Ausgabe 
(7.10.1933) Nr. 270
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 27V Jahrgang 1933

Verlag, Echrlftleitung und Geschäftsstelle: Teeren 6—8. Sprechstunden der Schrtstleiiung: Montag bis Freitag 12 bis 13 llhr Fernsprecher: Rolanv Nr 62!> 628 Bankkonten: Die Sparkasse in Bremen, C^mmerz- u Privatbank. Deutsche Antioqniabnnk. Postscheckkonto: Hamburg 747 38.— Die BNZ erlcheini täglich morgens, nur am Montag mittags, und kostet monatl. RM 2.30 einschließl. Botenlohn, durch die Post bezogen erhöht sich )er Preis um42Rps.Zustellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten.

Bremen. Sonnabend. 7. Sttober 1933 Einzelpreis 15 Via

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile RM. 013, auswärts RM. 0.17; im Texltei! RM. 0.7S, auswärts RM. 1.-; Stellengesuche RM 0.06; Familienanzeigen, Stellenangebote und Wohnungsmarkt RM. 003; sonstige kleine private Anzeigen bis zu A> wm bei Vorauszahlung söhne Rabatt) RM. 0.08 Platzvorschristen ohne Verbindlichkeit. Anzeigen­schluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot u- s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf die Rückzahlung des Bezugspreises.

ömneMalionMriaWI'elie Zeitung

_Das AmtUokir Organ des Genais der Freien Hanferiadi Vrernerr

LelcbsmlniLter Darre über den ständischen ^utban des Lanerntnn^s

Der Bauer ist das Volk, ist Kulturträger

und der Rasseerhalter

Berlin, 6. Oktober.

Reichsernährungsminister Darr 4 hatte gestern die Presse geladen. An der Veranstaltung nahmen auch zahlreiche Ehrengäste aus der Landwirtschaft und dem Ministerium teil, der Reichsjustizmini­ster Gürtn er, Staatsrat Willikens, sowie zahlreiche Beamte, Angestellte und Arbeiter.

In seiner Begrüßungsansprache wies

Reichsminister Darre

darauf hin, daß seit dem ersten Presseempfang vor kurz einem Vierteljahr bereits viel geschaffen worden sei. Deshalb sei heute vielleicht der Zeit­punkt geeignet, eine Art Rechenschaftsbericht ab­zulegen. Der Minister führte dann u. a. aus:

„Wir müssen uns darüber klar sein, daß Deutschland rettungslos zum allmählichen Sterben verurteilt ist, wenn es nicht ge­lingt, in einem blühenden Bauerntum den Kraftborn des Volkes zu erhalten.

Man täusche sich nicht durch die jährlich noch steigende Bevölkerungsziffer über die Entwick- lüngsaussichten unseres biologischen Wachstums. Da Deutschland vor der Tatsache steht, mit einem baldigen Stillstand seines Bevölkerungswächs- tums rechnen zu müssen, hat die Bevölkerung Po­lens um 20 v. H. zugenommen. Was aus unserer ostdeutschen Heimat wird, wenn Polen künftig 70 Millionen, wir hingegen nur noch 50 Mil­lionen zählen werden, mag sich jeder selbst aus­märn.

Deutschland muß wieder ein kinderfrohes Land lebendigen Wachstums sein.

Wenn man hier und da noch davon reden hört, daß ein, Volk, das auf engsten Raum zusammen­gedrängt sei, nicht wisse, wie es seine Söhne beschäftigen soll, so bedeutet diese Ansicht, die da glaubt, unser Volk auf dem vorhandenen Raum klein halten zu müssen, eine Todsünde an der Zu­kunft der Nation. Man kann diese Ansicht getrost als den feigsten Pazifismus bezeichnen. Der Kampf um die Geburten entscheidet darüber, ob ein Volk überhaupt leben bleibt oder ob es von der Bühne der Welt abzutreten hat.

Um unser Bauerntum wieder für die ge­waltige Aufgabe, Lebensborn der Nation zu sein, zu befähigen, mußten wir es rück­sichtslos oom Liberalismus be- freien.

Unter dem Einfluß der liberaliftischen Politik und der zerstörenden Wirkung einer kapitalisti­schen Ordnung war unser Bauerntum aus seiner blutmäßigen Verbindung mit der heiligen Scholle gelöst und den ungesunden Mächten eines ge­wissenlosen Spekulantentums ausgeliefert worden.

Wir Nationalsozialisten stellen diesem liberali- stischem Geist unsere Weltanschauung von Blut und Boden entgegen.

Nur unter diesem Gesichtswinkel ist die Reih« unserer bisherigen agrarpolitischen Maßnahmen zu verstehen. Wir werden mit dem gesamten Selbstverwaltungskörper, also dem bisherigen Reichslanübund. dem bisherigen Deutschen Land- wirtschaftsrat, der Stütze der landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Vertretung des Land­handels und verwandter Zweige in die Stille ur- deutschen Bauerntums hineinziehen, um hier ab­seits der mordenden Großstadtluft in echter Ver­wurzelung mit dem Boden unsere gewalti­gen Aufgaben lösen zu können.

In dem vor wenigen Tagen veröffentlichten Erbhofgesetz wird, wie in keiner anderen Maß­nahme, so recht die völlige Ausmerzung liberali- stisch-kapitalistischen Denkens deutlich. Der Bauer soll durch eine unlösbare Verwurzelung mit seiner ererbten Scholle wieder befähigt werden, Träger des rassischen Wiederaufbaues der Nation zu wer­den.

Man hat mir entgegengehalten, daß die durch das Erbhofrecht bedingte Einengung des gesamten Eigentumsbegriffes in heutiger Zeit nicht mehr verstanden werden wird. Wer aber das denkt, ver­gißt, daß die Freiheit eines ganzen Standes nicht möglich ist, ohne Beschränkung des einzelnen. Deutschland wurde frei durch die allgemeine Wehrpflicht, die Scharnhorst in Preu­ßen einführte. Aber diese gleiche Wehrpflicht war gleichzeitig eine Beengung des einzelnen Indivi­duums. welche vor 100 Jahren zu ertragen fast un­möglich schien. Genau so steht es mit dem bäuer­lichen Eigentumsbegriff:

Der Liberialismus schuf jenen ichsüchtigen, gegen Volk und Staat verantwortungs­losen Eigentumsbcgriff, und das Ergeb­nis war für den Bauern die furchtbarste Lohnsklaverei im Dienste eines anonymen Leihkapitals, die sich nur irgendwie denken läßt.

Im Gegensatz dazu bindet der Nationalsozialismus das bäuerliche Eigentum, um dafür aber auch den Bauern auf seiner Scholle zum unbedingten freien Herrn zu machen, zu einem kleinen König in seinem Bereich!

Der Liberajismus hatte den Sinn des alten Bauertums verfälscht und den Bauern zum Unter­nehmer zu machen versucht. Das Ergebnis war die Auslieferung des Bauern­tümer an die Gesetze des Marktes.

Wer daher den Markt beherrschte, regierte gleichzeitig über das Wohl und Wehe der vom Markt abhängigen Bauern. Wie alles, was die Zeit vor uns tat, wollt« man auch hier mit hal­ben Maßnahmen retten, was nur durch.eine grundsätzliche Umkehr auf dem bisher beschritte- nen Wege zu retten war. Man redete von Zoll­schutz und Binnenmarkt und glaubte über den Zollschutz und Binnenmarkt durch Erhöhung der Preise das Problem des Bauern grundsätzlich lösen zu können. Daß dieses Bestreben kindlich war. konnt« sich jeder an seinen zehn Fingern abzählen, der gewohnt ist, Probleme des wirtschaftlichen Ge­schehens auf Ursache und Wirkung zu durchdenken.

Wir haben vor dem Weltkriege eiue Reihe hervorragender Agrarpolitik« gehabt, die diese Dinge ganz klar durchschauten. In diesem Zusammenhang verweise ich nur

Leipzig, 6. Oktober.

Der S. Mgemeine Deutsche Sparkassen« und Kom- munakbankentag wurde heute mit einteilenden Wor­ten des Vorsitzenden Präsident Dr. Kleiner eröff­net, der sodann ein Referat über „Die Aufgaben der Sparkassen" hielt.

Nach dem Vortrag von Dr. Kleiner sprach Ober­bürgermeister Fiehler-München über die Bedeu­tung der Sparkaffenorganisalion für die Gemeinden. Anschließend nahm Staatssekretär Feder das Wort zu einem Vortrag über „Die funktionelle Be­deutung des Geld- und Kreditwesens in der deutschen Volkswirtschaft."

Staatssekretär Feder übermittelte der Ta-' gung die besten Grüße des Reichswirtschaftsministers und ging sodann auf die Frage der Neuordnung desgesamtendeutschenGeld-undKre- ditwesensein. Er betonte einleitend, die poli­tischen Ereignisse hätten gezeigt, daß sich die national- sozialistischen Grundsätze politischer Art trotz erheb­licher Widerstände durchgesetzt haben. Mit den wirl- schafts- und finanzpolitischen Grundsätzen des Natio­nalsozialismus werde es ebenso gehen. In dem Buche des Führers „Mein Kamps" befinde sich der lapidare Satz über den Kampf gegen das inter­nationale Leihkapital. Dieser Satz gelte heute mehr denn je, und die Sparkassen brauchten keine Sorge zu haben, wenn das Tempo dieses Kampfes nicht im­mer ihren Wünschen entspreche.

Die Brechung der Zinsknechtschaft bedeute nicht nur die Brechung der Herrschaft des internatio­nalen Finanzkapitals sondern des Leihkapitals überhaupt.

Die Sätze für das Leihkapital müßten auf ein Maß gebracht werden, welches unter den Sätzen bleibe, die das Produktionskapital bringe. Vor dem Kriege habe das Produktionscapital 7 bis 8 Pzt. erbracht, das Leihkapital dagegen nur die Hälfte, das sei das richtige Verhältnis. Wenn es den früheren Regie­rungen nicht gelungen sei, die Arbeitslosigkeit erfolg­reich zu bekämpfen, so habe dies daran gelegen, daß der Grundsatz der Brechung der Zinsknechtschaft nicht in Anwendung gekommen sei.

Staatssekretär Feder gab sodann einen historischen Ueberblick über die Ent­wicklung des Leihkapitals, mit dem sich das I u d e n t u m die Vorherrschaft in der Geldwirt­schaft gesichert habe. Die Geldleihe sei die typische Erscheinung des kapitalistischen Systems, und der Ge­danke, ein Volk, den Staat und die Wirtschaft vom Gelde her zu beherrschen, entspreche ganz der jüdi- schen Mentalität. Heute sei davon auszu­gehen, daß Geld Staatsgeld sei und die Geld­schöpfung einen Willensakt des Staates d a r st e l l e.

Das Problem der Bankenocrstaatlichung sei durchaus kein neues, denn die ersten Banken seien össentliche Anstalten gewesen, und die Pri­vatbanken seien erst viel später entstanden. Da­gegen habe sich der Dualismus zwischen öffent­lichen und privaten Banken im Zuge des Vor­dringens der liberaliftischen Wirrschaftsgesinnung entwickelt.

Dreiviertel aller volkswirtschaftlichen Umsätze, so fuhr Staatssekretär Feder fort, würden heute Bar­geldlos oder mit kurzsristigrm Gelde getätigt. Hier- aus ergeb- sich die Notwendigkeit, daß die Giralgelderindasstaatliche Kontroll­system mit einbezogen werden. Die Spar­kassen bezeichnete Feder als die ältesten und stolzesten Träger, ja Eckpfeiler der deutschen Krebitorganisa-

auf einen Namen, auf Ruhland, der in seinem „System der politischen Oekonomie" bereits im Jahre ISIS diese Zusammen­hänge aufgedeckt hat.

Das Entschulvungsgesetz über die ErÜhöfe ist fertig, nur wurde es zurückgestellt, weil wir noch einige Möglichkeiten sozusagen generalstabs- mäßig durchexerzieren wollen, ehe wir das Gesetz zur Tat werden lassen. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß jetzt 14 Tage oder drei Wochen, in denen wir alle Einzelheiten dieses Entschuldungsgesetzes prüfen, für die Zukunft des Bauerntumes und der Wirtschaft nutzbringender angewandt sind, als wenn wir um eines billigen Effektes willen das Gesetz überstürzt heraus­bringen.

Ueber den Grundgedanken des Entschuldungs­gesetzes heute nur soviel, daß wir uns an das Beispiel der alten preußischen Rentenbank anleh­nen und zwischen Erbhof und Gläubiger eine Bank schalten, gegen die der Erbhofbauer ablen­ket, während die Bank ihrerseits den Gläubiger befriedigt. Wir glauben aus diese Weise, ohne den Bauern in Schwierigkeiten zu bringen, dir

tion. Sie hätten sich stets vorwärts entwickelt. Die Tatsache des Spare inlagenbestandes von über 11 Milliarden RM. sei ein Beweis für die unerschütterliche Le- benskraftdesdeutschenVolkes.

Die Zeit des Liberalismus sei zu Ende. Die Wirt­schaft lasse sich in die drei Bezirke der Pro­duktion, der Zirkulation und der Kon­sumtion einteilen. In der Sphäre der Produktion lehne der Nationalsozialismus alle Sozialisierungs- versuche ab, indem er das Führerprinzip auf den Schild erhebe. Führer könne nur der sein, der nich! in irgendwelcher Hinsicht profitmäßig gebunden sei. Es komme auf die freie und schöpferische Persönlich­keit an. Ganz andere Gesichtspunkte hätten aber für die Sphäre der Zirkulation maßgebend zu sein. In­nerhalb dieser Sphäre nehme der Handel eine be­sondere Stellung ein.

Niemand wolle den „königlichen Kaufmann" in seiner Tätigkeit behindern, aber das typisch jüdische Prinzip der möglichst hohen Preisspanne zwischen Produktion und Konsumtion müsse fallen.

In dieser Hinsicht seien auf dem agrar-wirtschaft- lichen Gebiete die ersten Maßnahmen bereits erfolg­reich in Angriff genommen worden. Die Verstaat­lichung des zur Sphäre der Zirkulation gehörenden Verkehrswesens im Sinne der Reichs­bahngesellschaft seien Musterbeispiel dafür, daß der Staat bestimmte Aufgaben in dieser Sphäre übernehmen und im Sinne der Volkswirtschaft und des Gemeinwohls durchführen könne, wie es auch bei dem großen Werk der Reichsautobahnen offenkundig werde.

Aehnlich seien die Verhältnisse aus dem Gebiete des Geld- und Kreditwesens. Auch hier habe das össent­liche Wohl, der Gemeinnutz, und nicht der private Nutzen den Ausschlag zu geben. Der liberalistischc Geist habe diese sehr wichtige Führcrausgabe des Staates in der Wirtschaft verleugnet, indem er dem Grundsatz laissee ksirs-Ialsser passer gehuldigt habe. Dadurch sei der Saat in die Rolle des Nachtwächters gegenüber der Wirtschaft gesunken.

Heute dagegen stelle der Staat aus dem Prinzip des F ü h r e r g e d a n k e n s heraus diesem Geiste den Anspruch entgegen, auch inder Wirtschaft zu führen. Dabei habe jedoch der Grundsatz zu gel­ten, daß der Staat, wenn er Führer sein wollte, sich j nicht an Wirtschaftsbetrieben beteili­ge n d ü r f te, um nicht zum Konkurrenten der frei­en Wirtschaft in der Produktionssphäre zu werden.

Staatssekretär Feder betonte, daß, je höher man die Bedeutung des Geldwesens einschätze, dieses um- somehr in die staatliche Sphäre hineinwachsen müsse. In der Giralgeldschöpfung liege der Ansatzpunkt für die grundsätzliche Neuordnung des Geld- und Kredit­wesens. Mit der staatlichen Kontrolle des Giralgeld- umlaufs müsse die Vereinheitlichung des gesamten Giralgeldnetzes verbunden werden, damit das Geldwesen rasch, billig und zuver­lässig wie die Eisenbahn arbeiten könne.

Die Frage laute heute dahingehend, wie man die Brücke von dem heutigen zu dem besseren Morgigen schlagen könne, nachdem das bisherige Geld- u. Kreditsystem katastrophal versagt habe.

Einen Kampf der einzelnen Kreditorganiiolionen untereinander halte er nicht für richtig, da es daraus ankomme, eine grundlegende Resorm des droffcheu Geld- uns Kreditwesens durchzuführen in dem Sinne,

//

ganzen eingefrorenen Forderungen der Gläubiger organisch wieder auftauen zu können. Ich schließe mit dem Wort des niedersächsischen Heimatdichters Hermann Löns, der als einer der wenigen schal- lenverwurzelten Dichter seinem Volt« schon vor Jahren mahnend zugerufen hat:

„Der Bauer ist das Volk, ist der Kulturträger, ist der Rasise- e r h a I t r r."

Nach der mit lebhaftem Beifall aufge­nommenen Rede stellte Minister Darr« seinen Mit­arbeiter am Reichserbhofgesetz Dr. Saure vor, der die Eedankengänge des neuen Reichserbhof- gesetzes darlegte.

Sodann sprach Dr. Reich!«, der Führer des Stabsamtes beim Reichsbauernführer, über den ständischen Aufbau des Nährstandes.

Den Schluß bildeten häufig von lauten Bei­fallskundgebungen unterbrochene Ausführungen des Reichsobmannes der bäuerlichen Verwaltung, Staatsrat Weinberg, über die Bedeutung des Reichserbhosgesetzes, vom bäuerlichen Standpunkt gesehen.

daß das Gerd und das Kapital der Wirtschaft and die Wirtschaft dem Volke zu dienen haben. Die große Aufgabe der Arbeitsbeschaffung könne erfolgreich nur dann durchgeführt werden, wenn diese Frage der Reform des Geld- und Kreditwesens gelöst werde.

Feder behandelte sodann noch die verschiedenen Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung. Straßenbau, Siedlung, Verbreiterung der deutschen Rohstoffbasis, den Ausbau der deutschen Kraftverkehrswirtschaft entsprechend, seien solche Möglichkeiten. Das deutsche Mineralölgesetz werde demnächst vorgelegt werden. Voraussetzung aller dieser Mög­lichkeiten sei aber die klare und sichere Finanzierung dieser Ausgaben, und er könne versichern, daß diese Finanzierung vorgenommen werden würde.

Das Entscheidende sei die Wandlung der Mrt- schastsgesinnung, die aus Tiefen schnöder Profitgier und schnödem Organismus aus die Höhen ethischer Grundsätze gehoben werden müsse. Der Gedanke des Guten werde sich durchsetzen, der Gedanke der orga­nischen Wirtschaft. Das höchste Glück des Mannes sei der Staat

Oberbürgermeister Fieler, München, behandelte die Bedeutung der Sparkassenorganisation für die Gemeinden. Er betonte, daß das Dienen am Volk und nicht das Verdienen im Vordergrund stehen. Es komme darauf an, den Geldumlauf zu be­schleunigen bezw. den bargeldlosen Verkehr zu heben. SehrscharfgriffFielerdieGroß- bankenam Man habe die Banken mit einer Gold­milliarde saniert und die'Gemeinden auf die Selbst­hilfe verwiesen. Der Enqueteausschuß Habs sich mit der Frage zu^besassen, wie eine Stützung der Groß­banken mit öffentlichen Mitteln in Zukunft vermie­den werden könne.

Nach Staatssekretär Feder sprach als letzter Red­ner Staatsminister des Innern Adas Wagner, München, über „Die Sparkassen im nationalsoziali­stischen Staat". Er erklärte, die Sparkassen würden im nationalsozialistischen Staat die Stellung einneh­men, die sie sich selbst eroberten. Adolf Hitler werde in der Entscheidung der Frage, die hier zur Debatte stehe, das Richtige finden. Der Minister schloß mit einem Appell an die Sparkassen, die einen großen Teil des deutschen Volksvermögens, des deutschen Vertrauens und des deutschen Glaubens zu ver­walten hätten, sich als ein Kampsglied in eine For­mation einzureihen, die noch im vollen Kampfe gegen eine Welt von Feinden stehe.

Nach einer abschließenden Würdigung schloß Prä­sident Dr. Kleiner den 6. Allgemeinen Deutschen Sparkassen- und Kommunalbankentag mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Reichspräsidenten und den Führer, an die Ergebenheitstelegramme abge­sandt wurden.

Deutsch-amerikanischer KongreH in M iadewvia

Newyork, 6. Oktober.

In Philadelphia beginnt heute der deutsch­amerikanische Kongreß, der mit einer Vierteljahr­tausendfeier des Beginns der deutschen Einwan­derung in Amerika verbunden werden soll. Aus diesem Anlaß veröffentlicht die Newyorker Staatszeitung eine Anzahl von Glückwün­schen und Geleitworten deutscher Führer, darunter des Vizekanzlers von Papen, des Reichsaußenministers, des Rcichs- wirtschaftsministers, des Reichs­arbeitsmini st ers und des Reichs - bankpräsidenten.

DerDeutscbe Enteil am lieben der Vereinigten Ltaaten

Eine Ansprach« Sr. Exzellenz der amerikanische« Botschafter« William E. Dodd über den deutsche« Kurzwellensender am S. Oktober 1S33 anläßlich de» SSO. Wiederkehr des Tage» der Gründung de» erste« den1sche« Niederlassung in Nordamerika.

Berlin, s. Oktober

William Penn hatte soeben erst sein küh­nes Experiment der praktischen Verwirkli­chung des Idealismus des 17. Jahrhunderts begonnen, als Franz TanielPastorius Scharen deutscher Einwanderer an einer landschaftlich herrlichen Stelle in unmittel­barer Nachbarschaft Philadelphias ansiedelte, die den Namen German-Towen erhielt. Dort setzten sie im Laufe des nächsten halben Jahr­hunderts die Weltanschauung Martin Lu­thers in die Tat um: völlige Gewis­sensfreiheit und eine musterhaf­te Schule für ihre Kinder und freie Anteilnahme an allen Re­gierungsgeschäften.

Im Jahre 1743 brachten diese deutschen Einwanderer die erste amerikanische Ausgabe der Lutherbibel heraus. Graf Nikolaus H i n- § endors führt dann 1741 weitere Gruppen sächsischer Tissentisten in die Wildnis Penn- sylvaniens und auch diese offenbarten hier die Grundeigenschaften des deutschen Charak­ters: Religionsfreiheit, ein außerordentlich hochstehendes Bildungsideal, das u. a. zur Gründung des ersten Mädchenkollegs führte und eine große Liebe zur Musik, die in Form großer Haydn- und Bachkonzerte ausgeübt wurde. Bis an die entlegenen Grenzen Vir­ginias und der Carolinas wurde die lutheri­sche Religions- und Erziehungsausfassung angewandt und hochgebildete Prediger und Lehrer wurden aus Halle in die neue Heimat verschrieben. Um das Jahr 1776 hatten.etwa 200 000 deutsche Einwanderer der geschilder­ten Art das ganze Gebiet von Nord-Penn­sylvania bis Ost-Eeorgia mit blühenden Sied­lungen überzogen. AIs 1776 der Kampf gegen den englischen Wirtschaftsnationalisinus aus- brach, traten die Deutschen mit wenigen Aus­nahmen mit gleichem Enthusiasmus für die Ideale Franklins und Ieffersons ein wie ihre englischen und schottischen Nachbarn. Es war Peter Mühlenberg, ein lutherischer Pre­diger aus Shenandoah-Tal, der eine der er­sten freiwilligen Kompagnien aufstellte, die aus Virginia zu den Fahnen Washingtons eilten. Mühlenberg wurde 1777 Brigade-Ge­neral und hat gemeinsam mit Lafayette und von Sie üben den Freiheitskampf bis zum Ende durchgefochten. Unter der Prä­sidentschaft George Washingtons wurde Peter Mühlenberg der Sprecher des Reprä­sentantenhauses und es war seinem Einfluß zu danken, daß die Deutschen in Pennsylva- nien und Virginia sich in Reihen der großen Iefferson-Partei anschlössen.

Die erste Generation der deut­schen Einwanderer wurde somit ein aktives, selbstloses Element des revolutionären Amerikaner- tums, dessen Unabhängigkeits­kampf nur der Beginn eines noch größeren Umschwungs in Europa war. Als die französische Juli- und Februar- Revolution von drastischer Reaktion gefolgt wurde, wanderten 100 000 Deutsche nach dem aufblühenden Mittelwesten aus und trugen dort weit über die zahlenmäßige Stärke hin­aus zu der Entwicklung der Staaten Obio, Missouri, Michigan, Illinois und Wisconsin bei. Wieder waren es diese deutschen Einwan­derer. die sich für Religionsfreiheit, Kunst und Sozialphilosophie ihrer Vorfahren aus dem Jahre 1776 einsetzten. Als der große Bürger­krieg hereinbrach, folgten Deutsche des Mit­telwestens ihrem Führer Carl Schurz und führten durch ihre Stimme in jenem Bezirk die Entscheidung zugunsten Abraham Lincolns herbei. Obwohl diese Deutschen des Jahres 1860 an sich Gegner eines Krieges zur Lö­sung der Sklavenfrage waren, haben sie den­noch viele hohe Offiziere und noch mehr Re­gimenter für die Sache der Union ins Feld gestellt. Es ist bemerkenswert, daß' dieses deutsche Element in Amerika das am wenig­sten militaristische von den verschiedenen Gruppen war und darin nur von den Quäkern übertroffen wurden. Die nationalen und dynastischen Fehden Europas berührten sie nicht, hatten sie sich doch in den Geist ihrer neuen Heimat hinein­gelebt und waren sogar im Begriff, die Sprache ihrer Kindheit zu vergessen- Sie bil­deten keinen nationalen Block, der für beson­dere Präsidien kämpfte oder sich um die Pfründe der Kommunalpolitik bewarb. Man braucht nur die Geschichte Newyorks, Cincin- natis und Chikagos zu lesen, um zu ermessen, von welcher Bedeutung diese waren. Kurz vor 1914 machte sich eine Art eines Bruchs dieser Tradition bemerkbar. Einige Deutsche, die zu wirtschaftlichem Einfluß gelangt waren, setz­ten sich zeitweilig für die Zusammenfassung ihrer Landsleute zu einem nationalen Block ein.

Als der große Krieg ausbrach, schien das deutsche Element in den Vereinigten Staaten zum ersten Male geneigt, einer undemokra- tischen Weltanschauung zu huldigen. Europa machte seinen Einfluß m Amerika geltend,

(rottiried beder beim Lxarkassentag in Deip^ig

Die Llmgestaltung des Geld- und Kreditsystems