Nr. 224. Jahrgang 1933
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Vrrmen. Dienstag, den 22. August 193s Einzelpreis 15 Vts.
Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene nun» Zeile HlF 0^i3, auswärts A4k0.17; im Lexttei!^>0.75.auswärts1.—: Stell«np«suchk^-kv-l>st Familienanzeigeu Stellenangebote und Wohnungsmarkt ^L>! 6.08 ionsiip« ileivk pridaleidnzetceu bis zu 20 win bei Vorauszahlung <ohn« Rabatts 0.08. Pladvorichristru ohne Derbindlichteit. Anzeigenschluß 1t Uhr. Bei Betriebsstörung. Streit, Verbot u. i. w. hat d« Bezieher leinen Anspruch aus Rückzahlung d«S Bezugspreises.
DLs AnrMoke 0ro<ur des Genols der Trersrr NEfMaöl BremEM.
Amerika hat neuerdings die Absicht, sich von seiner „Missionsarbeit für Frieden und Abrüstung in Europa" zurückzuziehen und auf die Initiative der europäischen Staaten zu warten; so ließen wenigstens die maßgebenden politischen Kreise von USA. verlauten. Wenn wir darauf warten wollten, können wir uns ruhig begraben lassen Es zeigt sich ja immer wieder, daß kein Mensch an Abrüstung denkt. Frankreich baut Tan"s, England kauft Flugzeuge, Rußland rüstet, Polen rüstet, nur Deutschland hat gerade hunderttausend Mann mit Papptanks für den Landkrieg und Leuchtkugelpistolen für den Luftkampf. Wir haben aus verständlichen Gründen immer wieder die Initiative ergriffen. Auf die anderen braucht man nicht zu hoffen, und nach so vielen Enttäuschungen auch auf uns nicht mehr
vr. Albert tritt sms dem Vorstand des Nordd uMen Llotzd aus
Bremen, den 22. August 1933. Der Ausichtsrat des Norddeutschen Lloyd hat dem Wunsche des Vorsitzenden des Vorstandes deS Lloyd, Dr. H. F. Albert, zum 30. September ds. Js. aus seinem Amte auszuscheiden, stattgegeben Dr. Albert war im Mai vorigen Jahres dem Ersuchen auf Uebernahme des Vorsitzes gefolgt, nachdem es sich als wünschenswert erwiesen hatte, die Führung der Geschäfte einem an der bisherigen Geschästspolitik unbeteiligten, in Fragen der Organisation und Finan zen erfahrenen Mann zu übergeben. Herr Albert sieht die ihm gestellte Aufgabe als erfüllt an und hat den Wunsch, sich seiner früheren Berufstätigkeit wieder zuzuwenden.
Amerikanische MÄt m Flammen
Amsterdam, 21. August.
Bei der Direktion der Königlich-Niederländischen Schiffahrtsgesellschaft ist ein Radio- telegramm eingegangen von dem Befehlshaber des „Herkules", eines Schiffes dieser Gesellschaft, in dem gemeldet wird, das Schiff habe die Besatzung und die Passagiere der amerikanischen Yacht „Augusta G. Hilton", insgesamt 46 Personen, übernommen und bringe diese nach Portorico.
Weitere GebüheeMriSung im Äea-iwagenverlebe
Berlin, 21. August.
Der Reichsverkehrsminister hat die Gebühren, die dem amtlichen Sachverständigen für die Prüfung von Kraftfahrzeugen, Kraftfahrzeugführern, Fahrlehrern, Lehrwagen und Lehrmitteln zustehen, wesentlich gesenkt. So kostet z. V. die Prüfung eines Kraftwagens am Wohnsitz des Sachverständigen nur noch 15 RM. (bisher 18 NM.), eines Kleinkraftrades 7 RM. (bisher 8 RM.), eines anderen Kraftrades 10 RM. (13.50 RM.), eines Kraftwagenführers 10 RM. (13.50 RM.), eines Kraftradführers 7.50 RM. (9 RM.).
Das Ergebnis
-er Bes-rechlmge« i« Rom
Berlin, 21. August.
Die ursprünglich erst für Ende des Vormonats vorgesehene, aber auf den vergangenen Sonnabend vorverlegte Zusamenkunft zwischen dem österreichischen Bundeskanzler und dem italienischen Regierungschef war innerhalb weniger Monate die d ri t ie persönliche Fühlungnahme, die Dollfuß mit Mussolini hatte. Immer handelte es sich um die innerpolitische Lage Oesterreichs, um seine Lebensfähigkeit und die Frage seiner Eingliederung in ein größeres europäisches System. Worüber diesmal in Rimini gesprochen wurde, ist aus der ausführlichen Mitteilung der offiziösen Nachrichtenagentur trotz der diplomatisch vorsichtigen Stilisierung leicht zu entnehmen und von der maßgebenden französischen und englischen Presse auch mit bemerkenswerter Uebereinstimmung entnommen worden.
Mussolini, so läßt sich zunächst feststellen, zeigt keine Neigung, sich im Zusammenhang mit dem österreichischen Problem an irgend einer gegen Deutschland gerichteten Aktion zu beteiligen. Eine hochpolitische Behandlung der deutsch-österreichischen Entspannung liegt nach wie vor nicht in der Linie der italienischen Politik.
Unter diesem Gesichtspunkt ist die Erwähnung des V ie rm ä ch te pak te s in der genannten italienischen Mitteilung von ausschlaggebender Bedeutung. Aus ihm ergibt sich, daß Italien die
Innsbruck, 21. August.
In Vorarlberg hat der Sicherheitschirektor Rada einen Erlaß veröffentlicht, demzufolge verfügt wird, daß aus ehemaligen Mitgliedern der Nationalsozialistischen Partei sogenannte „Putzscharen" gebildet werden müßten, die auf Wänden und Häusern aufgemalte Hakenkreuze zu entfernen haben. Wer sich weigere,.habe hohe Arreststrafen bis zu sechs Monaten und Geldstrafen bis zu 2000 Schillingen zu erwarten. Am Sonntag wurde nun in Bregenz bereits die erste dieser Putzscharen gebildet. Ein Reichsdeutscher lehnte die Mitwirkung bei der Entfernung von Hakenkreuzen ab. Er wurde verhaftet und hat nun schwere Strafe zu gewärtigen.
Da in den letzten Tagen auf den Bergen nm Innsbruck wieder Hakenkreuzfeuer abgebrannt wurden, nahmen die Behörden wieder einige Ber- hastungen von Nationalsozialisten als Geiseln vor. Darunter befindet sich auch der Jnnsbrucker Rechtsamvalt Dr. Gelb, der eine Gefängnisstrafe von acht Wochen erhielt.
österreichischen Schwierigkeiten in dem größeren Zusammenhang der Donaufrage stellt, daß es aber in dieser Hinsicht keine von politischen Hintergedanken getragene und insbesondere keine gegen die deutschen Interessen gerichtete Lösung anstrebt, sondern lediglich eine Regelung, die der wirtschaftlichen Vernunft entspricht.
Man hat in Paris richtig erkannt, daß Mussolini trotz aller französischen Bemühungen um eine Einheitsfront an der Donau nach wie vor den französischen Plan einer Donau- föderatioi. ablehnt. Es ist offenbar eine überspitzte Auffassung seiner Absichten, wenn in Paris von einem deutsch-österreichisch-ungarisch- italienischen Block gesprochen wird. Es liegt noch nicht die Bildung eines Blocks oder der Plan dazu vor, wenn der österreichische Bundeskanzler in Uebereinstimmung mit Mussolini die Zusammenarbeit mit Italien, Ungarn und Deutschland im Rahmen einer Politik des Friedens und der Zusammenarbeit mit allen benachbarten Mächten als ' ,.>ders wünschenswert bezeichnet. Treffender ist die Auffassung der französischen Presse, das Mussolini eine Schiedsrichterrolle m Europa erlaub hat, aber das ist nicht in erster Linie auf di.. ltung Englands zurückzuführen, sondern vor allem auf seine eigene konsequente und leidenschaftslose Realpolitik.
KathottfOer Geistlicher verhaftet und wieder frei«r lasten
München, 21. August.
Die Lanvesleitung Oesterreich der NSDAP erhält aus Eraz folgende Meldung:
Der steierische katholische Priester Dr. Simon Pirchegger, der sich schon seit langem offen zum Nationalsozialismus bekannte und in einer Broschüre die Bischofserlasse gegen die NSDAP kritisierte, wurde am vergangenen Mittwoch abend von zwei Kriminalbeamten in dem Sanatorium Erabenhofen verhaftet, während gleichzeitig seine Wohnung durchsucht wurde. Aus der Polizei wurde Dr. Pirchegger einem IILstiindigen Verhör unterworfen, um von ihm zu erfahren, ob er schriftlichen Verkehr mit der Landesleitung in München unterhalte. Am Freitag nachmittag wurde Dr. Pirchegger gegen Gelöbnis wieder auf freien Fuß gesetzt, da man ihm nichts nachweisen konnte. Bezeichnend ist, daß man Dr. Pirchegger während seiner Haft nicht gestattete, mit seinem Rechtsanwalt in Verbindung zu treten. Die Veröffentlichung dieses Zwischenfalls wurde in der Presse verboten.
Dollfub ist befriedigt
Wie«. 21. August.
Nach einer Mitteilung der Politischen Korrespondenz hat sich Bundeskanzler Dr. Dollfuß wäh- rend seines kurzen Aufenthaltes auf dem Wiener Flugplatz ungemein befriedigt über das Ergebnis seiner Reise nach Rimini ausgesprochen.
In diesem Zusammenhang unterstrich er, wie die Politische Korrespondenz berichtet, mit sichtlicher Genugtuung, daß er auch diesmal wieder bei dem italienischen Regierungschef nicht nur volles Verständnis für die Verhältniße und Bedürfnisse Oesterreichs gefunden habe, sondern sich davon habe überzeugen können, daß Mussolini warmes und tätiges Interesse an dem Gedeihen eines freien und unabhängigen Oesterreichs hege.
Der Müftug des Vi^esS mlers
Wlen, 21. August.
Bundeskanzler Dollfuß ist auf seinem Rückflug von Venedig, da seine Absicht, nach Uebersliegen des Eroßglockners in Salzburg zu landen, infolge des herrschenden schlechten Wetters nicht ausführbar war, die normale Route geflogen und kurz nach Mittag aus dem Wiener Flugfeld gelandet. Nach kurzem Aufenthalt ist Dr. Dollfuß programmgemäß nach Salzburg weiter geflogen, wo Handelsminister Stockinger zu Mittag aus Wien eingetroffen war.
9sS ge ähnliche Aaterrkeeur- TrinkglaS
Wien, 21. August.
Die Staatspolizei führte eine geheime Untersuchung gegen mehrere Vereine durch, in denen sie nationalsozialistische Zellen vermutet. Mehrere führende Mitglieder der Vereine sind verhaftet worden. Im Prater in Wien ist eine Versammlung des Vereins der Sonnenfreunde, an der etwa 100 Personen teilnahmen, von der Polizei gesprengt. Die Führer wurden verhaftet und der Verein aufgelöst.
In Freistadt in OVerösterreich hat ein früherer nationalsozialistischer Eemeinderat ein „Berbrechen" begangen, wie es die Polizeiberichte bisher nicht verzeichnen konnten: Er hat in einem Gasthaus aus seinem mit einem Hakenkreuz gekennzeichneten Glas getrunken. Die Gendarmerie erstattete Anzeige und beschlagnahmte das Glas.
I^odttmadmng!
In diesen Tagen rüstet ganz Bremen znm großen Gebiets- trefsen der Hitlerjugend Was hier marschieren wird, ist
Vsulscklanö von morgen!
Wieder RMsMWMifteN als Gesteln leftaemMMers
OüsLnde e!rierkultur 5 (^ 3 n 6 e
Berlin, 22. August
„Sie können überzeugt sei», daß im kommender nationalsozialistischen Staat diese Zustände sehr schnell beendet sein werden!"
So schrieb Adolf Hitler an Dr. Eckhard, nachdem er dessen Schrift „Grausamkeiten des Menschen gegen das Tier" gelesen hatte. Schneller, als die Tierfreunde erwarteten, hat der Reichskanzler sein Wort eingelöst. —
Alle Menschen, die Freunde des Tieres sin! und denen Tiere zu Freunden wurden, du davon überzeugt sind, daß wir nicht das Rech haben, mit willkürlicher Grausamkeit Tier» zu quälen, indem wir am lebenden Tier her» umschneiden und herumexperimentieren, — sie alle standen auf gegen die Vivisektion, nicht nur in Deutschland, nein — in der ganzen gesitteten Welt!
In Deutschland wurde zwar durch eine Verordnung vom Jahre 1885 — den s» genannten Eoßlerschen Erlaß — eine gewiss« Beaufsichtigung der Vivisektion angeordnet, doch wurde hierdurch noch in keiner Weise da» Herumexperimentiern am lebenden Tier zu Ünterrichtszwecken verhindert.
Als diese Verordnung im Jahre 1930 ihre Gültigkeit verlor, trat in Preußen an ihre Stelle eine schärfere, — aber da die damaligen Regierungsstellen auf eine Durchführung der neuen Bestimmungen nicht achteten, ändert« sich nur wenig:
Der Frevel am Tier ging weiter!
Schon im vorigen Jahre beantragten dt« Nationalsozialisten — noch ehe sie die Macht ergriffen hatten — im Preußischer Landtag das Verbot der Vivisektion, doch i« Strudel der politischen Geschehnisse blieb auch dieser Vorstoß unbeachtet.
Seit Bestehen der neuen Regierung begannen aber sofort intensive Verhandlungen zwischen dieser und dem Tierschutzverein, die ihren Niederschlug in einer ausfiihr- lichen Denkschrift fanden, die wir vor zwei Monaten überreichten.
Und heute ist das, worum Millionen in der ganzen Welt kämpften, in Deutschland endlich erreicht: die Vivisektion ist untersagt!
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Im Jahre 1930 veranstalteten wir ein« Rundfrage unter 2000 prominenten Aerzten an den deutschen Universitäten, in der wir sie über ihre Stellungnahme zur Vivisektion befragten. Etwa 1500 Antworten gingen ein, und von diesen äußerten 95 Prozent, daß die Wissenschaft heute zwar nicht ganz auf das Experiment am lebenden Tier verzichten könnte — vor allem spiele das Tier für die S e r u m --Behandlung einer unersetzliche Rolle — daß jedoch weitgehende Ein- schränkungsmöglichketten gegeben seien.
Das Ergebnis dieser Umfrage bestimmte auch unsere Einstellung: Gewiß würde jeder tterliebende Mensch es am liebsten sehen, daß die Vivisektion überhaupt voll und ganz untersagt würde. Andererseits darf man aber — unserer Meinung nach — als Laie sich nicht einfach über alle Forderungen der Praxis hinwegsetzen, — es geht nicht, daß man über dem ethischen Ziel die Notwendigkeiten des
Hlode und Leist in
Wenn in vielen Jahren einmal der große Literaturwissenschaftler kommt und sich die Literatur der letzten zehn Jahre m Deutschland ansehen wird, wird er in peinlicher Verlegenheit sein. Es wird sich alsdann zeigen, daß es selten in der deutschen Literaturgeschichte eine Epoche gegeben hat, die so schwer zu klassifizieren und einzuordnen war wie diese der zehn Jahre von 1923 bis 1933. Der Literaturwissenschastler wird sich den Natu ralismus der Vorkriegszeit betrachten und wird feststellen, daß er genau den« Geist der damaligen Zeit entsprochen habe — einem Geist, der alles zu errechnen, alles zu erforschen sich unterfing, für den es kein Geheimnis kein Mysterium auf der Welt gab, keinen Geist — nur Materie, in der alles ableitbar war, wenn man die Vorgeschichte kannte X. mußte, mußte sich unter gewissen Bedingungen ebenso verhalten wie er es tat — tat er es nicht, so war er ein wenig verrückt nnd jedenfalls einer literarischen Behandlung nicht Wert. Literatur als Wissenschaft staft als Kunst — und wenn einmal einer aus der Reihe tanzte, wenn etwa ein Gerhard Hauptmann in „Pippa" den Weg zum Geheimnis hinter den Dingen suchte, dann lehnte man das mit überlegenem Achselzucken ab. Ein klarer Tatbestand für den künftigen Wissen schaftler, wenn auch kein erfreulicher.
Dann kam der Krieg, mit ihm der Er Pressionismus — eine Epoche der Ausräumung, der Zerschmetterung des NaturaliL mus. Soweit gut und schön, der Naturalismus mußte beseitigt werden, er war ver staubt und grau — fort mit ihm! Als man aber diese Aufräumungsarbeit geleistet hat'e das war eben um 1923 geschehen — da zeigt- sich ein betrübliches Faktum. Man wußte nichts, das man an seine Stelle setzen konnte. Man lebte in einer entgötterten Welt. und trotz allen Geschreis nach Inhalt, nach Seele, nach Jenseits hatte der Expressionismus
nicht vermocht, seine Zeit mit irgendeinem Inhalt zu erfüllen. Und so kommt es. daß der Literaturwissenschaftler der Zukunft vor dem letzten Dezennium den Kopf ziemlich ratlos schütteln wird. Endlich aber wird ihm ein Licht aufgehen und er wird sägen: „Jetzt weiß ich die Formel — das war die Epoche der literarischen Moden!"
Das ist, wir wissen es, ein herbes Wort — aber ein wahres. Hat die deutsche Literatur der letzten zehn Jahre einen Geist hervorgebracht? Nein. Hat sie eine Richmng ge habt? Nein. Hat sie Leidenschaft, Kraft, Stimmung gehabt, Zeit- und Weltgefühl; Nein, nein, nein! Moden hat sie gehabt, nichts als Moden. Wer die Moden voraus- spüren konnte (es gibt Leute, die mit absonderlich feinen Nasen begabt sind), der machte das Geschäft, die anderen liefen h-nterhe> und versuchten noch ein Restchen zu ergattern
— vom Geschäft, wohlgemerkt, von nichts anderem. Die Literatur war Geschäft geworden. es ging zu wie in einem Schneide--lad»n
— wer die nächstjährige Mode kennt, die neuesten Dessins, der ist fein rauS, die anderen holt der Gerichtsvollzieher.
Da haben wir denn nacheinander gehabt Vater und Sohn, Schein und Dein, Weltkrieg, Inflation, Freikorps, historische Reportage, politische Reportage — bloß eines haben wir nicht gehabt: Geist. Alles das war tcckmiscb. handwerklich aus gerader« unhein,- lichsr Höhe. last niemals ist in Deutschland eine solche Flut von gekonnter Literatur produziert worden — an was bat es nur gelegen, daß diese Literatur trotzdem so unbefriedigend, iy inhaltlos war?
Sie stand allein. Sie hatte keinen Boden unter den Füßen, sondern Asphalt. Die batte keine Verbindung mit dem Volk, sondern sie arbeitete für den immer gleichen kleinen Kreis von WW--Lcutcn und Snobs. Si- gebärdete sich unheimlich sozial und darum
so links wie möglich, aber ihre Träger hatten noch nie eine Schwiele an den Händchen gehabt. Sie stand allein.
Es ist staunenswert, zu sehen, wie sich dieses Bild in nicht mehr als vier. fünf Monaten verschoben hat. Die früheren Träger der Literatur sind verschwunden — domilizieren in Paris oder sonstwo. Neue Gesichter tauchen allerorten auf. Aber nick, nur neue Gesichter sind das, sondern auch ein neuer Geist — Geist! Durch alle diese neuen Bücher geht das gleiche Ringen um neue Dinge. Unendlich viel ist noch ungesagt, unendlich viel noch ohne die dichterische Vision, unendlich viel ist zu tun. Aber — das ist das wesentlich Neue: alles das geht vor stick unter der Führung des neuen Geistes des neuen Deutschland. Alles dreht sich um Dinge, um Probleme, die uns wirklich berühren, die bluttrah sind — nicht fü>- einen kleinen Kreis, sondern wirklich für das ganz' sein!
Volk. Man weiß genugsam, welch eine schwere Aufgabe damit in Angriff genommen wird. Man weiß, Deutschland ist — lächerlich, jämmerlich zu sagen! — bis heute das Land ohne nationale Literatur gewesen. SS fehlt daher allen Jungen die Tradition, die der ftrnge Schriftsteller etwa in Frankreich, auch in England, in starkem Maß vorfindet. Nur Italien kennt ähnliches — und wir sehen, was dort auch in dieser Hinsicht in den letzt"« zehn Jahren, in denen der Faschismus herrscht, geschafft worden ist. Allerdings - Italien hatte eS leichter, stellten sich dock seine beiden bedeutsamsten Schriftsteller d'Anmm- zio und Pirandello, vorbehaltlos in den Dienst der neuen Bewegung, während die bedeutenden Schriftsteller des früheren Deutschlands grollend und abseitig sick, zu- rckckbglten und alles. alles den Jungen Über- lassen.
Nun — die Junaen werden es dadurch vielleicht eist wenig schwerer, haben, aber sie wenden es trotzdem schaffen. Und sie wenden
dann die Genugtuung haben, sagen zu können: wir allein sind es gewesen! Die souve räne Leichtigkeit, mit der der Nationalsozialismus die Macht übernommen hat, hat es bewiesen, wie sehr das vorher herrschende Deutschland ohne geistige Inhalte zwingender Natur gewesen ist. Diese Inhalte sind da — der Nationalsozialismus hat sie in reichster Fülle mit sich gebracht. Für die jungen Dichter heißt es, sie umzuformen zu dichterischen Gesichten. Das ist eine Arbeit von Fahren — aber endlich eine Arbeit, die das Schreiben lohnt. Das Dezennium von 1933 zu 1943 Wird kein Dezennium der literarischen Moden
Unser Ardsltsäisnst wirkt als Beispiel im Anslanä
Der widersinnige Beschluß der Genfer Völker- bunds-Kommission gegen die deutsche Arbeitsdienstpflicht zeigt, wie fern dieses Gremium der wirklichen Not der Welt steht. Im Gegensatz zu diesem Manöver der Verdächtigung Deutschlands — als wäre der Arbeitsdienst eines der gefährlichsten Mittel der Aufrüstung — haben alle die Kreise des Auslandes, denen ernsthaft an -einer Ueberwindung der Not der Arbeitslosen gelegen ist, nicht nur das deutsche Beispiel studiert, sondern sie sind z. T. auch schon selbst an den Aufbau eines Arbeitsdienstes herangegangen. Diese Tatsache straft am besten alle Verdächtigungen Lüge, wonach der deutsche Arbeitsdienst eine militärische Einrichtung sein soll.
Vor allem sind eSdie Vereinigten Stattn, die den Arbeitsdienst sehr planmäßig aufbauen. Sie haben unter dem ausdrücklichen Hinweis aus Deutschland als ihren Lehrmeister am umfassendsten die Lösung des Problems versucht. Auf Grund eines längeren Studienaufenthalte? in Deutschland hat ein Mitglied der Nnterrichtsbehörde einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Aufstellung einer „Armee der Arbeit" von 250 000 Mann vorsieht, Trotz des.eigentlich charitativen Charakters des amerikanischen Arbeitsdienstes hat man es jedoch bei der
Dringlichkeit der Mobilisierung für nötig gefunden, die gesamte Organisation der Heeresverwaltung zu übertragen. Im Gegensatz zu Deutschland wird die Rekrutierung und die Jnftruiernng der Armee der Arbeit also von militärischen Stellen ausgeübt. In erster Linie sollen in ihr jahrelang arbeitslose Jugendliche aufgenommen werden. Wie die Militär- zeitschrift „Army and Navy" berichtet, war der Andrang der Jugendlichen so groß, daß die militärischen Stellen kaum alle Vorarbeiten rechtzeitig beenden konnten. Ein besonderer Bundeskommissar ist-an die Spitze des Arbeitsdienstes gestellt; er nimmt mit seinem Büro im besonderen die Bereitstellung und Durcharbeitung der notwendigen Arbeitsprojekte vor, wobei es sich ähnlich wie in Deutschland um Melioration?. und Forstarbeiten handelt. Zur Finanzierung sind 50V Millionen Dollar — Eingänge aus dre neuen Biersteuer — vorgesehen.
In Europa haben vor allem England und die Schweiz ernsthafte Versuche unternommen, einen Arbeitsdienst auszubauen. Während der -englische Thronfolger und einzelne Abgeordnete im Unterhaus die Einführung eines Arbeitsdienstes fordern, haben verschiedene Kreise Englands, die seit langem mit der deutschen bündischen Jugend in Verbindung standen, die Durchführung im Sinne der Selbsthilfe praktisch in die Hand genommen. Ziel des Arbeitsdienstes ist in allen Fällen die teilweise «der vollständige Ansiedlung von Arbeitsloscn-Gruppen auf dem Land. — In der Schweiz konnte man beim Aufbau des Arbeitsdienstes, der Meliorationsarbeiten und Landgewinnung in den Bergen dient, auf eigene Erfahrungen in internationalen studentischen Arbeitslagern zurückgreifen. Aehnliche Vorarbeiten Praktischer Natur liegen in Holland und Polen vor. Im einem Fall sind Meliorationsarbeiten, im anderen Fall Bahnarbeiten und Scholtergewinnunz in den Grubenrevieren Grundlage des Aufbaus. — Vom Standpunkt aktiver deutscher Kulturpolitik haben wir alles Interesse, die Entwicklung des Arbeitsdienstes im Ausland aufmerksam zu verfolgen und womöglich zu fördern