Nr. 223. Jahrgang 1933
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Sie 21. VeMche Sstmefie erSWet
EröWunasre-e des ReichSmiMers Dr. Schwill
Das Befinden des Adjutanten Brückner gut
München, 20. August.
Wie die Reichspressestelle der NSDAP. mitteilt, Ist, dem Sonnabend-Bericht aus dem Krankenhaus Traunstein zufolge, der weitere Krankheitsverlauf bei dem verunglückten Adjutanten des Führers, Brückner, günstig. Der Wundschmerz hat wesentlich nachgelassen. Die Nahrungsaufnahme ist ausreichend. Der Verbandswechsel am Kopf ergab ein erfreuliches Fortschreiten der Wundheilung und Keinerlei innere Infektion. Am Arm wurde auch am Sonnabend auf einen Verbandswechsel verzichtet. Die Besinnung ist völlig klar. Gruppenführer Brückner hat dankbar von den vielen Beweisen freundschaftlicher Gesinnung Kenntnis genommen. Im übrigen ist sein Befinden gut, wie es in Anbetracht der kurzen Frist sein kann.
Motorrad eM m MarWSersnLe SA
Fünf Schwerverletzte
Flensburg, 20. August.
Ein unbeleuchtetes Motorrad fuhr am Sonntagabend in der Nähe der Städten eine Abteilung marschierender SA. Vier SA-Männer wurden zu Boden gerissen und zum teil schwer verletzt. Der Motorradfahrer, der erhebliche Verletzungen erlitt, wurde zusammen mit seinen Opfern ins Krankenhaus geschasst. Der Zustand eines SA -Mannes, namens Christensen, der einen Schüdelbruch davongetragen hat, ist sehr bedenklich.
LMKaf-wMeK mü ZO HMr- ckrrgen vemmgMM
Braunsberg (Ostpreußen), 20. August.
Auf der Straße von Frauenburg nach Braunsberg kippte ein Marienburger Lastwagen, auf dem sich etwa SO Mann Hitlerjugend befanden, um, als ihn ein anderer Kraftwagen beim Ueberholen streifte. Der Wagen stand völlig Kopf und begrub einen Teil der Hitlerjungen unter sich. Wie durch ein Wunder sind die Verletzungen im allgemeinen nur sehr leichter Natur. Elf Hitler- jungen mußten in das Braunsberger Krankenhaus eingeliefert werden, jedoch konnten sechs nach Anlegung von Verbänden entlassen werden. Nur fünf bleiben im Krankenhaus. Von ihnen ist besonders der Hitlerjunge Werner Jantzen aus Marienburg durch eine Kopfverletzung und einen Armbruch schwer isrletzt. Die vier anderen haben Gehirn- -rschütterung, innere Verletzungen und leichtere Brüche erlitten.
Aurormfak Vr. von Ren Ms
Hannover, 20. August.
Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, Dr. von Rente In, ist auf einer Dienstreise in der Nähe von Hannover mit seinem Kraftwagen verunglückt. Infolge Reifenschadens geriet der Wagen ins Schleudern und fuhr eine Jemlich tiefe Böschung hinab. Dabei überschlug sich »er Wagen und begrub Dr. von Renteln unter sich Mit Mühe konnte er sich unter dem Wagen hervor- irbeiten. Außer äußeren Verletzungen hat Dr. von Kenteln keine ernstlichen Verletzungen erlitten.
Königsberg, 20. August.
Am Sonntagvormittag wurde die 21. Deutsche Ostmesse in Königsberg mit einem feierlichen Festakt im Neuen Schauspielhaus eröffnet. Das Opernhausorchester spielte zum Eingang Beethovens „Weihe der Tausend". Tann nahm der Oberbürgermeister der Stadt Königsberg, Dr. Will, das Wort. Er begrüßte den Reichswirtschaftsminister und preußischen Minister für Wirtschaft und Arbeit, Dr. Schmitt, den Oberpräsidenten, Staatsrat und Gauleiter Erich Koch, Gauleiter der Provinz Pommern, Karpenstein, Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium, Feder, den Botschafter in Moskau, Dr. von Dircksen, den Leiter der Ostabteilung des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirektor Meyer, und die diplomatischen Vertreter im östlichen Ausland. Ganz besonders bedauerte er es, daß der Schirmherr der Ostmesse, der preußische Ministerpräsident Göring, durch Besprechungen mit dem Reichskanzler am Erscheinen verhindert sei. Im weiteren Verlauf erklärte er, die diesjährige Deutsche Ostmesse sei ein Zeuge, durch den stärker als durch viele Worte der Selbstbehauptungswille und der fortschreitende Wiederaufbau Ostpreußens der ganzen deutschen Wirtschaft bewiesen werde. Der Redner schloß mit den Worten: „Vorwärts und aufwärts, das ist unsere Losung. Heil Hitler!"
Unter großem Beifall führte dann der Wirtschastsminister Dr. Schmitt
aus, die Ostmesse habe die Aufgabe, die Verbindung zwischen Ostpreußen und der übrigen deutschen Wirtschaft zu beweisen, und darüber hinaus ein Mittler zu sein zwischen Deutschland und den benachbarten Ländern im Osten. Er sprach weiter der Stadt Königsberg und den Männern, die sich um die Messe verdient gemacht haben, herzlichen Tank aus und beglückwünschte vor allem Oberpräsident Koch und seinen Stab, daß es Ostpreußen als erstem Land im deutschen Kampf gelungen sei, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen.
Der Minister erklärte weiter, die deutsche Reichsregisrung sei durchaus von der Wichtigkeit durchdrungen, die der Entwicklung unseres Außenhandels und besonders der Entwicklung des wirtschaftlichen Wiederaufstieges und Aufblühens des deutschen und des ganzen europäischen Ostens zukomme. Sie hoffe zuversichtlich, daß der allgemeine Aufschwung sich fortpflanzen und dazu führen möge, daß der Handel und die Wirtschaft im Osten Europas einen Aufschwung nehme und damit
eine allgemeine Beglückung und Befriedung der Völker bringe.
Heute beseele uns ein Glaube, der auch wirtschaftlich die Voraussetzung für alles sei, was man Wiederaufstieg nenne.
Ein Volk, das nicht an sich selbst glaube
und nicht durchdrungen sei von dem
Willen, sich selbst zu behaupten, werde auch dann nicht bestehen können, wenn es sich aus tüchtigen Kaufleuten zusammensetze.
Der Glaube, den uns das Tritte Reich und unser Führer Adolf Hitler gebracht habe, sei der Grund, auf dem sich alles aufbaue und auf dem auch die wirtschaftliche Wiedererstarkung Deutschlands allein sich ermöglichen lasse. Der Redner schloß mit dem Wunsch, daß Ostpreußen blühen und wachsen und seine Wirtschaft erstarken möge. In diesem Zusammenhang gedachte er auch des ehrwürdigen Sohnes der Provinz, des allverehrten Reichspräsidenten, der ja auch gegenwärtig in Ostpreußen weilt.
Der Rede folgte anhaltender Beifall. Dann nahm Oberpräsident Staatsrat Gauleiter Erich Koch, gleichfalls von Beifall begrüßt, das Wort. Er führte aus, die Ostmesse sei ein Leistungsnachweis des deutschen Volkes. Sie solle aber auch den Nachweis erbringen, daß es sich im Staat der nationalsozialistischen Weltanschauung nicht um ein imperialistisches Staatsgebilde handele. Wir wollten nicht imperialistische Wirtschaft treiben, sondern wir verlangten für uns nur eins, was jedes Volk von Ehre als selbstverständlich in Anspruch nehme:
„Laßt diesem deutschen Volk seine Ehre und Freiheit und ihr werdet sehen, daß
München, 20. August.
Bei der glichen Zahl von Teilnehmern am Gebietstresfen der Hitlerjugend, die sich nach vorliegenden Meldungen auf 42 710 beiäuft, ist die Zahl der Verletzten und'Erkrankten, die sich trotz bester Organisation unter Einwirkung höherer Gewalt nicht ganz vermeiden lassen können, in verhältnismäßig niedrigen Grenzen geblieben. Nach Angabe des verantwortlichen Sturmbannarztes Dr. Eg- gers sind von den Sanitätsmannschaften der SA., dem städtischen Rettungsdienst und den Sanitätskolonnen, insgesamt etwa 2500 Fälle fast ausnahmslos leichter Art, behandelt worden.
Die Zahl der Unfälle wurde aber durch einen orkanartigen Sturm, der zwischen 12 und 13 Uhr über München hinwegging, größtenteils verursacht. Von der Gewalt des Sturmes kann man sich einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß das Dach eines 75 Meter langen Stallgebäudes der Fahrabtei- lung der Reichswehr abgedeckt wurde. Diesen Orkan vermochten auch die großen Zelte auf
das deutsche Volk sensgarant
in Europa zum Se-,, zwischenstaat
lichen Beziehungen ua osteuropäischen Raum sein wird."
Die Schlacht, die wir schlugen, war der Kampf gegen die Pest der Arbeitslosigkeit, unter der, solange man Deutschland in Mitteleuropa nicht seine Freiheit lassen werde, alle Staaten der Welt leiden werden.
Nachdem der Beifall verklungen war, spielte die Kapelle das Deutschlandlied, an das sich das Horst-Wessel-Lied schloß. Mit dem Vorspiel zu Wagners „Meistersinger von Nürnberg" klang der Festakt aus.
ser erste Tag der Meste
Königsberg, 20. August.
Nach Mitteilung der Messeleitung war die 21. Teutsche Ostmesse bereits am ersten Tage ein außerordentlicher Erfolg. Der Besuch war bedeutend stärker als in den früheren Jahren. Besonders der Zustrom aus der Provinz, dem Memelland, Danzig und den Randstaaten war um etwa 40 v. H. höher als im letzten Jahr. Die 80 000 Quadratmeter Ausstellungsgelände waren seit vielen Jahren zum erstenmal wieder voll besetzt und es müßten eine ganze Reihe von Anträgen zurückgewiesen werdend
Oberwiesenfeld nicht standzuhalten und wurden zerstört. Große Balken wurden herum- gewirbelt.
Ein kleines Zelt wurde mit sämtlichen Insassen etwa 40 Meter weit über den Platz getrieben.
Ein Baum in einer angrenzenden Straße wurde entwurzelt, durchbrach den Zaun und verletzte einen SA.-Mann schwer.
Außer mehreren Verletzten hat der Orkan beim Zusammenstürzen der Zelte auch ein Todesopfer gefordert.
Der größte Teil der Verletzten wurde in das Schwabinger Krankenhaus eingeliefert. .In dem Krankenhaus ist Walter Pröbst- l e r aus einem Münchener Vorort mit einem schweren Schädelbruch gestorben. Im Krankenhaus befinden sich noch weitere sechs Schwerverletzte. Die Aerzte hoffen, sie am Leben zu erhalten.
Dem unerwarteten Unwetter gegenüber, so bemerkt die Leitung des Treffens, haben sich auch die besten Maßnahmen als völlig machtlos erwiesen. Die Jungen hatten
See
VMst«msgedai«ke
Han „ over, 20. August. Auf dem im Rahmen des VdA.-Treffens des Landesverbandes Niedersachsen stattgefundenen Fest der deutschen Schule sprach der preußische Kultusminister Rüst über den Volkstums- gedanken. Erst in diesen Tagen seien wir wieder Zeugen einer un->rbör.ten Hetze des Marxismus gewesen, so führte der Minister aus, und vielleicht erst jetzt hätten viele Unwissende die Wahrheit erfahren, daß dieses Internationale von niemandem anders gehalten wurde, als vom deutschen Volke selbst. Die Schicksalsfrage unseres Volkes sei allezeit gewesen, ob ihm ein Führer erstehe, der es fertigbringe, das Volk aus seiner Weltschwärmerei zurückzuführen zu Blut und Boden. Wenn der VdA. in seinem Kampfe allein geblieben wäre, hätte eine Preisgabe unserer Stammesbrüder im Auslande nicht aufgehalten werden können; denn alle unsere Brüder jenseits der Reichsgrenzen schauten auf Deutschland. Sein Schicksal entscheide auch das Schicksal unserer deutschen Brüder, die unter anderen Staatsflaggen zu leben gezwungen seien. Jetzt gelte es, noch eine Schranke in unserer Gefühlswelt niederzulegen, nämlich die deutsche Reichsgrenze.
Das deutsche Volk suche jenseits der Grenzen nur seine eigenen Volksgenossen, seip eigenes Blut und suche den gerechten Frieden. Der Friede unter der Phrase des Pazifismus sei ihnen allen bekannt. Man habe von Frieden gesprochen und uns die Waffen genommen. Man habe von Freiheit und Selbstbestimmung gesprochen und habe uns unsere Knechtschaft gegeben zum Lohn unseres geduldigen Glaubens an die Weltgerechtigkeit. Das sei nun zu Ende. Wir wüßten aber auch, daß nun auch der Haß seine Grenzen finden werde. Er werde aussterben, wo in Europa eine neue Jugend heranwachse. Die Jugend brauche sich vor der Zukunft nicht zu fürchten, denn wir brauchten nur auf dem Wege, den wir begannen hätten, zielbewußt und ohne Zittern und Zagen weiterzugehen.
Wir dächten heute völkisch, d. h. in einer Gemeinschaft fühlend, die die Generationen vor uns mit umfasse, um alles zu tun, was der kommenden Generation eine sichere Zukunft schaffe. Wer das begriffen habe, werde nie mehr sündigen, wie viele in der Vergangenheit gesündigt hätten. Es habe keinen Zweck, mit Waffen zu winken, die man nicht benütze oder mit Worten zu drohen, hinter denen kein Wille stehe, weil wir wüßten, daß ein Krieg die weiße Rasse in Selbstmord sterben lassen würde.
Die deutsche Jugend wolle lernen, den Blick aus andere zu lenken, die zu ihr gehörten, so aus die in Oesterreich, die unter einer fremden Regierung einen heldenmütigen Kampf kämpfe. Es werde kein halbes Menschenalter vergehen, dann werde auch der Haß erloschen sein, und eine junge Generation in Europa werde unter Beseitigung falscher Parolen
vor dem plötzlich einsetzenden Regen in den Zelten Schutz gesucht und wurden, als der Orkan diese auseinanderriß, durch die herabstürzenden Balken verletzt.
Schwere Sturmschäden in einem Sitler-Iugend-Lager in München
FM sSmiMe 3elre rerttöri ^ Eck Toter, mehrere Schwerverletzte
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Berlin, 18. Auastt (Eig. Meld.)
Professor Dr. Hans Reite r,Mr neue Präsident des Reichsgejundheitsamtes, gab dein^lthesredakteur des W T B- eine Unterredung über Ziele und Aufgaben des Reichsgesundheitsamtes im neuen nationalsozialistischen Staat
„Der Begriff der „Gesundheit" ist uns heute in vieler Hinsicht ein anderer als früher „Gesundheit" ist nicht einfaches Gegenteil von „Kranksein", sondern wie wollen unter „Gesundheit" das höchste Matz an Leistungsfähigkeit verstehen, die bewußt in den Dienst des Staates gestellt wird Die „Gesundheit" eines Volkes — und ihr muß unsere Sorge gelten — ist nicht ein mehr oder weniger zufälliger Zustand, sie ist im vergangenen tausendjährigen Generationswechsel begründet und bedingt ihrerseits die tausend vor uns liegenden Generationen Daher kann nian wahre Gesundheitspolitik eines Volkes nur treiben, wenn man über die heute lebende Generation hinaus nach rückwärts und vorwärts blickt.
Sie haben mich nach de« neuen Aufgaben des'-. Reichsgesundheitsamts gefragt. Aus diesem neust: Gesundheitsbegriff ergibt sich ein unerhört umfassender Aufgabenkreis, von dem ich hier nur einiges ^ andeuten mag, dessen Kern aber im Familien- und Rassegsdanken gelegen ist und dessen Volks- und staatspolitische Bedeutung unser Volkskanzler eindeutig erkannt hat.
Die neuen Aufgaben des Amtes werden Einschränkungen nicht dulden, sondern dort, wo es notwendig ist, Umstellungen erfordern, die das Beschicken neuer Wege ermöglichen.
Nach den heute erreichten Erfolgen einer sachgemäßen allgemeinen Seuchenbekämpfung dürften hier wohl Kräfte frei werden, die für die Ziele einer Gesundheitspolitik von Generationen eingesetzt werden können.
Das Sterilisationsgesetz, das die Reichsregierung kürzlich erlastev hak, zeigt, daß wir den erb
biologischen Vorgängen in unserem Volke die größte Aufmerksamkeit widmen wollen. So wird auch die Arbeit des Reichsgesundheitsamtes der Erforschung dieser Fragen zugewendet sein müssen. Die bisherige Medizinalstatistik gab mehr oder weniger „Moment- bilder". Es muß versucht werden, im „Laufbild" den Zusammenhang von Gesundheit und Krankheit der Generationsfolgen zu erkennen und zu verwerten. Volkskrankheiten wie Syphilis, Krebs und Tuberkulose bieten bei dieser Betrachtungsweise ganz neuartige zwingende Fragestellungen. So besteht noch heute z. T. für die angeborene Syphilis, die an sich eine Krankheit im erbbiologischen Sinne nicht ist, volle Unklarheit darüber, wo die Infektionen in den späteren Generationen eigentlich enden.
Eine große Rolle wird in den nächsten Jahren die Krebsbekämpfung spielen. Diese Frage wird man neu anfassen müssen. Sie bietet eine besonders große Aufgabe, die uns wahrscheinlich noch Jahrzehnte beschäftigen wird (Viel ist über die angebliche Zunahme der Krebserkrankungen geschrieben worden — man dars nicht vergessen, daß sich der Altersaufbau des deutschen Volkes seit dem Krieg grundlegend geändert hat, so daß heute relatir mehr Menschen in dem vom Krebs besonders gefährlichen Alter stehen
Der Tuberkulose-Forschung wird die Arbeit des Reichsgesundheitsamtes weiter gewidmet sein, die zwar ebenso wie der Krebs keine echte Erbkrankheit, aber doch in ihren Dispositionen scheinbar erbbio-' logisch bedingt ist Welch ungeheure Mittel werden in Deutschland heute für die Tuberkulosebekämpfung ausgegeben Die Auffindung eines wirklichen Heilmittels könnte Millionen Menschen das Lebensglück wiederbringen und dem Staate ungeheure Werte erhalten.
Das Reichsgesundheitsamt wird sich ferner der dringend notwendigen weiteren Erforschung der Kinderlähmung zuwenden, die in besonders heimtückischer-
Weise unsere Jugend befällt und sie auf Lebenszeit schädigt.
Schließlich bietet bin weites und bedeutsames Arbeitsfeld die Erforschung sogenannter latenter und straner Infektionen, die das Jnfektionsproblem als solches trifft und geeignet ist, die 'epidemiologische Forschung bisheriger Medizinalstatistik in grundsätzlicher Art neu zu beleben und zu vervollständigen.
Besondere Aufmerksamkeit wird weiter der Ernährungsfrage zuzuwenden sein. Es gilt, die dem Volk, dem Klima und der Landwirtschaft am besten entsprechende Ernährungsweise festzustellen und zwar unter dem Grundsatz, daß Volksgesundheit das höchste Maß an Volkslsistung bedeutet.
Zu den wichtigen Fragen der Volksschädigung gehören auch Prüfungen über den Einfluß des Genusses von Nikotin und Alkohol. So ist z. B. zu untersuchen, ob und, welche Einwirkungen von Nikotin und Alkohol auf die Keimzellen erfolgen, — also auch hier wird die Erforschung der Folgen des Genusses dieser Stoffe von einer erbbiologischen Betrachtungsweise bestimmt sein.
Be! vielen dieser Forschungsarbeiten denke ich an gewisse enge Verbindungslinien zu bestimmten deutschen Universitäten und geeigneten Forschungsinstituten, die nach dem Znhalt ihrer Arbeitsgebiete und der Leistung ihrer Leiter eine fruchtbringende Zusammenarbeit versprechen.
Das Reichsgesundheitsamt steht als beratende Behörde den Reichsministerien zur Verfügung und wird bei Ausarbeitung aller Gesetze, die in irgendeiner Beziehung zur Volksgesundheit stehen, unmittelbar mitwirken Es verfügt über einen großen Stab von Sachverständigen, der heute durch die verbindende nationalsozialistische Weltanschauung jede Zusammenarbeit mit der Regierung ungemein erleichtert, und die po. sitiven Ergebnisse dieser Zusammenarbeit a Prior! sicherstellt.
Alle Arbeitspläne, die zum Teil sofort, zum Teil erst nach und' nach in Angriff "genommen werden können, bringen eine beträchtliche Erweiterung der Tätigkeit des Reichsgesuntchsttsamts mit sich und
werden es allmählich zu einer engen Verbindung mit dem Volke selbst führen, dessen Gewissen es in gesund- heitspolitischer Beziehung sein soll und wird.
Die Istller Qsbßrsnsten
Am 16. August wurde aus Paris gemeldet, daß in der Nähe von Lilie ein unterirdisches Lager von Gasgranaten oder doch von Mun' tion in Brand geraten sei. Drei Tage Hai das unterirdische Lager gebrannt oder doch geschwelt, so daß ganz bestimmt sehr brennbare Stoffe unter der Erde vorhanden gewesen sein müssen. Die französische Presse, die sonst so geschwätzig ist, besonders dana wenn es sich um Dinge handelt, die sich groß aufmachen lassen oder die die Neugier besonders reizen, verhielt sich merkwürdig zurückhaltend. Es wurde alles mögliche behauptet, nachdem Wohl von zuständiger Seite da rauf aufmerksam gemacht worden war, daß eine Meldung über den Brand von Gasara- naten eigentlich ein falscher Zungenschlag sei. Es geht doch nicht gut an, daß heute irgendwo in Frankreich ein großes Lager von Gasgranaten in Brand gerät, nicht deswegen, weil das eine Gefahr für die zunächst wohnende Bevölkerung bedeutet, sondern des halb, weil vor langer Zeit in Genf beschlossen worden ist, Gasgranaten nicht mehr herzustellen. Wenn sie schon nicht mehr hcrgestelli werden dürfen, so dürfen sie auch bestimmt nicht lagern, weshalb die französische Press. Anweisung bekam, irgend eine Ausrede ode. eine Umschreibung zu ersinnen. Dabei kamen wunderschöne Dinge heraus, so z. B., daß das Lager vor fünfzehn Jahren von den Englän dein angelegt und vergessen worden sei, daß in dem Lager sich auch nicht Granaten ode' Gasgranaten befunden hätten, sondern Hand granaten und gewöhnliche Munition. Merkwürdig, daß das Lager so lange unentceckt und unberührt geblieben ist, zumal es kick nicht allzufern von größeren Städten befin
det. Auch eine andere Lesart tauchte-aus, nämlich die, daß das Lager unmittelbar vor der Räumung durch einen beauftragten Unternehmer gestanden habe.
Wenn aber das Feuer unterirdisch drw Tage lang gewütet hat, so muß doch irgend eine Nahrung vorhanden gewesen sein. Gewöhnliche Munition und Handgranaten eignen sich dafür nicht, denn es ist wenig wahrscheinlich, daß sie infolge der langen Lagerung — Gas abgeblasen haben. Es ist auch in der Verlegenheit und in der peinlichen Ueber- raschung von der französischen Presse ni.h, behauptet worden, daß in nächster Nähe des Munitionslagers vielleicht eine Gasleitung schadhaft geworden sei, denn in der Reg.-: pflegen Feuerwerker Munitionslager nickn bei Gasleitungen einzurichten. Wie die Sackn auch gedreht und gewendet wird, es komm« immer darauf hinaus, daß da, wo drei Taac lang unterirdisch Gas ausgebrannt ist. c-i ch Gas vorhanden gewesen sein muß. Es wird also das mit den Gasgranaten schon stim men, zumal diese erste Meldung sehr urwor sichtig von einer französischen Zeitung 'o- gelassen worden war. Daß das Lager trotz dem nicht in Brand geraten ist, daß also du Gasgranaten noch unversehrt sein müssen, spricht nicht dagegen, denn es läßt sich nicht annehmen, daß die Gasgranaten mit verschärften Zündern gelagert worden sind: wo aber Tausende von Gasgranaten lagern, da wird sich trotz aller Vorsichtigkeit auch Wohl Gas bilden, sodaß bei irgend einer Unvorsichtigkeit diese Gase in Brand geraten sein können. Die französische Presse würde mU Hilfe der amtlichen Stellen die Sache nicht so geheimnisvoll behandeln, wie auck nicht zu vertuschen suchen, wenn es sich wirklich nur um ein altes Lager englischer Handgranaten bandelte. Wenn der Schnüffelavparat des Völkerbundes, den Frankreich venackzt schon bestünde, so wäre es seine Angabe, die Liller Gasgranaten zu untersuchen.