Ausgabe 
(7.9.1933) Nr. 240
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Bremen. Donnerstag, den 7. September 1933 Einzelpreis 15 Vis.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 013, auswärts RM. 0,17; im Textteil RM, 0,75, auswärts RM. 1,: Stellengesuche RM- 0,06; Familienanzeigen, Stellenangebote und Woynungsmarkt RM. 008; sonstige kleine private Anzeigen bis zu 80 mw bei Vorauszahlung lohne Rabatt) RM. 0,08, Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigen­schluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot u- s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf die Rückzahlung des Bezugspreises,

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DcrsArnMoke Braan des Ssnals der Äreierr Lran1'eiT<rdt BeernsM.

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Nr. 240 Jahrgang 1933

Verlag, Schriftleitung und Geschäftsstelle: Geeren S8. Sprechstunden der Schristleitung: Montag bis Freitag 12 bis 13 Uhr. Fernsprecher: Roland Nr, 685 688. Bankkonten: Die Sparkasse in Bremen. Commerz« u- Privatbank, Deutsche Antioquiabank. Postscheckkonto: Hamburg 747 38, Die BNZ erscheint täglich morgens nur am Montag mittags, und kostet monatl, RM. 2,30 einschließt, Botenlohn, durch die Post bezogen erhöht sich ler Preis um 42 Rps. Zustellgeld, Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten.

Sir Welt eeiennl die Mische Gesahe

Jüdische Emigranten erhallen Prügel in Varia - gndenseindliche

Knndgebnngen in Volk«

Der Dank des Führers

Dr. Ley überreicht den Mitgliedern des Organi- sationsstabes für Nürnberg das Bild Adols Hitlers

Berlin, 6. September.

Wie derVölkische Beobachter" meldet, äußerte sich der Führer der Deutschen Arbeitsfront und Stabsleiter der PO. der NSDAP., Dr. Ley, in einer Unterredung mit einem Pressevertreter sehr befriedigt über die ungeheure organisatorisch« Leistung, die in Nürnberg für den Parteitag voll­bracht worden sei und die von seinem Organisa­tionsstab so glänzend bewältigt wurde. Der Füh­rer habe ihn beauftragt, als Zeichen seines Dan­kes den Mitgliedern des Organisationsstabes sein Bild mit Unterschrift zu überreichen. Mit der Uebermittlung des Dankes des Führers an den Organrsationsstab verbinde er seinen persönlichen Dank, der auch nicht weniger dem Bürgermeister von Nürnberg, Liebel, und dem Gauleiter Strei­cher gelte.

Den Beginn des großen Propagandafeldzuges für die Deutsche Arbeitsfront, der ursprünglich am 15. September beginnen sollte, hat Dr. Ley bis auf den 1. Oktober verschieben müssen, da er die Vorbereitungen hierzu zurückstellen mutzt«, um sich dem früheren italienischen Korporationsmini- Per Exzellenz Bottai widmen zu können, der be­kanntlich von der Partei und der Deutschen Ar­beitsfront zu einer Deutschlandreise eingeladen worden ist, auf der Dr. Ley ihn begleiten wird.

Maerer AMenseldee Vifchol von Vrandenburg

Wichtige Beschlüsse des altpreutzifchen Kirchen- senats

Berlin, 6. September

Der Kirchensenat der altpreutzifchen Union, der Mittwoch unter Vorsitz von Präses Dr. Werner in Berlin zusammentrat, beschäftigte sich zunächst mit den von der Eeneralsynode verabschiedeten Geset­zen, dem Gesetz über die Errichtung des Landes- hischofsamtes und der zehn evangelischen Bis­tümer sowie mit dem Beamtengesetz. Gegen die Gesetze wurde kein Einspruch erhoben. Sie sind damit in Kraft getreten und werden vom Kirchen­senat auch der Deutschen evangelischen Kirche vor­gelegt werden.

Entsprechend dem von der Generalsynode vorge­brachten Wunsch wurde Pfarrer Joachim Hossen- felder zum Bischof von Brandenburg berufen. Er ist damit gleichzeitig geistlicher Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrates und der ständige Vertreter des Landesbischoss von Preußen.

Der Kirchensenat beschloß, folgende Mitglieder des Oberkirchenrates in den Ruhestand zu verset­zen: die Oberkonststorialräte v. Karnatz, O. Jere- mias, Henselmann, v. Schlegel, v. Sellin, l). Rich­ter 2, l). Fischer. In den Ruhestand versetzt wur­den weiter die Generalsuperintendenten v. Dibe- lius-Berlin, v. Hegener-Schneidemühl, l). Eger- Magdeburg, v. Kalweit-Danzig, 0. Schian-Bres- lau, v. Viets-Berlin, D. Kalmus-Stettin. Die übrigen Generalsuperintendenten wurden mit der Verwaltung ihrer Stellen bis zur endgültigen Be­setzung der Bistümer betraut. In den evangelischen Oberkirchenrat wurden berufen als Dirigent des Oberkirchenrates Dr. Fülle, als hauptamtliche Oberkonsistorialräte Pfarrer v, Freitag und Pfar­rer Peter, als nebenamtliche Oberkonststorialräte Pfarrer Eckert, MdL., Professor Stolzenburg, Pfarrer Nobiling, Pfarrer Dr. Wienecke, Pfarrer Dr. Thom.

Der Kirchensenat übertrug seine Befugnisse bis zur nächsten Sitzung auf einen Ausschutz, dem fol­gende fünf Mitglieder des Senais angehören: Bi­schof Hossenfelder, Präses Dr. Werner, Ministerial­direktor Jäger, Generalsuperintendent v. Zaenker, Admiral Mensel.

Mord, an Verlinee SA.--Marm aufgeklärt

Berlin, 6. September.

Die Ermordung des SA-Mannes Hans Steinberg, der in der Nacht zum 2 Juli 1932 von einem Kom­munisten erschaffen wurde, ist jetzt aufgeklärt. Es ist gelungen, den Mörder in der Person des Malers Georg Taubner zu verhaften. Taubner, der der KPD. angehörte, ist geständig. Der Feuerüberfall ist von einer großen Kommunistenhorde unterstützt wor­den. Elf Mittäter konnten gleichfalls verhaftet werden.

Voferr-Westprercherr frei von ArdeitsSsken

Berlin, 6. September. Oberpräsident Kube hat heute dem preußischen Mi­nister des Innern gemeldet, daß die Provinz Grenz­mark Posen-Westpreutzen jetzt frei von Arbeitslosen

sei.

MarMrfches Feldlager ausgehoben

Wulfen, 6. September.

Beamte der Staatspolizeistelle Recklinghausen haben Montag abend in der Nähe von Wulfen in einem Walde ein 150 Mann starkes marxistisches Feldlager, das unter kommunistischer Leitung stand, ausgehoben. Die Leute stammten aus den verschiedensten Orten des Ruhrgcbietes. Es handelt sich um eine Brut­stätte des Marxismus, die zu Wochenende regelmäßig von über 150 Personen, weiblichen und männlichen Geschlechts, besucht wurde.

Paris, 6. September.

In Montparnasse, dem Brennpunkte des Pariser Nachtlebens, kam es am Dienstag abend zu einer Schlägerei zwischen Anhän­gern der patriotischen Jugend und aus Deutschland geflüchteten Juden und Marxi­sten. DasEcho de Paris" schreibt dazu. daß

die Arroganz dieeser Flüchtlinge gerade­zu ein Skandal sei.

Einige Mitglieder der patriotischen Ju­gend, die auf einer Cafihausterrasse saßen, waren Zeugen, wie die französische Regie­rung von ihnen in beleidigender Form kriti­siert wurde. Nach einem Wortwechsel sei es schließlich zu einer regelrechten Schlägerei ge­kommen. Die anderen anwesenden Gäste hätten ihre Sympathie für Frankreich dii-ch RufeEs lebe Frankreich" zum Ausdruck gebracht.

Warschau, 6. Sept.

In einigen Ortschaften des Bezirks Skile in Ostgalizien fanden zahlreiche sudcnfeiad- liche Kundgebungen statt. Jnsge^am^ wurden dabei in jüdischen Wohnungen etwa 200 Fensterscheiben eingeschlagen

Die nationaldemokratischeGazeta War- szawska" schlägt Alarm wegen der

Gefahr der jüdischen Invasion in Pommerellen".

Immer hartnäckiger, so heißt es, dränge sich das Judentum in die sauberen Städte Pom- merellens, wobei diese Eindringlinge eine Selbststcherheit auszeichne, die oftmals die Form einer Herausforderung der Gefühle

London, 6. September.

NormanDavis traf am Dienstag abend in Plymouth ein und begab sich nach London, wo er etwa zehn Tage bleiben wird, um dann nach Pa­ris und später nach Genf zu den Abrüstnngsver- handlungen zu gehen. E: erwartet, daß er außer mit dem englischen Außenminister auch Unter­redungen mit MacDonald und Hendetson haben wird. Bei seiner Ankunft erklärte er, daß sich die amerikanische Auffassung im allgemeinen nicht ge­ändert habe.

Amerika sei jedoch der Ansicht, daß mehr denn

je die Notwendigkeit für einen erfolgreichen Abschluß der Konferenz bestehe.

Die amerikanische Regierung unterstütze den britischen Plan für die Abrüstung, sei aber bereit, Einzelheiten abzuändern. Es sei notwendig, daß eine Rüstungsüberwachung stattfinde und daß zu diesem Zwecke eine dauernde Körperschaft eingesetzt werde. Normän Davis fügte hinzu, daß Amerika bereit sei, den Gedanken eines Nichtangriffspaktes zu erwägen und zu begünstigen.

Auch ein Vefuch m Berlin

Weiter hat er verlauten lasten, daß er während seines jetzigen Aufenthaltes in Europa die Absicht habe, auch einen Besuch in Berlin abzustatten, um dort mit den leitenden Stellen, darunter voraus­sichtlich dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath Fühlung in der Abrüstungsfrage zu neh­men. Voraussichtlich werde der Besuch in Berlin im Anschluß an Unterredungen in Paris erfolgen, wohin sich Norman Davis im Laufe der nächsten Woche begeben wird.

Er hatte am Mittwoch vormittag eine andert- halbstündige Unterredung mit dem englischen Außenminister Simon, in der von dem englischen Außenminister eingehend die Gründe für die Pa­riser Besprechungen dargelegt und sämtliche Seiten des Abrüstungsproblems besprochen wurden. Hieraus schließen politische Kreise, daß außer den englischen Vorschlägen für die Landabrüstung auch die Frage der Luft- und Seeabrüstung zur Erör­terung stand. Man rechnet damit, daß Norman Davis auch Rom besuchen wird. Hinsichtlich der Bereitwilligkeit Amerikas zu Nichtangriffspakten hat Norman Davis wissen lassen, daß diese mit den Vorschlägen für einen europäischen Pakt zur ge­genseitigen Unterstützung nicht verwechselt werden dürfen. Amerika habe gegen einen derartigen Pakt an sich nichts einzuwenden, werde sich ihm aber niemals anschließen, so daß in dieser Hinsicht die amerikanische Politik sich nicht geändert habe.

Aus Bern ist der dortige amerikanische Ge­sandte in London eingetroffen, um sich mit Nor­man Davis über die europäische Lage und den Stand der Abrüstungsverhandlungen auszu- sprechen.

EngMÄe Stimmen

Zu den bevorstehenden Abrüstungsverhandlun­gen Zwilchen Frankreich und England, die am

der Ortsbevölkerung annehme. Zum Schluß dieser Betrachtungen wird erklärt, dieBevölkerung von Pommerellen mutz den Kampf gegen das Judentum unter der Losung aufnehmen, bei Juden darf nicht gekauft werden". Jeder der in einem jüdischen Geschäft kauft, muß dessen eingedenk sein, daß er dadurch den Arbeitslosen Polens ein Unrecht zufügt.

Die Bohkottbewegung der vokni- schen Bevölkerung gegen die jüdischen Ge­schäfte nimmt auch in Warschau zu. So wurden in einem jüdischen Geschäht die Fensterscheiben zertrümmert. Polen, die in jüdischen Geschäften kaufen wollten, sind von polnischen Jugendtrupps daran gehindert worden.

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Die Wichtigkeit der beiden vorstehenden Meldungen darf nicht übersehen werden, denn sie lassen erkennen, daß immer mehr die Länder Europas und darüber hinaus der ganzen Welt langsam erwachen un die Ge fahren des Weltjudentums erkennen. Als wir in den Jahren des Kampfes erklärten. Wir Nationalsozialisten sind Deutschland da wurden wir verhöhnt und verlacht Heute sind wir Deutschland. Als wir späterhin sagten, daß der Nationalsozialismus eine Weltsendung habe, da hielt man uns für hoffnungslose Utopisten.

Nur einer hat damals diese Gefahr er­kannt: das war das Weltjudentum Und darum nahm es schon von den ersten Jah­ren einen erbitterten Kamps gegen unsere

18. September in Paris stattfinden sollen, schreibt dieTime s" in Verbindung mit ihrem Bericht über die gestrige Kabinettssitzung: Der Unter- staatssekretär Eden solle in Paris sagen, daß das englische Kabinett den französischen Plan für eine regelmäßige zwangsläufige sechsmonatliche Kon­trolle noch nicht abgelehnt habe. Aber die engli­schen Minister wollten genauer über den französi­schen Plan unterrichtet sein. Sie müßten vor allem wissen, wieweit Frankreich zu einer tatsäch­lichen Abrüstung bereit sei.

Ein Sonderberichterstatter desDaily Tele­graph", der anscheinend französischen Kreisen nahe­steht, schreibt, daß vielleicht die Mächte wie Italien eingeladen würden, späterhin an den Pariser Be­sprechungen teilzunehmen, weil mit der ALrü- stungsfrage auch die österreichische Frage eng ver­knüpft sei.

England, Frankreich und Italien hätten sich aus eine Poltik zum Schutze Oesterreichs, aber nicht zu einer Unterstützung Oesterreichs entschlossen

Hierzu meldet derDaily Herald" ergänzend, sollten Daladier oder Paul Boncour die Sprache auf Oesterreich bringen, so werde Unterstaats­sekretär Eden zwar zuhören muffen, aber irgend­welche Entscheidungen könnten nicht gefällt wer­den, da der englische Außenminister nicht anwesend sein werde.

Simon Sähet nicht nach Berlin

Paris, 6. Sept.

Der Ministerrat in London vom Dienstag be­schäftigt auch die französische Presse nach wie vor an erster Stelle. Nach Informationen der Son-

London, 6. September.

Napoleon Dollfuß, Bundeskanzler von Oester­reich", so schreibt derDaily Ex p r e ß" in großer Aufmachung, nähert sich schnell seinem Belle-Al- liance und die Blücher müssen sich nun bald ent­schließen, wenn sie nicht zu spät kommen wollen.

Dollsutz, so sage man, sei zum Rücktritt bereit, da er der fortgesetzten Reibungen in seinem Kabinett überdrüssig und durch den Kamps gegen die anwach­sende nationalsozialistische Bewegung völlig nervös geworden sei.

Dollfuß habe feststellen müssen, daß ausländische Hilfe und ausländisches Geld nicht gewährt werden, wenn-die Regierung eines Landes nicht mehr die

Bewegung aus. Darum warf es auch der Regierung Adols Hitlers mit der Greuelhetze und der Bohkottbewegung den Fehdehand­schuh hin.

Das neue Deutschland hat diesen Fehde­handschuh aufgenommen, und heute schon .erkennen auch die, die uns einmal für hoff­nungslose Utopisten hielten, die Weltsendung des nationalsozialistischen Gedankengutes. Rings um Deutschland flammt es auf g?.,en die Juden und ihre Finanzhoheit. Vor weni­gen Tagen hatderSchweizerBundes- rat ein Gesetz gegen die Warenhäuser an­genommen. In Polen rüst man: ,Kaust nicht bei Juden!" In Holland und Bel­gien kommt es immer wieder zu antisemi­tischen Kundgebungen, und auch Paris er­kennt jetzt deutlich die Gefahr der jüdischen Invasion, nachdem es zunächst die Emi­granten bei sich aufgenommen hatte.

Diese Tatsachen beweisen die Folge­richtigkeit und die Bedeutung der nationalsozialistischen Weltan­schauung. Wohl hat es schon immer anti jüdische Bewegungen gegeben. Sie blieben erfolglos und mußten es bleiben, weil es dem deutschen Nationalsozialismus vorbe halten blieb, die Judenfrage zum ersten Mal nicht vom Standpunkt der Reli­gion, sondern vom Standpunkt der Rasse aufzunehmen.

Und dadurch ist es gelungen, das Juden­tum an seiner verwundbarsten Stelle zu treffen. Der Kampf ist entbrannt, und schon heute zeigt sich, daß das Weltjudentum zum ersten Mal eine entscheidende Niederlage er­leben wird.

derberichterstatter der großen Blätter scheint fest­zustehen, daß sich die in so großen Linien ange­kündigte Pariser Zusammenkunft, an der ur­sprünglich der Englische Außenminister John Si­mon teilnehmen sollte, hauptsächlich auf einen' Meinungsaustausch zwischen Daladier und Paul Voncour mit dem ständigen Vertreter Englands im Abrüstungsausschuß, Eden, beschränken wird. Sir John Simon tritt seine Reise nach Genf angeblich erst später an.

Der Londoner Sonderberichterstatter desP e - tit Puristen" will weiter erfahren haben, daß Eden die französischen Vorschläge über eine alle sechs Monate stattfindende Rüstungskontrolle nicht ohne weiteres ablehnen werde. Er werde jedoch Einzelheiten über die Art und Weise for­dern, wie Frankreich diese Kontrolle durchzufüh­ren gedenke und welche Zugeständnisse die fran­zösische Regierung auf dem Gebiete der Abrüstung zu machen bereit sei, falls England dieser Rü­stungskontrolle zustimme.

Die Ausführungen desPetit Journal" bewegen sich etwa in der gleichen Richtung. Die englische Regierung, so betont das Blatt, habe ihre Haltung in der Kontrollfrage nicht geändert. Es sei aber wahrscheinlich, daß sie sich bereit erklären werde, bei gewissen französischen Zugeständnissen in der Abrüstungsfrage der Kontrollfrage zuzu­stimmen.

Zu der englischen Haltung in der österreichischen Frage schreibt dasEcho de Pari s", daß man englischerseits zu einer Politik desSchutzes ohne Beistand" entschlossen sei. London wünsche jedoch einige Aufklärungen über die Absichten Musso­linis. die angeblich noch sehr unklar seien.

volle Unterstützung ihres Volkes habe. Er habe zu­viel Zeit auf den Kampf gegen seine Feinde ver­wendet, anstatt sich mit wirklichen Wiederaufbaumaß­nahmen zu befassen. Dollfuß würde am liebsten sofort zurücktreten. Nur der Gedanke, daß dann ein Bür­gerkrieg ausbrechen könnte, halte ihn zurück.

Der Bericht geht dann auf die traurigen wirtschaft­lichen und finanziellen Verhältnisse, den Zusammen- bruch des Touristenverkehrs und die Unzufriedenheit der Bevölkerung in den Kurorten ein und sagt, daß dies der beste Nährboden für die Nationalsozialisten sei.

Die Polizei sei bereits stark nationalsozialistisch durchsetzt, das gleiche gelte von den Truppen, so daß

die österreichische Regierung Truppen von der unga­rischen Grenze nach Tirol werfen mußte, umun­zuverlässige Truppen" abzulösen.

Die Neuangekommenen seien bezeichnenderweise mit eisernem Stillschweigen empfangen worden. Wenn heute eine Wahl in Oesterreich stattfinden würde, so würden die Nationalsozialisten die stärkste Partei sein und mindestens 50 v. H. der Stimmen erhalten.

England wolle wohl die Unabhängigkeit Oester­reichs aufrechterhalten, aber hierbei fühle sich die eng­lische Regierung keineswegs sehr wohl, weil sie auch ihre Handelsinteressen bedroht sähe. Lange und ernst habe das Kabinett am Dienstag über die österrei­chische Lage beraten.

Daily Expreß" steht im übrigen im Gegensatz zu den amtlichen englischen Stellen auf dem Standpunkt, daß mit der Genehmigung einer Miliz für Oesterreich der Friedensvertrag durchbrochen sei, wie dies auch von dem keineswegs deutschfreundlichenMan- chesterGuardian" zugegeben wurde. Hätte man diesen Grundsatz der Abänderung der Friedensver­träge schon früher befolgt, so wäre die ganze Entwick­lung in Deutschland und Oesterreich wohl eine andere gewesen. AuchDaily Mail" bestätigt das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich und die Truppen» erlegung von der ungarischen Grenze nach Tirol.

Krach im Dollfutz-Kabirrett

Dollfuß drohte mit dem Rücktritt Reuter meldet Krise

London, 6. September.

Ein Reuter-Telegramm aus Wien besagt, daß zwar die amtlichen Kreise Oesterreichs Rücktritts­absichten des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß demen­tiert hätten, offensichtlich habe aber Dollfuß in der Hitze einer Auseinandersetzung mit dem Sicher­heitsminister Fey wegen der Frage der Beteili­gung deutscher Katholiken an dem internationalen Katholikenkongretz mit seinem Rücktritt gedroht, der am Donnerstag in Wien eröffnet wird. Man müsse auch zugeben, Laß Dollfuß wegen der ver­schiedenen Ansichten von Fey, Vaugoin, Winkler und Rintelen ernsten Schwierigkeiten im Kabinett gegenüberstehe.

DeittschnatSonare VoKsAMei in Vanzig airfgeM

Danzig, 6. Sept.

Die Pressestelle des Senats veröffentlicht ein Schreiben des Führers der Deutschnationalen Volkspartei Danzigs, Dr. Ziehm, in dem es u. a. heißt:

Die politische Entwicklung in der Freien Stadt Danzig ist dahin gegangen, daß für eine frucht­bare politische Arbeit der Deutschnationaleu Volks­partei keine Möglichkeit mehr besteht. Als der bei den Wahlen von der Partei aufgestellte Führer der Liste der Deutschnationalen Volkspartei und als der von dem Vertrauen der Partei getragene politische Führer erkläre ich daher im ausdrück­lichen Einverständnis einer großen Zahl unserer politischen Freunde und im Einvernehmen mit unserer Regierung die Deutschnationale Volks- patrei für aufgelöst.

Ich erwarte und hoffe nach den mir zugegange­nen Erklärungen der Regierung, daß die wert­vollen in unserer Partei vorhandenen Kräfte auch bei den veränderten Verhältnissen im Staate nutz­bar gemacht werden.

Herriots neueste Würde

Zum Oberst der bolschewistischen Armee ernannt Paris, 6. September.

Nach einer Warschauer Meldung der Agentur Ludest" hat der russische Volkskommissar im Kriegsministerium gelegentlich einer intimen Feier dem ehemaligen französischen Ministerprä­sidenten Herriot den Titel eines Oberst der Roten Armee verliehen. Herriot soll angeblich sichtlich bewegt gewesen sein und in seiner Erwiderung auf die Auszeichnung daran erinnert haben, daß er selbst der Sohn eines ehemaligen Offiziers sei. Dieser neue Beweis der Freundschaft des großen russischen Volkes, so erklärte er ferner, gehe ihm sehr nahe und er werde fortfahren, die russisch- französische Verständigung zu fördern, um dem Frieden der Demokratie zu dienen.

DasJournal des Debats" erinnert daran, daß auch die französischen Kommunisten Doriot, Lachin und Vaillant Couturier zu höheren Offi­zieren in der Roten Armee ernannt worden seien. Mit der Ernennung Herriots vervollständigt man dieses Offizierskorps.

*

Die Ernennung entbehrt auch insofern nicht eines gewissen Reizes, als bekanntlich der deutsch» Kommunist Thälmann im Rang eines Reiter- generals der Roten Armee steht und somit Vor­gesetzter des srüheren französischen Ministerprä­sidenten Herriot ist.

Schweres Eisenbahnuliglüü m Amerika

23 Tote, über 109 Verletzte. Vinghampton (Newyork), 6. September.

Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich hier er­eignet. In voller Geschwindigkeit fuhr ein Güterzug aus einen Personenzug auf. Die letzten beiden Wagen des Personenzuges sind vollkommen zertrümmert. Soweit man bisher übersehen kann. hat dieses Un­glück 23 Tote und weit über 100 Verletzte gekostet.

kskelrsten 6er Weltpresse um 6en 1S. Zeptember

Pariser VeWrechurmen als Einleitung der AbriislungSverhandlungen

Französische Störungsversuche Die Ansicht Amerikas: ..Abrüstung nötiger denn Se"

l^IspoIeon-Dolltuk vor seinem Velle-^llisnce"

9er MMmettermch nervös und amtSmüde

Englische Blätter melden MitlrittSabsichten des Bundeskanzlers