Ausgabe 
(9.10.1933) Nr. 272
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Nr. 272 Jahrgang 1933

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Bremen. Ms tag. 9 Sttsber 1933 Emrelpreis 15 Vsg.

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Essen, 8. Oktober. (Eigene Meldung)

Wie die »Nationalzeitung" erfährt, wird das Propagandaministerium die für Montag, 9. Oktober, dem Geburtstage Horst Wefsels, angesetzte Uraufführung des Horst-Wefsel-Filmes verhindern und außerdem dafür Sorge tragen, daß der Film in seiner gegenwärtigen Form nicht in der Oeffentlichkeit erscheint. Das Ministerium ist der Auffassung, daß der Film der »Volksdeutsche Filmgesellschaft" nicht die künstlerischen Qualitäten besitzt, die von einer Darstellung des Lebens des national­sozialistischen Vorkämpfers Horst Wessel und des gewaltigen Ereignisses des deutschen Freiheitskampfes verlangt werden müssen.

Gin unzulänglicher Versuch

Nachdem bereits Mitte der Woche der Film geladenen Vertretern des diplomatischen Korps- und der in- und ausländischen Presse sgeigt worden war bei den Auslands- lättern hatte er aus begreiflichen Gründen Anklang gefunden fand am Freitagabend im Propaganda-Ministerium eine weitere Probevorsührung im Beisein des Ministers Dr. Goebbels und seiner nächsten Mit­arbeiter statt. Der Eindruck, den der Film auf dieses Gremium machte, war sowenig befriedigend, daß sich Dr. Goebbels zum Einschreiten entschloß. Die überraschende Maßnahme dürfte vor allem darauf zurück­zuführen sein, daß zwar die Massenszenen aus dem ehemaligen Bülw-Platz, am Bran­denburger Tor usw. eine gute technische Lei­stung darstellen, daß aber die eigentliche Handlung des Filmes ebenso wie die künst­lerischen Leistungen der Hauptdarsteller absolut dürftig und unangemessen sind. Es steht zurzeit noch nicht fest, ob der ilm noch geändert und verbessert werden ann oder ob er überhaupt in der Versenkung verschwindet.

So bedauerlich das Nichterscheinen des lang angekündigten und von vielen Volksgenossen wohl mit Spannung erwarteten Filmes sein mag, so begrüßenswert ist andererseits die klare Entscheidung des Ministers, der lieber ar keine als eine mittelmäßige Darstellung es Heldenlebens Horst Wessels will. Es bedarf keiner Betonung, daß dieser Entschluß gerade von den alten SA.-Männern ohne Ein­schränkung gutgeheißen wird.

Was nun? Die Antwort auf die Frage ergibt sich aus dem Sachverhalt, der im End­effekt zu dem Verbot geführt hat. Der erste Horst-Wessel-Film ist die Arbeit einer ziem­

lich obskuren Koc gegründeten Filmgesell­schaft, die in den als Konjunktur erkannten Rennen um den nationalsozialistischen Stoff einen guten Platz zu belegen hoffte. Daß da­bei Geldinteressen eine erhebliche Rolle gespielt haben, kann man ruhig unter­stellen, wenn selbstverständlich auch den be­teiligten Nationalsozialisten das Propa­gandaministerium hat sich dankenswerter­weise von vornherein abwartend verhalten der gute Glaube und die gute Absicht nicht abzusprechen ist. Das jetzt vorliegende Er­gebnis hat die Erwartungen enttäuscht. Der Film ist minderwertig, der mit unzureichenden Mitteln und unzureichenden Leuten maß­gebender Manuskriptverfasser war Hans Heinz Evers! unternommene Versuch ist fehlgeschlagen. Das heißt selbstverständlich nicht, daß nun die Arbeit an der filmischen Gestaltung desselben Liedes der national­sozialistischen Revolution, das in der Person des Sturmführers Horst Wessel seine glän­zendste Verkörperung findet, aufgegeben werden darf. Wo der erste Angriff miß­lungen ist, müssen Nationalsozialisten in die Bresche springen. Das Propaganda-Mini­sterium hat eine Filmabteilung, die von her­vorragenden Fachmännern geleitet wird. Was dem privaten Versuch versagt blieb, das filmische Monumentalwerk der deutschen Revolution zu schaffen, das die historischen Er­eignisse der hinter uns liegenden Kämpfe und Siegesjahre für Jahrzehnte und Jahrhunderte festhält, das war eine Aufgabe, würdig des Ministeriums, das die kulturelle Führung des nationalsozialistischen Deutschlands m die Hand zu nehmen sich anschickt.

Der Film des neuen Deutschland muß ge­schaffen werden. Man darf hoffen, daß das Ministerium für Volksaufklärung und Pro­paganda bei diesem gewaltigen Werk nun­mehr die Führung übernimmt.

Belde Mecklenburg werben vereinigt

Schwerin, 8. Oktober.

Der Zusammenschluß der beiden Länder Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg- Strelitz steht unmittelbar bevor. Am Freitag, den 13. Oktober, findet im Rathaus zu Rostock die zweite Vollsitzung des Mecklenburg- Schweriner Landtages und die fünfte Sitzung des Mecklenburg-Strelitzer Landtages statt. Aus der Tagesordnung der beiden Sitzungen steht die erste, zweite und dritte Lesung des Entwurfes eines Gesetzes über die Vereini­gung von Mecklenburg-Strelitz und Mecklen­burg-Schwerin.

In dem Gesetz, das vom Reichsstatthalter unter­schrieben und den beiden Landtagen vorgelegt worden ist, heißt es u. a.:

K 1: Das Land Mecklenburg-Strelitz wird mit dem Lande Mecklenburg-Schwerin vereinigt.

8 2: In dem Gebiet des Landes Mecklenburg- Strelitz treten die mecklenburg-schwerinschen Ee- setzesverordnungen und Verwaltungsvorschriften außer Kraft, soweit nicht von dem mecklenburg- schwerinschen Staatsministerium nach Benehmen mit dem mecklenburg-strelitzschen Staatsministerium etwas anderes bestimmt wird.

8 3: Die im unmittelbaren mecklenburg-strelitz­schen Staatsdienst stehenden Beamten werden als mecklenb.-schwerinsche unmittelbare Staatsbeamte übernommen. Entfprechendes gilt für die im un­mittelbaren mecklenburg-strelitzschen Staatsdienst stehenden Angestellten und Arbeiter.

8 4: Das Mecklenburg - strelitzsche Staatsvsr- mögen geht mit allen auf ihm ruhenden Lasten und Verpflichtungen auf Mecklenburg-Schwerin als Eefamtrechtsnachfolger über.

8 5: Das Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1931 in Kraft.

Im Zusammenhang mit diesem Gesetz erklärte Reichsstatthalter Hildebrandt, Generationen und Regierungen hätten Jahre hindurch das nicht vermocht, was nationalsozialistische Rcgierungs- arbeit nun in so kurzer Zeit zum Abschluß gebracht

hätte. In den nächsten Wochen werden beide Meck­lenburg zu einem Lande zusammengelegt. Dadurch werde eine E r s pa r ni s in der Verwaltung und wohl auch eine direkte,und indirekte Steuersenkung erreicht.

Große Grfowe des Arbeitskampfes in Westfalen

Wiederum 27 000 Unterstützungsempfänger weniger

Dortmund, 8. Oktober.

Der Präsident des Landesarbeitsamtes West­falen in Dortmund teilt mit: Der zähe und ener­gische Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat im September in Westfalen wiederum außerordent­liche Erfolge erzielen können. Die Gesamtzahl der Unterstützungsempfänger ist um rund 27 000 zu­rückgegangen, also nochmal ebenso stark wie in dem jahreszeitlich günstigeren Monat August. Die Höchstzahl der Unterstützungsempfänger, die- in diesem Jahre im Februar etwa 420 000 betrug, ist damit bisher um rund 155 000 zurückgegangen. Von diesem Rückgang entfallen allein fast 100 000 auf die Wohlfahrtserwerbslosen. Diese Zahlen be­weisen, daß es gelungen ist, die Arbeitsbeschaf­fung gerade an den Punkten erfolgreich voranzu­treiben, an denen sie aus sozialpolitischen Grün­den am dringlichsten war, nämlich für den Perso- nenkreis der verheirateten Erwerbslosen. Aus dem Bericht geht weiter hervor, daß die belebende Wirkung der Arbeitsbeschaffung nicht einseitig geblieben ist, in allen Berufsgruppen ist ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen.

Standortmeldung vomGraf Zeppelin" Hamburg, 8. Oktober

..ach den bei der Deutschen Seewarte vorliegen­den Meldungen standGraf Zeppelin" am Sonn­tag um 21 Uhr nördlich der Kanarischen Inseln auf 2914 Grad Nord und 15 Grad West. Bei günstigem Flugwetter betrug die durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit während des ganzen Tages 120 Stundenkilometer.

Nie vergißt das deutsche Volk seine Brüder

jenseits der Grenzen

Rede des ReiKSministers Dr. Goebbels auf der deutsch-amerikanischen

Erinnerungsfeier in Berlin

i Berlin, 8. Oktober.

Am Sonntagvormittag hatte die Carl- Schurz-Gesellschaft Berlin zu einer Erinnerungsfeier an die Einwanderung der ersten Gruppe deutscher Siedler und Franz Daniel Pastorius in den Vereinigten Staaten zu Kroll eingeladen. Reichsminister Doktor Goebbels überbrachte im Namen der Reichsregierung die Grüße Deutschlands an das amerikanische Volk und an seinen ver­ehrten Präsidenten Roosevelt. In seiner Rede führte

Dr. Goebbels

u. a. folgendes aus:

Wir Nationalsozialisten fühlen uns mit jedem einzelnen Volksgenossen, gleich, ob er im Reich selbst oder jenseits oer Grenzen lebt und arbeitet, aufs engste verbunden. Des­halb wird das neue Deutschland auch mit viel größerer innerer Anteilnahme das Schicksal seiner Söhne und Töchter auf außerdeutschem Boden verfolgen. Wir wissen nur zu gut, wie sehnlich der Auswanderer eine stete Verbin­dung mit der Heimat wünscht und von welch großem Nutzen es andererseits für das Hei­matland sein kann, wenn die Deutschen in Uebersee das politische und wirtschaftliche Geschehen ihrer alten Heimat verstehen und zu würdigen wissen. Sie, die alle Eigenarten ihres Volkes kennen und lieben, sind immun gegen tendenziöse Greuelmelüungen interessierter Kreise. In ihnen wird Deutsch­land die treuesten Verfechter finden.

Man sagt dem deutschen Auswanderer nach, daß er sich allzu rasch und allzu stark seinem Gastvolk assimiliere. So sehr dies von dem einen oder anderen behauptet werden kann, so ist es doch ein Beweis mehr, daß der Deutsche alles andere als asozial oder ex- pansionslüstern sei. So wie Deutschland ge­mäß seiner ihm eigenen Art mithelfen will an der Wohlfahrt der Völker, so hat jeder einzelne, der Deutschland verließ, seiner neuen Heimat uneingeschränkt Gesundheit, Kraft und Können zur Verfügung gestellt."

Zum Schluß gedachte Reichsminister Dr. Goebbels besonders oer Deutschen, die sich

um den Aufbau der Vereinigten Staaten große Verdienste erworben haben, unter ihnen Carl Schurz und Steuben.

Namens des neuen Deutschlands dankte der Minister allen Deutsch-Amerikanern für die umfangreiche Hilfstätigkeit, mit der sie während des Krieges und namentlich in den ersten schweren Jahren nach dem Kriege, in der Inflationszeit, die Not rm alten Heimat­lande lindern halfen.

Als Symbol für den Willen der jungen Generation beider Völker, die Vorurteile einer überwundenen Vergangenheit zu be­seitigen und den Gedanken der Freundschaft der Völker zu pflegen, bezeichnete er die Tat­sache, daß die Hitler-Jugend und die amerika­nische Jugend bei dieser Feier gemeinsam auf­marschiert seien.

Mögen Amerika und Deutschland, die beide im heroischen Friedenskämpfe gegen die furchtbare Krise der Zeit ankämpfen» in Sympathie und Achtung vor einander die Not unserer Jahre überwinden. Sie werden sich damit den Dank und die Liebe ihrer Völker erringen und die Welt wird davon großen Segen erfahren."

Nationalsozialistische Grenzland kundgebungen

Passau, 8. Oktober.

In der bayerischen Grenzstadt Passau fand am Sonnabend und Sonntag eine große Grenzland- kundgebung der Nationalsozialistischen Kriegs­opferversorgung mit Soldatentag und Fahnen­weihe statt, zu der rund 35 000 Teilnehmer in 22 Sonderzügen gekommen waren. Beim Schlage- terkreuz in der nächsten Nähe der österreichischen Grenze fand die Weihe von etwa 200 neuen Fah­nen statt. Der Reichsführer der Nationalsozialisti­schen Kriegsopferversorgung, Oberlind ober, wies darauf hin, daß den Kriegsopfern erst unter Adolf Hitler die ihnen gebührende Ehre zuteil ge­worden sei. Am Nachmittag kam es zu einem Riesenaufmarsch anläßlich der eigentlichen Grenzlandkundgeüung auf dem Sportplatz Maier-

hof. In der Reihe der Redner sprach auch Partei- genosse Balt es (Saarbrücken), der die Grüße aus dem Saargebiet überbrachte, während Par­teigenosse Liebel die innige Verbundenheit der Psälzer mit der bayerischen Ostmark hervorhob. Stürmisch begrüßt, übermittelte Gauleiter Hafer (Innsbruck) die Grüße der Kameraden aus Tirol und Vorarlberg, schilderte die Verfolguugen in Oesterreich und betonte, daß dennoch die Millio­nen der Idee die Treue hielten und auf den Tag der Freiheit hofften.

"Reichsführer Oberlindober teilte mit, daß das neue Kriegsopferoersorgungsgesetz unter dem Ge­sichtspunkt entstehen werde, daß die Weltkriegs­kämpfer ihre Pflicht als Soldaten erfüllt und die Heimat geschützt hätten. Den Brlldern in Oester­reich widmete er herzliche Worte.

Lörrach, 8. Oktober.

In Lörrach fand am Sonntag in Gegenwart des Reichsstatthalters Wagner eine Erenzlandkund- gebung statt, an der 15 000 Personen teilnahmen. Sie sollte dem Auslande gegenüber dartun, daß auch im Grenzgebiet das badische Volk die neue Regierung stützt und sich in Wort und Tat gegen die Hetz- und Greuelpropaganda des Auslandes verwahrt. Reichsstatthalter Wagner erklärte, das Ausland verfolge den Kampf in Deutschland mit argwöhnischen Blicken. Wollten wir auf die Stimme des Auslandes hören, so müßten wir uns selber aufgeben. Die Welt solle es hören: Deutsch­land wolle den Frieden, aber es wolle auch die Wiedererstarkung des Volkes zum Leben. Der kommende Kampf werde nicht mit Ee' cken und Gewehren ausgetragen werden, sonde-.. mit dem Geist.

Eine besondere Note erhielt der Festzug und die Kundgebung durch die Beteiligung der Lörracher Ortsgruppe des Bundes Nationalsozialistischer Eidgenossen, deren Sprecher Morgenthaler für das Eastrecht dankte, das die Auslandsschwei­zer in Deutschland genössen, ein Eastrecht, wie es nur ein germanischer Staat zu bieten vermöge. Die Auslandsschweizer seien gekommen, um dem schweizerischen Vaterland zu beweisen, daß alle Hetz- und Greuelpropaganda gegen die deutsche Regierung und das deutsche Volk unwahr und böswillige Verleumdung seien.

Frankreichs Angst vor der deutschen Äugend

Daladier über ble Abrüstung und das Verhältnis Deutschlands zu Frankreich

Paris, 8. Oktober.

Auf dem Schlußessen der radikalsozialistischen Tagung in Vichy am Sonntag hielt Ministerprä­sident Daladier eine Rede, die als Auftakt für den Wiederzusammentritt der Kammern und der Verhandlungen in Genf zu bewerten ist.

Hinsichtlich der Innenpolitik betonte Da- ladier die Notwendigkeit, die Finanzen zu ordnen, ohne die Währung anzutasten. Bezüglich der Ab­rüstung faßte' Daladier nochmals die bekannten französischen Forderungen zusammen. Wir denken nicht daran, so führte er aus, irgendein Volk zu bedrohen oder zu demütigen, welche Herrschaft es sich auch gibt. Wir sind entschlossen, keine weitere Herabsetzung unserer Streitkräfte außerhalb eines aufrichtigen Abriistungsabko'mmens zuzulassen, das die etappenweise Abrüstung organisiert und durch eine ständige Kontrolle sichert, eines Abkom­mens, dessen Durchführung tatsächlich garantiert sein mutz.

Das ist unsere Stellungnahme, von der wir nicht abgehen. Vier Jahre, während deren die Kontrolle organisiert werden wird, während deren die ver­schiedenen Heeresarten sich in Armeen von kurzer Dienstzeit umwandeln, während deren die Staa­ten, denen es gegenwärtig freisteht, aufzurüsten, sich dem Verbot der Herstellung neuen schweren Kriegsmaterials unterwerfen werden, ferner die Vernichtung des dann allen Staaten verbotenen Materials, das sind die wesentlichsten Forderun­gen des Abillstungsplanes, dem England, die Ver­einigten Staaten, Italien, Rußland und noch viele andere Staaten zustimmen. Die Verhandlungen über die Garantien des Abkommens sind im Gange. Mit Freuden werden wir bald dieses Werk der Zusammenarbeit Zustandekommen sehen. Wir wollen Frieden und Sicherheit für alle Völker.

Daladier warf dann die Frage auf, wie denn Regierungen sich einer etappenweisen Abrüstung und einer Kontrolle widersetzen könnten, wenn sie guten Willens seien. Europa sei dem Untergang geweiht, wenn es sich auf ein Wettrüsten einlasse. Es würde völlig zusammenbrechen, wenn es auss neue znm Kriege griffe.

Dann stellte der Ministerpräsident die Frage,

was Deutschland eigentlich wolle.

Deutschland und Frankreich, so sagte er, haben jahrhundertelang ihre Länder mit dem Blut ihrer Söhne getränkt. Bisher sind alle Versuche, zu einer dauerhaften Verständigung zwischen beiden Völkern zu gelangen, gescheitert. Niemand spreche Deutschland das Recht auf seine Existenz als 65- Millionenvolk ab. Niemand denke daran, Deutsch­land zu erniedrigen.

Die deutsche Regierung betone öffentlich ihren Friedenswillen und bekräftige ihren Wunsch, an der Annäherung beider Völker mitzuarbeiten. Warum dann aber diese zum Kampf geschulte Ju­gend jenseits des Rheins? Warum diese wieder­holten Massenkundgebungen? Warum die Ableh­nung der ersten Etappe der Abrüstung? Warum wird heute das Recht gefordert, kostspieliges Kriegsmaterial zu bauen, das bald nach seiner Indienststellung vernichtet werden müßte, wenn das Abrllstungsabkommen unterzeichnet wäre?

Niemand wird Frankreich vorwerfen, daß es ebenso entschlossen ist, seine Verteidigung zu or­ganisieren. Aber die nationale Verteidigung ist untrennbar von dem Ausgleich des Haushalts­planes; damit kam Daladier auf die finanzielle Lage Frankreichs zu sprechen und forderte Aus­gleich des Fehlbetrages im Haushaltsplan, Unan- tastbarkeit der französischen Währung und Siche­rung des Kredits. In wenigen Tagen würden die Kammern zusammentreten. In der folgenden Woche werde die Gesundung der französischen Fi­nanzen gesichert sein oder Frankreich werde eine andere Regierung haben.

Englands Kriegsminister gegen unsinniges Wettrüsten

London, 8. Oktober.

Der englische Kriegsminister Lord Hailsham be­tone auf einer Versammlung in Birmingham er­

neut, daß England bis zur Grenze der Sicherheit abgerüstet habe. Es sei von lebenswichtigem In­teresse für England, wenn die englische Regierung die Welt überreden könne, ihre Rüstungen auf einen vernünftigen Stand herabzusetzen. Das un­sinnige Rennen, das zum Kriege von 1914 geführt habe, solle in den Tagen unserer Kinder nicht wie­derholt werden. In Genf sei die englische Abord­nung im vergangenen April mit dem Abrüstungs­abkommen führend vorangegangenes die Konfe­renz in einem Augenblick zu neue"üeben erweckt habe, wo sie beinahe wie ein Fehlschlag ausge­sehen habe. Er könne nicht sagen, ob dieses Ab­kommen, das einstimmig als eine Verhandlungs­grundlage angenommen worden sei oder irgend etwas ähnliches in der Praxis durchgeführt werden könne. Wenn jedoch die Abrüstungskonferenz un­glücklicherweise fehlschlagen würde, so werde Eng­land oder die englische Regierung nicht die ge­ringste Verantwortung treffen.

Ich verspreche aber, daß es im Falle eines Fehlschlagen? der Konferenz nicht die Schuld der englischen Regierung sein wird, wenn die Verant­wortung nicht dort hingeschoben wird, wo sie rest­los hingehört."

Falsche Gerüchte über Deutschlands Forderungen

Berlin, 8. Oktober.

Zu den in den Vereinigten Staaten über die deutschen Abrüstungsforderungen verbreiteten Ge­rüchten wird amtlich erklärt:

Es ist völlig falsch, daß Deutschland nach Ab­lauf von fünf Jahren die Parität mit Frankreich verlangt. Deutschland verlangt nach Ablauf von fünf Jahren nur eine weitere Abrüstung der an­deren. Was die Mustcrwajsen anlangt, so muß jede Diskriminierung schon jetzt aufhören. Aber Deutschland fordert nicht dieselbe Zahl von Mas­sen, die die anderen Länder besitzen.