Ausgabe 
(21.7.1933) Nr. 192
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irr. 192 . Jahrgang 1S3S

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Bremen, Freitag, den 21. Juli 1833 Einzelpreis 15 Vfg.

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LeliAiössr krleäs IisrZostsIlt:

Feierliche Unterzeichnung -es Konkordates

Nie Münchener Staatü- männerbeiprechung

zwischen Hitler, Henderson und von Neurath.

München, 20. Juli.

Reichsaußenminister Freiherr von Neurath traf am Donnerstag um 18.28 Uhr mit dem FD-Zug aus Berlin in München ein. Um 19.30 Uhr traf der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, von Prag kommend, im Kraftwagen in München ein und stieg mit den Herren seiner Begleitung im Hotel „Bayrischer Hos" ab, das ihm zu Ehren die englische Nationalflagge gehißt hatte. Reichskanzler Adols Hitler war bereits am Mittwoch abend in München anwesend.

Bor dem Braunen Hause, wo die Beratungen statt­finden sollen, hatte sich im Laufe deS frühen Nach­mittag in Erwartung der Staatsminister eine große Menschenmenge eingesunken, die geduldig bis zum Abend ausharrte.

München, 20. Juli.

Amtlich wird mitgeteilt: Donnerstagabend fand zwischen 20 und 21 Uhr im Hotel „Re­ginapalast" in Gegenwart des Reichsautzen- Ministers die Zusammenkunft zwischen dem Reichskanzler und dem Präsidenten der Ab­rüstungskonferenz, Henderson, statt. In der Un­terhaltung wurden die in den Besprechungen in Berlin noch offengebliebenen Punkt« eingehend erörtert.

Hierzu erfährt die „Telegraphen-Union" von unterrichteter Seite, noch folgendes:

Durch die Besprechungen in Berlin und in München, in welchen der deutsche Standpunkt zu den von Herrn Henderson bei der Vertagung der Abrüstungskonferenz in Genf skizzierten Punkten eingehend dargelegt wurde, ist die Möglichkeit gegeben, mit dem Ziele der Erreichung eines Abkommens den Meinungsaustausch über die Abrüstungsfragen fortzusetzen. Die von Herrn Henderson in Berlin der Presse gegenüber als wünschenswert bezeichnete Zusammenkunft zwi­schen dem Reichskanzler und Daladier dürfte noch eine weitere diplomatische Vorbereitung erforderlich machen.

Der Reichsparteitag der NSDAP. in Nürnberg

Berlin, 20. Juli

Ueber die Durchführung des Reichsparteitages der NSDAP., der am 2. u-nd 3. September in Nürnberg stattfinden wird, sind vielfach unzutref­fende Meldungen verbreitet worden. Es ist nicht geplant, die gesamte Parteigenossenschaft der NS DAP. in Nürnberg zusammenzuziehen, sondern es wird sowohl die SA. und SS. wie die Hilter-Ju- «end und die Amtswalterschaft der Partei und NSBO. nur ein bestimmtes Teilnehmerkontingent zum Parteitag nach Nürnberg entsenden.

Jeder Teilnehmer erhält eine Teilnehmerkarte, ohne die ein Besuch des Parteitages verboten sein wird. Diese Maßnahme ist notwendig, um eine Zusammenballung zu großer Menschenmassen in Nürnberg, die technisch unmöglich sind, zu ver­meiden.

Durch öffentliche Uebertragungen aus Nürnberg wird aber ganz Deutschland diesen Tag miter­leben.

Vapen und VaeeM unterschreiben

Rom, 20. Juli.

Am Donnerstag, gegen Mittag, wurde in den Räumen der Vatikanischen Staatskanzlei das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich durch Vizekanzler von Papen »nd Kardinalstaatssekretär Pacelli unterzeichnet. Der feierlichen Handlung, die einen der wich­tigsten Politischen Schritte des jungen Deutsch­land festlegt, wohnten noch bei: Ministerial­direktor Dr. Buttmann vom Reichsinnenmini­sterium und in Vertretung des deutschen Bot­schafters beim Vatikan, Botschaftsrat Klee, sowie Monsignore Pizzardo vom Vatikanischen Staats­sekretariat.

Der Papst empfing von Papen.

Rom, 20. Juli.

Nach der Unterzeichnung des Konkordats über­reichte Kardinalstaatssekretär Pacelli dem deut­schen Vizekanzler von Papen das Großkreuz des Pius-Ordsns. Ministerialdirektor B u t t m a n n er­hielt das Lichtbild des Papstes mit eigenhändiger

Berlin, 20. Juli.

Der Sonderberichterstatter der „Hamburger Nach­richten", der „Schlesischen Zeitung" und „Allgemei­nen Zeitung" Chemnitz, Georg Dertinger, der als einziger Journalist den Vizekanzler von Papen im Sonderflugzeug nach Rom begleitet, hätte Donners­tagmittag kurz nach der Unterzeichnung des Konkor­dates folgende Unterredung mit dem Vizekanzler:

„Sie haben, Herr Vizekanzler, so fragte Dertinger, soeben einen Vertrag mit dem Heiligen Stuhl unter­zeichnet, wie er mir in der deutschen Ge­schichte einzigartig erscheint. Aus der These und Anti­these von Kirche und Staat ist in diesem Abkommen eine harmonische Synthese geworden. Ist hiermit nicht endlich ein Weg gefunden worden, der Staat und Kirche überhaupt auf völlig neuer Grundlage einer friedlichen Zusammenarbeit entgegenführen kann?"

„Gewiß, erwiderte der Vizekanzler, der Liberalis­mus forderte eine Trennung von Kirche und Staat und hat in Wirklichkeit einen unfruchKaren Kampf zwischen beiden heraufgeschworen. Während seiner Herrschaft sind beide nicht nur einander entfremdet, sondern völlig verfeindet worden. Erst den neuen Politischen Anschauungen, wie sie in Deutschland zum Durchbruch gekommen sind, gelingt es wieder, eine ersprießliche Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche zu gewährleisten. Es ist ja gerade das Wesen der Gtaatsibecn, wie sie in Italien und Deutschland herrschen, daß alle lebensfähigen Kräfte, so auch der Kirche, mit dem Staat zusammenarbeiten sollen."

„Hiernach ist es", so fraget Bertinger, doch wohl

Unterschrift. Ferner wurden verliehen: dem Ober­regierungsrat von Böse der Komtur deS Gre- gorius-Ordens, Oberregterungsrat von Tschiers. k y der Komtur des Sylvester-OrdenS.

Vizekanzler von Papen überreichte seinerseits als Geschenk des Reiches dem Kardinalstaatssekretär eine Madonna aus Meißener Porzellan, dem Unterstaats­sekretär Erzbischof Pizzardo ein Gemälde des deutschen Professors Frank und dem Unterftaatssekretär Otta- viani einen silbernen Teller mtt Reichsadler und Widmung.

Anschließend empfing Papst PiuS XI. den deutschen Vizekanzler in einer Privataudienz, die etwa zwanzig Minuten dauerte. Bei dieser Gelegenheit stellte Herr von Papen dem Papst den Ministerialdirektor Dr. Buttmann vor, mit dem sich dieser längere Zeit unterhielt.

Besuch bei Mussolini

Rom, 20. Juli.

Am Donnerstagabend stattete Vizekanzler von Papen dem italienischen Regierungschef im Palazzo Benezia einen Besuch ab Bei dieser Gelegenheit überreichte er als Geschenk eine Büste Friedrich des Großen in Meißener Porzellan, worüber sich Musso­lini außerordentlich erfreut zeigte.

als eine historische Tatsache anzusehen, daß erst der Weg der nationalsozialistischen Revolution die Vor­aussetzungen zu der jetzt erfolgten ehrlichen und vor­urteilsfreien Verständigung zwischen Staat und Kirche schuf?"

„Zweifellos", erwiderte Vizekanzler von Papen, „der nationalsozialistische Staat will ja das Volk auf völlig neue Grundlagen stellen, von denen die christlichen Lehren und ihre Kirchen besonders wichtig sind.

Es ist daher ganz natürlich, daß mit dem Sieg der nationalsozialistischen Revolution sofort der Versuch zu einer vorurteilslosen und ehrlichen Verständigung mit den christliche» Kirchen ge­macht wurde, der vor der nationalsozialistischen Revolution völlig aussichtslos gewesen wäre."

„Bei der allgemeinen grundsätzlichen Bedeutung des Kirchenvertrages", so fragte der Berichterstatter weiter, „darf man doch wohl annehmen, daß das Konkordat als Norm auch für die Beziehungen zwi­schen dem Reich und der evangelischen Kirche an­gesehen werden kann, soweit nicht durch das Ver- fasfungswerk bereits die Besonderheiten der evan­gelischen Kirche ihre Berücksichtigung gefunden ha­ben."

„Sicherlich", erwiderte Vizekanzler von Papen, „auch die katholische Kirche hat den Wunsch, daß der evangelischen Kirche die gleichen Sicherheiten für die Arbeit gegeben werden, wie eS für die katholische Kirche im Konkordat der Fall ist. Die

hier getroffene klare Abgrenzung der Einfluß­sphären zwischen Staat und Kirche muß natur­gemäß auch für die evangelische Kirche gelten."

„Die Verträge", so bemerkte Dertinger, „die der Heilige Stuhl mit den Mächten abschließt, werden als internationales Ereignis immer besonders hoch bewertet. Die Bereitwilligkeit des Heiligen Stuhles, mit dem neuen Deutschland ein Abkommen zu schlie­ßen, darf doch wohl ohne Uebertreibung als eine grundsätzliche Anerkennung dafür betrachtet werden, daß das neue Deutschland ein besonders starkes Boll­werk gegen Bolschewismus und Gottlosigkeit ist und in vorbildlichem Maße sich die Festigung und Ver­breitung des Christentums in Mitteleuropa zur Aus­gabe macht?"

Vizekanzler von Papen antwortete: „Der Vatikan ist ohn« Zögern an das BertragSwerk mit dem neuen Deutschland herangegangen, in der Ueberzeugung, daß der Kamps gegen den Bolschewismus «nd die Gottlosenbewegung eine lebensentscheidende Aus­gabe ist, daß die Kirche jÄem ihre Unterstützung leihen muß, der sich diese Aufgabe gestellt hat. In diesem neue» Deutschland ist ihr ein besonders Par­ker und wichtiger Faktor entstanden."

Zum Schluß sagte Dertinger, daß vor wenigen Tagen der deutsche Botschafter von Hasse! die Unterschrift Deutschlands unter den Friedenspakt des italienischen Regierungschefs Mussolini gesetzt habe. Jetzt sei, wenige Lage später, ebenfalls aus römischem Boden, das Abkommen mit dem Heiligen Stuhl zu- stände gekommen. Ist eS nicht richtig, wenn man ver­mutet, daß dieser Zusammentreffen in der Haupt­stadt des Faschismus mehr sei als eine Zufälligkeit, nämlich der Ausdruck für die geistige Revolution, die in Europa sich vollzieht und in Deutschland und Italien bereits ihren segensreichen Friedenschluß mit der römischen Kirche gemacht hat. Mrd durch diese Verträge nicht überhaupt eine neue Zeit in Europa eingeleitet?"

„DaS Zusammentreffen", so bemerkte zum Schluß Vizekanzler von Papen, „ist selbstverständlich mehr alS ein Zufall. Es ist der Beweis dafür, daß von diese« beiden Ländern umwälzende Idee« ausge­gangen sind, aus denen das neue Europa ausgebaut werden soll. Infolgedessen finden sich diese beiden Länder, obschon sie außenpolitisch verhältnismäßig wenig direkte Berührungspunkte haben, besonders stark in ihrer inneren geistigen Verwandtschaft. Bor allem aber zeigt fich hier als entscheidendes befruch­tende? Element für die sich anbahnende Neuordnung Europas die Tatsache, daß Italien und Deutsch­land je nur von einem Mann regiert werden und nicht von Parlamenten, Kabinetten und Parteien. Die Entscheidungen dieser Persönlichkeiten bedeuten heute Weltgeschichte."

Ostpreußen tütirt

Die erste deutsche Provinz ohne Arbeitslose Bremen, 20. Juli.

Schon mehrfach ist in der deutschen Ge­schichte vom Osten her der Anstoß zur be­freienden Tat gekommen. In Ostpreußen wurde 1813 das Signal zum Freiheitskampf gegen den französischen Eroberer gegeben- Vom Osten her, von der alten Ordensstadt Königsberg, richtete der Kanzler des natio­nalen Deutschland den letzten Appell an die Nation, die Ketten des Marxismus und feiner Mitläufer für immer zu zerbrechen und fich zu dem neuen Deutschland der Ehre und Freiheil, der Einigkeit und des Wiederauf­stiegs zu bekennen. Und es war dec deutsche Osten, der schon seit Jahren an der Spitze im Kampfe für das nationale Deutschland mar­schierte und der sich auch in jener umwälzen­den Märzwahl mit überwältigender Mehr­heit zu Adolf Hitler bekannte, dessen über­ragende Führerpersönltchkeit wieder neue Hoffnung in die Herzen von Millionen ver­zweifelter und entwurzelter Volksgenossen hat einziehen lassen.

Es ist fast wie ein Symbol, daß jetzt auch in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Ost­preußen mit gutem Beispiel vorangegangen

S PI2. Usclaktsur

2 Tage unerkannt als Schutzhästling

im Nonrenlrallons iatzsr I^lipisr

(Ausführlicher Bericht in unserer Sonntagsausgabe)

ist. Zwei oftpreußischen Kreisen ist es ge­lungen, die Geißel der Arbeitslosigkeit zu überwinden. Die Kreise Pillkallen und Preußisch-Eylau sind die ersten in Deutsch­land, die sämtliche Arbeitslose wieder in Arbeit und Brot gebracht haben. Das ist ein Erfolg, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. In Pillkallen find nicht nur alle Arbeitslosen restlos untergebracht, sondern es können in den nächsten Wochen Erwerbslose auch aus anderen Kreisen übernommen wer­den. In der Hauptsache werden Wegebauten und Entwässerungsarbeiten durchgeführt. Die Finanzierung wird so grhandhabt, daß die Gemeinden und Genossenschaften die Ver­pflegung und Unterbringung der Arbeiter gewährleisten, während der Kreis aus be­sonderen Mitteln die Löhne zahlt Gleich­zeitig ist bekannt geworden, daß bis spätestens 1. August der gesamte Regierungsbezirk Allenftein von Arbeitslosen freigemacht wer­den soll, und daß in etwa 4 Wochen auch iw Regierungsbezirk Gumbinnen die Arbeits­losigkeit beseitigt sein soll. Ueberhaupt hofft man, bis zum 1. Oktober die Erwerbslosigkeit in der gesamten Provinz Ostpreußen über­wunden zu haben.

Ostpreußen, das Land ohne Arbeitslosig­keit! Wer hätte das wohl jemals zu den Zeiten für möglich gehalten, als noch das System der Roten und Schwarzen am Ruder war. Damals war Ostpreußen die Leidens-

Vapen berichtet Aber feine Verhandln««»

Ein interessantes Interview nach der Unterzeichnung

bankrott 6er 2. Internationale

Die sozialistische Pattei Frankreichs in der Auslösung Katastrophenstimmmung auf dem Pariser Parteitag.

(Eigenbericht der BNZ.)

Mit Riesenschritten geht die 2. Internationale ihrem vollständigen Bankrott entgegen. In Italien und Deutschland haben die Marxisten restlos und für alle Zeiten Pleite gemacht. Im britischen Un­terhaus sind die Sitze der Labour-Partei bereits bei den Wahlen im Oktober 1931 von rund dreihundert auf fast ein Zehntel zusammengeschmolzen. Im kommunistischen Sowjetrußland ist für die 2. Inter­nationale kein Platz. „Letzte Bastion und Zuflucht ist die sozialistische Partei in Frankreich". Der bel­gische Sozialistenführer muß es ja wissen; denn er hat die zweifelhafte Ehre, dem jammervollen Trüm­merhaufen der 2. Internationale vorzustehen.

Seitdem die Regierung Daladier im Amte sitzt, ist die sozialistische Partei Frankreichs praktisch ge­spalten. Die einen wollen das radikalsoziale Ka­binett, das im Parlament auf Hilfe von rechts oder links angewiesen ist, unterstützen, um sür die sozia- Wische Partei zu retten, was noch zu retten ist. W- anderen suchen das Heil in einer wütenden Opposition. Persönlicher Ehrgeiz und Eifersucht spielen dabei eine nicht geringe Rolle. Die eifrigsten Verfechter der Regierungs-Stützung erhoffen für sich ein einträgliches Ministerpöstchen. Die Anhänger der Opposition dagegen mißgönnen ihren Parteifreunden ein solches Glück und können es dann noch eher ertragen, wenn politische Gegner sich an den Mi- nisterpsründen bereichern.

Vier Tage lang wurde von morgens 9 Uhr bis nach Mitternacht darüber hin. und hergeredet, ob das regierungslüstcrne Verhalten derjenigen Abge- ordneten, die den Ministerpräsidenten durch Wer- trauensvoten erfreuten, zu tadeln oder mit Still- schmelzen zu übergehen sei. In diesem Wettstreit der

Worte trat die ganze jämmerliche Verwirrung der marxistischen Geister zutage. Aus allen Reden sprach die schreckliche Angst, daß es eines Tages auch mit der Partei gegen den faschistischen Feind im Innern könnte.

Die einen forderten radikale Abrüstung, die an­deren Waffen, um den Faschismus mit Gewalt zu bekämpfen. Hier setzte sich ein Parteidelegierter für die Revision der Friedensverträge ein, dort wollte ein anderer aus sicherster Quelle wissen, daß man in Deutschland fieberhaft für einen Revanchekrieg gegen Frankreich rüste. Vincent-Äuriol, ein dicker Partei-. bonze mit krächzender Stimme, beschwor die Ver­sammlung, militärische Organisationen zum.Schutze der Partei gegen den faschistischen Feind m Innern zu gründen.

Zu den wüstesten Schimpfereien kam es zwischen ' den Verfechtern der „reinen" marxistischen Lehre ' und den Opportunisten des rechten Flügels der Partei. Die Wortführer der letzteren sind Renaudel und Marquet. Renaudel antwortet auf die gegen ihn hagelnden Vorwürfe immer nur: „Ich verlasse die Partei erst dann, wenn ihr mich rausschmeitzt!" Marquet, seines Zeichens Bürgermeister des „roten" , Bordeaux, ist ein übertrieben, modisch gekleideter Lebemann, der vor allem Wert darauf legt, in den Salons der von ihm betrauten' Stadt eine allseitig beachtete Rolle zu spielen. In seiner Rede . auf dem - Parteitag behauptete,er, daß sich die sozialistische Partei in Frankreich nur dann halten könnte, wenn sie sich sür einen „starken und, autoritären ^ Staat" ^ und einen „ständischen Aufbau -in der Wirtschaft" einsetzte. ^ .

Man kann es verstehen, daß-in der-Versamm­

lung von allen Seiten der Schreckensrus ertönte: „Das ist ja reinster Faschismus!" Und der Partei­führer Lösn Blum, Zionist und gutbezahlter Rechts- Leistand der großen Pariser Warenhäuser, schüttelte sich und rief: „Ich bin entsetzt!" Doch der Salon- Sozialist wollte dem Publikum auf den Tribünen, zeigen, daß er ein Held sei, und fuhr sott: „Gestehen wir uns ein, daß gewisse Ideologien des 19. Jahr­hunderts heute überlebt, sind". Und weiter: „Wir werden nur dann unsere Wähler behalten und neue - hinzubekommen, wenn sich die sozialistische Partei in­mitten des allgemeinen Chaos, wo alles bankrott macht — von der Staatsversassung bis zu den inter­nationalen Verständigungsversuchen, als ein Pfeiler

der Ordnung erweist."

Ein heilloser Spektakel war die Folge. Fäuste reckten sich in die Höhe. Aus den Tribünen ein Pfeif- konzert. Laute in schlechtem Französisch, von El- sässern und deutschen Emigranten. Zwischendurch die kreischenden Worte des elsäjsischen Juden Grumbach: „Ihr seid mir schöne Revolutionäre!" Schließlich sang die eine Hälfte der Versammlung stehend und .mtt mächtigem Stimmenaufwand die Internationale, gleichsam als wollte sie damit alle Bedenken und Aengste übertönen und totschrsien. Die andere Hälfte blieb zum Protest sitzen und verharrte in verbissenem Schweigen. In beiden Gesten offenbarte sich die ganze Katastrophenstimmung dieses öden Patteitages.

^utostraken im ksßckistizcken Italien .

Von I. M.

Seitdem das gewaltige Autostraßenbauprojekt der Re-chsre^ierung durch die gesetzliche Formulierung zur Tatsache geworden ist, ist dieses Problem zum, aktuellen Thema geworden, das weite-Volkskreise auch außerhalb des Automobilsports und der krast- fahrzeugbauenden Industrie interessiert. Bekanntlich hat sich die Reichsregierung die vieljährigen italieni- schen Erfahrungen auf diesem Gebiete zu Nutze ge- macht. Einige erläuternde Ausführungen über das im faschistischen Italien vorhandene Autostraßennetz dürften deshalb, gegenwärtig, besonders aktuell sein.

, Schon das alte Rom spannte-ein engmaschige?Metz großartiger Verkehrsstraßen über die^ damalige antike Welt.und verband so seine Kolonie mittdem Mutter- land und . seiner stolzen Hauptstadt Roma AeternS. Auch Mufloliüi, der. wettschauende Staatsmann, er- kannte sehr ibäld„ daß Straßen als'völkerverbind.en- des Mittel auchttn'unserem Jahrhundert, der Eiseni ' bahn, der Motorfahrzeuge und der. Flugzeuge ihre Bedeutung noch-nicht verlören haben.! Ihm gehört -

Wiesel, Rom

>daS Verdienst als Erster eingesehen zu haben, daß her Bau von Autostraßen das einzige Mittel dar­stellt, der mächtig emporstrebenden, in ihrer Entwick­lung nicht zu hemmenden Kra.ftfahrzeugindustrie hel- send unter die Arme zu greifen und den Kraftwagen selbst zum unentbehrlichsten Verkehrsmittel' zu machen.

Mussolini kann außerdem für sich den Ruhm be­anspruchen, in Europa der erste Erbauer vonwirk - I i ch en A u tostr aß en, d. h. von Autobahnen, die alle technischen Voraussetzungen erfüllen und alle Straßenverkehrsmöglichkeiten in sich vereinen, ge­wesen zu sein. -

Die wesentlichsten Vorzüge solcher Autostraßen gegenüber selbstchen modernsten Landstraßen sind ihre gerade kurvenfreie . Bahn, ihre große Breite, ihr homogener -und: doch widerstandsfähiger Unterbau, sowie. die-staubbindende Fähigkeit der Asphaltauf­lage, die selbst bei Regenwetter keinerlei Kotbildung zur-Folge:hat. -Dazu ik»v»meu dann »och die KNrsue

zuverlässige Markierung in Kilometern, die Strich­trennung der beiden Fahrbahnen, das Vorhanden­sein von Tankstellen in regelmäßigen Zwischen, räumen und von Reparaturwerkstätten in genau be­zeichneten Abständen, ferner die Umgehung von Ort­schaften und die Meidung von Bahnübergängen. Einen weiteren ungeheuren Vorteil bietet auch die strengste Fernhaltung von Fußgängern und Rad­fahrern und das ausdrückliche Benutzungsverbot solcher Autofahrbahnen für alle Fahrzeuge, die nicht von Motoren getrieben werden und dann vielfach noch die taghelle Nachtbeleuchtung durch große Scheinwerfer oder tausendkerzige Lampen.

Das faschistische Italien hat heute bereits ein um­fangreiches Netz solcher Autostraßen, die nur von Kraftwagen gegen Zahlung einer Benutzungsgebühr befahren werden dürfen und von einer eigenen Stelle, der „^.rienäs autonoma ckslla stracks stapele", ver­waltet werden.

Besonders Mailand ist mit solchen Verkehrsstraßen reich bedacht. Von dort aus fahren zunächst solche Kraftfahrzeugbahnen an die Seen am Fuß der Alpen und von da. in verschiedenen Abzweigungen weiter nach Bergamo und Brescia, andere wieder in die Industriestädte der äußeren Vororte. Das ganze Netz erreicht dort fast eine Länge von 140 Kilometern, das aus allen Teilen gebührenpflichtig ist.

Aus dem heiteren Florenz führt eine andere Auto­straße durch das malerische Toscana über die Hügel­kette von Serravalle-Pistoiese durch Tunnels, über kühne Viadukte nach Montecatini und dann weiter über Lucca nach Viareggio, dem Seebad der Florentiner.

Die bedeutendste und am meisten befahrene Auto­straße ist aber zweifelsohne die nur 23 Kilometer lange Via del Mare, die von Rom an die blauen Gestade des Tyrrhenischen Meeres geht und dabei auch das aus dem Dünensand ausgegrabene antike Ostia mit seinen altrömischen Bottegas, sei­nen Thermen und Tempeln berührt. Diese Straße ist in kurzen Abständ > des Nachts taghell