Ausgabe 
(27.7.1933) Nr. 198
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llr.i98. Jahrgang 1S3S

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Bremen. Donnerstag, den 27. IM 1833 Einzelpreis 15 Bis.

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öremerllaüonMriaWMie Zeiluntz

Das TumMoke Orcran des Genals der Frererr BrerrreiT ^

Die Veröffentlichung des Sterilisationsgesetzes zwingt zu Vergleichen mit der Volksgesundheits- polttik der Vorkriegs- und Nachkriegssysteme. Wird heute in erfreulicher Weise der Kampf gegen geistige und körperliche Krüppel von der men- schenfrrundlichstenSeite aufgenommen, so sahen die früheren Regierungen ihre Aufgabe nur im Bau von Krüppelheimen, Säufer- und Irrenanstalten. Sie erblickten jederzeit in der Sterilisation »eine persönliche Bevormundung" des einzelnen. Lieber ließen sie Millionen ver- krüppelter bedauernswerter Kinder in die Welt setzen.

Jetzt liegen die ersten Stimmen des Auslandes zu dem neuen Reichsgesetz vor. So bezeichnet Dr. Harry Laughlin, der frühere Präsident der „American Eugenic Society" das deutsche Ste­rilisationsgesetz als den bedeutendsten gesetzgebe- rischen Akt dieser Art. den eine Nation jemals voll- bracht habe. Das deutsche Gesetz sei Vorbild- lich für derartige Verordnungen, die, wenn sie in den Vereinigten Staaten allgemein durchgeführt würden, bereits innerhalb einer Generation einen bemerkenswerten Erfolg zeitigen würden. Bisher sei in 27 amerikanischen Staaten die Sterilisation eingeführt.

„Wir wollen die große Aufgabe lösen, in guter Kameradschaft mit Bremen; denn nicht Hamburg oder Bremen heißt die Losung, sondern nur Deutschland."

Diese Erklärung, die der neue Aufsichtsratsvor- sitzend« der Hapag, Emil Helfferich, gestern in seinen Schlußworten aus der Generalversammlung der Hamburg-Amerika-Linie verlas, atmet den treuen Geist des nationalsozialistischen Deutschland.

Schon immer haben wir betont, daß die Zeit der Konkurrenzkämpfe, um der Konkurrenz willen, zwischen Hamburg und Bremen vorbei sein muß, um dem Ganzen nicht zu schaden. Es freut uns deswegen umso mehr, daß der Satz, den wir am 16. April aus Anlaß der Ileberreichung der Denk­schrift des bremischen Senats in der BNZ über die Leiden nationalsozialistischen Regierungen der Hansestädte schrieben, jetzt auch für die Leitung der beiden größten deutschen Schiffahrtsgesell­schaften volle Gültigkeit erhält: „Beide Regie­rungen, fest in nationalsozialistischer Weltanschau­ung und Wirtschaftsausfassung verwurzelt, find auf Grund dieser gemeinsamen Voraussetzungen na­tionalsozialistischen Wirtschastsdenkens, wie keine ihrer zahlreichen Vorgängerinnen in der Lage, eine für beide Städte gerechte, von gemeinsamer Ziel­setzung getragene Lösung anzustreben und zu er­reichen."

»

Das 15. Deutsche Turnfest in Stuttgart, das während dieser Woche über 200 000 deutsche Tur­ner und Turnerinnen in der alten Residenzstadt Wüettembergs versammelt und eine unabschätzbarc Zahl von Gästen herbeizieht, steht im weitesten Vordergrund des Interesses im In- und Aus- lande. Nicht allein die Turner und Turnerinnen des inneren Deutschlands, sondern auch die aus- landsdeutschen Turner sind gekommen, um am 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart teilzunehmen und um ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Vaterlande aufs neue zu dokumentieren. Auch die deutschen Turner im Auslande wissen, daß das Deutsche Reich unter der Führung des Volkskanzlers Adolf Hitler dem neuen Aufstieg entgegengeht und so ist das 15. Deutsche Turnfest in Stuttgart nicht nur ein Turnfest im allgemeinen Sinne, sondern eine große Treuekundgebung der deutschen Turner des In- und Auslandes für das Dritte Reich.

Stuttgart beherbergt also in diesen Tagen eine riesige Zahl deutscher Volksgenossen in seinen

Italiens Jugend huldigt dem Fiihree

-es neue« Deutschland

Empfang der kafchifüfchen Ingen- durch den Reichskanzler in München

München, 26. Juli.

In der Residenz fand am Mittwoch vormittag ein Empfang der auf Besuch weilenden saschisti- schen Jugend durch den Reichskanzler statt. An dem Empfang nahmen teil der italienische Bot- schafter in Berlin, Cerruti, Staatssekretär Ricci, Rudol Hetz, Stabschef Röhm und der bayerische Ministerpräsident Siebert.

Nach dem Horst-Wessel-Lied, gespielt von der Balilla, führte der italienische Botschafter Cerruti in einer Ansprache an den Reichs­kanzler u. a. aus:

Es ist mir eine große Ehre und Freude, diese Avantgardisten dem Herrn Reichskanzler in München vorstellen zu können. In dieser Haupt­stadt, die der Ausgangspunkt Ihrer Bewegung ist, die ganz Deutschland erobert hat und Deutschland heute mit einem neuen Geist regiert.

Die Jugend Italiens, die Blüte des Faschis­mus, ist da, um der nätionalsozialistisAn Ju­gend die Hand zu drücken. Keine bessere Bot­schaft hätte Ihnen mein Land senden können. Gestatten Sie, die Hoffnung und den Wunsch auszusprechen, daß der Grub Italiens, den Ihnen diese faschistische Jugend über die Alpen gebracht hat, dem Glück Deutschlands gelte.

Reichskanzler Wolf Hitler

sagte bei dem Empfang in einer Ansprache u.-a.:

Ich freue mich, Sie heute hier begrüben zu können, weil in dieser Stadt eine Bewegung ihren Ausgang genommen hat, die ähnlich wie der Faschismus in Italien Deutschland wieder zur Selbstbesinnung bringen will, brin­gen wird und zum Teil auch schon gebracht hat, eine Bewegung, die ein herzliches und freund­schaftliches Verhältnis mit dem italienischen faschistischen Staat herstellen wollte, und ich glaube, wohl auch hergestellt hat.

Mauern. Dieser enorme Massenbesuch wird sich na­türlich auf die Stuttgarter Geschäfts- und Wirt­schaftslage sehr belebend auswirken. Wenn man nur 300 000 Teilnehmer und Besucher herausrech- net, die durchschnittlich pro Kopf 20 Mark während ihres Aufenthaltes verzehren, so kommt schon ein Umsatz von insgesamt 6 Millionen Mark heraus. Daß diese Zahlen aber die Wirklichkeit noch längst nicht erreichen werden, glauben wir bestimmt an­nehmen zu können.

GeoUeuer auf der SoWMis- Werfr in Hamburg

Hamburg, 26. Juli

Aus der Howaldtswerst, (vorm. Vulkan- werst) am Jmperatorlai entstand am Mitt­woch nachmittag ein Feuer. Der Brand war aus bisher noch nicht geklärte Weise in einem umfangreichen Modellschuppen zum Ausbruch gekommen, in dem die Holzmovelle für Ma­schinenteile und Schisse aufbewahrt werden. Das Feuer dehnte sich rasch aus. Da das Ge­bäude zwischen der Tischlerei und der Kessel­schmiede der Werst liegt, waren diese eben-

Sie werden nun eine Reise durch Deutschland antreten und dabei sehen, daß unsere Bewegung sich bemüht, aus dem Deutschen Reich genau das zu machen, was Ihr großer Führer Mussolini aus Italien gemacht hat, datz sie sich bemüht, das deutsche Volk zum gleichen Stolz und zur glei­chen Ueberzeugung von seinem Eigenwert zu führen, wie Mussolini das italienische. Sie werden sehen, datz in Deutschland durch diese neue Bewegung eine Geistesrichtung zur Herr­schaft gekommen ist, die von dem aufrichtigen Wunsch beseelt ist, gerade mit Ihrem Volke die Beziehungen wieder anzuknüpsen, die durch viele Jahrhunderte Italien und Deutschland verbun­den haben. Ich glaube, ich kann unsere Freude über Ihren Besuch durch nichts besser zum Aus­druck bringen, als daß ich demjenigen danke, der Sie hierher geschickt hat und der auch bei uns bewundert wird. Ich bitte, einzustimmen in den Ruf; ,Hhr großer Führer Mussolini Sieg- Heil!"

Dem Reichskanzler dankte in herzlichen Worten Staatssekretär Ricci für seine überaus freund­lichen Begrüßungsworte und überbrachte die Grüße des Duce. Er sei glücklich, so sagte er, daß er nach Deutschland im Auftrage Musso­linis habe kommen oürfen. Er sei ganz erstaunt, zu sehen, wie dieses Deutschland so groß durch die neue Regierung und vor allem durch die neue Regierung des Nationalsozialismus habe werden können. Er wünsche und hoffe, daß die Freundschaft zwischen Deutschland und Italien sich Wetter vertiefen werde und vor allem, daß beide Völker ihren gemeinsamen Weg weiter finden werden. Mit einem Hoch auf das Deutsche Reich beendete der Staatssekretär seine Ansprache an den Kanzler. — Der Gesandte überreichte bei den letzten Worten dem Kanzler die Abzeichen der Avant-Gardisten und der Balilla.

falls stark gefährdet. Außer der Bestiebs- seuerwehr, die sofort in voller Stärke in Tätigkeit trat, rückte die Hamburger Berufs­feuerwehr mit mehreren Zügen an die Brand­stätte.

Wie noch gemeldet wird, griff die Feuer­wehr den Brand unter Einsatz von 22 Schlauchleitungen vom Lande und dom Wasser her an. Ihren Bemühungen gelang es, die dem brennenden Modellschuppen be­nachbarten Gebäude der Tischlerei und der Kesselschmiede vor dem Uebergreifen des Feuers zu bewahren. Der Modellschuppen selbst und ein Werkzeugschuppen sind jedoch niedergebrannt. Gegenwärtig ist die Feuer­wehr mit Nachlöscharbeiten beschäftigt.

Bombenflugzeug abgeWrzS

7 Tote.

New York, 26. Juli.

Ein großes amerikanisches Bombenflugzeug stürzte an der kalifornischen Küste infolge eines Flügelbruches ab. Die siebenköpsige Be­satzung wurde getötet.

Besuch im Braune« Haus

München, 26. Juli.

Nach dem Empfang in der Residenz durch den Reichskanzler marschierten die Avant-Gardisten ins Braune Haus. Dort hielt der stellvertretende Führer, Rudolf Hetz, eine Ansprache, in der er e:

ie Freundschaft zwischen Nationalsozialismus und Faschismus ist der beste Beweis für die Richtigkeit der kürzlich durch Adolf Hitler in seiner großen Reichstagsrede aufgestellten Be­hauptung, daß zwischen bewußten Nationalisten relativ noch am leichtesten eine Verständigung zu erzielen ist. Abgesehen von diesen Grund­lagen einer Verständigung entspringt die Freund­schaft unserer beiden Bewegungen nicht nur Sentimentalitäten, der Gemeinsamkeit der gro­ßen Grundideen, sondern gemeinsamen Inter­essen der Völker, welchen unsere beiden Be­wegungen dienen, nicht zuletzt dem gemeinsamen Interesse am Frieden. Denn Völker, welche die innere Ordnung sichergestellt haben und die in großem Stil aufbauen, wünschen vielleicht den Frieden für weiteren Aufbau heißer und ehr­licher als andere Völker, denen das Festhalten am liberalistischen System immer neue Krisen bringt, deren Arbeuslosenziffern unentwegt weiter steigen und bei denen nach alter Regel dre Gefahr wächst, daß sie eines Tages von den inneren Schwierigkeiten abzulenken versuchen durch außenpolitische Abenteuer.

Völker, die wie das deutsche und das italienische Volk ,,siegreiche Schlachten gegen die Arbeits­losigkeit" schlagen, haben es nicht nötig, Siege auf den Schlachtfeldern der Waffen zu suchen.

Botschafter Cerruti sagte in seiner Antwort, Deutschland werde in Zukunft wieder zu seiner Größe kommen, weil es heute unter einer Füh­rung stehe, einer Regierung, die am besten dem Frieden der Völker diene.

Mo-evett beschließ- Aussetzung sünttttcher KeiegSschuldew- verhandluNgen

Washington, 26. Juli.

Roosevelt beschloß, sämtliche Kriegsschuldcn- verhandlungen bis zur Beendigung des Wieder­herstellungsprogramms und bis zur Stabilisie­rung der Rohstoffpreise auf zufriedenstellender Höhe auszusetzen. In Regierungskreiseu Wird hervorgehoben, daß eine endgültige Kriegs- schuldenregelung wegen der Dollarschwankunge» unmöglich sei, da möglicherweise weitere Dollar- Kursänderungen ein jetzt abgeschlossenes Abkom­men drastisch beeinflussen würden.

Balbo-Geschwader in Ghoal Harbonr gewassert Newyorl, 26. Juli.

Las italienische Fluggeschwader ist am Mittwoch 17.10 Uhr iMEZ.) in Shoal Harbour (Neufundland) gewassert. General Balbo und seine Flieger wur­den von der Bevölkerung begeistert empfangen.

Dr. XVsItlisr kkrirner:

Die VorZsscliielitS des kirimer-kirtselies

Bis heute hat der frühere Bundesführer des österreichischen Heimatschutzes, Dr. Walther Psri- mer, geschwiegen über die Gründe des Zusam- menbruchs seines Putsches am 12./13. Septem­ber 1931.

Nunmehr wird uns ein Memorandum zur Verfügung gestellt, in dem Dr. Pfrimer in nüchterner, aber um so aufschlußreicherer Form die Vorgeschichte des „Pfrimer-Putsches" im September 1931, der der erste Versuch der nationalen Erhebung in Oesterreich war, dar­stellt. In diesem Sinne interessiert diese Dar­stellung gerade heute in den Tagen des gewalti­gen Emporringens der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich. Die Darstellung Psri- mers zeichnet sich auch dadurch aus, daß sie rein objektiv gehalten ist und keinerlei Angriffe auf Personen enthält. Der Leser allerdings erfaßt sofort, daß der Zusammenbruch der Aktion vor allem die Schuld des Fürsten Starhemberg und des Major Prankh war, die ihr Wort nicht ge­halten haben. Es tritt mit eindrucksvoller Klar­heit die Tatsache zutage, daß dieselben Männer, die damals den ersten Versuch der Erhebung durch Verrat sabotierten, auch heute als die schlimmsten Feinde den Nationalsozialismus in Oesterreich mit allen Mitteln zu unterdrücken versuchen.

Das Memorandum Dr. Psrimers

Bei Uebernahme der Bundessührung im April 1931 war es mir klar, daß die politische Lage zu entscheidenden Schritten drängte, daß aber auch die ganzen Verhältnisse eine Entscheidung verlangten. Der erste Schritt der Bundesfüh­rung ging dahinein allen Ländern die Unter­führer auf die ganze Lage und die notwendige

Entscheidung aufmerksam zu machen, und von ihnen die ehrenwörtliche Erklärung zu verlan­gen, bedingungslos hinter dem Führer zu stehen und allen seinen Befehlen restlos nachzukommen oder aber die Stellen niederzulegen.

Es wurden daher auch in den Ländern Ober­österreich, Salzburg, Kärnten, Steiermark, Nie- derösterreich und Ästen, Burgenland Führerver­sammlungen abgehalten, die Unterführer auf den Ernst der Lage aufmerksam gemacht und ihre Entscheidung, ob sie mitgehen oder Stellen zurücklegen wollen, verlangt. Der überwiegende Teil gab die ehrenwörtliche Erklärung ab, nur ein kleiner Teil erklärte, sich nicht binden zu können. Es war also jedem Unterführer von vornherein klar, daß entscheidende Ereignisse im Anzug seien. Keiner konnte behaupten, über die Lage und die Notwendigkeit einer Entschei­dung im unklaren geblieben zu sein.

Es wurde von mir besonders betont, daß da­nach getrachtet werde, die Sache mit Hilfe bzw. unter Duldung der Exekutive, zu machen, daß man aber auch gezwungen sein könnte, ohne, ja sogar gegen die Exekutive die Sache machen zu müssen. Es konnte sohin kein einziger Unter­führer im unklaren sein darüber,, daß die ganze politische und wirtschaftliche Lage eine Entschei- oung notwendig mache.

Im Juli 1931 fand in Wels eine derartige Tagung der oberösterreichischen Führer in Ge­genwart des beurlaubten Bundesführcrs Star­hemberg statt, an der insbesondere der mili-. tärische Leiter von Oberösterreich, General. Puchmayr, Stableiter Major Mayr teilnahmen.

Alle Führer erklärten ehrcnwörtlich und durch schriftlichen Revers, sich nach Kenntnis der Sach­

lage bedingungslos den Anordnungen zu fügen.

Auch Graf Coreth und Graf Revethera, die anfangs den Revers nicht unterschreiben wollten, unterschrieben und erklärten auch mündlich.mir die treueste Gefolgschaft. Kapitänleutnant Lothar Gärtner aus Ried im Jnnkreis erklärte, nicht mittun zu können und seine Stelle niederzulegen. Aehnliche Führertagungen mit gleichem Ergeb­nis fanden in Salzburg, Kärnten, in Wien für Wien und Niederösterreich, in Steiermark und im Burgenland statt. Nachdem so die ganze Führerschaft auf die Entscheidung eingestellt war, wurde es notwendig, die Vorbereitungen für die Durchführung zu treffen.

Inzwischen waren die Ereignisse mit dem ZusammenbruchderCredit-Anstalt eingetreten. Nur die acht Heimatblock-Abgeord­neten stimmten auf Befehl der Bundesführung gegen die Uebernahme der Staatshaftung und stellten entsprechende Anträge. Von der Bundes­führung wurde, ein Volksbegehren in Umlauf gebracht, das die Verhaftung und Bestrafung der Schuldtragenden und die Haftung der Regie- rungs-Mitglieder sowie der Nationalräte, die für das Credit-Anstalt-Gesetz stimmten, verlangte. Es unterschrieben nach Auflegung des Volksbe­gehrens die Angehörigen aller Parteien, auch die Marxisten, bis. die Weisung der roten und schwarzen Parteileitungen kam, gegen das Be­gehren Stellung zu nehmen. Es wurde mit allen Mitteln getrachtet, die Bevölkerung von der Unterschrift abzuhalten. Der Bundesfüh- rupg standen gar keine Geldmittel zur Entfaltung einer entsprechenden Agitation und Werbung für die.Unterschriften zur Verfügung. Trotzdem wur­dest in kurzer Zeit etwa 400 000 Stimmen auf­gebracht. Die wirtschaftlichen Nöte wurden im­mer größer, und die Bundessührung wurde von allen Seiten ersucht, endlich einen entscheidenden Schritt zu unternehmen.

Im August fanden dann zwei Besprechungen wegen der kommenden Gestaltung statt, an denen auch der beurlaubte Bundesführer Starhemberg, did Nationalräte Lengauer und Hainzl und an­dere Führer teilnahmen. Es wurden in der Zeit vom 2. bis 5. September 1931 alle jene gesetz­lichen Maßnahmen, die schon vorbereitet waren, durchgesprochen und redaktionell fertiggestellt, die in politischer und besonders wirtschaftlicher Hin­sicht notwendig waren; insbesondere wurde auch eine Verfassungsreform nach dem seinerzeitigen Entwurf Bundeskanzlers Schobers fertiggestellt, die durch Volksabstimmung genehmigt werden sollte.

Hauptmitarbeiter waren Sektionschef i. R. Dr. von Renkin (Bundeskrankenkassen-Prä- stdent), Ministerialrat Dr. Erich Bandl, Landtagsabgeordneter und Gendarmerie-Ober­inspektor Meißner, Dr. Arnold von Lichen (Gendarmerie-Vizedirektor Steiermarks, der­zeitiger Sicherheitskommissar von Tirol), Forst­rat Ingenieur Franz Seiln er, Dr. von Günther, Pannhofer, Gf. Lamberg u. a. m. Auch in militärischer Hinsicht wurden alle schon seit langem gegebenen Befehle noch­mals durchgesprochen und ab 4. September 1931 ständige Bereitschaft aller Führer des gesamten Heimatschützes angeordnet. Auch mit den ver­schiedenen maßgebenden Heeresstellen und Stel­len der Gendarmerie-Kommandos waren durch geeignete Mittelspersonen die entsprechenden Vereinbarungen getroffen worden.

Am 4. September 1931 fand die entscheidende Bundesführersitzung statt, in der die ganze po­litische und wirtschaftliche Lage durchgesprochen wurde.. .

Damals waren alle .Landessührer und der be­urlaubte Bundesführer Starhemberg der Auf­fassung, daß es zu einer Entscheidung kommen müsse, und daß die Bundespräsidentenwahl, die

Wiedererwache«

-es Frieknwms

Bremen, 26. Juli

Umibrcmdet von den Wellen des Isselmseres, wie die Zuiderzee seit der Fertigstellung des großen Abschlußdeich,es im vergangenenJahre heißt, im Süden und Westen und von den gefährlichen Wogen der Nordsee im Norden, begrenzt von der leicht gewellten Heide der Provinz Drente im Südosten und von der dicht bevölkerten Provinz Groningen durch Moore geschieden, so liegt die holländische Provinz Fries-land mit ihren grünen Weiden, ihren wuchtigen alten Dorskirchen und ihren über das Land verstreuten großen und kleinen Bauernhöfen in ihrer kerngermanischen Eigene art inmitten der anderen niederländischen Provinzen.

Hier hat sich die friesische Bevölkerung rein zu erhalten vermocht, wenn auch die alte friesische Sprache Jahrhunderte hindurch nur die Rolle eines Dialektes spielte. Blane Augen und goldblondes Haar sind das Kenn­zeichen dieser Bevölkerung, die schon den Römern Bewunderung abzwang. Die Ver­wandtschaft mit den deutschen Nordsriesen an der Westküste Schleswig-Holsteins ist un­verkennbar. Dazwischen hat sich seit den Tagen der Völkerwanderung in der Provinz Groningen, die sich bis an die Grenze von Deutsch-Ostfriesland erstreckt, eine sächsische Bevölkerung geschoben, die auch ihren Einfluß bis weit in das deutsche Ostfriesland bemerk­bar macht.

Es ist die Tragik der Friesen, daß sie niemals zu. einer eigenen Staatenbildung gelangt sind. Noch bis in das 15. Jahrhun­dert hinein sind Versuche dieser AA uniso­no Minen worden; die Geschichte der Häupt­linge von Jev-er im heutigen Oldenburg und der Schlacht auf den wilden Aeckern bei Leer legen davon Zeugnis ab. Nachdem dann aber erwgültig die alte Herrschaft Groningen an Burgund und Ostfriesland an Deuisch- lland gefallen war, bestand seit der Mitte des 15. Jahrhunderts eine politische Grenze zwischen den teils deutsch, teils niederländisch gewordenen Angehörigen eines und des­selben Stammes, die seither nicht mehr ver­schoben worden ist. Die niederländischen Frie­sen verloren bereits vorher durch die Sturm­flut von 1287, wo die Landbrücke zwischen den heutigen Provinzen Nordholland und Friesland zerrissen wurde, einen großen Teil ihres Gebietes. Viele Tausende kamen da­mals in den Fluten um, und die abgetrennten Friesen der Provinz Nordholland wurden zu Holländern im engeren Sinne des Wortes.

Mit dem Auskommen der neuholländischen Schriftsprache im 15. Jahrhundert hat diese auch bald in Friesland, das durch seine Lage Wirtschaftlich an die übrigen niederländischen Provinzen gebunden war, Eingang gefunden. Die friesische Sprache blieb auf das Land und die Handarbeitende Bevölkerung be­schränkt, während alle Gebildeten einschließ­lich der Kaufmannschaft holländisch sprachen. Der Zusammenhang mit den Friesen in Deutschland, bei denen die neuhochdeutsche Sprache eine ähnliche Rolle spielte, ging verloren. Wohl lebten die allen Lieder und Dichtungen in der Erinnerung weiter, aber Jahrhunderte hindurch wurde kein frie­sisches Buch von Bedeutung geschrieben.

Erst mit dem Aufkommen der Germa­nistik im 19. Jahrhundert begriffen die Sprach gelehrten, welch einen Verlust das Verschwinden der friesischen Sprache für die germanische Sstrach- und GeschichtZsorschung

auf den 18. Oktober 1931 festgesetzt war, nicht durchgeführt werden dürfe.

Es bestand nstmlich die Gefahr, daß ein Roter oder der damals ganz links orentierte Schober in der Stichwahl die Mehrheit erlangen würde, zumal die von den Christlichsozialen in Ansicht genommene Kandidatur Seipels für die Präsi­dentenwahl für die Mitglieder des Heimat­schutzes untragbar war. Die Bundessührung beabsichtigte ursprünglich, sich an den Grafen Gleispach zu wenden als nationalen Kandidaten bzw. den militärischen Führer, General Hülgert, aufzustellen, ist aber davon abgekommen, weil es sonst zu einer Stichwahl zwischen Seipel und den Roten gekommen wäre, die dann im letzten Augenblick den Kanzler Schober vorgeschoben hätten, der auch mit Hilfe der Roten die Mehr­heit erlangt hätte.

Es bestand aber auch die Gefahr, daß sich die christlichsozialen Kreise in Kenntnis der bestehen­den Gefahr in der Präsidentschaftswahl ent­schließen könnten, eine autoritäre Regierung auf­zumachen und den Heimatschuß als Sprungbrett zu benutzen, der ja dann nicht gegen eine solche Regierung, die den Parlamentarismus beseitigen würde, auftreten konnte. Es bestand dabei be­reits die Gefahr, daß sich dann unter Ausschal­tung jeglichen Einflusses des Heimatschutzes eine völlig schwarze legitim! st ische Regierung einrichten würde.

Schließlich war die wirtschaftliche LagevonTagzuTag schlechter, ohne daß wirklich eingreifende Maßnahmen zur Be­hebung der Arbeitslosigkeit, der Hebung der Konsumkraft und Behebung der Wirtschaft zu erwarten waren.

Deshalb haben am 4. September 1981 alü Landes- und militärischen Führer einstimmig beschlossen, es müsse vor dem 18. Oktober der entscheidende Schritt getan werden.

UortjetziM MG.