Ausgabe 
(12.9.1933) Nr. 245
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M. 243 Jahrgang 1933

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Vremen. Dienstag, den 12. September 1933 Einzelpreis 15 Via.

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^chwanengesang Oesterreichs noch äugen­des Bundeskanzlers blicklich im Amt befind- Dollfuß. licher Diktator

Dollfuß hat im Rahmen des Katho­likentages eine Rede gehalten, die wir an anderer Stelle veröffentlicht haben. Seine Rede, die er als programmatisch angekündigt hatte, wurde zu einer einzigen Enttäuschung und gleichzeitig zu einem Eingeständnis seiner eigenen Schwäche. Man hat es allmählich überall in der Welt gemerkt, daß in Oesterreich ein System herrscht, hinter dem keine Idee steht, sondern sich daraus beschränkt, die Methoden anderer ohne jeden Sinn und Verstand nachzuahmen. So kün­digt Dollfuß einen Kampf gegen liberalistischen Kapitalismus und liberalistische Gesellschafts­und Wirtschaftsordnung an, gleichzeitig einen Kampf gegen den Marxismus. Die Wirklichkeit sieht aber so aus, daß gerade unter der Herrschaft von Dollfuß Oesterreich und seine Rechte an deninternationalenKapitalismus verschachert wurden, und seine Wirtfchafts- hoheit heute nur noch auf dem Papier steht. Außerdem ist bekannt, daß Dollfuß bisher nur gegen den Nationalsozialismus gekämpft hat, den Marxismus aber mit Samthandschuhen anfaßt.

Wenn Dollfuß weiter erklärt, daß er die guten Charaktereigenschaften des Volkes Pflegen wolle, dann muß man schon bitter auflachen; denn ge­rade unter ihm stehen Spitzeltum, Denunzianten­unwesen und Verrat in einer ungeahnten Blüte. Interessant aber ist es, daß er die Redewendun­gen vom österreichischen Menschen und öster­reichischem Volkstum diesmal nicht mehr an­gewandt hat. Ihm scheint langsam eine Ahnung aufgegangen zu sein, wie lächerlich und geschicht­lich unwahr diese Aeußerungen von ihm sind. — Wenn Dollfuß zum Schluß seiner Rede noch ein­mal tief Luft holt und an das Urteil der Ge­schichte appelliert, so kann man ihn dahingehend beruhigen. Der Name Dollfuß wird genau so wie bei uns die Namen eines Sever'ing oder Vrüning geschichtliche Bedeutung erhalten, denn auch er war die letzte Verkörperun g eines endgültig gestorbenen Sy­stems.

Dänischer Schulterror Augenblicklich führt

in Nordschleswig. die dänische Presse einen erbitterten Kampfgegendie deutschen Schulbücher in Nord­schleswig. Die Schulkommission in Ko­penhagen soll diese Bücher verbieten, weil hier in deutscher Sprache die Geschichte Schleswiqs entstellt und in tendenziöser Weise falsch dargestellt werde. Es gehe nicht an, daß der dänische Staat seine Feinde mit eigenen Mitteln großziehe. — Das ist Unsinn. Unsere Geschichte ist so groß und gewaltig, daß wir sie mit Recht immer wieder mit Stolz allen denen bekunden, die sie hören wollen, auch denen, die sie nicht hören wollen. Wir Deutschen und auch die Teutschen in den widerrechtlich geraubten Gebieten haben gar keinen Grund, die Wahrheit in der Geschichte m leugnen. Wenn aber deutschen Kindern deutsche Geschichte gelehrt wird, so ist das für die dänische Presse noch kein Grund zur Hetze. Man sollte sich beruhigen und erst einmal selber Geschichte lernen, damit man weiß, was wahr ist.

Die feierliche ErMmmg des -renMchsn GiasrseatS

Berlin, 11. September.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, findet zur Eröffnung des Preußischen Staatsrates am Freitag, dem 15. September, vormittags 11 Uhr, in der neuen Aula der Universität ein feierlicher Staatsakt statt.

Bereits vorher werden Ehrenformationen der Schutzpolizei, der SA. und SS. aus dem Franz-Joseph-Platz vor dem Aulagcbäude auf­marschieren. Der Ministerpräsident Eöring wird die Front der Ehrenformationen abschrei­ten und anschließend die feierliche Nagelung von Polizeifahnen vornehmen.

Der Festakt in der Aula, in dessen Mittel­punkt eine große Rede des preußische« Mini­sterpräsidenten und die Vereidigung der Staatsräte steht, wird durch Rundfunk aus alle deutschen Sender übertragen werden. In sämt­lichen preußischen Behörden wird der Dienst von 11 bis 12 Uhr unterbrochen und die Rund­funkübertragung von den Beamt«n, Angestell­ten und Arbeitern in einer gemeinsamen Feier mit angehört werden.

Ebenfalls werden in dieser Zeit besondere Schulfeiern stattfinden und im übrigen der Schulunterricht an diesem Tage ausfallen. Weiter hat das preußische Staatsministerium angeordnet, daß aus Anlaß der feierlichen Er­öffnung des preußischen Staatsrates sämtliche preußischen Dienstgebäude am Freitag, dem 15. September, zu beflaggen sind. Das Reich hat für alle Reichsbehörden, Neichsstellen und Neichsanstalten, die ihren Amtssitz in Preußen haben, die gleiche Anordnung getrosten.

Am Sonnabend, dem 16. September, wird der Staatsrat bereits zu seiner ersten Arbeits­tagung zusammentreten.

Die Weltpresse soll ^ukkIäruvZ erkalten über

Sie Ausstandsbewegung der KV9. vor dem nationalen Umbruch

Ein Vreffeempsang des Gesamwerdandes Deutscher Antttommunistischee Vereinizunge«

Berlin, 11. September.

Der Gesamtverband Deutscher Antikonnnu nistischer Bereinigungen teilt mit, daß Diens­tag nachmittag 5 Uhr tm Hotel „Udlon" ein Empfang der ausländischen und deutschen Presse stattfindet, bei dem der gesamten Oeffentlichkeit der Nachweis über die Vor­bereitungen des bewaffneten Aufstandes der Kommunistischen Partei in Deutschland am Vorabend der nationalen Revolution über­geben werden wird.

In Berlin hat sich aus sämtlichen der NS­DAP und der Reichsregierung nicht ange­hörenden Verbänden, insbesondere den kon­fessionellen Organisationen, ein Gftamtv-er- band antik-ommunistischer Vereinigungen ge­bildet, dem auch eine Reihe von Forschungs­instituten angehören. Der Verband hat es sich zur Aufgabe gemacht, das gesamte Ma­terial über die von kommunistischer Seite für Februar-März l933 aufgestellten Putsch­pläne zusammenzustellen, um der Welt zu zeigen, in welch großer Gefahr Deutschland und damit die gesamte Zivilisation um diese Zeit geschwebt hat.

Der Verband wird dieses gesamte Material, das mit Fotografien aller Dokumente der Putsch­pläne nist) allen sonstigen Unterlagen in einem Buch zusammengestellt worden'ist, am Dienstag nachmittag 5 Uhr, in einer Pressekonferenz im Hotel „Adlon" der Oeffentlichkeit übergeben.

Das Material ist der Oeffentlichkeit größten­teils noch unbekannt und beleuchtet schlagartig die Situation, die beim Reichstagsbrand in

Deutschland bestand. Das Material beweist, daß nur schärfstes Zugreifen der verantwortlichen Stellen noch dazu führen konnte, die Putschorga­nisationen zu zerschlagen und den Putsch zu ver­hindern.

Große Attion peoerr Komrmmiften in Mainz

Darmstadt, 11. September.

Nach einer Meldung der Staatspolizeistelle in Mainz wurde in der vergangenen Woche eine Aktion gegen die KPD. durchgeführt. Es gelang, den illega­len Apparat der KPD. im Unterbezirk Rhein-Hessen Zu ermitteln und sämtliche Funktionäre sowie noch aktive Mitglieder festzunehmen. Die KPD. hat es verstanden, wieder einen neuen Apparat auszuziehen; sogar die Mitgliedsbeiträge wurden wieder regel­mäßig kassiert und die Mitglieder mit Propaganda­material versorgt. Die gleichen Feststellungen wur­den bezüglich der NGO. gemacht. Auch hier wurden die Funktionäre und die zahlenden Mitglieder sest- genommen.

In beiden Fällen wurden die Kanäle zu den Be­zirksleitungen nach Frankfurt festgestellt; dort wur­den eine Anzahl Führer festgenommen und die nach dem Zentralkomitee nach Berlin führenden 'Fäden bloßgelegt. In Mainz wurden älleiw 79 Personen verhaftet.

Ferner ergab sich, daß der Rot-Frontlämpferbund hier noch immer weiter besteht und Vorbereitungen zu einem Umsturz getroffen hat. Diese Organisation hatte sich auf das beste bewaffnet und ihren Mit­gliedern reaelniäßigen Unterricht in der Hand- >

habung von Waffen und der Herstellung von Sprenggranaten erteilt. Beim Rot-Frontkämpfer­bund wurden u. a. beschlagnahmt: sechs schwere ge­brauchsfähige Bomben, 40 Stangen Sprengstoff (Ammonia), mehrere Schußwaffen, Handgranaten und zahlreiche Munition, darunter Dum-Dum-Ge- schosse.

Die Landesleitung der NSDAP Oesterreichs warnt vor Provokateuren.

München, 11. September.

Die Pressestelle der Landesleitung Oester­reich der NSDAP, Hitler-Bewegung, teilt u. a. mit:

In Oesterreich reisen in letzter Zeit insbeson­dere im Gebiete der Obersteiermark von der Re- ierung beauftragte und bezahlte Agenten umher, ie ehemalige Mitglieder der NSDAP zu be­wegen suchen, in der Zeit um den 14. und 15. September herum einen Putschversuch zu unter­nehmen. Sie tragen dabei Sprengstofspakete aus mit der Weisung, diese nicht zu öffnen,'sondern sie erst am Putschtage zu werfen. Der Inhalt dieser Pakete besteht aus alten Eisenstücken ohne jeden Sprengstoff. In verschiedenen Ortschaften boten diese Provokateure ehemaligen Parteimit­gliedern der NSDAP gestanzte Hakenkreuze so­wie eine Stanzmaschine völlig kostenlos an. Auch vertreiben sie SA-Liederbücher und eine Bro­schüre „Aufstieg der NSDAP in Oesterreich".

Diese Agenten wurden von Dr. Ältmann, dem Sekretär des Sicherheitsministers Fey, durch di­rekten Aufktag Feys bestimmt; eingestellt.

Konkordat in Kraft getreten

Berlin, 11. September.

Der Geschäftsträger der deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl hat sich in Vertretung des zur Zeit in Urlaub befindlichen deutschen Botschafters gestern, Sonntag nachmittag, zu Kardinalstaats­sekretär Pacelli in den Vatikan begeben. Dort fand in der üblichen feierlichen Form der Aus­tausch der Ratifikationsurkunden des zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl abge­schlossenen Konkordats statt. Damit ist das am 20. Juli ds. Js. unterzeichnete Konkordat gemäß seinem Artikel 34 in Kraft getreten.

Hierüber wird amtlich mitgeteilt:

„Das am 20. Juli unterzeichnete Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich ist am 10. September im Vatikan ratifi­ziert worden. Vor der Ratifikation hat der Hei- , lige Stuhl in mündlicher und schriftlicher Dar­legung die Reichsregierung auf eine Reihe von Punkten hingewiesen, die sich auf die Auslegung des Konkordates und seine vorläufige Handhabung beziehen. Sie betreffen vor allem den Bestand, die Vetätigung und den Schutz der katholischen Or­ganisationen, sowie die Freiheit der deutschen Ka­tholiken, auch in der katholischen Presse die Grund­sätze der katholischen Glaubens- und Sittenlehre zu verkünden und zu erläutern. Die Reichsregie- rung hat sich dem Heiligen Stuhl gegenüber be­reit erklärt, über die angeführten Materien bal­digst zu verhandeln und zu einem dem Wortlaut und dem Geiste des Konkordats entsprechenden gegenseitigen Einvernehmen zu gelangen."

Aufbahrmrg von Theodor Feilsch

Leipzig, 11. September.

Die sterblichen Uebcrrestc des dahingegangenen Vorkämpfers des neuen Deutschlands, Theodor Fritsch, wurden heute abend in der schlichten Dorfkirche der Gemeinde Gautzsch bei Leipzig feierlich aufgebahrt. SA, Polizei und Gendar­merie halten abwechselnd die Ehrenwache.

g« den SonntagS- ka aktrophe«

Staatsbegräbnis für die verunglückten Bochum« SA.-Männer

Dortmund, 11. September.

Im Austrage des Ministerpräsidenten Eöring teilte der preußische Staatssekretär Erauert dem SA.-Eruppenfllhrer Schepmann-Dortmund tele­phonisch mit, daß die preußische Regierung für die verunglückten neun Bochumer SA.-Männer ein Staatsbegräbnis bewilligt habe. Gleichzeitig ließ der Ministerpräsident sein Beileid aussprechen.

Beileid des Reichspräsidenten

Berlin, 11. September

Der Herr Reichspräsident hat aus Anlaß des schweren Verkehrsunfalls bei Solingen an den Bürgermeister von Solingen folgendes Telegramm gerichtet:

„Tief erschüttert durch die Nachricht von dem schweren Kraftwagenunglück, dem 46 SA.-Leut« zum Opfer gefallen sind, bitte ich Sie, den Hinter­bliebenen der Verunglückten meine herzliche Teil­

nahme, den Verletzten meine besten Wünsche zur baldigen Wiederherstellung zu übermitteln.

von Hindenburg, Reichspräsident."

Beileidstelegramme an SA.-Gruppensühr«r Schepmann.

Berlin, 11. Sept.

Neichsinnenminister Dr.Frick hat an denSA-Grup- penführer Schepmann aus Anlaß des schweren Autounglücks vom Sonntag; dem 10 SA-Leute zum Opfer fielen, folgendes Beileidstelegramm ge­richtet:

„Die Nachricht von dem entsetzlichen Unglück, dem 10 brave SA-Männer zum Opfer fielen, hat mich lies erschüttert. Ich spreche der SA-Eruppe mein herzlichstes Beileid aus und bitte, dies auch den Angehörigen zu übermitteln."

Reichsminister Dr. Goebbels hat an den SA-Eruppenführer Polizeipräsident Schepmann- Dortmund das nachstehende Telegramm gerichtet:

„Lieber Parteigenosse Schepmann! Zu dem ent­setzlichen Unglück, das Ihre SA-Gruppe betroffen hat, spreche ich Ihnen mein tiefstes Beileid und herzlichstes Mitempfinden aus.

Der tragische Tod unserer Kameraden soll dem ganzen deutschen Volk aufs neue vor Augen füh­ren, wie schwer und gefahrvoll der Dienst der SA ist. Sie verdient deshalb ganz besonders ihre her­vorragende Ehrenstellung in der deutschen Na­tion.

Das furchtbare Unglück bei Solingen hat uns alle auf das Tiefste bewegt, gez.: Dr. Goebbels."

Die Verletzten des Kraftwagenunglücks bei Solingen.

Solingen, 11. September

Wie wir von der Kreisleitung der NSDAP. zu dem Kraftwagenunglück be> Solingen erfahren, befanden sich heute früh noch 22 Verletzte SA.- Männer in den Solinger Krankenanstalten. Der Wagerfllhrer Hermann Böhm, der neben schweren inneren Verletzungen einen Schädelbruch davon­getragen hat, SA.-Mann Paul Bolz, der einen Hals- und Wirbelsäulenbruch erlitten hat und Truppführer Wilhelm Krüger schweben in Lebens­gefahr.

Die übrigen 19 SA.-Männer haben Rippen- brüche, Unterkiefer-, Bein oder Armbrüche und Quetschungen davongetragen.

Heute weilten Vertreter der Staatsanwaltschaft in Solingen, um die Freigabe der tödlich Verun­glückten zu veranlassen. Die Beisetzung dürfte in Bochum stattfinden.

Kein neues Anwachsen der FeuerSLrunft in Oeschewronn

Stuttgart, 11. Sept.

Die Feuerwachen 2 pnd 3 sind heute nachmittag gegen 142 Uhr von der Brandstätte in Oeschel- bronn nach Stuttgart zurückgekehrt. Der Brand ist noch nicht völlig eingedämmt, doch besteht sür eine weitere Ausdehnung des Brandes keine Ge­fahr mehr. Die Rundfunkmeldung, daß das Feuer erneut ausgebrochen sei, wird als unrichtig be­zeichnet. Zurzeit werden noch Sprengungen vor­genommen.

Der Reichsstätthalter in Baden ist mit der Re­gierung heute nachmittag hier eingetroffen, um sich vom Landrat und dem Bürgermeister über das Schicksal der Brandgeschädigten und die weiter zu ergreifenden Maßnahmen Bericht erstatten zu lassen. Auf Antrag des Ministerpräsidenten hat das Vadische Kabinett vorläufig 20 000 RM. zur Verfügung gestellt, nachdem der Reichsstatthalter bereits am Sonntag abend an der Brandstätte 10 000 RM. gespendet hat.

Neues GroMeuer in Baden

Zwei Wohnhäuser und drei Scheunen eingeäschert

Philippsburg lAmt Bruchsahl), 11 . September

Die hiesige Einwohnerschaft wurde heute früh durch Feueralarm aus dem Schlafe geschreckt. Im Wohnhaus eines Bahnarbeiters war ein Brand ausgebrochen, der sich mit großer Schnelligkeit aus­dehnte, und trotz der größten Anstrengungen der Feuerwehren im Verein mt SA., Polizei und frei­willigem Arbeitsdienst binnen kurzem auf ein Wohnhaus, sowie drei mit Erntevorräten gefüllte Scheunen übergriff und sie in Asche legte. Auch hier waren wie in Oeschelbronn die Löscharbeiten infolge des durch die lange Trockenheit verursach, ten Wassermangels sehr erschwert; die Brandur­sache ist noch nicht geklärt.

Rechnungen nichtarHchee Aerzte werden nicht mehr erstattet

Berlin, 11. Sept.

Wie das VDZ-Vüro meldet, ist am 1. Septem­ber das Abkommen zwischen dem Hartmannbund Deutscher Aerzte und dem Verband private Kran­kenversicherungen in Kraft getreten, wonach auch bei den privaten Krankenversicherungen nicht- arische Aerzte ausgeschaltet werden sollen. In­folge dessen sind Rechnungen nichtarischer Aerzte für Behandlungen, die nach dem 1. September lie­gen, von der Erstattung durch die Krankenversiche­rungen ausgeschlossen. Selbstverstnädlich gelten ebenso wie bei der Kassenpraxis auch für diese Aerzte die Ausnahmebestimmungen des Verufs- beamtengesetzes.

Die für die Behandlung der Mitglieder zuge­lassenen Aerzte sind in Verzeichnissen zusammen­gefaßt worden, die bei den örtlichen Verwal­tungsstellen vorliegen und auf Wunsch auch den Mitgliedern ausgehändigt werden. Nichtarische Personen und solche, die sich als nichtarisch be­zeichnen, können natürlich nach wie vor auch nichtarische Aerzte in Anspruch nehmen, ohne daß diese Rechnungen von der Erstattung ausgeschlossen wären.

Die Ausschaltung nichtarischer Aerzte aus den deutschen Aerztestand ist, nachdem jetzt auch das Abkommen mit den privaten Krankenversicherun­gen Gültigkeit erlangt hat, bis auf eine Reih« von Beschwerden, die noch laufen, aber keine auf­schiebende Wirkung haben, im wesentlichen abge­schlossen. Die Zulassung zum Aerztestand ist aller­dings bisher nur vorläufig geregelt worden, wäh­rend eine einheitliche, für das ganze Reich geltende Zulassungsordnung zum Aerztestand noch einer späteren Regelung bedarf, die aber erst nach Er­richtung der Reichsärztekammer zu erwarten ist.

Der 12.9.1683

Die ^Vierter 1ärke»8ck1ackt — ein Vo1k8cleut8cker OeclenktaZ

Von Viktor Wagner, Pantschowa-Belgrad (Südslawien).

Wenn die heutige Regierung Oesterreichs, das Regime eines Dollfuß-Vaugoin-Fey, den Ge­denktag l:r Wiener Türkenschlacht am 12. September 1683, umzufälschen versucht in einen schwarz-gelb-habsburgisch-polnischen Sieg des Kreuzes über den Halbmond, so steht dem­gegenüber die geschichtliche Tatsache, daß die Abweisung und Ueberwindung des Türkenheeres an diesem Tage eine Leistungdes Gesamt- deutschtuine s ist. Zweimal sind die Türken vor Wien gewesen. Das erste Mal um 1529 und das zweite Mal um 1683. Das damals überaus mächtige, den ganzen Balkan beherrschende Oö- manentum glaubte über Ungarn, und nach Un­terjochung Oesterreichs, den europäischen Westen bekriegen und den Halbmond überall aufpflanzen zu können. Im Jahre 1526 verloren die Ma­gyaren bet Mohatsch gegen die Türken eine bedeutungsvolle Schlacht.

Dadurch war nicht nur Ungarn zum türkischen Vasallen, sondern der türkische Weg nach Wien, diesem festen Bollwerk deutscher Kultur, frei geworden. Der Türkensultan Suleiman II. erschien am 23. September 1529, knappe drei Jahre nach der Schlacht bei Mo­hatsch, mit gewaltiger Heeresmacht vor Wien, das schnellstens eingenommen werden sollte, um dann den Weg nach dem Westen, nach den Ge­bieten des heutigen Reiches, fortzusetzen.

Dem heldenmütigen Verhalten des deutschen Wiens, unter Graf Niklas Salm, mußte Sulei­man der Prächtige, von den Wienern Soliman genannt, fluchtartig weichen. Diese erste Türken­belagerung Wiens ist verhältnismäßig glimpflich abgelaufen. Anders war es bei der zweiten Tür­kenbelagerung Wiens im Jahre 1683. Das os- manische Heer brach in einer Stärke von zwei- hunderttausend Mann, am 30. März 1683 von Adrianopel auf, erreichte nach einem beschwer­lichen Marsche Anfang Juni die Sau und Dran, kam dann durch Ungarn, über Ofen, Stuhl­weißenburg (heute Szekesfehörvär) und Raab (heute Györ) und rückte nach Wien vor.

Diesen Zug des türkischen Heeres hatte Frankreich verursacht, dessen König Lud­wig xiv. sich mit den Türken und aufständischen Polen verschwor, um die Macht des damali deutschen Herrscherhauses Habsbura zu ver­nichten. Dieser Herrscher wollte, nach Geling« seines Planes, die böhmischen Länder seinen Sohne übergeben, der künftighin römisch-deut­scher Kaiser sein sollte. Aus Seite des Habs­burgers Leopold stand auch der Papst, dem es gelang, den Franzosenkönig von einem Bündnis mit dem Türkensultan abzuhalten und den Po­lenkönig Johann Sobieski zu bewege, mit dem Habsburger ein gegen den Sultan gerichtetes Schutz- und Trutzbündnis abzuschließen. In Un­garn herrschte damals der Kuruzzenführer Tö- löly, der sich vom Sultan, dessen Vasall er war, zum. Fürsten hatte machen lassen. Tökölys Heer­scharen kämpften im Türkenheer.

So war die Lage, als die Türken unter Füh­rung ihres Feldherrn Kara Mustafa am 12. Juni 1683 vor Wien erschienen. Die türkische Infanterie stand gut aufgestellt und die Türken- battcricn waren mit gutem Ziele auf Wien ge­richtet. Am 26. Juli 1683 übersandte der stolze Kara Mustafa durch einen Pfeilschuß der Stadt Wien die Bedingungen für eine Uebergabe der Stadt, die sich in einer mehr als bedrängten Lage befand. Die Uebergabebedingungen wurden durch Wien mit heiter-trotziger Kriegsmusik be­antwortet.

In Wahrheit aber war den Verteidigern Wiens, dem Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg, dem Bürgermeister Lle­bend erg und dem Bischof Leopold G ra f Ko lonit sch, gar nicht heiter zu Mute, denn nur 16 000 Verteidiger standen einer fast Vierzehnfachen Uebermacht gegenüber. Dazu ka­men Lebensmittelknappheit, bösartige Krank­heiten und die durch die Türkenbeschießnngen entstandenen Feuerbrünste. Gras von Starhem­berg wartete auf das versprochene Entsatzheer, das hinter dem Wiener Kahlenberg -stand: In höchster Not entsandte Starhemberg einen seiner Leute, den Franz Georg Ko l s ch i tz k i, in der Nacht zum 13. August, mit einer Botschaft zum Herzog Karl von Lothringen. So kam die hochwichtige Verbindung mit dem Ent­satzheere zustande, das aus deutschen, Reichstruppen aller deutschen Stämme bestand. Immer'stärker drängten die Türken auf Wien, dessen Burgravellins be­reits im türkischen Besitze waren. Noch ein tür­kischer Sturm — und Wien, das Bollwerk der deutschen Ostmark, war in türkischer Hand, der Halbmond auf den Zinnen Wiens gepflanzt und der Weg nach Deutschland frei.

In letzter Stunde kam das Entsatzheer, kamen die deutschen Soldaten aller deutschen Stämme, unter Herzog Karl'von Lothringen, Kurfürst Georg von Sachsen und dem sächsischen Feldmarschall von der Goltz, kamen die Heersäulen unter den Herzögen. Ludwig und Hermann von Baden und dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, kam der Recke Feldmarschall Waldeck und der Her­zog von Sachsen-Lauenburg und der Polenkönig Johann Sobieski. Soldaten aller deutschen Stämme kamen um das deutsche Wien