Ausgabe 
(2.8.1933) Nr. 204
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Nr. 204. Jahrgang 1SZ3

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Bremen. Mittwoch, den 2. August 1933 Eßnzewreis is Bis.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene nun-Zeile 0.13, auswärts Hl>0.17; ,m Texttei!^/kl>.75 auswärtOib-, l.—; Stellengesuchc^L^O.66 Familienanzeigen, Stellenangebote und Wohnungsmarkt 0.08; 'onbiae Heine private Anzeigen bis zu 26 mra bei Vorauszahlung (ohne Rabatt) 6.68. Plai Vorschriften ohne Verbindlichkeit. Anzeigen­schluß 16 Uhr. Bei Betriebsstörung. Streik, Verbot u. s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Wie wir an anderer Stelle der heutigen Zeitung berichten, sind am gestrigen Morgen vier Kommunisten in Altona Hingerich,^ worden, Als das Fallbeil seine Arbeit ge­tan hatte, da hatte jener furchtbare Altonaer Blutsonntag seine irdische Strafe gefunden. An jenem Sonntag mußten zwei unserer SA.-Männer ihr . Leben lassen. Die gestrige Hinrichtung wird nicht das leiseste Bedauern, Wohl aber Genugtuung hervorrufen. Ein für alle Mal sind die Zeiten vorbei, wo man un­gestraft gegen die deutsche Freiheitsbewegung und die Autorität des Staates mst den ge­meinen Mitteln des politischen Mordes. deS Hoch- oder Landesverrates vorgehen konnte. Das Fallbeil wird noch manchmal seine Arbeit tun müssen, um das deutsche Volk vor Schädlingen aller Art zu schützen.

*

Als der Führer die ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in seiner Eigenschaft als Kanzler des Deutschen Reiches erließ, da hatte das Ausland nichts Eiligeres zu tun, als diese Pläne zur kritisieren und sie für ungeeignet zu erklären. Daß Hitler den richtigen Weg eingeschlagen hat, beweist der ungeheure Rückgang der Erwerüslosenzahl im ganzen Reich . Das Ausland hat sich diesen Erfolgen der Regierung Hitler mehr verschließen können und befindet sich beute auf dem Wege, seine frühere Meinung zu widerrufen. Der „Sunday Expreß" ver­öffentlicht einen Artikel, in dem die Be­wunderung für den Kampf des Führers ge­gen die Arbeitslosigkeit ausgedrückt w°rd. Wenn noch vor kurzer Zeit die Arbeit drr deutschen Regierung von der Welt kritisiert wurde, so können wir heute mit Stolz und Genugtuung feststellen, datz der Weg Hitlers richtungwcisend für alle Staaten kein wird. Allen denen, die glaubten, zu eine, Kritik be­rechtigt zu sein, rufen wir heute zu: „I°tzj kritisiert ihr noch, in wenigen Wochen aber werdet ihr es uns nachmachen."

GNSwünßche

Berlin, 1. August.

Ministerpräsident Mussolini hat an Reichskanz­ler Adolf Hitler nachstehendes Telegramm ge­richtet:

„Ich danke Euer Exzellenz von Herzen für das Gedenken und die mir gesandten Glückwünsche. Zu meiner Freude habe ich feststellen können, daß aus vielen Teilen des Deutschen Reiches Worte der Sympathie zu mir gelangt sind. Ich beabsichtige, in den nächsten Jahrzehnten für das Ziel zu ar­beiten, das Euer Exzellenz als die Festigung des europäischen Friedens bezeichnen, der auf Gerech­tigkeit beruhen muß.

gez.: Mussolini".

Herzog von Coburg Gruppenführer im Stäbe des Obersten SA-Führers

Berlin, 1. August.

Der Führer hat dem Herzog von Sachsen, Co­burg uno Gotha des Nationalsozialistischen Kraft- fahrkorps und Areisstaffelleiter des Stahlhelm, den Rang eines Gruppenführers im Stäbe des Obersten SA-Führers verliehen.

lüaleS geht weiter

Vier romumnMÄe Mörder i» Alton» hingerichtet — Sühne für den Monnee Mntkonntsg — Rene Verhaftungen marxistischer Fnnltisniire

Berlin, 1. August.

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: In Altona sind am Dienstag morgen die vier Kommunisten, nämlich der Seemann August Lütgens, der Arbeiter Walter Müller, der Schuh­macher Karl Wolfs und der Klempnergeselle Bruno Tesch hingerichtet worden, die das San­dergericht in Altona am 2. Juni 1933 wegen der Ermordung der SA.-Männer Koch und Büttig am Altonaer Blutsonntag zum Tode ver­urteilt hatte. Der preußische Ministerpräsident hatte wegen der Schwere der Taten, die einen organisierten, hinterhältigen Feuerübersall aus unbewaffnete Volksgenossen darstellten, und we­gen der im Interesse der öffentlichen Sicherheit notwendigen Abschreckung von seinem Begnadi­gungsrecht keinen Gebrauch gemacht.

48 kommunistische Flugblattverteiler ins Konzentrationslager eingeliesert.

Berlin, l. August.

Die Polizeivressestelle teilt mit: In der Nacht zum 1. August wurden in Berlin 46 Personen festgenommen, die im Begriff waren, kommu­nistische Flugblätter, in denen zur Beteiligung am Antikriegstag aufgefordert wurde, zu ver­teilen. Durch die Wachsamkeit der Polizei wur­den diese Versuche im Keime erstickt. Unter Be­rücksichtigung der besonderen Verwerflichkeit dieser kommunistischen Aktion hat das Geheime Polizeiamt die sofortige Ueberweisung der 46 Kommunisten in ein Konzentrationslager ange­ordnet. Noch im Laufe des Dienstag werden die

Festgenommenen nach dem Konzentrationslager in Oranienburg überführt werden.

VsehMimgerr in Wirrt

Erfurt, 1. August.

Durch vertrauliche Mitteilungen war der Po­lizei bekannt geworden, daß sich zwei kommu­nistische Kuriere in Erfurt aushalten. Beim Eindringen der Polizei in ihre Wohnung mußte die Tür gewaltsam geöffnet und, da sich die Kommunisten nicht freiwillig stellten, zur Bre­chung des Widerstandes von der Schußwaffe Gebrauch gemacht werden. Verletzt wurde e- doch niemand. Bei den festgenommenen Per o- nen handelt es sich um einen männlichen Kurier aus Norddeutschland und um einen weiblichen, der sich von Bayern nach Erfurt begeben hatte. Beide waren im Besitz von neuestem illegalen kommunistischen Material.

Ferner gelang es den wachsamen Beobachtun­gen der politischen Polizei und der SA., eine illegale kommunistische Druckerei in Melchendorf bei Erfurt auszuheben, in der die illegalen Er« satzwitungen des früheren kommunistischen Thü­ringer Bolksblatts und weitere hier zur Ver­breitung gekommenen illegalen Flugblätter der KPD. hergestellt worden waren. Im Zusam­menhang mit der Aushebung der Druckerei ge­lang es durch weitere tagelange Ermittlungen und Beobachtungen, den Hersteller- und Ver­braucherkreis dieser illegalen Schriften in einer Zahl von etwa 30 Personen festzunehmen. Die Vernehmungen dieser Personen haben noch wet­tere wichtige Aufschlüsse über die illegalen neuen Organisationen der Kommunistenkreise ergeben.

Ferner gelang es der Polizei, wegen Vor­bereitung zum Hochverrat sechs Personen, die der KND. anaebört batten. festzunehmen und

eine große Menge kommunistischen Druckmate­rials zu beschlagnahmen.

... und in Aachen.

Aachen, 1. August.

Der Staatspolizei ist es gelungen, den nach der Machtübernahme durch die heutige Regie­rung neu aufgezogenen Kampfbund gegen den Faschismus aufzulösen. Es wurden fünfzehn Personen, die als Hauptfunktionäre für den Aachener Bezirk in Frage kommen, festgenom­men und wegen Hochverrats dem Amtsgericht zugeführt. Aus den vorgefundenen Unterlagen und den Verhandlungen geht einwandfrei her­vor, daß die Aachener Ortsgruppe der Bezirks­leitung Mittelrhein in Köln unterstand und von dort ihre Anweisungen erhielt.

Kommuniftermest i« Cell« auSgehoben.

Celle, 1. August.

Nach langen Beobachtungen wurden fünf Personen wegen Vorbereitung zum Hochverrat festgenommen. Die Verhafteten sind überführt, in geheimen Ver­sammlungen die Organisation des verbotenen Roten Frontkämpferbundes fortgeführt zu haben.

Kommunistische Hetzer in Danzig festgenommen.

Danzig, 1. August.

In der Gemeinde Klein-Walddorf bei Danzig ist seit langem eine besonders aktive kommunistische Gruppe am Werke. Man arbeitet mit hetzerischen Auf» schriften an Mauern und Zäunen, mit Verun­glimpfung der nationalsozialistischen Bewegung und ihrer Führer, mit Aufwiegelung der Erwerbslosen, und scheut auch vor Anschlägen gegen die Träger der Staatsgewalt nicht zurück. Der Landrat hat jetzt vier der kommunistischen Hauptführer in polizeiliche Ver­wahrung genommen.

Die MWLsLMerchaMZmg MeriheLmee ein Raub der Frommen

an See Brandstelle

Bremen, 2. August.

Heute morgen gegen 0,15 Uhr wurde Großseuer bei der Firma Assenheimer „Am Gaswerk" gemel­det. Wie wir erfahren, entstand das Feuer durch Ueberheizung der Baumwolltrockeuösen. Der Ex- hauster schlug die Funken ins Lumpcnlagcr in den dem Gaswerk zunächst gelegenen Holzschuppen. Bin­nen weniger Sekunden, unterstützt durch den schärfen Westwind, stand

der ganze Schuppenkomplex in hellen Flammen.

Der Himmel särbte sich weithin dunkelrot. Dicker Qualm und Funkenregen stoben in die hell erleuchtete Nacht.

Wenige Minuten nach der Feuermeldung erreich­ten die ersten Löschzüge bereits die Brandstelle. Die Flammen, grissen jedoch mit Windeseile um sich, so daß die süns Löschzüge mit vier Motorspritzen sich lediglich auf den Schutz der angrenzenden Stein- gebäude beschränken mußten. Aus 16 Rohren wurde das Feuer bekämpft. Branddirektor von Müller, Oberbaurat Silomon und Baurat Grau waren anwesend. Als Vertreter der Polizei war Major

U

s Löschzüge mit 4 MolorfKechen

Knecht zugegen. Eine Streife der Alarmbereit­schaft der Polizei sorgte sür Absperrung der Straße „Am Gaswerk".

18 Minuten nach dem Ausbrechen des Feu­ers stürzte bereits das Dach der beiden Holz­schuppen zusammen. Sämtliches Inventar in den Schuppen und Vüroräumen wurde gänzlich vernichtet!

Um 1 Uhr war der Brand durch das schnelle und umsichtige Eingreifen der Feuerwehr aus den Herd beschränkt. Der Brand dauert bis in die Morgen­stunden an.

Frankreich und die Vereinigten Siaalen

Bremen, 2. August.

In den Kellern der Bank von Frankreich liegen die größten Goldmengen, die je ein europäischer Staat gehamstert hat. In den Fabriken Frankreichs wird gearbeitet, so daß unser westlicher Nachbar so Hut wie keine Ar­beitslosen ausweist. Der Bürger und Bauer Frankreichs hat nur eine geringe Steuerlast zu tragen, bezahlt doch von fernen 42 Mil­lionen Einwohnern nur rund 1 Million Ein­kommensteuer. Frankreich unterhält das stärkste Heer mit allen modernen technischen Einrichtungen, obwohl kein Feind vorhanden ist, der einen solchen Aufwand auch nur im entferntesten rechtfertigen könnte. Frank­reich hat sich jahrelang an deutschen Repara­tionen stark gemacht, die ihm von Sklaven­geistern für ein gnädiges Lächeln und einen heuchlerischen Händedruck dargebracht wor­den sind. Frankreich hat eine wirtschaftliche Weltmachtstellung, wie sie es noch nie hatt«. Und doch bricht auch hier die Götterdäm­merung an.

Frankreich war der Liebling der neuen Welt. Frankreich wurde als der ideale Re­präsentant der liberal-demokratischen Welt­anschauung angesehen. Frankreich galt drü­ben als der Hort der Kultur und des Friedens. Frankreichs Ehrlichkeit und Redlichkeit stand außer Frage.

Und jetzt? Frankreich hat selbst, durch die Weigerung, seine Schulden zu bezahlen, den Ruf seiner Ehrlichkeit und Redlichkeit zer­stört. Frankreich hat selbst durch seine unge­heuren Rüstungen dafür gesorgt, daß es im­mer klarer als der eigentliche Friedensstörer Europas erkannt wird. Und die liberal-de­mokratische Weltanschauung, die so viel Un­glück über die ganze Erde gebracht hat, liegt rm Sterben.

Noch vor wenigen Jahren waren die Ver­einigten Staaten das reichste Land der Welt. Sie waren der Gläubiger aller, dem ein un­unterbrochener Goldstrom zufloß. Auch ihre Stellung erschien unerschütterlich, bis der Sturm der Depression das Kartenhaus der Kriditinfiation zum Einstürzen brachte. Und so ergibt sich das eigenartige Bild: Auf der einen Seite der Schuldner, der im Golde fast erstickt, der sorglos lebt und noch selbst Geld verleiht, — aber seine Schulden nicht bezahlt. Aus der anderen Seite der Gläubiger, der zur Vermeidung eines riesigen wirtschaftlichen Zusammenbruches zum gefährlichen Mittel der Geldinflation greift, dessen Land ein Heer von über 1b Millionen Arbeitslosen durchzieht, der sein ausgeliehenes Geld braucht, — aber von seinem Schuldner Frank­reich nur verspottet und verhöhnt wird.

Frankreich kann seine Schulden an die Bei? einigten Staaten bezahlen. Es kann» aber es will nicht!

Frankreich posaunt immer wieder in alle Welt hinaus, daß es sich nur um Kriegsschul­den handele. Frankreich erklärt immer wie­der den Vereinigten Staaten gegenüber: „Wir gaben Blut sür unsere gemeinsame Sache, ihr gabt nur Geld. Jetzt wollt ihr das Geld wie­derhaben, aber das von uns für euch ver­gossene Blut könnt ihr nicht wiedergeben."

Wie sieht es damit in Wirklichkeit aus?

Zur Beantwortung müssen wir drei Pe-

8tat!on irn 8iräLÜLritiIc

Von Lorck ckes O. „Vestisleu" viril boricktst

Vor wenigen Tagen lief die Meldung durch die ganze deutsche Presse, daß der Dampfer „West­falen", ein ehemaliger Ostasien- und Nordame­rikafahrer des Norddeutschen Lloyd — im Januar von der Deutschen Luft-Hansa als Stationsschiff sür den transatlantischen Flugdienst gechartert und entsprechend umgebaut — nach glücklich verlaufe­ner Probestationierung im Südatlantik und über L^monatiger Abwesenheit in die Heimat zurück­gekehrt ist. Inzwischen ist der Dampfer die Weser hinauf nach Bremen gegangen. Nun liegt der 5000-Tonner mit seinen dem Laien befremdlich an­mutenden Aufbauten am Ausrüstungspier des Werfthafens der A. E. „Weser". Bevor die „Westfalen" im Herbst wieder hinausgeht, um in dem von der Deutschen Lust-Hansa geplanten transatlantischen Dienst verwandt zu werden, sol­len die Einrichtungen des Schiffes nach den Er­fahrungen, die während des probeweisen Aufent­haltes im Südatlantik gesammelt wurden, ver­bessert und überholt werden.

Vor der Ausreise nach Afrika im Frühjahr 1933 würbe in 14tägiger Uebnngszeit zunächst das Zu- sammenspiel zwischen der „Westfalen" und den beiden Flugzeugen in der Ostsee ausprobiert. Dut­zende von Abschüssen des einen oder anderen Flug­zeuges wurden von der Schleudereinrichtung aus­geführt und das Manövrieren mit dem Schlepp­segel-Auflaufen der Maschinen und ihre Ueber- bordnahme — bei verschiedenen Fahrtstufen des Schiffes und zeitweilig stark bewegter See geübt. Funtperlversuche wurden zwischen Schiff und Flugzeug unternommen und bei den verschiedenen Navigationsflügen der Flugboote die „Westfalen" als Änsteuerungspunkt angeflogen. Trotz teil­weise schlechten Wetters, starker Regen- und

Schneeböen konnten die Zielslüge zur vollsten Zu­friedenheit durchgeführt werden.

Am 1. Mai ging es dann, nach kurzer Einbau­zeit bei den Deutschen Werken in Kiel, Richtung Cadiz in See. Erst dort wurden die beiden Dor- nier-Flugzeuge an Bord genommen, die die Strecke Travemündc—Cadiz, mit Zwischenlandungen in Southampton und La Coruna, in 4 Tagen zurück­gelegt hatten. Dieser Etappenslug wurde gleich­zeitig als navlgatorischer Uebungsflug ausgewer­tet, indem die Maschinen zweimal die „Westfalen", einmal in der Biscaya, einmal an der portugie­sischen Küste, ansteuern mutzten. Hierbei leisteten die Flugzeuge, besonders in der stürmischen Bis- caya, durch Auffinden ihres Mutterschiffes, genau an der verabredeten Stelle, navigatorisch Hervor­ragendes. Bei der Uebernahme der Flugzeuge in Cadiz und bei allen späteren Gelegenheiten be­währte sich die Kraneinrichtung, auch bei starkem Rollen des Schisses, durchaus. Am 19. Mai wurde die englische Kolonie Bathurst in Afrika erreicht; nach mehrtägigen Manövern und zwei Probeab­schüssen, sowie Anbordnahme der Flugzeuge mit dem Schleppsegel, lief dann die „Westfalen" auf ihre Station im Atlantischen Ozean.

Und hier! — Die „Schwimmende Insel" zwi­schen Afrikas Westküste und Brasilien auf wech­selnden Positionen. Wochenlang läuft das Schiff bald diese, bald jene Kurse, um die Versuche auf verschiedenen Breiten und bei allen vorkommen­den Wetterlagen durchzuführen. Gutes Wetter, leicht bewegte See wechselt ab mit frischem Passat und wiederum mit heftigen Regenschauern. Die Ozeandünung, meist durcheinanderlaufend, läßt die brave „Westfalen" nicht zur Ruhe kommen, das Fahrzeug stampft und rollt, die Lust ist infolge der Aequatornähe feuchtheiß, es regnet fast ohne Un­

terlaß. Das Klima ist für unsere Besatzung unge­wohnt, Erkältungserscheinungen machen sich be­merkbar. Die Mannschaft arbeitet in diesen zwei Wochen fieberhaft. Täglich 14—16 Stunden. Kaum daß Zeit ist, die nötigen Jnstandhaltungsarbeiten am Schiff auszuführen, alle Mann sind erforder­lich zu flugtechnischen Arbeiten. Die Schleppsegel­manöver und das Anbordnehmen der Maschinen wird immer wieder geübt, bis die gesamte Schiffs­besatzung jeden Handgriff kennt. Doch immer wieder ergeben sich neue Situationen, der Ozean läßt nicht mit sich spaßen.

Die „Westfalen" schießt wiederholt jedes der beiden Flugboote, von ihrem Standort mitten im Ozean, nach einer der beiden Küsten, die je 800 Seemeilen von ihr entfernt liegen. Jedesmal 8 Stunden später landet das betreffende Flugzeug an seinein Bestimmungsort, legt also etwa ein« Durchfchnittsgeschwindigkeit von 185 Kilometern auf seinem Fluge zurück. Nach 14tägigem Ver­weilen auf dem navigatorischen Punkt im Ozean kann der Mannschaft die Hafenruhe gegönnt wer­den. Das Schiff fährt den in Richtung Natal — Pernambnco abgeschossenen Flugbooten nach und erreicht am 12. Juni Pernambuco.

Alles hat bestens geklappt. Die Luft-Hansa kann zufrieden sein. Nach einigen Tagen Rast in Pernambuco geht es wieder auf Außenreede. Brasilianischen Behörden wird ein Abschuß vorge­führt, wie vorher englischen und spanpcyen an unseren Versuchen interessierten Kreisen. Beide Boote werden dann noch einmal in Richtung Na­tal abgeschossen, die „Westfalen" marschiert wie­der auf ihre Station, die Maschinen sollen ihr nachfliegen und sie finden. Wiederum geht alles nach Wunsch Die Flugboote „Passat" und „Mon­sun" werden programmäßig, von Südamerika kommend, nacheinander in der Mitte des Ozeans vom Dampfer übernommen und am nächsten Mor­gen wieder nach Afrika abgeschossen. In Bathurst treffen sie noch einmal mit der „Westfalen" zu­sammen, die sie auf der Heimreise endgültig in

Las Palmas verlassen. Am 18. Juli ist die „Schwimmende Insel" wieder in Vremerhaven eingetroffen.

Die Zahl der Manöver mit dem Katapult, dem Schleppsegel und dem Anbordnehmen der Flug­zeuge hat sich vervielfacht, ohne datz, dank der ausgezeichneten Zusammenarbeit zwischen Schiff und Flugzeugen, erwähnenswerte Beschädigungen eingetreten wären. Wohlbehalten, wie sie Trave-

Hun<l8l3Z8--(?1ironilL

Frauenschönheit wird elektrisch „vertont".

Es wird nicht leicht sein, nicht einmal für Be­rufsmusiker, die Konstruktion eines Apparates zu verstehen, den ein Arzt in Cleveland, Dr. Dayion C. Miller, gebaut und kürzlich vorgeführt hat. Es handelt sich um eine Teufelsmaschine mit elektrischem Betrieb, dem es angeblich gelingen soll, die Frauen- schönheit in Musik umzuwandeln. Eine recht ver­wickelte Apparatur, die gesichtsmaskenartig angesetzt wird und dann ulkige Bewegungen macht. Diese, sagen wir einmal, Bewegungsenergie, ruft dann Tonwellen hervor, die zu guter Letzt eine entweder harmonische, oder — bei unebenen Gesichtern — ka- kophonische, oder gar atonale (l) Tongruppen bilden, zu gut deutsch also Musik. Die Versuche des Dr. Miller sollen geradezu sensationell verlaufen sein. Eine an sich ganz hübsche Frau „ergab" zum Bei­spiel ein niedlich-sympathisches „Lied". Plötzlich störte aber ein schriller Ton die Harmonie. Die gründliche Untersuchung des Gesichtes klärte die zu«

münde verließen, haben die Flugboote ihren Hei­mathafen wieder erreicht. Flugzeugs- und Schiffs­besatzungen nicht minder wie den Flugkapitänen, dem Kapitän der „Westfalen" und dem flugtech­nischen Leiter der Luft-Hansa gebührt höchstes Lob. Die Luft-Hansa wird mit Vertrauen an die baldige Aufnahme der regelmäßigen Postflüge herangehen können.

steinr Tiilerren.

nächst unverständliche Assonanz aus: Die Nase wär eben um eine Idee zu lang!

Das muß ein fabelhafter Apparat sein und dürste im Lause der Zeit viel — Unheil anrichten. Vor­ausgesetzt, daß nicht wildgewordene Amazonen den Erfinder mitsamt seinen Apparaten vernichten! , ?,

Die Rache der Hunde . . .

In einem griechischen Dorfe faßte ein Bauer in seiner Verzweiflung den Entschluß zur Selbstver­nichtung. Von den verschiedenen Methoden, die zu diesem Ziel führen, entschied er sich sür Gift, das er sich auch zu beschaffen wußte. Um nun aber ganz sicher zu gehen, gab er versuchsweise eine Dosis von seinem Gift seinem Hunde, der weder lebens- überdrüssig, noch selbstmordsüchtig war. Kaum hatte das arme Tier das Gist verschluckt, verendete es auch sofort. Sein Herr, „erfreut" über diesen Erfolg, nahm nun den Rest des Giftes in sich auf und ver­ließ sodann das irdische Jammertal. Aber schon nach kurzer Zeit wurde er auf seiner letzten Reise von den Hunden der Nachbarschaft überrascht, die nun kamen, ihren Kollegen zu rächen . . . Wie die griechischen Zeitungen melden, fand man den Leich­nam des Selbstmörders von Hunden zerfetzt in der Nähe der einsamen Landstraße, die sich dxr arme Bauer sür den Schlußakt seines Lebens ausgesucht hatte.