Ausgabe 
(16.8.1933) Nr. 218
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Ne. 218. Jahrgang 1933

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Vremen. Mittwoch, den 16. August 1833 Eiuzeivrew 15 Mg.

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geld. Der Bezugspreis ist im voraus entrichten, '

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SstpmchenS letzter Arbeitsloser eingesteM

Sir siegreiche ArbeitSWacht im deutschen Osten

Königsberg, 15. August Die Pressestelle des Oberpräsidiums teilt mit:

Vor einer Woche begann die planmäßige Arbeit zur Freima­chung Königsbergs von Arbeitslosen. Durch freiwilligen Einsatz jedes Einzelnen nach den Grundsätzen des Erich-Koch-Planes ist es gelungen, für mehr als 2V üüv männliche und weibliche Ar­beitswillige Arbeitsgelegenheit zu vermitteln. Der größte Teil ist bereits an der Arbeitsstelle. Auch die übrigen sind bereits zuge­teilt.

Sie letz en Trupps früherer Arbeitsloser verlassen Königsberg n den nächsten Tagen

Eine Aufgabe .die gerade in den letzten Tagen erst angefaßt werden konnte, die Unterbringung älterer Frauen, ist ebenfalls

gelöst. Für sie gibt es Arbeit, die ihrer Eigenart entspricht und die Möglichkeit zur endgültigen Unterbringung in ländlichen und städtischen Haushaltungen schafft.

Ostpreußen hat darüber hinaus noch freie Arbeitsplätze. Es denkt jetzt auch an nicht anerkannte Wohlsahrtserwerbslose, die bisher den Arbeitsämtern ferngeblieben sind. Auch für diese sind Arbeitsplätze da, um sie in die Volkswirtschaft voll­wertig einzugliedern.

Der «»preußische und nationalsozialistische Grundsatz:Ich achte Menschen für den größten Reichtum" gilt wieder. Jeder oft preußische Arbeitsfähige und Arbeitswillige kann sich beim Arbeitsamt melden und dort Beschäftigung zugewiesen er- halten.

Erfahrungen

aus dem oftpreudischen ArbettSkampf

GetvaltJc Vorbereitungen künden den 4, Reichsparteitag nach der Entlassung Adolf- Hitlers aus der Festungshaft in Laydsberg an. Nahmen bereits die großen Deutschen Tage und Parteikongresse der NSDAP vor dem nlerputsch für damalige Verhältnisse gewaltige Ausmaße an, so spricht aus den Teilnehmerzahlen der Reichsparteitage in Weimar 1926 und in Nürnberg 1927 und 1929 ein Kehrtet deutscher Geschichte zu uns, dessen Tempo wohl nie zuvor verzeichnet werden konnte. Jeder neue Reichsparteitag brachte aber auch nicht nur eine phantastisch? Steige­rung der Teilnehmerzahlen, sondern auch immer neue Entwicklungsphasen der nationalsozialistischen Idee, Nürn­berg wurde so zum Sammlungs-- und Eint- guugspuult des Geistes. Hier griff ein Rad ins andere und verkörperte so im Kleinen den berufsständischen Gedanken bereits zu einer Zeit, in der Nichtnationalsozialisten noch vorn Klassen-, Berufs- und Religionskrieg lebten und sich davon schlechtweg ernährten oder daran verhungerten,

Nürnberg ist uns ein Symbol der Idee geworden. Und wenn wir in wenigen Wochen wie seit 1925 wieder die Tornister packen und die Sonderzüge besteigen werden, dann wissen w'r, daß wir in eine Stadt fahren, die uns alten Nationalsozialisten eine neue Heimat geworden ist,

Nachdem bereits vor einiger Zeit die großen Effektenbörsen des Reiches von unzuverlässigen Elementen gesäubert worden sind, soll nunmehr diese Säuberungsaktion auch auf die Pro­duktenbörsen, vorab auf die Berliner Pro­duktenbörse, ausgedehnt werden. Wer weiß, wie die Beherrschung der Berliner Produktenbörse durch jüdische Spekulanten manchmal, die Lebens­mittelversorgung Deutschlands zu bedrohen geeig­net war, wer außerdem beurteilen kann, wie verderblich das Wirken dieser Spekulanten für die Volksgesamtheit sich ausgewirkt hat, der wird eine Maßnahme wie die rn Preußen die dazu dienen soll. unlautere Elemente von der Börse und damit von den großen Lebensmittel­märkten fernzuhalten, nur voll und ganz be­grüßen Die Zeiten, in denen das Spekulanten- tum der jüdischen Schieber Deutschland beherrscht hat, sind endgültig vorbei und werden im Interesse der Allgemeinheit niemals in irgend­einer Form wiederkehren.

s

Zu den größten sportlichen Ereignissen Nord­deutschlands gehören in diesem Jahre zweifellos die Kampfsporttage der SA.-Gruppe Nordsee" der NSDAP. am 18., 19. und 20. August in Bremen im Weserstadion und auf dem Rennplatz in der Bahr. Die Organisation, die in Händen des Gruppenführers Freiherrn v. Schorlemer und Standartenführer We- gener liegt, mußte in letzter Zeit ganz Erheb­liches leisten, um dieses erste große SA.-Sport- fest in Bremen so zu gestalten, daß es auf der ganzen Linie ein voler Erfolg wird. Der erste Teil umfaßt im Weserstadion sportliche Wettkämpfe der SA., Kleinkaliberschießen, Hand­granaten-, Ziel- und Weitwurf und einen Ge­päckmarsch über 11,5 Kilometer mit 30 Pfund- Gepäck. Der zweite Teil, das Reit- und Fahr- turnier auf dem Rennplatz in der Bahr, zeigt Wettkämpfe der Reiterstürme, Jagdspringen und Dressur, Eignungsprüfungen und Materialprü­fungen, Fahren, Motor-SA.-Eeschicklichkeitsfahren und die Schaunummern. Die gewaltigen

Königsberg, 15. August.

Das Oberpräsidium von Ostpreußen meldet:

Ostpreußen ist unter Führung seines Gau­leiters und Oberpräsidenten sofort nach dessen Dienstantritt mit frischem Mut der Arbeits­losigkeit entgegengetreten. In einem Tempo und mit einem Schwung, wie man ihn auf diesem Gebiete bisher nicht kannte, sind heute den letzten Königsberger Arbeitswilligen Ar­beitsplätze angewiesen worden. Dabei sind auch ältere männliche und weibliche Arbeits­willige nicht vergessen worden. Auch diese können und sollen wieder mithelfen.

Grundsatz für den ostpreußischen Abwehr- kamps gegen die Arbeitslosigkeit war: Die wertschafsende Arbeitslosenfürsorge ist auch, aus kurze Fristen gesehen, billiger als die un­terstützende Fürsorge. Daher sind planmäßig die vorhandenen Arbeitsplätze erfaßt und möglichst zweckmäßig ausgenutzt worden.

In erster Linie hat man Bodenverbes­serungsarbeiten in Angriff genom­men, weil hier die Möglichkeit besteht, dieses bisher von der Gesamtheit des Volkes nicht voll ausgenutzte Vermögen, den Boden, durch Verbindung mit dem nicht ausgenutzten Ka­pital der Arbeitskraft wieder nutzbringend zu verwerten. Gleichzeitig hat die Ueberführung größerer Gruppen Arbeitswilliger aufs Land

die Frage eines zweckmäßigen Absatzes für landwirtschaftliche Produkte

aus sich selbst heraus durch den gesteigerten Bedarf an Lebensmitteln bejahend beant­wortet. Durch Uebernahme der Verpflegung für die Arbeitsmänner und deren Einsatz zur

Nennungen, die hier eingegangen sind, von bekannten und unbekannten Pferden und Rei­tern, lassen das große Interesse für diese Ver­anstaltung erkennen. Ganz besonders sind die ländlichen Reiterstürme interessiert, die ihre Meldungen sogar von weit her gaben. Wir glau­ben, daß nach den geleisteten Vorarbeiten diese Bremer Großveranstaltung ein einziger Er­folg unserer SA. wird.

Steigerung des landwirtschaftlichen Boden­ertrages ist die Intensivierung unserer Land­wirtschaft von der Arbeitskraft her, also nicht, wie früher, von der Kapitalsseite her, ange­faßt worden.

Es hat sich gezeigt, daß bei richtigem Auf­bau der Kameradschastslager, auch ältere vor­her in ganz anderer Tätigkeit beschäftigte Per­sonen gern bereit waren ,auf dem Lande mit­zuarbeiten, ustd das nachzuholen, was früher versäumt worden ist: Durch Verbindung mit dem Boden wieder das echte Heimatsgefühl in jedem einzelnen zu wecken.

Für rund 2500 Frauen sind ebenfalls Ka- meradschäftsgruppen gebildet worden, die in gemeinsamer Arbeit mithelfen, die Ausrü­stung und Bekleidung für die in Ostpreußen tätigen Arbeitsdienstwilligen sowie für Land­helfer und Landdienstler zu schaffen. Gerade die ostpreußischen Frauen haben gezeigt, daß sie ebenfalls erkennen, daß der Gesamtheit ihrem Wohls dient ebenso wie dem Ällae- meinwohle, und sind gern zu ihren Ar­beitsplätzen gekommen.

Für die Finanzierung der Arbeiten

ist man davon ausgegangen, daß mindestens durch zwei in der Landwirtschaft tätige Kräfte ein Ar­beitsplatz in Industrie und Gewerbe geschaffen wird. Schon diese einfache Ueberlegung zeigt, daß bei öffentlichen Arbeiten ca. ein Drittel mehr an Löhnen gezahlt werden kann, als die durchschnitt­liche Unterstützung beträgt, wenn es möglich ist, Vorhaben zu finden, die größtenteils ohne weitere Geldmittel finanziert werden können. Das ist in Ostpreußen gelungen und dürfte auch in anderen Gebieten des Reiches möglich sein.

, Darüber hinaus steht schon jetzt fest, daß das gesamte Wirtschaftsleben durch Eingliederung der Arbeitslosen in den Wirtschaftsprozeß derartig schnellen Auftrieb erhält, daß in wenigen Mo­naten schon Ersparnisse eintreten.

Ostpreußen wird deshalb voraussichtlich an Fördcrnngsbetriigen für öffentliche Arbeiten in der Zeit vom 1! Juli 1933 bis 31. März 1934 aus die früher vorhandenen ostpreußischen Arbeits­

losen berechnet weniger Förderungsmittel aus­zubringen haben, als in dem entsprechenden Zeit­raum des Vorjahres an reinem Unterstützungsaus­wand.

Otzpreußen kann jetzt durch den Einsatz von Landleuten aus dem Reich unserem Führer den Dank dafür abstatten, daß er uns Ostpreußen den seelischen Austrieb und die Besinnung auf die eigene Kraft gegeben hat. Schon in den nächsten Wochen werden Arbeitsplätze für Arbeitswillige aus dem Reiche beschafft werden.

So wird Ostpreußen in Auswirkung des Ost- preußen-Aufbanplanes unserem Führer die Ju­gend aus den überfüllten Bezirken des Reiches herausziehen, und so mittelbar dort freie Ar­beitsplätze für ältere Industriearbeiter schassen.

Damit wird auch im Reiche die organische Ge­staltung des Arbeitsmarktes und die Eingliede­rung aller Arbeitswilligen in unsere Volkswirt­schaft gefördert.

Der Adjlisartt des Führers durch Krariwagemmwll schwer verletzt

Berchtesgaden, 15. August.

Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mit:

Aus einer Fahrt nach Reit im Wink! er litt einer der den Führer begleitenden Wagen eine» Unfall. Hierbei wurde der Adjutant des Führers, Gruppenführer Brückn er, schwer verletzt durch schweren SchSdel- und Armbruch. Die weiter im Wagen be­findliche Nichte des Führers und eine weitere Dame erlitten leichtereVerletzungen, während die Schwester des Führers ohne Verletzungen davonkam.

Personalveränderungen in der Schutzpolizei.

Berlin, 14. August.

Durch Erlaß des Preußischen Innenministers ist Polizeioberst Baltzer-Berlin mit dem 1b. August 1933 zum Polizeigeneral befördert worden.

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nacli aurvvLrts

Von Kurt leege

Mit einer Folgerichtigkeit, wie man sie bisher nur selten oder vielleicht sogar überhaupt noch nicht gefunden hat, verfolgt die nationalsozia­listische Regierung ihre Ziele. Als der National­sozialismus am 30. Januar die Macht im Staate übernahm, da setzte zunächst eine Welle politischer Maßnahmen ein, deren Durchführung die Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederauf­stieg des Vaterlandes bildete. Diese politische Grundlage war notwendig, um alle Widerstände, die sich einem Aufbau entgegenstellen konnten, restlos zu beseitigen und zu vernichten.

Nach dieser Bereinigung aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens setzte eine Welle von wirtschaftlichen Maßnahmen ein. Der Groß­angriff gegen die Arbeitslosigkeit begayn. Der Hauptangriff konzentrierte sich zunächst auf Ost­preußen. Und was vor einigen Monaten noch für unmöglich gehalten wurde, ist heute Tatsache geworden. Die gewaltige Schlacht um die Wieder­eingliederung der Erwerbslosen in den Arbeits­prozeß in dieser vom Schicksal so schwer heim­gesuchten Grenzprovinz ist am 15. August sieg­reich beendet worden. Nicht nur, daß sämtliche Arbeitslose wieder in das Berufsleben ein­geschaltet wurden, sondern darüber hinaus fer­ner, daß noch Arbeitsplätze frei sind für die ost­preußischen Landsleute, die heute in einem an­deren Teile des deutschen Reiches den Weg zum Arbeitsamt antreten müssen und bittere Not leiden. -

Als leuchtendes Beispiel, als Vorbild für ganz Deutschland, steht Ostpreußen heute da. Seit 1918, als über Deutschland die Fahne der Schmach und Schande aufgezogen wurde, die 14 Jahre lang entgegen dem wahren Volkswillen wehen durste, ist znm e rsten Male wieder der Fall eingetreten, daß eine große preußische Pro­vinz, und dazu noch eine Grenz­provinz, fr ei vo n Ar beitslo s e n i st.

Die Miesmacher, Nörgler und Zweifler haben bei den ersten Erfolgen Bedenken ge­äußert, die Neueingestellten würden zu niedrigen Löhnen beschäftigt. Das trifft keines­wegs zu. Wir haben an dieser Stelle schon einmal darauf hingewiesen und wiederholen es heute ausdrücklich: Jeder Arbeitslose, der in Ostpreußen wieder Arbeit erhalten hat, erhält Tariflohn.

Das ostpreußische Beispiel hat in ganz Deutsch­land anfeuernd und belebend gewirkt. Die Schlacht gegen das furchtbare wirtschaftliche Erbe, das der Nationalsozialismus bei der Machtübernahme angetreten hatte, ist auf der ganzen Linie entbrannt und aus allen Gauen des Reiches werden Siege gemeldet. Es gibt heute in Deutschland keine Provinz mehr, in der nicht Städte und Gemeinden frei von Arbeits­losen sind.

Auch in Nieder sachsen rückt man der Arbeitslosigkeit unter der genialen Führung des Treuhänders der Arbeit, Senatspräsidenten Pg. Dr. Markert, energisch zu Leibe. Daß man auch daraus bedacht ist, in unserem Heimaisgebiet nicht nur eine saisonmäßige und konjunkturelle, sondern eine für die Dauer bleibende Belebung des Arbeitsmarktes, mit dem Ziel der

I^lünckner ke5t5piele im

1.

Zehn Jahre Ensembleausbau.

Die Lage der Münchener Oper ist in zwiefacher Hinsicht eine ganz besonder«. Zehn Jahre lang hat >die jüdische Presse aus durchsichtigen Gründen über den Rückgang Münchens als Kunststadt gezetert. Damit war nicht zum kleinsten Teile die Oper ge­meint ... Denn der Jude BrunoWalter", sprich Schlesinger, war aus seinem Amt als bayrischer Generalmusikdirektor und Operndirektor entfernt worden. Keineswegs etwa, weil das Kulturministe­rium der damaligen bayrischen schwarzen Regie­rung etwa einen lichten Augenblick deutscher Ge­sinnung gehabt hätte. Auch nicht etwa, weil Schle­singer, der kurz vor der Nvvemberrevolte noch kö­niglich bayrische Ordensubmissest scceptieret" hatte, prompt auf der Bühne des Nationaltheaters das erste Hoch auf die Republik ausbrachte .. O nein! Sondern ganz einfach deshalb, weil er, ob­wohl (je nach Geschmack) ein tüchtiger Kapell­meister, organisatorisch, disziplinmäßig als Opern­direktor gänzlich versagt hatte. Es war nicht bloß eine tolle Star-Mißwirtschaft unter seiner Leitung eingerissen, sondern, was schlimmer war, eine förm­liche Diktatur abgesungener Stars, die zu den Pro­ben kamen und gingen wann sie wollten. Wenn Herr Kammersänger T und Frau Kammersänger N bei einer Neueinstudierung eine Stunde nach Probenbeginn nicht erschienen waren, und es er­ging dann endlich die kühne Weisung, in der Woh­nung anzurufen, dann ergab es sich, daß die Herr­schaften auf ein Gastspiel fortgefahren waren, ohne > überhaupt und wenigstens eine Erklärung und > Ausrede zu hinterlassen...

Deshalb und aus keinem anderen Grunde war Bruno Walter-Schlefingers Stellung unhaltbar geworden. Die jüdische Presse aber gab die Losung aus, nichts als Antisemitismus habe ihn verdrängt. Antisemitische Gesinnung aber galt damals in deutschen Landen als die niedrigste und schmierigste aller Denkungsarten?! Was Wunder also, wenn das Geschrei vom Rückgang Münchens als Kunst­stadt auf der ganzen Linie vollen Glauben fand.

Hans Knappertsbusch, der Nachfolger Walter- Schlesingers, dem es zur Anstellungsbedingung ge­macht wurde, den Augiasstall der diktatorischen Mißwirtschaft abgesungener Größen ohne Rücksicht auf daraus folgende persönliche Unbeliebtheit aus­zumisten, Knappertsbusch wurde prompt abge­stempelt als antisemitischer Rowdy, als plumper, rein mechanischer Taktschläger, Typ preußischer Militärkapellmeister.

Dabei ist es geblieben bis Ende 1932 . . .

Zehn Jahre eines Ensemble-Aufbaus, der ohne jeden Vergleich in Deutschland dasteht, ging im Schatten einer gewissen Anonymität, einer Ver- kennung, mindestens aber einer ungenügenden Würdigung, vor sich. Denn in Wahrheit und in der Tat war und ist Knappertsbusch nicht nur das, was die jüdische Presse, besonders Herr Einstein, aus ihm gemacht haben (ein taktfester Draufgän­ger ohne Fingerspitzengefühl): auch nicht bloß das, was nach Abzug dieser geflissentlichen Verzerrung übrigbleibt: ein tüchtiger Dirigent wie andere tüchtige Dirigenten: sondern er war und ist weit mehr!

Er ist erstens als Kapellmeister ein« Klasse für sich; und zwar eine neue Klasse und der vor 1933,

dem Hitlerj.ahr, erste typische Vertreter dieser neuen Klasse: der Gattung deutsch-gefühlvoller, aber eben nicht weichlich-tüfteliger Dirigenten, die in bewuß­tem, gewalltem Gegensatz zur sogenanntenWiener Schule" steht, der die meisten jüdischen Dirigenten, an der Spitze Bruno Walter, angehört und ange­hangen haben.

Knappertsbusch hat in der Tat eine gewisse Härte und Strenge im'rhythmischen Ausbau wie in der Dynamik. Aber es ist mitnichten und keineswegs die Härte und Strenge mangelnder Feinfühlig»», sondern eine stilistisch und deutsch-männlich ge­wallte, wenn man so will, einegotische" Herb­heit, um deretwillen man gut .und gern auf die ge­wisse, unleugbar zuweilen reizvolle, parfümierte Tonschwelgerei verzichten mag, mit der die Wiener Schule beispielsweise Mozart auszustatten liebte.

Zweitens aber, und das ist nicht minder ein Seltenheitswert, hat sich Knappertsbusch, über sein vorläuferhaft-richtungweisendes deutsches Dirigen- tentum hinaus, als ein Stimm-Kenner, Stimmen- entdecke! und Stimmenpfleger erwiesen, der unter allen deutschen Opernleitern nicht seinesgleichen hat und der, dieser Eignung zufolge: in jenen zehn Jahren anonymen Münchener Aufbaues ein ge- sangssolistisches Ensemble herangeforstet hat, das in Deutschland, wenn nichtallein auf weiter Flur"., so jedenfalls auf einsamer Höhe steht.

Nun ist inzwischen das Wagnerjahr und Hitler­jahr 1933 herangekommen. Die Stunde der Wür­digung wäre da. In zwei Zyklen bringt München, außer Mozart-Festspielen, das ganze.Lebenswerk Wagners vonRienzi" bisParstval" in neuer Inszenierung und Einstudierung miteigenen Kräf­ten heraus und steht im Schatten Dayreuths...

Diese Lage Münchens nannten wir in zwiefacher Hinsicht die ganz besondere...

Nicht als.ob die Festspiele schlecht besucht wären! Ich Gegenteil, der Besuch ist sogar erstaunlich gut. Die 1100 Plätze des Prinzregenten-Theaters waren mehrfach sogar ausverkauft. Bei der Auffahrt und in den Pausen bot sich oft ein glanzvolles Bild. Man hörte nicht nur englisch und amerikaenglisch, sondern auffällig viel französisch sprechen. Aber das Echo in der Presse ist im Vergleich mit Bayreuth doch schwächer: viel 'zu schwach für die große deut­sche Kunst-Tat, die hier geschah.

Wir möchten zu den wenigen deutschen Blättern gehören, die hier auf der Wacht sind... So sehr zu begrüßen war, daß die Reichsregierung in hochher­ziger, großzügiger und tiefblickender Initiative den Besuch Bayreuths durch Minderbemittelte und Ju­gendliche finanziert hat,' so sehr es Bayreuth und dem deutschen Ganzen dient, daß in diesem denk­würdigen Jahr der Wagner-Weihestadt die Haupt­betonung galt, so ist es doch unerläßlich, darauf hinzuweisen, wie Bedeutsames auch in München geschah; daß hier eine ausgereifte Frucht zehnjäh­riger im Schatten geleisteter Arbeit dargeboten wurde, der eine ähnliche behördliche Förderung bil­ligerweise gewünscht werden darf...

Der, gewissenhafte Chronist kann diesen Hinweis um so weniger unterlassen, als der Vergleich Bay­reuth München (der keinesfalls konkurrenz- kampfartige Werturteile mit sich bringen darf und soll) rein sachlich und unvermeidlich-notwendig zu einem Vergleich zwischen münchenerischer und berlinischer Ensemble-Pflege kommen muß...

Bayreuth" als Urbegriff ist unantastbar bei einer noch so hohen Würdigung Münchens.

Das Stück Berlin verflossenen Systems, das nun einmal in diesem Jahre mit dem Banner Bay­reuths gedeckt werden mußte, kann aber dadurch nicht dem sachlichen Zugriff der Kritik entzogen

werden, wenn die recht Würdigung eines so hohen Werkes wie München auf dem Spiele steht.

Wenn viele Zeitungen melden, die erschütterte Berliner Stellung des Generalintendanten Tieften sei durchseinen Vayreuther Erfolg" über­raschend gefestigt worden; wenn weiter die groteske Meldung durchgegeben wird, Herr Tietjen, der vor vielen Jahren auch einmal Takt geschlagen hat, sei für den nach Zoppot verpflichteten Elmendorff ein­gesprungen und habe in BayreuthMeistersinger" undSiegfried" dirigiert, so ist das ein bißchen stark und geht ein bißchen weit... Zugegeben, daß er es ordentlich gemacht hat (das wäre ja auch noch schöner?!), so muß doch gefragt werden, ob denn unter dem guten halben Dutzend von der deutschen Oeffentlichkeit gprüfter erstrangiger Di­rigenten, die. es außer dem nicht zugezogenen Furt- wängler noch gibt, keiner verfügbar war, den als Ersatz Bayreuth und den Festspielgästen vorzusetzen einigermaßen würdiger und geschmackvoller ge­wesen wäre, als, beispielsweise, einen in Berlin nicht bewährten Intendanten und Regisseur, der ausgerechnet in Bayreuth beim Fostspiel den Diri- gier-Debütanten abgibt...?!

Der Vorfall ist ohn« Parallele und bestätigt voll­auf die wohlbegründeten und maßvollen Vorbe­halte, die wir in unseren Bayreuth-Berichten hin­sichtlich der nicht bedenkenfreien Wahl Tietjens als künstlerischen Oberleiter zu machen uns verpflich­tet fühlten... Die Gedankenverbindung aber. die uns von diesem Rückblick und Streiflicht zur Wür­digung der zehnjährigen, nie gestrauchelten Mün­chener Ensemble-Pflege hinführt, bedarf keines nä­heren Kommentars... Wir können sie dem Urteil der Oeffentlichkeit überlassen...

kooa lstieckrick kckaria