1W. 275 Jahrgang 1933
Verlag, Schriftleitung und Geschäftsstelle: Geeren 6—S. Sprechstunden der Schrislleilung: Montag bis Freitag lS bis 13 Uhr. Fernsprecher: Roland Nr. 62k> -628. Bankkonten: Die Sparkasse in Bremen. C^mmerz- u Privatbank, Deutsche Antioquiabank. Postscheckkonto: Hamburg 747 38. — Die BNZ erscheint täglich morgens nur am Montag mittags, und kostet monatl. RM. 2.36 einschliehl. Botenlohn, durch die Post bezogen erhöht sich der Preis um 42 Rpf. Zustellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten
Veerrien. Donnerstag, 12. Sttober 1S33 Einzelpreis 15 Vfg.
Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 613, auswärts RM. 6.17; im Textteil RM. 6.7S, auswärts RM. 1.—; Stellengesuche RM. 6.06; Famitienanzeigen, Stellenangebote und Wohnungsmarkt RM. 668; sonstige kleine private Anzeigen bis zu 20 mm bei Vorauszahlung lohne Rabatt) RM. 068. Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigenschluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot u- s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch aus die Rückzahlung des Bezugspreises,
vsemerstationalsiirlalMclie Zeitung
Das Arntüode Oraan des Senats der Freien HanfettQdt Vrerner^
LnAanäs VorscdlaZ:
Sie Gleichberechtigung SeufichlandS soll aus 8 Jahre
hinausgeschoben werden
Zweierlei Maß in Genf — Man will Deutschland unter keinen Umstünden eine Luftwaffe bewilligen
Der Grand
der Mrüflungsbesprechungen
Genf, 11. Oktober (Eig. Meld.)
Der Stand der Abrüstungsbesprechungen, wie er sich am Mittwoch abend darstellt, läßt noch keinen Schluß darüber zu, ob am nächsten Montag die materiellen Verhandlungen im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz werden beginnen können.
Bei den Besprechungen, die heute wieder zwischen den Vertretern der Großmächte und einiger anderer Länder stattgefunden haben, handelt es sich hauptsächlich um die Verständigung über die am englischen Konventionsentwurf vorzunehmenden Aenderungen.
Obwohl zwischen Frankreich, England und Amerika eine Einigung nicht vorliegt, ist es zu erwarten, daß der Versuch gemacht werden wird, Deutschland in den Hauptpunkten vor die Frage der Annahme oder Ablehnung zu stellen.
Den wichtigsten Diskussionsgegenstand bilden, wie schon in den vorhergegangenen Genfer Besprechungen, die Konsequenzen, die aus der Vorgeschlagenen
Umwandlung der Reichswehr hinsichtlich der Bewaffnung
zu ziehen sind. Die anderen Mächte haben sich noch nicht klar gemacht, daß die Umwandlung der Reichswehr vom ersten Tage an technische Vorkehrungen nach einem einheitlichen und auf lange Sicht berechneten Plan notwendig macht. Man hat sich in diesen Delegationen mit dieser Frage entweder überhaupt iroch nicht ernstlich beschäftigt, oder man glaubt, daß eine entsprechende quantitative Vermehrung des im Versailler Vertrag zugestandenen Materials, aber keine qualitativen Aenderungen in Frage kommen können.
Ausführlicher erörtert wurde bisher nur die Frage der Luftwaffe, die im Versailler VertragDeutschland bekanntlich hundertprozentig verboten ist, während hinsichtlich der anderen Waffengattungen der Gedanke an das, was Deutschland bei einer Neuorganisierung der Reichswehr bekommen muß, meist nicht zu Ende gedacht wird, scheint man unter keinen Umständen geneigt zu sein, Deutschland eine Luftwaffe zuzugestehen, und es besteht der Eindruck, daß die anderen Mächte Deutschland in möglichst kurzer Zeit vor die Frage stellen möchten, wie es sich zu diesem Kernpunkt verhält.
Gerade in der Luftwaffe liegen die Verhältnisse aber so, daß eine Einigung der anderen Mächte über die Abschaffung nicht zu erwarten ist und deshalb für Deutschland eine unannehmbareBenachtciligung bedeuten würde, wenn etwa das Versailler Verbot in die neue Abrüstungskonvention übernommen werden sollte, nachdem sogar dem gerade aus der englischen Vormundschaft entlassenen arabischen Staate Irak bei seinem Eintritt in den Völkerbund im vorigen Jahr Flugzeuge als eine selbstverständliche Verteidigungswaffe zugebilligt Worden sind.
Der englische Alan
Paris, 11. Oktober.
Der englische Außenminister, Sir John Simon, hat auf seiner Durchreise durch Paris dem englischen Botschafter Lord Tyrell die vier hauptsächlichsten Punkte der Beschlüsse des englischen Kabinettsrates mitgeteilt, damit er sie devK französischen Ministerpräsidenten zur Kenntnis bringen kann. Diese vier Punkte sind die folgenden:
1. Rückhaltlose Zustimmung zu den Ausführungen Baldwins in Birmingham.
2. Notwendigkeit einer Probezeit mit wirksamer Kontrolle.
3. Ablehnung jeder Aufrüstung Deutschlands, ganz gleich, in welcher Form.
4. Ungleichung des Macdonald-Planes an den sranzösisch-englisch-amerikanischen Plan.
Die neue englische These, die angeblich von Frankreich angenommen worden sein soll, sieht die völlige Durchführung der deutschen Gleichberechtigung in acht Jahren vor. Während der ersten vier Jahre soll diese Gleichberechtigung, dem „Echo de Paris" zufolge, nur auf die Effek- tivbestände und die allgemeine Organisation der Heere ausgedehnt werden. Jedoch soll das Kriegsmaterial auf seinem bisherigen Stand beibehalten und die Vereinheitlichung erst nach Abschluß der vierjährigen Kontrolle erfolgen. Der ständige Abrüstungsausschuß, dem der Kontrollausschuß angegliedert werden soll, wird, nach Auffassung des Blattes, die Befugnisse einer be
schränkten Kontrolle haben und unter Umständen die Verwirklichung der Gleichberechtigung verfolgen.
Dreimächtebefprechungen
Nadoluy bei Henderson
Genf, 11. Oktober. Eine fast zweistündige Dreimächtehesprechung hat Mittwoch nachmittag stattgefunden. Auf Einladung Sir John Simons traten die englische, amerikanische und französische Abordnung zu einer gemeinsamen Besprechung der Lage zusammen. An der Unterredung nahmen von englischer Seite Sir John Simon, Staatssekretär Eden, von französischer Seite Paul-Boncour und Massigli > von amerikanischer Seite Norman Davis, Gesandter Wilson und Allen Dul - les teil. Unmittelbar nach dem Abschluß der Unterredung begab sich Simon zum Präsidenten der Konferenz, Henderson, um ihm über oas Ergebnis der Besprechungen Bericht zu erstatten.
Ueber den Verlauf der Dreimächtebesprechun- gen werden von den zuständigen englischen und
Im ^sickern von 6enk:
London, 11. Oktober.
Ein Artikel des Marinekorrespondenten der „Morning Post" weift auf den außerordentlichen Umfang der französischen Flottenrüstungen hin. Die im Bau befindliche „Dunkerque" werde für mindestens acht Jahre das modernste Linienschiff der Welt sein.
Die seit dem Kriege gebauten französischen Kreuzer seien moderner als die Gegenstücke in der englischen Flotte. Im Bau von Kriegsschiffen stehe Frankreich an der Spitze. Frankreich habe sieben Kreuzer, Amerika dagegen nur sechs, und Japan vier im Bau. Der Korrespondent weist ferner daraufhin, daß die französischen Kreuzer noch durch eine Flotte mächtiger „Flottillenführerboote" verstärkt würden, die mit ihren 2 500 Tonnen von den Unterzeichnern des Londoner Flottenvertrages als Kreuzer bezeichnet werden müßten, da die Vertragsstärke der Flottillenführerboote nur 1850 Tonnen be-
amerikanischen Stellen stark widersprechende Mitteilungen verbreitet. Von amtlicher englischer Seite wird erklärt, daß die allgemeine Lage besprochen worden sei und daß eine grundsätzliche Uebereinstimmung in bezug auf das Verbot der Wiederaufrüstung Deutschlands erzielt wäre. In direktem Gegensatz dazu betont man auf amerikanischer Seite, daß von einer einheitlichen Front der drei Mächte in keiner Weise die Rede sein könnte, daß keinerlei Beschlüsse gefaßt oder Bindungen eingegangen worden seien. Im Mittelpunkt der Unterredung habe vielmehr die Frage gestanden, in welcher Weise die am 16. Oktober zusammentretende Konferenz weiterzuführen sei. Der Gedanke einer Fünfmächte- besprechung gewinnt übrigens allgemein an Bedeutung jedoch liegen, bestimmte Pläne hierfür noch nicht vor.
Botschafter Nadolny hatte Mittwoch eine längere Unerredung mit dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, und stattete in den Nachmittagsstunden dem tschechoslowakischen Außenminister Benesch, dem Generalberichterstatter der Abrüstungskonferenz, einen Besuch ab.
trage. Frankreich habe 13 Flottillenführerboote von annähernd 2500 Tonnen und sechs von 2100 Tonnen in Dienst gestellt, während 12 im Bau seien. Alle diese Schiffe seien mit 13,7 cm-Ge- schützen ausgerüstet. Kein anderer Staat besitze Zerstörer oder Flottillenführerboote mit entsprechend schweren Geschützen. Ferner hätten die französischen Schiffe eine größere Geschwindigkeit. Was die Unterseeboote betreffe, so bestehe kein Zweifel, daß Frankreich zurzeit die stärkste U- Boot-Macht der Welt sei. Frankreich habe 84 U-Boote in Dienst und 25 im Bau, Amerika nur 81 bezw. 2, Japan 63 bezw. 9 und England 50 bezw. 101
Auch in Belgien wird aufgerüstet
Brüssel, 11. Oktober.
Unter dem Vorsitz des Königs fand Mittwochvormittag ein Ministerrat statt, der sich ausschließlich mit militärischen Fragen be
schäftigte. Wie verlautet, werbe die Regierung zusätzliche Kredite in Höhe von etwa 750 Millionen im Parlament beantragen. Damit soll die Hochebene, von Herve in Verteidigungszustand gesetzt, der Befestigungsgürtel an der luxemburgischen Grenze zu Ende geführt und die in den Ardenuen liegende Brigade motorisiert werden. Der Rest soll zur Ausgestaltung der Flugzeugabwehr, für das Fliegerkorps, zur Verstärkung der schweren Artillerie und für Munitionsreserven verwendet werden.
Unterredung Nabolny-Simon
Genf, 11. Oktober. Botschafter Nadolny hatte Mittwoch abend eine längere Unterredung mit Sir John Simon. Der englische Außenminister gab dem deutschen Delegierten namens der englischen Regierung eine grundsätzliche Gegenüberstellung der verschiedenen Thesen, bei der sich die bekannten starken Meinungsverschiedenheiten ergaben. Die Fortsetzung der Besprechungen wurde ausdrücklich vereinbart.
Deutschland lehnt ab
Genf, 11. Oktober.
Die Völkerbunidsverfammlung behandelte in der heutigen Vollsitzung den vom 66. Aus- schuß angenommenen französischen Entschließungsantrag, in dem die Minderheiten- und Judenfrage behandelt wird. Ohne Aussprache wurde einstimmig der erste Teil der Entschließung angenommen.
Der zweite Teil der Entschließung, der ausschließlich auf die deutsche Judensrage abgestellt war, und nach dem die Staaten verpflichtet werden sollen, die allgemeinen Grundsätze des Minderheitenschutzes auf diejenigen Staatsangehörigen anzuwenden, die sich von der Mehrheit durch Rasse, Religion oder Sprache unterscheiden, gelangte nicht zur Annahme. Der deutsche Vertreter, Gesandter von Keller, erklärte, daß die deutsche Abordnung diesen zweiten Teil des Entschließungsentwurfes des sechsten Ausschusses ablehnen müsse.
Der Präsident der Versammlung, Te Mater, sah sich daher gezwungen, satzungsgemäß festzustellen, daß die für alle Beschlüsse der Völkerbundsversammlung erforderliche Einstimmigkeit nicht vorläge und daher dieser zweiter Teil der Entschließung von der Versammlung nicht angenommen worden sei. Die deutsche Regierung hat damit jede internationale Bindung zur Behandlung der Judenfrage abgelehnt und lediglich den allgemeinen Empfehlungen zur gleichmäßigen Behandlung der allgemeinen Minderheiten zugestimmt.
Die Völkerbundsversammlung wird in der heutigen Abendsitzung geschlossen werden.
Frankreichs
gewaltige Flottenrüstung
England ist neidisch — Ein aufschlußreicher Artikel der ,Morningposs
Winüsiarke 12
Orkanartiger Sturm verursacht in Hamburg
schweren Schaden
Klelnlustfchiff im Flughafen Fuhlsbüttel vom Ankermast losgerissen
Hamburg, 11. Oktober.
Ein schwerer Sturm, der am Mittwochnachmittag über Hamburg wütete und bis zur Windstärke 1 2 (!) anstieg, richtete in den einzelnen Stadtteilen erheblichen Schaden an. Der schwerste Zwischensäll ereignete sich im Flughafen Fuhlsbüttel. Dort wurde
das Kleinluftfchiff „Parsival Natz" vom Anker gerissen.
Der Sturm drückte das Luftschiff zu Boden und riß es dann mit großer Gewalt wieder empor. Durch diesen Windstoß wurde auch der Ankermast des Luftschiffes aus der Erde gerissen, so daß eine Bergung zunächst unmöglich wurde. Den vereinten Kräften von Feuerwehr, Ordnungspolizei und Mitgliedern der Luftsportverbände gelang es schließlich nach zweistündiger Arbeit, die Hülle des Luftschiffes am Boden festzumachen.
Auch in Holland Windstärke 11
Amsterdam, 11. Oktober. Ein schwerer Südwcst- sturm hat am Mittwoch auch ganz Holland heimgesucht und in verschiedenen Orten große Verheerungen angerichtet. Auch sind mehrere Menschenleben zu beklagen.
Am stärksten war die Gewalt des Sturmes um
Unwetter in alle? Welt
die Mittagsstunde in den westholländischen Städten. Um diese Zeit verzeichnete man in Rotterdam eine Windstärke von 16—ll. Während eines kurzen Zeitraumes wurde in Amsterdam eine Windgeschwindigkeit von 31 Metern in. der Sekunde registriert. In Amsterdam wurden viele Bäume entwurzelt und auf den Dächern angebrachte Rundfunkantennen umgeworfen und zahlreiche Dachziegeln losgelöst. Auf dem Frederiksplain wurde ein Radfahrer von einem niederfallenden Baumast erschlagen. Automobile konnten nur langsam vorwärts kommen und wurden wiederholt durch Rül- kenwinde aus der Fahrtrichtung geworfen. Mehrere. Kinder wurden in Grachten geschleudert, konnten aber gerettet werden. Die Amsterdamer Feuerwehr mußte über 166 Mal in Aktion treten.
Der Eisenbahnverkehr erlitt verschiedentlich Unterbrechungen, da umgeworfene Bäume und Sig- nalmasten die Gleise versperrten. In Heemstede wurde das Vorsührungszelt eines dort zur Zeit gastierenden Zirkus Rausch vollständig verwüstet. Aus der Nordsee und den großen Flüssen gerieten verschiedene Schisse in Not. Auf der östlichen Scheide kenterte ein Austernsänger; die Besatzung konnte im letzten Augenblick gerettet werden. Er» belgisches Nheinschiss und ein anderes noch unbekanntes Schiff sind gesunken. Ueber, das Schicksal der siebcnköpsigen Besatzung ist noch nichts bekannt.
Überschwemmungen in England
London, 11. Oktober.
In weiten Teilen Englands herrschte am Dienstag schweres Sturm- und Regenwetter, das große Ueberschwemmungen verursachte. In Südwales stehen 506 Häuser unter Wasser. Die englischen Flottenübungen in der Nordsee mußten abgesagt werden.
-st
Lissabon, 11. Oktober.
Der nördliche Teil der portugiesischen Küste wurde am Dienstag von einem Wirbelsturm heimgesucht. Mehrere Schiffe sind an den Felsen zerschellt.
Schoner an der kanadischen Küste gekentert Halifax (Neuschottland), 11. Okt.
Auf der Höhe von Ssarmouth in Neuschottland ist ein 239-Tonnen-Schoner mit einer Besatzung von 1« Mann im Sturm gekentert. Man befürchtet, daß die ganze Besatzung ertrunken ist.
Unwetterkatastrophe in Mittelamerika
Tegucigalpa (Honduras), 11 . Okt.
Tropischer Regen verursachte in der Nähe des Dorfes Apolopi einen Bergsturz, wobei 19 Personen verschüttet wurden. In anderen Teilen von Honduras kam es zu großen Ueberschwemmungen. Mehrere Personen sind ertrunken.
^v!I1 kolen?
Die neue Terrorwelle in Ostoberfchlesien Bremen, 11. Oktober.
Das deutsch-polnische Verhältnis steht seit einiger Zeit im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß die Spannung, die feit Jahr und Tag die deutsch-polnischen Beziehungen in politischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht kennzeichnet, wenn auch nicht gleich im ersten Anlauf beseitigt, so doch in einer Weise abgemildert wird, die Hoffnungen für eine tie- ftrgreifende Neuordnung der deutsch-polnischen Beziehungen aufkommen läßt. Verfolgt man diese Wendung, die sich gerade jetzt durch den Beginn der deutsch-polnischen Wirtschaftsver- handlungen in Warschau auch nach außen hin deutlich kundtut, so kann man feststellen, daß sie merkwürdigerweise gerade dort ihren Ausgang nahm, wo die Spannung am schärfsten und die Atmosphäre am meisten geladen war: bei der Danzig-polnifchen Frage. Als der nationalsozialistische Danziger Senat sich dazu entschloß, das verfahrene Problem der Danzig-polnifchen Beziehungen unter Aufbietung eines Höchstmaßes wirklich real- politifchen Sinnes zu lösen, war dabei schon der Gedanke maßgebend, daß eine Vereinigung dieser Frage letzten Endes auch auf den engeren Bereich nicht beschränkt fein, sondern sich auch weiter auswirken würde auf das Verhältnis Deutschlands zu Polen. In dieser Hinsicht sind dann auch in der Folgezeit einige bemerkenswerte und in der Geschichte der deutsch- polnischen Beziehungen bisher unbekannte Ereignisse zu verzeichnen gewesen: die deutsch- polnische Fühlungnahme in Genf und dann die erwähnte Einleitung deutsch-polnischer Wirtschaftsverhandlungen. Von polnischer Seite konnte man in diesem Zusammenhang Worte hören, die durchaus vernünftig klangen und deren Verständigungswillen sich wohltuend abhob von der bisherigen haßerfüllten Sprache der Warschauer Presse. Es war natürlich von vornherein klar, daß dem deutsch-polnischen Problem damit in fachlicher
Nosting lehnt endgültig ab
Genf, 11. Oktober.
Der Danziger Völkerbundskommiffar Rosting hat am Mittwoch der Danziger und der polnischen Regierung mitgeteill, daß er zu seinem lebhaften Bedauern dem Angebot der Regierungen, aus ein weiteres mehrjähriges Verbleiben in Danzig nicht Folge leisten könne.
Auf deutscher Seite wird dieser Entschluß des Danziger Völkerbundskommissars durchaus bedauert, da man in Uebereinstimmung mit den Danziger und polnischen Vorschlägen eine mehrjährige Ernennung Rostings zum Danziger Völkerbundskommissar auf längere Zeit gewünscht hatte.
Hinsicht nichts von feiner Schärfe genommen war, aber es waren wenigstens die psychologischen Voraussetzungen geschaffen, um ein heißes Eisen nüchtern und ohne Leidenschaft anzupacken. Dies zugeben heißt noch lange nicht, auf die lächerlichen Alarmmeldungen der Pariser Rechtspresse hereinfallen, die den Anschein erwecken wollten, als ob man in Warschau mit fliegenden Fahnen in einen neuen deutsch-freundlichen Kurs hineingeht.
Es handelt sich letzten Endes zunächst doch nur um einen Versuch, der allerdings von deutscher Seite durchaus ehrlich gemeint ist. Ob das im gleichen Maße für die polnische Politik zutrifft, ist allerdings noch sehr die Frage. Eine gewisse Zwiespältigkeit Warschaus konnte auch in der letzten Zeit nicht übersehen werden und vollends deuten die ernsten Ereignisse, die sich jetzt wieder in Pol- nisch-Oberschlesien abspielen, auf den problematischen Charakter des Versuches hin.
Das schwergeprüfte Deutschtum Ostoberfchlesiens hat in diesen Tagen eine neue Terrorwelle über sich ergehen lassen müssen, für die der berüchtigte Verhand der sogenannten Aufständischen verantwortlich zeichnet. Die näheren Erhebungen, die der Deutsche Volksbund angestellt hat. lassen erkennen, daß es sich dabei keineswegs um unvorhergesehene und lokalbeschränkte Zwischenfälle handelt, sondern um eine planmäßig vorbereitere Terroraktion größten Stiles, zu der auf der Jahresversammlung der Aufständischen unter dem Vorsitz des Wojewoden Eraczynski das offizielle Stichwort ausgegeben wurde. Das Programm, das dort zur Annahme gelangte, enthält Vertragsbrüche am laufenden Band und behandelt die deutsche Bevölkerung sozusagen als vogelfrei. Wenn auch die Forderungen nach einer Polonisierung der gesamten Industrie, Besetzung der leitenden Stellen mit Polen, Auflösung aller deutschen Organisationen und überhaupt der Kampf gegen das deutsche El .ment aus dem Munde Eraczynskis und der Aufständischen nichts Neues sind, so ist es doch kein Wunder, daß in dieser überhitzten Atmosphäre bedauerliche Ausschreitungen gegen wehrlose Deutsche heraufbeschworen wurden. Diese Dinge werden nun, da sie eine flagrante Verletzung der Genfer Konvention