Ausgabe 
(11.8.1933) Nr. 213
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213. Jahrgang 1933

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W

Vremen. Festtag, den 11. August 1933 Emzemeers 15 vlg.

Anzeigen hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile 0.13, auswärts Kktt.17; »m Lexttei- 6.75. auSwarlr ^4 l. Slellencesuchc^F0.66 Familienanzeigen Stellenangebote und Wohnungsmarkt 0.08; wnbioe Ueii i private2-nze>oei bis zu 2> mrv bei Vorauszahlung lohne Rabatts -LF 0.08. P Iol vorichriiien ohne Verbindlichkeit. Anzeigen- chluß 1l Uhr. Bei Betriebsstörung Streik, Verbot u. s. w. Hai der Bezieher leinen Anspruch aus Rückzahlung d«S Bezugspreises.

DasArntkäie Vraan des Senats der HreLerr -»anfekttröt Bremern

W.

A»t«ece ^r«cük.-

Richtig, heute ist ja der 11. August, der Tag der Reichsverfassung. Reichsverf issvng? So etwas gibt es auch noch? Man mutz es dem Nationalsozialismus lassen: der Sturm­schritt seiner Revolution hatte ein solches Tempo angeschlagen, datz heute die kleinen Verfassungsbroschüren, die den Schulentlasse­nen in die Hand gedrückt wurden bereits Museumswert bekommen haben. Es war überflüssig, der Deutschen Reichsverfaßung vom 11 August 1919 ein öffentliches Begräb­nis zu geben; denn dieser Leichnam wa' be reits zu Staub geworden, als man ,eine lebendige Existenz noch amtlicherseits bestä­tigte. Sie lesen hier, geschätztes Muieums Publikum, den imponierenden Satz: Das

deutsche Volk regiert sich selbst' in der Wirk­lichkeit kommandierten die schwarzen un^ leider oft auch blonden Bankiers und das deutsche Volk tanzte- Tanzte seinen Toten tanz. Denn während sich noch vor we»rgen Wochen die Träger des Verwaltungsappa- rates, einst Schlosser oder ohne jede beruf­liche Vorbildung, krampfhaft in die Rollen aufgeblähter Bourgeois zwangen stierten 10 Millionen Erwerbslose ins Nichts wur­den Gashahn und Strick zu täglichen G- brauchsgegenständen der überglücklichen R? publikaner. Und vor den Bajonetten aus­fälligerSieger" rutschte der Staat auf den fetten Bäuchen seiner Minister. Wenn es heute abend wird: herunter mit oem Kalen­derblatt 11. August. Das war einmal!

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Gewisse geistige Graubärte werden sich da­ran gewöhnen müssen, daß im yeutigen Deutschland nicht danach gefragt und ge­wettet wird:Wie alt sind Sie?" sondern Wie jung sind Sie?" Das ist heute kein Zufall, sondern Symbol! Denn das neue Reich soll ewig sein, das heißt: mmer von der Jugend getragen werden. So ha' sich die Stadt Villingen im Schwarzwald -inen 27jährigen SA.-Truppführer zum-aer Meister gewählt, während in Zirndorf der fränkischen Industriestadt sogar ein 26iäh>i- ger die Geschicke seiner Heimatstadt leitet und meistert. Da wird es viele geben, die noch mit gestrigen Vorurteilen belastet sind und nun ihre bedächtigen Häupter schütteln und bewegen werden. Aber auch ihre Zeit ist da­hin- Heute entscheidet nicht das Vorurteil, sondern die Leistung. Es gib- Greise mi 17 und Jünglinge mit 70 Jahren Aber es ,ik>i auch Jünglinge die mit 26 Jahren a -I ver­antwortungsvollem Posten besser zu brauchen sind als Subalterne, deren Seele im Akien- staub erstickt.

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Tag für Tag gehen heute Meldungen durch die Öffentlichkeit, die von Tatsachen berich­ten. die früher entweder eine Sensa1i"n ae- wesen wären, oder als Hirngespinste und nationalsozialistische Utopien verhöhnt und verspottet wären. Heute sind solche Meldun­gen nichts Ungewöhnliches mehr. ja >s ist fast schon so, datz derjenige der unsere Revolution nicht in jeder einzelnen Phase mit hftzem Herzen miterlebt, fast über sie hinw-gliest Darrnn sei hier auf eins besonders Hingewie­sen: Im Seddinsee liegt die schilfiimwachsen-> Insel Dommecken- Hier bat die Berlinc. Hitleriuaend ihre erste Siedlerschule eristwet nm in ihr deutsche Jungens zu schulen um sie fähig zu machen für die Ausaab--n d-s Siedelns. um sie heranzubilden als Jach- fübrer anderer Jungens. die die SiedlunaS- aukgabe als den Zweck ihres Lebens -mäh, len wollen Bestrebungen sind im Ga - >>w der Berliner Hitleriuaend weitere- r.,--» Vertilgung zu stellen. Mit diesem Lau"- wollen die Jungens ringen, bis es Frack t gibt, sie wollen es dann bewahrten und heimatlosen Kameraden als deren neu» Hei­mat übergeben. Diele Meldung klingt' -nebr als iede andere, daß ein neuer Geist pe. Geilt des ^ozial'smW in Deutlchwnd >'ei,en Einzug abasten bat Wenn solche Gesinnung in aanz D»ntckckand einmal herrschen wird dann ist unlere Zu'nnit kür alle Y-iten a-d-rt. Die Tat dieser Hitlerinngens ist ein Fanal, das uns allen voranleuchten sollte

Veftwockttmarm Helm Ne

Brrchtesgaden, 10. August.

Reichskanzler Hitler hatte im Laufe des Dar nerwaannrmitwa Belvrechungen mit bei Reichswehrminister von Blomberg. dem Reich- Itarroaiter nen Baden. W"-mer. dem Stab--ch< der SA. R-^ni. und dem Reichsfiibrer der SS Himmler. sprachen Eeneralmulikdirekto

Dr. Nurtwanaler und der Deutschamerikane Oberländer Leim Reichskanzler vor.

Schwere? Flugzeugunglück.

Honolulu, 10. August.

Jiinf amerikanische Marineflieger fanden gestern Hei einem Flua:e"""-'-ikiick den Tod. Ein

sechster kam mit leichten PeiletzegLeu dspon.

I IrotL allem lieim ms Leicli:

Unerhörte Knebelung der EaardeuSschen durch iranloöhite RegieeimgsvimMion

Berlin, 10. August.

Der Verein der Saarländischen Presse hat an den Bölkerbundsrat ein Schreiben gerichtet, in dem gegen die Unterdrückung der deutschen Presse im Saargebiet energisch prote­stiert wird. In diesem Schreiben kommen diejenigen Gesichtspunkte erneut zum Ausdruck, die iu der Sitzung des saarländischen Landesrats vom 25. Juli von dem Vertreter der Deutsch- saarländischen Volkspartei dargelegt worden sind.

Die Regierungskommission des Saargebiets pal in den letzten Monaten die saarländische Presse mit Verboten geradezu überschüttet. So wurden am 24. J'-k neun Zeitungen, am 25

»e, am 8. August zwei und gestern erneut eine Zeitung verboten.

Bei ihrer stits gegen die nationale Presse gerichteten Vorgehen stützt sich die Re­gierungskommission auf ein am 22. März dieses Jahres erlassenes Dekret, das zurAufrecht­erhaltung der Ruhe und öffentlichen Sicherheit im Saargeöiet" dienen soll. Die Bestimmungen dieses Erlasses sind, wie in dem Schreiben au den Völkerbunds:al hervorgehoben wird, von einer bedrohlichen Ungenauigkeit. Sie lassen

damit alle Möglichkeiten einer Interpretation offen, die wie ja auch nicht anders zu er­warten stand in der bisherigen Praxis sich stets

gegen die Interessen des deutschen Saarlandes

richteten. Die Regierungskommission, die es nicht für angebracht hielt, wenn in den letzten Monaten im Saargebiet erscheinende Heilungen Mitglieder der R e i ch s r e g t e r u n g beschimpften, dagegen einzuschreiten, wie es schon die korrekte Einstellung einem Mitglied des Vülkerbundsrats gegenüber geboten schien diese gleiche Regierungskommission glaubte bei jeder Gelegenheit den Schutz derjenigen Kreise übernehmen zu müssen, die offenbar versteckt separatistischePropaganda betrieben.

Eine Ueberprüsung der Verbotsanlässe in den letzten Monaten zeigt, datz regelmäßig dann von der Regierungskommission vorgegangen wurde, wenn eine deutsch gesinnte Zeitung gegen die un­heilvolle Tätigkeit dieser separatistischen Wühler Verwahrung einlegte. Die Erregung, die sich nicht nur der unmittelbar betroffenen journali­stischen Kreise, sondern der gesamten saarländi­

schen Bevölkerung angesichts dieser Tatsachen bemächtigt hat, ist nur allzu verständlich.

Es dient nicht der Aufrechterhaltung und Förderung der notwendigen saarländischen Freiheit, wenn der überwältigende Teil der Be­völkerung der Organe seiner öffentlichen Wil­lens- und Meinungsbildung systematisch beraubt wird. Die Regierungskommission hat zu wieder­holten Malen, so durch ihre am 19. Juli ver­öffentlichte Erklärung zur kommenden Abstim­mung, die zutreffend als einSchutz für Ver­räter" bezeichnet wurde, bewiesen, daß sie nicht die mit ihrer Stellung vereinbare einzig kor- i rekte und loyale Haltung einnimmt.

Man darf erwarten, datz sich der Välkerbunds- rat der hohen Verantwortung bewußt ist, die ihm für seine durch den Protest der suardeut- schen Presse veranlaßte Entscheidung auferlegt wird. Die notwendige Berücksichtigung der be­rechtigten Wünsche der saardeutschen Presse ist nicht nur eine Voraussetzung für eine gedeih­liche Entwicklung im Saargebiet, sondern eine Vorbedingung für die im Interesse des Friedens zu fördernde internationale Zusammenarbeit, die durch das Vorgehen der Regierungskommission ernsthaft gefährdet wirb.

GroWuer in der Irrenanstalt Ellen

Geisteskranker steckt eine Scheune in Brand

Gestern abend kurz vor 21 Uhr entstand in der bremischen Heil- und Pflegeanstalt Ellen ein Brand, oer von einem dort untergebrachten Epileptiker verursacht worden war. Durch schnelles Eingreifen der Feuerwehren konnt« ein Uebergreifen des Feuers auf die benachbarten Wohngcbäude und Stallungen, trotz des starken Funkensluges, verhindert werden.

Seit den frühen Nachmittagsstunden vermißte man in der Anstalt den dort untergebrachten Epileptiker Schulz. Gegen 21 Uhr entdeckte man ihn dann auf dem Dach einer Scheune des Gutsbetriebes der bremischen Heil- und Pflege- anstalt. Man versuchte, ihn mit Wasser herunter­zuholen und alarmierte zu diesem Zweck die An­staltsfeuerwehr. Der Kranke begann aber setzt das Dach abzudecken und mit Dachziegeln zu werfen. Schließlich steckte er das Dach an und

im Nu stand die bis obenhin mit Getreide, Heu und Stroh gefüllte massive Scheune in hellen Flammen. Der Brand entwickelte starke Glut. Die bremische Feuerwehr rückte sofort mit 10 Fahrzeugen an und bekämpfte das Feuer aus fünfzehn Schlauchleitungen. Ebenfalls eilte die Werkwehr der Eisenbahnwerkstelle Sebaldsbriick zur Hilfe. Trotzdem konnte die Scheune aber nicht mehr gerettet werden und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Das Vieh aus den umliegenden Stallgebäuden war auf die Weide getrieben worden. Den vereinten Bemühungen des Pflegepersonals und des SA--Sturms Oster- Holz-Ellcn gelang es, des flüchtigen Kranken hab­haft zu werden, der unverletzt geborgen wurde.

Wie wir dazu noch erfahren, find etwa 35 Fu­der Heu und 31 Zentner Stroh sowie wertvolle landwirtschaftliche Maschinen verbrannt. Der

Sachschaden soll schätzungsweise 35 000 Mark be­tragen. Gegen 23 Uhr rückte» 5 Löschzüge be­reits wieder ab. Die restlichen Löschzüge sind bei Redaktionsschluß mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt, die bis heute mittag andauern wer­den. Die schwelende Glut wird noch bewacht, um ein neues Aufflackern und eventuelles Über­springen auf die benachbarten Gebäude zu ver­hindern. Menschen sind nicht umgekommen. Ebenfalls konnte sämtliches Vieh gerettet werden.

Ein weiterer Brand wurde uns gestern nach­mittag gegen 15 Uhr aus dem Freihafen II ge­meldet. Auf dem norwegischen Dampfer Rygja", (Schuppen 15) brannten drei Baumwollballen. Das Feuer brachte die übrige Ladung in Gefahr, konnte jedoch von zwei Wehren der Wache 1 und 5 rasch gelöscht werden.

Valbo stiegt von Listavon direkt nach Asm

Lissabon, 10. August.

Balbo erklärte in Lissabon einigen Presse­vertretern. daß die S.recke AzorenLissabon in einer Höhe von durchweg 2000 Meter bewältigt worden sei. Man sei auf dem Flug in eine Gewitterzone von 200 Kilometer Ausdehnung gestoßen und habe ihr trotz aller Anstrengungen nicht zu entgehen gewußt, bis der Kapitän des italienischen Ozeanschnell- schiffes Conti di Savoia ihm drahtlos die Richtung nach Süde i gewiesen hätte, wo man gleich wieder eine ruhige Zone vorgefunden habe. Balbo habe dann durch Bermittlung des Conti di Savoia nach Rom telephoniert und sich nach dem Befinden seiner Familie erkundigt. Vier Minuten später habe die Conti di Savoia schon berichtet, daß zu Hause alles wohl sei und daß das jüngste Kind jetzt schon mit Sehnsucht auf den Hund warte, den man dem Vater auf Neufundland ge­schenkt habe. Auf die Frage, ob Balbo die Azoren als günstigen Stützpunkt für einen Atlantikflugdienst betrachte, antwortete Balbo daß die Azorengrnppe große Gefahren für die Wasserung, in sich berge und daß kein ge­schützter Platz für Seeflugzeuge vorhanden sei. Immerhin könnten die Inseln in Zu­kunft von gewisser Bedeutung werden, wenn Portugal das Recht der Wasserung nicht einer Privatgesellschaft überließe, sondern zur frei­en Verfügung aller Nationen. Balbo erklärte noch, daß auf der nicht beflogenen Nord­strecke der schlechteste Sommer seit 20 Jahren herrsche.

Sonnabend Start zum Weiterflug nach Nom Lissabon, 10. August..

General Balbo hat am Donnerstag sämt­lichen Fliegern die Medaille des Transozean- fiuges verliehen.

Am Donnerstag nachmittag wurde General Balbo vom portugiesischen Staatspräsident-n Carmona empfangen. Am Donerstag abend fand ein Stierkampf zu Ehren der italienischen Ozeanflieger statte General Balbo hat seine Absicht, ers^ Sonnabend von Lissabon nach Italien zu starten, damit begründet, daß er Lissabon nicht verlassen wolle, bis die Leiche des beim Start aus den Azoren verunglückten L'ii:>-a>-!s Ky>ia-''ia, die auf einem italien:- M.» Schijj riM Rom gebracht wird, in

Lissabon eingetroffen ist. General Balbo er­klärte ferner, er sei über seinen Erfolg er­freut, aber es gebe keine Entschuldigung da­für, daß ,er Amsterdam mit 24 Flugzeugen verlassen habe und nur mit 23 Flugzeugen nach Ostia zurückkehre.

Die letzte Strecke des Fluges am Sonn­abend wird von Lissabon über Kap St Nin- zenz südlich der Balearischen Inseln durch die Meerenge von Bonifatio nach Ostia führen.

Meldungen aus Marseille deuten an daß der Entschluß Balbos, direkt von Lsiiabon nach Italien zu fliegen, anstatt die Route über Marseille zu wäblen große Ent­täuschung hervorgerufen hat. Die Si«dt Marseille wollte den Italienern ein großes Willkommen bereiten u. a. war di- Ver­leihung einer Medaille an General Balbo vorgesehen und hundert französisch Flug­zeuge sollten den Italienern das Geleit geben

Varis über VMos Absage enttmrschl

Paris, 10. August. Der Entschluß des Generals Balbo, Marseille nicht zu berühren, hat in der fran­zösischen Stadt größte Enttäuschung hervorgerufen. Bis in die Nacht hinein wurde mit Lissabon und Rom telephoniert, um einen endgültigen Bescheid zu erhalten. Balbo hat telephonisch erklärt:Ich kann die Einladung der französischen Regierung nicht an­nehmen. Die Rückkehr über die Azoren macht das Anfliegen von Berre nicht mehr -erforderlich. Wir werden so schnell wie möglich zurückkehren, denn wir sind müde und der Tod unseres Leutnants Squaglia steht über unserem Flug. Er zwingt uns, die zu unseren Ehren vorbereiteten Feste zu vermei­den und schließlich möchte ich selbst die Maßnahmen zur Ueberführung der sterblichen Ueberreste meines tapferen Kameraden regeln. Daher müssen wir spä­testens Sonntag in Rom sein.",

Der italienische Botschafter, der bereits von Pari? nach Marseille abgereist war, ehe der Entschluß Bai- bos feststand, dürfte bei seiner-Ankunft durch diese Nachricht überrascht worden sein. Der französische LuftfahrtmiTilster war ebenfalls in Marseille einge­troffen.

Die französischen Weltrekordslieger aus dem Weg in die Heimat.

Wie aus Rayak gemeldet wird, sind die franzö­sischen Ozeanitjeger Lodos und. Kojß. die einen

neuen Weltrekord im Langstreckenflug aufgestellt haben, am Donnerstag in der 7. Morgenstunde zum Rückslug nach Marseille gestartet.

Nach einem Funkspruch sind beide gezwungen, wegen Brennstofsmangels in Rom eine Zwischen­landung vorzunehmen. Sie wollen aber sofort nach Marseille weiterfliegen, wo sie in den späten Nacht­stunden erwartet werden und wo alles für einen großartigen Empfang vorbereitet ist.

Niefigee Vu karmusbruch auf dem Samen

Potsdam, 1v. August.

Nach Beobachtungen des Berliner Liebhaber- Astronomen Dr. Weber, die übrigens auch von englischen und amerikanischen Gelehrten gemacht wurden, ist seit einigen Tagen auf dem Saturn ein großer weißer Fleck sichtbar. Diese Wahr­nehmung wird nunmehr auch von der Potsdamer Sternwarte bestätigt. Der Fleck, der nach den Potsdamer Messungen etwa ein Drittel der Länge und etwa ein Fünftel der Breite des Planetendnrchmessers hat. taucht am westlichen Rande des Planeten aus und zieht in etwa fünf Stunden über die Saturnscheibe dahin. Schon mit einem kleinen Veobachtungssernrohr soll diese sel­tene Erscheinung gut beobachtet werden können. Der nächste Durchgang über die Mitte der Scheibe erfolgt am 12. August gegen 2^ Uhr früh und gegen 23 Uhr abends.

Ob die Annahme der englischen Astronomen zu­trifft, daß es sich um den Ausbruch eines Vulkans mit riesenhaften Ausmaßen handelt, kann noch nicht gesagt werden.

Staatsratserösfnung in der Aula der Berliner Universität

Berlin, 10. August.

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Die feierliche Eröffnung des preußischen Staats- rates, für die ein genauer Termin noch nicht be­stimmt ist, wird voraussichtlich im Aulagebäude der Berliner Universität am Kaiser-Franz-Jo- sephsplatz (Opernplatz) stattfinden. Von der ur­sprünglichen Absicht, den Weißen Saal im Kö­niglichen Schloß für den Staatsakt zu wählen, ist Abstand MornmeA worden.

krsnkreick ßreilt ein:

LröiLnunß 6er Zssroikensive

Bremen, 11. August

Wer in Deutschland noch daran gezweifelt yat, datz Frankreich die Saarfrage noch vor der Volksabstimmung durch Gewalt zu lösen beabsichtigt, dem werden die Augen durch einen Leitartikel geöffnet, den die Zeitung Figaro" (Nr. 213) am 1. August veröf­fentlichte. Augenscheinlich hält man es jen­seits der Vogesen nicht mehr für notwendig, seine räuberischen Absichten gegenüber der deutschen Saar noch irgendwie schamhaft zu verschleiern. Man wirft deshalb jede Maske ab und zeigt sein wahres Gesicht. Bereits die Ueberschrift des Figaroartikels, die sogar für die Eingeweihten des Saarprobtems in Deutschland immerhin überraschend ist, zeiyt sich von anerkennenswerter Offenheit; sie lautet nämlich:Warum zögern wir noch, im Saargebiet zur Offensive überzugehen? Gleichzeitig stellt der Herr Artikelschreiber fest, datz leider die öffentliche Meinung Frank­reichs über die Bedeutung der Saarfrage völlig unzureichend unterrichtet sei und sich durchaus kein wahres Bild über die Heftigkeit des Kampfes mache, der dort entbrannt sei.

Es folgt ein Wutausbruch des Verfassers über die Veranstaltungen, die das Deutsche Reich in jüngster Zeit unter Hinzuziehung unserer saarländischen Volksgenossen abge­halten hat und noch weiterhin vorbereitet. Selbst die harmlosen Kundgebungen, wie die deutscher Gesangs- und Turnvereine werden in diesem Zusammenhang dem französischen Leser als schwere Bedrohungen der franzost- schenSicherheitdarstellt. Es wird dann behaup­tet, der deutsche Terror gegen die Anhänger Frankreichsander Saar verstärke sich von Tag zu Tag. Demgegenüber werden die von der an­geblich neutralen Saarregierung erlassenen Verbote zahlloser reichsdeutscher sowie deutsch gesinnter Saarblätter, die Massenentlassungen von Arbeitern, die sich zu ihrem Deutschtum bekannt haben, durch die französische Eruben- direktion alsharmlose und völlig unzurei­chende" Gegenmaßnahmen hingestellt. Und dann wird die große Trumpfkarte aus den Tisch geworfen: wörtlich heißt es da:

Wir Franzosen verfügen indessen über wirkliche Waffen, und wenn wir mit deren Anwendung zögern, so ist das ein lächerliches Unrecht, weil uns dabei eine übertriebene Achtung vor dem ksir plsv bestimmt Vor solchen Gegnern, die vor nichts zurückschrecken, steht man schon im voraus als Besiegter da, wenn man nicht mit äußerster Gewalt han­delt!"

Wer die französische Einstellung zur Saar­frage infolge jahrelangen Studiums kennt, der weiß, was solche Worte in Wirklichkeit bedeuten. Da die Saarbevölkerung mit ver­schwindend geringen Ausnahmen kerndeutsch ist, ist Frankreich an der Saar tatsächlichim voraus besiegt", wenn es ksir plsv treibt, d. h. legal und die Volksabstimmung unge­stört Zustandekommen läßt. Wir sind den fran­zösischen Saarpolitikern äußerst dankbar da­für, daß sie ihre Karten so offen aufdecken. Wenn sich auch jeder deutsche Volksgenosse von vornherein darüber klar war, daß oie sy­stematische Verbreitung von Ereuellügen über angeblich deutschen Terror an der Saar nur zur Begründung kommender französischer Gewaltmaßnahmen dienen sollte, so ist doch jetzt der letzte Zweifel darüber zerstreut, zu welchem Zweck die französische Saarpropa­ganda der gesamten Welt diese Märchen auf­getischt hat.

In diesem Zusammenhang möge der vom Figaro" veröffentlichte Hetzartikel wiederum für sich sprechen:Es ist notwendig, daß die französische Regierung aus ihrer Neutralität herausgehe und vor aller Welt (urbi et orbij kundtue, daß, wenn die Ehre des Völkerbunds in der Frage der Freiheit und Sicherheit der Saarabstimmung auf dem Spiele stehe, die Ehre Frankreichs es erfordere, diejenigen zu schützen, die sich an der Saar für seine Sache opfern."

Fragt man nun, worin diewirklichen Waffen" Frankreichs zur Verteidigung seiner angeblichen Saarehre bestehen, so bekommt man auch hierauf vomFigaro" eine ziem­lich unverblümte Antwort: Zwar sei der Kampf um die Volksabstimmung an der Saar ein getarnter Krieg (une guerre Isrvec), doch fei dies bereits während dieses ganzen Zustandes eines bewaffneten Friedens", angefangen vom 11. November 1918, der Fall gewesen. Frankreich habe im Saargebiet die allergrößten Erfolgsaussichten. Es fehle ihm nur die notwendige Entschlossenheit, diese auch unter vollem Einsatz auszunutzen.

Ein derartiges Zugeständnis französischer Gewaltherrschaft an der Saar vom November 1918 bis zum heutigen Tage haben wir bis­her in der französischen Presse noch nicht ge­funden.

Die Saar völkerung hat leider nur zu sehr am eigenen Leibe erlebt, wie dieserge­tarnte Krieg" von Seiten Frankreichs geführt worden ist. Gibt man solches heute in Paris schon offen zu, wie furchtbar wird dann erst die nackte Gewalt gegen die Saar aussehe», zu der sich übrigens neuerdings nicht nur der Figaro" und andere Organe der französischen Rechten, sondern auch eine große Reihe scharf links gerichteter pazifistischer Blätter Frauck- reichs belangt Laben-,