Ausgabe 
(15.10.1933) Nr. 278
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Nr. 278 Jahreang 1833

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Bremen. Sonntag. 15. Oktober 1933 Einzelpreis 15 Vkg.

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vreMrkMonmorialWMe Zenunv

Das Amtlieke Oraan des Senats der Freien Lranfettnöt Bremen

KitlerS aroße Stunde

Deutschland verlädt den Völkerbund um des Friedens willen Vollsbeiragung am 12. Hadernder

Berlin, 14. Oktober. Angesichts der entwürdigenden und entehrenden Zuniulungen der anderen Mächte auf der Genfer Abrüstungskonferenz hat die Reichsregierung am Sonnabend beschaffen, an den Ver­handlungen der Abrüstungskonferenz nicht mehr teilzunehmen. Gleich­zeitig wird die Reichsregierung den Austritt des Deutschen Reiches

aus dem Völkerbund anmelden.

Llm dem deutschen Volte Gelegenheit zu geben, selbst zu den Schick­salsfragen der deutschen Nation Stellung zu nehmen, wird der Deuische Reichstag durch Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Oktober aufgelöst und Neuwahlen zum 12 . November 1933 anberaumt.

Der Aufruf

des Führers an das deutsche Volk

Berlin, 14. OÄoer.

Der Aufruf des Kanzlers und Führer- a» das deutsche Volk hat folgenden Wortlaut:

Erfüllt von dem aufrichtigen Wunsche, das Werk des ftled- lichen inneren Wiederaufbaues unseres Volkes, seines politischen und wirtschaftlichen Lebens durchzuführen, haben sich ehemals deutsche Regierungen im Vertrauen auf die Zubilligung einer wirklichen Gleichberechtigung bereiterklärt, in den Völkerbund einzutreten und an der Abrüstungskonferenz teilzunehmen.

Deut chland wurde dabei btt'er enttäuscht

Trotz unserer Bereitwilligkeit, die schon vollzogene deutsche Abrüstung, wenn nötig jederzeit bis zurletzten Konse- quenz fortzuführen, konnte» sich andere Regierungen nicht zur Einlösung der von ihnen im Friedensvertrag unterschriebenen Zusicherungen entschließe«.

Durch die bewußte Verweigerung einer wirklichen moralischen und sachlichen Gleichberechtigung Deutschlands wurden das deutsche Volk und feine Regierungen immer wieder aufs schwerste gedemütigt.

Nachdem sich die Reichsregierung nach der am 11. Dezember 1932 ausdrücklich festgelegten deutschen Gleichberechtigung neuer­dings bereiterklärt hatte, an den Verhandlungen der Abrüstungs­konferenz wieder teilzunehmen, wurde nunmehr durch die offi­ziellen Vertreter der anderen Staaten in öffentlichen Reden und direkten Erklärungen an den Reichsaußenminister und unsere Delegierte mitgeteilt, daß dem derzeitigen Deutschland diese Gleichberechtigung zur Zeit nicht mehr zugebilligt werden könnte.

Da die deutsche Reichsregierung in diesem Vorgehen eine ebenso ungerechte wie

entwürdigende Diskrimierung des deutschen Volkes erblickt, sieht sie sich außerstande, unter solchen Umständen als rechtlose und zweitklassige Nation noch weiterhin an Verhand-

lunge« teilzunehmen, die damit nur zu neuen Diktaten führen könnte».

Indem die deutsche Reichsregierung daher erneut ihren uv- erschütterlichen Friedenswillen bekundet, erklärt sie angesichts dieser demütigenden und entehrenden Zumutungen zn ih : : : tiefsten Bedauern, die Abrüstungskonferenz verlassenzumüssen. Sie muß deshalb auch ihren Aus­tritt aus dem Völkerbund anmelden.

Sie legt diese ihre Entscheidung, verbunden mit einem neuen Bekenntnis für eine Politik aufrichtiger Friedensliebe und Verständigungsbereitschaft, dem deutschen Volke zur Stellung­nahme vor und erwartet von ihm eine Bekundung gleicher Friedensliebe und Friedensbereitschaft, aber auch gleicher Ehr- auffassung und gleicher Entschlossenheit.

Ich habe daher als Kanzler des Deutschen Reiches dem Herrn Reichspräsidenten vorgeschlagen, zum sichtbaren Ausdruck des einmütigen Willens von Regierung und Volk, diese Politik der Reichsregierung der Nation zur Volksabstimmung vorzulegen, den Deutschen Reichstag aufzulösen, um dem deut- scheu Volke damit die Gelegenheit zu bieten, jene Abgeordneten zu wälilen, die als beschworene Repräsentanten dieser Politik desFriedensundderEhrenhaftigkeit dem Volke die Garantie einer unentwegten Vertretung seiner Interessen in diesem Sinne zu geben vermögen.

Als Kanzler des deutschen Volkes und Führer der national­sozialistischen Bewegung bin ich überzeugt, daß die ganze Nation geschlossen wie ein Mann hinter ein Bekenntnis und einen Ent- schluß tritt, die ebenso sehr der Liebe zu unserem Volk und der Achtung vor seiner Ehre entspringen, wie auch der Ueberzeu­gung, daß die für alle so notwendige endliche Weltbefrie­dung nur erreicht werden kann, wenndieB e g r i ffeSie- geruudBesiegteabgelöst werden von der edleren Auf­fassung der gleichen Lebensrechte aller.

Adolf Hitler ruft Deutschland

Der Führer appelliert an das Rechtsempfinden der ganzen Welt

Heillose Derw rrung in Genf

Die Lage nach der deutschen Absage.

Genf, 14. Oktober.

Die erste große Erregung, die durch die Be­kanntgabe des deutschen Austritts ausdemVölker- bund und aus der Abrüstungskonferenz um sich gegriffen hatte, machte im Laufe des Nachmittags einer ruhigeren Beurteilung der Lage Platz. Auf allen Seiten, besonders auf englischer und französischer, wird eine betont korrekte Haltung eingenommen. Irgendwelche direkten Angriffe oder Verdächtigungen Deutschlands werden nir­gends laut. Die Läge wird aber allgemein als außerordentlich ernst angesehen. Vor allen Dingen wird die Frage erörtert, welche Möglichkeiten sich jetzt bieten, um sachliche Ver­handlungen in den internationalen Fragen weiter fortzuführen.

Im Vordergrund steht hierbei der Gedanke, daß jetzt der Viermächte Pakt in der einen oder anderen Form wirksam werden könnte, aui französischer Seite wird jedoch die Auffassung vertreten, daß der V i e r m ä ch t e pa k t in der einen oder änderen Form wirksam werden könnte, auf französischer Seite wird jedoch d:e Auffassung vertreten, daß der Viermächtepakt jetzt als zu bestehen aufgehört hat, da der Pakt m den Rahmen des Völkerbundes eingegliedert Worden wäre und die viei^Großmächte den Pakt als ständige Ratsmächte unterzeichnet hätten. Demgegenüber scheint man in englischen und be­sonders in amerikanischen Kreisen den Vier­mächtepakt jetzt als den geeigneten Aus­weg aus der Lage anzusehen. Anf amerika­nischer Seite wird sogar die Ansicht vertreten, daß sich die amerikanische Regierung jetzt einer Aufforderung der übrigen vier Großmächte zur Teilnahme an den Verhandlungen nicht ent­ziehen würde und damit der Viermächtepakt, wenn auch nicht in der formalen Bedeutung, zu einer Fünf-MSchte-Konfcrenz ausgedehnt werden könnte.

Einen außerordentlich starken Eindruck hat in allen internationalen Kreisen die Bekanntgabe der Bereitschaft der Reichsregierung zum Ab­schluß von Nichtangriffsverträgen hervorgerufen. Diese deutsche Erklärung hat ge­rade in dem gegenwärtigen kritischen Augenblick außerordentlich beruhigend gewirkt. Man neig, hier übereinstimmend der Auffassung zu, daß die französische und englische Regierung zunächst keine besonderen Schritte ergreifen werden, son­dern die weitere Entwicklung abwarten wollen.

Nach außen wird hier der normale Gang der Abrüstungsmaschinerie voll aufrechterhalten. Der Völkerbundsrat tagt hinter verschlossenen Türen ohne Teilnahme Deutsch­lands und berät über die Wahl des neuen Danziger Völkerbundskommissars. In Völker­bundskreisen ist die Stimmung jedoch außeror­dentlich gedrückt, da der Austritt Deutschlands allgemein als ein vernichtender und lebens­gefährlicher Schlag für den Völkerbund ange­sehen wird, da nunmehr vier Großmächte, die Vereinigten Staaten, Sowjet-Rußland, Japan und Deutschland, nicht dem Völkerbund ange­hören.

Die deutsche Austrittserklärung hat für die Abrüstungskonferenz zunächst -ine Lage heil- loser Verwirrung geschaffen. Kein

Mensch weiß jetzt, was die Abrüstungskonferenz nun tun soll, da seit praktisch zwei Jahren Deutschland den alleinigen Mittelpunkt der ge­samten Abrüstungskonferenz bildete. Man

scheint in englischen und französischen Kreisen zu­nächst noch völlig im Unklaren zu sein, ob und in welcher Form die Abrüstungskonferenz noch weitergeführt werden kann. Es zeigt sich jetzt deutlich, daß Deutschland tatsächlich allein den Angelpunkt des Völkerbundes und der Abrn- stungspolitik bildete un ddaß jetzt durch den Aus­tritt Deutschlands eine vollständige Verschiebung der gesamten intrenationalen Lage eingetreten ist. Man ist sich jedenfalls auf der Gegcnieite klar darüber, daß ohne Deutschland d:e Regelung internationaler Fragen unmöglich ist.

Die deutsche Delegation hat Gens verlassen

S-ns, 14. Oktober.

Die deutsche Abordnung auf der Abrüstungs- konferenz hat Sonnabend bis auf den letzten Mann Genf verlassen. Ebenso kehrt die ständige dem- schc Dölkerbundsabordnung mit dem Geiandten von Keller nach Berlin zurück. Eine Ent- scheidung über das weitere Verbleiben der deutschen Beamten im Völkerbundssekretariat ist, wie verlautet, noch nicht getroffen worden.

Berlin, 14. Oktober.

Die Rede, die der Reichskanzler Sonnabend abend im Rundfunk über die Maßnahmen der Reichsregierung hielt, hat folgenden Wortlaut: Als im November 1918 in vertrauensvoller Gläubigkeit auf die in den 14 Punkten des Präsi­denten Wilsons niedergelegten Zusicherungen Las deutsche Volk die Waffen senkt«, fand ein un­seliges Ringen sein Ende, für das wohl einzelne Staatsmänner, aber sicherlich nicht die Völker verantwortlich gemacht werden konnten.

Das deutsche Volk hat nur deshalb so heldenmütig gefochten, weil es sein heili­ges Recht war, zu Anrecht angegriffen und damit zu Recht im Kampfe zu sein. Von der Größe der Opfer, die es damals fast nur auf sich allein gestellt drin- gen mußte, hatten die anderen Nationen kaum eine Vorstellung. Hätte in diese» Monaten die Welt in fairer Weise dem

niedergerungenen Gegner die Hand ge­geben, so würden vieles Leid und viele Enttäuschungen der Völker erspart ge­blieben sein.

Die tiefste Enttäuschung erlitt das deutsche Volk.

Noch nie hat ein Besiegter so redlich sich be­müht, an der Heilung der Wunden seiner Gegner mitzuhelfen, wie das deutsche Volk in den lan­gen Jahren der Erfüllung der ihm aufgezwunge- nen Diktate. Wenn all diese Opfer zu keiner wirk­lichen Befriedigung der Völker führen konnten, dann lag es nuram Wesen eines Ver­trages, der in dem Versuche der Verewigung der Begriffe Sieger und Besiegte auf Haß und Freundschaft verewigen mußte. Die Völker hätten mit Recht erwarten dürfen, daß aus diesem größ­ten Kriege der Weltgeschichte LieLehre ge­zogen worden wäre, wie wenig' besonders für die europäischen Nationen die Größe der

Opfer zur Größe des möglichen Gewinnes steht.

Als daher in diesem Vertrage dem deutschen Volke die Zerstörung seiner Rüstung zur Er- möglichung einer allgemeinen Weltabrüstung auf­erlegt wurde, glaubten Unzählig«, daß darin nur das Zeichen für das Umsichgreifen einer erlösen­den Erkenntnis zu sehen wäre.

Das deutsche Volk hat seine Waffen zerstört.

Bauend auf die Vertragstreue seiner ehemali­gen Kriegsgegner hat es selbst die Verträge in fanatischer Treue erfüllt. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft wurde ein un­ermeßliches Kriegsmaterial abgerüstet, zerstört und verschrottet.

An Stelle einer einstigen Millionenarmee trat nach dem Wunsche der Diktatmächte ein kleines Berufsheer mit militärisch gänzlich be­langloser Ausrüstung.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Das Volk will es!

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Bremen, 14. Oktober.

Sir John Simon, der englische Außen­minister, hat heute in der Abrüstungskon­ferenz eine Erklärung abgegeben, daß die maßgeblichen Mächte des Völkerbundes der deutschen Forderung nach Gleichberechtigung in absehbarer Zeit nicht entsprechen könnten. Angesichts der durch die fortgesetzte Auf­rüstung der bestelzenden fremden Heere in 14- jähriger Demütigung, Ehrlosmachung und Unsicherheit Deutschlands entstandenen Lag« hat daraufhin des ganzen deutschen Volkes Kanzler angeordnet, daß Deutschlands Ver­treter die Abrüstungskonferenz augenblicklich zu verlassen hätten und daß außerdem der AuStritt Deutschlands aus denL Völkerbund angemeldet worden sei. Um dem deutschen Volk in seiner Gesamtheit die Möglichkeit zu geben, zu diesen lebenswichti­gen Fragen seiner Nation Stellung zw nehme», hat der Reichspräsident den Reichs­tag .ausgelöst und Neuwahlen zum Reichs­tag und den Länderparlamenten in Form einer gewaltigen Volksabstimmung zum 12. November ausgeschrieben. In einer von dem Ernst und der Größe dieser Stunden ge­tragenen Nundfunkaussprache an das deutsch« Volk hat der Führer außerdem zur augen­blicklichen Lage Stellung genommen und da- mit ein leidenschaftliches Bekenntnis zum Le­bens» und Friedenswillen seines geeinten Vol­kes abgelegt. Das ist eine kurze Zusammen­fassung der Ereignisse in den letzten 6 Stunden.

Der Weg dieser Entwicklung ist klar: an­gefangen mit der Fata Morgana der 14 Punkte Wilsons war Deutschlands Außen­politik 14 Jahre lang nichts anderes als eine fortgesetzte Kapitulation und Selbstauf­gabe, ein ewig entwürdigendes Ja und Opfern für Paragraplieu, die es von allen Partnern seiner verpflichtenden Vertrag« alleine nur konsequent und hündisch einge­halten hat. Am Ende dieser entsetzlichen Ver­sklavung, die Schritt hielt mit einer ein W-MiUioneii-Dotk zerstörenden, inneren Aus­zehrung hätte eine Kolonie gestan­den, die jedes völkische Selbstbewußtsein unft die letzte wirtjchajtciche Freiheit preisgegeben hätte Bastadierte, schwachsinnige und ge­laugte Greise hätten sich in ihrer Fron der­einst dunkel einer deutschen Generation er­innert, deren Enkel sich widerstandslos in ein Joch hätten zwingen lassen, das sie, die 5. Generation noch tragen mußte. Der Nam « Deutschland wäre ausgelöscht ge­wesen in allen Atlanten und in der Sprach« der Völker. Das war der Weg, den ein Rat­tenschwanz sogenannter deulsc1>er Minister 14 Jahre lang sür den einzig vernünftigen hie.t. Und während das offizielle Deutschland, ver­treten nicht durch sein Volk oder dessen Wil­len, sondern durch hochbezahlte Galgenvogel, vor französischen Reiterstieseln auf den Knien rutschte, schwangen die zufälligen Sieger di«! Knute, des Hasses und der Entehrung übe» einer am Kriege völlig unschuldigen Mensch­heit, die die Palme statt des Schwer­te s t r ü g.

Nicht war den tatsächlichen Kriegshetzern und Kricgsvcrbrcchcrn so gelegen wie die über dem deutschen Volke ständig schwebende Gefahr einer bolschewistischen Machtergreifung. Ja, ihr fanatischerHaßgegenDeuts chland, geboren aus der schlotternden Angst des minder­wertigen Subjekts vor der rassischen Güte des Deutschen, ging im tiefsten Sinne so weit, daß es ihnen angenehmer war, die Rote Armee an ihren Grenzen zu wissen als einen Nachbarn, dessen tausendjährige Kultur und christliche Ge­setzgebung sie in den Augen der Welt vor barba­rischen Schritten hätte zurückhalten müssen. Denn sie wußten, daß kein Deut­scher für den Weltkrieg verant­wortlich gemacht werden kann und daß darum ihre gesamte Politik gegen Deutschlandauf Rechtlosig­keit und Lüge aufgebaut ist. Sie wußten, daß sie kein Recht hatten, von Abrüstung und Mindcrhcitenproblemcn zu sprechen, wäh­rend sie selbst keine Grenze ihrer Aufrüstung sehen wollten und eines der größten europäischen Kulturvölker 15 Jahre wie einen Eingeborenen­stamm behandelten, der eben die erste Berührung mit der Zivilisation erlebt hat.

Die Regierungen, mit denen die bolschewisti­schen Schrittmacher Deutschlands den Schandvcr- trag von Versailles abgeschlossen haben, stehen heute vor der die ganze kultivierte Welt beschä­menden Tatsache, daß sie n 0 ch nicht ein­mal die primitivsten Eigenschaf­ten eines ganz gewöhnlichen Händ«