Ausgabe 
(10.10.1933) Nr. 273
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-er. 273 Jahrgang 1933

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Bremen, Dienstag. 19. Sttober 1933 Einzelpreis 15 Bis.

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Weltgeschrei um die geflohenen Luden - aber Schweigen um yooooo v ett eiebene Deutsche

Neue Terrorakte gegen das Deutschtum in Voten

Berlin, 9. Oktober.

Die neue Woche in Genf steht im Zeichen der Ent­scheidungen. Der Völkerbund rafft seine letzten Le­bensgeister zusammen, um die Erörterung der jüdischen Frage, die in diesem Jahre sein ein­ziges wirkliches Thema bildete, mit einer großen Demonstration für die Gleichberechtigung der Juden abzuschließen. Diese Demonstration soll die Welt, so gut es eben geht, über den Mangel irgendwelcher ernsthaften Aktionsmöglichkeiten des internationalen Parlamentarismus hinwegtäuschen. Man hat an zwei bekannte Institutionen, den Minderheitenschutz und die Flüchtlingsfürsorge, angeknüpft, nicht etwa, um irgendeine nützliche Lösung dieser nicht auf Deutsch­land beschränkten Probleme zu suchen, sondern

UM der fortwährenden tendenziösen Ein­mischung in deutsche Angelegenheiten eine Art rechtlicher Grundlage zu geben.

Unter englischer Einwirkung und wegen der Eifer­sucht der verschiedenen interessierten Länder hat man darauf verzichtet, das Palästina-Problem aufzurollen, was unter den gegenwärtigen Umständen für den Völkerbund eine dankenswerte Aufgabe gewesen wäre. Man hat andererseits auch davon absehen müssen, die Juden als nationale Minderheit zu defi­nieren, weil sich dafür weder im positiven Recht noch in den allgemeinen Völkerbundsgrundsätzen Anhalts­punkte finden ließen. Die Annahme der französischen Entschließung im Unterausschuß, die im Hinblick auf die Judengewisse staatsbürgerliche Kategorien" in dem gleichen Matze wie bisher die Minderheiten vor Benachteiligung wegen ihrer Raffe, Sprache oder Religion schützen will, bedeutet zunächst einmal das Eingeständnis, daß die Juden keine Minderheit in irgendeinem rechts-erheb- lichen Sinne sind.

Sie sollen vielmehr den Minderheiten durch diese Entschließung erst jetzt gleichgestellt werden. Auch wenn diese Entschließung von weniger aggressivem Geist gegenüber Deutschland getragen wäre, müßte sie von dem deutschen Delegierten abgelehnt werden, weil sie den deutschen Verhältnissen in keiner Weise gerecht wird. Die Auseinandersetzung mit dem Ju­dentum ist in Deutschland ein historisches Problem, das durch den Abwehrkampf eines Volkes gegen die tyrannische Vorherrschaft frem­der politischer, sozialer und kultureller Einflüsse ge­kennzeichnet wird. Aus diesem Grunde würde auch die Einrichtung einer völkerbundsoffiziellen Fürsorge für die aus Deutschland abgewanderten Juden, die großenteils Deutschland von Anfang an nur als Durchgangsstation nach dem Westen betrachtet haben, ein Mißbrauch humanitärer Ideale darstellen. Deutschland kann nicht für die Einsetzung eines Oberkommissars stimmen, der zum Mittelpunkt der gesamten ausländischen Agitation würde. Schon die Aussprache über das deutsche Nein, das in dieser Woche beide Anträge zu Fall bringen wird, dürfte eine Probe der internationalen De­magogie bieten.

Systematische Meefölle von polnischen Auistündkschen

Kattowiß, 9. Oktober.

Aufständische überfielen gestern das Vblksbundheim in Borken und verletzten drei Deutsche schwer, nachdem sie das Heim umstellt hatten. Dann gingen die Aufständischen daran, das Heim zu zerstören. Mit schwarzer Farbe wurden an der Wand angebrachte deutsche Sinnsprüche, sowie Stühle, Tische nnd Bilder verschmiert. Eine ganze Anzahl Tische und Stühle wurden außerdem zerbrochen und die Fnesterscheiben eingeschlagen. Der Saal biete! das Bild einer vollständigen Verwüstung.

Die Aufständischen drangen auch in die Privat- wohnungen deutscher Bürger von Borken ein. Dabei wurde der Besitzer des Hauses, in dem sich das Volks. bundheim befindet, in seiner Wohnung schwer mißhandelt. Ein anderer Deutscher wurde eben­falls in seiner Wohnung von den Aufständischen ver­prügelt. Ein Pressevertreter, der an der Versamm­lung teilnehmen wollte, mußte von der Polizei be­schützt werden, da ihn die Aufständischen be- drohten. Die Versammlung der Volksbundmit­glieder wurde dann von der Polizei verboten. Die Polizei erschien jedoch erst, nachdem die Aus schreitungen längst vorüber waren. Von den Deutschen wurden 12 Personen zum Teil er­heblich verletzt.

In Groß-Helm überfiel ein Trupp Aufstän­discher ebenfalls das Volksbiindheim. Unter den RufenFort mit Hitlers" drangen sie in das Heim

ein, zerschlugen die Scheiben und zertrüm­merten das vorhandene Mobiliar. Darauf warfen sie eine Brandfackel auf das Haus des Heimverwalters und zogen unter wüsten Drohungen ab. Nur mit Mühe konnt der Hausverwalter einen Brand verhindern. Am Vorabend wurden in Groß- Helm mehrere Deutsche überfallen, mit Steinen beworfen und mißhandelt. Auch in. Gollawitz marschierten etwa 500 Aufstän­dische auf und machten sich an die Vernichtung des Volksbundheimes, das sie bereits am Abend vorher zum Teil zerstört hatten. Alle Fensterscheiben und das Mobiliar wurden vernichtet. Mehreren Deutschen wurden durch Steinwürfe die Fenster­scheiben ihrer Wohnungen eingeschlagen, wo­bei ein Kind durch einen Steinwurf verletzt wurde.

Dasselbe Schicksal traf das Volksbundheim in Granitz. In den Nachtstunden drangen Aufstän­dische in das Volksbundheim ein, schlugßnal l 'e s kurz und klein und verbrannten deutsche W- cher und Zeitungen.

Die 70jährige Frau des Heimverwalters wurde,

als sie sich einmischen wollte, schwer mißhandelt.

In Kagain wurde das Volksbiindheim gleich­falls von einem Trupp Aufständischer völlig ver­nichtet. Das Haus des Heimverwalters gleicht einem Trümmerhaufen. Auch hier wurden mehrere deutsche Personen verletzt.

Ein FIKchtlingskommMae für die Myemberv-rbeerher

Gens, S. Oktober.

Im Unterausschuß der Wirtschaftskom­mission der Völkerbundsversammlung wurde heute vormittag über die Frage der Ein­setzung eines Kommissars für die aus Deutschland abgewand erten Ju­den und anderen Flüchtlinge be­raten. Es handelte sich darum, ob dieser Kommissar ein Organ des Völkerbundes oder eine autonome Einrichtung sein soll. Der deutsche Vertreter hielt an dem Standpunkt fest, dah Deutschland die Einsetzung eines autonomen Kommissars, der insbesondere nicht an den Völkerbund zu berich­ten hätte, nicht verhindern würde.

Erster 8isg ZeZon HunKsr rmck LLIts

Weniger als 4 Mill. Arbeitslose

Berlin, 9. Oktober.

In der zweiten Septemberhälfte ist, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung berichtet, durch den energisch und planvoll geführten Kampf gegen die Arbeitslosigkeit die 4 Millionen-Grenze um mehr als 15VVVV unter­schritten worden. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen be­trug am 3V. September rund 3 85V VVV. Beachtlich ist der starke Rückgang der Wohlsahrtserwerbslosen, der anzeigt, daß es mehr und mehr gelungen ist, auch die Unterbringung der langfristigen, häufig älteren und verheirateten Erwersblosen einer Lösung zuzuführen.

Wenn man die Arbettslosenzahlen vom 3V. September von rund 3 85V VVV ver­gleicht mit dem Höchststand dieses Jahres im Februar mit 6 047 VVV, so ergibt sich daraus ein Rückgang der Arbettslosenzahlen von 2,2 Millionen.

Besonders erfreulich an den letzten Feststellungen der Reichsanstalt ist die Tatsache, daß die Entlastung des Arbeitsmarktes gerade in den hochindustrialisierten und dichtbevölker­ten Bezirken im Vordergrund steht. Der tatsächliche Rückgang der Arbeitslosigkeit ist aber noch vielgrötzerals2,2Millionen, da die wahre Zahl nicht allein nach den Zahlen der Arbeitslosen berechnet werden kann, sondern dem gegenübergestellt werden müssen die Beschästigtenzahlen. Währeno oie Zahl der von den Krankenkassen errechneten Beschäftigten Ende Januar nur 11487 VVV betrug, erhöhte sich diese Zahl Ende August aus 13 724 VVV. Dazu kommen noch die rund 27V VVV Arbeislosen, die im Laufe des Sep­tembers wieder in Lohn und Brot zurückgeführt werden konnten, sodatz die Zahl der Mehrbeschästigten gegenüber Februar aufüberzweieinhalbMillionen beziffert werden kann.

Ois Oentsctte» in <Iapsn

Wir sind in der angenehmen Lage, unseren Lesern die Mitteilung zu machen, daß der Ausbau der Auslandsvertretungen der BNZ. gute Fortschritte macht. Wir veröffentlichen nachstehend den ersten Bericht des lediglich für die BNZ. in Japan tätigen Korrespondenten.

Kobe, 25. September

meisten Volksgenossen werden glau­ben, daß das Leben der Deutschen im Aus- land, in Uebersee, eine bunte Folge froher, sorgenloser Tage ser und denken dabei an ir­gendwelche Veröffentlichungen eines Welt­reisenden, der, um Geld zu verdienen, in Riesenschritten die Welt durchmißt. Es ist meistens so, daß derartige Veröffentlichungen die nur auf größter Flüchtigkeit im wahrsten

Die-

Der Unternehmer im Dienst der Nation

Vizekanzler V Vapen Wer dirUntemehmerpersönlichkelt im neuen Staat

Frankfurt a. M., 9. Oktober.

Vizekanzler von Papen hielt auf der Tagung des Verbandes Mitteldeutscher Industrieller eine Rede, in der er u. a. ausführte:

Zur Wirtschaft gehört auch der Unterneh­mer. Die Klassenkampfidee ist heute überwunden. Der Unternehmer ist heute ein gleichberechtigter.Sol­dat in der gewaltigen Arbeitsfront des deutschen Volkes. Im Kampfe um die Vorherrschaft zwischen Politik und Wirtschaft haben wir in den letzten Jahr­zehnten trübe Erfahrungen gemacht. Wir haben heute gelernt, daß der Primat der Po­litik gebührt. Die bisherige Form der Staats­führung mit geteilter Verantwortlichkeit zwischen. Staatsmann und Wirtschaftsführer nähert sich allzusehr der Korruption. Nur zu oft haben Staatsmänner wirtschaftliche Entschlüsse nur deswegen unterstützt, well sie am Geschäft beteiligt waren. So wäre es zum Beispiel notwendig, als erste Maßnahme aller Abrüstungsbestrebungm die Rüstungsindustrie aller Länder zu verstaatlichen, um den großen und geheimen Einfluß, der heute von den Rüstungskonzernen der hochgerüstcten Länder und deren Leiter auf die Politik ausgeübt wird, auszu­schalten.

Die nationalsozialistische Staatsauffassung ist davon durchdrungen, daß die Wirtschaft eines vielgestaltigen, lebendigen, von Persön- lichkeitswcrten erfüllten Unternehmertums be­darf, dessen Ethos heißt: Arbeit! Arbeit im Dienste der Nation!"

Die im Ausbau befindliche Agrarreform, diese zweite Bauerbefreiung", soll nach dem Willen der Reichsregierung das Fundament der Ge­samtwirtschaft stärken. Der Jdeakzustand der gesunden und unverschuldbaren Landwirtschaft ist na­türlich viel leichter in einem Gesetz als in der Wirk­lichkeit herzustellen. Jahrzehnte werden ins Land gehen, bis die Sünden der Vergangenheit einiger­maßen wieder ausgeglichen werden können. Die sür die deutsche Landwirtschaft getroffene Sonder­regelung, so sehr sie auch für den industriellen Unter­nehmer von Bedeutung sein wird, kann nicht auch auf andere Wirtschaftsgebiete übertragen werden. Indessen sollen auch die übrigen Wirtschaftszweige nicht der schützenden Hand des Staates entbehrend . ^

Wir brauchen vor allem den Unternehmer der mittleren und kleineren Betriebe, weil industriell unsere Zukunftsmöglichkeiten fast nur auf dem Gebiet der Qualitätsware liegen, die den qualifizierten Unternehmer und Arbeiter voraussetzt.

Bei aller notwendigen Stärkung des Binnen­marktes muß Deutschland auch seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Auslande pflegen und aus­bauen, insbesondere zu denjenigen Ländern, die bisher gute Abnehmer unserer eigenen Ware gewesen sind oder für uns in politischer Hinsicht eine beson­dere Wichtigkeit besitzen. Die bisherige Methode, von Jahr zu Jahr und von Fall zu Fall zu irgendwelchen Uebereinkommen für die Uebernahme an Agrarpro- dukten zu kommen, ist unrationell. Vielmehr

Deutscher

Berlin, 9. Oktober.

Die gestrige Rede des französischen Minister­präsidenten Da lädier auf dem Parteitag der Radikalen in Vichy bedeutet zwar insofern eine gewisse Aenderung der französischen Tonart, als sie einige freundliche Worte Deutsch­land gegenüber enthält. In ihren Grund­tendenzen aber hält die Rede des französischen Ministerpräsidenten nach wie vor an dem bisheri­gen Standpunkt Frankreichs in der Abrüstungs- fiage fest. Wenn Daladier erklärt, Frankreich sei entschlossen, keine Herabsetzung seiner Streitkräfte ohne ein loyales internatio­nales Abkommen zuzulassen, das eine progressive Abrüsiuna organisiere und durch die Schaffung

Standpunkt

Daladterö

einer ständigen automatischen Kontrolle gesichert sei, und wenn er dann weiter von der ersten Etappe der vierjährigen Periode spricht, während der die Kontrolle organisiert werden und in Tätigkeit treten solle, so ist demgegenüber daraus hinzuweisen, daß

Deutschland mit dieser ersten Periode durchaus einverstanden

ist. Deutschland kann aber nicht zulassen, daß diese vierjährige Periode lediglich zu einer weiteren Entwaffnung Deutschlands benutzt wer­den solle.

Deutschland ist durchaus bereit, sich mit

Frankreich über die Modalitäten dieser ersten Pe-

ersorderu die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem europäischen Südosten eine or­ganische Verzahnung der gegenseitigen Wirtschaften. Sie ist nicht durch einen Tardieu-Plan oder ähnliche Programme zu erzielen, sondern durch eine aktive Beteiligung Deutschlands.

Die Phase der nationalen Revolution ist bewun­dernswürdig rasch in die Phase der Evolution über­geleitet worden. Die Staatsführung stellt sich schützend vor die Betriebe und hat Heißspornen und Unbelehrbaren deutlich gemacht,

daß den Wirtschastsfrieden stören, Verrat am Volke begehen heißt.

Starker Staat und Persönlichkeit sind keine Gegen­sätze, sie bedingen einander, und da wir eine starke zentrale Staatsführung haben, die auch dem Wirtschaftsleben Stabilität und ruhige Entwick­lung verbürgen kann, dars sich auch wieder jene un- besiegliche Initiative und Risikofreudigkeit, jene Freude am eigenen Schaffen hervorwagen, an der das deutsche Unternehmertum von jeher so reich war. Unabänderlich muß als oberste Richtschnur für jeden in der Wirtschaft Tätigen das Wohl der Gesamtheit gelten. Aus dieser Denkweise wächst auch die soziale Einstellung des heutigen Unternehmers ganz von selbst:

Ein dienendes Glied in der großen Gemeinschaft unseres Volkes zu sein. Die Erneuerung der Wirt­schaft im christlichen Geist ist allein der Weg zu einer dauerhaften, auch innerlichen Ueberwindung des Klassenkampfgcistes. Diese Wahrheit wieder ausszu- richten, ist der Sinn der Gegenwart.

zur Neöe

riode zu unterhalten. Mit Entschiedenheit und Nachdruck muß es aber ablehnen, daß Frankreich nicht selbst abrüsten, Deutschland aber durch die Umwandlung des bisherigen Heeressystems der Reichswehr in eine Miliz wieder zu einer neuen Entwaffnung zwingen will. Die Aeußerungen, die Daladier in diesem Zu­sammenhang über die sogenannten militärischen Verbände gemacht hat, die fortfallen sollten, sind durch die Erklärungen des Stabschefs Röhm über den Charakter der Verbände restlos widerlegt worden.

Wenn Daladier jetzt wieder von militärischen Verbänden spricht, so tut er dies, obwohl diese Behauptungen durch den Stabsches Rohm ein- deutia Liiqen gestraft worden sind.

Sinne des Wortes beruhen, ein schiefes Bild der wirklichen Verhältnisse erstehen lassen und hervorzau­bern.

Der Kenner der Auslandsverhältnisse, der schon jahrlang in Uebersee befindliche Deut­sche ist über den Typ jener Weltreisenden im Bilde und kann sich eines mitleidigen Lä­chelns nicht erwehren. Man muß sich darüber im klaren sein, welches die Aufgaben der Deutschen in Uebersee sind. InersterLi- nie sind es natürlich wirtschaft­liche, mit denen verbunden kulturelle Ziele hervortreten. Neben der Schaffung von Ab­satzgebieten sür unsern deutschen Markt hat der einezlne seine Mission in der Stärkung des Deutschtums, in der Förderung deutschen Kulturgutes zu erblicken.

Es ist oft eine allgemeine Erscheinung bei den Ausländsdeutschen, daß sie, losgelöst vom heimatlichen Verband, sich nur allzu schnell an die Gedankengänge der ihnen neuen und unbekannten Umgebung anschließen. Auch hier im Fernen Osten ist bei vielen Volksge­nossen derBlicknachderHeimat ge­trübt. Jahrelang hatte man in Selbstherr­lichkeit gelebt und geträumt, sich um die Ent­wicklung der deutschen Verhältnisse wenig gekümmert, weil man es für unfein hielt, über deutsche Ereignisse, über deutsche Po­litik, über die deutsche Freiheitsbewegung zu reden. Man schauderte bei dem Gedanken an die bösen Nationalsozialisten, die gegen das Regime der Novemberlinge kämpften, die gegen den Terror der Straße mit ihrem Le­ben kämpften, die für ihre Idee eines neuen Deutschlands von dem Straßenmob verwun­det wurden und in vielen Fällen das Höchste und Letzte gab. Man muß eine Idee ver­stehen, sie innerlich begreifen, man muß ihr leben, um sie vertreten zu können und für sie, wenn es sein muß, auch zu sterben. Opfer und Einsatz sind zwei inhaltsschwere Worte, welche nur diejenigen verstehen können, de­nen Deutschlands Kampf um Recht und Da­sein zur Kraftquelle für den unerschütter­lichen Willen zum Durchholten, zum Borne der Läuterung wird.

Es wäre falsch, die Schuld für die eigen­tümlich gelagerten Verhältnisse nur dem Menschen allein zuzuschieben. Kein Vclk der Erde hat soviel Ueberfrem- dungen über sich ergehen lassen müssen wie gerade das deutsche Volk. Es wäre aber falsch, die Nachäfferei fremder Sitten als deutsche Eigenschaft zu bezeichnen, die Anerkennung dieses Fehlers wäre wahrer Selbstbetrug. Die Ursache die­ses Fehlers lieqt in dem Nichtvorhan- denseiv eines arteigenen deut­schen Totald enkens, in der inneren Unsicherheit, die versucht, durch Nachahmung der fremden Formen zur gleichen inneren Haltung zu gelangen.

Viele hier außen glauben, es wäre mit einer nationalen Auffassung gedient und übersehen dabei, daß die Zugehörigkeit zu einer Nation, zu einem Volke verpflichtet. Diese Erkenntnis jagt dem behäbigen Bürger und Spießer Schrecken ein. Man will nati­onal bis auf die Knochen sein, in der Gesell­schaft. im Klub, am Biertisch, man kann nicht laut davon reden . . . aber ... die Frage der Verpflichtung, die Pflicht, eines. Etwas, das über dem Menschen steht un> fordernd hervortritt. Hier versagt der Geist des saturierten Bürgers mit sei­ner liberalistischen und indivi­dualistischen Lebensauffassung, der all die gewaltigen Ereignisse der deutschen Freiheitsbewegung am liebsten nicht wahr haben möchte. Das ist die empfindliche Stelle, daß die Selbstherrlichkeit des Spießers mit einem Schlag aufhören soll, daß das Volk, die Heimat von ihrem Artgenossen fordern und verlangen kann. Und in seiner Hilflosig- sieit fängt der Spießer zu sckiwusin an, schimpft auf seine Hümat. aus Zutsche Lreibeitsbewegung. schimpft unter