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Bremen. Donnerstag, den 7. September 1933 Einzelpreis 15 Vis.
Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 013, auswärts RM. 0,17; im Textteil RM, 0,75, auswärts RM. 1,—: Stellengesuche RM- 0,06; Familienanzeigen, Stellenangebote und Woynungsmarkt RM. 008; sonstige kleine private Anzeigen bis zu 80 mw bei Vorauszahlung lohne Rabatt) RM. 0,08, Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigenschluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot u- s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf die Rückzahlung des Bezugspreises,
vremerstMomIsoMiMiie Zeiiim-
DcrsArnMoke Braan des Ssnals der Äreierr Lran1'eiT<rdt BeernsM.
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Nr. 240 Jahrgang 1933
Verlag, Schriftleitung und Geschäftsstelle: Geeren S—8. Sprechstunden der Schristleitung: Montag bis Freitag 12 bis 13 Uhr. Fernsprecher: Roland Nr, 685 688. Bankkonten: Die Sparkasse in Bremen. Commerz« u- Privatbank, Deutsche Antioquiabank. Postscheckkonto: Hamburg 747 38, — Die BNZ erscheint täglich morgens nur am Montag mittags, und kostet monatl, RM. 2,30 einschließt, Botenlohn, durch die Post bezogen erhöht sich ler Preis um 42 Rps. Zustellgeld, Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten.
Sir Welt eeiennl die Mische Gesahe
Jüdische Emigranten erhallen Prügel in Varia - gndenseindliche
Knndgebnngen in Volk«
Der Dank des Führers
Dr. Ley überreicht den Mitgliedern des Organi- sationsstabes für Nürnberg das Bild Adols Hitlers
Berlin, 6. September.
Wie der „Völkische Beobachter" meldet, äußerte sich der Führer der Deutschen Arbeitsfront und Stabsleiter der PO. der NSDAP., Dr. Ley, in einer Unterredung mit einem Pressevertreter sehr befriedigt über die ungeheure organisatorisch« Leistung, die in Nürnberg für den Parteitag vollbracht worden sei und die von seinem Organisationsstab so glänzend bewältigt wurde. Der Führer habe ihn beauftragt, als Zeichen seines Dankes den Mitgliedern des Organisationsstabes sein Bild mit Unterschrift zu überreichen. Mit der Uebermittlung des Dankes des Führers an den Organrsationsstab verbinde er seinen persönlichen Dank, der auch nicht weniger dem Bürgermeister von Nürnberg, Liebel, und dem Gauleiter Streicher gelte.
Den Beginn des großen Propagandafeldzuges für die Deutsche Arbeitsfront, der ursprünglich am 15. September beginnen sollte, hat Dr. Ley bis auf den 1. Oktober verschieben müssen, da er die Vorbereitungen hierzu zurückstellen mutzt«, um sich dem früheren italienischen Korporationsmini- Per Exzellenz Bottai widmen zu können, der bekanntlich von der Partei und der Deutschen Arbeitsfront zu einer Deutschlandreise eingeladen worden ist, auf der Dr. Ley ihn begleiten wird.
Maerer AMenseldee Vifchol von Vrandenburg
Wichtige Beschlüsse des altpreutzifchen Kirchen- senats
Berlin, 6. September
Der Kirchensenat der altpreutzifchen Union, der Mittwoch unter Vorsitz von Präses Dr. Werner in Berlin zusammentrat, beschäftigte sich zunächst mit den von der Eeneralsynode verabschiedeten Gesetzen, dem Gesetz über die Errichtung des Landes- hischofsamtes und der zehn evangelischen Bistümer sowie mit dem Beamtengesetz. Gegen die Gesetze wurde kein Einspruch erhoben. Sie sind damit in Kraft getreten und werden vom Kirchensenat auch der Deutschen evangelischen Kirche vorgelegt werden.
Entsprechend dem von der Generalsynode vorgebrachten Wunsch wurde Pfarrer Joachim Hossen- felder zum Bischof von Brandenburg berufen. Er ist damit gleichzeitig geistlicher Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrates und der ständige Vertreter des Landesbischoss von Preußen.
Der Kirchensenat beschloß, folgende Mitglieder des Oberkirchenrates in den Ruhestand zu versetzen: die Oberkonststorialräte v. Karnatz, O. Jere- mias, Henselmann, v. Schlegel, v. Sellin, l). Richter 2, l). Fischer. In den Ruhestand versetzt wurden weiter die Generalsuperintendenten v. Dibe- lius-Berlin, v. Hegener-Schneidemühl, l). Eger- Magdeburg, v. Kalweit-Danzig, 0. Schian-Bres- lau, v. Viets-Berlin, D. Kalmus-Stettin. Die übrigen Generalsuperintendenten wurden mit der Verwaltung ihrer Stellen bis zur endgültigen Besetzung der Bistümer betraut. In den evangelischen Oberkirchenrat wurden berufen als Dirigent des Oberkirchenrates Dr. Fülle, als hauptamtliche Oberkonsistorialräte Pfarrer v, Freitag und Pfarrer Peter, als nebenamtliche Oberkonststorialräte Pfarrer Eckert, MdL., Professor Stolzenburg, Pfarrer Nobiling, Pfarrer Dr. Wienecke, Pfarrer Dr. Thom.
Der Kirchensenat übertrug seine Befugnisse bis zur nächsten Sitzung auf einen Ausschutz, dem folgende fünf Mitglieder des Senais angehören: Bischof Hossenfelder, Präses Dr. Werner, Ministerialdirektor Jäger, Generalsuperintendent v. Zaenker, Admiral Mensel.
Mord, an Verlinee SA.--Marm aufgeklärt
Berlin, 6. September.
Die Ermordung des SA-Mannes Hans Steinberg, der in der Nacht zum 2 Juli 1932 von einem Kommunisten erschaffen wurde, ist jetzt aufgeklärt. Es ist gelungen, den Mörder in der Person des Malers Georg Taubner zu verhaften. Taubner, der der KPD. angehörte, ist geständig. Der Feuerüberfall ist von einer großen Kommunistenhorde unterstützt worden. Elf Mittäter konnten gleichfalls verhaftet werden.
Voferr-Westprercherr frei von ArdeitsSsken
Berlin, 6. September. Oberpräsident Kube hat heute dem preußischen Minister des Innern gemeldet, daß die Provinz Grenzmark Posen-Westpreutzen jetzt frei von Arbeitslosen
sei.
MarMrfches Feldlager ausgehoben
Wulfen, 6. September.
Beamte der Staatspolizeistelle Recklinghausen haben Montag abend in der Nähe von Wulfen in einem Walde ein 150 Mann starkes marxistisches Feldlager, das unter kommunistischer Leitung stand, ausgehoben. Die Leute stammten aus den verschiedensten Orten des Ruhrgcbietes. Es handelt sich um eine Brutstätte des Marxismus, die zu Wochenende regelmäßig von über 150 Personen, weiblichen und männlichen Geschlechts, besucht wurde.
Paris, 6. September.
In Montparnasse, dem Brennpunkte des Pariser Nachtlebens, kam es am Dienstag abend zu einer Schlägerei zwischen Anhängern der patriotischen Jugend und aus Deutschland geflüchteten Juden und Marxisten. Das „Echo de Paris" schreibt dazu. daß
die Arroganz dieeser Flüchtlinge geradezu ein Skandal sei.
Einige Mitglieder der patriotischen Jugend, die auf einer Cafihausterrasse saßen, waren Zeugen, wie die französische Regierung von ihnen in beleidigender Form kritisiert wurde. Nach einem Wortwechsel sei es schließlich zu einer regelrechten Schlägerei gekommen. Die anderen anwesenden Gäste hätten ihre Sympathie für Frankreich dii-ch Rufe „Es lebe Frankreich" zum Ausdruck gebracht.
Warschau, 6. Sept.
In einigen Ortschaften des Bezirks Skile in Ostgalizien fanden zahlreiche sudcnfeiad- liche Kundgebungen statt. Jnsge^am^ wurden dabei in jüdischen Wohnungen etwa 200 Fensterscheiben eingeschlagen
Die nationaldemokratische „Gazeta War- szawska" schlägt Alarm wegen der
„Gefahr der jüdischen Invasion in Pommerellen".
Immer hartnäckiger, so heißt es, dränge sich das Judentum in die sauberen Städte Pom- merellens, wobei diese Eindringlinge eine Selbststcherheit auszeichne, die oftmals die Form einer Herausforderung der Gefühle
London, 6. September.
NormanDavis traf am Dienstag abend in Plymouth ein und begab sich nach London, wo er etwa zehn Tage bleiben wird, um dann nach Paris und später nach Genf zu den Abrüstnngsver- handlungen zu gehen. E: erwartet, daß er außer mit dem englischen Außenminister auch Unterredungen mit MacDonald und Hendetson haben wird. Bei seiner Ankunft erklärte er, daß sich die amerikanische Auffassung im allgemeinen nicht geändert habe.
Amerika sei jedoch der Ansicht, daß mehr denn
je die Notwendigkeit für einen erfolgreichen Abschluß der Konferenz bestehe.
Die amerikanische Regierung unterstütze den britischen Plan für die Abrüstung, sei aber bereit, Einzelheiten abzuändern. Es sei notwendig, daß eine Rüstungsüberwachung stattfinde und daß zu diesem Zwecke eine dauernde Körperschaft eingesetzt werde. Normän Davis fügte hinzu, daß Amerika bereit sei, den Gedanken eines Nichtangriffspaktes zu erwägen und zu begünstigen.
Auch ein Vefuch m Berlin
Weiter hat er verlauten lasten, daß er während seines jetzigen Aufenthaltes in Europa die Absicht habe, auch einen Besuch in Berlin abzustatten, um dort mit den leitenden Stellen, darunter voraussichtlich dem Reichsaußenminister Freiherrn von Neurath Fühlung in der Abrüstungsfrage zu nehmen. Voraussichtlich werde der Besuch in Berlin im Anschluß an Unterredungen in Paris erfolgen, wohin sich Norman Davis im Laufe der nächsten Woche begeben wird.
Er hatte am Mittwoch vormittag eine andert- halbstündige Unterredung mit dem englischen Außenminister Simon, in der von dem englischen Außenminister eingehend die Gründe für die Pariser Besprechungen dargelegt und sämtliche Seiten des Abrüstungsproblems besprochen wurden. — Hieraus schließen politische Kreise, daß außer den englischen Vorschlägen für die Landabrüstung auch die Frage der Luft- und Seeabrüstung zur Erörterung stand. Man rechnet damit, daß Norman Davis auch Rom besuchen wird. Hinsichtlich der Bereitwilligkeit Amerikas zu Nichtangriffspakten hat Norman Davis wissen lassen, daß diese mit den Vorschlägen für einen europäischen Pakt zur gegenseitigen Unterstützung nicht verwechselt werden dürfen. Amerika habe gegen einen derartigen Pakt an sich nichts einzuwenden, werde sich ihm aber niemals anschließen, so daß in dieser Hinsicht die amerikanische Politik sich nicht geändert habe.
Aus Bern ist der dortige amerikanische Gesandte in London eingetroffen, um sich mit Norman Davis über die europäische Lage und den Stand der Abrüstungsverhandlungen auszu- sprechen.
EngMÄe Stimmen
Zu den bevorstehenden Abrüstungsverhandlungen Zwilchen Frankreich und England, die am
der Ortsbevölkerung annehme. Zum Schluß dieser Betrachtungen wird erklärt, die „Bevölkerung von Pommerellen mutz den Kampf gegen das Judentum unter der Losung aufnehmen, bei Juden darf nicht gekauft werden". Jeder der in einem jüdischen Geschäft kauft, muß dessen eingedenk sein, daß er dadurch den Arbeitslosen Polens ein Unrecht zufügt.
Die Bohkottbewegung der vokni- schen Bevölkerung gegen die jüdischen Geschäfte nimmt auch in Warschau zu. So wurden in einem jüdischen Geschäht die Fensterscheiben zertrümmert. Polen, die in jüdischen Geschäften kaufen wollten, sind von polnischen Jugendtrupps daran gehindert worden.
»
Die Wichtigkeit der beiden vorstehenden Meldungen darf nicht übersehen werden, denn sie lassen erkennen, daß immer mehr die Länder Europas und darüber hinaus der ganzen Welt langsam erwachen un die Ge fahren des Weltjudentums erkennen. Als wir in den Jahren des Kampfes erklärten. Wir Nationalsozialisten sind Deutschland — da wurden wir verhöhnt und verlacht Heute sind wir Deutschland. Als wir späterhin sagten, daß der Nationalsozialismus eine Weltsendung habe, — da hielt man uns für hoffnungslose Utopisten.
Nur einer hat damals diese Gefahr erkannt: das war das Weltjudentum Und darum nahm es schon von den ersten Jahren einen erbitterten Kamps gegen unsere
18. September in Paris stattfinden sollen, schreibt die „Time s" in Verbindung mit ihrem Bericht über die gestrige Kabinettssitzung: Der Unter- staatssekretär Eden solle in Paris sagen, daß das englische Kabinett den französischen Plan für eine regelmäßige zwangsläufige sechsmonatliche Kontrolle noch nicht abgelehnt habe. Aber die englischen Minister wollten genauer über den französischen Plan unterrichtet sein. Sie müßten vor allem wissen, wieweit Frankreich zu einer tatsächlichen Abrüstung bereit sei.
Ein Sonderberichterstatter des „Daily Telegraph", der anscheinend französischen Kreisen nahesteht, schreibt, daß vielleicht die Mächte wie Italien eingeladen würden, späterhin an den Pariser Besprechungen teilzunehmen, weil mit der ALrü- stungsfrage auch die österreichische Frage eng verknüpft sei.
England, Frankreich und Italien hätten sich aus eine Poltik zum Schutze Oesterreichs, aber nicht zu einer Unterstützung Oesterreichs entschlossen
Hierzu meldet der „Daily Herald" ergänzend, sollten Daladier oder Paul Boncour die Sprache auf Oesterreich bringen, so werde Unterstaatssekretär Eden zwar zuhören muffen, aber irgendwelche Entscheidungen könnten nicht gefällt werden, da der englische Außenminister nicht anwesend sein werde.
Simon Sähet nicht nach Berlin
Paris, 6. Sept.
Der Ministerrat in London vom Dienstag beschäftigt auch die französische Presse nach wie vor an erster Stelle. Nach Informationen der Son-
London, 6. September.
„Napoleon Dollfuß, Bundeskanzler von Oesterreich", so schreibt der „Daily Ex p r e ß" in großer Aufmachung, nähert sich schnell seinem Belle-Al- liance und die Blücher müssen sich nun bald entschließen, wenn sie nicht zu spät kommen wollen.
Dollsutz, so sage man, sei zum Rücktritt bereit, da er der fortgesetzten Reibungen in seinem Kabinett überdrüssig und durch den Kamps gegen die anwachsende nationalsozialistische Bewegung völlig nervös geworden sei.
Dollfuß habe feststellen müssen, daß ausländische Hilfe und ausländisches Geld nicht gewährt werden, wenn-die Regierung eines Landes nicht mehr die
Bewegung aus. Darum warf es auch der Regierung Adols Hitlers mit der Greuelhetze und der Bohkottbewegung den Fehdehandschuh hin.
Das neue Deutschland hat diesen Fehdehandschuh aufgenommen, und heute schon .erkennen auch die, die uns einmal für hoffnungslose Utopisten hielten, die Weltsendung des nationalsozialistischen Gedankengutes. Rings um Deutschland flammt es auf g?.,en die Juden und ihre Finanzhoheit. Vor wenigen Tagen hatderSchweizerBundes- rat ein Gesetz gegen die Warenhäuser angenommen. In Polen rüst man: ,Kaust nicht bei Juden!" In Holland und Belgien kommt es immer wieder zu antisemitischen Kundgebungen, und auch Paris erkennt jetzt deutlich die Gefahr der jüdischen Invasion, nachdem es zunächst die Emigranten bei sich aufgenommen hatte.
Diese Tatsachen beweisen die Folgerichtigkeit und die Bedeutung der nationalsozialistischen Weltanschauung. Wohl hat es schon immer anti jüdische Bewegungen gegeben. Sie blieben erfolglos und mußten es bleiben, weil es dem deutschen Nationalsozialismus vorbe halten blieb, die Judenfrage zum ersten Mal nicht vom Standpunkt der Religion, sondern vom Standpunkt der Rasse aufzunehmen.
Und dadurch ist es gelungen, das Judentum an seiner verwundbarsten Stelle zu treffen. Der Kampf ist entbrannt, und schon heute zeigt sich, daß das Weltjudentum zum ersten Mal eine entscheidende Niederlage erleben wird.
derberichterstatter der großen Blätter scheint festzustehen, daß sich die in so großen Linien angekündigte Pariser Zusammenkunft, an der ursprünglich der Englische Außenminister John Simon teilnehmen sollte, hauptsächlich auf einen' Meinungsaustausch zwischen Daladier und Paul Voncour mit dem ständigen Vertreter Englands im Abrüstungsausschuß, Eden, beschränken wird. Sir John Simon tritt seine Reise nach Genf angeblich erst später an.
Der Londoner Sonderberichterstatter des „P e - tit Puristen" will weiter erfahren haben, daß Eden die französischen Vorschläge über eine alle sechs Monate stattfindende Rüstungskontrolle nicht ohne weiteres ablehnen werde. Er werde jedoch Einzelheiten über die Art und Weise fordern, wie Frankreich diese Kontrolle durchzuführen gedenke und welche Zugeständnisse die französische Regierung auf dem Gebiete der Abrüstung zu machen bereit sei, falls England dieser Rüstungskontrolle zustimme.
Die Ausführungen des „Petit Journal" bewegen sich etwa in der gleichen Richtung. Die englische Regierung, so betont das Blatt, habe ihre Haltung in der Kontrollfrage nicht geändert. Es sei aber wahrscheinlich, daß sie sich bereit erklären werde, bei gewissen französischen Zugeständnissen in der Abrüstungsfrage der Kontrollfrage zuzustimmen.
Zu der englischen Haltung in der österreichischen Frage schreibt das „Echo de Pari s", daß man englischerseits zu einer Politik des „Schutzes ohne Beistand" entschlossen sei. London wünsche jedoch einige Aufklärungen über die Absichten Mussolinis. die angeblich noch sehr unklar seien.
volle Unterstützung ihres Volkes habe. Er habe zuviel Zeit auf den Kampf gegen seine Feinde verwendet, anstatt sich mit wirklichen Wiederaufbaumaßnahmen zu befassen. Dollfuß würde am liebsten sofort zurücktreten. Nur der Gedanke, daß dann ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte, halte ihn zurück.
Der Bericht geht dann auf die traurigen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse, den Zusammen- bruch des Touristenverkehrs und die Unzufriedenheit der Bevölkerung in den Kurorten ein und sagt, daß dies der beste Nährboden für die Nationalsozialisten sei.
Die Polizei sei bereits stark nationalsozialistisch durchsetzt, das gleiche gelte von den Truppen, so daß
die österreichische Regierung Truppen von der ungarischen Grenze nach Tirol werfen mußte, um „unzuverlässige Truppen" abzulösen.
Die Neuangekommenen seien bezeichnenderweise mit eisernem Stillschweigen empfangen worden. Wenn heute eine Wahl in Oesterreich stattfinden würde, so würden die Nationalsozialisten die stärkste Partei sein und mindestens 50 v. H. der Stimmen erhalten.
England wolle wohl die Unabhängigkeit Oesterreichs aufrechterhalten, aber hierbei fühle sich die englische Regierung keineswegs sehr wohl, weil sie auch ihre Handelsinteressen bedroht sähe. Lange und ernst habe das Kabinett am Dienstag über die österreichische Lage beraten.
„Daily Expreß" steht im übrigen im Gegensatz zu den amtlichen englischen Stellen auf dem Standpunkt, daß mit der Genehmigung einer Miliz für Oesterreich der Friedensvertrag durchbrochen sei, wie dies auch von dem keineswegs deutschfreundlichen „Man- chesterGuardian" zugegeben wurde. Hätte man diesen Grundsatz der Abänderung der Friedensverträge schon früher befolgt, so wäre die ganze Entwicklung in Deutschland und Oesterreich wohl eine andere gewesen. Auch „Daily Mail" bestätigt das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich und die Truppen» erlegung von der ungarischen Grenze nach Tirol.
Krach im Dollfutz-Kabirrett
Dollfuß drohte mit dem Rücktritt Reuter meldet Krise
London, 6. September.
Ein Reuter-Telegramm aus Wien besagt, daß zwar die amtlichen Kreise Oesterreichs Rücktrittsabsichten des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß dementiert hätten, offensichtlich habe aber Dollfuß in der Hitze einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsminister Fey wegen der Frage der Beteiligung deutscher Katholiken an dem internationalen Katholikenkongretz mit seinem Rücktritt gedroht, der am Donnerstag in Wien eröffnet wird. Man müsse auch zugeben, Laß Dollfuß wegen der verschiedenen Ansichten von Fey, Vaugoin, Winkler und Rintelen ernsten Schwierigkeiten im Kabinett gegenüberstehe.
DeittschnatSonare VoKsAMei in Vanzig airfgeM
Danzig, 6. Sept.
Die Pressestelle des Senats veröffentlicht ein Schreiben des Führers der Deutschnationalen Volkspartei Danzigs, Dr. Ziehm, in dem es u. a. heißt:
Die politische Entwicklung in der Freien Stadt Danzig ist dahin gegangen, daß für eine fruchtbare politische Arbeit der Deutschnationaleu Volkspartei keine Möglichkeit mehr besteht. Als der bei den Wahlen von der Partei aufgestellte Führer der Liste der Deutschnationalen Volkspartei und als der von dem Vertrauen der Partei getragene politische Führer erkläre ich daher im ausdrücklichen Einverständnis einer großen Zahl unserer politischen Freunde und im Einvernehmen mit unserer Regierung die Deutschnationale Volks- patrei für aufgelöst.
Ich erwarte und hoffe nach den mir zugegangenen Erklärungen der Regierung, daß die wertvollen in unserer Partei vorhandenen Kräfte auch bei den veränderten Verhältnissen im Staate nutzbar gemacht werden.
Herriots neueste Würde
Zum Oberst der bolschewistischen Armee ernannt Paris, 6. September.
Nach einer Warschauer Meldung der Agentur „Ludest" hat der russische Volkskommissar im Kriegsministerium gelegentlich einer intimen Feier dem ehemaligen französischen Ministerpräsidenten Herriot den Titel eines Oberst der Roten Armee verliehen. Herriot soll angeblich sichtlich bewegt gewesen sein und in seiner Erwiderung auf die Auszeichnung daran erinnert haben, daß er selbst der Sohn eines ehemaligen Offiziers sei. Dieser neue Beweis der Freundschaft des großen russischen Volkes, so erklärte er ferner, gehe ihm sehr nahe und er werde fortfahren, die russisch- französische Verständigung zu fördern, um dem Frieden der Demokratie zu dienen.
Das „Journal des Debats" erinnert daran, daß auch die französischen Kommunisten Doriot, Lachin und Vaillant Couturier zu höheren Offizieren in der Roten Armee ernannt worden seien. Mit der Ernennung Herriots vervollständigt man dieses Offizierskorps.
*
Die Ernennung entbehrt auch insofern nicht eines gewissen Reizes, als bekanntlich der deutsch» Kommunist Thälmann im Rang eines Reiter- generals der Roten Armee steht und somit Vorgesetzter des srüheren französischen Ministerpräsidenten Herriot ist.
Schweres Eisenbahnuliglüü m Amerika
23 Tote, über 109 Verletzte. Vinghampton (Newyork), 6. September.
Ein furchtbares Eisenbahnunglück hat sich hier ereignet. In voller Geschwindigkeit fuhr ein Güterzug aus einen Personenzug auf. Die letzten beiden Wagen des Personenzuges sind vollkommen zertrümmert. Soweit man bisher übersehen kann. hat dieses Unglück 23 Tote und weit über 100 Verletzte gekostet.
kskelrsten 6er Weltpresse um 6en 1S. Zeptember
Pariser VeWrechurmen als Einleitung der AbriislungSverhandlungen
Französische Störungsversuche — Die Ansicht Amerikas: ..Abrüstung nötiger denn Se"
„l^IspoIeon-Dolltuk vor seinem Velle-^llisnce"
9er MMmettermch nervös und amtSmüde
Englische Blätter melden MitlrittSabsichten des Bundeskanzlers