Ausgabe 
(3.8.1933) Nr. 205
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Nr. 295. Jahrgang 1933

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Vremen. Donnerstag, den 3. August 1933 Einzelpreis 15 Vlg.

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vreWrualionalsoriaMMe Zeitung

DasAMüotie Vraan des Sencils der ^rererr Lant eklL dt ^

der Treisrr

Am gestrigen Tage wurden f Junq- saschiste» auf ihrer Reise durch Atschland in Berlin durch die offiziellen V>.feier^der Regierung und Behörden und voper SA-, SS. und Hitlerjugend feierlich begrüßt. Diese freundschaftliche Aufnahme kr jungen Italiener hat nichts zu tun mit/er früher so häufig beobachteten Liebedäerei der Deutschen vor allem Ausländisch- Genau so wenig, wie die Reise der Jsgfaschlsten durch Deutschland nur ein Höfl/eitsbesuch ist. Es kommt hier vielmehr r kamerad­schaftliche Verbundenheit zwei! Nationen zum Ausdruck, die sich auf ihre Mische Kraft besonnen haben und die beidäm Begriff sind, nach einer Zeit des Niekganges zu einer Epoche des Aufstieges voMotzen- In beiden Ländern hat eine jungeMhrerschicht im Gegensatz zu den demokratis/liberallstisch regierten Ländern die Leituncoes Staates in die Hand genommen. In Ä'schland wie in Italien vird die Jugend sämatisch zum Staat erzogen; darum bereit die Jung- faschisten auf Befehl Mussolini Deutschland, um den neuen nationalsozicwiscben Staat aus eigener Anschauung kennzulerneu und sich hier für ihre spätere Aufse als Führe, ihres Volkes wertvolle Anremgen zu holen. Jeder von ihnen wird als etnreund unseres Vaterlandes in seine Heim zurückkehren und damit dazu beitragen, iß das freund­schaftliche Verhältnis zwism Deutschlano und Italien noch enger undprzlicher wird.

Wir haben schon manche Überraschung mit den Männern des Systfs erlebt, aber Alfred Braun, der sss früher mit nimmermüdem Mundwerks Rundfunk seine Konfektionsreportagen voltzte, wartet mii einem besonders neckischeiMnfall auf. Er hat an die Neichsrundfuiesellschaft einige freundliche Zeilen gerichtsin denen er mit­teilt. daß er sich in ein Kver zurückzuziehen gedenkt, um fortan allen tischen Freu >en zu entsagen. Inzwischen isaber noch etwas anderes über unseren deztellen Freund Alfred Braun bekannt gsrden. Er ho» es verstanden, sein Gehalt, r „bescheiden" mit 1000 Mark im Anfang efe'etzt war, binnen kurzer Zeit auf 4500 Mchim Monat zu stei­gern- Insgesamt hat ertm Jahre 1225 bis zu seiner Entlassung rm300 000 Mark ver­einnahmt. Daneben ftsnatürlich noch em reichlicher Strom aus Dosten- und Sonder­konten in seine Tasche Nachdem nun die Angelegenheit für ihrritisch zu wenden droht, will er mit ein Schauspielertriü ein Damaskus vorläuft Aber wir glauben nicht, daß aus ein« Alfred Braun ein Paulus geworden ist. Sein Wunsch nach Weltabgeschiedenheit » nach einsamer Zelle soll tbm aber gern eilt werden, auch in Moabit bat man Gelöstheit zu büßen und den Freuden dieser B zu entsagen.

bei SA. nd SS.

Berlin, 2. August.

Laut NSK teilt die irste SA-Führung mit: „Auf Grund der in dchreffe veröffentlichten Sperre für die Ausnas in die SA und SS häufen sich die Einstelluigesuche bei den höheren Dienststellen derart, dapr Dienst hierdurch be­einträchtigt wird.

Gesuche um Einstelln sind völlig zwecklos und werden in Zukunsicht mehr beantwortet."

IXeil68 preuK.

Mtvche zu deuWer RechlSMMuW

G« weseittlichee SchM M dem Gebiete z«e Erneuer««» der Justiz

Berlin, 2. August. (Eig. Meld.)

Der preußische Justizminister, Landtagsprästdent Kerrl, und Staatssekretär Freister empfingen am Mittwoch die Presse, um über die neue Straf« rollzugsordnung und das neue Gnadenrecht Mitteilungen zu machen. Justizminister Kerrl wies darauf hin, daß auch in den Ferien im preußischen Justizministerium mit gleichem Hochdruck gearbeitet worden sei wie vorher und daß die Maschinen im gleichen Tempo weiterlaufen. Bor 14 Tagen fei Staatssekretär Freister mit dem Entwurf der neuen Strafvollzugsordnung zn ihm nach Kämpen auf Sylt gekommen, wo er seinen llrlaub verlebt habe, und habe ihm die neue Strafvollzugsordnung und das neue Gnadenrecht vorgetragen. Er habe diese mit dem Ministerpräsidenten Göring besprochen, der für alle Restarts der preußischen Verwaltung Interesse zeige. Dann habe Staatssekretär Freister die Ver­ordnung druckreif gemacht und nunmehr sei die preu­ßische Strafvollzugsordnung endgültig erlassen worden.

Staatssekretär Freister wies dann darauf bin, daß das Gebiet der Strafvollzugsordnung zum konkurrie­renden Recht gehöre, daß also sowohl die Länder als auch das Reich auf diesem Gebiete gesetzgeberisch tätig sein können. Bisher sei es so gewesen, daß die Länder das Strafvollzugsrecht ertasten hätten. DaS neue preußische Strafvollzugsrecht sei ein wesentlicher Schritt auf dem Gebiete zur Erneuerung der Justiz.

Verbunden mit diesem 74 Paragraphen umfassen­den Gesetz ist das preußische Gnadenrecht, und zwar find 43 Paragraphen dem StrasvollzugSrecht und 31 Paragraphen dem Gnadenrecht gewidmet. Das neue preußische Gnadengericht gibt bekanntlich dem Ministerpräsidenten Göring ganz besondere Voll­machten aus diesem Gebiete.

Staatssekretär Freister wies weiter darauf hin, daß das StrasvollzugSrecht ergänzen und untermau­ern solle, was durch das Gnadenrecht neu bestimmt wird.

Man fei bet der AuSarbeit»ng der neuen preußi­schen Strafvollzugsordnung, zu der Justizmlnifter Kerrl den Anstoß gegeben habe, von dem Gedanken ausgegangen, daß man ein Recht schassen wolle, das volkstümlich sei und auch vom Volke allein gelesen werden könne.

Man habe daher darauf verzichtet, auf andere Ge­setzesbestimmungen Bezug zu nehmen und einen Wust von Zahlen aus dem Gesetz zu machen, sondern es volkstümlich gefaßt. Neu an dem Gesetz sei die Tatsache, daß bei jeder Bestimmung hinzugefügt sei, warum man diese Bestimmung erlassen habe. Das sei ein Novum auf gesetzgeberischem Gebiete und führe weiter dazu, das Gesetz volkstümlich zu

machen. Der Justizminister habe zunächst einmal daraus hingewirkt, > eine überflüssige Ueberorganisa« tion zu vermeiden. So werde z. B. das merkwürdige Zwittergebilde der GerichtShtlfe, die rein privaten Charakter hat, aufgehoben. Im demokratischen Staat sei man, so führte der Staatssekretär weiter aus, gegen die Staatsanwaltschaft im höchsten Maße mißtrauisch gewesen. Darum habe man den Straf­vollzug in die Hand einer besonderen Behörde ge­geben, nämlich des Strafvollzugsamtes. Im neuen Staat sei jedoch davon ausgegangen, daß, nachdem da? unabhängige Gericht den Strafanspruch des Staates festgesetzt hat, dieser Strafanspruch auch vom Staate zurückgeführt wird. Deshalb hat man diese Aufgabe der StrafvollzugSLmter den Staats­anwaltschaften wiedergegeben.

Die GtrasvoAZugsömter verschwinden also von jetzt ad

DaS bedeute natürlich nicht, daß die Beamten­schaft, die im Strafvollzug notwendig ist, ebenfalls verschwinde. Diese Beamtenschaft besitze Kenntnisse wirtschaftlicher und technischer Art, ganz andere als die Beamtenschaft der Staatsanwaltschaften, und werde selbstverständlich bleiben. Aus ähnlichen Er­wägungen heraus müssen auch den Richtern die Be­auftragung für Gnadensachen genommen werden. ES ist Sache der autoritativen Feststellung der Gerich­tes, ob eine Strafe festgesetzt wird, ebenso ist es aber auch Sache des StaateS, den Strafanspruch un­abhängig vom Gericht durchzuführen.

Die grundlegenden Bestimmungen bei der neuen Strafvollstreckung sind folgende:

Bei der Todesstrafe ist eS nicht einzusehen, warum da und bort, wo einmal französisches Recht galt, als Bollstreckungsmittrl die Guillotine gelle« soll, die übrigens dem deutschen Volk absolut fremd ist. —

Sie wurde also beseitigt, ebenso das Fallschwert. Die Todesstrafe wird jetzt — wenn nicht das Reich etwas anderes bestimmt — durch Erschießen oder Er­hängen, in Preußen durch dos Beil vollzogen. Es ist dies übrigens die allersicherste Todesart, die noch niemals zu irgendwelchen Beanstandungen Anlaß gegeben hat.

Was die Freiheitsstrafen anbelangt, so find in der letzten Zeit Experimente über Experimente gemacht worden. Die Strafgefangenen wurden in einer Weise behandelt, daß ihr Lebensstandard weit über dem des Arbeitslosen, aber auch über dem Le­bensstandard des Arbeiters und des Kleinbauern lag Das war natürlich keine Strafe mehr — dieser „Strafvollzug" mit Fußballspiel, Kinovorführungen, Vortrügen aller Art und mit den Beschwerden, mit denen man ungehindert einen Kleinkrieg gegen die Beamten sichren konnte.

ES gib nur eine einzige Art der Straferziehung, nämlich die, durch die dem Strafgefangenen aus das lebendigste klar wird, daß er nie wieder in ein solches HauS hinein möchte.

Bisher war eS so, daß sich die Strafgefangenen sagen konnten, die Strafanstalt sei ein kostenloses Hotel, das sie gut versorgt und in dem es sehr an­genehm ist. In Zukunft werden sie aber nichts mehr fürchten, als wieder in dieser HanS hinein zu müssen, und dann werden sie sich vielleicht auch nach der Strafvollstreckung etwas in acht nehmen. DaS gilt für die große Masse der Strafgefangenen.

Irgendein stufenweise; StrasvollzugSrecht kann natürlich nicht in Frage kommen sür Zuchthausge- sangene. ES ist immer ein Fehler gewesen der ver­gangenen Jahre, daß zwischen Zuchthaus- und an­deren Gefangenen überhaupt kein Unterschied gemacht wurde. Der Zuchthausgefangene muß zunächst ganz anders behandelt werden, als der gewöhnliche Ge­fangene.

Bon einem Stnfenprafvollzug ober Vergünsti­gungen darf überhaupt nicht die Rede sein.

Höchstens in einigen wenigen AuSnahmesällen darf man vielleicht sagen, dieser besondere ZuchthauS- gesangene braucht nun nicht mehr im Zuchthaus seine Strafe zu verbüßen, sondern kann im Gnaden­wege den Rest seiner Strafzeit im Gefangenenhaus verbringen.

Typisch ist für die Strafvollstreckung der vergan­genen Jahre, daß sie nicht in der Lage war, ein Ab­sinken der Kriminalität zu ermöglichen. Damit ist erwiesen, daß sie sich nicht bewährt hat. Deshalb müssen alle jene, die höhere Strafe zu verbüßen haben und nicht erstmalig bestraft find, in Gefäng­nisse kommen, in denen er eine Stufenstrafvoll- streckung einfach nicht gibt. Nur für jene, bei denen ein guter Funke Möglichkeit besteht, daß sie nicht zu den Verbrechern gehören, soll die Möglichkeit einer anderen Art der Straferziehung vorhanden sein, nur diesen kann man ausnahmsweise die Spei­sen einer zweiten oder dritten Stufe der Straserzie- hung zuteil werden lassen.

Grundlegend ander? muß natürlich die Art der Strafvollstreckung bei den Jugendlichen sein, und zwar um der Zukunft der Nation willen, well diese straffällig Gewordenen innerlich noch nicht fertig sind. Hier wird natürlich der Sinn der Strafvoll­streckung sein die Einprägung der Notwendigkeit zu Zucht, Ordnung und Einordnung; eS soll aber auch der Weg der inneren Beeinflussung beschritten wer­den, um damit diese Jugendlichen für die nationale und soziale Gemeinschaft zn retten.

MarMWer UebersM aus SA.-Leute

Kopenhagen, 2. August.

Wie aus Landern gemeldet wird, ist es jetzt zum ersten Male in Notdschleswig zu einem

blutigen Zusammenstoß zwischen National­sozialisten und Marxisten gekommen. Als 16 Nordschleswiger SA-Leute ge­

gen 22 Uhr von einer Uebung nach Landern zu­rückkehrten, wurden sie aus dem Hinterhalt von Sozialiften und Kommunisten überfallen. In vielfacher Uebermacht stürzten sich die Angreifer unter Gebrüll auf die jungen Leute und schlugen mit Knüppeln und Zaunlatten auf sie ein. Die SA-Männer leisteten in der Notwehr heftigen Widerstand. Drei von ihnen, darunter der Sturm­führer Joergensen, brachen blutend zusammen. Als die Polizei erschien, flüchteten die Marxisten unter

Mitnahme ihrer Verletzten, während die National­sozialisten zur Ausnahme eines Protokolls auf die Wache gebracht wurden. Der Sturmfllhrer Ioer- gensen, der Friseur Schmidt und ein Student muh­ten sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ersterer hat eine schwere Gehirnerschütterung da­vongetragen. Die Polizei hat vorläufig noch keine Verhaftungen vorgenommen, da die beteiligten Marxisten aus der Stadt verschwunden sein sollen.

Das Tannendeeg der Arbeit

Berlin, 2. August

Am Mittwoch abend sprach der Oberpräfi- dent von Ostpreußen, Erich Koch, im Rund» funk im Rahmen eines Zwiegesprächs mit Schriftleiter Hellmuth Rosenfeld über den großen Aufbauplan ist Ostpreußen. Der Oberpräsident führte dabei aus:

Das Schicksal Ostpreußens im nationalsozia­listischen Reiche läßt sich durch ein kurzes Wort kennzeichnen: Das Gesicht des deutschen Volkes wird vom liberalistisch-kapitalistischen Westen durch den Nationalsozialismus zum preußisch-sozialistischen Osten gewendet werden. Dieses Wort gilt sowohl in geistig-kultureller wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Durch Zeitungsveröffentlichungen ist bekannt, daß das Kulturleben des Ostens eine sichere Grundlage erhalten soll durch eine groß ausgebaute Reichsuntversität mck> durch ein großes Reichstheater.

Wirtschaftlich liegen die Dinge so: Bisher lag Ostpreußen, und zwar schon in der Vor­kriegszeit, unter einem höheren Kostendruck als die übrigen Teils des Reiches, insbeson­dere als der Westen und Süden. In Ostpreu­ßen waren die Zinsen und der elektrische Strom teurer, es waren alle Produktionsmittel, wie z. B. Kohle, teurer. Auf die hergestellten Güter wurde ein großer Frachtenausschlag gemacht, die Steuern drückten stärker als wo­anders, da die Provinz arm war. Die wirt­schaftliche Entwicklung in Ostpreußen blieb deshalb zurück. Der Bevölkerungsüberschuß mußte aus dem Lande wandern und woanders Arbeit suchen.

Nunmehr soll das Verhältnis umgekehrt werden. Durch bestimmte Maßnahmen des Reichs soll der allgemeine Kostendruck in Ost­preußen niedriger gehalten werden als im Reich, so daß bei den Unternehmern eine na­türliche Neigung entsteht, in Ostpreußen ihre Unternehmungen zu errichten. Das Reich wird in einem wesentlichen Umfange generelle Lastenssnkungen für Ostpreußen eintreten lassen muffen. Diese bestehen in einer weitgehenden Herabsenkung der allge­meinen Reichs- und Landessteuern für Ost­preußen, einer weitgehenden allgemeinen Uebernahme von Kommunalsteuern und So- zialbeiträgen durch das Reich, ferner in der Bereitstellung von Elektrizität zu billigen Preisen, billigen Frachten und ähnlichem. Alle diese generellen Lastensenkungen wir­ken allgemein und setzen keine Prüfung des Einzelfalles durch irgendeine Behörde voraus.

Wir muffen, so erklärte der Oberprästdent weiter, planmäßig die Bevölkerung Ostpreu­ßens vermehren, kurz gesagt, wir muffen in Ostpreußen 1 bis 1^ Millionen Menschen mehr im Lande haben. Auch bei schärfster agra­rischer Besiedlung kann aber die Bevölkerung nicht um einen wirklich ins Gewicht fallenden Anteil vermehrt werden. Eine entscheidende Vermehrung der Bevölkerung Ostpreußens ist nur möglich durch eine Jnoustrialiste- rungdesLandes. Die Industrialisierung ist nicht so gedacht, daß in Ostpreußen Massen von Industriearbeitern in wenigen Groß­städten zusammengeballt werden, sondern wir nehmen uns dieVerhältnisseinWür- temberg zum Vorbild. Die Industrie soll im platten Lande gelagert sein, der In­dustriearbeiter soll sein eigenes Haus und sein eigenes Land erhalten und da­mit zu einem bodenständigen Menschen wer«

steigern islsck

! Line Zprscftbetrscktung von!isr! lerbs

Sprache ist Wesenhast: kümmert da und dort, setzt anregende Kräfte i um. Dieses immer sich sich immer neue Gebiet tung erschließt, wird Quellen: Mundart un staltung. Die sogena spräche, deren wir uns gung bedienen, müßte wuchern, wenn sie ni diesen beiden Quellen halten würde. Ihre und eilfertige Handhab . Mundart und künstleris S eindringende Reste Verb, dcner Bestandteile aus üssen, weil sie die Quel Dies war vorab'zu . der Steigerungsgewohn a beginnen, daß wir zu Alltag hat das Gefühl Kraft der Eigenschaftsr: ist es, daß ein Menf« Maße" tut! Stirbt er das Maß voller noch er sie „in vollstem Mo Hitzköpfen genügt es n haben — wir hoben im: obwohl beim Zahnarzt ärger geplagter Mitm senden Zeitgenossen, sind. die herzlichsten G, Helden die größte Hochc n widerstrebend, weitesten usthk, das Schöne,

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das ja

wächst unablässig, ver- , übt aus neuen Keimen, iiandlung und Neubildung «euernde Wachstum, das r Schilderung und Deu- speist aus zwei starken idjöpferisch-künstlerische Ge- hochdeutsche Umgangs­allgemeinen Verständi- terben oder unfruchtbar üPurch die Nahrung aus wendigem Wachstum er- tzung durch gedankenlose ist ohnehin so stark, daß estaltung immer wieder >ter und wesenlos gewor- Alltazssprache abstoßen Hu verschlammen drohen Denn eine Betrachtung muß mit der Vorwurs 1 steigern. Der Sprach, die einfache bildnerische :r verloren. Wie selten ine Pflicht „in vollem so muß in der Nachrede >lft werden — dann hat getan. Uns überreizten arge Zahnschmerzen zu : gleich „die furchtbarsten", der Ecke gewiß noch ein zu finden wäre. Wir s durchaus gleichgültig wir haben vor Tages- lg, wir kommen, obzwar tgegen; uns befriedigt es Sene, Las Grauenhafte

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mit der wahren, einfachen und unverbrauchten Kraft des schildernden Eigenschaftswortes zu be­zeichnen — wir behaupten anmaßlich, die gräßlich­sten Begebenheiten und die höchsten Wonnen zu er- leben; die Freude am Anblick oder Besitz einer schönen Frau ist uns nicht genug — sie muß „die schönste" sein, und wenn sie durch Volksabstimmung dazu erkoren werden müßte. Viel zu wenig sind wir uns der sanften Ironie des Sprachgebrauchs bewußt, der uns in eine „größere" Wohnung verweist, wenn wir uns eine große nicht leisten können, der uns die „besten" Jahre beschert, wenn die guten hinter uns liegen, und der einen Mann zum „besseren Herrn" macht, wenn kein Schneider ihn sür „gut" erachten würde. Wir merken nämlich nicht, daß nur der zuverlässig erkannte Wert steigerungsfähig ist, wäh­rend der verschwenderische Mißbrauch der Steige­rungsformen das rechte Gefühl für den Wert — und damit die Grundlage der Wertbildung über­haupt für uns erschüttert.

Durch das sachliche Steigerungswesen wird das sprachlich erzeugt. Den Grundsatz, daß man wohl Eigenschaftsbezeichnungen, nicht aber irgendwelche Formen von Tätigkeitswörtern steigern könne, haben wir — ich bitte um Nachsicht für den Wortwitz — an den Schuhsohlen abgelaufen, aber in seinem eigentlichen Sinne — dem. nämlich, daß nur Fest­stehendes mit den Wertmaßstäben der Steigerung zu fassen ist — begriffen haben wir ihn offenbar nicht. Dafür finden wir täglich die „schlagendsten" Beweise auch im gepflegten Stil maßgeblicher Zeit­genossen, die sich über die „dringendsten" Lebens- fragen äußern. Der Kunstrichter, der die „hasten bleibendste" schauspielerische Leistung erfand, hat An- spruch darauf, durch Schrsckträume zu geistern. Man kann eben nur Nachdruck oder Umfang oder Zeit-

maß einer Tätigkeit steigern oder mindern, nicht aber die Tätigkeit selbst oder ihr Ergebnis. Denn auch vor den Vergangenheitsformen der Tätigkeits­wörter versagt das unterscheidende Sprachgefühl: Ein Mensch ist mehr oder weniger bestrebt, ein Versuch mehr oder minder gewagt oder geglückt; nur selten wird das „Partizip" seiner eigentlichen Sprachform- bedcutung so weit erstreckt sein, daß es als selbständi­ges Eigenschaftswort gelten darf. „Bestimmt" zum Beispiel wird in der verneinenden Steigerung durch Selbsthilfe „unbestimmt"; einem „minder gelunge­nen" Unternehmen kann nur Sprachschändung ein „gelungeneres" gegenüberstellen. Wer würde es Wagen, von „getanster" Arbeit zu reden?

Schlimm wird die Verwirrung bei den zusammen­gesetzten Eigenschaftswörtern. Da muß man sich ent­schließen, ob man den ersten oder den zweiten Wort­teil zu steigern hat. In vielen Fällen ist die Ent­scheidung nicht schwer: Wenn etwas wundervoll, also voll der Wunder ist,'so kann-keine Zauberei es noch voller machen —, ebensowenig, wenn es vollwertig ist. Was eine Kraftwagenfabrik nicht hindert, ihr Erzeugnis im Werbeschreiben als das vollwertigste" zu bezeichnen. Wenn etwas „mittelmäßig" ist, so liegt es in einer Ebene, aus der es durch bejahende oder verneinende Steigerung sogleich nach oben oder nach unter gerückt wird: Dennoch redet er­habener Hochmut von „mittelmäßigsten Gehirnen". Man wird uns wohlgemeinte Ratschläge geben und sie „wohlgemeinteste" (vielleicht gar ,chestgemetnteste") nennen, so daß sie am „wohltuendsten" wirken und die „weitreichendsten" Folgen haben. (Wer sich über den „weitreicherenden" Folgen die Zunge zerbricht, bekommt seinen wohlverdienten, ja bestverdienten Lohn.) Die Frage, ob das zusammengesetzte Wort zum untrennbaren Ganzen verschmolzen sei, läßt sich. durch Erprobung.der Schreibweise lösen: Man könnte mit gleichem Recht „höher Stehende" und »Höher- stehenden" schreiben; die »Hochstehendsten" enthüllen sich schon dadurch als Widersinn. Das Gefühl der-

langt „großartigst"; bei „gutartigst" stockt es schon: Warum nicht „bestartig" — so wie „bestgeartet"? Und bei den Bewertungen wird die Rechnung voll­ends zunichte: Ueber den hochwertigen stehen die „höherwertigen" Dinge. Hier enthüllt sich auch die schmähliche Gewalt, die dem Worte „minderwertig" angetan ist. Es ist die Steigerung von „gering­wertig", und wer von „minderwertigsten" Dingen redet, hat ein mindestwertiges Sprachgefühl.

Der Fragenkreis konnte hier nur umrißhaft ge­zeigt werden. Wer ihn nachdenkend ausfüllt, wird erkennen, daß er Wesentliches umgreift. Es ist das schöne Vorrecht der deutschen Sprache, daß sie, von aller erstarrten „Fertigkeit" ngch weit entfernt, in ihrem lebendigen Wachstum mit solchen Fragen sich auseinandersetzen muß. Wenn man für die We­sensgesamtheit des Volkstums die erkennende Blick­weite gewinnen will, darf man der Auseinander­setzung mit solchen Einzelfragen nicht ausweichen. Zwischen Sprache und schöpferischem Volkstum be­steht ein wechselwirkender Zusammenhang; für die schöpferische Kraft eines Volkstums ist seine Sprach- gestaltung ein unbestechliches Maß.

Vs5 VolkLscksuspiel Oetißkeim in Lscien

bv. Das Volksschauspiel Oetigheim — es besteht schon seit 27 Jahren — gehört wohl zu den ältesten Unternehmungen dieser Art. Es hat eine Entwick­lung hinter sich, die wohl kaum ein arideres, ähn­liches Unternehmen auszuweisen hat. We Neugrün- dungen des vergangenen Jahrzehnts sind wohl ir­gendwie in Zusammenhang mit Oetigheim zu brin­gen. Bon dort aus gingen die stärksten Anregungen für die neuere Form des Massentheaters.

Ein einfaches Hardtbauerudors, Kleinbauern woh­nen darin, die sich im Schweiße d«S Angesichts umS tägliche Brot abrackern müssen. DaS Land: die ober­rheinische Tiefebene; nach dem Westen zu liegen die

Rheinniederungen mit den verschlungenen Alt­wassern, vom Osten her grüßen die nahen Schwarz- waldberge des Murgtales, der Merkur der schönen Stadt Baden-Baden beherrscht die Landschaft. Die Menschen sind heiter und beweglich, sie lieben den Singsang über die Maßen.

Draußen im Niederwald, gegen Rastatt zu, haben sie ihr großes, einzigartiges Theater. Im Dorfe sa­gen sie kurz der „Tellplatz" — ganz gleichgültig, waS gerade gespielt wird. Der „Tell" ist ihnen aus Herz gewachsen. Man denke sich eine großartige alpine Landschaft, die aus einem weiten Platze ausgebaut ist, man stelle sich eine solche Landschaft mit den kleinsten Einzelzügen vor, und man hat das Total­bild der Oetigheimer Bühne. Man 'darf aber nie da­bei an die Mittel der geschlossenen Bühnen denken,, etwa an bemalte Hintergründe, an Versatzstücks, an Leinwcmdhäuser und ähnliche Dinge, die sich im künstlichen Rampenlichte sehr schön ausnehmen mö­gen. Hier im weiten, offenen Raume ist alles ins Großartige gesteigert. In die gewachsene Natur hinein sind hochragende Bauten gestellt, die innigste Verschmelzung zwischen natürlicher UmwÜt und künstlichem Einbau wird angestrebt. Die Fern«. Wirkungen der Riesenblenden, die als alpine Totale landschaften erscheinen, sind von erstaunlicher Natur­nähe und Wahrheit. In einem so weiten Raume muß alles lebendig werden. Die Landschaft beginnt zu atmen und die Begebenheiten entrollen sich breit, ma­lerisch, stets in großen Bewegungen. Menschen unL Tiere beleben das Bild, die Volksseele zeigt sich in allen Einzelzügen, bei festlich ungehemmter Freude, bei der Arbeit, in beschaulich-finniger Ruhe, aber auch aufgewühlt in jenen dunklen Stunden, da har» tes Schicksal über die Menschen hereinbricht.

Ein vollständig überdachter und wetterficherer Zu­schauerraum kann mit 3500 Sitzplätzen bis zu 5000 Personen aufnehmen. Ein Besuch der diesjährigen „Tellsestspiele" in Oetigheim gehört zu den uner­hörten bleibenden Eindrücken deü Lsbeul.