Ausgabe 
(29.7.1933) Nr. 200
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m. 20V. Jahrgang 1933

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Vremen. Sonnabend, den 29. Juli 193^ ELnzelpeers 15 Vsg.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile 0.10, auswärts 0.12; im Textieil AK 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche und Familienanzeigen o.06; ionslige Heine Anzeigen 0.08. Platz­vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streit, Ver­bot u.s.w. hat der Bezieher keinen Anspruch au! Rückzahlung des Bezugspreises.

vremerllMnMriaWMe Zeitung

Das ArntUÄnr Ora«ur des Serrsls der HeereL «Lnf>E<rd1 Brernerr ^

Bremen, SS. Juli.

Die Bremer Lagerhaus.Gesellschaft

Lat mit Wirkung vom 24. Juli 1933 eine wesent- liche Gebührensenkung, die sich bei einzelnen Tarifen bis auf bO Prozent auswirkt, vorgenommen. (Näheres siehe HandelSteil.)

Diese Gebührensenkung, die ganz im Sinne.ge- meinnütziger nationalsozialistischer Wirtschaftsgebah. rung liegt, wird das ihre dazu beitragen, um die Belebung des bremischen Hafens weiter vorzutrei- Len. Sie ist auch ein Beweis dafür, daß national- sozialistische planmäßige sparsame Verwaltung der Wirtschaft, in diesem Falle dem deutschen Export und der mit ihm verbundenen deutschen Schiffahrt weit mehr zu dienen vermag, wie die heute der Vergan­genheit angehörende liberalistische Profitwirtschaft. Unternehmen wie die Lagerhaus-Gesellschaft find im nationalsozialistischen Staat nicht dazu da, möglichst hohe Dividenden abzuwerfen, sondern so billig wie nur irgend möglich der Allgemeinheit und damit dem Staatsganzen zu dienen.

*

Seit der Uebernahme der Macht durch Adolf Hit- ler in Deutschland hat von den verschiedensten Sei- ten des Auslandes eine gemeine Hetze und Verleum­dung gegen das neue Reich eingesetzt, die jeder Grundlage entbehrt. Organisator und Anführer dieses Verleumdungsseldzuges find in fast allen Fällen Juden. Die ausländischen Regierungen haben bisher nichts gegen diese verantwortungslosen Elemente unternommen. '

Nunmehr dürfte den amerikanischen Behörden ein Licht aufgegangen sein. Nach einem Funkspruch aus Newyork wurde dort der berüchtigte >Deutschenhetzer und Leiter des jüdischen Boykotts gegen. Deutsch­land, Rechtsanwalt Sapi.ro, wegen Organisierung einer Verschwörung,zur Erpressung von Geldern verhaftet. Mit diesem Fall ist klar bewiesen, aus welchem Holz dieseKämpfer" gegen das nationale Deutschland geschnitzt sind. Die Juden in Deutsch. lAstd werden nicht bekämpft, weih sie eben . Juden siM sondern weil sie Verbrecher und Marxisten übelster Sorte find. Und das hat nunmehr auch Antsrr' Erkannt.

*

Der heutige Tag sieht Bremerhaven in ein Meer von.Fahnen getaucht, die Schiffe im Hafen, allen voran hat die Königin der Meere, dieEuropa", über die Toppen geflaggt.' DerTag der Seefahrt" wird heute und morgen festlich begangen. Es wird ein Tag, der den deutschen Seeleuten einen Ehrenplatz in der großen Volksgemeinschaft zuweist und sie hineinführt in die Deutsche Arbeitsfront.

Ein tiefer Sinn liegt in dieser Feier. Die, Revolte von 1918 nahm von Kiel ihren Ausgang, aber der deutsche Seemann hat nun wieder die ihm ge­bührende Stellung im Reich seiner Väter gefunden. Und wenn in diesen Stunden die Augen der gesam-. ten Nation auf ihn gerichtet sind, dann wissen wir: Die deutschen Seeleute, die jetzt unter der Fahne unserer Revolution die Meere befahren, werden der Welt die Künder .des neuen Deutschlands sein, sie werden ihm zu neuem Ansehen verhelfen und dem Dritten Reich auch im entferntesten Hafen Achtung erzwingen.

Bergwerksunglück in Dort

London, 28. Juli.

In einem Bergwerk in Woodiesford (Graf- schaft Dork) ereignete sich gestern am späten Abend eine Explosion, 6 Bergleute erlitten schwere, zum Teil lebensgefährliche Brand­wunden.

Weiterer Rückgang

der ErwerdÄoserMhl im ganzen Reich

Generalangriff aus die Arbeitslosigkeit l» Westfalen

Dortmund, 28. Juli. Im Landesarbeitsamt West­falen fanden Beratungen über den Generalangriff auf die Arbeitslosigkeit in Westfalen statt. An den Beratungen nahmen u. a. teil: Der Oberpräsident von Westfalen, Freiherr von Lüninck, Minister Rieke von Lippe-Detmvld, die Regierungspräsidenten von Arnsberg und Minden sowie. Gauleiter Wagner- Bochum, ferner Vertreter der NSBO.-Gauleitungen Westfalen-Süd . und -Nord. Arbeitsamtspräsident Dr. Ordemann begründete den von ihm vorge­legten Kampfplan gegen die Arbeitslosigkeit u. a. wie folgt:

Die in Ostpreußen erfolgreichen angewandten Methoden können , in Westfalen nicht zum Ziele führen. Für uns ist das Entscheidende, das Gesamt- niveau der Arbeitslosigkeit in der ganzen Provinz erheblich zu senken. Dieser Schlag kann nicht allein durch künstliche Arbeitsbeschaffung geführt werden. Selbstverständlich muß auch auf diesem Gebiet alles Mögliche, geschehen; aber durch Arbeitsbeschaffungs- prozramm, durch Notstandsarbeiten usw. finden nur einige Zehntausende zusätzliche Beschäftigung. Die Zahl. der Arbeitslosenunterstützten in Westfalen be­trägt . immer noch 30 000. Die Arbeitslosigkeit in Westfalen muß in zähem, systematischem Kampf bezwungen werden. Wenn der Führer als not­wendigen Zeitraum für einen auf die Dauer erfolg­reichen Kampf vier Jahre bezeichnet hat, so ge­schah das in besonderem Hinblick auf die Industrie­zentren. Es kommt jetzt daraus an, möglichst schnell bessere Voraussetzungen für eine organische Wirt- schastsbelebung zu schassen. Die Betriebe müssen ' schrittweise von den Steuer- und Soziallasten her­unter, wegen deren Millionen von Arbeitnehmern entlassen worden sind. Das ist aber nur auf dem Wege einer- organischen Arbeitsmarktpolitik, einer dauernden Umgestaltung der Arbeitsmarktverhältnisse zu erreichen. Auf diesem Wege kann nur die Rsichs- regier-ung die Führung übernehmen. Die Ausfüh­rung selbst ist Sache des ganzen Volkes. Durch eine wichtige, den. sozialen Verhältnissen angepaßte Arbeitsverteilung, sind in den Betrieben zahlreiche Arbeitsplätze freizumachen für Familienvater.

Es geht nicht länger an, daß aus vielen Familien zwei oder mehr Personen in Arbeit stehen, in anderen gar keine. Die Wirtschaft muß einsehen, daß sie mit diesen kurzsichtigen Methoden niemals von den hohen Lasten herunterkommt. Schwarzarbeit ist als ein

Verbrechen an der Aufbauarbeit unseres Volkes au- zusehcn.

Die Betriebe müßen alles tun, um diese Aus­wechselung so schnell wie möglich vorzunehmen. Die Arbeitsämter werden sie mit allen Mitteln darin unterstützen. Daneben müßen selbstverständlich alle latenten Arbeitsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Für Westfalen ergeben sich zwei große Kampf­zonen: Einmal die Teilarbeitsmärkte des Münster- ländischen Textilbezirks sowie des Ravensbergischen gemischtwirtschaftlichen Bezirks und des Landwirt­schaftsbezirks. Daneben bleibt aber das große vor­dringliche Problem der drei industriellen Teilarbeits­märkte bestehen (Ruhrgebiet, Märkischer Bezirk, Siegerland). Es muß schon heute daran gearbeitet werden, daß durch Kurzarbeit und Krümpersystem die vorhandenen Arbeitsplätze einer möglichst großen Anzahl von Arbeitnehmern zugänglich gemacht wer­den. Neue dafür freiwerdende Arbeitsstellen dürfen nicht mehr willkürlich besetzt werden. Sie werden den sozial Bedürftigen vorbehalten. Im übrigen gilt es auch besonders in Großindustrien, Anhänger der vergangenen Rationalisierung baldigst wieder auszuräumen.

In eingehender Aussprache wurden die Einzel­heiten des Vorgehens in den einzelnen Bezirken be­sprochen. Der Kamps soll nunmehr aus allen Fron­ten entbrennen.

Der 32. Kreis in 9fi-reutzen ohne Arbeitslose

Königsberg, 28. Juli.

Die, Pressestelle d.es Ober-Präsidiums teilt mit: Kreis Goldap, einschließlich Stadt, heute frei von Arbeitslosen. Auch die zahlreichen Wohlfahrtssr- werbslosen sind in Arbeitsstellen untergebracht. -Dar­über hinaus werden 1010 Landhelfer aus dem Reich im Kreis beschäftigt. Die Zahl der Arbeit-lesen im Februar 1933 betrug rund 2 000, am 30. Juni 1933 rund 1300, am 27. Juli 1933 keine.

Gute Erfolge im Regierungs- dszirk Arnsberg

Arnsberg, 28. Juli.

Das Presseamt der Regierung teilt mit: Nicht nur im Landkreis Meschede ist man rücksichtslos

gegen die Arbeitslosigkeit vorgegangen, auch aus anderen Kreisen treffen Meldungen ein, die ebenfalls mit einem Ende der Arbeitslosigkeit in den frag­lichen Gebieten in absehbarer Zeit rechnen lassen. In Lüdenscheid ist die Zahl der Erwerbslosen innerhalb kurzer Zeit um mehr als die Hälfte gesunken, sie be­trägt heute nur 1 625 gegenüber 3 285. Die Bau- und Siedlungstätigkeit hat zugenommen. Auch in der Metall- und Kleineisenindustrie sind wieder Ein- stellungen in größerem Maße zu verzeichnen. Das Siegerländer EisenwerkPfannenbergex Einigkeit" konnte trotz schwerer schwedischer Konkurrenz seine Belegschaft von 1000 Arbeitern aus 1400 im Juni und aus 4 000 Arbeiter im Juli steigern.

Kreis Gumbinnen ebenfalls arbeitslosensrei Königsberg, 28. Juli.

Am Freitag ist auch der Kreis Gumbinnen frei von Arbeitslosen geworden. Mit dem Kreis ist auch die Regierungshauptstadt Gumbinnen ohne Arbeits­lose. Danach sind in Ostpreußen Arbeitslose nur noch in den Stadtkreisen Königsberg, Menstein, Jnster- burg, Elbing und Tilsit und in den Landkreisen- nigsberg, Menstein und Fischhausen vorhanden.

UmfaWeuerserr uns für die Landwirtschaft auf 1 v. H.

Berlin, 28. Juli.

Nach einem Bericht desVölkischen Beobachters" über die Arbeit des Staatssekretärs Reinhardt im Reichsfinanzministerium plant dieses ein weiteres Gesetz zur Verminderung, der Arbeitslosigkeit für den kommenden Herbst.' Es sei darüber hinaus bereits ein großzügiger Plan zur Verminderung der Arbeits­losigkeit in Vorbereitung, mit dessen Verwirklichung im Frühjahr 1934 begonnen werden soll. Außerdem soll Staatssekretär- Reinhardt im Frühjahr 1934 mit einer grundlegenden Vereinfachung des gesamten Steuerwesens herauskommen wollen. Schon sür den Herbst sei eine durchgreifende Steuererleichterung für die Landwirtschaft geplant, die wahrscheinlich in einer Herabsetzung der Umsatzsteuer für die Land­wirtschaft von 2 aus 1 P. H. bestehen werde.

Die Verteidiger der KeichstagSdraEifter

Leipzig, 28. Juli.

Von zuständiger, Stelle wird uns zu der Reichs­tagsbrandsache folgendes mitgeteilt:

Nach den Bestimmungen der Strafprozeßordnung ist in Sachen, die vor dem Reichsgericht zu verhan­deln sind, einem Angeschuldigten, der noch keinen

Verteidiger gewählt hat, ein Verteidiger von Amts wegen zu bestellen. Da die Angeschuldigten bisher noch keinen Wahlverteidiger haben und die Zu­stellung der Anklageschrift, unmittelbar bevor­steht, hat ihnen der Präsident des 4. Strafsenats des Reichsgerichts schon jetzt Verteidiger von Amts we­gen beigeordnet- Dre Auswahl dieser Verteidiger hat nach gesetzlicher Vorschrift aus der Zahl der am Sitz des Reichsgerichts in Leipzig wohnhaften Rechtsanwälte zu erfolgen. Mit Rücksicht aus die Be­

deutung der Sache hat der Vorsitzende des Gerichtes zwei der Verteidiger aus der Zahl der beim Reichs­gericht zugelaßenen Rechtsanwälte ausgewählt, nämlich die Rechtsanwälte Seuffert und H ub er, die infolge ihrer Betätigung in Straf­sachen besonders geeignet erscheinen- Außerdem ist Rechtsanwalt Dr. Tei ch er t bestellt worden, der gleichfalls als besonders tüchtiger Strasverteidi- ger bekannt ist.

Leuito öluLsoliiil!

50.

des Diiee

Von Oustav Ltseb».

Bremen, den 29. Juli 1933

Das hat sich der kleine unbekannte Schmiede­geselle Mussolini auch nicht träumen lassen, daß sein Sprößling Benito -einmal den Ruhm

der Eäsaren.verdunkeln-,;und cher -Schmied - Roms; werdenwüpde. , Vielleicht hätte : das - Schicksal -einen anderen - für- diesen Weg he--: stimmt, wenn-der Zufall ihn-nicht-in frühen Kinderjahren in die rauhe und-harte Hand , eines wirklichen Schmiedes gegeben hätte. Es; ist gut, daß alles, so gekommen, ist, daß im Blut des Vaters Lie.Eon-dottiere von Ravenna . und Ferrava/weiterleben, und. daß er unter Polizeiaufsicht gestellt, werden muß,, weil ihm. der Kampf um den sozialen Tiefstand des . Arb-eitertums keine Ruhe läßt. Und. es ist auch ein Segen für .Italien, daß' der Vater , des Duce, ohne irdische Güter. zu hinter­lassen, starb und dem Sohn nur das eine vermachte: eine Idee.

Die Eltern können sich - über - den - Berns nicht einig werden, der Vater will einen Schmied aus ihm machen, die Mutter- einen Kopfarbeiter. Sie setzt' sich durch.' Einmal' soll er im Lehrerseminar eine Frage -be­antworten; darauf hält er -zum - maßlosen' Erstaunen seiner Lehrer -eine einstündigeRÄe,' gewandt und geschliffen wie' Cicero.' Als'' Achtzehnjähriger- das Lehrerpatent in der - Tasche, versucht er vergeblich, in Staats-, diensten unterzukommen. Dann wird er als Hilfslehrer angestellt. Aber es zieht ihn

Liinoü Lolivar

Die Oesetüekte eines Ireikeitskämpkers

(1. Fortsetzung)

Aber diese Schlacht war ebenso wenig entschei­dend, wie die vorigen. Bolioar wurde gezwungen, sich vor dem Bluthund Boves zurückzuziehen, der alle Verwundeten und Gefangenen über die Klinge springen ließ. Bolioar zog sich nach Caracas zu­rück, welches er aber ausgeben mußte, weil Boves, das Ungeheuer, alle Patrioten ermordet haben würde, wenn er die Stadt einnahm. Boves nahm die Stadt am 16. Juli 1814 ein und alle Ein­wohner flüchteten vor ihm. ,Der blutige. Schrecken herrschte unter den wenigen, die zurückb.lieben. Dann verfolgte er Bolivar, der wieder ein kleines Heer gesammelt hatte, ostwärts, aber der Stern Bolivars schien gesunken. Es gelang ihm nichts und so mußte er sich zum dritten Male ent­schließen. sein Vaterland, zu verlassen, unter den. Beleidigungen seiner Offiziere wie Piar und Ribas.

Wieder setzte er Segel nach Cartagena, nicht ohne eine Proklamation zu erlassen, in der er sich bitter über seine Landsleute beschwerte und sagte: Es scheint, daß der Himmel beschlossen hat. das unsere Besiege: unsere eigenen Bruder sein sollen. Eure Bruder und nicht die Spanier sind es, die Eure Busen zerreißen, Euer Blut vergießen und Euch ins Exil treiben." ... <-

Von Cartagena, wo Bolivar kein Glück gehabt hatte gegen die Spanier, beschloß er nach Jamaika auszuwandern. Inzwischen hatte sich die Lage der Patrioten verschlechtert, weil die Restauration der spanischen Herrschaft unter Fernando VH. in Spanien es ermöglichte, die Anstrengungen zur Wiederherstellung der Herrschaft Spaniens in Süd- amerika zu verdoppeln.

In Jamaika versuchte Bolivar neue Hilfsquel­len zu schassen und kehrte dann über -Haiti zurück, da er in. Jamaika durch-die englische Regierung, die ganz im Fahrwasser d«r Heiligen Allianz se­

gelte, keine Unterstützung fand.. Der Präsident von Haiti, Alexander Petion, aber half ihm in jeder Weise und machte es möglich, daß er genug Waf­fen und Munition zusammen bekam für 6000 Mann. Mit diesen Hilfsmitteln landete er in Margarita, einer Insel an der Nordküste Vene­zuelas, wo er von neuem die Regierung der Re­publik proklamierte, von der er der erste Chef war und Marina zum zweiten ernannt wurde.

Der von Boves angesagte Kriegbis zum Tode",-d. h. ohne Pardon, hatte in den letzten Jahren die Kriegsführung zu einer entsetzlichen gemacht.: Nun versuchte Bolivar dies zu ändern und schlug Milderungen im Interesse der Bevöl­kerung vor, -aber dieser- Vorschlag wurde vom spa­nischen General-Kapitän damit beantwortet, daß er ? 100 090 auf den Kopf von Bolivar, Vermu- dez, Marina, Piar, Brion oder Arismendi setzte. Wiederum landete Bolivar auf dem Festlande bei Larupano. Aber seine Generale Marina und Piar folgten wiederum nicht seinen Anordnungen und wurden von den Spaniern geschlagen. Verzweifelt wendet sich Bolivar nach dem Westen, wo er in Ocumare de la Costa versucht, den Feind anzu­greifen, aber seine neuen Truppen sind abermals den Spaniern nicht gewachsen-und so-mußte er von neuem Venezuela verlassen und wendet sich zum zweiten Male an Petion in Haiti, der ihm großartig unterstützt.

Inzwischen hatten Bolivars Unterführer einige Teilerfolge errungen, aber man erkannte allge­mein, daß seine Führung unerläßlich war und so baten sie ihn, sofort zurückzukehren.

Am 1. Januar 1817 betritt Bolivar wieder den Boden des Vaterlandes, dieses Mal um ihn nie wieder zu verlassen. Ungeheure Pläne Lurchwälz- ten sein Hirn. Schon Lenkt er an die BefreiUW ganz Südamerikas, zuerst an die von Venezuela, Neu Dranada und Peru. Bei alledem hatte er nur

760 Mann, mit denen er auf Caracas marschierte. Natürlich wurde er geschlagen und mutzte nach Barcelona zurückkehren, wohin, ihn der Feind mit 5000 Mann verfolgte, wogegen er nur noch 800 hatte.

Nun blieb ihm nur noch der Rückzug über und so beschloß er, nach Angostura in Guyana zu ziehen, unter Zurücklassung eines Teiles der Truppen, die von Len Spaniern massakriert wurden.

In Guayana belagerte gerade Piar die Stadt Angostura, die noch in den Händen der Spanier war und später kam Admiral Brion mit seinen Schiffen vom Meere den Orinoco herauf, um die Belagerung zu vervollständigen.

Die Royalisten mußten die Stadt aufgeben, und so hatte Bolivar zum erstenmal das Gefühl der Sicherheit, da er seine Feinde aus ihrer eigenen Stellung bekämpfen konnte und im Osten hinter sich nur Patrioten hatte.

In Angostura nun trug sich ein Fall zu, der Bolivar vielfach zum Vorwurf gemacht wurde,' der aber seinen Charakter völlig rein dastehen läßt und nicht etwa, wie Lei Napoleon die Ermordung des Herzogs von Enghien, ein schlechtes Licht auf seinen Ruf warf.

Der mehrfach erwähnte General Piar hatte verschiedentlich sich aufgelehnt gegen den Willen seines Vorgesetzten Bolivar und so die anderen Führer oft als. böses Beispiel verleitet, da sie alle die Milde und Güte Bolivars kannten, der natürlich erst alles versuchte, um größere Differen­zen zu vermeiden. Oft hatte Bolivar ihm seine Fehler nachgesehen, aber hier in Angostura kam es zum Bruche. Piar versuchte offen die Autorität Bolivars zu untergraben, und so beschloß Bolivar, ihn verhaften zu lassen. Piar war ein tapferer General gewesen, aber .es blieb Bolivar nichts anderes übrig, um die gelockerte Disziplin'zu ret­ten, als ein Exempel zu statuieren und so ließ er ihn erschießen. Natürlich brach dieser Akt unter seinen vielen Feinden und Neidern dem Gerücht Bahn, daß Bolioar ihn aus Eifersucht habe aus dem Wege räumen lassen. Aber die Ge­schichte hat diesen Punkt längst klargestellt und

es könnte Bolivar eher vorgeworfen werden, daß er durch seine Milde die Befreiung seines Vater­landes in Gefahr gebracht habe. Dies sei zur Schilderung des Charakters von Bolivar gesagt.

Am 15. Februar 1819 berief Bolivar den be­kannten Kongreß von Angostura, zu dem die Füh­rer aus Columbien und Venezuela zusammen­kamen, auf dem Don Francisco Zea als Präsident ernannt wurde.

Dieser Kongreß-war schon von 29 Deputierten -besucht und bildete so die eigentliche Grundlage des neuen Staates, der späterLa Gran Colum­bia" hieß, und bestand aus den Provinzen: Cara­cas, Barcelona, Cumana, Barinas, Guayana, Margarita und Casanare. Diese Provinz gehörte schon zu Neu-Eranada.

Der Kongreß ernannte nunmehr schon Bolivar, der seine gesamten Aemter zur Verfügung, gestellt hatte, um als einfacher General unter irgendeinem Chef zu dienen, zum Präsidenten der Republik und Don Francisco Antonio Zea zum Vizepräsi­denten.

Hier bewies Bolivar auch seine Befähigung als Redner und Diplomat und seine Adresse an den Kongreß kann als mustergültig bezeichnet werden, so daß ein-moderner Schriftsteller von derselben sagt:lüe A.öciress ok tke liberstor in Angostura ms> be consiciereck as s mssterpiece oi resson snci pstriotisin. lLarazabal.)

Dieser Kongreß von Angostura ist der Angel­punkt in dem Leben Bolivars (Angostura heißt heute Ciudad Bolivar) und machte im Lande selbst und im Auslande den größten Eindruck, wenn auch Spanien den Kongreß, lächerlich zu machen ver­suchte.

Von nun an wird der Traum Bolivars, eine große.Nation zu gründen, der Wirklichkeit wesent­lich näher gebracht.

Schon beginnt England, ihn zu unterstützen koriis koitünä schüvst, die Britannisch« Legion, in der auch viele Deutsche dienten, z. B. die Ober­sten Uskar, tritt in Erscheinung, und spielt eine große Rolle im Unabhängigkeitskriege. Nunmehr hat man ein richtiges Heer, das sich in Ruhe kon­

zentrieren konnte, da außer der Legion, die Heere von Bermudez und Marina zusammen mit den Llaneros von Paez den Spaniern schon gewachsen waren.

Nun setzt Bolivar den Feldzug fort. Am Arauca und Apure besiegt Jose Antonio Paez, der Löwe vom Apure, den Feind bei den Queseras del me- dio und schlägt mit seinen ISO Lanzenreitern 1290 Spanier. Nachdem er den Feind in den Llanos ge­schlagen hat, beschließt Bolivar einen napoleoni- schen Zug. In 75 Tagen eilt er vom Arauca nach Tolumbien, wo er in Tame den columbischen Ge- - neral Santander aufnimmt, überschreitet den So- gamoso und liefert die Schlacht von Pantano de Vargas und verfolgt den Feind, den er bei Boyaca erreicht und ihn am 7. August 1819 ver­nichtend schlägt und befreit für immer das große Territorium von Neu-Eranada.

An diesem Tage bezahlt Bolivar die Dankes­schuld, die. er dem venezolanischen Volke einge­gangen war. General Pablo Morillo mutzte in Trujillo Bolivar einen Waffenstillstand vor­schlagen.

Bolivars Traum war Wirklichkeit geworden. Am 17. Dezember 1819 dekretierte der Kongreß die Schöpfung Columbiens, indem er Venezuela und Quito, sowie Neu-Eranada zu einer einzigen Republik vereinigte.

Bolivar wurde zum Präsidenten ernannt, Don Antonio Zea zum Vizepräsidenten für Venezuela und Santander als solcher für Neu-Eranada.

Für Ecuador wurde der Präsident erst nach Einnahme Quitos ernannt.

1829: Inzwischen hatte Ferdinand vii. in Spa­nien ein großes Heer zur Uebersahrt bereitgestellt, aber Bolivar erfuhr, daß die spanischen Solda­ten wenig Lust mehr hatten, in Columbien und Venezuela ihr Leben zu lassen, was sogar zu einer offenen Rebellion in Ladiz geführt hatte. Dies war ein großer Hofsnungssaktor sür Bolivar, denn er erfuhr ferner, daß Fernando gezwungen wurde, eine Konstitution zu gewähren und von der gan, zen Expedition absehen mußte.

.(Fortsetzung folgt.)