Ausgabe 
(24.8.1933) Nr. 226
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Nr. 226. Jahrgang 1933

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^«rnsprecher: Roland Ar. 625— 626. BanHonien: Die Sparkasse in

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Bremen. Donnerstag, den 24. August 1633 Einzelpreis is via.

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ösemMMmMMWM Zeitm-

DcrsAmMeke Draan des Gerrals dee kreiert

AstLece

Der österreichische Unterrichtsminister hat bekanntlich für alle ausländischen Studieren­den an österreichischen Universitäten, gleich ob st« im vorigen Jahre immatrikuliert waren oder nicht, den Numerus clausus eingeführt. Es wird sich ja bald herausstellen, was mit dieser Maßnahme geplant war. An und für sich haben wir nichts gegen den Numerus clgu- sus, wenn wir nicht eine neue, gegen Deutsch­land gerichtete Schikane dahinter vermuteten. Denn da auch die Deutschen als Ausländer gel­ten, kommt man nicht um den Verdacht herum, daß es sich hier vornehmlich um eine Maß­nahme gegen deutsche Studierende handelt. Wir wollen einmal abwarten, wie sich der Er­laß auswirkt — wahrscheinlich gegen uns.

*

In steigendem Maße kommt die Welt zur Erkenntnis, daß der Kampf gegen die allge­meine Krise in Deutschland am energischsten und erfolgreichsten geführt wird. So stellt der englischeVaumwollspinner-Ver- band in seinem Bericht über das zweite Quartal 1933 eindeutig fest, daß im Gegen­satz zu allen übrigen Staaten in Deutschland eine bemerkenswerte Besserung in der Beschäf­tigung der deutschen Spinnereiindustrie ein- gHetzt habe. Die in letzter Zeit gebuchten Auf­träge sicherten eine gute Beschäftigung für die nächsten Wochen. In den anderen Staaten sei, abgesehen von einer vorübergehenden Bes­serung infolge der Dollarentwertung in Bel­gien und Frankreich, noch keinerlei Anzeichen irgendwelcher Belebung festzustellen.

Wir überschätzen keineswegs die Wirkung solcher objektiver Berichte im Ausland, da sie sich ja immer nur an einen kleinen Kreis der Öffentlichkeit richten; trotzdem glauben wir aber, daß gerade der nüchtern und sachlich denkende Engländer, seinen Anschauungen über das neue Deutschland, diese sachlichen und kaufmännischen Berichte weit eher zur Grund­lage dienen läßt, als das hysterische Geschrei einiger davongelaufener Landesverräter. Der nationalbritisch denkende Engländer hat noch immer Vaterlandsverräter verachtet, sie höch­stens im Interesse seiner Nation einmal benutzt, sich aber nie mit ihnen gleichgestellt. Geht der wirtschaftliche Aufschwung Deutsch­lands in diesem Tempo weiter, so wird, beson­ders wenn dieser Aufschwung auch günstige Auswirkungen auf die englische Wirtschaft hat, die Greuelhetze in England bald von selbst ver­stummen und einer vorbehaltslosen Anerken­nung der neuen deutschen Staatsführung Platz machen.

StaMelmiaa abaesaat

Reichsführertagung des Stahlhelm erst am 23. September.

Berlin, 23. August.

Wie die Telegraphen-llnion erfährt, hat der Bundesführer des Stahlhelm aus Wunsch des Reichskanzlers Adolf Hitler die für den S. September anberaumte Reichsführertagung des Stahlhelms in Hannover auf den 23. bis 24. September verlegt. Wegen den durch diese Berlegung bedingten organisatorischen Schwierigkeiten wird die Durchführung des ursprünglich im Zusammenhang mit der Füh­rertagung vorgesehenen Stahlhelmtages ab­gesagt. Ueber den Umfang und Verlauf der Reichsführertagung sollen in den nächsten Ta­gen die Befehle erlassen werden.

Britischer Vostdampser gestrandet

Daressalaam, 23. August

Der britische Postdampfer „Mulbera" ist an einem breiten Riff der ostafrikanischen Küste gestrandet. Das Schiff war auf dem Wege nach England. Deutsche Dampfer, die sich in der Nähe aushalten, werden wahrscheinlich die Passagiere an Bord nehmen.

Französischer Szeandamvser in Flammen

Paris, 23. August.

Auf dem französischen Uebcrseedampfer „Flo- ride". der unk zahlreichen Passagieren und einer bedeutenden Ladung an Bord kürzlich aus Mar­seille ausgelaufen war, ist nach einer Meldung des „Journal" aus Almeria aus der Höhe von Cartagena Feuer ausgebrochen. Die Besatzung konnte nach langer Arbeit des Feuers Herr wer­den. Mittwoch mittag läuft der Dampfer in den Hafen von Almeria ein, lad dort seine oom Feuer beschädigten Waren aus und setzt dann seine Reise fort.

Amerikanischer Dampfer in Seenot.

Nrwyork, 23. August.

Der Passagierküstendampfer „Madison" der Old-Dominion-Linie hat 808-Rufe ausgesandt. Der Dampfer befindet sich in der Nähe von Tap Charles (Virginia). Die schweren Stürme haben die Bugaufbauten des Dampfers weggerissen. Weitere Einzelheiten fehlen noch.

260 006 Mark-Gewinn gezogen.

Berlin, 23. August.

Im Laufe des Mittwoch vormittag ist auf die Nummer 280 897 ein Gewinn von 200 000 Mark ge­fallen. ' Das Los wird in der ersten Abteilung in Viertel in Baden, in der Meilen Abteilung in Achtelabschnitten in Württemberg gespielt.

Um die Verteidigung der Leickstagsbrandstlkter

Ei« Briefwechsel -es S-eeeeichsimwaVS mit Vraniim und Romain Rolland

Leipzig, 23. August.

Bon zuständiger Stelle wird ein Brief­wechsel zwischen Rechtsanwalt Branting, dem Schriftsteller Romain Rolland und dem Lberreichsanwalt in Sachen Reichstags­brandstiftung veröffentlicht. Der wesentliche Inhalt der umfangreichen Schreiben ist fol­gender:

Der schwedische Rechtsanwalt Branting er­widert auf das an ihn gerichtete Schreiben des Oberreichsanwalts vom 10. August u. a., es habe sich in der Tat ein Untersuchungsausschuß zur Aufklärung des Reichstagsbrandes gebildet, dem außer ihm folgende Juristen angehören:

England: D N Pritt, Kings Counsellor; Frank­reich: Easton Bergery, Moro Klaftert; Amerika: Arthur Garfied Hays, Clarence Darrow; Däne­mark: Dr. Bald Huidt; Schweiz: Dr. Johannes Huber; Holland: Frau Dr. Bakker-Nort; Bel­gien: Pierre Bermeylen; Italien: Francesco Nitti.

Bei dem Sekretariat dieses Ausschusses befinde sich reiches Material in Sachen der Reichstags­bandstiftung, das in den Sitzungen des Unter­suchungsausschusses behandelt werden würde.

Branting schreibt weiter, er glaube, aus dem Brief des OLerreichsanwalts schließen zu können, daß der Oberreichsanwalt der Meinung sei, daß in seinen Händen befindliche Veweismaterial sei nicht ausreichend. Daraus erklärte Branting sich den außergewöhnlichen Schritt des Oberreichsan­walts, daß eine Anklagebehörde nach Abschluß der Voruntersuchung und sogar noch nach Fertigstel­lung der Anklageschrift wegen weiteren Beweis­materials bei Personen anfrage, die nicht direkt am Prozeß beteiligt seien.'- Selbstverständlich müsse man das größte Gewicht darauf legen, daß alles Material, das zur Ermittlung der Wahrheit dienen könnte, dem Reichsgericht vorgelegt werde. Aber er, Branting, halte es auch für selbstver­ständlich, daß das Material, das zur Verteidigung der Angeklagten diene, nunmehr, nachdem die An­klageschrift abgeschlossen und dem Gericht über­geben sei, nicht durch die Anklagebehörde sondern durch die Verteidiger dem Gericht vorgelegt werde. Er zweifle nicht daran, daß der Untersuchungsaus­schuß das gesamte Material den Verteidigern so­fort zur Verfügung stellen werde, falls genügende Voraussetzungen für eine freie und unabhängige Verteidigung der Angeklagten gegeben seien. Als solche Voraussetzungen sehe er in diesem Falle an:

1. Freie Wahl der Verteidiger durch die An­geklagten.

2. Zulassung der von den Angeklagten bestell­ten ausländischen Verteidiger.

3. Unbeschränkte Einsicht der Akten durch die Verteidiger und llebersendung der Anklageschrift an die von den Angeklagten bestellten auslän­dischen Verteidiger.

4. Volles Recht der Angeklagten zur Aussprache mit ihren Verteidigern ohne Anwesenheit Dritter.

5. Öffentlichkeit der Verhandlungen des Ge­richtes während der ganzen Dauer des Prozesses.

6. Menschenwürdige Behandlung der Angeklag­ten, so daß sie körperlich und geistig imstande sind, ihre Verteidigung vor Gericht zu führen.

7. Freies Geleit und Sicherheit des Lebens für die von der Verteidigung oder vom Untersuchungs­ausschuß benannten Zeugen, sowie Gelegenheit zur ungehinderten Aussage.

8. Sicherheit des Lebens für die Verteidiger und Sicherheit der ungehinderten Möglichkeit zur Verteidigung durch sie.

g. Ladung der von der Verteidigung benannten oder noch zu benennenden Zeugen.

16. Genehmigung der uneingeschränkten Aus­sagen für die Zeugen, soweit sie sich im Dienste des Deutschen Reiches oder eines deutschen Staates befinden oder befanden.

Als Beispiel für die „Notwendigkeit, diese Ga­rantien zu fordern", führt Branting einen Aus- zug aus einem Artikel des Dortmunder General­anzeigers an.

Die Antwort des SberreiürSanwatts

Auf dieses Schreiben des Rechtsanwalts Bran­ting hat der Oberreichsanwalt eine Antwort er­teilt, in der er einleitend die von Branting zum Ausdruck gebrachte Auffassung, daß der Oberreichs­anwalt das gegen die Angeklagten vorliegende Veweismaterial selbst nicht für ausreichend halte, als fehlgehend bezeichnet. Der Oberreichs­anwalt habe nicht erwartet, daß er Material zur weiterenV e l a st u n g der von ihm verfolgten Personen erhalten werde. Er sei vielmehr von dem von allen deutschen Staatsanwaltschaften von jeher als vornehme Pflicht empfundenen Bestreben ausgegangen, möglichst restlos alle für die Be­urteilung der Schuldfrage bedeutenden Tatsachen, also auch die etwa zur Entlastung dienenden Momente dem Gericht zur Kenntnis zu bringen.

Zu der Erklärung Brantings, daß Branting es für richtig halte, das Material dem Gericht nicht durch die Anklagebehörde, sondern durch die Ver­teidigung vorzulegen, bemerkt der Oberreichsan­walt, daß der Weg, auf dem das Material dem Reichsgericht zugänglich gemacht werde, für ihn von untergeordneter Bedeutung sei.

Zum weiteren Inhalt des Schreibens Bran­tings bemerkt der Oberreichsanwalt u. a.:

1. Den AngeNagten stehe die freie Wahl des Verteidigers aus der Zahl der bei einem deutschen Gericht zugelassenen Rechtsanwälte, sowie der Rechtslehrer an deutschen Hochschule« frei.

2. Die Zulassung ausländischer Verteidiger un­terliege nicht dem Befinden des Oberreichsan­walts, sondern sei von der Genehmigung des Ge­richts abhängig. Ausländische Verteidiger könn­ten nach gesetzlicher Borschrist nur in Gemeinschaft mit einem deutschen Verteidiger zugelassen wer­den. Das Einverständnis des deutschen Vertei­digers, die Verteidigung gemeinschaftlich mit ei­nem ausländischen Verteidiger zu führen, sei Vor­aussetzung der Zulassung.

3. Der Verteidiger sei zur Einsicht in die dem Gericht vorliegenden Akte« befugt.

4. Dem Verteidiger stehe das uneingeschränkte Recht der Aussprache mit den Angeschuldigte» ohne

Gegenwart eines Dritten zu.

5. Die Hauptverhandlung vor Gericht sei grund­sätzlich öfsentlich. Dem Oberreichsanwalt seien keine Umstände bekannt, die ihm Anlaß geben könnten, seinerseits einen Antrag auf Ausschluß der Oefsentlichkeit zu stellen.

6. „Die Unterstellung der Möglichkeit, daß die Angeklagten in der Untersuchungshaft nicht „men­schenwürdig" behandelt werde«, weise ich, als je­der Grundlage entbehrend, mit Nachdruck zurück."

7. Sicheres Geleit könne nur einem abwesenden Beschuldigten hinsichtlich bestimmter strafbarer Handlungen erteilt werden.

8. „Besorgnisse für die Sicherheit des Lebens des Verteidigers oder der von der Kommission be­nannten Zeugen entbehren jeder Grundlage. Sie können nur erwachsen aus dem Boden unwahrer Tendenzmeldungen, wie sie aus unlauteren Grün­den in einem Teil der Auslandvpresse verbreitet werden. Ich bin indessen bereit, auch unbegründe­ten Besorgnissen dadurch Rechnung zu tragen, daß ich mich bei den zuständigen Polizeibehörden für einen etwa gewünschten polizeilichen Schutz ein­setzen werde."

S. Die Entscheidung über die Ladung der von der Verteidigung benannten Zeugen stehe dem Gericht zu. Der Oberreichsanwalt werde für die Vernehmung aller Zeugen, die dienliche Aussagen machen könnten, mit Nachdruck eintreten.

16. Die Erteilung der Genehmigung an Beamte und frühere Beamte zur Aussage, sei Sache der vorgesetzten Dienstbehörde.

*

Der französische Schriftsteller Romain Rol­land hat in einem Schreiben an den Oberreichs­anwalt die Aushändigung des angeblich im Besitz des ausländischen Untersuchungsausschusses befind­lichen Beweismaterials von denselben Bedingun­gen gemacht, wie Rechtsanwalt Branting. Der Oberreichsanwalt hat darauf in seinem Antwort­schreiben an Romain Rolland zu diesen Forderun­gen im gleichen Sinne Stellung genommen, wie in den vorstehend wiedergesehenen Schreiben an Rechtsanwalt Branting.

Dr. Sack als Verteidiger Torglers zugelassen Leipzig, 23. August.

Wie wir erfahren, ist Rechtsanwalt Dr. Sack- Berlin als Wahlverteidiger für den im Reichs» tagsbrandstifter-Prozeß angeklagten früheren kom. munistischen Retchstagsabgeordneten Torgler zu­gelassen worden. Für die Angeklagten war vom Reichsgericht zunächst der dort zugelassene Rechts­anwalt Huber als Pflichtverteidiger bestimmt worden. Seine Bestellung hat sich nunmehr er­ledigt, nachdem der Angeklagte sich selbst einen Verteidiger gewählt hat.

Die Verhandlung wird zum Teil in Berlin ge­führt werden, wo im wesentlichen alle für die Be­weisaufnahme in Frage kommenden Zeugen ver­nommen werden sollen. Ueber den Termin für den Prozetzbeginn, dessen Bestimmung Senatspräsident Dr. Bünger vom Vierten Strafsenat obliegt, ist immer noch nichts Endgültiges bekannt.

Im Teichen der „^brüstrmgskouierenL":

Gewaltige Verstärkung der englischen

Seestreitkräfte

28 neue Kreuzer und jährlich 15—18 Ferttörer sollen gebaut werden Das Ergebnis 14 monatlicher Verhandlungen in Gens

London, 23. August.

Der Marincmitarbeiter des „Daily Telegraph" schreibt, daß Vorschläge, die die einzige Mternative zu dem „Zusammenbruch Großbritanniens als Groß- slottenmacht" darstellten, in Kürze von der Admirali­tät gemacht werden dürsten. Nach Informationen des Marmebcrichtersta^ers umfassen die Vorschlage der Admiralität den Bau 25 neuer Kreuzer, die an Tonnengehalt und Bestückung den besten ausländi­schen Schissen gleichkommen sollne, Neubau von jähr­lich 15 bis 18 Zerstörern, ein großes Ubo»ts-B«u- programm, beträchtliche Vermehrung der Marine­slugzeuge, Erhöhung der Mannschastsstärke um mindestens 10 006 Mann, beträchtliche größere Aus­wendungen für Schissstreibstoft usw.

Das vom „Daily Telegraph" in grossen Zügen angedeutete neue englische Flottenbaüprogramm ist angesichts der immer noch bestehenden und bis zum 1. Oktober vertagten Abrüstüngskonferenz ein Ereignis von größter i n t e r n a t i o n a l er Bedeutung. An sich ist das Programm freilich, keine Neberraschung, da seit,Jahren in, England für die Wahrung der englischen Sicherheit zur See Propaganda gemacht wird und in den letz­ten Wochen die Pressemeldungen über den beab­sichtigten Ausbau der amerikanischen und japani­

schen Kriegsflotte eine baldige englische Initia­tive erwarten liehen. Es handelt sich bei dem englischen Bauprogramm, wie übrigens auch bei den amerikanischen und japanischen Bauvor­haben, offenbar nicht um eine eigentliche Auf­rüstung, sondern zunächst nur um eine Ergän­zung der Flotte innerhalb der Verträge von Washington und London.

Dagegen bedeutet es eine ausgesprochene Abkehr von dem Geiste der Abrüstungskon­ferenz, die im Zeichen des Rüstungsstillst in­des ins Leben getreten ist und außerdem als Grundlage ihrer Arbeiten den englischen Konventionsentwurf mit der Anregung ange­nommen hat, daß die Flottenrüstungen der Hauptseemächte in ihrem absoluten und ihrem relativen Stand so bleiben sollen, wie sie Ende 1932 waren.

Den für England - wichtigsten Teil des neuen Bauprogrammes -bilden die 25 neuen Kreuzer, die als unerläßlich, zuc Aufrechter­haltung der englischen.Seegeltung und z«m Schütze gegen U-Boots-Angriffe betrachtet werden. Entsprechend den neuen Erfahrun­gen des Seekrieges sollen auch die'Bestände an U-Booten und Marineflugzeugen vermehrt werden. Die auf der Abrüstungskonferenz theoretisch immer noch zur Erörterung

stehende Abschaffung der einen oder anderen Kategorie dieser Kampfmittel ist also praktisch in negativem Sinne entschieden.

Blinde Ferstöeungswrtt

Zerstörung der letzten Vismarck-Denkmiiler in Ostoberfchlesien.

Kattowitz, 23. August

Ohne Befragen der Stadtverordnetenversamm­lung.und lediglich auf Grund einer eigenmächtigen Anordnung des Kattowitzer Bürgermeisters wurde am Dienstag mit dem Abbruch des Bismarck- Turmes im Kattowitzer Südpark begonnen. Der aus massiven Steinquadern bestehende, etwa 25 Meter hohe Turm wurde 1963 als Aussichtsturm gebaut und dem Andenken des großen deutschen Kanzlers geweiht. Nach dem llebergang Katto­witz'in polnische Hände wurde das an dem Denk­mal angebrachte Bronzerelief Bismarcks entfernt und durch ein Relief des polnischen Freiheitshel- den Kosztuszko ersetzt. Die Zerstörung des Denk­mals hat selbst unter der polnischen Bevölkerung große Entrüstung ausgelöst.

Ebenfalls am Dienstag wurde auch mit der Ab­tragung, des Bismarck-Denkmals an der ehemali­gen Drei-Käiser-Reichs-Ecke in Myslowitz und in Olsau an der früheren deutsch-österrei , jetzt polnisch-tschechischen Grenz« begonnen.

Wanken älo Ostxakts?

Die

russiscli-ltalieliiselien

^bmaelirmgen

Berlin, 21. August

Das Bild, das die europäische Politik in die­sen Sommerwochen bietet, ist außergewöhnlich bewegt. Eine ganze Reihe von Anzeichen spricht dafür, dass tn den zwischenstaatlichen Beziehungen der europäischen Völker sich weit­tragende Wandlungen vorbereiten, die unter Umstanden dem gewohnten Gesicht der euro­päischen Politik interessante neue Züge auf­prägen können. War es bis vor nicht allzu langer Zeit ein allgemein anerkannter Grund­satz, dass Paris und der von ihm kontrollierte ruft» gelenkte Staatenblock die Zentrale der diplomatischen Aktivität darstellten, so hat sich das seit dem Abschluss des Viererpaktes erheb­lich geändert und heute vermerkt der Quai d'Orsay mit kaum noch verhehltem Mißver­gnügen, wie sehr die souveräne Hand Musso­linis in der europäischen Politik zu spüren ist. Es hat sich aus diesem Zustand eine gewisse Rivalität zwischen Paris und Rom heraus­gebildet, und jedesmal, wenn der Lenker der italienischen Politik zu einer Aktion ansetzte,

Sie Hauptgewinne der S.F.-Lotterie

Frauks« rt a. M., 28. August.

Am Mittwoch hat in Frankfurt a. M. die Ziehung der ersten Hitler-Jugend-Lotterie unter Beurkundung des Notars Rechtsanwalt Dr. We­ber-Frankfurt a. M. stattgefunden. Bei der Ziehung waren anwesend: der Abteilungsleiter der Reichsjugendführung, Obergehietssührer Al­fred Loose, sowie die Leiter der Lotterie-Geschäfts­stelle und Beauftragte des Frankfurter Polizei­präsidiums. Die Lotterie war ein voller Erfolg. Alle 866 666 Lose wurden verkauft.

Der erste Hauptgewinn, «ine achtjährige Bei­steuer zum Studium in Höh« von 26 666 Mark. die in jährlichen Raten von 2566 Mark ausge­zahlt wird, siel aus die Losnummer Serie L 86 432.

Die Prämie, ein Kraftwagen im Werte vo» 5666 Mark, fiel aus die Losnummer Serie 0 17 641.

Die nächsten Met Gewinn«, ebenfalls Kraft­wagen, sielen auf die Losnummern Serie V 76 833. Serie v 161126.

Der Versand der Eewinlisten erfolgt in zwei Tagen. Die Gewinne müssen drei Monate nach der Ziehung angefordert sein.

Die Hitler-Jugend dankt allen Volksgenosse«, die sich an dem Verknus und Kaus der Hitler- Jugend-Lose beteiligt haben. ^

war man am Quai d'Orsay sehr schnell mit einem Eegenzug an der Arbeit, weil man fürchtete, daß das neue Krastzentrum Rom die alten Kreise stören könnte.

Es ist kein Wunder, Laß sich diese Rivalität zwischen Rom und Paris am stärksten in Mit­tel- und Südosteuropa auswirkte, handelt es sich doch hier um ein Gebiet, in dem sich die ver­schiedensten Interessen und machtpolitischen Entwicklungen überschneiden. Je mehr das französische Bündnissystem in Siidosteuropa unter dem Druck der Wirtschaftskrise seine Schwächen offenbaren liess und je mehr die Donaupläne Mussolinis bei einer Reihe der südosteuropäifchen Staaten Anklang fanden, desto mehr suchte man in Paris nach einer Rückversicherung, um den status quo aufrecht zu erhalten. Die letzte'diplomatische Glanzlei­stung der Pariser Aussenpolitiker waren in dieser Hinsicht die Ostpakte, durch die die Ver­bindung zwischen der Kleinen Entente und RusslaiÄ unter französischer Assistenz herge­stellt wurde. In Paris hat man diese Ent­wicklung mit einem gewissen Recht als Erfolg verbucht, ergab sich doch hieraus durch die An­näherung Rußlands an die Kleine Entente eine Stärkung der französischen Absichten und Ziele im Donauraum. Zur Vervollständigung des Erfolges fehlte lediglich die Einbeziehung Italiens und der ihm nahestehenden Balkan­staaten in dieses Paktsystem. An versteckten Aufforderungen dazu hat man es in Paris ge­wiß nicht fehlen lassen. Erst jetzt wieder ver­suchte Herriot, der Reisende für Einkreisungs­politik, mit seiner ganzen Ueberredungskunst Bulgarien in das Ostpaktsystem hineinzuzie­hen. Indessen hat fein Sofioter Besuch nicht den erwünschten Erfolg gehabt. Zur gleichen Zeit, als Herriot in der bulgarischen Haupt­stadt für die französische Politik warb, traf der bulgarische König mit Mussolini zusammen.

Nunmehr lässt sich auch deutlich übersehen, daß Mussolini das Ostpaktfystem, in dem un­ausgesprochen eine Spitze auch gegen Italien liegt, durch eine selbständige große Aktion be­antwortet, die in ihrer politischen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Den Beweis dafür liefert der russisch-italienische Pakt, einer der interessantesten Paktabschlüsse, die in der ganzen letzten Zeit zu verzeichnen gewe­sen sind. Der Text ist zwar noch nicht im Wort­laut bekannt, immerhin hat der französische Havasvertreter eine Reihe von Mitteilungen über dieses Vertragswerk gemacht, die außer­ordentlich aufschlußreich sind. Die Vorverhand­lungen über diesen russisch-italienischen Pakt gehen bereits bis zum Mai dieses Jahres zu­rück. In den letzten Wochen war es recht still darum geworden. Die Beschleunigung, mit der man jetzt in Moskau und Rom auf den Ah-