Ausgabe 
(25.10.1933) Nr. 288
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-lr. 288 Jahrgang 1933

Vremen Mittwoch, 28 Oktober 1933 Einzelpreis is Via.

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SWe Friede« leine Freiheit

Der Führer eröffnet den Wahlkampf mit einer Riesenkundgebung in Berlin

Das gewaltige Frledensbekenntnis Adolf Hitlers

Ein Volk ist erwacht

Berlin, 24. Oktober.

Die Reichshauptstadt steht völlig im Zeichen des großen Wahlkampfes An den Litfaßsäu­len werben Riesenplakate für dasJa" zum Volksentscheid, und viele Straßendämme und Bauzäune sind über Nacht mit Inschriften be­malt worden, die ebenfalls auf die Bedeutung des 12. Novembers hinweisen Transparente guer über die Straßen gespannt und an den Häuserfronten entlang weisen auf den bedeu­tungsvollen Tag im kommenden November hin.

In nicht weniger als KK großen und mitt­leren Säle» Eroß-Berlins, in den Arbeiter­vierteln des Ostens und Nordens, in den bür­gerlichen Gegenden des Westens, draußen an » der Peripherie, in den Vororte» genau so wie » rn der Innenstadt, überall haben die Volks- 8 genossen die Möglichkeit, sich die Rede des g Führers aus dem Sportpalast mit anzuhören. I

In allen Sälen enthüllt sich das gleiche fest- I liche Bild. Die Säle sind mit den Fahnen der 1 nationalen Revolution ausgeschmückt. Auf den 8 Bühnen und Emporen sind die Fahnenabord- 8 nungen der NSBO. und der NSDAP. auf­marschiert. Ueberall ist festliche Stimmung, überall ist der Empfang der Uebertragung aus dem Sportpalast sehr gut. Gegen 19 Uhr muß­ten fast alle Säle wegen Ueberfül- lung polizeilich geschlossen wer­den. Jedoch hatte ein Teil der draußen War­tenden Gelegenheit, in den umliegenden Lo­kalen die Reden anzuhören, zumal eine große Reihe von Restaurants bereits den Tag über mit großen Plakaten angekündigt hatten, daß sie am Abend die Rede mit Lautsprecher über­tragen werden.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß beinahe ganz Berlin dem Wort des Füh­rers lauschte.

Der Weg des Kanzlers von der Reichskanz­lei bis zum Sportpalast glich einer großen Triumphfahrt. Während in der Boß- Straße uniformierte BVE.-Angestellte Spa­lier bildeten, hatte sich in der Potsdamer Straße vom Platz ab eine Menschenmenge von ungezählten Tausenden eingefunden, die den Kanzler mit großer Begeisterung empfing. Einem wogenden Menschenmeer glich die Potsdamer Straße von der Lützowstraße ab bis zum Sportpalast.

Auf der Potsdamer Straße zwischen dem Sportpalast bis nahe heran an die Potsdamer Brücke, wo Großlautsprecher aufgestellt waren, standen Zehntausende, um die Rede des Füh­rers mit anzuhören. Seit dem Nachmittag be­reits hatte die Polizei umfangreiche Absperr- maßnahmen vorgenommen, um den Verkehr in dieser Hauptstraße aufrechtzuerhalten. Lange vor Beginn der Kundgebung waren Gruppen von Zuhörern in den Nebenstraßen aufmarschiert. Die stürmische Begrüßung, die dem Führer im Sportpalast zuteil wurde und die durch die Lautsprecher sich auf die Straße fortpflanzte, fand hier reichen Widerhall.

Das Innere des Sportpalastes ist mit großen Transparenten geschmückt:Hitlers Kampf ist der Kampf um den wirklichen Frie­den der Welt",Mit Hitler für einen Frieden der Ehre und Gleichberechtigung", Das deutsche Volk will den Frieden, aber einen Frieden der Ehre und der Gleichberechti­gung". Das Rednerpult ist mit einem großen Blumengebinde geschmückt. Noch nie war eine solch ungeheure Menschen­menge in diesem Raum versam­melt, wie am heutigen Abend. Nur ein schmaler Durchgang für den Führer und seine Begleitum wird freigehalten. Ein Teil der Logen wird für die in- und ausländischen Pressevertreter freigehalten, die in außer­ordentlich großer Zahl erscheinen. Fast alle rn Berlin anwesenden ausländischen Journalisten wohnen der Veranstaltung bei.

Für die Schwerkriegsbeschädigten und die Angehörigen der im Kampf für die Freiheits­bewegung Gefallenen war, wie immer, in den ersten Reihen vor dem Podium Platz geschaf­fen. Die bekantesten Persönlichkeiten der Regierung und der Partei wurden bei ihrem Eintreffen mit Beifall begrüßt. Es erschienen u. a. V.zekanzler von Papen, Reichspresse­chef Dr. Dietrich, der Leiter des Außen­politischen Amtes der NSDAP., Rosen- berg, stellvertretender Pressechef Ministe- rialrat Dr. Iahncke, die Stzatsräte Ge­neral Litzmannund stellvertretender Gau­leiter Görlitzer, sowie zahlreiche Vertre­ter des diplomatischen Korps.

Ber 1 in, 24. Oktober.

In seiner großen Rede warf der Führer einleitend einen Rückblick auf die Entstehung des Bersailler Vertrages und seine grauenhaften Folgen für das deutsche Volk 8 und ganz Europa Er legte dar, daß Deutsch- g land die Waffen gestreckt habe im Vertrauen auf die feierliche Zuficherung der Gegner und führte in eindrucksvoller Weise aus, warum dieser Vertrag nicht zur Befriedung der Völ­ker, sondern zur Verewigung des Hasses führen mußte. Millionen Arbeits­lose, nicht nur bei den Besiegten, sondern auch bei den Siegern, seien die Folgen für die Un­vernunft derer, die diesen Vertrag gemacht hätten.

Indem der Führer in treffender Weise diesen Zustand alsProduktderUnver- nunst kennzeichnete, entwickelte er daraus die absolute Notwendigkeit des deutschen Ent­schlusses und den Zwang, so zu handeln und nicht anders. Denn auf die Dauer könne das Recht nur den Völkern gegeben werden, die gewillt seien, ihr Lebensrecht auch vor der Welt zu vertreten.

Der Führer übte scharfeKritikan dem Versuch der anderen, das völlig abgerüstete deutsche Volk zum Schuldigen für das in Mißtrauen gegeneinander begründete Wett­rüsten der anderen zu stempeln. Die falsche, im

Ankunft des Führers

Wenige Minuten vor 8 Uhr ertönte das Kommando zum Fahneneinmarsch: voran marschierten die zehn Berliner Standarten, dann die Freiheitsbanner, an der Spitze die Berliner Blutfahne. Unter den Fahnen sah man auch die Reichskriegsflagge des Stahl­helms. Die Fahnen nahmen oberhalb der Kurve und auf den Treppen Aufstellung. Kurz nach 8 Uhr erklangen von draußen t o - sendeHeil-Rufe, die sich zu einem Or­kan steigerten, als der Führer den Sport­palast in Begleitung des Stellvertreters des Führers, Hetz. des Propagandaministers Dr. Goebbels, seines persönlichen Adju­tanten Stenge und seines persönlichen Begleiters, Standartenführers Schaub, betrat.

Der Führer begrüßte den Vizekanzler von Papen, sowie General Litzmann und nahm dann Blumenspenden der Hitler-Jugend ent­gegen, während das Blitzlicht der Fotografen aufflammte. Ueberall, wohin der Führer seinen Blick rings im Saale richtete, schlugen ihm neue Wogen der Begeisterung und Ver­ehrung entgegen.

Dr. Goebbels spracht

Erst nach fast zehn Minuten konnte Dr. Goebbels die Eröffnungsworte sprechen:Ich weiß nicht, wie oft der Führer von d.eser Stelle aus zu den großen Fragen der deut- ! schen Nation Stellung genommen hat. Das aber weiß ich, daß er noch niemals so auf die einmütige Zustimmung und Befolg- schaftstreue rechnen konnte wie dieses- mal. (Minutenlanger Beifall). Der Grund dafür ist der, daß nach 14 Jahren zum ersten­mal ein deutsches Nein ausgesprochen wurde.

I Das deutsche Volk ist entschlossen, mit ihm j den Kampf um die deutsche Ehre, um die deutsche Gleichberechtigung und damit um einen wahren und dauerhaften Frieden in der ganzen Welt aufzunehmen. Weit über diesen Saal hinaus sitzt am heutigen Abend das ganze deutsche Volk an den Lautsprechern, um aus dem Munde des Führers zu hören und zu erfahren, wo der Weg in d e deutsche Freiheit führt. Wir Berliner danken es dem Führer ganz besonders, daß er die Eröffnung des Wahlkampfes im Sportpalast unter uns beginnen will. (Stürmische Heil-Rufe). Wir sehen darin eine Anerkenung für den schwe­ren Kampf, den wir um die deutsche Frecheit hier geführt haben. Wir begrüßen den Füh­rer. Der Führer hat das Wort!

Unter erneuten Iubelstürmen ergreift der Führer das Wort. (Einen Auszug aus der Hitler-Rede veröffentlichen wir an anderer Stelle des Blattes. Der amtliche Wortlaut der Rede darf erst morgen veröffentlicht wer­den).

Versailler Vertrag verankerte Meinung, daß das wirtschaftliche Unglück der einen das Glück der anderen sei. habe Europa auf den direk­ten Weg des B o l s ch e w i s m u s und damit in das Chaos geführt. Das deutsche Volk habe den Kampf aufgenommen und sich ein anderes Regierungssystem gewählt, um diesem Ruin zu begegnen und seiner furchtbaren Not Herr zu werden.

Der Führer umriß in großen Züge«

die bisherigen Leistungen des national­sozialistischen Staates

und die gewaltige politische und wirtschaftliche Arbeit, oie er innerhalb der ersten acht Mo­nate seiner Herrschaft bereits geleistet habe. Er wandte sich mit aller Scharfe gegen die Greuellügen, mit denen man in der Welt die­ses Deutschland des Aufbaues zu diffamieren versuche. Demgegenüber wies er auf die wie­derholten Greuel in der Geschichte der Revo­lutionen anderer Völker hin. Wenn man von Greuel sprechen wolle, dann seien die Selbst- mordzisfern im Zeichen des Versailler Ver­trages die größten Greuel.

Der Führer wies die im Ausland geduldeten Beschimpfungen der deutschen Regierung ent­schieden zurück. Er streifte dabei auch die Emigranten-, die Juden- und die Boykott- srage. Er wies jede Verdächtigung der Auf­richtigkeit des deutschen Friedenswillens zu-

Schon nach wenigen Sätzen hatte der Reichskanzler die Zehntausende in seinem Bann, und sie folgten jedem Satz, in jedem Wort mit solcher Anteilnahme, daß mancher Satz gar nicht zu Ende gesprochen war, als ihn schon das Echo in den Massen zu­deckte. War vor wenigen Tagen bei der Rede des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels an der gleichen Stelle zu beobachten, daß die Fragen der Außenpolitik auf erstaunliches Verständnis stießen eine Feststellung, die der nationalsozialistischen Bewegung, die ihre eigenen Anhänger über die eigene Na­senspitze hinaus zu denken lehrte, als hohes Verdienst anzurechnen ist so war es dies­mal sogar so, daß selbst Andeutungen, die eine intensivere Beschäftigung mit dem aktu­ellen Problem voraussetzten, sofort verstan­den wurden, je tiefer die Gedanken des Füh­rers in den Fragenkomplex eindrangen und er fand auch diesmal wieder Bilder von wundervollster Anschaulichkeit, prägte Sätze, die sich förmlich in die Gehirne ein­hämmerten um so lebendiger gingen seine Zuhörer mit.

Paris, 24. Oktober.

Bei der entscheidenden Abstimmung über den Artikel 37 der Finanzvorlage ist das Ka­binett Daladier mit 32S gegen 241 Stimmen gestürzt.

Der Grund des Auseinanderfallens der.Re­gierungsmehrheit liegt diesmal weniger in budgetären und finanziellen Fragen als viel­mehr in dem Bruderzwist, der feit lan­gem bei den Sozialisten besteht. Es hande.t sich um einen jetzt zum Austrag gekomme­nen Kampf der Anhänger und Gegner Leon Blums; daß die sogenannten Neusozialisten um Renaudel und Marquet ihre Dro­hung, für eine Regierung Daladier einzu- tveten, diesmal wahr geinWht haben und sich nicht der von Leon Blum geforderten Partei- disziplin weiter zu unterwerfen bereit waren, kann letzten Endes als der Grund angefelM werden, warum Leon Blum heute früh der Regierung eine scharfe Absage erleilt hat. Daher auch die kurz vor der Abstimmung an den Ministerpräsidenten geeichte e Frage, ob er jetzt etwa eine Konzentrationsre­gierung zu bilden beabsichtige. In der Tat scheint etwas derartiges in der Luft zu liegen. Ob Daladier sie bilden wird, oder ein ande­rer, ist Line andere Frage.

Die parteipolitische Lage hat durch den Bruch, der heute zwischen den beiden sozialisti­schen Richtungen vollzogen wurde, insofern eine Klärung gebracht, als nunmehr der Weg frei geworden ist für die seit Jahren von den

rück. Er wiederholte sein Friedensbe- kenntnis, insbesondere auch gegenüber Frankreich und Polen, forderte aber mit dem gleichen Nachdruck die Konsequenzen in be- zug auf Deutschlands volle Gleichberechtigung von den anderen.

Der Führer brachte in überwältigender Weise seine persönliche harte Ent­schlossenheit zum Ausdruck, keiner Drohung die deutsche Ehre zu opfern. Er werde jederzeit lieber st erben, als! etwas unterschreiben,, was seine»- heiligsten Ueberzeugung nach für das deutsche Volk unerträglich sei.

Der unbeschreibliche Jubel, der diese Worte begleitete, legte eindrucksvollstes Zeugnis davon ab, wie sehr das deutsche Volk hinter seinem Führer steht. Nicht seinetwegen nicht der Partei wegen, sondern des deutschen Volkes wegen rufe er jeden Volksgenossen zur Stimmabgabe am 12. November zur Gleichberechtigung, Ehre und wirklichen Frie­den aus. Der neue Reichstag solle der Garant dieser Politik sein. Seine mit unerhörter Be­geisterung aufgenommene große Rede schloß der Führer mit dem Bekenntnis, daß die deutsche Politik nicht vom Haß gegen andere Völker, sondern nur von der Liebe zu un­serem eigenen Volke getragen sei.

Die Schlußausführung, die in einem ein­dringlichen Appell an das deutsche Volk gip­felten, gingen fast in den spontanen Aeuße­rungen der Zustimmung unter. Als der Füh­rer geendet hatte, als das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied verklungen wa­ren, stand der ganze Sportpalast auf den Bänken und Stühlen, dröhnte die Halle von Heil-Rufen, die sich auf der Straße wie ein Lauffeuer fortpflanzten. Das Hoch auf den Führer, das die Lautsprecher auf die Straßen trugen, fand Hunderttausendfachen Wider­hall, und man darf gewiß sein, daß es auch in den Millionen deutscher Herzen wider­klang, die ihren Volkskanzler nur durch Radio anhören konnten.

Nach dem Ende der Kundgebung, während die Massen heimwärts zogen, klangen die Heimatlieder durch die Nacht als freudige Zu- stimmung zu der Forderung nach Freiheit und Ehre, Gleichberechtigung, die der geliebte > Führer im Namen des ganzen deutschen Vol- I kes vor aller Welt erhoben hatte.

verschiedenen politischen Persönlichkeiten ge­wünschte, bisher aber nie durchführbar ge­wesene Konzentration der Mitte. Diese Konzentration der Mitte hat nach links jetzt eine Verstärkung von selten der abge­splitterten Neusozialisten erfahren. Geht die Abgrenzung nach rechts ebensoweit, dann könnte eine Konzentrationsregierung unter den jetzigen Umständen eine feste Mehrheit im Parlament bekommen und arbeiten. Die Konzentrat'onsregierung ist übrigens auch der Wunsch des Senats und ein unausgesproche­ner Wunsch des jetzigen Präsidenten der Republik, Lebrnn.

Wer tritt die Nachfolge an?

Paris, 24. Oktober.

Der französische Staatspräsident hat am Diens­tag seine Beratungen aufgenommen und die Vorsitzenden der Senats- und Kammerausschüsse sowie die Präsidenten der Fraktionen empfan­gen. In den Voraussagen politischer und parla­mentarischer Kreise halten sich der bisherige Innenminister Chautemps und Kriegs­marineminister Sarraut die Waage.

Als Außenseiter wird gesprächsweise auch der ehemalige Staatspräsident Doumergue genannt, den man im Augenblick als die einzige Persön­lichkeit bezeichnet, die die sogenannte nationale Einigung herbeiführen könne. Während die einen behaupten, daß Staatspräsident Lebrnn sich bis loätekteus Mittwoch abend entscheiden werde.

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Bremen, 24. Oktober.

Das Genfer Komödienspiel, dem Deutschland jetzt den Rücken gekehrt hat, kann durch nichts besser gekennzeichnet werden, als durch die Fest­stellung, daß, während die Militärmächte in der Völkerbundsstadt über Abrüstung verhandelten, sie in ihren Ländern gerade das Gegenteil taten, nämlich ausrüsteten. Während also in Genf schöne Reden über Abrüstung, Völkerfrieden und Völkerverständigung gehalten wurden, während man nicht müde wurde, Deutschland der gehei­men Ausrüstung zu verdächtigen und die fried­lichen, lediglich dem inneren Zusammenschluß dienenden Massenaufmärsche als eine Bedrohung des Friedens hinzustellen, wurde zu Hause mit Hochdruck an der Bewaffnung und Ausrüstung der Millionen-Armeen gearbeitet, entwarf und verwirklichte man immer neue Rüstungspläne. Und jetzt, wo die Reichsregierung aus diesem heuchlerischen Doppelspiel die einzig mögliche Schlußfolgerung gezogen hat, möchte man wo­möglich noch Deutschland die Schuld dasür zu­schieben, wenn man jetzt in Genf von einer Ver­legenheit in die andere fällt und nicht weiß, wie der festgefahrene Abrüstungswagen wieder flott­gemacht werden soll.

Seitens der hochgerüsteten Militärmächte ist in den letzten Tagen immer wieder behauptet worden, auch sie hätten Abrüstungsmaßnahmen durchgeführt, und sie wären dabei sogar bis zu einem ihre Sicherheit gefährdenden Punkt ge­gangen. Die Wirklichkeit sieht aber

anz anders aus. Die Beweise dafür, daß

ie anderen tatsächlich nicht abgerüstet, sondern ständig aufgerüstet haben, sind leicht zu erbrin­gen. Man braucht nur auf die Tatsachen seit dem Beginn der Abrüstungskonferenz im Februar 1932 zurückzugreifen.

Da ist zunächst einmal Frankreich. Die französische Armee ist im März 1932 durch die Neuausstellung von 20 mobilen Bataillonen mit den entsprechenden leichten und schweren Artil­lerieabteilungen, Luftabwehr- und Pionierein­heiten verstärkt worden. Gleichzeitig wurden mehrere Festungs- und Artillerieabteilungen und ein schweres und ein motorisiertes Artillerie- regiment neu ausgestellt. Im Juni 1932 wurde dasKomitee zur einheitlichen Regelung der Landesverteidigung" gebildet mit der Ausgabe, die Zusammenarbeit aller Wehrmachtteile im Kriege vorzubereiten. Im Juli 1932 erfolgte die Neuausstellung von weiteren 19 mobilen Batail­lonen mit den entsprechenden Artillerieabteilun­gen. Und im Dezember 1932 wurde der franzö­sische Heimatlustschutz in großzügigster Weise mit Marschall Pötain an der Spitze ausgebaut. Wei­ter ist 1932 mit dem Neubau von nicht weniger als vier Kreuzern, einem Zerstörer, drei U-Boo­ten und dem SchlachtkreuzerDün- kirchen" begonnen worden, während zwei weitere große Schiffe, dieLe Fantasque" und der KreuzerAlgerie", von Stapel liefen.

Wie gut das französische Rüstungsgeschäft flo­rierte, geht vor allem auch daraus hervor, daß die Kriegsmaterialfabriken von Schneider- Creuzot im Januar 1933 bei einem Rein­gewinn von 25,5 Millionen Franken 25 v. H. Dividende verteilen konnten. Auch in diesem Jahr ist die französische Aufrüstung unentwegt weitergegangen. Hier nur einige Beispiele: Im März wurde eine Luftarmee in Stärke von 40 000 Mann gebildet. Im Mai wurde die Ver­längerung der aktiven Dienstzeit in sämtlichen französischen Kolonien von zwei auf drei Jahre durchgeführt, gleichzeitig mit der Verpflichtung für alle Eingeborenen, der allgemeinen Wehr­pflicht auch außerhalb der Kolonien, also in Frankreich selbst, nachzukommen. Der Juni brachte die Motorisierung von sechs Kavallerie­regimentern und von fünf RegimenternChas- seurs d'Asrique". Weiter wurden fünf motori-

glauben die anderen an eine verhältnismäßig lange Dauer der Krise.

Paul Reynaud wies darauf hin, daß eS sich weniger um eine parlamentarische Krise als um eine Systemkrise handele. Die Frage sei heute, ob die Radikalsozialisten den Mut aufbrächten, end­lich mit den Sozialisten zu brechen. Er befürchte aber, daß einige Zwischenversuche notwendig seien, ehe diese psychologische Entwicklung in den Reihen der Radikalsozialisten sich vollziehen könne.

Sturz der franzötischenNegierung