Ausgabe 
(20.7.1933) Nr. 191
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Nr. 191. Jahrgang 1933

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Bremen. Donnerstag, den 2V. Juli 1933 Einzelpreis 15 Vlg.

Anzeigen: hiesige die 14 gespaltene mm-Zeile (1.10, auswärts 0.12; im Lextteil 0.50, auswärts K! 0.70; Stellengesuche und Familienanzeigen 0.06; ionslige kleine Anzeigen 3LF 0.08. Platz- vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik. Ver­bot u.s. w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung d«S Bezugspreises.

omoerilllllimiW rIMWi e Zeiiuny

D<rs BmMoke OecrE dos Gemsls der Hrererr Bremern

voinM-rnssische Einigung gegen Ventkchlan-

Berlin, 19. Juli.

sllus Wien wird derGermania" geschrieben:

In dem Kampf, den die Diktatoren Europas um die künftige Gestaltung des Abendlandes führen, ent. faltet die französische Diplomatie eine fieberhafte Tätigkeit. Ihr Hauptbestreben geht dahin, das nati­onalsozialistische Deutschland unbedingt zu isolieren. Dieses Ziel wird auf allen Linien verfolgt: In England und Amerika sowohl wie in Oesterreich und in Polen.

Einen überaus bedeutsamen Abschnitt in diesem Ringen stellt ein Geheimoertrag zwischen Polen und Sowjetrußland dar. Mit ihm wird bezweckt, den Viermächtepakt zu paralysieren und die Verstän­digung, die sich zwischen Deutschland und Polen an­gebahnt hat. zu stören.

Der polnische Außenminister Beck, einer der mäch­tigsten Männer des Landes, steht bei diesen Be­strebungen bedingungslos auf feiten Frankreichs. Ueber den Inhalt des nunmehr perfekt gewordenen Geheimvertrages zwischen Polen und Sowjetrußland erfährt dieGermania" von ihrem russischen Sonder­berichterstatter folgende Einzelheiten:

Im Moskauer Polit-Büro gab der stellvertretend« Außenkommissar der UdSSR, Krestinskij, die Tat­sache des vollzogenen Geheimabkommens bekannt.

ES ist mit Wissen und Unterstützung Frankreichs zustandegekommen. Die Moskauer und Warschauer Regierungen werden durch den Ver­trag zu gemeinsamen Aktionen für den Fall ver­pflichtet, daß im Rahmen des Viererpaktes Entschei­dungen Zustandekommen, die entweder direkt oder indirekt die Interessen der beiden Vertragspartner verletzen könnten.

In einem Spezialprotokoll, das dieser Tage in Moskau unterzeichnet werden wird und dessen Wort­laut bereits feststeht, sind die Richtlinien festgelegt, nach denen ein gemeinsamer Kamps Polens und Eowjetrußlands gegenimperialistisch-chauvinistische Tendenzen des Deutschen Reiches" geführt werden soll. Nach den Erklärungen Krestinskijs im Polit- Büro sollNazideutschland" in erster Linie wirtschaft­lich bekämpft werden.

Im Falle eines bewaffneten Konfliktes zwischen Polen und dem Deutschen Reich würde Sowjetrußland nicht neutral bleiben, sondern Polen indirekt unterstützen, und zwar vor allem dadurch, daß ihm die Kriegsindustrie der Sowjetunion zur Verfügung gestellt und die Komin­tern angewiesen würden, im Sinne der Desorgani­sation des deutschen Hinterlandes tätig zu sein.

Ein Spezialartikel des genannten Ergänzungs- protokolls zu dem russisch-polnischen Geheimab­kommen steht auch weitgehende Maßnahmen gegen die ukrainisch-nationale Bewegung, die beiden Staaten sehr unangenehm ist, vor. - Sowohl Polen wie auch Sowjetrußland werden, in Zukunft dem ukrainischen Separatismus erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden und ihn gemeinsam bekämpfen, statt ihn, wie bisher im Nachbarlande, zu fördern.

Donnerstag Zusammenkunft HitlerHenberson Neurath in München.

Berlin, 19. Juli.

Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Hender- son, wird sich bereits am Donnerstag von Prag nach München begeben, um mit Reichskanzler Hitler zu­sammenzutreffen. Reichsaußenminister von Neurath wird zu dieser Aussprache nach München fahren.

Der Weite WpcsMche Kreis ohne

Arbeitslose

Ei« Telegramm des Gauleiters Koch an Reichskanzler Killer

An den Herrn Reichspräsidenten in Berlin, an den Herrn Reichskanzler in Berchtesgaden und den Herrn Preußischen Ministerpräsidenten in Berlin wurde nachstehendes Telegramm gesandt:

Der systematisch« Kamps gegen die Erwerbslosigkeit in Ostpreußen geht weiter:

Heute ist der zweite Kreis, Preußisch-Eylau, srei von Arbeitslosen. Auch dieser Erfolg wie der in Pillkallen, zeigt, daß es sich nicht um eine Zufalls- erschcinung handelt, sondern um die Früchte eines zähen und planmäßigen Ringens, das mit allen Kräften fortgesetzt wird.

Oberpräsident Koch,

G a u l e i t u n g."

DerVölkische Beobachter" feiert unter der SchlagzeileDer zweite ost- preußische Kreis srei von Arbeitslosen. Die Früchte eines zähen und plan­mäßigen Ringens" die Befreiungsarbeit des ostpreußischen Oberpräsidenten und Gauleiters Koch in einem ausführlichen Kommentar, in dem es heißt:

Der erste Lichtstrahl aus dem deutschen Osten. Das um seine Existenz so schwer ringende Ostpreußen geht dem ganzen Reiche mit gutem Beispiel voran. Ostpreußens Oberpräsident hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum 1. Oktober die gesamte Provinz erwerbslosensrei zu machen. In planmäßiger Arbeit wird dieses Ziel erreicht werden.

Königsberg, 19. Juli.

Wer Gelegenheit gehabt hat, mit eigenen Augen anzusehen, mit welcher ehr­lichen Begeisterung man sich aus die Nachricht von dem Ostpreutzen-Ausbauplan des Führers hin in die Arbeit gestürzt hat, die nur von dem einen Willen be­herrscht ist, das schier Unmögliche zu schassen, der hat an dem Gelingen des Planes keine Zweifel mehr. Vom ostpreußischen Oberpräsidium aus ist der Funke dieses begeisterten Schassenswillens aus die ganze Provinz übergesprungen.

Die Regierungspräsidenten, die Landräte, die Vertreter der Wirtschaft, des Handwerks und des Gewerbes sind alle von einem fieberhaften Eiser erfüllt. Man blickt wieder frohen Mutes in die Zukunft, und jeder trägt buchstäblich sein Letztes dazu bei, um den Ersolg sicherzustellen.

Neben diesen Arbeiten, die ja erst die Grundlage zu dem eigentlichen wirt­schaftlichen Ausbau der Provinz bilden sollen, sind die Vorbereitungen für die geplante Industrialisierung Ostpreußens in vollem Gange. Oberpräsident Koch wird dem Führer bereits in den nächsten Tagen mitteilen können, welche Maß­nahmen im einzelnen notwendig sind, um die Ausnützung der vollen Kapazität der ostpreußischen Industriebetriebe zu gewährleisten.

Man rechnet damit, daß die ostpreußische Industrie bei iüesem Stand« in der Lag« sein wird, schon in allerkürzester Frist SO- bis 60 909 Neueinstellungen vorzunehmen.

AÄtungl Evangelische

KMkNvMs«

Das Wichtigste ist, daß Jeder, gemäß dem Parteibefehl, sich s ofo rt in eine evangelische Gemeinde einträgt. Das kann bis heute Donnerstag nachmittag 3 Uhr geschoben Answeispapiere sind mitzubringen. (Tauf­schein, Trauschein oder andere Papiere) Zwar ist bekannt geworden, daß einzelne Gemeinden, in Sonderheit Stephuni, Schwierigkeiten bei der Eintragung machen. Sie bestehen nicht zu Recht. Diese Kftchen- wahl ist Volkswahl, in Bremen allerdings etwas gänzlich Neues. Gerade darum kommt es darauf an, daß jeder fest darauf bestellt, in die Wählerliste eingetragen zu werden Wer am Sonntag verreist, gibt einem Ver­wandten oder Freunde, der in derselben Ge­meinde wahlberechtigt ist, eine Vollmacht, die er sich von einer amtlichen Stelle (Polizei, Pastor) hat beglaubigen lassen. Diese Voll­macht kann etwa folgendermaßen lauten: Ich übertrage mein Wahlrecht für dft Kirchenwahl am 23. Juli 1933 an H-rrn (Frau. Frl.) L"- Darunter rechts Unterschrift und Datum, links Platz lassen für die Be­glaubigung. Der Verwandte oder Freund kann in diesem Falle dann doppelt wäblen und, zwar die Liste der Deutschen Christen.

Die Kreisleitung i. A. Albert Hoffnmnn

VoZrMcher MudseheLten-Zerrsr vor Gericht

Haag, 19 Juli.

Vor dem Ständigen Internationalen Ge­richtshof wurde heute der deutsche Antrag auf Erlaßt einer einstweiligen Verfügung im deutsch-polnischen Streitfall wegen der Agrarbeschwerde der deutschen Minderheit in Polen öffentlich verhandelt.

Der deutsche Vertreter, Professor Dr. B r u n s - Berlin, begründete den deutschen Antrag und betonte

daß das polnische Agrarreformgesetz dazu benutzt werde, die deutsche Min­derheit in Posen und Pommerellen stark zu benachteiligen.

Das Gesetz finde keine gleichmäßige An­wendung auf polnische Großgrundbesitzer und solche Großgrundbesitzer, die der deut­schen Minderheit angehörten. Da noch täg­lich neue Enteignungen vorgenommen wür­

den und die Gefahr bestehe, daß sich die pol­nischen Bauern auf den zu Unrecht enteigneten Landstrichen ansiedelten, erschien es notwen­dig, daß der Gerichtshof durch ein« einst­weilige Verfügung zumindest die Aufrecht­erhaltung des status quo bis zur endgültigen Entscheidung des Streitfalles zur Hauptsache anordnet.

Der polnische Vertreter bestritt in kurzen

Vonzenpeufioue« werden gestrichen!

Ein Erlatz der preußische« Regierung zur Nachprüfung der Bezöge

der RuhegehaltSernpsSnger.

Berlin, is. Juli.

Der preußische Finanzminister hat nunmehr im Namen des Ministerpräsidenten und der übrigen Staatsminister Durchführungs­bestimmungen zum Gesetz zur Wiederher­stellung des Berufsbeamtentums für die Bc. amten im Ruhestand und die Hinterbliebenen erlassen. Darin werden die Nachgeordneten Stellen ersucht, an Hand der Personalakten und sonstigen Unterlagen zu prüfen auf welche Ruhegehaltsempfänger die Voraus­setzungen des Berufsbeamtengesetzes über eine Streichung oder Kürzung der Bezüge zutreffen.

Auch die politische Betätigung während der Ruhestandszeit ist zu prüfen. Wenn fest­steht, daß ein Ruhegehältsempfänger nicht arischer Abstammung ist, Parteibuchbeamier war oder sich als politisch unzuverlässig er­wiesen Hai, ist das Erforderliche unverzüg­lich zu veranlassen. Eine mildere Behand­lung ist vorgesehen für Ruhegehaltsemp­fänger, die schon zum 1. April 1921 oder früher in den Ruhestand traten sowie für solche, die als Beamte des unteren oder mitt­

leren Dienstes nach 30jähriger Dienstzeit zum 1. April 1930 oder früher in den Ruheftano traten-

Ueberhaupt soll in erster Linie das Verhalten der ehemals leitenden Beamten geprüft werden. Bei den übrigen soll großzügig verfahren werden. Je gedrückter die wirtschaftliche Lage des Ruhegeldempfängers war, um so näher siegt bei ihm, wenn er sich vorübergehend gegen die Grundsätze der nationalen Erhebung betätigt hat, die Wahrscheinlichkeit, daß ihn von außen Einflüsse bestimmt haben und daß er nach Beseitigung dieser Einflüsse dem nationalen Staat in Treue ergeben sein wird.

Im übrigen empfiehlt der Minister Fühlungnahme mit den Gauleitern der NS. DAP., während dagegen Vorstellungen von anderer Seite, auch von örtlichen Stellen der NSDAP., erst den Gauleitern zur Stellung­nahme vorgelegt werden sollen. Gleiche Be­stimmungen sollen für Witwen und Waisen gelten. Dabei sind Abstammung und poli­tische Betätigung des verstorbenen Bamten maßgebend, nicht die der Hinterbliebenrn.

Die äeutseliS klaZZe In IsinZtau

2um kesuck 6es KreuzersKöln" in Is-ngtsu vom 2l. bis 5l. luli. Line Lrinnerunß sn 6en 5to1r un6 ßieftling cies ckeutsctten Volkes" im keinen Osten

(Schluß).

Das war am 1b. August!

Eine Antwort auf diplomatischem Wege wurde nicht gegeben. Die aber, die man gab, war deutlich genug.

Die Kämpfer von Tsingtau wußten, daß sie den Weltkrieg nicht zu entscheiden hatten, noch nicht ein­mal das Schicksal der Festung und der Kolonie. Aber sie wollten das sichere Ende vor Augen ! kämpfen bis zum letzten Blutstropfen, Leben und Land so teuer verkaufen, wie nur möglich!

Acht Tage kostbarer Zeit waren gegeben, Die Ver- teidigung wurde vorbereitet, die Infanterie-Vorwerke verstärkt, das Land im Umkreis und das Meer um den Hafen mit Minen verseucht . . .

Der Gouverneur an seine Leute!

Am 23. August, dem Tage, an dem das Ultimo- tum Japans ablief, erließ der Gouverneur zwei Auf. ruse, einen an die Festungsbesatzung, einen an die Bürger. Und weil sie schlicht und heroisch zu­gleich den Geist dieser Tage und dieser Männer wiederspiegein, sei wenigstens der erste im Wortlaut wiedergegeben:

An die Festungsbesatzung von Tsingtau.

Tsingtau, den 23. August 1914. Am 1b. August hat Japan Deutschland «in Ulti- matum gestellt, in dem die sofortig« Zurückziehung oder Entwasfnung aller deutschen Schiffe des Kreu- zergs'chwaders, sowie die bedingungslose Uebergabc Tsinztaus bis zum 15. September gefordert wurde- Frist zur Beantwortung der 23. August mittags.

Diese unc-hörtr Zumutung ist nach Form und In- halt gleicherweise beleidiaend.

Niemals werden wir freiwillig auch nur das kleinste Stück Erde hergeben, über dem die here Reichskriegsflagge weht. Von dieser Stätte, die wir mit Liebe.und Erfolg seit 17 Jahren zu einem klei­nen Deutschland über See auszugestalten, bemüht waren, wollen wir nicht weichen! Will der Gegner Tsingtau haben, so mag erkommen, es sich zu holen. Er wird uns auf unserem Posten finden!

Der Angriff auf Tsingtau steht bevor. Gut aus­gebildet und wohl vorbereitet können wir den Gegner mit Ruhe erwarten. Ich weiß, daß die Besatzung von Tsingtau fest entschlossen ist, treu ihrem Fahnen­eide und eingedenk des Waffenruhmes der Väter, den Platz bis zum Aeußcrsten zu halten. Jeder in zähem Widerstände errungene neue Tag kann die unbe­rechenbarsten, günstigsten Folgen zeitigen. Zu stolzer Freude gereicht es uns, daß nunmehr auch wir für Kaiser und Reich fechten dürfen, daß wir nicht dazu verurteilt sind, tatenlos beiseite zu stehen, wähtend unsere Bruder in der Heimat in schwerem Kampfe stehen.

Festungsbesatzung von Tsingtau!

Ich erinnere Euch an die glorreichen Verteidigun­gen Kolbergs, Graudenz und der schleichen Festun­gen vor etwas mehr als hundert Jahren. Nehmt Euch diese Helden zum Beispiel! Ich erwarte von Euch, daß ein jeder sein Bestes hergeben wird, um mit den Kameraden in der Heimat an Täpferheit und jeglicher soldatischer Tugend zu wetteifern.

Wohl sind wir zur Verteidigung bestimmt, haltet Euch aber vor Augen, daß die Verteidigung nur bann richtig geführt wird, wenn sie vom Geiste des

Angrifft erfüllt ist. Am 18. August habe ich Seiner Majestät drahtlich versichert, daß ich einstehe für Pflichterfüllung bis aufs Aeußerste. Am 19. August habe ich den Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät erhalten, Tsingtau bis aufs Aeußerste zu verteidi­gen!

Wir werden Seiner Majestät, unserem Allergnä- digsten Kriegsherrn, durch die Tat beweisen, daß wir des in uns gesetzten Allerhöchsten Vertrauens wür­dig sind.

Es lebe Seine Majestät, der Kaiser!

Der Festungsgouverneur, gez.: Meher-Waldeck.

Die eiserne Umklammerung beginnt!

Und langsam wälzte sich die eiserne Zange Heran, gemächlich Stückchen für Stückchen abschneidend, vor- dringend, dem Gegner den Raum, den Boden, die Luft abschneidend...

Am 27. August frühmorgens war das japanische Geschwader da, und der Vizeadmiral Kato Sada- kichi funkte von seinem FlaggschiffSuwo" die Blockadeerklärung in die Funkstation der Festung!

Die japanische Operationsarmee landete am 2. September in Lungkou mit 26 Transportschiffen, die von. .36 Kriegsschiffen begleitet wurden. Mitte September standen sie vor dem Vorgelände. Aus so respektabler Entfernung, daß die alten Festungs- geschützs sie nicht erreichen konnten, feuerten die feindlichen Kriegsschiffe von Seeseite, die feindliche schwere Artillerie landeinwärts von den Höhen hinter ihren Linien auf die Stadt ...

Vierzehn Tage rang man erbittert um das Vor- gelände Tag und Nacht! Nachts flammten die Scheinwerfer auf und beleuchteten die Szene! Wer die Japaner, klein, zäh und gelenkig und in ihren erdfarbenen Uniformen kaum zu erkennen, sähen im Dunkel viel bester als unsere Leute und krochen Stroh unter die Schuhe gebunden lautlos in dem hügeligen Gelände langsam vorwärts.

So war die Festung Ende September eingeschlossen. Schwere Verluste hatten die Japaner bereits zu be­klagen, während die Unsern erst 50 Mann an Toten und Verwundeten verloren hatten.

Ein wichtiger Helfer Oberleutnant z. E.

Plüschow.

Nun war man ganz eingeschlossen, kaum daß ein­mal eine funkentelegraphische Nachricht aufgefangen wurde. Der einzige Mann, der noch Nachrichten vom Feind brachte außer einigen chinesischen Spionen , der unentwegt den Stand schwerer Geschütze aus­kundschaftete, den Anmarsch des Feindes studierte und meldete, war der Oberleutnant z. S. Günther Plüschow., der mit seiner kleinen Rumplertaube Tag für Täg von dem kleinen, unzulänglichen, unter stetigem feindlichen Feuer liegenden Flugplatz auf­stieg, von feindlichen Flugzeugen unentwegt verfolgt und beschossen doch immer wieder heil zurückkehrte. Seine Taten sind so in aller Gedächtnis, daß man sie nicht einmal ausführlich zu schildern braucht!

Den ganzen Monat Oktober ging der Kampf wei­ter, noch immer war die Festung nicht sturm­reif, der Mut der Verteidiger nicht gebrochen!

Wer bedenklich leerten sich die Munitionskammern und man machte sich auf das Ende gefaßt. Und Plüschow meldete, daß der Feind seine schwerste Ar­tillerie in neue Stellungen brachte.

Der letzte Schlag wurde vorbereitet!

Auch die Heimat schien das zu ahnen. Am 27. Ok­tober traf ein Telegramm des Kaisers ein:

Mit mir bückt das gesamte deutsche Vaterland mit Stolz auf die Helden von Tsingtau, die getreu dem Wort des Gouverneurs, ihre Pflicht erfüllen.

Seien Sie alle meines Dankes gewiß.

Wilhelm I. R."

Die Hölle bricht los!

Ein unaufhörliches Gekrache, bald in nächster Nähe, bald aus größerer Entfernung, weckte am 31. Oktober mit TageSaraue» Soldaten und Bürger aus dem

Darlegungen die Berechtigung des deutschen Antrages. Die Verhandlungen wurden auf unbestimmte Zeit vertagt, nachdem der Präsi­dent des Gerichtshofes erklärt hatte daß der Gerichtshof den Zeitpunkt für die deutsche Replik und die polnische Duplik auf die heuti­gen Plädoyers noch bekannt geben werd'

Wo ein Wille.

La ist ein Wen

Berlin, 19. Juli.

Mit einem ungeheuren Schwung hat der Führer der nationalen Erhebung den Kamps gegen die Ar­beitslosigkeit begonnen. Tat auf Tat folgte. Wie groß das bisher Geleistete ist, das beweisen die sensationellen Berichte von der Genfer Arbeits- konferenz. Kein Volk der Welt hat eine Regierung, die bis jetzt auch nur ähnliche Erfolge verzeichnen kann.

Unserem Führer war klar, daß die Gelder für Arbeitsbeschaffung nicht aus steuerlichen Belastungen geschaffen werden können. Neue Wege mußten be- schritten werden.

Der Opferwille des Einzelnen und das Fühle» und Denken als Volksgemeinschaft sollen dem Ar» beitsbeschassungsprogramm der nationalen Regierung da- wichtigste Fundament sein. Keiner darf sich aus- schließen.

Die NSDAP hat im Rahmen dessen eine Geld­lotterie für Arbeitsbeschaffung ausgelegt, die mit­helfen soll, Volksgenossen, die seit Jähren vergeblich nach Arbeit suchen und denen das Wort Arbeits­lohn bereits fremd geworden war, wieder in den Rhythmus der Arbeit einzuschalten und sie zu Lohn- empsängern statt Nnterstützungsberechtigten zu machen. Jeder national Gesinnte muß durch Kauf von Losen die Arbeitsbeschasfungslotterie mit besten Kräften fördern.

Bon dem idealen Zweck der Lotterie abgesehen, bietet st« auch einen noch nie dagewesenen Gewinn- plan. 200000 Mark ist der Höchstgewinn auf ein Doppellos, 100000 Mark auf ein EinzelloS; fast 800 000 Gewinne 1,b Millionen Mark werden ausgelost.

Jeder LoSbesttzer darf das stolze Bewußtsein haben, auch sein Echerflein dazu beigetragen und mitge­holfen zu haben, das Schreckgespenst der ArbeitS- lostgkeit aus unserem Vaterlande zu bannen.

Kommunistischer Feueriidersnll auf Polizei

Rintrln, 19. Juli. (Eig. Meldung.)

Mehrere Kommunisten passierte« heute nacht 2 Uhr auf einem Kraftwagen mit Flugblattmaterial «nd Hetzschriften die Stadt. Polizeibeamte und mehrere Hilfspolizisten versuchten, den Wagen bei der Aus­fahrt aus Rinteln zu stellen. Die Kommunisten sprangen sofort ab und setzte» den Beamten dir Pistolen aus die Brust. AIS ein Hilfspolizist einem Komumnisten die Waste aus der Hand schlug, er­öffneten die anderen Kommunisten das Feuer aus die Polizei, die nun ihrerseits gleichfalls von der Schuß- waffe Gebrauch machte. Der Polizei-Hauptwacht- meister Menge brach, von mehreren Kugeln getroste«, schwer verletzt zusammen. Ein Hilfspolizist wurde leicht, ein Kommunist wurde schwer verletzt. Zahl­reiche Personen wurde« verhaftet.

Schlafe: das waren des Feindes dickste Visitenkarten. Der letzte Artillertekampf nahm seinen Ansangl

Am 6. November morgens, als jeder wußte, daß das Ende mit Händen zu greisen nahe war, erhob sich unter heftigem feindlichem Feuer Plüschow mit seiner Taube zum letzten Flug. Der Verteidigung konnte er nichts mehr nutzen. So sollte er als Ein­ziger wenigstens auf neutrales Gebiet zu entkommen suchen, um der Heimat Kunde zu bringen von den letzten Tagen Tsingtaus. Mit Briefen und dienst­lichen Nachrichten reich beladen, erhob er sich zum letzten Male über die sterbende Stadt, sahen ihm die Freunde und Mitstreiter mit Wehmut im Herzen zum letzten Male nach!

Wie er sich mit tausend Mühen und Gefahren, un­zähligen Listen dann durchschlug bis in die Heimat, hat er selbst erzählt . . .

Eine mondscheinhelle Nacht dämmerte auf. Aber die wundervolle Natur zerrissen die grellen Feuer­säulen berstender Granaten und daS höllische Kon­zert des Kampfes . . .

Sieben Tage und sieben Nächte ohne Unterbre­chung sitzt nun schon der Kommandeur' der Land- sront über seinem nervenzerrüttenden Werk. Und ebenso lange im Zimmer des Stabschefs die Gouver­nementsleitung!

Die letzten Reserven werden eingesetzt, die Dock» unbrauchbar gemacht, die Schisse versenkt, die Kano­nen zerstört, zu denen die Munition bereits ausge­gangen ist! Stunden können es nur noch fern, bald nur noch Minuten . . .

1 Uhr nachts. Die Meldung kommt:Die Japa­ner sind in den Kasernenhof eingedrungen. Besatzung in der Kaserne eingeschlossen. Feind versucht die Tore einzurennen!"

Das ist die Entscheidung!

Um 2 Uhr ist Jnfanteriewerk 2 in japanischen Händen! Die anderen folgen in den nächsten Stun­den ...

6 Uhr. Auf der Paßkuppe -erschlagen st« ihre Ge-