Ausgabe 
(20.10.1933) Nr. 283
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Nr. 283 Fahreans 1S33

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Das AmMoke »raan des Senats der Freien LQNl'e^adt 2

Bremern

Lill Interview Hitlers:

Der Führer betont emeut den FrieöenöwislknöeröeutschenNation

Antwort: Die nationalsozialistische Bewe­gung erzieht nicht das deutsche Voll zu einem tiefen Zerwürfnis mit Frankreich, sondern einfach zur Liebe zum eigenen Volk und zu einem Bekenntnis für die Begriffe von Ehre und Anständigkeit. Glau­ben Sie» daß wir unsere Jugend, die unsere ganze Zukunft ist und an der wir alle hängen, nur erziehen, um sie dann auf dem Schlacht­felde zusammenschießen zu lassen? Ich habe schon so oft betont, daß wir keinen Grund haben, uns militärisch der Leistungen unseres Volkes im Kriege zu schämen.

Wir haben daher auch hier gar nichts gut zu machen. Das Einzige, über das wir uns schämten, waren die Männer, die in der Zeit unserer schlimmsten Not das Vaterland im Stich gelassen hatten. Diese Personen sind restlos beseitigt.

Daß die deutsche Jugend wieder ein Ehrgefühl besitzt, erfüllt mich mit Freude. Ich sehe aber nicht ein, wieso ein anderes Volk dadurch bedroht sein soll. Und ich sehe erst recht nicht ein, wieso eine sonst so fair denkende Nation, wie die englische uns dies

innerlich verübeln könnte. Ich bin überzeugt, daß, wenn England dasselbe Unglück getrof­fen hätte, das Deutschland traf, eher noch mehr Engländer Nationalsozialisten wären, als dies bei uns der Fall ist. Wir wollen mit Frankreich kein „Zerwürfnis", sondern eine aufrichtige Verständigung, allerdings auf einer Basis, die ein Volk von Ehrgefühl akzeptieren kann. Und außerdem wollen wir leben können!

Frage: Ein großer Teil der deutschen Jugend wird zur Zeit in Arbeitslagern oder als Mit­glieder der SA und anderer Formationen zu mili­tärischer Disziplin erzogen. Selbst wenn die deutsche Regierung nicht beabsichtigt, diese Aus­bildung für den Kriegsfall'durchzuführen, herrscht in Frankreich und zum Teil auch in England die Befürchtung, daß es die Entwicklung eines mili­tärischen Geistes unter den jungen Deutschen zur Folge haben könnte, die eines Tages verlangen werden, daß die militärischen Kenntnisse, die sie jetzt erwerben, praktisch ausgenutzt werden?

Antwort: Die deutsche Jugend wird weder in den Arbeitslagern, noch in der SA. und in

den unterstehenden Formationen mit mili­tärischen Kenntnissen versehen, die sie anrei­zen könnten, diese einst auszunützen. Wie­viel mehr könnte-sich demgegenüber Deutsch­land beschweren, daß in den anderen Ländern Jahr für Jahr Millionen an Rekruten eine wirklich militärische Ausbildung erfahren! Unser Arbeitsdienst ist eine ungeheure soziale Einrichtung, die zugleich klassenversöhnend wirkt. Eine Armee von jungen Leuten, die früher auf den Landstra­ßen verkommen ging, haben wir zu nützlicher Arbeit zusammengefaßt. Hunderttausend an­dere, die in den Großstädten schon in jungen Icchren verdorben worden sind, erziehen wir in unseren Jugend- und SA.-Formationen zu anständigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft. Während vor uns die deutschen Straßen und Plätze vom Kommunismus be­herrscht worden sind, das ganze Volk unter dem blutigen Terror dieser Mordbrenner­bande litt, haben wir jetzt die- Sicherheit, Ruhe und Ordnung wieder hergestellt.

Das ist der Erfolg meiner SA.

Der Führer widerlegt die Behauptungen über Deutschlands Rüstungen

London, 19. Oktober.

Der Sonderkorrespondent der „Daily Mail", Ward Prince, wurde vom Reichskanzler Hit­ler empfangen. Bon der daraus folgenden Unter­redung sagt der Korrespondent, es handele sich um die ausführlichste und direkteste Darle­gung der deutschen Haltung in der inter­nationale» Politik, die der Reichskanzler jemals gegeben habe.

Bei Beginn der Unterredung äußerte Reichs­kanzler Hitler, welches Unglück es gewesen sei, daß am 4. August 1914 zwischen den beiden großen germanischen Nationen, die Hunderte von Jahren im Frieden gelebt hatten, Krieg ausgebrochen sei. Er hoffe, daß die beiden stammverwandten Völ­ker den Weg zurück zu ihren alten freundschaft­lichen Beziehungen finden würden. Der Korre­spondent stellte dann eine Reihe von Fragen.

Frage: Es könnte Eure Exzellenz interessieren, daß Anzeichen in London dafür vorhanden sind, daß Ihre persönliche Popularität beim britischen Publikum seit letzten Sonnabend außerordentlich zugenommen hat. Lord Rothermere, mit dem ich gestern abend telephonierte, erzählte mir, daß, als IhrBild in der Wochenschau der Lon­doner Kinematographentheater am Montag abend gezeigt wurde, es mit lebhaftem Beifall begrüßt wurde.

Es ist indessen eine Tatsache, daß innerhalb ge­wisser Kreise der britischen Öffentlichkeit und Presse durch Deutschlands plötzlichen Austritt aus der Abrüstungskonferenz erhebliches Miß­trauen und Beunruhigung geweckt wor­den ist. Es würde erheblich dazu beitragen, diese Besorgnisse zu beschwichtigen, wenn der Herr Reichskanzler mir erlauben wurde, in einer ganz objektiven Weise ihm einige darauf bezügliche Fragen zu stellen.

Zunächst möchte ich die Rede des Unterstaats­sekretärs im Kriegsministerium, Duff Cooper, anführen, der sagte, daß „kein Volk in der Ge­schichte der Welt sich jemals mit derartiger Be­geisterung für den Krieg vorbereitet habe, als das deutsche Volk es zur Zeit tue."

Es wäre nutzlos, zu bestreiten, daß diese An­ficht in England weit verbreitet ist. Welche Ant­wort kann darauf erteilt werden?

Antwort: Ich war einst am 4. August 1914 tief unglücklich darüber, daß nunmehr die bei­den großen germanischen Völker, die durch alle Irrungen und Wirrungen der mensch­lichen Geschichte so viele hundert Jahre fried­lich nebeneinander lebten, in den Krieg ge­rissen wurden. Ich würde glücklich sein, wenn endlich diese unselige Psychose ihr Ende fände und die beiden verwandten Nationen wieder zur alten Freundschaft zurück­finden könnten.

Die Behauptung, daß das deutsche Volk sich mit Begeisterung auf den Krieg vorbereite, ist eine uns einfach unfaßbare Verkennung des Sinnes der deutschen Revolution. Wir Führer der nationalsozialistischen Bewegung sind fast ohne Ausnahme Frontsoldaten ge­wesen. Ich möchte den Frontsoldaten sehen, der mit Begeisterung sich für einen neuen Krieg vorbereitet! Wir hängen in fanati­scher Liebe an unserem Volke genau so wie jeder anständige Engländer an dem seinen hängt. Wir erziehen die deutsche Jugend zum Kampf gegen die inneren Laster und in erster Linie zum Kampf gegen die kommu­nistische Gesawr, von deren Größe man in England allerdings keine Vorstellung hatte und wohl auch heute noch nicht besitzt.

Unsere Revolutionslieder sind keine Lieder gegen die anderen Völker, sondern Lieder für die Brüderlichkeit im Innern, gegen Klassen- kampf und Eigendünkel, für Arbeit und Brot und für die nationale Ehre. Der beste Be­weis dafür ist, daß bis zu unserem Regie­rungsantritt unsere ausschließlich poli­tische SA. vom Staat auf das furchtbarste verfolgt war, ja, daß unsere Anhänger nicht nur nicht zum Heer genommen wurden, son­dern nicht einmal in einer Heeresstätte als Arbeiter beschäftigt werden durften.

Wir wollen kein Zerwürfnis mit F ankreich

Frage: Der Verdacht, daß Deutschlands letzte Ziele kriegerische sind, beruht aus folgenden Er­wägungen: Man glaubt, daß das deutsche Volt von der nationalsozialistischen Regierung dazu er­zogen worden ist, daß es ein tiefes und echtes Zerwürfnis mit Frankreich hat und daß dieses nur durch einen oeutschen Sieg wieder gutgemachr werden kann.

Frage: Ferner ist die Anficht meist verbreitet, daß Deutschlands Rüstungen schon viel weiter fort­geschritten sind, als amtlich zugegeben wird. Es wird z. V. behauptet, daß die deutsche Regierung in Schweden, Holland und anderen Ländern Mu­nitionsfabriken erworben habe, in denen große Vorräte von Kriegsmaterial auf Lager gehalten werden, um bei Entstehen einer Kriegsgefahr so­fort über die deutsche Grenze befördert zu werden.

Antwort: Diese Ansichten find lächerlich. 1. Wo sind denn die Fabriken in Schweden, Holland und anderen Ländern, die wir als Munitionsfabriken erworben haben sollen? Unsere Feinde im Ausland bringen die ge­nauesten Nachrichten über alles, was in Deutschland, wie sie behaupten, geschehe« sein soll. Es müßte Ihnen doch eine Spielerei sein, endlich einmal zu sagen, welche Fabri­ken wir in Holland erworben haben und welche in Schweden. Meines Wissens regie­ren in Schweden keine Nationalsozialisten, ebensowenig wie in Holland. Es würde doch den findigen Nachrichtendiensten nicht schwer sein, herauszubekommen, in welcher holländi­schen oder schwedischen Fabrik für Deutschland Munition fabriziert und auf Lager gehalten wird. Denn es müßten dann immerhin ziem­lich umfangreiche Lager sein. Wie groß ein gewöhnliches Munitionslager nur für ein Armeekorps ist, weiß doch jeder gewöhnliche Soldat vom Kriege her. Und das alles bleibt den Augen der forschenden Mitwelt verbor­gen! Und außerdem sollen wir vermutlich im Kriegsfalle diese Munition nachts auf dem Luftwege nach Deutschland schaffen, oder würde Frankreich unseren Schiffen Geleitbriefe aus­stellen? Nein. Das ist ja alles zu lächerlich. Aber leider Gottes genügend, um ein Volk, das nichts will als sein Recht, in einer Welt anzuschwärzen, die tatsächlich überhaupt nur eine einzige Rüstungsfabrik ist.

Frage: Obwohl die Anwendung schwerer Feld­artillerie durch den Friedensvertrag verboten wurde, wird in Frankreich behauptet, daß Ar­tilleristen der Reichswehr in schwe­rer Artillerie an den deutschen Küsten, befestigungen ausgebildet worden sind. Diese Vorwürfe werden möglicherweise in den nächsten Wochen offiziell geltend gemacht werden. Würde es da nicht vorteilhaft sein, wenn der Herr Reichs­kanzler sich bereits im voraus mit ihnen öffent­lich auseinandersetzt?

Antwort: Glauben Sie wirklich, daß wir uns den Luxus erlauben, von den hundert­tausend Mann unserer Armee die Artilleristen an der schweren Artillerie der Küstenbefesti­gungen ausbilden zu lassen, damit sie dann mit den Feldkanonen schießen können? Wir haben in der Festung Königsberg eine lächerlich beschränkte Anzahl schwerer Geschütze genehmigt erhalten und selbstverständlich wer­den dafür auch Leute ausgebildet. Im übrigen hat die Armee leider nur eine ungenü­gende Feldartillerie und wir bil­den schon lieber die Leute an dem Geschütz aus, an dem sie kämpfen müßten als an Ge­schützen, die wir gar nicht haben!

Frage: Eine weitere Ursache der Besorgnis ist die Auffassung, daß Deutschlands zugegebene Ab­sicht, eines Tages den polnischen Korridor wieder zu erlangen, mit der Erhaltung des Frie­dens unvereinbar ist. Auf welcher Grundlage hält der Herr Reichskanzler Verhandlungen mit diesem Ziele für möglich,

Antwort: Es gibt überhaupt keinen ver­nünftigen Menschen,. der die Lösung des Korridors als besonders überwältigende Lei­stung der Friedenskonferenz bezeichnen könnte. Der Sinn dieser Lösung konnte nur sein, Deutschland und Polenfür ewige Zeiten zu verfeinden. Niemand von uns denkt daran, mit Polen wegen des Korridors einen Krieg zu beginnen. Wir möchten aber alle hoffen, daß die beiden Na­tionen die sie betreffenden Fragen dereinst leidenschaftslos besprechen und verhandeln werden. Es kann dann der Zukunft überlassen bleiben, ob sich nicht doch ein für beide Völ­ker gangbarer Weg und eine für beide trag­bare Lösung findet.

Die Frage der deutschen Kdlonle

Frage: Der Ausdruck „Volk ohne Raum" hat gewisse Unsicherheit erregt. Auf welchem Wege erblickt der Herr Reichskanzler eine Möglichkeit für die räumliche Ausdehnung Deutsch­lands? Bildet die Wiedererlangung von frühe­ren deutschen Kolonien eines der Ziele der Regierung? Wenn ja, welche Kolonien kommen in Frage, und werde ein Mandatssystem Deutsch­land genügen, oder würde Deutschland volle Sou­veränität verlangen?

Antwort: Deutschland hat zu viele Men­schen auf feiner Bodenfläche. Es liegt im Interesse der Welt, einer großen Nation die erforderlichen Lebensmöglich­keiten nicht vorzuenthalten.

Die Frage der Zuteilung kolonialer Ge­biete, ganz gleich wo, wird aber niemals

Frage: Sieht der Herr Reichskanzler den Völkerbund als eins Einrichtung an, die ihren Nutzen überlebt hat oder kann er sich bestimmte Bedingungen vorstellen, unter denen Deutschland eine Rückkehr in den Völkerbund zu erwägen geneigt wäre?

Antwort: Wenn der Völkerbund sich so wie in der letzten Zeit immer mehr ausmachst zu einer Interessengemeinschaft be- stimmterStaaten gegen die Interessen anderer, dann glaube ich nicht an seine Zu­kunft.

Deutschland wird jedenfalls niemals mehr einer internationalen Vereinigung beitre- ten oder sich an einer solchen beteiligen, wenn es nicht als vollkommen gleichberechtigter

für uns die Frage eines Krieges sein. Wir sind der Ueberzeugung, daß wir genau so fähig sind, eine Kolonie zu verwal­ten und zu organisieren wie andere Völker. Mein wir sehen in all diesen Fragen über­haupt keine Probleme, die den Frieden der Welt irgendwie berühren, da sie nur auf dem Wege von Verhandlungen zu lösen sind.

Frage: In gewissen Kreisen in England erwar­tet man, daß die jetzige Regierung sich als ein Vorspiel zur Restauration der kaiserlichen Familie herausstellen wird. Wäre es möglich, daß der Herr Reichskanzler seine Stellungnahme zu dieser Frage definiert?

Antwort: Die Regierung, die heute in Deutschland tätig ist, arbeitet weder für die Monarchie, noch für die Republik, sondern ausschließlich für das deutsche Volk. Wohin wir blicken, überall sehen wir Not und Elend, Arbeitslosigkeit, Verfall und Zerstörung. Dies zu beseitigen ist die von uns gewählte Mission.

Frage: Seit der Machtübernahme durch die Re­gierung Eurer Exzellenz ist die Weimarer Ver­fassung de facto in einzelnen Punkten abgeändert worden, obwohl sie nicht förmlich außer Kraft gesetzt ist. Beabsichtigt der Herr Reichskanzler, eine Verfassungsänderung auf neuer Grundlage durchzuführen?

Antwort: Ich» habe einst erklärt, nur mit legalen Mitteln kämpfen zu wollen. Ick habe diese Erklärung auch gehalten. Die gesamte Umgestaltung Deutschlands ist auf verfassungsmäßig zulässigem Wege geschehen. Es ist selbstverständlich möglich, und auch wahrscheinlich, daß wir das Gesamtergebnis der sich vollziehenden Umwälzung dereinst als neue Verfassung dem deutschen Volke zur Urabstimmung vorlegen werden. Wie ich den überhaupt betonen muß, daß es zurzeit keine Regierung gibt, die mit mehr Recht als die unsere behaupten könnte, von ihrem Volke beauftragt zu sein!

Faktor anerkannt ist. Daß wir einen Krieg verloren haben, das wissen wir. Wir wissen aber auch, daß wir uns solange mutig und tapfer verteidgt haben, als es nur überhaupt ging. Wir sind Männer genug, einzusehen, daß man nach einem Krieg, den man verliert» man mag nun schuldig sein oder nicht, selbst­verständlich die Folgen zu tragen hat. W i r Habens ie getragen! Daß wir nun als Volk von 85 Millionen Menschen dauernd und immer wieder auss neue entehrt und gedemütigt werden sollen, ist für uns unerträglich. Diese ewige Diskriminie­rung ertragen wir nicht, und solange ich lebe, werde ich niemals meine Unter- (Fortsetzung auf Seite 2)

kevölkerunßspolitik ist kftlictit

Bremen, 20. Oktober.

Der Aufklärungsfeldzug der Reichsregie­rung, der die Fragen der Vevölkerungs- politik und Rassenpflege in die weitesten Kreise der Bevölkerung hineintragen soll, hat einen fast über Erwarten großen Widerhall gefunden. Die Plakate hängen in allen Städten und Dörfern, die Broschüren sind in jetzt schon fast 10 Millionen Exemplaren überall verteilt worden. Am erfreulichsten ist, daß etwa 1 Million Menschen persönlich an die Postschalter gingen und sich das 10-Pfg.- Heftchen holten. Dieses Anzeichen für leb­haftes eigenes Interesse beweist, wie tief die Propaganda eingedrungen ist.

Aber selbst wenn man die nach Tausenden zählenden Zeitungsartikel, die vielseitigen Abhandlungen in Zeitschriften, die z. T. in Sondernummern herauskamen, in Rechnung stellt, selbst wenn man von Dutzenden von Schulungswochen und Abenden, von Tagun­gen und Versammlungen von Fachleuten, von dem Eindringen der bevölkerungspolitischen Propaganda in das Vereinsleben unterrichtet ist, selbst wenn man die mit diesem Aufklä­rungswerk verbundene Hilfsaktion für Kin­derreiche mit ihrer deutlich sichtbar gemachten Bevorrechtung der bisher verächtlich und Höh­nisch belächelten Väter und Mütter zahl­reicher Kinder als großen Gewinn bucht, selbst dann muß man den Erfolg solch einer Pro- pagandaaktion vorsichtig abschätzen und darf sich ja nicht in dem Traum wiegen, nun sei die Hauptsache geleistet worden. Gewiß ist diese

Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund vollzogen

Berlin, 19. Oktober.

Wie wir höre», hat die Reichsregierung die amtliche Notifikation an den Völker­bund gehen lassen, durch die Deutschland seinen Austritt aus dem Völkerbund er- klärt.

erste Durchdringung von vielen Mil­lionen Volksgenossen ein Fortschritt. Wenn jede Broschüre nur von 2 bis 3 Menschen ge­lesen wird, wenn alle die unzähligen Artikel, Abhandlungen und Vortrage auch nur einen Bruchteil der Bevölkerung erfaßt haben, so können wir sicher mit 20 bis 30 Millionen Menschen rechnen, die jetzt wenigstens eine blasse Ahnung davon haben, daß die Vevöl- kerungspolitik und die Rassenpflege die dringlichsten Fragen der Gegen­wart und die entscheidenden Fra­gen der Zukunft des deutschen Volkes sind.

Es wäre aber verfehlt, wenn diese erste oberflächliche Berührung mit bevölkerungs­politischen Problemen bei manchen oder vie­len, an die sie herangetragen wurde, das Ge­fühl erwecken würde, daß sie nun genug wüß­ten, daß sie nun über dieses Gedankengut aus­reichend unterrichtet seien. Jeder National­sozialist muß die Aufrüttelung seines Ge­wissens auf diesem bisher so ungeheuer ver­nachlässigten Gebiet als einen Appell an sein Pflichtgefühl und sein Verantwortungsbe­wußtsein empfinden. Diese erste ganz ober­flächliche Unterweisung über die primitivsten grundlegenden Fragen der Bevölkerungs­politik mutz zur Folge haben, daß jeder Par­teigenosse im Kreise seiner Familie, seines Arbeitsbereichs, seines Bekanntenkreises und wenn er irgendwie und irgendwo Führer ist in seiner Gefolgschaft einen gewaltigen Wi­derhall weckt.

Die Bevölkerungspolitische Propaganda- Aktion der Reichsregierung ist bewußt so an­gelegt, daß sie zunächst Fragen wachruft. „Mütter kämpft für Eure Kinder!" Warum? Wofür? Gilt dies Plakat dem Luftschutz? War es ein kommunistisches Störungsmanö­ver? Tagelang ging das Raten und Fra­gen, das auffallende Plakat der jungen Mut­ter mit ihren vier Kindern wurde allenthalben erörtert, lebhaft diskutiert, teilweise sogar von übereifriger SA. wieder abgerissen. Telephon­anrufe, Briese und Telegramme hagelten. Kurz, das Plakat erregte das gewünschte Auf- sehen, es weckte Fragen, Vermutungen, Neu­gier, Interesse. Und dann kam die Antwort durch die entsprechende Broschüre mit dem gleichen Bild und Titel. Es wird wohl kei­nen Volksgenossen geben, der nach aufmerk­samer Lektüre dieses kleinen Heftchens, ganz gleich ob er es von seiner Organisation be­kam oder es sich selbst beschaffte, aufs Tiefste erschüttert war. Denn diese Tatsache und Zahlen, dieses Aufdecken der tieferen Untergründe unseres erschreckenden Geburtenrückganges waren bis jetzt wohl neun Zehntel des deutschen Volkes völlig unbekant.

Aber auch durch die Broschüre entstanden neue Fragen, neue Einwendungen, innere Widerstände und Hemmungen. In Zeiten einer Weltwirtschaftskrise, in Zeiten immer noch lastender Arbeitslosigkeit, in Zeiten der Not, Entbehrungen und Opfer für die weit überwiegende Mehrzahl aller Deutschen, auch wenn sie noch in Arbeit ist, in solchen Zeiten soll man an Steigerung der Geburtenzahl den­ken?

Heute erscheint das zweite Plakat de»

Der Völkerbund eine Interessen­gemeinschaft bestimmter Staaten