Ausgabe 
(24.10.1933) Nr. 287
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m. 287 Jahrgang lS 33

Roland Nr 625 628 Bankkonten- Fernsprecher:

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Bremen, Dienstag. 24. Oktober 1S3 Einzelpreis is Via.

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_Das Amtliche Orcran dos Senais der dreien Bremern ^

Die Hocchßerüstetcn in cker lilemme:

Vor dem Gchk item der neuen Abrüstungskonferenz

Englands Dertreter sind beauftragt, der Vertagung zuzustimmen Riesige Wahlkundgebung mit Dr. Goebbels in Frankfurt a. M.

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London, 23. Oktober.

In der heutigen Sitzung des britischen Kabinetts wurde, wie verlautet, beschlossen, daß Sir John Simon vorläufig nicht nach Gens zurückkehren soll. Der Ständige Unterstaatssekretär des Foreign Office, Eden, wird morgen von London abreise» und die britische Regierung bei der Wiederaufnahme der Sitzungen der Abrüstungskonferenz in Genf vertreten.

Es verlautet, daß die internationale Lage noch als zn ungeklärt angesehen wird, um die Erzielung genauer Entscheidungen zu ermöglichen, insbesondere angesichts der parlamen­tarischen Lage in Frankreich und der Tatsache, daß Besprechungen mit anderen Mächten weiter geführt werden. Es scheint, daß die Vertagung derAbrüstungskonferenzfür «ine unbestimmte Periode in Aussicht steht, und dieser Vorschlag würde, wie verlautet, von dem britische» Vertreter in Gens unterstützt werden.

Das Ergebnis der Londoner Kabinelissltzung

London, 23. Oktober.

Wie der diplomatische Mitarbeiter desDaily Telegraph" berichtet, besteht unter den englischen Ministern Einigkeit darüber, daß die Wiederauf­nahme der Bemühungen zur Ausarbeitung einer Abrüstungsvereinbarung in der Konferenz un - tunlich, wenn nicht sogar unmöglich sei. Man sei sich darüber einig, daß ein solches Vor­gehen höchstens neue Meinungsverschiedenheiten über das Verhalten gegenüber Deutschland und über die von Japan, Polen, Rußland und der Kleinen Entente eingenommene Haltung hervor­rufen würde. Man werde in Genf, wenn auch unter Protest einiger Staaten, der Verta- gungderKonserenz zustimmen. Die führenden Mächte würden in der Zwischenzeit versuchen, einen Beschluß über die geeignetsten Methoden zur Wetterführung der Abrüstungs­frage zu fassen, in der Hoffnung, Mittet und Wege für eine baldige Rückkehr Deutschlands zu den Verhandlungen zu finden. Ein technischer Widerstand Frankreichs gegen die Verhandlun­gen im Rahmen des Viermächtepakts könne die Unterzeichner des Vertrages nicht an einer Zu­sammenkunft verhindern.

News Chronicle" sagt, es werde ichnnerrg sein, ein Kompromiß über die Vorschläge, die man Deutschland machen könne, herbeizuführen, so daß Deutschland im Falle einer Nichlckmguirg der anderen eine starke Stellung haben werde.

Gin neuer Mrllftungsplan mit alten Fehlern?

Genf, 23. Oktober.

Die offenbar von englischer und itackieni- nischer Seite dringend geforderte Ver­tagung der Abrüstungskonferenz soll jetzt nach einem neuen Plan in der Form gefaßt werden, daß der Hauptausschuß bei seinem Wiedcrzusammentritt am Donnerstag die Einsetzung eines engeren Redaktionsaus­schusses beschließt, dem die Aufgabe über­tragen wird, den bisherigen Macdonald-Plan auf der Grundlage der letzten Vorschlage des englischen Außenministers Simon umzu-

*Die Arbeiten dieses Redaktionsausschusses sollen von vornherein auf mehrere Wochen festgesetzt werden, so daß hierdurch die tatsächlich erfolgte Vertagung der Ab­rüstungskonferenz n a ch a u ß e n n o r du r s - tig verschleiert werden konnte. Dieser Redaktionsausschuß, der hauptsächlich aus Vertretern der Großmächte zusammengesetzt sein soll, würde somit tatsächlich die Aufgabe haben, einen neuen Abrüstnngsplan auf der Grundlage der letzten englischen Vorschläge auszuarbeiten. Dieser Plan soll sodann nochvor Weihnachten dem Hauptaus­schuß vorgelegt werden.

Amerikanisches Verständnis für Deutschland

Die Ehre gebot Deutschland, die Abrüstungs­konferenz zu verlassen"

Washington, 23. Oktober.

Das Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Abgeordnetenhauses Fish (Nenyork) er- klärte,, daß das amerikanische Volk üw ^ tir.

teils über Deutschlands Fortgang von Genf nicht enthalten solle. Da die Alliierten sich weigerten, ihre Rüstungen herabzusetzen,

habe die Ehre Deutschland geboten, die Abrüstungskonferenz zu verlassen.

Der Abgeordnete Fish fuhr dann fort: Es geht uns nichts an, welche Regieruugsart Deutschland hat, und unser Berliner Botschafter sollte mehr Verständnis.für die Regierungs­form in dem Lande zeigen, in dem er akkredi­tiert ist.

Adolf Hitler führt die Wahlliste

Berlin, 24. Oktober.

Wie uns gemeldet wird, sind die Vorbereitun­gen für die Aufstellung der Wahllisten für die kommende Reichstagswahl bisher noch nicht abgeschlossen. Jedoch dürfte bereits fest­stehen, daß in sämtlichen 38 Wahlkreisen eine Einheitsliste aufgestellt werden wird, ge­führt von 10 Persönlichkeiten mit dem Kanzler an der Spitze. Diese zehn Namen werden die einzigen sein, die aus dem

Stimmzettel abgedruckt sind. Es ist auch ein einziger Reichswahlvorschlag beabsichtigt. Von besonderem Interesse wird sein, inwieweit Ver­treter früherer selbständiger Parteien von den Nationalsozialisten nunmehr in den Reichstag wieder hineingelassen werden. Insbesondere gilt das hinsichtlich der früheren Zentrumspartei. Die Verhandlungen wegen Ueberleitung eines Teiles der Zentrumsmitglieder in das Hospi- tantenverhaltnis bei den Nationalsozialisten waren zum Zeitpunkt der Parlamentsauslösung nahezu abgeschlossen.

AIS sehr wahrscheinlich wird bereits jetzt be- zeichnet, daß unter den auf der Liste erscheinen­den 10 Kandidatennamen sich auch die Namen des Vizekanzlers v. Papen und des Reichs- arbeitsministers befinde«.

Wenn wir dem Volke treu bleiben, dann wirb das Volk uns treu bleiben!"

Reichsminister Dr. Goebbels ln Frankfurt am Main

Frankfurt a. d. O., 24. Oktober.

In einer von vielen Tausenden besuchten Wahlkundgebung der NSDAP. sprach Montag abend Reichsminister Dr. Goebbels. Die Ausführungen des Ministers, der etwa 2^ Stun­den, oft von stürmischem Jubel un­terbrochen, sprach, bewegten sich inhaltlich im großen und ganzen im Nahmen seiner großen Sportpalast-Rede vom Freitag abend.

Einleitend führte der Minister u. a. aus: Heute ist die Regierung Hitler acht Monate an der Macht, im'Verhältnis zu den Aufgaben, die ihr gestellt worden sind, eine relativ kurze Zeit. Allein, wir haben ja schon in der Oppo­sition erklärt, daß niemand sich der Hoffnung hingeben dürfte, zu glauben, daß die national­sozialistische Bewegung im Handumdrehen alle die Mißstände zu beesitigen vermöge, die in einer 14jährigen Mißwirtschaft sich herausgebildet haben.

Manch einer hätte sich überhaupt geweigert, diese Erbschaft zu übernehmen.

Aber wir Nationalsozialisten haben die Aufgabe übernommen, und wir sind mit frischen Kräften ans Werk gegangen. Wir haben auch keinen Zweifel daran gelassen, daß nicht nur ein Kabi­netts- sondern ein Systeinwechsel eintreten würde und daß die Maßnahmen, die wir nun zu treffen planten, grundsätzlich anderer Art sein müßten, als was bisher in Deutschland zur Wiederher­stellung des inneren Friedens unternommen wurde. Wir mußten radikal vorgehen.

Die Mittel, die wir anwenden, konnten ihr Maß nur nehmen an dem Maß der Ka - tastrophe, die über Deutschland hereinge­brochen war. Voraussetzung dabei war die Be­seitigung der Mißstände im öffentlichen Leben und zwar waren diese Mißstände so tief einge- rissen, daß man sie nur durch radikale Einschnitte beseitigen konnte. Niemals wäre es im parlamentarischen Systemmöglich gewesen, diese- Maßnahmen zu treffen, die wir getroffen haben. Es blieb nichts weiter über, als einer kleinen

Gruppe die Macht zu geben mit dem Auftrag, diese Macht auch zu gebrauchen. Wir haben nie­mals einen Zweifel daran gelassen, daß wir die ganze Macht wollen, weil wir von der Ueber- zeugun erfüllt waren, daß wir nur durch einen uneingeschränkten Machtgebrauch Erfolg haben können.

Dr. Goebbels ging dann ausführlich auf die außenpolitische Lage ein, die sich nach unserem Ausscheiden aus der Genfer Ab­rüstungskonferenz und aus dem Internationale» Arbeitsamt ergeben habe. Im Schlußteil seiner Rede betonte die unauslösliche Verbundenheit von Volk, Partei und Staat:

Wenn wir dem Volke treu bl-iben, dann wird das Volk auch uns und nnserer Sache treu bleiben."

Nicht endenwollender Jubel dankte dem Mi­nister für seine Ausführungen, die von dem Kreisleiter mit einem dreifachen Sieg Heil auf Deutschland und seine nationalsozialistische Re­gierung geschlossen wurden.

Paris vor brr Entscheidung

Die LLmgebung der Kammer im Belagerungszustand

Paris, 23. Oktober.

Auch die heutige Vormittagssitzung der Kam­mer hat noch keine Entscheidung über das Schicksal der Finanzgesetze und damit der Regierung gebracht. Auf einen Antrag des marxistischen Abgeordneten Moch beschloß die Kammer trotz Widerspruchs dcr Regierung, die aber nicht die Vertrauensfrage gestellt hat. die Vermittlungsgebühr für die Verbreitung der neueingeführten provisorischen französischen Staatslotterie von 2Vs auf l'/e heriabzusetzen Ein Antrag des rechtsstehenden Abgeordneten Marin, die Vermittlungsgelder und die Namen derer, die sie erhalten, zu veröffentlichen, wurde ebenfalls angenommen, was den Budget- minister Lamoreux zu dem Ausruf veran­laßte:Jetzt können Sie hinsichtlich der Lotterie noch alles Mögliche annehmen, was Sie wollen! Jetzt ist die Lotterie ja doch schon tot!"

Ministerpräsident Da lädier ergriff in der Vormittagssitzung das Wort und sprach den Wunsch aus,, daß die Kammer möglichst bald die strittigen Artikel des Finanzgesctzcs zur Dis­kussion stellt.

Die Kammer trat dann in die Beratung des Artikels ein, der eine Kontrolle der Einkünfte aus Wertpapieren vermittels einer Art steuer­lichen Buchführung vorsieht.

Die Aussprache ist kurz nach 20 Uhr aus 22.30 Uhr vertagt worden, ohne daß bisher der entscheidende Artikel 37 (Gehaltskürjungen) in Angriff genommen wurde.

Gin Kompromiß

Paris, 23. Oktober.

Die Regierung hat einem von den Linksparteien einschließlich der Delegierten der Neujozialisten ausgearbeiteten Kompromißvorschlag in oer Frage der Krisensteuer zugestimmt, zu dem nunmehr die sozialistische Richtung Leon Blum sich wird äußern müssen. Dieser Kompromißvorschlag sieht eine von drei bis neun Prozent ansteigende Krisensteuer für olle Beamtenge- Halter über 10000 Frank vor unter Belassung eines steuerfreien Betrages für die in diese Kate­gorie fallenden niedrigen Bezüge, ferner eine einheitliche sechsprozentige Abgabe aus alle sonsti-- »en kellen Einkünfte sowie einen besonderen Zu­

schlag von 2 bis n Prozent für alle Einkommen über 125 000 Ftnnt. Man erwartet von diesem Kompromiß einen Gesamtertrag von 1010 Mil­lionen Frank.

Vor dem Kammergebäude fanden im Laufe des Nachmittags eine Reihe von Demonstrativ- nen gegen die Steuerpläne der Regierung statt. Etwa 200 Personen wurden festgenommen.

*

Die Aussprache in der Kammer hat vor überfüllten Tribünen um 15.30 Uhr wieder begonnen. Die Atmosphäre ist zu Beginn noch verhältnismäßig ruhig. Als erster Reeller bestieg der Haushaltsminister Lamoureux die Tribüne, um die Finanzvorlage zu verteidigen

Die für Montag nachmittag angekündigte Massenkundgebung der Steuerzahler uno Krajt- droschkensührer ist ein Fiasko geworden. 2 a- sür haben die Organisatoren dieser Freikistoer- anstaltung es aber fertiggebracht, die gesamte Pariser Polizei, Gendarmerie und Bür.ier.^irde zu mobilisieren. Der ganze Stadtteil in ein-m Umkreis von etwa einen halben Kilometer die Kammer herum ist seil 13 Uhr

in denBelagerungszustand" versetzt.

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Der kuk kükrers

Berlin, 18. Oktober.

Die NSDAP. sieht sich im Hinblick auf die bevorstehende Volksabstimmung und die Reichs­tagswahl vor große neue Aufgaben gestellt, die den ganzen Einsatz der Partei erfordern, um so mehr. als in den vielfachen bereits im Gange befindlichen Aktionen, wie im Kamps gegen Hunger und Kälte und in der bevölkerungspoli­tischen Aufklärungsarbeit, keine Unterbrechung eintreten darf. Den Arbeitsplan für die nächsten Wochen festzulegen und alle mit der Volksabstim­mung und der Wahl zusammenhängenden Fra­gen zu klären, war die Ausgabe der großen Führertagung der NSDAP Die schicksals­schweren Entscheidungen, die die Regierung am 14. Oktober nach reiflicher Ueberlegung getroffen hat, sollen am 12. November in einem geschlosse­nen und gewaltigen Bekenntnis des gesamten deutschen Volkes noch einmal vor aller Welt unterstrichen werden, um dem Ausland endgültig zu zeigen, daß es in den entscheidenden Schick­salsfragen der Nation nur eine einzige und ein­heitliche Auffassung gibt und daß die Regie­rung nichts anderes ist, als die Vollstreckerin dieses Volkswillens. Dieses Volksvotum vorzu­bereiten, ist die Ausgabe der kommenden Wochen. Dabei handelt es sich natürlich nicht darum, einen Wahlkamps im früheren Sinne zu führen, da ja an die Stelle des parlamentarisch-demokratischen Staates der autoritäre Führer st aat getreten ist, sondern es geht darum, das Volk bis ins Letzte aufzuklären und auf

Der Kslodskamler spricht über alle ckoutsekon Lealler

Berlin, 23. Oktober.

Der Führer Adolf Hitler wird, wie von zu­ständiger Seite mitgeteilt wird, im Rahmen einer Kundgebung der NSDAP. im Sport­palast am heutigen Dienstag, den 24. Oktober abends von 8.15 Uhr bis 10 Uhr sprechen. Die Rede wird von allen deutschen Sendern übertragen werden.

die entscheidende Bedeutung des Kampfes um Gleichberechtigung und Frieden hinzuweisen.

Adolf Hitler hat zum Abschluß der Führer­tagung der NSDAP. in feiner großen richtung- weisenden Rede dafür die Parole ausgegeben und in prägnanten Formulierungen, wie sie dem Führer eigen sind, den tieferen Änn des außen­politischen Ringens klargelegt. Geschlossenheit und Einigkeit im Innern, um dann diese Ge­schlossenheit im Kampf nach außen zum Einsatz und Ausdruck zu bringen, das ist, auf eine kurze Formel gebracht, dieParole Adolf Hit­lers. Im Innern ist mit dem Siegeszug der nationalsozialistischen Idee und der Zusammen­fassung des unter dem früheren System in Klassen und Interessengruppen aufgespaltenen Volkes schon Großes geleistet worden. Der Führer will dabei aber nicht stehen bleiben. Gerade in den nächsten Wochen, die von ge­schichtlicher Bedeutung für das ganze deutsche Volk sind, soll das große Werk der Versöhnung seine Vollendung und Krönung fin­den. Auch diejenigen, die bisher vielleicht noch zögernd und unentschlossen abseits standen, sollen jetzt erfaßt und in die große Schicksalsgemein­schaft eingegliedert werden, wenn sie sich z dem Kamps um die Wahrung der deutschen Ehre und der deutschen Gleichberechtigung bekennen. Der Führer hat dabei sehr ernste Worte an die Par­tei gerichtet, die sich in diesem Augenblick mehr denn je ihrer großen Aufgabe als Vorbild und Erzieherin bewußt sein muß Gerade jetzt, unter dem verschärften außen­politischen Druck ist diese Geschlossenheit des Vol­kes mehr denn je vonnötcn, und die restlose Dn'chsnhrnng dieii'r Ausgabe wird zugleich die beste Antwort aus die Versuche des Ausländer