Ausgabe 
(29.10.1933) Nr. 292
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Nr. 2S2 Jahrgang 1933

Vremev, Sonntag. 29. Oktober 1933 Einzelpreis 15 Wg.

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vremerliatimMMMetie Zeitung

_ D<rs AnMohe Oraan des Genais der Freie» Iranfettadt Bremern ^

Nicht Kriea. sondern Ausbau und Arbeit

Der Führer auf seiner Wahlkampfreife im Gchwabenlande

Verwirrung in Gens

Gens. 28. Oktober.

Die von HenLerson angekündigte Einberufung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz zum S. November entgegen dem wenige bunden vorher gefaßten offiziellen Vertagungsbeschtuß des Präsi- diums ist, wie sich jetzt ergibt, ohne genügende diplomatische Vorbereitung erfolgt und hat zu- nächst zu einer heillosenVerwirrungge- führt.

Es besteht der Eindruck, daß die italienische Regierung keinerlei Verständnis für den übere,!- ten. Schritt des Präsidenten Henderson habe und an dem ursprünglichen Vertagungsbeschluß fest. halte. Man hat hier den Eindruck, daß der Schritt Hendersons unter dem Einfluß einer Großmacht erfolgt ist und lediglich den Zweck verfolgt, jetzt vor der öffentlichen Meinung den Eindruck zu er. wecken, als ob die Konferenz permanent tage.

Norman Davis stattete am Sonnabend dem japanischen Botschafter Sato einen Besuch ab. wo­bei die japanische Haltung zur Abrüstungsfrage erörtert wurde. Aus die amerikanische Anfrage, ob die Gerüchte über eine Diftanzierung Japans von den Abriistungsverhandlungen zutreffe, soll der japanische Botschafter eine äußerst kühle und vorsichtige Erklärung abgegeben haben, daß die japanische Regierung zunächst eine passiv« Haltung einzunehmen gedenke und sich ihr« endgültige Stellungnahme bis zum Vorliegen des abschlie­ßenden VertragstexteZ vorbehalten müsse.

Das ganze Deutschland soll es sein

Berlin, 28. Oktober.

220 deutsche Verbände aller Art erlassen fol- gendcn'Ausruf: In der Erkenntnis, daß der Ent­schluß der Reichsregierung, die Ehre Deutsch­lands über die Mitarbeit im Völkerbund zu stel­len, im ganzen Volke als eine befreiende Tat be­grüßt wird, haben sich die unterzeichneten Ver­bände zusammengefunden, um in den Kreisen ihrer Mitglieder alle Kräfte dafür einzusetzen, daß der freudige Widerhall dieser Regierungs- Maßnahme seinen Ausdruck findet in einer ein­stimmigen Bejahung am 12. November.

Die unterzeichneten Spitzenorganisationen for­dern- die ihnen angeschlossenen Verbände und Vereine aus, sich mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für die Volksabstimmung ein­zusetzen und jedes einzelne ihrer Mitglieder an seine Pflicht gegen Volk und Vaterland zu mahnen.

Das deutsche Volk fordert Gleichberech­tigung, Frieden und Arbeit. Die Einmütigkeit im Wollen und Trachten aller Deutschen rückhaltloses Vertrauen zum Führer und unerschütterliche Gefolgschaftstreue zu be- künden, das ist der einzige Sinn der Volksabstim­mung vom 12. November. Wer an diesem Tage versagt, stellt sich bewußt in die Reihe der Feinde des deutschen Volkes.

Fachausschuß für deutsches Seerecht

Hamburg, 28. Oktober.

Im Hamburger Rathaus wurde am Sonn­abend in Gegenwart des Regierenden Bürger­meisters Krogmann und Vertretern der Rechtswissenschaft, des Handels und der Schiff­fahrt, ein Ausschuß für deutsches Seerecht der Akademie für deutsches Recht gegründet. Der Reichsgeschäftsführer des Bundes nationalsozia­listischer deutscher Juristen, Dr. Heuber, er­nannte im Auftrage des Reichsjustizkommissars den Hamburger Universitätsprofessor Dr. W ü - stendörffer zum kommissarischen Leiter des Ausschusses. Wüstendörffer ist bereits Mitglied der Akademie für deutsches Recht.

Nr. Steidle österreichischer Vropagandanrinisler

Wien, 28. Oktober.

Wie dieNeue Freie Presse" berichtet,^soll die Schaffung eines Ministeriums oder eines staats- sekretariats für Propaganda vorgesehen sein, zu dessen Leiter ein aktiver.Politiker wie es heißt, der Sicherheitsdirektor für Tirol, Dr. Steidle ansersehen ist.

Lttwinow auf der Durchreise in B»li» Berlin, 28. Oktober.

iowjetrussische Außenkommissar Litwinow Zonnabend vormittag gegen 9 Uhr aut der iss nach Washington in Berlin ein-

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Die Riesenkundgebung in der Stuttgarter

Gtadthalle

Stuttgart, 28. Oktober.

Ein Führer, ein Wille, ein Volk das war auch in Stuttgart das überwältigende Erlebnis, das am Sonnabend die Anwesenheit des Füh­rers bei den Tausenden auslöste. Eine Riesen­menge hatte sich schon in den frühen Nachmit­tagsstunden in der Nähe des Hotels Viktoria ausgestellt, um dort den Führer bei seiner An­kunft zu begrüßen. Als dann der Volkskanzlcr erschien, erscholl ein vieltausendfacher Ruf der schwäbischen Volksgenossen,-und in den Abend­stunden steigerte sich die Bewegung der Masse, galt es doch, den Führer auf seiner Fahrt zur Stadthalle zu sehen.

Der Verkehr mußte in verschiedenen Stra­ßen stillgelegt werden. Stuttgart hat wohl noch nie einen Triumphzug von einer solchen Schlichtheit und Größe erlebt. Die Stadthalle, die bereits um 5 Uhr geöffnet wurde, war in kurzer Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt. Immerhin konnten etwa 9000 Menschen den Füh­rer bei seiner Rede sehen, während für die an­deren die Rede auf allen größeren Plätzen der Stadt durch Lautsprecher übertragen wurde. Die machtvolle Kundgebung in der Stadthalle be­gann mit dem Einmarsch der Fahnenabvrdnun- gen. Auf der Tribüne hatte die württembcrgische Regierung Platz genommen.

Ein tausendstimmiges Heil, das immer wieder minutenlang sich fortsetzte, verkündete die An­kunft Adolf Hitler. Dann trat gespannte Stille ein. Der Württembergische Reichsstatthalter Murr richtete eine kurze Begrüßungsansprache, an den Führer und an die Menge. Hieraus be­

gann der Reichskanzler seine große Rede, eine Rede, die immer wieder von stürmischem Beifall unterbrochen wurde.

Der Führer spricht

Der Führer, von stürmischen, nicht endenwol- lenden Heil-Rufen begrüßt, erinnerte in seiner Rede einleitend an seine letzte Kundgebung in diesem Saale. Damals habe er nicht geglaubt, daß er schon so bald wieder zu einer Wahl werde ausrufen müssen. Die Regierung brauche zwar kein solches neues Volksvotum, aber als Volk, dem man in der Welt den guten Willen und die Friedensliebe bestreite, wollten wir vor der Welt ein Bekenntnis ablegen. Der Führer kennzeichnet in ausführlichen Darlegungen den Versailler Vertrag, der die Wunden des Krieges heilen sollte, als die wahre Ursache der wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten der Völker. Er habe nicht nur die Besiegten, sondern auch die Sieger geschlagen.

Der Führer wies in entschiedener Weise die Lüge von der deutschen Kriegsschuld zurück, brandmarkte die wirtschaftliche Knechtung des deutschen Volkes durch die Reparationen und kennzeichnete den Fluch der Arbeitslosigkeit als notwendige Folge dieses Vertrages der Unver­nunft. Die Geißel der Arbeitslosigkeit aber sei der Nährbodendes Bolschewismus, der als Lehre des Wahnsinns die Katastrophe nur noch vollenden und damit nicht nur Deutsch­land, sondern die ganze Welt erfassen würde. Zwischen zwei Möglichkeiten, Wahnsinn oder Vernunft, habe Deutschland noch im letzten Augenblick das Letztere gewählt. Nach 14 Zähren

harten Kampfes sei es gelungen, unsere Bewe- ung zum Siege zu führen und damit den Ren­an Deutschlands zu beginnen.

Die schlimmste Erbschaft, die jemals ein Staatsmann übernommen habe, sei ihm am 30. Januar zuteil geworden.

Aber wir haben nicht 14 Jahre gekämpft, um einer Staatsstellung wegen» sondern um das deutsche Volk von Grund auf zu erneuern. Kamps und Arbeit für das Volk kann uns allein be­friedigen."

Er könne heute, nach acht Monaten, wohl sagen, daß wir in dieser kurzen Zeit mehr ge­schaffen hätten als frühere Regierungen, wenn überhaupt, dann in zehn Jahren.

Der Führer ging dann im einzelnen auf die bisher durchgeführten Arbeiten der Regierung ein. Was vielleicht vor einem Jahre den meisten noch als fanatisch erschienen sei, sei inzwischen Wirklichkeit geworden: Unter einem Symbol marschiere heute die ganze Nation, und was viel­leicht unter der heutigen Generation noch nicht ganz gelinge, das werde die deutsche Jugend vollenden. Unter stürmischem Beifall erklärte der Führer:

Ehe in Deutschland 3V Jahre vergangen sein werden, wird die Erinnerung an den einstigen Parteienstaat in der Vergangenheit wie ein blasses Phantom verschwunden sein."

Zunächst seien die weltanschaulichen und poli­tischen Voraussetzungen geschaffen worden zum weiteren Kämpf auf dem Gebiet der nationalen Erziehung und der kulturellen Entwicklung. Es (Fortsetzung auf Seite 2)

(Goebbels

Zum 36. Geburtstag Von Vuslov Slaede.

Bremen, 29. Oktober.

Braunschweig 1925. In zwei mittleren und einem kleinen Saal spricht der Führer, in den Straßen rast der rote Mob. Die ganze Stadt wogt im Aufruhr: denn der Jude zittert vor der Wahrheit. In einem dieser Säle sitze ich, eingeklemmt zwischen Tausenden von Neu­gierigen. An die Idee alaubt nur ein Bäcker- dutzend, Deutschland schläft. Und mährend der eben g»s der i^estunnshast entlassene Führer von Saal zu Saal eilt. mährend seine Worte wie HammerschGae Felsen von Irrtümern lvrengen und Kolonne an Kolonne reihen, leiten drei seiner trenesten llnterkübrer die Kiindnebnnaen bis zu d-m Auaenblick ein. in dem Adolf Hitler im Saal erscheint. Einer dieser Herolde der neuen Idee nennt sich Goebbels. Dr. Josepb Goebbels, ein Mann dessen fanatischer Blick nnd leidenschaft­liche Stimme allein schon Programm und Waffe sind. JH beobachtete damals meine Nochharn und andere Gesichter. Erst Ueber- raichnng, dann sprinat Satz für Satz auf die Massen über. wurzelt und mächst. Bis die Augen dieses für sein Volk abgezehrten Propbeten die Augen seiner Gläubio-n wer­den. So vflügt Joievh Goebbels den schweren Acker seit den ersten Stunden der deutschen Revolution, in fanatischer Treue zu seinem Führer, in selbstloser Opferung eines be- anemen bürgerlichen Akademikerdaseins, für Deutschland und seines Volkes Erwachen.

Wo Goebbels ist, siebt die Jugend. Die junas Generation fühlte sich mit ihm eins, wenn sie ihn kämpfen sah, ohne Schonung, aber mit Florett, ohne Wünsche an die Erde und ein Leben, das obne Idee farblos ist. Seilke klaren Sätze glichen Peitschenhieben, seine Gedanken wirkten auf den Gegner wie ätzendes Gegengift, das nichts mehr ließ. aber in den Hirnen Raum für das Neue schuf. So muß Savonarola gepredigt haben wie dieser Fanatiker und lleberzeuger geaen den Totentanz seines Volkes. Viel fehlte nie, um das Schicksal dieses Mönches zu teilen. Davon zeugen heimtückische lleber- fälle, blutige Saal- und Straßenschlachten, in deren Mittelpunktunser Doktor", wie ihn die SA begeistert nannte, stand und keinen Zoll zurückwich.

Es war mir vergönnt, unter Dr. Goebbels ein JahrKampf um Berlin" zu erleben, und zwar eines der schwersten, das Verbots­jahr 1927 bis 1928. Abend für Abend saßen wir damals zusammen und sprachen in verbotenen Versammlungen oder in kleinen» verfemten Kreisen über die Idee und ihre Ziele. Jeden Sonntag marschierte die ver­botene Berliner SA. vor den Toren der Stadt. Dr. Goebbels unter ihr. So schloß sich ein Ring um Berlin, noch ehe das Verbot fiel. Dann aber kam der Aufschwung, die Mit­gliederzahlen schnellten nach oben, und schon nach kurzer Zeit mietete die Eauleitung Ber­lin den Sportpalast. Jetzt half kein Schwei­gen und keine Ironie mehr. Hier hatte sich in der 4-Millionen-Stadt ein Mann durch­gesetzt, der nicht mehr hinwegdiskutiert wer­den konnte. Eine Geschäftsstelle nach der anderen wurde zu klein; so ist gerade die Ent­wicklung von derOpiumhöhle" zumAdolf- Hitler-Haus" ein Symbol für die Größe des Sieges um Berlin. Seine ausschließ­lichen Bezwinger sind Joseph