr abgestumpft". Und zu der Weltjudenfrage konnte er uns ein Vorkommnis erzählen, das einer gewissen Komik nicht entbehrt: Auch in Südafrika habe sich der Unwillen laut gemacht gegen die Einwanderungswelle der lOlprozentigen Gallier. Nicht nur die eingesessene Holländer-, Eng- änder- und Deutschen-Bevölkerung habe sich aber gegen die Ueberschwemmung mit frischimportierten Ostgaliziern gewehrt, sondern ausgerechnet die angestammten" Juden in Südafrika selbst, die seit Jahrzehnten dort Handel trieben.
Noch haben die Deutschen in Uebersee keinen leichten Stand — aber sie sind voll Vertrauens und wollen mit der Deutschenhetze schon fertig werden. Sie haben es schwer da draußen, denn sie müssen gegen einen Feind kämpfen, dem wir rm Inland seit 1918 gegenüberstanden. Dabei entbehren sie aber jener großen, vertrauenden Zuversicht, die uns immer und immer wieder stärkte, sie entbehren auch der Idee, die die alten Kämpfer gegen alle Angriffe stark machte. Es liegt an uns, unseren Brudern im fernen Afrika den schweren Kampf um Deutschlands Weltgeltung mit allen Mitteln, besonders mit denen großer Leistungen, zu erleichtern.
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Der Schrei Die Konjunkturstimmung
nach dem Orden in den Reihen der gleichgeschalteten Spießbürger treibt die sonderbarsten Blüten! So kann man z. B. die Klage hören, daß die Redaktionen mit unzähligen Anfragen bombardiert werden, ob nicht bald neue Orden eingeführt würden oder welche Dienststelle berechtigt sei, noch nachträglich Kriegsauszeichnungen zu verleihen. Nun wissen wir zwar zu genau, welche Schiebungen bei der Verteilung von Ehrenzeichen vorgekommen sind und welch böses Blut es bei den Grabenkämpfern gemacht hat, wenn irgend ein jüdischer Schieber, der in der sicheren Etappe das große Maul führte, die höchsten Auszeichnungen an seine stolzgeschwellte und wohlgemästete Brust geheftet bekam, während an der Front der tapferste Offizier und Soldat, die stündlich dem Tod in die Augen blickten, oft monatelang warten mußten bis sie die symbolischen Ehrenzeichen in der Hand hielten. Wir danken es der Obersten SA-Füh- rung, daß sie gegen diesen Ordensrummel energisch Stellung genommen hat. Den wirklichen Frontsoldaten, der vier Jahre hindurch dem Toben der Materialschlacht die Stirne bot und nicht wie ein Jammerlappen a la Remarque in die Heimat zurückkehrte, lassen diese Mätzchen kalt. Auf ihn schauen wir Jungen, wenn er auch nur ein kleines, schon fast verblichenes Band im Knopfloch trägt, in Ehrfurcht und Bewunderung auf. Die Klempnerladen gleichgeschalteter Heimatkrieger aber treiben uns die Schamröte ins Gesicht.
Die Reform des Das Reichskabinett hat Steuerwesens angesichts der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit auf eine grundlegende Neugestaltung der Bürgersteuer für 1934 verzichtet. Im wesentlichen bleiben also die Bestimmungen die gleichen, doch sind einige erhebliche Neufestsetzungen erfolgt: Zunächst ist die allgemeine Steuerfreigrenze um 20 Prozent erhöht worden; ebenso hat man die Grenze für Sozialrentner, die bisher 990 RM. betrug, der allgemein heraufgesetzten Freigrenze angeglichen. Außerdem werden für das Kalenderjahr 1934 im Gegensatz zu früher auch die nicht Wahlberechtigten, wie z. B. die Reichswehrangehörigen, zur Bürgersteuer herangezogen. Und schließlich gilt in Zukunft auch für die Länder, die bisher einen eigenen Landessatz für die Bürgersteuer festlegen konnten, nur noch der Reichssatz. Das sind die neuen Bestimmungen, die aber nur für das Jahr 1934 gelten, da man in absehbarer Zeit in dieser Beziehung grundsätzliche Aenderungen vornehmen will. Jedenfalls lasten sich aber schon aus diesen kleinen Bestimmungen die großen Richtlinien erkennen, unter denen die geplanten durchgreifenden Reformen des Steuerwesens in Angriff genommen werden sollen: Streben nach gerechtem sozialen Ausgleich und der gerade auf diesem Gebiet bitter notwendigen Vereinheitlichung.
Allgemeiner Streit in Kuba
London, 13. Sept. Unter dem Einfluß von russische Agenten und der radikalen ABC-Organisation der Studenten hat sich in Kuba die Bewegung für einen allgemeinen Streik sehr verstärkt. Wäschereiangestellte, Schneider, Mllchträger und Brauerei- arbeiter sind bereits in den Streik getreten. Die Bäcker und Bauarbeiter haben ebenfalls beschloßen, sofort in den Streik einzutreten. Unter den Industriearbeitern herrscht große Unruhe. Der neue Präsident hatte bereits die Absicht gehabt, zurückzutreten und ist nur auf Bitten des Sergeanten Batist» geblieben.
Bettln, 13. September
Im sogenannten Thronsaal des Propagandaministeriums wurde am Mittwoch in feierlichster Form in Anwesenheit des Reichskanzlers, des Vizekanzlers und fast aller übrigen Mitglieder des Reichskabinetts, sowie zahlreicher Landesminister, der Parteiführer und vieler Ehrengäste der „Ausschuß zum Kampf gegen Hunger und Kälte" konstituiert. Sofort nach dem Erscheinen des Führers, den die Versammlung mit erhobener Rechte grüßte, eröffnet« der Reichsprefse- schef Funk die Kundgebung.
Reichspropagandaminister Dr. Goebbels ergriff dann das Wort zu einer mit stürmischen Beifall aufgenommenen Rede.
In einer Riesenkraftanstregung, führte Dr. Goebbels aus, sei es der Reichsregierung gelungen, die furchtbare Ziffer der Arbeitslosigkeit um über 2 Millionen zu senken. Man müsse jedoch damit rechnen, daß für den kommenden Winter noch weiterhin eine Millionenanzahl von Volksgenossen erwerbslos sei.
Die Regierung sei nicht gewillt, sie ihrem eigenen Elend zu überlassen. Sie habe den Plan gefaßt, in einem «och nie dagewesenen grandiosen Hilsswerk schützend an ihre Seite zn treten und ihnen die Ueberdauerung des Winters ohne allzu große Not möglich zu machen.
Dieses Winterhilfswerk sei keine private Fürsorge, sondern eine Aktion, die von der Regierung selbst geleitet und oom ganzen Volk getragen werde. Jeder einzelne Lolksgenossr sei mit dafür verantwortlich, daß sie gelingt. Niemand werde sich davon ausschließen dürfen. Was am 1. Mai zum ersten Male demonstrativ in Erscheinung trat, das werde hier in der Tat lebendig weiden:
Die Schranke«, die Bürger und Proletarier voneinander trenne», seien niedergerissen.
Die Regierung werde Vorsorge treffen, daß dieses Winterhilfswerk mit den saubersten und anständigsten Verwaltungsmethoden durchgeführt werde, die überhaupt denkbar seien. Um den Notleidenden auch äußerlich zu zeigen, daß die ganze Nation mit ihnen fühlt, soll in jedem Monat der erste Sonntag ihnen gewidmet sein. In großen Straßen- und Häusersammlungen würden die Mittel für diese Aktion herbeigeschafft werden.
Die Regierung richtet an die gesamte deutsche
Oessentlichkeit den Appell, an diesen Sonntagen mittags lediglich ein Eintopfgericht im
Preise von höchstens SO Pfennigen pro Person zu verzehren.
Ein gleiches solle auch in Gastwirtschaften und Hotels durchgesührt werden. Die dabei ersparten Gelder würden ohne Abzug in die große Hilfskasse hiueingegeben.
Der Reichsminister machte im weiteren Verlaufe seiner Rede nähere Angaben über
die Organisation des Wiuterhilsswerks
Meine Herren! Viele Jahre haben wir im Innern gegen den Gedanken der internationalen marxistischen Solidarität gekämpst. Wir haben in dieser vermeintlichen internationalen Solidarität nur den Feind wirklicher nationaler Einstellung gesehen, ein Phantom, das den Menschen wegzog von der einzig vernünftigen Solidarität, die es geben kann: Von der Solidarität, die blutmäßig, ewig begründet ist. Wir sind uns aber auch immer klar darüber gewesen, daß man diese Vorstellung nicht beseitigen kann. ohne dre andere an ihre Stelle treten zu lassen. Daher mutz als Motto über dieser großen Hilfsaktion das Wort stehen: „Nationale Solidaritä t".
Wir haben die internationale marxistische Solidarität innerhalb unseres Volkes zerbrochen, um den Millionen deutscher Arbeiter eine andere, bessere Solidarität dafür zu geben. Es ist die Solidarität unseres eigenen Volkes, die unzertrennliche Verbundenheit nicht in glücklichen, sondern auch in schlimmen Tagen, die Verbundenheit nicht nur mit denjenigen, die vom Glück gesegnet sind, sondern auch mit denjenigen, die vom Unglück verfolgt sind.
Wenn wir diesen Gedanken der nationalen Solidarität richtig anfassen, dann kann es nur ein Gedanke des Opfers sein, das heißt also, wenn der eine oder andere sagt, man würde dabei zu stark belastet werden, man müsse ja immer wieder geben, dann kann man nur erwidern: „Das ist nun einmal der Sinn einer wirklichen nationalen Solidarität. Im Nehmen kann die wirkliche nationale Solidarität ihren Sinn nicht haben."
Wenn ein Teil unseres Volkes durch Verhältnisse, an denen alle mit schuld sind, in Not geraten ist, und der andere, vom Schicksal davon ausgenommen, nur einen Teil der
im einzelnen und teilte mit, daß an der Spitze des Werkes die Reichsführung des Winterhilss- werks mit dem Sitz in Berlin steht. Bei ihr liegen die Aufgaben der Organisierung des Winterhilfs- werkes. Für das ganze Reich sind einheitliche Sammelsonntage vorgesehen. Für Eeldsammlun- gen sind mit den Angestellten- und Beamtenverbänden Verhandlungen zwecks gestaffelter Abzüge zugunsten des Winterhilfswerkes aufzunehmen. Inhaber von Bank- und Postscheckkonten werden aufgefordert, monatlich einen bestimmten Betrag von ihrem Konto abbuchen zu lassen. Einen nicht unwesentlichen Ertrag für das Winterhilfswerk soll eine über das ganze Reich verbreitete SO-Pfg.» Straßen-Brieflotterie einbringen. Für Spender, die monatlich einen angemessenen Betrag zeichnen, ist eine kleine Plakette mit der Aufschrift „Wir helfen" vorgesehen, die die Spender an ihren Wohnungstilren befestigen können und die sie von weiteren Sammlungen befreit. Bei den Straßen- und Haussammlungen gelangen besondere Abzeichen zur Ausgabe, Plaketten und Abzeichen haben für jeden Monat eine bestimmte Farbe. Das gesammelte Bargeld soll grundsätzlich nur für den Einkauf von Lebensmitteln, Heizmaterial usw. verwendet werden. Masienspeisungen sollen nur für diejenigen veranstaltet werden, die keinen eigenen Herd haben.
Die Lebensmittelsammlungen auf dem Lande sollen möglichst in der Erntezeit durchgeführt werden. Die Sammlungen bei den Lebensmittelgroßhandlungen und bei den kleinen Geschäften kommen in der Form-zur Durchführung, daß von den Geschäftsinhabern Menge und Art der zur Verfügung gestellten Waren in Sammellisten eingetragen werden, die die Grundlage für die spätere Ausgabe von Bezugsscheinen bilden. In gleicher Weise soll bei der Brennstoff- und Kleiderbeschaffung verfahren weiden.
Für die Spenden des Winterhilfswerkes gewährt die Deutsche Reichsbahn Frachtfreiheit.
Ferner sind durch die örtlichen Ausschüsse des Winterhilfswerkes mit Theater-, Film- und Konzertbetrieben Vereinbarungen dahin getroffen, daß von diesen Betrieben in möglichst großem Umfange Freikarten für die notleidende Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Ferner sollen Vergnügungsstätten den Reinertrag eines Abends abliefern. Als Gegenleistung dafür erfolgt die Bekanntgabe dieser Vergnügungsstätten im Rundfunk.
Der Reichsmiurster teilt mit, daß die Reichsregierung wie bisher ihre repräsentative» Pflichten aus das allergeringste Mindestmaß einschränke« werde, und schloß mit den Worten: „Einer tritt für alle «in und alle sllr Einen!" Das Volk wird eine Not- und Brotgemeinschaft sein und das Wort, das wir im Kamps um die Macht zu unserer Parole erhoben haben, soll nun, da wir im Besitz der Macht sind, beglückende Wirklichkeit werden: Gemeinnutz geht vor Eigennutz!"
Not freiwillig auf sich zu nehmen bereit ist, dann sagen wir:
Es soll mit Absicht einem Teil unseres Volkes eine gewisse Not mit aufgebürdet werden, damit er dadurch hilft, die Not des an-
Berlin, 13. September.
Der Mord an den Polizeihauptleuten Anlauf und Lenk, der am Sonntag, 9. August 1931, auf dem damaligen Bülowplatz von Kommunisten begangen wurde, ist jetzt von der Kriminalpolizei in enger Zusammenarbeit mit der SA restlos aufgeklärt worden. Diese Vluttat, die keine Einzel- aktion fanatischer Mitglieder darstellte, sondern von der obersten Parteileitung planmäßig vorbereitet und durchgeführt worden ist, ist zur Zeit Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung, die gegen insgesamt 21 Kommunisten wegen gemeinschaftlichen Mordes geführt wird. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, daß die früheren Reichstagsabgeordneten der KPD Heinz Neumann und Hans Kippenberger für die Mordtat verantwortlich sind. Sie und neun an der Mordtat direkt oder indirekt beteiligte Kommunisten sind geflohen und werden von der Krimi- -nalpolizei noch gesucht. Für Mitteilungen aus dem Publikum, die zu einer Festnahme der Gesuchten führen, ist eine Eesamtbelohnung von 4000 RM. ausgesetzt. Außer um Neumann und Kippenberger handelt es sich um Frau Kippen-
deren Teiles erträglicher zu gestalten. Je größer die Bereitwilligkeit ist, ein solches Opfer aus sich zu nehmen, um so schneller witt> man die Not der andern Seite dadurch mindern. Jeder mutz verstehen, daß fein Geben überhaupt nur dann im Sinne der Herstellung einer wirklichen Volksgemeinschaft einen Wert hat, wenn dieses Geben für ihn ein Opfer bedeutet.
Nur so kann man letzten Endes diese Kötzer« Solidarität aufbauen, zu der wir Hin- streben müssen, wenn wir die andere überwinden wollen. Wenn das ganze Volk richtig erfaßt hat, daß diese Maßnahmen für jeden ein Opfer bedeuten müssen, dann wird aus diesen Maßnahmen heraus nicht nur eine Milderung, sondern es wird nochetwas viel Gewaltigeres herauskommen, es wird daraus die Ueberzeugung wachsen, daß die Volksgemeinschaft nicht ein leerer Begriff ist, sondern daß sie wirklich ein lebendiger ist.
Wir benötigen in dem schweren Kampf der Nation diese Gemeinschaft mehr denn je. Wenn Deutschland vom Glück gesegnet wäre, dann könnte man vielleicht ihre Bedeutung etwas geringer einschätzen, da wir aber schwere Zeiten zu ertragen haben, müssen wir uns darüber klar fern, daß wir sie nur dann überwinden können, wenn unser Volk wie ein einziger Stahlblock zusammenhält. Das werden wir nur dann erreichen können, wenn die Millionenmassen, die nicht vom Glück, gesegnet sind, das Gefühl bekommen, daß die vom Glück mehr Begünstigten mit ihnen fühlen und bereit sind, freiwillig ein Opfer auf sich zu nehmen, um damit vor aller Welt die unzertrennliche Verbundenheit unseres Volkes zu dokumentieren.
Was das deutsch« Volk dadurch an Opfern bringt, das wird, dessen kann jeder überzeugt sein, mft Zins und Zinseszlns unserem Volk aus diesem Wege zurückerstattet werden. Denn was sind alle materiellen Opfer, die man freiwillig bringt, gegenüber dem größten Geschenk, nämlich dem Geschenk,
ein gemeinsames, einheitliches Volk zu sein,
das sich als zusammengehörig fühlt und bereit ist, seinen irdischen Schicksalsweg auch gemeinsam anzutreten und gemeinsam durchzukämpfen.
Der Segen, der aus dieser Gemeinsamkeit, aus dieser nationalen Solidarität kommt, ist viel gewaltiger und viel wichtiger, als das Opfer, das der einzige Mensch nun dafür bringt. Diese große Aktion gegen Hunger und Kälte muß unter dem Motto stehen: Die internationale Solidarität des Proletariates haben wir zerbrochen. Davon wollen wir aufbauen die lebendige nationale Solidarität des deutschen Volkes.
Wie ein Gelöbnis klang das vom Reichspresseschef auf den Kanzler und das deutsche Volk ausgebrachte Heil, dem spontan das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied folg
berger und die Kommunisten Walter Ulbricht, Erich Mielke, Wilhelm Peschke, Wilhelm Becker, Herbert Dobersolzki, Eerhart Wallitschka und Paul Kühne.
Reichsdeutsche
aus demSaarsebier ausgewiesen
Saarbrücken, 13. September.
Die Regicrungskommission hat den Prokuristen Nebel und den Monteur Merk er in Saarbrücken, beides Reichsdeutsche, wegen angeblicher Tätigkeit für die NSBO. aus dem Saargcbiet ausgewiesen. Beide bestreiten entschieden, nach dem Verbot der NSBO. für diese tätig gewesen zu sein.
Merker, der seit etwa zehn Jahren im Saargebiet ansässig ist, hat gegen seine Aus- weisung Beschwerde eingelegt. Er wurde jedoch gezwungen, sofort das Saargebiet mit seiner Familie zu verlassen.
I>Iorweßiscke Zersplitterung
sVon »»»«r«» »oeckeak«» 0.-ll.-ö4ttseixii»r) OSIo, den 11. September lS38
Seit daS norwegische Volk im Jahre 1993 sich von der Union mit Schweden lossagte, tst eS nie wieder politisch einig gewesen. Auch annähernd nicht, und die Zersplitterung schreitet immer weiter sott. Aus den drei großen Parteien, der Rechten, der Linken und der Arbeiterpartei, find sechs geworden, die mitreden dürfen und noch mehrere, die ohne jede politische Bedeutung sind, aber dazu beitragen, das Volk zu zersplittern und die politische Unlust in der Nation großzuziehen. Zerklüftet wie das Land, ist auch das Volk, und diese Zerrissenheit wird durch einen Wahlkampf besonders grell beleuchtet. Dies ist in jedem Land der Fall, besonders aber in Norwegen, wo der Wahlkampf mit aller Schärfe ausgetragen wird, deren ein leidenschaftliches Volk fähig ist.
Schaut man aber näher bin und forscht danach, was es eigentlich ist, das die Parteien so unüberbrückbar trennt, so ist man erstaunt, wie wenig Entscheidendes man da findet. Natürlich steht bürgerliche Weltanschauung gegen die marxistische, die in Norwegen obendrein stark radi- kalisiert ist, aber wie gering ist eigentlich, was die bürgerlichen Parteien untereinander trennt. Diese ähneln dem Weibchen in dem alten Volks- scherzwort: „Hüpfe Weiberl, hier ist ein B ich. Das Weiberl hüpfte, aber es war kein Bach." Einst mögen vielleicht starke weltanschauliche Ströme einige der Parteien, z. B. die Rechte und die Linke — voneinander getrennt haben, aber jetzt sind die Gegensätze zusammengeschrumpft. Kleine Klassengegensätze sind wohl da, aber nicht größer, als sie mit gutem Willen überbrückt werden könnten. Doch der gute Wille scheint nicht vorhanden zu sein. Das unbedeutend Trennende wird zu Bergen aufgebauscht, die Zerklüftung vertieft, die Zersplitterung durch Gehässigkeiren verschärft — wenigstens im Wahlkampl.
Leider Pflegt man in Norwegen dir trennenden Kleinlichkeiten wichtig zu nehmen, auch wenn die Leidenschaften des Wahlkampfes vo rüber sind. Die Folge ist eine unglückliche Unitnigteit in der Staatsführung, weil keine Regierung über eine ausreichende Mehrheit verfügt und jederzeit von eiiner rivalisierenden Parier im Verein mit der Arbeiterpartei, die immer für einen kleinen Regierungssturz zu haben ist, zu Fall gebracht werden kann. Gegenwärtig hat „Venstre" eine ziemlich radikale Linkspartei, die Regierungsmacht inne, nachdem sie im Frühjahr die Bauernregierung stürzte, wahrscheinlich, uin bei den jetzt bevorstehenden Wahlen den Wahlapparat in die Hand zu bekommen. Ihr Regieren aber ist ein Lavieren mit übertriebener Rücksichtnahme gegen die Parteien, von deren Gnade sie lebt. Von der Verwirklichung eines politischen Programmes kann natürlich unter diesen Umständen nicht die Rede sein. Von einer tatkräftigen Staatsführung auch nicht.
Um eine Aenderung in diesen für das allgemeine Staatswohl wenig förderlichen innerpolitischen Zuständen herbeizuführen, hat der frühere Landesverteidigungsminister in der Bauernregierung, Quisling, eine neue Partei ..NationaleSammlung" gegründet. Sein politisches Programm ist für Norwegen neu und weitgehend, in einigen Punkten fordert er sogar Verfassungsänderungen. Er ist stark antim a r xistisch eingestellt und wird deshalb von der Arbeiterpartei auf das Schärfste bekämpft. Mit den übrigen Parteien aber ist er geneigt zusammenzuarbeiten. Seinen Willen zu der nationalen Sammlung zeigt er auch durch seine Aufforderung für eine gemeinsame Listenfübrung bei den Wahlen. Dieser Aufforderung ist seine alte Partei, die Bauernpartei, und die Freisinnige Partei nachgekommen, während die Rechte sie abgelehnt hat.
Die Bauernpartei ist eine reine Klassen- partei, aber von starker konservativer Gesinnung, wie überhaupt der norwegische Bauer tief mit der Erde verwurzelt ist. Sein hartes Ringen um den oft kargen Boden hat ihn genügsam gemacht. Er ist stolz auf seine Selbständigkeit und darauf, sein eigener Herr zu sein. Er ist der zunehmenden Industrialisierung gegenüber etwas feindlich eingestellt und hegt eine Art Verachtung oder Geringschätzung für das Proletariat. Man nennt ihn antisozial und er ist es vielleicht auch in dem Sinne, wie die Arbeiter das Wort auffassen. Als die Bauernpartei an der Regierung war, zeichnete sie sich auch durch größte Sparsamkeit mit den Mitteln des Staates aus, vor allem durch Verweigerung von übertriebenen Wohlfahrtsunterstützungen.
Die freisinnige Partei ist in kultureller Beziehung radikal, in ihrer sonstigen Politik aber ziemlich rechtsgerichtet. In dem Kampf um die Selbständigkeit Norwegens in der Unionszeit war sie führend, aber verlor dann mehr und mehr den Kontakt mit dem Volke. Sie hat in der letzten Zeit eine etwas überschwängliche aktivistisch-pa- triotische Politik verfolgt, die in dem bekannten Grönlandskonflikt mit Dänemark eine empfindliche Schlappe erlitten hat.
Die Rechte bekennt sich zu dem bewährten konservativ-nationalen Ideale und man hat geglaubt, daß sie die erste Partei sein würde, die auf das Zusammengehen mit oer nationalen Sammlungspartei eingehen wird. Aber sie lchnt standhaft jede Listenverbindung mit der Quis- lingpartei ab, mit der Begründung, daß ihre Politik dahin geht, die Verfassung und die Souveränität des Volkes zu schützen und sie sich deshalb einer Diktaturpartei nicht anschließen kann.
Narm trat Mols Hitler vor das Mikrophon
ten.
Gemeine komnumMche Mordtat reftlos aufgeklärt
Die ehemaligen KM^AbgeorLneten Reumann und Kippenberger
als Anstifter festgestellt