Ausgabe 
(23.8.1933) Nr. 225
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1933

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Veemen MktiwoO. den 23. August 1933 Einzelpreis 1S vsg.

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-es Weltelends

Ehe VeuWIimL nicht gleichberechügt ist lmm die Weltwirtschaft nicht genesen

Unsere

Mit Genugtuung können wir feststellen, daß sich auch im Ausland in letzter Zeit immer mehr Stimmen erheben, die die eifrigst betriebene Greuelpropaganda schlagend widerlegen. Endlich beginnt man zu erkennen, welch ungeheure Trag­weite daS Werk unseres Führers nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt hat, fängt man an einzusehen, daß die rote Stim­mungsmache um die „Märtyrer" in den Konzen- trattonslägern frei erfunden, die „Judenverfol­gungen" aus der Luft gegriffen sind. „Wenn ich Deutscher wäre, so könnte ich mein Leben nicht anders denken, als ein Soldat Adolf Hitlers zu sein", diese Worte des Engländers Coleen zeugen von einer endlich dämmernden Einsicht, die dem übrigen Europa zu seinem eigenen Besten nur recht bald kommen möge.

Nun ist die Heiner Schwimmerin Ruth Litzing den Folgeerscheinungen ihres fast 79stün- digen Rekordschwimmens doch erlegen. — Dieser Todesfall zeigt aufs neue, daß solche unverant- wortlicheRekordhetzerei endgültig über­wunden werden mutz. Die Folgen waren voraus­zusehen, und auch wenn dieser Rekordversuch gut abgelaufen wäre, so muh doch einmal grundsätzlich gesagt werden, datz derartig« Ueberanstrengungen mit Sport nur den Namen gemeinsam haben, ihn aber in keiner Weise fördern. Gewiß, wir wollen und wünschen weitgehende sportliche Ertüchtigung der Jugend, aber auf breiter Basts tm Sinne der Volksgesundung. Mit der Rekordpsychose der ver­gangenen Jahre werden wir dieses Ziel aber be­stimmt nicht erreichen.

Leutnant Ludin rehabilitiert

Berlin 22. August

Dem auf Grund des seinerzeitigen Reichs- wehroffizierprozesses in Leipzig aus dem Heer ausgeschiedenen jetzigen Führer der Gruppe Südwest der NSDAP. Hans Ludin wurde durch Verfügung des Neichswehr- Mitristerims zuerkannt, daß sein Ausscheiden auf ei genen Wunsch erfolgte. Gleichzeitig ist, wie die „Vossische Zeitung" meldet Lertt nant Ludin zum Oberleutnant oeförde" worden.

6000 bahrte Gemeinden ar Veits s?e«irei

München, 22. August

Um zunächst die gering belasteten bayerischen Gemeinden frei von Arbeitslosen zu machen, hat der Staatsminister des Innern gebilligt, datz der bayerische Eemeindetag einen Werbefeldzug unter­nimmt. der von den Kreistagspräsidenten im Zu­sammenwirken mit den Kreisregierungen und Eauleitungen ausgehen wird. Bon rund 8666 bayerischen Gemeinden sind heute schon nahezu 6066 überhaupt frei von Arbeitslosen.

Schwerer veekehrSuMaU

Königsberg, 22. August.

Heute morgen gegen 4.36 Uhr ereignete sich bei der Ortschaft Ludwigswalde bei Königsberg ein tragischer Verkehrsunfall. Dort fuhr der Kaufmann Alfred Stetnau aus Königsberg mit einer noch unbekannten Frau mit seinem Personenkraftwagen gegen einen Baum. Bei den äußerst heftigen Anprall erlitten die beiden Insassen Schädelbrüche sowie weitere schwere Verletzungen und waren auf der Stelle tot.

Berlin, 22. August

Geheimrat I. P. Griiher hielt am Diens­tag abend einen Nundfunkvortrag über die weltwirtschaftliche Bedeutung der Abrüstungs­frage. Der Vortragende warf die Frage auf, weshalb die Londoner Weltwirtschastskonse- renz ohne sichtbares Ergebnis auseinander- gehen muhte. Die Grundursache der wirt­schaftlichen Erkrankung der Well liege klar und eindeutig in der politischen Ungerechtig­keit, die den Namen eines Diktates von Ver­sailles trage. Nicht in der „Wirtschaft" liege die Wurzel des Weltelends, sondern in der Politik. Europa müsse erst einmal aus der Fessel des erzwungenen Diktats von Versailles herausgeführt werden, dann könnten die wirt­schaftlichen Fachfpezialisten das Ihre tun, vor­her aber sei ihre Arbeit sinnlos.

Trotz des Scheiterns der Londoner Konfe­renz habe die geniale Staatskunst Adolf Hitlers es vermocht, in begrenztem Raume der nationalen Wirtschaft im Laufe von sechs Monaten die Arbeits­losigkeit um gut 25 v. H. herabzudrücken.

Wenn die Politik der Weltmächte genau so zielklar, so sachkundig, und so konsequent sein würde, wie es die deutsche Innenpolitik jetzt wieder sei, dann wäre auch eine entsprechende Bresche in der Weltarbeitslosigkeit zu schlagen

Paris, 22. August.

Den streikenden Binnenschiffern ist es am Montag gelungen, überraschend die Seine bei Coaslans- Sainte-Honorine abzusperren. Binnen sieben Minu­ten bildeten sie in der Zeit, als die Flutzpolizeimann- schasten zu Abend atzen, mit ihren Kähnen eine lückenlose Kette über den Fl'ch, und als die Polizei- dootc dann vorführen und durch Sircnensignale freie Durchfahrt forderten, legte sich noch eine zweite Reihe von Kähnen quer über den Strom. Gestern abend hat die Flutzpolizei gegen die überraschende Absperrung der Streikenden nichts mehr unter­nommen.

Die Schleppkähne der Streikenden, die in der Höhe von Conflans-St. Honorine über die Seine gelegt und mit Tauenden und Stahltrossen 'miteinander oerbunden waren, um den Verkehr völlig zu unter­binden, sind am frühen Dienstag nach einer kurzen Wasserschlacht von den Hütern der Ordnung erobert worden. In der Nacht waren nach kurzem Krtegs-

Der Vortragende würdigte weiter die Zu­sammenhänge zwischen der Wohlfahrt der Na­tionen und der Gleichberechtigung der Nati­onen.

Die Londoner Konferenz wär nicht int San­de verlaufen, wenn die Genfer Abrüstungs- konsrenz bereits einen sichtbaren Fortschritt auszuweisen gehabt hätte. In Europa könne nicht Frieden werden, ehe nicht Deutschland voll Recht geworden sei. Die Weltwirtschaft könne nicht eher genesen, ehx nicht Deutschland fteichb-echtigt sei und die übrigen Staaten ab­gerüstet halten.

Eeheimrat Größer gab dann eine kurze Rü­stungsbilanz der europäischen Mächte und be­zeichnete es als den

Gipfelpunkt der Heuchelei,

wenn man noch den traurigen Mut aufbringe, die neueste innere Entwicklung Deutschlands als Vorwand für den nicht echten Abrüstungs­willen anderer Völker zu bezeichnen. Das böse Gewissen, das aus der Verewigung des europäischen Unrechts wachse, lasse weder in Deutschland noch bei seinen früheren Gegnern, noch bei den neutralen Völkern ein Vertrauen aufkommen. 'Der völlig ungesunde Zustand, daß die Banken der kleinen neutralen Länder sich mit Händen und Füßen, gegen mehr Ein­lagen sträuben, daß aber,,Deutschland drei-

rat des zuständigen Präsekten und der Ingenieure des Wasser- und Brückendienstes 206 Mann der Garde mobil in der Nähe des Operationsgebietes zu­sammengezogen worden. Beim ersten TageSgrauen ging der Präsekt der Departements Seine et Linse mit einer Abteilung Gendarmerie vor.

Vor dem Angriff forderte er die Streikenden auf, sich zu ergeben. Mit einer Abordnung der Strei­tenden wurde kurz verhandelt. Darm kehrte diese Abordnung aus die Schleppkähne zurück, von wo nach kurzer Zeit ein vielstimmiges Nein zurückhallte.

Daraufhin wurde der Angriff zunächst oom Flutz aus vorgetragen. Der erste Versuch, an Bord der Schleppkähne der Sperrkette zu entern, wurde jedoch von den Streikenden abgeschlagen. Daraus lietz man Schlepper mit voller Fahrt nahe an die Kähne heran sahrcn und nahm die Streitenden unter „Kreuz- wasser", während eine Abteilung des Gendarmeri- oon der anderen Seite den Sturm auf kü» Kähne er­folgreich eröffneten. Den Streikenden blieb Nun nichts mehr übrig, als sich zu ergeben, nachdem die

fach überhöhte Zinsen zahlen müsse, fei nichts anderes als die rein rechnerische Aus­wirkung der deutschen Entmachtung. Unsere Kapitalversorgungskrise leite sich, internatio­nal gesehen, aus einem Mißverhältnis von Spekülationskapital und produktivem Anleihe, kapital her. Wenn Deutschland wirklich gleich­berechtigt wäre, dann würd: das Gespenst der Unruhe in Europa gebannt sein, dann würden sich die Mtlliardenbeträge, die heute in den Ländern des Westens aus Furcht vor der all­gemeinen Unsicherheit gehörtet werden, wie­der in den Dienst der allgemeinen Produktion stellen.

Der alte weltwirtschaftliche Arbeitsteilungs­prozeß sei gestorben an der restlosen Unterord­nung wirtschaftlicher Zweckmäßigkeitsgestchts- punkte unter rüstnnqspalitische Verteidigunqs- gesichtspunkte. Wie auch immer die Wieder- anfrichtunq Deutschlands vor sich gehen werde die Weltwirtschaft und die deutsche Wirtschaft können von diesem Vorgang nur gewinnen

Es gebe nur einen Weg, die „Ration der Arbeitslosen" radikal z« liquidieren: Herstel­lung eines echten europäischen Friedens durck volle Gleichberechftming stir Deutschland. In­sofern gehöre auch die gerechte Lösung der Ab- riistungsiraae in den Aufgabenkreis der Ar­beitsbeschaffung.

Kähne restlos besetzt worden waren. Etwa 50 Ver­haftungen wurden vorgenommen. Dir Sperrkette wurde sodann auseinandrrgrnommen und der Ver­kehr aus der Seine wieder hergestellt. Um 6.45 Uhr war die Schlacht gewonnen.

SitlerkmendMrer tödlich verunglück

Parsberg (Oberpsalz), 22. August.

Der Kreisleiter der Hitlerjugend in Parsberg, Hauslehrer Hubrr, zog sich beim Sturz mit sei­nem Motorrad eine schwere Verletzung der Milz zu. Trotz der sofort vorgenommenen Operation ist Huber seinen Verletzungen erlegen. Er befand sich mit einem Hilfslehrer aus der Fahrt nach Ho- henburg, um dort die Gründung einer Hitler­jugend-Gruppe vorzunehmen. Beim Ausweichen eines Fuhrwerkes kam Huber mit seinem Kraft- rade zu Fall. Sein Begleiter trug leichte Verlet­zungen davon.

DollkuL auk Leisen

Ob der Bundeskanzler Dr. Dollfuß mit seinem Wochenendausflug nach Rimini zu» frieden sein kann, ist nicht so wichtig als die Frage, ob auch Oesterreich damit zufrieden sein kann. Die Lage Oesterreichs ist sowohl innerp-litisch wie außenpolitisch wenig günstig, wozu noch kommt, daß auch der Staatshaushalt im ersten Halbjahr 1933 einen unerwartet hohen Fehlbetrag gebracht hat. Es ist kei., Hilfe, wenn in Paris und in London Hoffnungen gemacht werden, die sich nicht erfüllen und auch nicht erfüllen kön­nen, weil weder England noch Frankreich sich viel um Oesterreich kümmern. Mit Müye und Not ist' die Anleihe aufgelegt worden, die seinerzeit in Lausanne in Aus­sicht gestellt wurde; aber der Ertrag dieser Anleihe wird Oesterreich nicht einmal einen Monat über Wasser halten. Eine neue Fi» nanzhilse wird daran nicht viel ändern, wo­bei noch fraglich ist, ob sie überhaupt zum Zuge kommt. Der internationale Finanz- markt ist eben sehr feinfühlig, so daß, wenn er schon Geld aufbringen will, er zunächst wissen muß, ob die Anlage sich lohnt und sicher ist.

S-.'lst Franzosen geben Dollfuß bei jeder Gelegenheit zu verstehen, daß die Mehr­zahl der Bevölkerung Oesterreichs gegen den Bundeskanzler eingestellt ist. Wenn Neuwah­len vor sich ^ehen, so wirb Dollfuß auf alle Fälle in der Versenkung verschwinden, denn auch seine eigene Partei wird Bedenken tra­gen, ihn noch länger zu dulden, nachdem Dollfuß durch seine Halsstarrigkeit nicht nur die Partei, sondern auch Oesterreich empfind­lich gchchädtgt und gefährdet hat. Aber Doll- fuß ist einstweilen noch Bundeskanzler, waS nach internationalem Brauch auch bedeutet, daß seine Freunde und Begleiter über diese Häuptern eben auch Staatsbesuche sind. Dr. Dollfuß ist ja auch im Juni in London und in Paris gewesen, hat Reden ehalten und Besuche gemacht; er hat auch zugelassen, daß seine Freunde und Begleiter über diese Rede und Besuche hoffnungsfrohe Mittei­lungen r ,sentlichten. Ganz England sollte angeblich für Dollfuß gewesen sein, ebenso auch Frankreich, zumal Dollfuß in Pari- die Türen zu den Ministerpalästen wett für sich offen fand.

Seitdem sind mehr als Zwei Monate ver­gangen, seitdem die Krise in Oesterreich sich so verschärft, daß unmittelbar etwas ge­schehen >: uß, wenn nicht ein kläglicher Zu- sammenbrnch die Diktatur Dollfuß beenden soll. Dieser klägliche Zusammenbruch wird tr F': - kommen, denn er liegt zwangsläufig in den Verhältnissen, denen auszuweichen die staatsmännische Kunst des Dr. Dollfuß nicht entfernt ausreicht.

Was muß geschehen, um Oesterreich wieder zu einem Staat zu machen, der leben kann und will? Die Antwort hieraufgibt die Landkarte, die Oesterreich eingezwängt zeigt zwischen Deutsch­land, Italien und Ungarn. Allerdings gehört auch die Tschechoslowakei zu den An^renzern, aber die Tschechoslowakei kann auch mrt Unter­stützung des Kleinen Verbandes Oesterreich nicht das Gesetz des Handelns aufzwingen. Der Do­nauraum trägt seine natürlichen Lebensgesetze in sich, denn sewst die Bersailler Verträge, die die Balkanisierung des Donauraums erzwungen ha­ben, haben diese Gesetze nicht über den Haufen werfen können. Was nützt es Rumänien viel, daß es im Kleinen Verband eine Rolle spielt.

Barrikaden

Sie Streckenden nach einer .-WafterfOlncht" überwältigt — 5V Verhaftungen

l-sksnältzss

Neues Erleben, neues Fühlen und Denken ist in uns aufgestanden, hat die alte Einrichtung des Staat- tes gesprengt, der Wirtschaft, der Arbeit einen neuen Sinn gegeben und hat nichi Halt gemacht vor den Stätten, die Leben und Volk, Liebe und Leid tm Spiele zeigen und fast verschüttet waren von grauem Aschenregen menschlicher Unvernunft. Von diesen Stätten, vom Theater sei die Rede, das sich bei dem Mitfühlen mit der neuen Zeit nicht begnügen darf, das die Kräfte finden und zeigen soll, die wieder formend Hinausgreisen in das werdende Volk. Ein bremischer Malerdichter hat vor Jahren dies gesagt:

„— Bilde und dichte, aber schweige die Wahrheit; flachen Watts verrätst du dem Pöbel den Gott." Heute aber ist es so und was wir sagen, gilt uns zu­gleich als Zielsetzung unserer Arbeit.

Der Pöbel ist nicht mehr und die Verräter flachen Wortes sind vertrieben und verbannt. Menschen sind wieder aufgestanden mit allen ihren Schwächen und Stärken, ungebunden und doch von einem Wollen be­seelt, zu lernen und zu begreifen, mitzubauen und zu wachsen.

Da aber brauchen wir Bildner und Dichter, die an den Quellen völkischen Lebens stehen und unserer aller Zukunft im Herzen tragen.

Die Wahrheit aber, ihre Wahrheit braucht kein Milieu, keine naturalistischen Menschen und Pro- blcme, sondern sie greift in den ewigen Strom menschlich-übermenschlicher Kräfte. Hier gründet der Dichter sein schöpferisches Sein, hier ruhen die Ge­walten, die Menschenglück und -leid hergeben. Diese Wahrheit glänzt nicht und blendet nicht mit Effek­ten, sondern sie ist einfach, schlicht und groß. Sie unterhält nicht und schwatzt nicht, sondern begeistert, erhebt, bezwingt, verwandelt den Menschen.

Wie aber steht es um die Dichter, die solche Kün- der uns sein können? „Einige tausend Stücke werden uraufgeführt werden, bis wenige Dichtwerke gesunden sind." Diese jüngst vertretene Auffassung scheint nicht unrecht zu haben, denn wir schwimmen und ertrinken in Stücken. Wir haben uns die Mühe gemacht und Viele Eptelpläne studiert und noch mehr viele neue,

Lekauspiel

aber auch gute alte Namen gefunden, die mit ihrer Arbeit an uns herantreten. Politische Zeitstücke wer­den oft geboten und auch die Krtegsstücke mehren sich, aber hier sind Gesinnung und guter Wille oft das Beste vom Werk. Allein dem Ringen von Langemarck sind eine ganze Reihe von Arbeiten gewidmet, und erst nach sorgsamem Prüfen wurde eine gewählt, mit der das Stadttheater dieses Tages würdig gedenken wird. Auch der großen Befreiungszeit vor über 100 Jahren erinnert sich heute der schaffende Mensch, und Gestali-n wie Jorck. Kleist, Gneisenau werden im­mer wieder zum Vorwurf dichterischer Versuche ge­wählt. Auch hier hat das Stadttheater ausgesucht und sich für Siegmund Graff entschieden, den Dichter der „Endlosen Straße", der den Befreiungswillen deut­scher Studenten in dem Schicksal Sands und Kötze- bues gestaltet.

Auch andere gute Namen finden wir auf den Spielplänen deutscher Bühnen. Da ist Paul Ernst, der ein Leben schlicht und ernst gerungen hat und in dem Augenblick von uns ging, da er unter uns leben sollte. 5 oder 6 seiner Dichtungen werden in dieser Spielzeit zum Teil uraufgeführt. Neben ihm stehen Butte, dessen Katte wir kennen, der Niedersachse Blunck, Billinger, der im Kampf für uns gefallene Dietrich Eckart, der dramatisch starke Otto Erler, der schollenverbundene Griese, der aus seinen historischen Romanen bekannte Hans Heyk, der Schlageterdichter Hanns Iahst, der lange verkannte Eberhard König, der gedankenreiche Kolbenheyer und manch andere jüngere Kraft. Sie alle sollen berufen werden, einige werden ausgewählt — und hier wird das Stadtthea­ter zugreifen, um Bestes von Wertvollem, zu geben..

Und nun die Klassiker! Ein schlimmes, ein gefähr». licheS Wort! Sie waren und sind noch häufig das geistige Mobiliar des wohlsituietten Bürgers, der Schmuck seiner guten Stube gleich ständig verstaub-, ten Plüschmöbeln. Wir wollen nicht mehr nach Schuld und Ursache fragen, aber das neue Deutsch-, land will keine guten Stuben kennen, keine kalte. Pracht, sondern will die Gemeinschaft aller, will le­bendige Dichter, heldische Dichter« befreit von allem

literarischen Formelkram, von Aufsatzthemen und Schulbeispielen. Mit neugewonnener Achtung gehen wtr anS Werk und finden in Schiller, Goethe und Shakespeare, in Kleist, Hebbei und Grillparzer Dich­ter, unseres Seins, sprachgewaltig und formenschön,, die unmittelbar .sich an.unsiwenden, ohne tausend' Deutungen, kraft ihrer Dichtung.und der Menschen) , die sie gestalten.. Wir finden, sie wieder aus allen' Spielplänen deutscher Bühnen, und auch das Stcrdt- theater wird ihnen neues Leben igelten. Vom Wort aus, von der Dichtung. her . werden Heide Teile ndes Faust in Szene gehen und deutsche Arbeiter'werden gleich zu Beginn in einer Sondervorstellung ihr eige­nes, oft noch unerkanntes Fühlen Gestalt gewinnen sehen. Schillers „Wilhelm Teil", sein „Don Carlos", Hebbels ,Herodes und Marianne", Shakespeares „Macbeth" und, „Heinrich IV.", GrillparzerS ,«DeS, Meeres und'der Liebe Wellen" 's-^ste sollen von allein ' Wissensqualm entladen in ihrer ursprünglichen Wirk- - lichtest vor uns erstehen. Des Menschen'Ziele und

Wünsche, seine Leidenschaften, sein Lieben und Hassen sind zeitlos und immer die gleichen. Nur mutz der Mensch Teil in seinem Ringen und Opfern aus uns wirken, die Kraft seiner Sprache, die Gewalt seiner Handlung muß uns erschüttern. Das sind Aus- .gäben, die das Stadttheater sich stellt und die es ntit alten und neugewonnenen Kräften erfüllen wird.

Dabei sei nicht vergessen, daß auch das heitere Element zu seinem Rechte kommen soll und wird. iBjörnsons humorvolles Spiel vom wiederblühenden 'jungen Wein ist bald zu ermatten, ein modernes Lustspiel ist in Aussicht genommen, andere werden folgen.

In allem aber lebt die Verpflichtung, Diener am großen Werk zu sein, an der Bildung einer neuen, geistigen, sittlichen Grundhaltung. unseres ganzen Volkes, und darum lassen wir nur Dichter zu uns . sprechen, die uns wachrufen, bilden und formen zu 'npuer Schicksals- und Arbeitsgemeinschaft.

Sprache lebendig vor sich zu seyen sich am herzlichen Lachen die Seele gesund zu baden und begreifen zu lernen, daß es eine hochent­wickelte plattdeutsche Dichtkunst gibt, baß es plattdeutsche Dramen gibt, die sich neben den meisten hochdeutschen getrost sehen lassen können und jedenfalls tausendmal mehr wert sind, als jene jämmerlichen ntchtariichen Sittenstücke, die schon seit einen, Viertel- jahrhundert unsere Bühnen besuoelten und unser Volk vergifteten.

Es ist bedauerlich, daß die Veranstatt'-m- gen der „Niederdeutschen Bühne" bisher ge­rade in den Kreisen der Plattdenücher Ver­eine unserer Gegend so wenig Entgegenkom­men gefunden haben!

Gerade die Plattdeutschen soltten mit allen Kräften, sogar mit Aufwenduno einiger Reichsmark, mitwirken helfen an der Wieder­belebung unserer Heimatsprache. Der Bauer auf dem Lande beginnt allmählick, ftcb auf den Wert und das Recht seiner Muttersprache zu besinnen und es nichi mehr als Zeichen von Unbildung, sondern als Zeichen 'irechten Germanentums anzusehen, wenn er platt­deutsch spricht. Nun muß die Stadt weiter helfen. Also aus, Ibr Plattdruiscben ra Bremen, helft aufrichten, was im internatio­nalen Strom unterging! Ihr Hochdeutschen, geht hin und hört Euck» einmal an, wie "»s dem lebendigen Quell vedenständiger Sprache und bodenständigen Denkens immer noch er quickend frisch und rein emporsprudel, sbne den dicken Schlamm, der uns so oft aus den modernen Senkgruben fremdrassjger Denk­weise entqegenduftete.

Nicht nur eine helle, gesunde Freude wird der erleben, der die plattdeutschen Theater­abende der „Niederdeutschen Bühne" besucht sondern er hilft dadurch auch tätig mit an der hohen und heiligen Aufgabe, aas russiscbc Erbgut heimischer Wesensart und heimischer Sprache vor dem Untergänge zu cetlen und Wieder zu Kraft und Elften -ii vitm.en

Ptteckttcüi V7»IlwLmi

Die Heimat null

Warum sollen wir ausländische Bolzet nehmen, wenn unsere deutschen doch so oft» sind? Warum sollen wir ausländische Aepfel essen, wenn uns so viel köstliche im eigenen Lande wachsen? Warum sollen wir ausländische Theaterstücke anhören, wenn wir so schöne lustige und ernste deutsche be^' sitzen?

Für uns Niedersachsen aber ist es besän- ders wichtig, daß wir plattdeutsche Stücke kennen lernen. Die. meisten Norddeutschen wissen womöglich! gar nicht, daß es gut- plattdeutsche Theaterstücke überhaupt gibt Und dabei chaben uns; die Heimat und ibre' Dichter so wundervolle; Dramen geschenkt be' denen uns das Herz aufgeht und, die Träne" fließen, manchmql vor Ergriffenheit, manch­mal vom Lachen.. .

Das ist chesunde. kräftige Kost!

Kein jüdisches Sinuenkitzeln und keine

sentimentale Rührseligkeit. Alles ist echt nn^ frei; und erst beim Zuhören merk, manche., wie schön unser Plattdeutsch ist, wie voll un^ ungebrochen dieser Sprache Kraft sich durch Jahrhunderte gehalten Hai, wie frah und tief '»sein Humor sich in.unser Herz schmeichelt, i J'eHt,/wo der Deutsche sich enolich miede, auf seine Rasse und seine Hctma, beio»ne>. hüt. jetzt ist es an der Zeit, die alte stehe schöne Heimalspräche Ntedersachsens wieder zu Ebren zu bringen

Der-nationalsozialistische „Kampfbund für deutsche Kultur" hat-es daher für eine se'ner Wi'eltzn hohen: Ayfggben gehalten, hier krästip einzugreifen.: In.seinem Sinne oeranst>lte^ die . „Niederdeutsche. Bübme" im kommende» Winter mehrere plattdeutsche Thrat-rub-nbe und-,will-es-dvrtss -llillige Abonnem.ntskartev auch den weniger Bemittelten möglick machen die prächtigen Kunstwerke heimatlicher