Ausgabe 
(19.8.1933) Nr. 221
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Nr. 221. Jahrgang 1S3S

Verlag, Schristlellurig vnd Gesck-ästSsielle: Geeren k 8 . Sprech- tiunven bei SchriUleilung: D omcn tit firectae 12 bis 13 Uhr

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AMW^

Vremen. Sonnabend, den 19. August 1933 Einzelpreis is via.

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vremerlMonalforiMsliM

Das Amtlieke Organ dos Sonciis dorr Freien hänfen

dorr ^rererr ^ansei^tid4 Brrernerr

Uttsece ^rstc/lk.-

Mit ihren letzten Ermittlungen hat die Geheime Staatspolizei in Bremen einen unerwartet erfolgreichen Schlag gegen den gesetzwidrigen kommunistischen Apparat geführt. So oft man seit Beginn der natio­nalsozialistischen Revolution kommunistische Zentralen ausgehalten Hai in kurzer Zeit war die Kommune bereits wieder neu org r- nisiert und betrieb ihre Wühlarbeit mft den raffiniertesten Methoden weiter. Wi- hoffen, daß diesen Elementen jetzt gründlich das Werk gelegt worden ist; wertvolles Mate­rial fiel der Polizei in die Hände In der. letzten Wochen haben wir immer und imme> wieder erkennen müssen daß lo hart und tat­kräftig man auch war die Kommune dach nicht zurückgeschreckt wurde. Jetzt muß mc>. einmal so hart sein. daß ^lbst dem verstock testen Kommunisten die Lust an staatsfeind­licher Arbeit vergeht.

*

Der diesjährige Deuttchlandfluq a> dem sich rund 150 Flugzeuge aller Kategorien beteiligen, ist für Bremen von ganz beton- derer Bedeutung. Am 26 August anvsn aus dem Flughafen im Neuenianderfeld sämt­liche beteiligten Maschinen Bekannte F'ieue' Wie Fieseler. Afrikaflieger Schwab, K-.pitäii Christiansen. und von der Landesarnvpe Niedersachsen-Bremen-Hannover der b kannte Flieger August Lauw der eine der stärksten Maschinen steuert. Eine ganz sie- sondere Ehre wird dem Flieger de> Land.-s- gruppe Niedersachsen zuteil, der bis zu sein-» Landung au? dem Bremer Flugplatz oi- wenigste StrafpunktzabI ausweist denn ihr. wird die vom Bremer Senat aeftifte'c Plakette überreicht Wir wallen hoffen daß der Gewinner dieser Plakette auch im G-iamt ergebnis an erster Stelle steht.

Hat Vrünirm irr Aenr vor Hüter ..gewiem"?

Berlin, 14. August.

Wie derVölkische Beobachter" meldet, soll Dr. Brüning nach dem Bericht der hollän­dischen katholischen ZeitungEndhovensche Cou- rant" den Vatikan in einem Schreiben gewarnt haben, bei Abschluß des deutschen Konkordats die nötige Vorsicht walten zu lassen. Dieses Schrei­ben sei durch einen persönlichen Kurier in die Schweiz gebracht und von dort eingeschrieben nach Rom weiterbefördert worden. Als dann im Verlauf der Verhandlungen mit dem Vatikan Vizekanzler von Papen auf die großen Vorteile hingewiesen habe, die Hitler der katholischen Kirche angeboten habe, soll ein Mitglied der Kurie erklärt haben:Was von diesen Verspre­chungen wahr sei, es müssen erst die Taten abge­wartet werden. Wir haben einen Brief von einer sehr angesehenen politischen Persönlichkeit in Deutschland erhalten, die uns gewarnt hat."

Der V. B. spricht zum Schluß dieser Meldung die Erwartung aus. daß Dr. Briining auf diese Enthüllungen antworte.

Gesimantsüeaßen m Göreeshausvi'ozev

Köln, 18. August.

Im Görreshaus-Prozeß wurde der Ange­klagte Maus zu 3 Jahren Gefängnis und UM Mark Geldstrafe, der Angeklagte Mönnig zu 3 Monaten und 400 Mark Geldstrafe, der An­geklagte Stocky zu 2 Jahren 6 Monaten Ge­fängnis und UM Mark Geldstrafe, der Ange­klagte Brüninq zu 2 Jahren 6 Monaten Ge­fängnis und 600 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte Conrad wurde freigesprochen.

Lin ^us6ruck deutschen ^Vsßemutes:

Sie 1«. deutsche FunkauSstellurig durch Sr. GoebstelS eröffnet

«Wir wollen einen Kmidlunk, der fiie das Voll arbeitet"

organisieren konnte. Wie hundert Köche den Brei, so verderben hundert Instanzen jede geistige Lei­stung. Weniger als aus irgendeinem anderen Ge­biete kann hier die starke verantwortlich gebun­dene aber auch verantwortungsfreudige Führung durch die Persönlichkeit ausgegeben werden. Es darf und soll nicht Aufgabe von Kommissionen, Beiräten und Ausschüssen sein, die geistige Be­weglichkeit, die zeit- und volksnahe Elastizität des rundfunkpolitischen Schaffens zu beschaffen oder, besser gesagt, zu hemmen und einzuengen. Auch in dieser Beziehung werden wir früher als man gemeinhin glauben möchte

zu der absoluten und eindeutigen Durch­

Berlin, 18. August.

Schon das äußere eindrucksvolle Bild der Ausstellungshallen am Eröffnungstage der großen Iubiläums-Funkschou übermittelte den Besuchern, die an dem feierlichen Eröfs- n'mgsakt teilnehmen sollten, den gewaltigen und repräsentativen Eindruck, der dann spä­ter durch den Besuch der Ausstellungshallen noch verliest wird. Eine unendliche Kette SA.- Männer umsäumt das große Hallen-Viereck. Di- Teilnahme an der Feier wurde für jeden Teilnehmer aus der Masse der etwa sieben- bis achttausend Menschen, die um den Musik­pavillon vor dem Fuße desFunkturmes Auf­stellung genommen hatten, zu einem histo­rischen Erlebnis. Me Gemeinschasts- idee als Symbol der ersten nationalsozialisti­schen Funkausstellung drückte sich bereits in der Einheit des spontanen Beifalls aller Fest­teilnehmer aus, als Dr. Goebbels den Platz betrat, nachdem kurz vorher der Reichswehr­minister eingetroffen war. Ebenfalls sah man den Reichsminister Schmitt unter den An­wesenden.

Dann hielt Reichsminister Dr. Goebbels seine große Eröffnungsrede.

Er führte u. a. aus:

Auf Napoleon wird das Wort von derPresse als der siebenten Großmacht" zurückgeführt. Wos die Presse für das neunzehnte, das wird der Rund­funk für das zwanzigste Jahrhundert sein, man könnte, auf ihn angewandt, für unsere Zeit das Wort Napoleons dahin variieren, daß der Rund­funkt die achte Großmacht darstellt Seine Erfin­dung und Ausgestaltung für das praktische Gemein­schaftsleben der Menschen ist von einer wahrhaft revolutionären Bedeutung. Vielleicht werden spä­tere Geschlechter einmal feststellen müssen, daß der Rundfunk für unsere Zeit genau so eine neu« Ent­wicklung der geistigen und seelischen Beeinflussung der Massen eingeleitet hat, wie vor Anbrüch der Reformation die Erfindung der Buchdruckerkunst.

Das November - R'e gime hat diese umfas­sende Bedeutung des Rundfunks in allen seinen Erscheinungsformen auch nicht annähernd erkennen und einzuschätzen vermocht. Bestenfalls war es für sie eine bequeme Möglichkeit, die Menschen, denen es an täglichem Brot und Existenzunterlagen ge­brach. durch Spiel und Unterhaltung über die Schwere unseres national- und sozialpolitischen Lebens hinwegzutäuschen. Sie überließen den Rundfunk und seine Entwicklung im wesentlichen seinen technischen und organisatorischen Sachwal­tern und beschränkten sich darauf, ihn lediglich in Zeiten besonderer innerer Spannungen für ihre parteipolitischen Zwecke in Dienst zu nehmen.

Es bedarf keiner besonderen Betonung, daß ein nationalpolitischer Aufbruch, der so modern und aktionsbewegt ist wie die von uns geleitete und or­ganisier Volkserhebung mit diesen weltfremden und lebensfernen Methoden auch auf dem Gebiete des Nrundfunks grundsätzlich brechen muhte. Das alte Regime begnügte sich im allgemeinen damit, leer gewordene Plätze zu besetzen oder nur die Ge­sichter, nicht aber den Geist und den Inhalt des öffentlichen Lebens zu ändern. Wir dagegen gingen

an eine prinzipielle weltanschaulich« Umwäl­zung unseres gesamten Volksdaseins

und vollzogen damit eine Revolution größten Aus­maßes, die nirgendwo Halt machte und das Leben unserer Nation in allen Beziehungen und nach je­der Blickrichtung hin revolutionär umgestaltete.

Es ist in der Tat eine moderne Revolution ge­wesen, und sie hat sich auch der modernsten Mittel zur Eroberung und Ausnutzung der Macht be­dient. Es bedarf deshalb gar keiner Betonung mehr, daß die Regierung, die aus dieser Revolu­tion hervorgegangen ist, nicht weiterhin teilnahms- los am Rundfunk und seinen Wirkungsmöglichkei­ten vorbeigehen kann, daß sie im Gegenteil ent­schlossen ist, ihn nun auch in weitestem Maße in die nationale Aufbauarbeit, die vor uns liegt und die wir meistern müssen, wenn diese Revolution vor der Geschichte Bestand haben soll, einzuschalten. .,

Das allerdings bedingt auf der anderen Seit« eine Reihe von einschneidende« Resormen,

die sich auf den Rundfunk in seiner geistigen und organisatorischen Gesamtheit beziehen müssen Wie auf allen anderen, so ist auch auf diesem Gebiet die Reform, die vollzogen werden muß, primär eine geistige Es handelt sich darum, den Rundfunk aus der starren Leere seiner technischen Begrenzt­heit in die geistige lleberfülle der aktiven Entwick­lung unserer Zeit einzubeziehen. Es ist nicht wahr, daß der Rundfunk ein Eigenleben neben der Zeit führen könnte. Er hat mehr als jede andere Form unseres öffentlichen Daseins die Pflicht, der Zeit, ihren Forderungen und Bedürfnissen Rechnung.zu tragen und Ausdruck zu geben.

Wir leben im.Zeitalter ber Masse; die Masse for­dert mit Recht, daß sie an den großen Geschehnissen der Zeit inneren Anteil nimmt. Der Rundfunk ist hier erster und einflußreichster Mittler zwischen geistiger Bewegung und Volk, zwischen Idee und Menschen.

Das erfordert andererseits eine klar erkannte und ebenso klar zum Ausdruck gebrachte Tendenz. Eine Regierung, die sich zum Ziel gesetzt hat. ein Volk innerhalb zusammenzuschweißen, um es als gewaltiges Kraftzentrum wieder in die Waag­schale der großen weltpolitischen Entscheidungen hineinwerfen zu können hat nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, alle Lebensäutzerungen des Volkes dieser Absicht und Tendenz unterzuordnen oder sie doch wenigstens positiv in sie hinsinzube- ziehen. Das gilt auch für den Rundfunk.

Das soll nicht bedeuten, daß wir den Rundfunk zu einem willenlosen Diener unserer parteipoliti­schen Absichten herabwürdigen wollen.

Die neue deutsche Politik liegt fernab jeder parteimäßigen Begrenztheit.

Sie erstreckt sich aus Volk und Nation in ihrer Ge­samtheit, und die Aufbauarbeit, die sie schon ge­leistet hat oder zu leisten sich eben anschickt, geht alle an, die guten Willens find.

Im Rahmen dieser großen Zielsetzung hat der Rundfunk, um lebensfähig zu bleiben, seine eige­nen künstlerischen und geistigen Aufgaben zu hal­ten. zu pflegen und tatkräftig zu halten. Er steht nur mittelbar zur Bühne und Film in Beziehung. Es gibt eine funkeigene Art der Rede. des Dra­mas, der Oper und es Hörspiels. Der Rundfunk ist keineswegs Abart von Bühne und Film, sondern wahrt auch in dieser Beziehung Eigenart und erfordert in dieser Eigenart auch Eigenleben.

Mehr noch ist er einer wachen Zeitnähe verpflich­tet. Er schöpft aus den Aufgaben und Forderungen des Tages. Er hat die Pflicht, sie in höhere Bedeu­tung hineinzuheben und ihnen einen über der Stunde stehenden Sinn und eine durch die Zeit hindurchwirkende Betonung zu geben. Die Aktu­alität ist einerseits seine größte Gefahrenmöglich- keit, andererseits aber auch seine stärkste Stärke. Wie zeitnahe er das Volk mit den großen histori­schen Ereignissen unserer Tage verknüpfen kann, dafür hat er eindrucksvolle Beweise am 21. März und am 1. Mai abgelegt. Zeitnähe bedingt Volksnahe. Die Probleme, die uns in der Re­gierung beschäftigen, sind dieselben, die heute den Mann von der Straße beschäftigen. Je mehr der Rundfunk sie erkennt und sie in immer wechselnden Methoden plastisch und verständlich zur Darlegung bringt, umsomehr wird er seiner eigentlichen Auf­gabe gerecht und umso leidenschaftlicher wird das Volk, das von diesem Problem ergriffen ist. seine Sache auch zur Volkssache machen.

Allerdings sind, bevor wir zu diesem Jdealzu- stande unseres rundfunkpolitischen Schaffens kom­men können, noch eine Reihe von Vorarbeiten und schwebenden Aufgaben zu lösen. Dies« liegen vor allem auf dem Gebiete des Organisatori­schen. Auch in den Häusern des Rundfunks hatte die Zeitkrankheit Einzug gehalten.

Auch hier organisierte man nicht mehr, was man organisieren mußte, sondern schon, was man

setzung des Führerprinzips kommen

Jede Ileberorganisation kann einer produktiven Leistung nur schädlich sein. Aber nicht alleine Ileberorganisation ist immer der Anfang der Korruption. Das ist der Weg, den der deutsche Rundfunk in den verflossenen Jahren ge­gangen ist. Mammutgehälter, die im Vergleich zur Leistung jede Berechtigung verloren hatten, ins Groteske steigende Spesensätze, fanatische Le­bens- und Zukunftssicherungen standen meist im umgekehrten Verhältnis zu den positiven Er­folgen.

Wenn die daran Beteiligten sich heute als die Väter des Rundfunks" bezeichnen, so kann man ihnen nur entgegenhalten, daß sie es nicht ge­wesen sind. die den Rundfunk erfanden, daß sie es aber waren, die in ihm bei Zeiten schon eine mit der Not der Zeit in keinerlei Verhälnis stehende Verdienstmöglichkeit witterten und sie auf das Skrupelloseste auszunützen verstanden.

Es würde zweifellos dem Ruf derer, die sich wirklich um die Entwicklung des deutschen Rund­funks verdient gemacht haben, gut anstehen, wenn sie sich nicht vor aller Öffentlichkeit mit diesen Glücksrittern vom weiten Portemonnaie und noch weiteren Gewissen identifieren wollen, damit auf sie nicht etwa das Wort zur Anwendung käme: Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir wer du bist!"

Mutz ich noch besonders betonen, daß die Re­gierung der nationalsozialistischen Revolution sich auch in dieser Beziehung Lurch niemand und nichts beirren läßt in dem festen Willen, hier Ordnung zu schaffen, dafür aber die Leistung auf allen Gebieten planmäßig zu erhöhen.

Nicht als wenn wir die Absicht hätten, ledig­lich Parteiprogramme zu senden.

Wir wollen der Unterhaltung, Spiel. Scherz und Musik breitesten Spielraum geben; aber alles soll eine innere Beziehung zur Zeit haben. Alles soll die starke Note unserer großen Aufbau­arbeit tragen. Dabei ist vonnöten eine straffe Zentralisation alles rundfunkpolitischen Schaf­fens.

Wir wollen einen Rundfunk, der mit dem Volke geht. einen Rundfunk, der für das Volk arbeitet,

einen Run-sunk. der Mittler ift Zwilchen Regierung und Ration.

einen Rundfunk, der auch über die Grenzen hin­weg der Welt ein Spiegelbild unserer Art. unse­res Lebens und . unserer Arbeit gibt. Das Geld. dar der Rundfunk einbringt, soll in der Haupt­sache auch ihm selbst wieder zugute kommen. Werden Ueberschllsse dabei erzielt, so sollen diese dazu verwendet werden, dem geistigen und künst­lerischen Schaffen der ganzen Nation zu dienen. Wenn Bühne und Buch durch die rapide Ent­wicklung des Rundfunks Schaden nehmen, so ist es andererseits Pflicht, die Einnahmen, die nicht unmittelbar für den Rundfunk zur Verwendung kommen, wieder für die Aufrechterhaltung und tatkräftige weitere Förderung unseres geistigen und. künstlerischen Lebens einzusetzen.

Mit Beginn dieser Ausstellung soll auf das

ganze Reich verteilt eine planmäßige Werbung neuer Rundfunkhörer einsetzen. Wir werden uns dabei die großen Erfahrungen der Propaganda, die wir in den vergangenen Jahren sammelten, zunutze machen. Unser Ziel ist, die deutsche Hörerschaft zu verdoppeln und damit für den Rundfunk eine Finanzbasts zu schaffen, die es uns ermöglicht, nicht nur ihn selbst auf die höchste Leistung zu bringen, sondern aus seinen Ueberschüssen das gesamte geistige und künst­lerische Leben der Naion, Bühne, Film, Musik und Buch generell und stabil zu sanieren und auf eine feste unerschütterliche Existenzgrundlage zu stellen.

Im Zeichen dieser großen Aufgaben steht die diesjährige Funkausstellung. Sie erhält ihre ent­scheidende Note durch den Volksempfänger. In ihm ist die augenblicklich billigste Möglichkeit geschaffen, die breiten Massen wirksam in den Rundfunk einzuschalten. Technik und Industrie haben getan, was sie tun konnten und es sei ihnen dafür der Dank der Regierung und damit der Dank des gesamten Volkes zum Ausdruck ge­bracht.

Möge nun die geistige Leitung des Rundfunks das ihre tun. Dann können wir in gemeinsamer Arbeit unser Ziel überhaupt nicht verfehlen.

Im Schatten dieser großen Aufgaben soll die

krieffriclis Zroker kusssnsieZ

2ur Lnnnerunß sn 6>e Zctiiscfft bei 2okn6oift vor 175 ssliren

Im wechselvollen Geschehen des Siebenjäh­rigen Krieges gingen die Fieberkurven, mit de­nen sich Sieg und Niederlage aus Klios Welt- tasel einzeichneten, sprunghaft hin und her, aus und ab. Eben noch waren bei Roßbach und Leuthen die Schlachten geschlagen, da kam der höchst empfindliche Nadelstich des Feindes, der mehr als ein wuchtiger Schwertschlag dem Sie­geslauf des großen Preußenkönigs Abbruch tul und das Kriegsende imuier weiter hinaus ver­schiebt. Maria Theresias Gegenspieler hat Schweidnitz zurückgewonnen und dringt in Mäh­ren ein, um Olmütz zu erobern. Schon hat der treue Keith die österreichische Festung eingeschlos­sen, schon erwartet der fluchtbereite Wiener Hof den Ruf:Fridericus vor den Toren Wiens!" Da gelingt es am 30 Juni dem wackeren Ge- nernlfeldmarschall Laudon, einen preußischen Transportzug von 4000 Wagen, der den Bela­gerern vor Olmütz Munition, Proviant und Geld bringen soll,abzuschnappen", gerade als er auf dem Wege von Neiße über Troppau den Domstadl-Paß erreicht hat.Dieses Unglück", schreibt der große König selbst,veranlaßte die Aufhebung der Belagerung von Olmütz; a n - derenfalls wäre die Stadt in 14 Tagen genommen, denn man fing schon an, mit Sappen vorzugehen." Friedrich biegt statt nach Mittelscblesien unerwartet nach' Böh­men aus und wendet sich dann erst nach Nieder­schießen und zur Neumnrk, um den Russen und der Fermor entgegenzutreten. Am 12. August

schreibt der König an Dohna; den er nach Küstrin beordert:Jetzt gilt es, die Russen tüch­tig abzuprügeln, und wenn Ihr über die Oder geht, so saget dann Euren Offiziers, meine Devise sei: Siegen oder sterben, und derjenige, dernichtsodächte,möge diesseitsbleibenundsichzumTeu- fel scheren."

Am'22. August bildet er aus seinen und Gras Dohnas Truppen eine Armee von 32 000 Mann. am 25. August steht er mit dieser 50 000 Mann Russen unweit Zorndorf, einem Dorf zwischen Küstrin und Neudamm, gegenüber. Durch ein geschicktes Manöver Friedrichs werden die Russen vor das Sumpfgelände von Mietzel gedrängt. Morgens um 8 Uhr greifen die Preußen zum ersten Male an Zorndorf ist strategisch genommen eine Doppelschlacht am gleichen Tage! Der Angriff wird durch die Russen abgeschlagen und soll schon durch ein Vorgehen ihrer Kräfte in Richtung Zorndorf ausgewertet werden, da macht Seydlitz einen seiner berühmten Flankenangriffe. Er wirft, die russische Kavallerie zurück, aber die feindliche In­fanterie steht noch bombenfest. Sie schlägt sich mit den Preußen in wüstem Handgemenge her­um, bis Seydlitz mit seinen 23 Schwadronen, von seiner Verfolgung zurückkehrend, auch diese Phase des Kampfes auf den rechten Russenflügel siegreich entscheidet. - . .

Um 3 Uhr nachmittags beginnt-gegen den-än­deren Flügel des Feindes die ..zweite

Schlacht bei Zorndor f. Wieder droht hier das Uebergewicht der feindlichen Macht mit einem Scheitern des preußischen Angriffs, und wieder bringt Seydlitz mit einer Attacke der ver­einigten 61 Schwadronen Wendung und Sieg. Er öffnet mit ihnen die feindlichen, 12 Glied tiefen Massen, und besonders märkische Truppen, darunter Veteranenregimenter, geben dem Feind den Fang! Heißen Herzens verteidigen sie den Heimatboden. Märkischer Sumpf verschlingt viele Russen.

Es.war F r i e d r i ch s b l u t i g sterSieg ! Er verliert 11 000 Tote und Verwundete, der Feind aber 22 000 Tote, Verwundete und Gefan­gene, 103 Geschütze sowie 27 Fahnen und Stan­darten sind ruhmvolle Siegesbeute! Der große Erfolg des Tages von Zorndorf liegt aber darin, daß die Russen gezwungen werden, bis zur Weichsel zurückzuweichen.

Werner Lenz.

1'keo6or Körners k-Ie!6ento6 vor 120 )skren

^ Um die.Mitte des August 1813 war Theo­dor K örn e r 'aus Karlsbad, wo er seine schweren Wunden vom. Tag von Kitzen aus­heilte, stürmisch begrüßt von seinen' Käme- raden und Freunden ^w ieder bei den.Lützowern eingetroffen, und wenige Tage später, am 17. August, lief der^ Waffenstillstand ab, .der sin" letzte Ruhepause -vor dem' gewaltigen, Sturm deutschen Freiheitswillens gegenüber dem - Korsen'-bedeutet -hatte.- - So - frisch -und fveudig -der Dichter-Üon-Leier und Schwert""

seit dem Tage von Kitzen war die Ahnn: nie mehr von seiner Seele gewichen, daß den Sieg nicht mehr erleben, sondern d Opfer vollenden werde, das er bei Kitz begonnen hatte. Am Abend des 25. Ai g u st 1813 saßen die Offiziere des Lützowsch Freikorps auf einem Gutshof in der von Schwerin. Ihrer harrte die Aufgak ein n Proviantzug des Feindes in dies Gegend anzugreifen. Inmitten der fröhlich Unterhaltung erhob sich Körner, Lützor treuer Adjutant, ging znm Klavier, und hi strömte zum letzten Male die B geisterung des jungen Freiheitsdichte in ein Lied aus, in das herrlick Schwertlied, über dem doch in all Kampfesfreude der gleiche Hauch von Schwe mut hängt wie über dem Schöpfer selb

Wenige Stunden nach Mitternacht komr die Nachricht, daß der feindliche Proviantzi .in unmittelbarer Nähe von Gadebufch g sehen worden sei. Sofort bricht das Frc korps auf und reitet in Hellem Mondsche dem K' pfplatz zu, wo in einem Gebüs Deckung -genommen wird. Der Proviantzi ist schon heran, das Signal zum Angri schon gegeben, der Feind schon in der Fall da - Plc.lich tönt wieder das Signal zu Rückzug, denn da die Russen, die die Lützow unterstützen sollten, nicht erschienen Ware ist die f in bliche Uebermacht z groß. Einer aber hört das Rückzug- s i gn al nicht,, er stürmt mit gezogene Säbel dem Feinde zu, bis seine zurückgebli denen Freunde sehen; wie die Gestalt dc Sängers plötzlich vom Hferbe sinkt.Da h- hat mich eins-erwischt, es sch ad et aber

nichts!" ruft er den anderen noch zu, dann ist er hinüber. Ein Bauchschuß hatte dem herrlichen Jünglingsleben ein Ende gefetzt und das Opfer vollbracht, mit dem sich der begeisterte Dichter selbst auf den Altar Deutschlands und seiner Freiheit darbrachte.

Sengende Mittagshitze brannte vom Him­mel, als die Offiziere in den schwarzen Uni­formen der Lützower an jenem 26. August 1813 den Sarg bei Wöbbelin der Erde übergaben, der das enthielt, was an dem Dichter sterblich war. Noch einmal brausten seine Lieder über das Grab hinweg, sein herrlichesVater, ich rufe Dich!"", sein letztes LiedDu Schwert an meiner Linken . . undLützows wilde verwegene Jagd"""" waren der letzte Abschtedsgrnß an den toten Dichter.

^Mag eitle Professorenweisheit auch den Schluß ziehen, Theodor Körner wäreeigent­lich"" gar kein Dichter geworden, wenn nicht die Freiheitskriege gewesen waren; das zeige sich ja schon daraus, daß der Erfolg des Zriny" etwa nicht hindere, daß Körners Bühnenwerke heute die Bühne kaum noch beherrschten. Diese Frage zu uNtersuchen, ist müßig, denn was von Körner lebt und leben wird, solange Deutschland seine Ge- s hichte und ihre großen Männer ehren wird, ist ja der Umstand, daß auch aus Körner durch den Krieg erst die Persön- lichkeit wurde, die immerwährender Be­sitz der Nrnon ist. Wohl hat die neue Zeit neue Kampflieder geboren, dennoch aber wer­den die herrlichen Schöpfungen, die inLeier und Schwert"" gesammelt sind, weiterbestehen als köstliches Gw der Nation, das sie sich nie wird streitig mischen lassen.