Ausgabe 
(23.11.1933) Nr. 317
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

ö reiner

das amtliche Vrgan Ses SenM

Ueberweisungsgebühr^ ^0 Rpl. Zustellungsgebühr: durch die Post

- - Postscheck Hamburg 74 738. - BetriebsW^ D°r Bezugspreis ist im voraus zu entrich-

Zeitung, V erlagsgesellschakt m.b H Eeerenk^«"^" ^"^ruch aus Erstattung oder Ersatz.

^ ^" V-' teeren 6 bis 8.-Fernruf: Sammelnummer Roland 825.

Bremer

9 3

Mung

Ser Freien Hansestadt vremen

Anzeigen-Teil: Hiesige je wm-Zeile 13 Rpf.. auswärtige 17 Rpf.; im Textteil hsesige 75 Rpf-, auswärtige

t 00 Rpf. Klein-Anzeigen bis 20 nun, Familien-Anzeigen und Wohnungsmarkt be, Vorauszahlung 8 Rps., Stellengesuche 8 Rpf Platzvorschristen ohne jede Verbindlichkeit. Alle sonstigen Bedingungen nach Tarif.

Sprechzeit des Verlages und der Schriftleitung 12 bis 1S Uhr. / Schlug der Anzeigen-Aunahme 16 Uhr.

Donnerstag, den 23. November

Einzelpreis is Nps.

Die Krisis Europas

Ein Bortrag Alfred Rosenbergs

Berlin, 22. November In der Hochschule für Politik sprach Alsre 2 " '-E ^ ^ Eias bedeutsame Thema

Dre Krtsts Europas. Unter Europa versteh man h^ute nicht nur eine Konstruktion in nerhalb eines universalen Systems, vielmeh glaube man, daß das Geheimnis Europa gerade m seiner Vielheit begründet se Vrer Nationen hatten ihr eine bestimmt des Natwnalismus aufgeprägt. Da> ftlschistische Italien verstehe unter Ratio, den Staat. Der Nationalismus Frankreich wurzele m seinem Boden. Dies Geheimni habe Frankreich immer wieder stark gemach m allen Prüfungen seiner Geschichte. Unte dem britischen Nationalismus verstehe ma, überwiegend die Gesellschaft, die Summe de ungeschriebenen Gesetze. Das Geheimnis de .deutschen Nationalgefühls sei auf seiner Blutgesühl begründet.

Die Tragik des europäischen Daseins liege darin, datz die Dynamik dieser vier Völker oft gegeneinander gestanden habe. Da das französische Volk nicht mehr imstande sei.

Am Totensonntag in Bremen kein Sport Laut Verfügung des Polizeiherrn ruht, wie in verschiedenen anderen Gauen, auch im ge­samten bremischen Staatsgebiet am Toten­sonntag jeglicher Sportbetrieb.

den ihm zur Verfügung stehenden Raum auszufüllen, vollziehe man eine gefährliche Gleichsetzung zwischen Weißen und Negern, die die Gefahr für Frankreich mit sich bringe, zum Vorposten Afrikas zu werden. Italien wolle seine Bevölkerung nicht mehr in Ame­rika sondern rund um das Mutterland an­siedeln. Die englische Mission bestehe immer noch darin, den weißen Menschen im Lebens­interesse aller europäischen Völker zu schir­men.

Die Dynamik Deutschlands liege vor allem in innerpolitischen Fragen, und aus diesem Gedanken des Blutes sei eine neue Gesetzgebung entstanden. Die Rassen- srage sei nicht Rassenverhetzung sondern Rassenachtung.

Im Hinblick auf die Vorgänge im Osten Europas seit der russischen Revolution seien die östlichen Randstaaten schicksalhaft mit dem übrigen Westeuropa verbunden. Trotz aller bitteren Erfahrungen mit diesen Staa­ten wolle das Deutschland anerkennen. In der Nachbarschaft Deutschlands beginne sich ein zweiter Lebensraum fühlbar zu machen: Der Donauraum, dessen Staaten ge­zwungen seien, miteinander zu wirken, wenn nicht eine neue Katastrophe kommen werde. Die europäischen Völker können nur gerettet werden, wenn sie ihr Leben organisch auf einer ihnen gemäßen Gedankenwelt aus­bauen könnten.

Die deutsch französischen

Beziehungen

Erneutes Friedensangebot Hitlers an Frankreich

Paris, 22. Nov.

Mattn" veröffentlicht den Inhalt einer Unterredung, die der Autzenpolitiker des fran­zösischen WirtschaftsblattesL'Jnformation", de B r, non, mit Reichskanzler Adolf Hitler Abhabt hat. Vrinön hebt die zwanglose, herz­liche Aufnahme durch den Reichskanzler her­vor, der im Gegensatz zu anderen Staatsmän­nern jede Zeremoniell und jede Inszenesetzung vermeidet, dessen inneres Feuer aber belebend zum Ausdruck komme.

Der Reichskanzler habe erklärt, datz seine Einstellung stets die gleiche sei. Er wünsche die Aussprache und Verständigung, weil er darin die Garantie fürden Frieden erblicke. Er wolle, datz dieser wahrhafte Friede zwischen loyalen Gegnern geschlossen werde. Er habe dies wiederholt erklärt, aber man habe ihm immer nur mit mißtrauenden Wor­ten geantwortet. Sein Wille habe sich jedoch nicht gewandelt.Ich glaube", so erklärte der Reichskanzler,datz das Ergebnis der Volks­abstimmung meinem Wunsch neue Kraft gibt. Wenn früher Stresemann oder Brüntng ver­handelten, so konnten sie sich nicht darauf be­rufen, datz das deutsche Volk hinter ihnen stehe. Ich aber habe ganz Deutschland! Ich habe dem Volke nicht verheimlicht, was ich wollte. Das Volk hat meine Politik gebilligt:"

Das Gespräch sei dann auf das deutsch-fran­zösische Problem übergegangen. Adolf Hitler, so schreibt de Brinon, glaube an die Notwen­digkeit einer deutsch-französischen Verständi­gung.Zch habe die Ueberzeugung", so habe der Reichskanzler erklärt,datz, wenn die Frage des Saargebietes, das deut­sches Land ist, einmal geregelt ist, nichts Deutschland und Frankreich in Gegensatz zu­einander bringen kann.

Elsatz-Lothringen ist keine Streitfrage. Aber wie lange noch wird man wiederholen müssen, daß wir weder absorbieren wollen, was nicht zu uns gehört, noch datz wir uns von irgend jemand lieben lassen wollen, der uns nicht liebt!

In Europa besteht nicht ein einziger

Streitfall, der einen Krieg rechtfertige.

Alles lätzt sich zwischen den Regierungen der Völker regeln, wenn sie das Gefühl ihrer Ehre und ihrer Verantwortlichkeit besitzen. Es gibt ein von vaterländischem Geist beseeltes Polen und ein nicht weniger an seinen Traditionen hängendes Deutschland. Zwischen ihnen be­stehen Differenzen und Reibungspunkte, die auf einen schlechten Vertrag zurück­gehen, aber nichts, was wert wäre, kostbares Blut zu vergießen, denn es sind immer die Besten, die auf den Schlachtfeldern fallen.

Deshalb ist zwischen Deutschland und Polen ein gutnachbarliches Abkommen möglich.

Man beleidigt mich, wenn man weiterhin erklärt, daß ich den Krieg will. Soll ich wahn­witzig sein? Den Krieg? Er würde keine Re­gelung bringen, sondern nur die Weltlage ver­schlimmern. Er würde das Ende unserer Rassen bedeuten, die Eliten sind, und in der Folge der Zeiten würde man sehen, wie Asien sich auf unserem Kontinent festsetzt und der Bolschewismus triumphiert. Wie sollte ich einen Krieg wünschen, während doch die Fol­gen des letzten Krieges noch auf uns lasten und sich noch 30 oder 40 Jahre lang fühlbar machen werden. Ich denke nicht an die Gegen­wart, sondern ich denke an die Zukunft.

Ich Habe vor mir eine lange innerpolitische Arbeit. Zch habe dem Volke den Begriff seiner Ehre wiedergegeben. Zch will ihm auch die Lebensfreude wiederschenken. Wir bekämpfen das Elend. Schon haben wir die Arbeitslosig­keit zurückgedrängt. Aber ich will Besseres leisten! Zch werde noch Zahre brauchen, um dahin zu gelangen. Glauben Sie, datz ich meine Arbeit durch einen neuen Krieg zunichte machen will?

Der Berichterstatter wies in diesem Zu­sammenhang auf die äußere Aufmachung hin, die man in Deutschland findet: die Freude und die Verherrlichung der Kraft.

Der Reichskanzler habe darauf erwidert, daß Deutschland fähig sein müsse, sich zu verteidi­gen. Sein Programm lasse sich folgendermaßen präzisieren: Keine Deutschen für einen neuen Krieg; aber für die Verteidigung seines Va­terlandes das gesamte Volk. Wenn die Ju­gend in Deutschland in Reih und Glied mar­schiere, wenn sie die gleiche Kleidung trage, so deshalb, weil sie die neue Ordnung und ihre Garantie verkörpere.

Das Gespräch habe sich sodann den Mitteln zugewandt, durch die das deutsch-französische Problem bereinigt werden könnte.

Der Reichskanzler führte nach der Schilde­rung de Brinons aus:Wie kann die Ver­ständigung zwischen gleichberechtigten Nach­barländern verwirklicht werden? Mein Va­terland ist nicht eine zweitrangige Nation sondern eine große Nation, der man eine unerträgliche Behandlung aufge- zwungen hat. Wenn Frankreich seine Sicher­heit darauf aufzubauen gedenke, daß es Deutschland unmöglich sei, sich zu verteidigen, dann ist nichts zu machen, denn die Zeiten, in denen das möglich war, sind zu Ende. Wenn Frankreich aber seine Sicher­heit in einem Abkommen finden will, bin ich bereit, alles anzuhören, alles zu begreifen, alles zu unternehmen. Man weiß ziemlich

genau, worin die von Deutschland, geforderte Gleichheit besteht. Moralisch handelt es sich um ein ablosut gleiches Recht. Die praktische Durchführung kann etappenweise erfolgen, und man kann über die Einzelheiten verhan­deln. Aber man sagt mir: Gewiß, Gleichheit, jedoch keine Gleichheit ohne Gegenleistung. Welche Gegenleistung? Man müßte endlich den Inhalt des französischen Wortes Sicher­heit kennen!

Aus den Hinweis de Brinons, in Frank­reich möchte man auch die Gewißheit haben, datz nach endgültiger Regelung der Differen­zen nicht neue Schwierigkeiten auftauchen, erwiderte der Kanzler:

Ich allein entscheide über die Politik Deutschlands, und wenn ich mein Wort gebe, dann bin ich gewohnt, es zu halten. Was ist also notwendig? Ich habe keinen Thron geerbt, ich habe aber eine Lehre auf­recht zu erhalten. Ich bin ein Mensch, der handelt und der seine Verantwortung übernimmt.

Ich bürge mit meiner Person für das Volk, das ich führe und das mir die Kraft gibt.

Aber sprechen wir von der französischen Sicherheit! Wenn man mir sagen würde, was ich für sie tun kann, würde ich es gern tun, wenn es sich nicht um eine Unehre oder um eine Drohung für mein Land handelte. Ein englischer Journalist hat geschrieben, daß man zur Beruhigung Europas eine Verstän­digung zwischen Deutschland und Frankreich herbeiführen und Frankreich die zusätzliche Sicherheit eines Verteidigungsbündnisses mit England geben müsse. Wenn es sich um ein derartiges Bündnis handelt, will ich es gern unterschreiben; denn ich habe keines­wegs die Absicht, meinen Nachbarn anzu­greifen.

Polen sieht das jetzt ein, aber weil Polen östlicher liegt als Frankreich, kennt es uns besser.

Auf die Frage, ob Deutschland nach Genf zurückkehren werde, habe der Reichskanzler, wie de Brinon berichtet, geantwortet:Als ich Genf verließ, habe ich eine notwendige Handlung vollzogen, und ich glaube, damit zur Klärung der Lage beigetra­ge n zu haben.

Wir werden nicht nach Genf zurückkehren.

Der Völkerbund ist ein internationales Par­lament, in dem die Mächtegruppen im Gegen­satz zueinander stehen. Die Mißverständnisse sind dort verschärft worden, anstatt gelegt zu werden. Ich bin stets bereit, und ich habe das bewiesen, Verhandlungen mit einer Regierung aufzunehmen, die mit mir sprechen will."

Man hat sie erkannt

Französische Abfuhr für die jüdische« und marxistischen Emigranten

Paris, 22. November.

ImMidi" wendet sich Louis Thomas gegen die stark übertriebenen und meist absichtlich irre­führenden Erzählungen deutscher Emigranten über die Begleiterscheinungen der nationalen Revolution. Die deutschen Flüchtlinge in Paris» die methodisch die Redaktionssäle der Pariser Zeitungen belagerten, setzten ähnliche Ge­rüchte wie seinerzeit die antifaschistischen Emi­granten in Umlauf. Man habe den Franzosen ein in Feuer und Blut getauchtes Berlin, end­lose Unruhen. Tote und Verwundete geschildert. Dre Angst erzeugt Phantasien. Die deutschen Sozialisten find jedenfalls unbestreitbar die größten Angstmeier der Welt und sicher unfähig, die Fußtritte, die ihnen von den Natio­nalsozialisten verabreicht wurden, zahlenmäßig zu belege».

Thomas erwähnt eine nationalsozialistische Broschüre über den Kommunistenausstand, in der die Photographien ermordeter Nationalsozialisten besonders interessant seien.

Angesichts dieses Schauspiels begreife man, datz die Kameraden der Toten hart zugeschlagen hätten. In Deutschland wie in Italien habe es auf beiden Seiten der Barrikaden Tote gegeben, aber die Besiegten brauchten sich nur über eines zu beklagen, nämlich darüber, zu flau gewesen zu sein, um siegen zu können. Im übrigen ist Thomas der Auffassung, datz die nationale Revo­lution so gut wie gar keine Begleiterscheinungen mit sich brachte, die für Revolutionen im bis­herigen Sinne charakteristisch waren.

Nationalsozialist ln Oesterreich niedergestochen

München, 22. November.

Die Landesleitung Oesterreich der NS- DAP. teilt mit: In St. Johann (Tirol) wurde am Dienstagabend ein Nationalso- zialist von einem Heimwehrmann durch einen Messerstich so schwer verletzt, daß er ins Spital gebracht werden mußte, wo er mit dem Tode ringt. Die amtlichen österreichischen Nachrichtenstellen haben bis­her über den Vorfall nichts berichtet.

Neuer Anschlag auf Wakatsuki

Tokio, 22. November.

Wie jetzt sich herausstellt, ist auf den ehemaligen Ministerpräsidenten Wakatsuki, auf den bekannt­lich auf dem Bahnhof in Tokio ein erfolgloser Anschlag verübt wurde, ein zweiter Anschlag in der Nähe seines Hauses verübt worden, als er das Haus betreten wollte. Der Täter gehört ebenfalls der japanischen faschistischen Partei an. Der Attentäter Mazui wurde ins Polizei­präsidium gebracht, wo er erklärte, datz er Wa­katsuki erschlagen wollte.

Ois Weisung clsi^

lm Zpisgsl ckso slttsstamsritsrisesisn Lasii-iftsn unck itn-s siistoi-iselisv ^o!gsa

Von ösmfl. Ssrbrsosit

Obwohl wir wissen, datz manche unserer Leser geneigt sein werden, jeder Gedanken­verbindung zwischen nationalsozialistischem Ar- beitsbegrifs und alttestamentlichem Geistesgut vorbehaltvoll gegenüber zu treten, geben wir doch der sinnreichen geschichtlichen Betrachtung gern Raum. Die Schristleitung.

Pertung der Arbeit nach dem Perpendikel iber. Unsere herrliche nationalsozialistische mg die auf allen Gebieten alte Ideale be- d neue schafft, hat auch die Arbeit mit idealen Inhalt erfüllt. Da erscheint es zeit- einmal die Wertung der Arbeit in blbli- chriften zu verfolgen, zumal sich dabei eine - Umbildung und Steigerung zeigt, wenn e Schriften in ihrer geschichtlichen vlge berücksichtigt. Eines der ältesten ist die Grundform des Dekalogs (10 Ee- >arin ist für unseren Fall das Sabbathgedot im'Gedenke des Sabbathtages, datz du liqst . 6 Tage sollst du arbeiten ... aber 'aqe sollst du kein Werk tun... darum seg- r Herr den Sabbathtag und heiligte ihn. d der Sabbath als arbeitsloser Tag festge- id diese Arbeitslosigkeit ist wesentlich für Heiligung Die Arbeit entheiligt den h Es entsteht auf diese Weise die Rang­unter den Tagen: Sonntage und Werk- s auf den heutigen Tag. Diese Gering- a der Arbeit findet ihren Ausdruck auch ,n weiteren Stück der ältesten Schriften: den sprächen Jakobs. Charakteristisch ist der über Jfaschar:Jsaschar wird ein beinerner in denn er hat seine Schulter geneigt und zinsbarer Knecht geworden." Er ist mithin

ein willenloser Fronknecht, oder wie Luther in seinen Randglossen sagt:Ein fauler Peter, daraus sich Holz hauen ließe, um nur Frieden zu haben." So findet die Arbeit ihre Eleichwertung mit der Arbeit der Lasttiere und ihre dürftige Voraus­setzung ist: Mangel an Selbstbewußtsein und starke Knochen!

Wir erkennen in diesem ersten Zeitabschnitt den tiefsten Stand in der Arbeitswertung. Diese Fronarbeit erscheint in dem nächsten Zeitabschnitt, den Königsgeschichten der Bücher Samuelis und der Könige als allgemein üblich und berechtigt. König Hiram sendet seine Holzhauer und Schiffer sein Gesinde" wie man Lasttiere zur Arbeit anschirrt, und Salomo führt bei seinen Prunk­bauten sogar einen staatlichen Frondienst fürseine Knechte" ein. Das Gemurre nach seinem Tode:Dein Vater hat uns unser Joch zu schwer ger acht," ist berechtigt, findet aber die für die Zeit bezeichnende Abweisung:Mein Vater hat euch mit Peitsche:, gezüchtigt, ich will euch mit Skor­pionen (Stachelpeitschen) züchtigen." So wird die Arbeil als Last und Zuchtrute empfunden und ge­weitet. und der Arbeiter steht auf gleicher Linie mit dem Arbeitstier, daher auch die Ausdrücke: Joch, Peitsche, Skorpion. Diese geringe Wertung der Arbeit zieht sich auch in der Zeit des geteilten Reiches durch die Erzählungen des Hexateuchs (Bücher Mose und Josua) hin, der in dieser ZeU entstand. Da erscheint die Arbeit gleich in den be­richteten Ur- und Paradiesgeschichten als Fluch und Strafe:Verflucht sei der Acker um deinet­willen, Dornen und Disteln soll er dir tragen Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot

essen." Und nun geht das Seufzen über harte Ar­beit an und die Sehnsucht nach Erleichterung von der schweren Last. wie sie Lamech bei der Geburt seines Sohnes Noah erhofft:Der wird uns trösten in unserer Mühe und Arbeit."

Eine Wendung in der Wertung der Arbeit zeigen die nachfolgenden Jakobsgeschichten. Bei >hm und seinem geistesverwandten Oheim Laban finden wir zuerst die Wertung nach einem realen Wertmaß:Solltest du mir umsonst dienen? Sage an, was soll dein Lohn sein?" Bei den nun be­ginnenden Lohnverhandlungen sind zuerst die Töchter und dann die Schafe Zahlungsmittel. Be­zeichnend ist dabei, daß der Arbeiter den Lohn vor der Arbeit selbst bestimmt, also: Lohnforde­rung, und daß di! nachträgliche willkürliche Aenderung des vereinbarten Lohnes durch den Ar­beitgeber als Betrug gilt:Du hast mir nun zehnmal meinen Lohn verändert."

Doch ist die Lohnarbeit in dieser Zeit noch nicht allgemeiner Brauch, denn die nachfolgenden Er­zählungen über den Aufenthalt in Aegypten lassen die Arbeit noch als harte Geißel in der Hand der Gewalthaber erkennen. Deshalb wird die Arbeit als Plage empfunden, und die Hoffnung des Vol­kes geht auf ein Land mit mühelosen Lebens­bedingungen-,ein Land, da Milch und Hönig innen fließt" ein Schlaraffenland. Ja, der ent­heiligende Charakter der Arbeit wird in dem Deuteronomium (5 Buch Mose) aus dieser Zeit nochmals nachdrücklichst betont:Wer am Sabbath arbeitet, soll sterben!"

Auch die nächsten Berichte des Esra und Nehemia aus der Zeit der Gefangenschaft zeigen noch keine höhere Wertung der Arbeit Sie bleibt Sklaven­joch, Herrendienst, Plage, Strafe. Wesentlich an­ders erscheint die Arbeit in dem Büchlein Ruth aus der letzten Zeit ves Esra und Nehemia: Die Arbeit wird von den Schnittern mit Freudigkeit getan, das Verhältnis zwischen den Arbeitgebern

und Arbeitnehmern ist patriarchalisch-freund­lich, und die Arbeit der Ruth erschein! als ein freiwilliges Opfer. Diese vollständig neue Auf­fassung von der Arbeit ist aber zunächst noch eine ganz vereinzelte und, wie das ganze Büchlein, eine vollkommen abseits liegende Erscheinung. Aber sie deutet doch den allmählichen und gewaltigen Um­schwung an, der sich in der Anschauung des Volkes während seiner erzwungenenAuslandsreise" unter dem Einfluß der kulturell höher stehenden fremden Völker vollzogen hat, und der nach einer erfreulichen Steigerung seinen Abschluß unter dem Einfluß der hellenistischen Bildung erreicht. AIs Nachweis hierfür dienen die poetischen und didak­tischen Schriften der letzten Zeit: Der Psalter und die Weisheitsliteratur kanonischen und aprokry- phen Inhaltes.

Von einer Wertung nach Lohn ist so gut wie gar nicht mehr die Rede. Wenn auch Tobias sagt: Wer dir arbeitet, dem gib alsbald seinen Lohnt" so lesen wir doch in der Weisheit die tiefsinnigere Beziehung:Gute Arbeit gibt herrlichen Lohn!" Dogegen wird die Arbeitsgesinnung in rech­ter Weise gekennzeichnet und zeigt einen grellen Gegensatz zu der früheren Auffassung: Wenn früher das süße Nichstun erstrebenswert erschien, so wird nun die Faulheit mit beißendem Spott gegeißelt:Gehe hin zur Ameise, du Fauler, und siehe ihre Weise an und lerne!"Der Faule dreht sich im Bette, wie die Tür in der Angel!" Und dann der Hohn:Wie lange liegest du, Fauler? Ja! schlafe noch ein wenig, schlummere noch ein wenig, schlage die Hände ineinander, datz du ruhest, so wird dich die Not übereilen, wie ein gewappneter Mann!" Es ist eine lange Kette von Sprüchen, die Müßiggang und Trägheit ver­ächtlich machen Im Gegensatz dazu wird oft der Fleiß gerühmt und sem Segen hervorgehoben.

Aus allem ergibt sich: Die Arbeit soll nicht mehr des Zwanges oder des Lohnes wegen geleistet

werden, sondern die Arbeit ist eine sittliche Forderung für alle.

Arbeit für den Nächsten und an dem Nächsten.

Die Arbeit an sich selbst zum Fortschritt auf dem Wege zur Vollkommenheit.

Außerordentlich zahlreich sind in den didak­tischen Schriften die Ereilen, die zur Arbeit im Dienste der Wohltätigkeit auffordern: Sirach: Las; die Armen nicht Not leiden, sei nicht hart gegen die Dürftigen, halt« dich gegen die Waisen als ihr Vater!"..Deine Hand soll nimmer aufgetan sein, immer zu nehmen und zu- geschlossen, nimmer zu geben!" Tobias: Bon deinen Gütern hilf den Armen! Hast du viel, so gib reichlich, hast du wenig, so gib auch das Wenige mit gutem Herzen!" Wir finden hier auch di, später in der Lehre Jesu so stark betonte Stei­gerung der Nächstenliebe zur Feindesliebe.

Sprüche:Hungert deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn. so tränke ihn mit Wasser, dann wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt häufen!" Diese Forderung streift bereits an die Erweiterung des Arbeitsfeldes in der christlichen Lehre, nämlich die Arbeit zur Ausbreitung des Friedensreiches auf Erden (Hitler!)

Der Antrieb zur Arbeit ist der freie Wille.

Ziel der Arbeit ist einerseits das Gemeinwohl aller, andererseits die berufliche und sittliche Voll­kommenheit eines jeden einzelnen.

Die idealen Arbeitsgebiete sind: Der Dienst am Nächsten und die Arbeit an sich selbst zur eigenen Vervollkommnung.

Den Lobn trägt die Arbeit in sich selbst als Lebensfreude und Lebenswert.

Der wahre Adel der Arbeit zeigt sich in der Aus­prägung des persönlichen Wesens in seiner Arbeit: Das Werk lobt den Meisier!