Ausgabe 
(31.7.1933) Nr. 202
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Nr. 2vr. Zgang 1933

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Bremer? Montag, den 31 . Nutt 1932 EinZeWrekS 1 Z VM.

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viWerMmalfoüaW/elie Zeitung

«rsAmluoke Organ des Senals der Frererr Vrernerv "

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-Geist an der Wasserkante

Ehrentages deutschen Seemannes - Sr. Ley in Veemerhaven - Gewaltige Kundgebung in SpeSenböttel

Drem r, den 31. Juli 1933.

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deutschen hauen f hinter in den darüber lebhastesth einem wirkendes.

r Tag, der „Tag der hrt", der in Vremer- esegangen wurde, liegt Veranstaltung, die Küstenstiidten und in ganz Deutschland tung fand, wurde zu bestimmt nachhaltig

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ung des Schnell- remerhavener nah­achten sie zu ihren

Denen, die diese Ku ng für den deutschen Seemann ins Leben r nd organisierten, ge­bührt unser Dank. Ne-r Fachgruppe „See­fahrt" der NSBO. w,or allem die Orts­gruppe des Schnellbar „Europa", in deren Händen auch die ov arische Durchführung lag, beteiligt. Von ihr :em Ortsgruppenfüh- rer Pg. Nahradt gch der Gedanke aus, dem deutschen Seemam ^ Tag des Jahres zu geben, an dem seine S, im Volk und seine Sendung nach außen h den Mittelpunkt ge­stellt wird.

Wie wir bereits in u gestrigen Bericht er­wähnten, stand Bremer;anz im Zeichen die­ses Tages. Buchstäblin Haus zeigte über­reichen Flaggenschmuck. -evölkerung war den ganzen Tag auf den B vom Bahnhof wur­den immer neue Abordt von NSVO.-Grup- pen mit Musik abgeholten Schiff kamen im­mer neue Teilnehmer jlus allen deutschen IMn-städten trafen Alngen ein, besonders herzlich begrüßt wurde stordnung aus Dan- zig. Die Mitglieder vampfers „Europa" u men sich der Gäste an Quartieren. Der NorddeLloyd, der dem Tag der deutschen Seefahrt gigste Unterstützung zuteil werden ließ, hattM»ra" als Wohn- schiff zur Verfügung gest!

Der Abend brachte das Austakt mit einer Veranstaltung im Centrqee, auf die wir be­reits gestern eingingen, deren Beifall fand eine Theater-Aufführungtaat", die von Mit­gliedern der „Europa" »wurde. Man war erstaunt und ergriffen Ä niemand konnte sich der Wucht dieser au Mich guten Auf­führung entziehen.

Pg. Nahradt begrüßte im Verlauf des Abends die Abordnungendanzig und konnte später zahllose Telegramn Pritschen Schiffen auf hoher See verlesen. aH hervorging, daß auch die deutschen SeeleutHer Heimat diesen Tag miterlebten.

Vom Kanzler Adolf H»d den einzel­nen Neichsministern l persönliche Schreiben eingegangen, l-en das auf­richtige Interesse an deken Seefahrt zum Ausdruck gebracht «und sogleich das Bedauern, daß die >ure Arbeits­last eine persönliche Teill-icht gestatte. Strahlender Sonnenscheilsißte am Sonn­

tagmorgen die deutschen Seefahrer. Und was man kaum für möglich hielt, die Begeisterung und An­teilnahme Vremerhavens erfuhr noch eine weitere Steigerung. Unaufhörlich zogen marschierende Ko­lonnen, SA., SS., Hitlerjugend, NSBO.-Abord- nungen durch die Stadt. Die Schiffe im Hafen hat­ten über die Toppen geflaggt, auch die im Hasen liegenden englischen Schiffe, die damit ihre Hochachtung vor der deutschen Schiffahrt kund­gaben.

Auf der Columbus-Kaje begann vor der „Europa" um 3.30 Uhr der Festgottesdienst. Zu beiden Seiten des Altars nahmen mehr als zwei­hundert Fahnen Aufstellung, vor ihnen standen noch eingerollt zehn neue NSBO.-Fahnen, die an diesem Tage ihre Weihe empfangen sollten.

Unter den Ehrengästen sah man die Vertreter der Hansastädte. Aus Bremen waren die Senato­ren Pg. Bernhard und Ritter erschienen, weiter Vertreter aller deutschen Hafenstädte, dann der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Pg. Thiele, dem das Verdienst zufällt, den Natio­nalsozialismus hineingetragen zu haben in die Reihen der deutschen Seemänner. Er ist es auch gewesen, der sie organisatorisch in der Hauptfach­gruppe „Seeschiffahrt" der NSBO. zusammen­faßte, und deren Leitung bis vor kurzem in seinen Händen lag. Erschienen waren die Oberbürger­meister von Bremerhaven und Wesermünde, der Vertreter des Reichsverkehrsmimsters, Ministerial­direktor Dr. Clausener. Von dem zum Tag der Seefahrt abkommandierten Stationstender „Frauenloü" der Reichsmarine trat eine Ab­

teilung unter Führung ihres Kapitäns Anker zum Gottesdienst an. '

Seemannspastor Dr. Schneider hielt die Fest­predigt, mit der er den Weg zum Herzen der See­männer fand. Nach einer Zeit des Hasses und der Unmoral habe das deutsche Volk sich wieder zurück­gefunden. Es habe sich unter Führung Adolf Hit­lers auf seine Kraft besonnen. Zurückgefunden habe es sich auch wieder zu seinem Gott. Gerade in dem Glauben an Gott liegen die Wurzeln unserer Kraft. „Ist Gott für uns, wer mag dann wieder uns sein?" Im Anschluß an die Predigt wurde gemeinsam das Lied gesungen: „Ein feste Burg ist unser Gott".

Dann trat der Gaubetriebszellenleiter Pg.

Walter auf die Kanzel, um den neuen Fah­nen ihre Weihe zu geben.

Diese Fahnen wollen nun sich anschließen an all die anderen Fahnen, die uns im Kampf vorausge- weht haben. Auch unter ihnen wird gekämpst wer­den müssen. Und wer nicht kämpfen will, der ge­hört nicht zu uns, der hat sich sein Lebensrecht verwirkt. Drei Dinge sind es, die wir in unserem Kampf haben müssen. Einmal das Vertrauen zu dem, was wir wollen. Dann eine unerschütterliche durch nichts zu besiegende Treue zu unserm Führer Adolf Hitler und schließlich einen bedingungslosen Glauben an die Sendung und Zukunft des deut­schen Volkes. Diese Worte wolle er den neuen Fah­nen mit auf den Weg geben. Sie sollen im Herzen derer sein, die von nun an hinter diesen Fahnen marschieren. Die Fahnen wurden entrollt, der See­wind griff in ihr Tuch, sieghaft flatterten die neuen Hakenkreuzbanner.

Vr. Letz an Vsetz der Europa

Der Dampfer „Europa" wurde nunmehr zur Be­sichtigung freigegeben, die Ehrengäste versammel­ten sich im Sonnendeck-Restaurant.

Inzwischen waren aus Berlin Pg. Schutz­mann und Pg. Biallas erschienen. Kurz nach 19 Uhr traf dann der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Dr. Ley, in Begleitung von Pg. Thiele ein, der ihn schon auf dem Flugplatz empfangen hatte.

Im Namen des Norddeutschen Lloyd begrüßte der Führer der „Europa", Kapitän Scharf, Pg. Dr. Ley und die anderen Ehrengäste.

Direktor Stadtländer wies in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß der gute Ruf, den sich die Schwesternschiffe „Bremen" und „Europa" in kurzer Zeit errungen hätten, nicht zuletzt in dem guten Zusammenarbeiten von Kapitän und Mann­schaft begründet liege. Pg. Dr. L.-y dankte für den herzlichen ihm zuteil gewordenen Empfang und er­klärte, daß auf ihn von Kindheit an die Seefahrt einen großen Eindruck gemacht habe. Der in ihr wohnende Geist des Wagemutes, der Entschlossen­heit, der Tatkraft und ihr Gemeinschaftssinn muß

sich auch das übrige Volk erobern. Er hoffe, daß die Zeit einer mächtigen Hansa wiederkehre, die das Ansehen Deutschlands in der Welt verbreite und auch hier einen Wiederaufstieg des deutschen Volkes herbeiführe und Handel und Wohlfahrt ga­rantiere. Pg. Dr. Ley schloß seine Ausführungen mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf unseren Kanzler Adolf Hitler.

Im Namen des Bremer Senats und im Namen des Treuhänders der Arbeit, des Senatspräsident Pg. Dr. Markert, der unendlich bedauert, an der Feier nicht teilnehmen zu können, übermittelt der Senator Pg. Bernhard die besten Grüße und Wünsche für den Tag der deutschen Seefahrt und für den Führer der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Dr. Ley.

Anschließend fuhr Dr. Ley mit einem kleinen Kreis auf einem Lloyd-Tender in See. Hier hatte er Gelegenheit, sich mit deutschen Seemännern über ihre Nöte und ihre Hoffnungen für die Zukunft zu unterhalten. Hier wird er auch den Eindruck empfangen haben, dass die deutschen Seeleute treu und geschlossen zu Adolf Hitler stehen. Beispielhaft war ein kleines Erlebnis aus der Rückfahrt.

Der Heringslogger „Fridericus-Nex" wnrde überholt. Mit dem Sprachrohr wurde ihm zugerufen, daß der Führer des Deutschen Ar­beitsfront sie und ihre Kameraden begrüße. Und begeistert Hang von drüben das „Heil Hitler" zurück, die Arme der Schiffer reckte« sich empor, dreimal wurde die Hakenkreuz­flagge zum Gruße gehippt.

Nach etwa einstündiger Fahrt wurde wieder an

der Tolumbus-Kaje festgemacht, um gemeinsam mit den Seeleuten, die aus ganz Deutschland er­schienen waren, zu Mittag zu essen. Und dieses Essen trug den Stempel nationalsozialistischer Weltanschauung. Es gab keine Rangordnung: der Kapitän saß neben dem arbeitslosen Seemann, der Offizier neben dem Heizer. Und diejenigen, die über etwas Geld verfügten, bezahlten ihr Essen, und ihr arbeitsloser Nebenmann war ihr Gast.

Der Nationalsozialismus formt das nächste Jahrtausend

Hier ergriff Dr. Ley noch einmal das Wort und erklärte, daß der Geist, der hier an dieser Tafel herrsche, Verkörperung nationalsozialistischer Welt­anschauung sei.

Genau wie es hier keine Rangunterschiede gäbe, so müßte es überall sein. Die Lösung der sozialen Frage hänge nicht zusammen mit dem Kampf um Lohnpfennige, sie bedeute vielmehr einen Neubau der gesellschaftlichen Ordnung. Der Arbeiter müsse überall der Achtung und gesellschaftlichen Anerken­nung begegnen, die ihm zukomme. Wie bei einem Schiff die ganze Besatzung sich miteinander ver­bunden fühle, aus Gedeih und Verderbe», so müsse zs auch in der großen Volksgemeinschaft sein. Und dieses Ziel zu erreichen sei die Ausgabe der Be- vegung.

Es sei leicht, eine Revolution zu machen, unend- stch schwer aber sei es, sie zu gewinnen und für alle Zukunft zu vollenden. Diese schwere Aufgabe liegt jetzt vor uns. Wir müssen das ganze Volk zum Na­tionalsozialismus erziehen. Wen» uns das gelingt, und es wird uns gelingen, dann haben wir Deutschlands Schicksal geformt, nicht für Jahr­zehnte oder Jahrhunderte, sondern siir das kom­mende Jahrtausend. Denn das wissen wir heute schon» der Nationalsozialismus wird nicht Halt machen an den deutschen Grenzen; er wird die Welt erobern und ihr seinen Stempel aufdrücken.

Wohl klingt es phantastisch, manchem mag es anmaßend oder unfaßbar klingen, aber genau so unfaßbar ist es vielen gewesen, als ein kleines Häuflein von Nationalsozialisten sagte: „Wir llnd Deutschland". Damals war es phantastisch, »nd nach 1t Jahren hat es sich erfüllt, was wir von Ansang an wußten.

Begeistert wurde nach dieser Rebe, die uns aus dem'Herzen gesprochen war, mit einem dreifachen „Sieg-Heil" unseres Führers gedacht. Das Deutsch­landlied und das Horst-Wessel-Lied wurden ge­sungen.

Wir sahen die Augen in den Wetterhütten Ge­sichtern der Seemänner leuchten, sie wußten, daß sie im dritten Reich nicht vergessen sind, sie wußten, daß jetzt die Zeit anbricht, nach der sie sich schon immer gesehnt hatten. Die Abordnung der Danzi-

ger überreichte dem Führer der Deutschen Arbeits­front, Dr. Ley, als Zeichen ihrer Liebe und Ver­ehrung eine Flasche Danziger Goldwasser. Sie alle wechselten mit ihm einen Händedruck und mit den Worten: „Danzig bleibt deutsch!" gelobten die deutschen Seeleute, stets einzutreten für ihre Heimat.

In Wesermünde hatte sich um die Mittagsstunde der gewaltige Festzug formiert, der durch die Stra­ßen von Wesermünde, Bremerhaven und Lehe nach der Rennbahn Speckenbüttel zur Kundgebung mar­schierte. Dichte Menschenmassen säumten die Stra­ßenränder, begeistert wurden die Fahnen der ein­zelnen Stürme gegrüßt. Als der Zug gegen 15 Uhr die große Kirche in Bremerhaven erreicht hatte, da erstarrten die marschierenden Kolonnen, da ruhte zwei Minuten lang jeglicher Verkehr. Die spalierbildende Menge entblößte ihre Köpfe. In die Stille fielen dann sämtliche Glocken der Kir­chen der Unterweserstädte ein, leise intonierten die Kapellen das Lied vom guten Kameraden. Auf der Kirchentreppe wurde ein Kranz für die Toten des Meeres niedergelegt. Der deutsche Seemann gedachte an seinem Ehrentage seiner Kameraden, die den Tod in den Wellen gefunden hatten.

Soldatenmärsche klangen wieder auf. der Marsch wurde fortgesetzt. Am alten Markt in Lehe fand

Die Sleasarrtrüge im dankbeamtenprozetz

Im Beamtenbankprozetz stellte heute der Staatsanwalt, kurz vor Redaktionsschluß, fol­gende Strasanträge: Kruse: 3 Jahre Gefängnis, 300V Mark Geldstrafe, Snoek: 3 Jahre Gefäng­nis, 3000 Mark Geldstrafe; Ehlers: 1 Jahr Ge­fängnis, 1500 Mark Geldstrafe; Ruhmor: 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, 1500-Mark Geldstrafe Schmidt und Osterloh je S Monate Gefängnis und 900 Mark Geldstrafe; Rollhage 6 Monate Gefängnis, 600 Mark Geldstrafe. Ehrverlust wurde nicht beantragt, da niemand aus ehrlosen Motiven gehandelt habe.

Haftbefehl wurde gegen Kruse, Snoek, Rumohr und Ehlers beantragt.

iiinon Bolivar

viSeiiietite eines kreikeitsIrÖMpkers

(3. Fortsetz

Doch der Kongreß hatte t Vertrauen zu Volivar und obgleich Sant, Zofirmr "briet, nach Bogota zu kommen, gu^d erhielt von dem Kongreß die Volln^ für das Le­ben der Republik notwendig ßregeln zu er­greifen. Dann beschloß der die Konven­tion von Ocana am 9. Apiz, zu der Vo- livar empfahl, nur Leute Zen, die völlig der Unabhängigkeit, der Vei^g'von Eroß- Lolumbien und der Freiheil >u wären. Er sandte die Bitte nach EuaHdaß Ecuador nicht aus der Vereinigung kn möge und hatte die Freude zu hören, dsGegenrevolu- tion niedergeschlagen sei.

Volivar wollte eine zentrc ierung: „Im Namen Lolumbiens bitte ick fugte er auf der Konvention, „dem Volke, »re, für die Richter und die Behörden eim ^tlich strenge Regierung zu geben."

Dies wurde ihm von Santalp seinen an­deren Feinden natürlich wiedDerrschgelüste ausgelegt und Volivar war Met, daß er vorhatte, nach Caracas zu gehs Mühe hiel­ten ihn seine Freunde zurück, foftoar hatte erkannt, daß die Idee seiner^ war, eine föderale Regierung einzusetzen.kür unrichtig hielt. s

Schließlich kam man übereilM Konven­tion vertagt würde und Boliviie nach Bo­gota zurück und eine Junta fotzolivar auf, wieder die Regierung zu über» Von allen Seiten Neu-Eranadas, Venezuhnd Guaya- quils (Ecuador) kamen die Wütaß Volivar die Situation retten müsse un Land vor dem Bürgerkriege bewahren mi Alles schienen bester Ordnunnar wieder großmütig mit seinen schlimmst iden. San- tander bekam die Kesandtschaf Lashington und einen anderen Teil der Ei ahm Boli-

var in seinem Staatsrat auf. Santander aber vergalt Gutes mit Bösem. Am 25. September 1839 machte er einen Anschlag aus das Leben Bolioars, Erst wollte Volivar sich zur Wehr setzen, aber man überredete ihn, sich eine Weile versteckt zu halten und so entfloh er. Die Verschwörer riefen: „Tod. dem Tyrannen und langes Leben dem General Santander und der Konstitution von Lucuta."

Sein Aide de camp, Oberst William Ferguson, der ihn verteidigen wollte, fiel unter den Strei­chen der Verschwörer. Volivar selbst wurde tot­gesagt, aber er fand einige Soldaten, die in der Mordnacht an den Straßenkämpfen beteiligt wa­ren und stellte sich Lei der Garnison ein, wo er- mit Freudentränen empfangen wurde. Wiederum zeigte er sich großmütig.

Verschiedene Verschwörer wurden zum Tode ver­urteilt, in erster Linie Santander, aber Volivar änderte die Todesstrafe in Verbannung um. In­zwischen hatte sich Venezuela schon von Neu-Era- nada getrennt und so war das Lieblingswerk Bo- livars „Eroß-Columbien" zerstört. Nach dieser Trennung behielt Neu-Eranada noch eine Zeit lang den Namen, den es erst später in Columbien veränderte. Somit ist das heutige Columbien nur ein Teil des Lolumbiens, welches Volivar gründete.

Schon war Volivar krank und lebte auf dem Lande, von wo man ihn wieder holen ließ, um den neuen Schwierigkeiten mit Venezuela durch Paez zu begegnen, aber er fühlte sich körperlich und seelisch der Situation nicht mehr gewachsen. Er war noch in Bogota zugegen, als Mosquem zum Präsidenten und Earcaldo zum Vizepräsiden- ten ernannt wurde und verließ die Stadt am

8. Mai 1839. . „ _

Sein intimster Freund Antonio I. Sucre war von ruchloser Hand auf dem Wege von Quito ermordet worden und man versteht nicht, daß dieser Mann überhaupt Feinde haben konnte, der die

reinste und nobelste Persönlichkeit des ganzen Frei­heitskrieges war. Als Volivar diese Nachricht in Cartagena erhielt, war er schwer erkältet und die­ser letzte Schlag mag viel zu seinem baldigen Ende beigetragen haben. Dazu kam, daß Vene­zuela ihm auch den Dolch tiefer in seine Herzens­wunde stieß, da der Kongreß so weit ging, zu ver­langen, daß keinerlei Verhandlungen mit Colum­bien betrieben würden, solange der General Bo­livar noch in Columbien weile. Man verlangte seine Ausweisung.

Viele seiner früheren Freunde waren nunmehr seine Feinde geworden, alles wegen der Zittrigen von Paez und der utopistischen Idee, daß man mit idealistischen republikanischen Grundsätzen Colum­bien regieren könne.

In Columbien hatte Mosquera so schlecht re­giert, daß er Bogota verlassen mußte und provi­sorisch wurde General Urdaneta, ein alter und aufrichtiger Freund Bolivars, mit der Regierung betraut. Sofort sandte er eine Kommission nach Cartagena und viele Freunde schrieben Volivar, vor allem aber auch die fremden Gesandten, daß er zurückkommen möchte, um die Regierung wieder­herzustellen, deren einzige Garantie er sei.

Er antwortete aber Urdaneta, daß zwischen ihm und der Präsidentschaft ein Wall von Bronze stände, das Gesetz, und daß man warten solle, bis er gewählt werden könne nach dem Gesetz.

Er sagte: „Die Quelle der Gesetzlichkeit ist der Wille des Volkes, nicht die Agitation oder die Stimme der Freunde."

Und diesem Manne stellte man Herrschergelüste unter. Von Euayaquil, Neu-Eranada und Bo­livien empfing er Ehrenbezeugungen aller Art, nur von Venezuela empfing er täglich Beleidi­gungen und wenig hörte er von seinen vielen Freunden, die aber in seiner Abwesenheit auch keine Macht hatten.

Nun, es wäre-auch alles umsonst gewesen, denn Bolivar rüstete sich zu seiner letzten Reise. Von Cartagena ging er nach Barranquilla und von dort nach Santa Maria, wo er schon am 1. De­zember, in einem Stuhl .getragen,. ankam. .Hier zog er sich auf einen Landsitz Sän Pedro Alejan-

drino zurück, wo.er zeitweise etwas Erholung fand. Aber am 10. Dezember bereits hatte er einen Schlaganfall, worauf er sein Testament machte und den Columbianern seine letzte Proklamation hin­terließ: „Columbianer, Ihr seid die Zeugen mei­ner Anstrengungen gewesen, die Freiheit zu schaf­fen, wo früher die Tyrannei herrschte. Ich habe selbstlos gehandelt, indem ich mein Vermögen und meine Ruhe opferte. Ich legte das Kommando nie­der, als ich mich überzeugte, daß Ihr nicht mehr an meine Selbstlosigkeit glaubtet. Meine Feinde benutzten Eure Leichtgläubigkeit und traten das mit Füßen, was mir das Heiligste war, meinen Ruf als Freund der Freiheit. Ich bin das Opfer meiner Verfolger, die mich an den Rand des Gra­bes gebracht haben!

Columbianer! Meine letzten Wünsche sind für das Glück des Vaterlandes. Wenn mein Tod dazu beiträgt, den Parteigeist aufhören zu lassen und die Einigkeit zu festigen, so steige ich ruhig in mein Grab." —

Dann fing sein Geist an zu wandern und er rief seinen Diener: „Joseph, laß uns fortgehen, denn sie werfen uns hier heraus. Wo sollen wir nur hingehen."

Am 17. Dezember 1830, um 1 Uhr nachmittags, starb der große Mann des Südens, einer der größten Männer der Weltgeschichte.

Am selben Tage, elf Jahre vorher, hatte er in Angostura durch sein Genie Columbien geschaffen. Er starb im Alter von nur 47l4 Jahren.

Sein Tod war das Ende von Eroß-Columbien. Napoleon sagte auf St. Helena: „Jesus wäre kein Gott gewesen, hätte er nicht den Kreuzestod er­litten."

Wir möchten von Bolivar sagen: „Niemals wäre Simon Volivar der Nachwelt so herrlich erschienen, hätte die Niedrigkeit seiner Neider und Feinde ihn nicht zum Märtyrer gemacht."

Aber Clio ist göttlichen Ursprungs. Die Welt kann eine Weile die Wahrheit vertuschen. Schon zu seinen Lebzeiten waren alle edlen Geister voll von ihm. Lafäyette, Lord Byron, Alexander von Humboldt und ungezählte andere Größen Europas und Amerikas.

. Von Alexander von Humboldt wird erzählt, daß

er Volivar, der viel bei ihm verkehrte, gesagt haben soll: „Welch glänzende Zukunft, die der neuen Welt, wenn die Völker von ihrem Joch er­löst werden könnten." „Sicherlich," antwortete ihm Bolivar, „aber ich kenne keinen Menschen, der imstande wäre, dies auszuführen." Volivar ver­ließ an diesem Tage, äußerst nachdenklich, die Woh­nung Humboldts. Ihm war der Gedanke gekom­men, sein Leben nützlicher hinzubringen, als in den Salons von Paris. Dies geschah ein Jahr nach der Rückkehr Humboldts und Bonplands aus den Tropen.

Angefeuert durch die großen Taten Napoleons kam ihm die Möglichkeit in den Sinn, daß auch er in seinem Vaterlande Gleiches verrichten könne. Seit diesem Tage hatte er keine Ruhe mehr und sein Dichten und Trachten war, wie er sein Vater­land vom spanischen Joche befreien könne.

Im Frühling 1805 machte er mit feinem Lehrer und Freunde Simon Rodriguez eine große Reise zu Fuß durch Italien, wo er in Rom Humboldt wiederfand, dessen Bruder preußischer Gesandter beim Heiligen Stuhl war. Als der spanische Ge­sandte den jungen Volivar mitnahm zu einer Audienz beim Papst Pius VII., weigerte er sich dem Papst den Pantoffel zu küssen, und vor ihm niederzuknien, was damals eine unerhörte Hand­lungsweise für einen Katholiken war. Bei dieser Gelegenheit sagte er auch, daß Bonopatte viel ver­loren habe, seit er Cäsar geworden sei. Bolivar war 21 Jahre, als er die großen römischen Alter­tümer mit einer Aeneide oder einem Tacitus in der Tasche durchstreifte, voll von Chateaubriand und den Reisen Humboldts in seinem Vaterlande Venezuela. Damals soll er zu seinem Lehrer ge­sagt haben: „Und wieviele Caracallas, Caligulas, Claudius Nero kommen auf einen Cincinatus, Trajan oder Vcspasian? Was haben sie alle getan für die Sache der Menschheit? Fast nichts, denn alles muß von vorne wieder angefangen werden." Und indem er sich an Rodriguez wandte, sagte er: „Oh, mein Freund, bei all diesen ungeheuren Er­innerungen, bei meinem Vaterlande und meiner Ehre schwöre ich, diesen Arm nicht ruhen zu lassen, bevor er nicht Amerika vom Joche seiner Tyran­nen befreit hat!" M-rtzetzusg WO-