Ausgabe 
(23.10.1933) Nr. 286
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Nr. 286 Jahrgang 1933

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vrememanonM riaM/el, e Zeitung

— Das Lmtuohe Organ dos Senais -er Freiere Bremern ^

Den Frieden wollen wie, Entehrungen aber lehnen wir ab

Eine bedeutsame Rede Adolf Hitlers bei der Feier an der Befreiungshalle bei Kehiheim

Kehiheim, 22. Oktober.

Die Feier an der Befreiungshalle bei Kehl» heim am Sonntag war durch herrliches Herbst­wetter begünstigt. Die Stadt Kehiheim war reich geschmückt. Fast die ganze Bevölkerung war unterwegs. Die festlich geschmückte Be­freiungshalle selbst bot von weitem einen prächtigen Anblick. Ueber dem Eingang war ein riesiges, mehrere Meter hohes Hoheits­zeichen angebracht, dahinter ein Hakenkreuz mit der Jahreszahl 1933 in goldenen Lettern. Fanfarenklänge verkündeten gegen 11 Uhr die Ankunft des Führers mit seinem Gefolge. In dem Gefolge befanden sich außer den Persönlichkeiten, die bereits an der Feier in Regensburg am Sonnabend teilgenommen hatten, der Reichsführer der SS., Himm­ler, und der bayerische Kultusminister Schemm. Unter den lebhaften Heilrufen der Bevölkerung begrüßte der Führer die Ehrengäste.

Nachdem die Musik den „Einzug der Götter" von Richard Wagner gespielt hatte, hielt Stabschef Rühm eine Ansprache, in der er zunächst den Führer begrüßte. Es sei die gleiche Stätte, an der vor 70 Jahren ein wahr­haft deutscher König, ein weitschauender und hochherziger Fürst dem deutschen Volke ein Wahrzeichen seiner Einigkeit gegeben habe, die Stätte, an der vor 20 Jahren die deutschen Bundesfürsten dem deutschen Volke den Bund der Einigkeit besiegelt hätten. Heute ständen an dieser Stätte Kämpfer der SA. als Vertreter der gesamten SA. Deutsch­lands, um ihrem Führer ein Zeichen für die Ewigkeit zu übergeben, ein Zeichen, das dem deutschen Volke für alle Zeiten als das Sym­bol der Freiheit, der Geschlossenheit, der Treue und Einigkeit voranleuchten soll. Mit dem Gelöbnis der Treue bis zum Tod und einem Sieg-Heil auf den Führer schloß die Rede.

Darauf hielt der Führer folgende An­sprache:

„Mein Stabschef, meine SA.-Männer, deutsche Volksgenossen!

Es gibt in Deutschland wohl kaum ein Bau­werk, das mit mehr Recht das Zeichen der deutschen Erhebung trägt, als das Denkmal der Freiheitskämpfer. Dieses Denkmal ist für uns ein Symbol dessen, was wir für unseren Kampf anstreben: Ein Volk, ein Reich, einen Willen. Was vor vielen Jahrzehnten das Ziel des Strebckns deutscher Männer und Frauen gewesen ist, scheint seiner endlichen Verwirklichung entgegenzugehen dank dem Kampf, dem Opfer und der Arbeit unzähliger Deutscher aus allen Lebensftänden und Le- bensjchuhten. Das neue Reich ist geboren worden aus dem Volk selbst heraus, und so soll in der Zukunft dieser Tempel

ein Heiligtum des deutschen Volkes

sein. Das Hoheitszeichen des neuen Reiches soll symbolisch zum Ausdruck bringen, daß er nicht nur der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart und der deutschen Zukunft ge­weiht ist. In diesem Sinne wollen wir an dieser Äätte gemeinsam das Heil ausbringen auf das was wahr, auf das was ist und auf das was sein wird, weil es sein muß: Auf unser deutsches Volk. Unser deutsches Volk und Deutsches Reich Sieg-Heil."

Nach dem Deutschland-Lied begab sich der Führer in Begleitung des Reichsstatthalters General Ritter vonEpp und des Stabschefs Rohm allein in das Innere der Befreiungs­halle, wo er einen riesigen Lorbeerkranz für die Gefallenen niederlegte, während die Mu­sik das Lied vom „guten Kameraden" into­nierte.

Osr kükrsr sxrlcdt

Nunmehr betrat der Führer Adolf Hitler die oberste Plattform der Befreiungshalle und hielt folgende bedeutsame Rede:

„Meine SA., deutsche Volksgenossen!

Wenn wir dieses Fest der Erinnerung fei­ern, dann sind wir uns dessen bewußt, wie­viel Blut einst fließen mußte, wieviel Leid ertragen wurde, um damals die Voraus­setzungen zu schaffen für die später vollzogene Einigung der deutschen Stämme und deutschen Staaten. Es ist die Erinnerung an so große Opfer, die uns an einem solchen Tage den Ernst der Feier berechtigt werden läßt und uns fernhalten muß von einem oberfläch­lichen Hurra-Patriotismus.

Gerade wir, die wir selbst wissen, wie ent­setzlich und schwer die Anforderungen sind, die er an ein Volk stellt, wir find vielleicht am be­sten berufen, in der deutschen Geschichte ober­flächlichen Hurra-Pariotismus und wirtliche tiefinnere Verbundenheit mit dem eigenen

Volk auseinanderzuhalten, tiefinnere Ver­bundenheit mit seiner Geschichte, mit seinem Erleben, mit seinem Recht zu leben.

Indem wir uns fernhalten von diesem oberflächlichen Patriotismus, können wir auf der anderen Seite um so mehr für uns in An­spruch nehmen, für das Lebensrecht unseres Volkes einzutreten. Die Welt hat sich in­folge ISjähriger trauriger Vertretung der deutschen Lebensinteressen angewöhnt, das deutsche Volk nicht richtig zu sehen. Schwache Regierungen verwechselte man mit dem deut­schen Volk, Unsicherheit, Halbheit und llnent- schlossenheit schienen die Merkmale dieses un­seres Volkes zu sein. Wir sind uns dessen be­wußt, daß es nicht leicht ist, dieses falsche Bild wegzunehmen und der Welt klarzu­machen, daß das deutsche Volk selbst nichts gemein hatte mit jenen, die kein Gefühl für Ehre besaßen (stürmischer Beifall), daß das deutsche Volk dieses Gefühl besitzt und daß es sich mit denen verbunden fühlt, die in der Vergangenheit für die Ehre der Nation ein­getreten sind.

Das deutsche Volk ist nicht kriegslüstern

Im Gegenteil, weil es den Frieden liebt, kämpft es für sein Lebensrecht und tritt für die Voraussetzungen der Existenz unseres 65-Millionen-Volkes ein. Deutschland und das deutsche Volk haben keinen Grund, einen Krieg zu wünschen, um die Ehre der Nation, die Ehre seiner Männer und seiner Soldaten wiederherzustellen. Unser Ziel ist, unser Volk wieder glücklich zu machen, indem wir ihm das tägliche Brot sichern — eine unge-

Wir erklären der Welt eindeutig: Wenn Ihr uns in Euren internationalen Konfe­renzen sehen wollt» wenn Ihr uns in Eurem Völkerbund haben wollt» dann nur, wenn Ihr uns als Volk anerkennt. (Stürmischer Beifall.) Wir sind jederzeit bereit, Verträge zu unterzeichnen, wenn sie für uns erfüllbar und für unser Ehrgefühl erträg­lich sind. Verträge, die weder erfüllbar noch ehrenhaft sind, unterschreiben wir nicht. (To­sender Beifall.)

Bei Diktaten wirken wir nicht mit. Dafür, daß wir unserer Geschichte nicht zu schämen brauchen, ist auch dieser Platz hier ein leben­diges Zeugnis. Wir wollen den Frieden, aber die Welt muß auch wissen, daß auf die Dauer diese ewige Diskriminie­rung und Entehrung unseres Volkes von uns nicht ertragen wird (stürmischer Beifall),- denn ebenso wie in dem Willen zum Frieden steht in der Entschlossenheit zur Ver­tretung der nationalen Ehre das ganze deutsche Volk hinter seiner Re-

heure Arbeit, und die Welt, sie soll uns i« Ruhe lassen. (Stürmischer Beifall.)

Wir wollen nichts als unsere Ruhe und un­seren Frieden, um arbeiten zu können, und die Welt soll wissen, daß für diese Arbeit die ganze Nation zusammenhält, Mann für Mann und Weib für Weib bis hinunter zur Jugend.

Sie, meine SA.-Kameraden, sind besonders lebendige Zeugen für diesen Willen, denn Ihr freier Wille schließt Sie zu dieser Gemein­schaft zusammen, in der nicht theoretisch, son­dern praktisch die Volksgemeinschaft ihren Ausdruck findet, eine große Gemeinschaft ge­genseitiger Hilfe, gegenseitiger Unterstützung. Sie sind die Garanten nicht nur für die Ge­genwart, sondern auch für die deutsche Zu­kunft, und niemand hat daher auch mehr Recht, vor diesem Tempel anzutreten, als Sie. Wenn die Geister der Erschlagenen von den deutschen Freiheitskämpfern wieder le­bendig würden, dann würden sie keine Se­kunde schwanken, sondern heute sofort ihren Platz zwischen uns nehmen. Was ihnen vor­schwebte, schwebt auch uns vor, wir wollen verwirklichen, was auch sie wollten, ein Volk, ein deutsches Reich.

Wir gehen einer schweren Zeit entgegen, und es ist notwendig, daß sich jeder Deutsche dessen bewußt ist, wenn wir unser Volk er­nähren wollen, bleibt uns kein anderer Weg als der, den wir eingeschlagen haben- Jemand muß in Deutschland kommen, der sagt: Den Frieden wollen wir. aber Ent­ehrung lehnen wir ab. (Starker Bei­fall.)

gierung. Die Welt soll nicht glauben, daß in Deutschland heute noch irgendeine Organi­sation, irgendeine Partei Verbündete derer sind, die glauben, über die deutschen Lebens­rechte und über die deutsche Ehre einfach hin­weggehen zu können.

Sie wird sehen, daß die Zeit, da das Aus- land noch damit rechnete, Deutsche mit Deut­schen schlagen zu können, vorbei ist und daß sie niemals wiederkehrt. Dafür soll diese Bewegung ein ewiger und Jahrhunderte dau­ernder Garant sein.

Diese Bewegung wird für alle Zeiten Trä­ger der geistigen und Willenseinheit der deut­schen Nation sein und niemals mehr wird sich in der deutschen Geschichte wiederholen, was in der Vergangenheit uns so tiefes Leid gebracht hat, das unzählige Verblendete in der Stunde der größten Not dem Gegner mehr glaubten als dem eigenen Volk, daß wir uns hier zum ersten Male treffen, vor diesem Tem­pel der deutschen Einigkeit, ist auch dafür symbolisch. Ahnend für die Zukunft wurde

er errichtet, und was seinerzeit viele Jahr­zehnte vorauseilte, ist heute Wirklichkeit ge­worden. Das deutsche Volk schließt sich heute zu einer Einheit zusammen. Es ist unsere Lebensaufgabe, eine Organisation zu erhal­ten, die der Garant dafür ist, daß diese Ein­heit niemals mehr verloren geht. Indem wir uns dafür mit aller Leidenschaft einsetzen, treten wir am besten ein für den Frieden der Welt.

Es gibt keine bessere Garantie für den Frie­den, als die fanatische Einheit der deutschen Nation.

Was kann ein junges Volk, zusammenge­preßt auf einer engen Grundfläche, mit einer zerstörten Wirtschaft, mit Millionen vernichte­ter Existenzen und Millionen von Arbeits­losen, was kann ein solches Volk anders wol­len als arbeiten, um wieder emporzukommen? Seien Sie in den kommenden Monaten und Jahren hart und entschlossen, treu und zu­gleich diszipliniert, kennen Sie kein anderes Ziel, als den Millionen unserer Volksgenos­sen wieder seine Ehre zurückzugeben. Wenn sie, die Millionen, die zu uns stehen, diesen Gedanken als heilige Verpflichtung für sich nehmen, wird aus diesem Volke eine Nation, und unsere Hoffnung wird erfüllt werden..

Das aber ist uns allen klar: Ein Leben, so wie in den letzte» fünfzehn Jahren ist auf die Dauer für unser Volk genau so wenig er­träglich. als es für ein anderes Volk erträglich wäre. Sie haben viele, viele Jahre im In­nern einen sehr harten Entschluß durchhalten müsse«. Trotz Verfolgungen und Unter­drückungen Laben Sie durchgehalten. Folgen Sie mir in den kommenden Jahren genau so treu und genau so diszipliniert wie in den früheren Jahren, dann wird das Ringen auch um unser Lebensrecht in der Welt erfolgreich sein. E» wird dann in der Welt sich immer mehr die Ueberzeugung durchsetzen, daß hier ein Volk lebt, das nichts andres will» als Frieden und Gerechtigkeit.- (Stür­mischer, langanhaltender Beifall.)

Oss IrouoSsISbiüs äer 8L.

Darauf nahm Stabschef Röhm nochmals das Wort und führte aus: „Der Führer hat uns soeben die Weisung gegeben, wie wir uns in der jetzigen Zeit zu verhalten haben, und der Mann, dessen Entschluß von ganz Deutsch­land mit Jubel aufgenommen worden ist, sichtbar die Ehre des deutschen Volkes zu zei­gen, soll wissen, daß er sich in allen Lagen auf uns verlassen kann. Wir werden die Tugen­den, die die SA. groß gemacht haben, gerade in der jetzigen Zeit am eifrigsten pflegen: Eiserne Disziplin und auf der anderen Seite treue st e Kamerad­schaft bis zum Tode. So lautet unser Gelöbnis: Als Kämpfer der SA., SS. und des Stahlhelms die getreueste Gefolgschaft des Führers zu sein, der sich bedingungslos auf uns verlassen kann.

Unehrenhafte

Verträge unterschreiben wir nicht

Noröweftöeutsches Handwerk steht treu zum Führer

Gewaltige Kundgebung in Hannover — Wahlrede des preußischen

Kultusministers Ruft

Hannover, 22.' Oktober.

Nied^rsachsens Hauptstadt erlebte am Sonntag eine Kundgebung, die ein Dokument ist und bleibt für den engen und unlöslichen Zusammenschluß aller schaffenden Stände im neuen Staate. Schon in den frühen Morgenstunden bewegten sich große Menschenmasten durch die Straßen der Stadt, und gegen Mittag leuchtete Heller Sonnen­schein aus blauem Himmel, der der festlichen Ver­anstaltung einen freundlichen Rahmen gab. Alle Straßen hatten Festschmuck angelegt. Die großen Werke der Industrie,.ganze Häuserfronten waren mit Fahnen und Girlanden übersät. In allen Ecken der Stadt hörte man Musikkapellen, die zu den Sammelplätzen marschierten, wo sich bereits in den Vormittagsstunden die Angehörigen der einzelnen Handwerksgruppen und der Deutschen Arkeitsfront eingefunden hatten.

Kurz nach 11 Uhr war der Aufmarsch an sämt­lichen Punkten beendet. Die Hitler-Jugend war am Horst - Wcssel - Platz aufgezogen, und Punkt 12 Uhr begann der gewaltige Sternmarsch zu dem Welfenplatz. Dichte Menschenmassen stauten sich auf den Straßen, um sich das seltene Schauspiel handwerkerlicher Herrlichkeit anzusehen. Zer­schlissene Fahnen des Handwerks. Fahnen, die bis ins Mittelalter zurückreichen und deren jüngste die

Jahreszahl 1865 trägt, erzählen von Sturm und Kampf. Transparente mahnen: „Ehrt die Schwie­len in den Händen", „Ehrt die Arbeit", „Ehrt das deutsche Handwerk".

Auf dem Welfenplatz ist ein Riesenzelt er­baut, daneben «ine Riesenlautsprecheranlage mit Scheinwerfern. SA. und SS. sperren den Platz ab und nehmen auf der Seite Aufstellung

Um 12.15 Uhr ertönt flotte Marschmusik, und vom Klagesmarkt her trifft der erste große Zug auf dem Pjptz ein. Ein Fahnenwald flattert im Winde, während von allen Seiten nacheinander immer neue Züge einschwenken In bewunderns- werter Ordnung, ohne irgendwelche Reibungen, vollzieht sich der Aufmarsch der Hunderttausende auf dem Welfenplatz. Der Zustrom an Menschen will nicht abreißen, ist es doch

das gesamte nordwestdeutsch« Handwerk,

das hier aus allen Teilen Nordwestdeutschlands versammelt ist: aus Stadt und Provinz Han­nover, aus Braunschweig, au» Olden- bürg, aus den Hansestädten, aus.Meck­lenburg, ja sogar aus Schleswig-Hol­st e i n. Die verschiedenen Handwerksinnungen sind zum Teil mit ihren symbolischen Abzeichen er­schienen: vorneweg leuchten die alten Handwerks-

fahnen, die durch das Hakenkreuzbanner zu einer Einheit verschmolzen sind. Um 13 Uhr marschieren noch immer die Züge auf den Anmarschstraßen heran, bi, der Platz bis auf den letzten Mann gefüllt ist.

238 000 Teilnehmer harre« des Generalappells.

In dem Riesenzelt, das 65 006 Personen faßt, steht Mann an Mann. In dem Mitteleingang zieht SA. ein Spalier, um die Ehrengäste passieren zu lassen. An der Stirnseite des Zelt-s erhebt sich eine mit dem Hakenkreuzbanner und grünen Krän­zen geschmückte Rednerempore, über der ein riesi­ger Adler angebracht ist. Rechts und links von der Tribüne haben in endloser Reihe die Fahnen Aufstellung gefunden. Schon lange vor Beginn hatten aus den Sitzreihen vor der Empore die ge­ladenen Ehrengäste Platz genommen. Oben auf der Rednerempore sieht man Oberbürgermeister Dr. Wienbcck, den Vorsitzenden der Kommission für Wirtschaftspolitik bei der Reichsleitung der NSDAP., Bernhard Köhler, Eauleiterstellver- treter Schmalz, Brigadeführer Vielstich und andere mehr.

Punkt 3 Uhr erschien unter den Klängen des Präsentiermarsches und vom brausenden Jubel be­grüßt, Kultusminister Rüst und durchschritt die

Reihen der SA. zur Rednertribüne, wo ihm das Töchterchen des Syndikus des Nordwestdeutsche« Handwerksbundes Dr. Hokamp einen Blume»»« strauß überreichte.

Hierauf ergriff der Präsident des Nordwestdeut­schen Handwerksbundes, Kuchenbuch, das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er den Schirm­hern der Veranstaltung, Kultusminister Rüst, die Ehrengäste und alle Festteilnehmer herzlich will­kommen hieß. Seine Worte galten dem Sinn die­ses gewaltigen Aufmarsches, der die Verbundenheit des deutschen Handwerks mit allen schaffenden Ständen beweisen soll.

V->n stürmischem Jubel begrüßt, trat

TvItuswiiiLster 8vst

an das Rednerpult. Der erste große Aufmarsch des nordwestdeutschen Handwerks, so erklärte der Minister, solle zugleich auch die erste große Kund­gebung für den Willensakt des 12. November werden. Am 12. November trete das gesamte deutsche Volk an, um Zeugnis abzulegen gegen­über der Welt. So klar Hitler als erste Vorbedin­gung für den Wiederaufstieg die Beseitigung aller innerpolitischen Gegensätze gefordert habe, so klar wolle Deutschland heute der Welt die andere Frage vorlegen: Will die Welt jetzt sehen, daß in Deutschland aus Proletariern mö> Bürgern ein Deutschland werden mußte, damit es wieder ausstehe, also auch ein Europa und eine Welt sich aufbaue in voller Eleichberechtt« gung, damit sie nicht in Schutt und Asche zer­falle?

Hinter der völkischen Idee stehe nicht die Brand­fackel der Weltrevolution, die dem fürchterlichen Zustand der Selbstzerfleischung ein Ende machte. Gegenüber den Unterstellungen, als ob Deutschland zum Kriege rüste, erklärte Minister Rüst mit Nach­druck, eine Bewegung, die ganz aus völkischen Gedanken herausgewachsen ist, hält es für das größte Verbrechen, wenn um eines zwecklosen, außerdem noch fragwürdigen Argumentes eines eventuellen Sieges das beste Blut der Nation auf den Schlachtfeldern vergossen wird.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen kam dann der Minister auf den Gegensatz der alten und neuen Welt in der Erkenntnis der Auffassung von der Bedeutung der politischen Zielsetzung zu sprechen und betonte, daß es trotz der Fülle der aufgeworfenen staatspolitischen Probleme eigent­lich nur zwei Machtfaktoren waren, die der Nationalsozialismus zu bekämpfen hatte: der Bolschewismus und der überlebte Länderparla­mentarismus.

Dabei streifte der Minister die Frage Preu­ßen-Reich im Rahmen der Reichsresorm und erklärte unter großem Beifall: Auch die Reichs- statthalter werden eines Tages abtreten, und das große geschlossen« Reich wird Tatsache sein.

Nachdem die Aufgabe der inneren Volkwerdung gelöst, und nachdem die Beseitigung der Arbeits­losigkeit zu einem Drittel erreicht worden sei, stehe vor uns eine furchtbare Wahrheit: Ohne Freiheit werden wir auf die Dauer keinen wirtschaftlichen Aufbau treiben können. Adolf Hitler habe mit seinen Entschlüssen keine Kriegserklärung abge­geben und werde sie nie abgeben. Er sei mutig genug gewesen, das Bekenntnis der Ehrlosigkeit im Namen von 70 Millionen abzulehnen. Es handle sich am 12. November nicht um eine Ver­trauenskundgebung, sondern darum, ob das deutsche Volk in seiner Gesamtheit diesem Ehr­begriff und der Parole Adolf Hitlers beitritt. Wer an diesem Tage zögere, sei nicht ein Hochverräter, sondern ein ganz gemeiner Volks- und Lan­desverräter.

An den Reichskanzler wurde folgendes Tele­gramm gesandt:

„238 400 niedersächsische Volksgenossen aus Hand­werk, Gewerbe und Arbeitsfront geloben anläß­lich der deutschen Handwerks- und Wahlkund­gebung, in der Gauleiter Minister Ruft sprach, dem Führer unverbrüchliche Treue."

Während der Schlußworte des Ministers wurde die Bundesfahnen neben ihn gestellt, der hierauf die symbolische Weihe aller übrigen 3156 Fahnen vornahm und damit das Handwerk in die große Front der deutschen Arbeit aufnahm und für die Idee Adolf Hitlers verpflichtete.

Mit dem Deutschland- und Horst-Westel-Lied und einem Schlußwort des Präsidenten des Nordwest­deutschen Handwerksbundes, der ein dreifache» Sieg-Heil auf den Führer, den Reichspräsidenten und das Vaterland ausbrachte, klang die macht­volle Kundgebung aus.

Abschluß der Berliner Handwerkswoche

Der 12 Kilometer lange Festzug der 100000 Berlin, 22. Oktober.

Wie die Werbewoche des Berliner Handwerks mit der Kundgebung am vergangenen Sonntag im Berliner Stadion wuchtig begonnen hatte, so wurde sie am Sonntag mit einem Riesenfest- zug glanzvoll beendet.

Begünstigt vom prächtigen Wetter marschierten in sieben gewaltigen Zügen mit 82 Handwerker­gruppen die 100 000 Festteilnehmer mit Musik­kapellen, Bannern, Fahnen, Wimpeln und ihren traditionellen Handwerkszeichen von den Sammel. Plätzen aus nach der Charlottenburger Chaussee, wo sie sich einordneten, um dann gemeinsam weiter durch die Straßen der Reichshauptstadt zu ziehen, die ein festliches Gewand angelegt hatte. Volks­genossen hielten in ungeheuren Massen die Bllr- gersteige der Umzugsstraßen besetzt.

An dem bunten und fesselnden Festzug nahmen etwa 400 prächtig geschmückte Wagen teil. Die Ge. samtlänge des Zuges betrug 12 Kilometer. Sein Vorübermarsch dauerte etwa vier Stunden.