Ausgabe 
(30.11.1933) Nr. 324
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klas amUiche Organ öes Senats

-er Freien Hansestadt öremen

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Nr. 324 / 4 . Vierteljahr

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Donnerstag, den 30. November

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4)reise!

Neichstag

zum 12 . Dez. einberufen

Berlin, 29. November, -Der Präsident des Reichstages der achten Wahlperiode, Reichsminister Gering, teilt mit:

Der Reichswirtschastsminister droht mit den schärfsten Maßnahmen

Auf Grund der Artikel 23 und 27 der Reichsverfassung wird der neugewählte Reichstag berufen, am Dienstag, dem 12. Dezember 1933, nachmittags 3 Uhr, zu­sammenzutreten.

Elisabeth Hartmann vom BNM. verunglückt

Berlin, 29. November.

Ein Kraftwagen, den die Verbandssührerin des Gaues Norddeutschland des Bundes deutscher Mädel, Fräulein Elisabeth Hartmann, steuerte, ist auf der Fahrt nach Berlin kurz vor Nauen verunglückt. Wahrscheinlich hat die Fah­rerin des Wagens in einem Schwächeansall die Herrschaft über den Wagen verloren. Fräulein Hartmann und eine Veifahrerin liegen schwer verletzt im Nauener Krankenhaus. Die Eauver- bandsfiihrerin erlitt einen Schädelbruch. Es be­steht Lebensgefahr.

Die Oesterreicher überführt

Wien, 29. November.

Nach einer Meldung derNeuen Freien Presse" aus Kitzbühel ist die österreichische Kommission, die zusammen mit einer reichs- deutschen die Grenzvermessungen auf der Eg- genalpe im Zusammenhang mit dem bekann­ten Zwischenfall vornahm, nach Kitzbühel zu­rückgekehrt. Das Ergebnis der Vermessungen geht, nach der Meldung des Blattes, dahin, daß sich die Blutlache auf reichs- deutschem Boden in einiger Entfernung von der Grenze befindet. Die amtliche Fest­stellung des Untersuchungsergebnisses steht noch aus.

Pfarrer Hossenselder nicht zurückgetreten

Wie wir soeben in der Versammlung der Glaubensbewegung Deutsche Christen" im Casino erfahren, ist Bischof Hossenselder nicht zurückgetreten. Die gestern in unserem Blatt veröffentlichte Meldung beruht nicht aus einem Irrtum der Schristleitung, sondern ist durch unverantwortliche Elemente in die Nachrichtenbüros gelangt. Reichsbischos Müller hatte am gestrigen Abend eine län­gere Besprechung mit Adolf Hitler.

Berlin, 29. November.

Der Reichswirtschaftsminister hat bereits in seinem Erlaß an die Spitzenverbände vom. Au­gust und erneut im Oktober dieses Jahres in der Oesfentlichkeit eindringlich die Wirtschaft ermähnt, die Maßnahmen der Reichsregierung zur Arbeits­beschaffung und Wirtschaftsbelebung nicht durch Preissteigerungen zu gefährden. In Verfolg dessen ist er gegen Maßnahmen von Verbänden, durch die Preise erhöht worden sind, in einer Reihe von Fällen eingeschritten, um die Preise wieder auf den früheren Stand zurückzuführen.

Soweit einzelne Wirtschaftszweige dem Ver­langen der Reichsregierung auf Beibehaltung des altep Preisstandes nicht entsprochen haben, be­absichtigt der Reichswirtschastsminister, mit den schärfsten Mitteln vorzugehen.

Er hat bereits die Marktregelung eines Ver­bandes für nichtig erklärt und hat weiter heute die marktregelnden Verbände für Messingrohre, Schnellautomatenstahl, geschweißte Stahlrohre, Kohlebürste, Schleifmittel, gewisse Sorten von Dachpappe ersucht, die Preiserhöhungen binnen kürzester Frist rückgängig zu machen, andernfalls er schärfste Maßnahmen, die unter Umständen bis zur Aufhebung der Marktregelung gehen werden, ergreifen wird.

Was für die Warenpreise gilt, muß auch für die Preise für handwerkliche und sonstige gewerbliche Leistungen gelten. Der Reichswirtschastsminister hat sich entschlossen, ein Verdingung'skartell der Vauwirtschaft wegen Gefährdung des Gemein­wohles für nichtig zu erklären, da bei einer Re­gelung den an der Berdingung Beteiligten durch das Kartell übersetzte Preise vorgeschrieben und die Geheimhaltung der Vereinbarung zur Pflicht gemacht worden war.

Straffe Organisation

Anordnung des Führers der Deutschen Arbeits­front.

Berlin, 29. November

Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, erläßt eine Anordnung, in der es heißt:

Wenn die großen Aufgaben, die durch das WerkKraft durch Freude" gekrönt sind, voll­endet werden sollen, so muß dieser Gedanke der deutschen Arbeitsfront auch in der Organi­sation durchgeführt werden. Deshalb habe ich angeordnet, daß das weitere Anwachsen der Ver­bände verhindert werden soll und eine Mitglieder­sperre für die Verbände eintritt, dagegen die noch außerhalb der Deutschen Arbeitsfront stehenden

Volksgenossen im verstärkten Maße auf­gefordert werden, in die Arbeitsfront einzutreten und nach der Neuordnung formiert werden. Ar­beiter, Angestellte gehören zu­sammen.

Verständnisvolle Mitarbeit der Wirtschaft

Der Reichsarbeitsminister über das Winter­programm

Um aber Irrtümer zu vermeiden und um zu verhindern, daß ein Wirrnis in die vorhandene Organisation kommt, möchte ich noch einmal mit­teilen, daß die Mitglieder in den vorhandenen Verbänden ohne weiteres Mitglieder der Deut­schen Arbeitsfront sind, daß nicht gewünscht wird, was sogar verboten wird, aus den Verbänden im Augenblick von selbst auszutreten und sich als Einzelmitglicd in die Deutsche Arbeitsfront auf­nehmen zu lassen. Wenn die Führung der Deut­schen Arbeitsfront den Zeitpunkt für gekommen hält, auch den äußeren Rahmen der Verbände zu sprengen, so wird sie das tun. Es wird angeord­net, daß, wer aus den Verbänden austritt, von keiner Dienststelle wieder in die Deutsche Arbeits­front aufgenommen werden kann..

Die Beiträge sowohl für die Einzelmitglieder wie für die Verbandsiititglieder sind selbstver­ständlich die gleichen. Es wird generell eine'neue Beitraasordnung in der nächsten Zeit vom Schatz­meister der Deutschen Arbeitsfront herausgegeben.

Beitritt der industriellen Unter­nehmer in die Arbeitsfront

Ein Aufruf des Reichsstandes der deutschen Industrie

Berlin, 29. November.

Vom Reichsstand der deutschen Industrie wird mitgeteilt: Nachdem der Führer der Deutschen Arbeitsfront, der Reichsarbeits- und Reichswirt­schaftsminister und der Beauftragte des Führers für Wirtschaftsfragen in demAufruf an alle schaffenden Deutschen" den Aufgabenkreis der Deutschen Arbeitsfront endgültig klargestellt haben, hat der Führer des ReichsstandZs der deutschen Industrie, Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, sofort die industriellen Unter­nehmer zum Beitritt in die Deutsche Arbeitsfront aufgefordert. 'Er hat dabei zum Ausdruck gebracht, daß das Ziel der Deut­schen Arbeitsfront in der Herstellung einer wah­ren Volksgemeinschaft aller im Arbeitsleben schaf­fenden Menschen stehe. An der Verwirklichung dieser hohen Ziele würden die deutschen Unter­nehmer freudig mitarbeiten.

Berlin» 29. November.

Reichsarbeitsminister Seldte beschäftigt sich in einer umfangreichen Denkschrift über die Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit in diesem Winter auch mit den Voraussetzungen, die seitens der Wirtschaft zu erfüllen sind, wenn das Win­terprogramm den gewünschten Erfolg bringen soll. Für den Erfolg dieser Aktion, so heißt es in der Denkschrift, ist es wesentlich, daß die Wirt­schaft die weitgehende Hilfe und Unterstützung, die die Reichsregierung ihr hier darbietet, ver­ständnisvoll annimmt und sie aus eige­ner 'Kraft verständnisvoll unter st ützt, vor allem dadurch, daß sie der Führung unein­geschränktes Vertrauen entgegenbringt.

Durch die Erfolge, die wir in der kurzen Zeit seit dem Durchbruch der nationalen Erhebung aus wirtschaftlichem Gebiete erzielt worden sind, ist der schlüssige Beweis erbracht worden, daß die Neichsregierung auf dieses Vertrauen berechtigten Anspruch hat. Insbesondere von den Unterneh­mern muß verlaitgt werden, daß sie auch von sich alles tun, um einen bedenklichen Rückschlag aus dem Arbeitsmarkt in diesem Winter zu verhüten.

In erster Linie müssen sie die stärksten Bemü­hungen dafür einsetzen, die Arbeitskräfte, die jetzt von ihnen beschäftigt werden, durch den Win­ter hindurch zu halten. Wenn alle Be­teiligten in einheitlichem Willen und in festem Vertrauen auf die Führung durch die Reichsre­gierung zusammenarbeiten, kann mit großer Si­cherheit erwartet werden, daß der Plan der Reichsregierung zum Erfolge führt. Dann wird es möglich sein, im nächsten Frühjahr von einer erheblich günstigeren Ausgangsstellung als in diesem Jahre den Kampf gegen die Arbeitslo­sigkeit fortzusetzen.

Dr. Gahm

in der Deutschen Arbeitsfront

Berlin, 29. November.

Oberbürgermeister Dr. Sahm hat an den Füh­rer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Ihr Aufruf gibt mir Veranlassung, mich als Oberbür­germeister der Reichshanptstadt und damit als größten Arbeitgeber von Berlin zum EintrittindieDeutscheArbeitsfront * zu melden.

Der Zukunftsweg der deutschen Vreffe

Berlin, 30. November.

Vor demZeitmigssachlichen Fortbildungs­kurs" sprach am Dienstag imInstitut für Zeitungskunde" der Reichspressechef der NSDAP. und Vizepräsident der Reichspresse­kammer. Dr. Otto Dietrich, über aktuelle Fragen des deutschen Journalismus und Pressewesens.

In seinen Ausführungen sprach Dr. Diet­rich einleitend über die Grundzüge des neuen Schristleitergesetzes, das den deutschen Jour­nalismus aus eine ganz neue Grundlage ge­stellt habe. Jetzt gelte es, die geschaffene Form mit Inhalt zu erfüllen. Eine der wich­tigsten Ausgaben, die das Gesetz stelle, sehe er in der Frage der Berufsausbildung und Fortbildung des deutschen Journalismus, zu jenem Typ des neuen deutschen Redakteurs, der das Dritte Reich auch durch das Gesicht seiner Presse repräsentiere. Aus drei Richtungen heraus müsse heute die Be- russerziehung des deutschen Journalisten gleichzeitig entwickelt werden, um zum Ziele zu kommen.

Das Erste, das Allgemeine und Uner­läßliche, sei für alle, die sich wirklich inner­lich zum Journalismus berufen fühlten, die Aneignung des fachlichen Wissens auf allen Arbeitsgebieten. Stümper und niveaulose Zeitungsschreiber könne das neue Deutsch­land noch viel weniger brauchen als der über­wundene liberal-marxistische Staat. Eine Vorbildung allerdings im Sinne eines Be­rechtigungszwanges sei abzulehnen.

Dr. Dietrich betonte ganz besonders, daß der deutsche Journalismus auch im Rahmen des neuen Schriftleitergesetzes nach wie vor einfreierBerus sei. Jeder könne Journalist werden, wer Zeug dazu in sich fühle und den selbstverständlichen Erfor­dernissen seines Bolkstums entspreche. Das Schriftleitergesetz wolle den deutschen Jour­nalismus nicht etwa verkümmern lassen, son­dern im Gegenteil ihn aus eine höhere Stufe stellen, mit dem Ziel, der deut­schen Presse wieder jene Weltgeltung zu ver­schaffen, die sie in früheren Zeiten, bevor sich materialistische Einflüsse ihrer bemächtigten, innehatte.

Die beiden anderen Erziehungs­und Fortbildungsaufgaben, die uns heute gestellt sind, seien besonderer Art, sie seien erwachsen aus der Verschiedenheit der Entwicklung, der unser bestehendes Pressewesen unterworfen war. Diese Frage berühre gewisse Differenzen, die heute im Zeitungswesen verschiedentlich zwischen der nationalsozialistischen und der bürgerlichen Presse bestehen.

Die zweite große Aufgabe sei beim bür­gerlichen Journalismus anzusetzen. Er besitze eine jahrzehntelange Entwicklung in bezug auf technisch-journalistische Erfah-

Am Montag, 27. November, fand eine Sonder- tagung der Deutschen Arbeitsfront statt. Sie > diente der Gründung der Feierabend-Be­wegung. Unter der BezeichnungNdA.",Nach der Arbeit", wird die Deutsche Arbeitsfront den Feierabend des deutschen Arbeiters und Ange­stellten, sowie im Laufe der Zeit aller Berufs- tätigen, sinnvoll gestalten.

Eine Bemerkung sei hier eingeschaltet. Es ist selbstverständlich, daß die NdA.-Bewegung nicht das Familienleben gewissermaßen überflüssig machen will. Von allen führenden Persönlich­keiten des neuen Staates, und ganz besonders vom Führer Adolf Hitler selbst, ist ja gerade in den letzten Wochen immer wieder betont worden, daß die Familie die Grundlage des Staates ist. Es wird deshalb besonders herauszustellen sein, daß in einem schönen Familienleben die beste Erholung nach der Arbeit zu suchen und zu fin­den ist. Aber auch jede Familie hat von Zeit zu Zeit das Bedürfnis nach Anregungen von außen, nach geselligem Verkehr, nach guter Musik, nach sportlichen Veranstaltungen "und ähnlichen Dingen. Hier soll nun die Feierabendbewegung NdÄ. eingreifen. Hier soll die Sicherung dafür geboten werdest, daß dem arbeitenden Menschen nicht Minderwertiges oder gar Schund, sondern wirklich Gutes geboten wird.

Für die Gestaltung NdA. sind von der Deut­schen Arbeitsfront acht Gesichtspunkte aufgestellt worden, die hier kurz genannt seien.

Es wird keine neue Organisation gebildet. Die Organisation der Deutschen Arbeitsfront ist gleichzeitig Träger der NdA.-Bewegung.

Es werden keine neuen Beiträge erhoben.

Jedes Mitglied der Deutschen Arbeitsfront j soll aktiv an der Gestaltung der NdA.-Bewegung j teilnehmen. '

Volk uncl öueli

Nur erstklassige Künstler und Kräfte sind hin­zuzuziehen.

Neben den Darbietungen künstlerischer oder sonstiger schöngeistiger Art wird auf die körper­liche Ertüchtigung besonderes Gewicht gelegt.

Um das Vaterland lieben zu können, muß man es kennen. Deshalb wird die NdA.-Bewegung Wochenendfahrten, Gemeinschaftsläger und Fe- rienfahrten organisieren.

Die NdA.-Bewegung wird in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft eine Urlaubsregelung zu ge­stalten versuchen, die Urlaub und Freizeit nach der Schwere der Arbeit abmißt.

Die NdA.-Bewegung will keine Abkommandie­rung zu ihren Veranstaltungen. Sie legt nur auf völlig freiwillige Beteiligung Wert.

Wie der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Staatsrat Dr. Ley, bereits angegeben hat, sollen darüber hinaus in allen StädtenHäuser der Arbeit" mit Festsälen, Theater-, Kino- und Klub­räumen usw. errichtet werden, um Mittelpunkte für das gesellige Leben der Feierabend-Be­wegung zu schaffen.

Um den Veranstaltungen der NdA.-Bewegung auch äußerlich ein einheitliches und feierliches Gepräge zu geben, hat die Deutsche Arbeitsfront einen 'Festanzug geschaffen. Er besteht aus einem dunkelblauen Anzug mit langer Hose und zwei­reihigem Rock. Zu dem Anzug wird eine blaue Tellermütze in Form der Schirmmütze der alten Armee getragen. In die Mütze ist das Abzei­chen der Deutschen Arbeitsfront aufgestickt, das aus einem gezahnten Rad besteht, in dem sich p ein Hakenkreuz befindet. Bei emer großen, kürz­lich in den Berliner Ausstellungshallen stattge- ! fundenen Kundgebung der Arbeiter des graphi­

schen Gewerbes erklärte zu diesem Festanzug ein Führer der Deutschen Arbeitsfront:Wenn nun bald jeder Angehörige der Deutschen Arbeitsfront den blauen Rock tragen werde, dann soird kein äußerer Unterschied mehr zwischen Unternehmer und Arbeiter sein."

Am deutlichsten zeigt das Gewallte wohl folgender Satz:Durch die Organisation der

FreizeitNach der Arbeit" wird das, was man sonst unter Gesellschaft verstand-, auf das ganze Volk ausgedehnt und angewandt. Es gibt keine bessere" Gesellschaft von Klassen und Ständen mehr, was nunmehr geschaffen wird, ist die bessere Gesellschaft des Volkes."

Dr. Driob Lekmick (lisiosivsläs)

Unter der Protektion des Reichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda findet in der Zeit vom 27. November bis 6. Dezember in Berlin eine Deutsche Buchmesse statt, die von der Fichte-Gesellschaft in Verbindung mit der Reichs­stelle zur Förderung des deutschen Schrifttums und dem Kampfüund für deutsche Kultur veran­staltet wird und wo zum ersten Male im neuen Staat der Oesfentlichkeit die Leistungen unseres Schrifttums, unserer Verleger und unseres Buch­handels gezeigt werden. Neben den großen deut­schen Verlagen, wie dem Insel-Verlag, Leipzig, L. Staackmann-Leipzig, Diederichs-Jena, der Deut­schen Verlagsanstalt Stuttgart, Philipp Reclam- Leipzig, Albert Langen-Georg Müller-München, Piper-München, Stalling-Oldenburg, Hesse L- Becker-Leipzig, Paul List-Leipzig, Franz Eber- München, neben anderen Verlagen wie Engelhorn- Stuttgart, Lehmanns Verlag-München, Voigtlän- der-Leipzig, dem Brunnen-Verlag Willi Bischoff- Berlin, Scherl-Vsrlin, Herder-Freiburg und vielen weiteren bekannten Verlegern, die namentlich nicht alle ausgeführt werden können,

werden es vor allem auch die kleineren und klein­sten Verlage sein, die sich an dieser Buchschau be­teiligen.

Was will nun eine solche Buchschau, was will diese Vuchschau? Bei früheren Veranstaltungen ähnlicher Art stand das Geschäftliche stets im Vor­dergrund, hinter dem eine zusammenfassende Idee, wenn überhaupt eine solche bei dem ganzen ge­dacht war, zurücktrat. Das ist jetzt bei der obigen Buchmesse ganz anders und eigentlich gerade um­gekehrt. Selbstverständlich wollen die Verleger und anderen Aussteller auch ihre Bücher und Schriften verkaufen, über allem aber steht groß und jenseits des Materiellen die Idee: das gei­stige Leben Deutschlands, soweit es sich im Buch offenbart, zu zeigen, eine einzige mächtige Kund­gebung zu sein für den geistigen Willen und die geistige Arbeitsleistung unserer Nation, wie es sich im Literarischen kundtut. Und da denn dafür bieten die Namen der Veranstalterin und der ihr beim Aufbau der Messe angeschlossenen Stellen und Organisationen unbedingte Gewähr nichts auf der Ausstellung anzutreffen ist, was nicht so oder so repräsentativ für das neue Deutsch­land gelten kann, wird in der Tat mit diesen zehn Tagen Deutsche Buchmesse ziemlich eindeutig und bestimmt sich die geistige Kurve unserer deut­schen Gegenwart von selbst auszeichnen. Denn es ist nun einmal so, daß im Schrifttum einer Na­tion sich ihre inneren Kräfte, Möglichkeiten und Gegebenheiten spiegeln.

Freilich müssen wir uns darüber klar sein, daß wir noch weit davon entfernt sind. Ein neues Dheaterpublikum zum Beispiel ist, nachdem das alte sich verflüchtigt hat, so ziemlich wieder da, ein neues Lesepublikum aber hat sich, nachdem das alte sich zu einem nicht geringen Teil verlor, bis jetzt noch nicht recht wieder einstellen wollen. Ein durchschnittliches Buch, von dem etwa zwei­tausend Stück insgesamt verkauft wurden, nannte

man früher schlechtgehend; heute würde man es gutgehend nennen, denn so haben sich die Begriffe im Buchhandel ünd im Verlagswesen geändert, die beide infolgedessen schwerstens zu kämpfen haben, wollen sie gerade heute ihre notwendige Kultur­mission erfüllen. Allerdings, daß es soweit kom­men mußte, hat seine ganz natürlichen Gründe: Das Volk mußte erst einmal seinen politischen Haushalt in Ordnung bringen, ehe der genügende Raum und die sichere Grundlage für alles Kul­turelle, das damit keineswegs unwichtiger gewor­den war, geschaffen werden konnte. Nun aber sind wir soweit. Und die Möglichkeiten, die wir da haben, sind so günstig wie noch nie, gerade auch für das literarische Leben der Nation. Handelte es sich bei dem ausgefallenen Lese Publikum zum größten Teil um solche Leute, die heute jenseits der Grenzen sitzen und die auf Grund ihrer gan­zen Einstellung doch so oder so für den neuen Staat und das geistige Leben des neuen Staates verloren gewesen wären, so sind es auf der an­deren Seite Hunderttausend und Millionen Volksgenossen, die, frisch und unverbraucht, in­tellektuell unbelastet und besonders aufnahme­fähig ja nur darauf warten, teilnehmen zu kön­nen an der geistigen Arbeit der Nation. Darum ist der Gedanke einer solchen Vücherschau, wie dieZehn Tage Deutsche Buchmesse" es sind, so besonders begrüßenswert und glücklich, weil er wirklich das Volk als Buch heranzuführen be­rufen ist. Jeder kann iehen und prüfen, wie es in dem Aufruf der Reichsschrifttumskammer heißt,was der Deutsche Dichter, der deutsche Schriftsteller, das deutsche Verlegertum und der deutsche Buchhandel dem Volke zu geben hat, Not­wendiges und Schönes, Belehrendes und Er­habenes, Stilles und Großes, Vertiefendes und Begeisterndes".

Dr. Kberlmrd Nsekel