Ausgabe 
(18.7.1933) Nr. 189
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Nr. 189. Jahrgang 1933

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Das Amtüode Draan dss Gerrsls der Freie» VremerT

Hender'ons Berliner Misston

Berlin, 17. Juli.

Der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson, tms am Montag sriih aus Rom hier ein. Zu seinem Empfang war u. a. Botschaster Nabolny erschienen.

«

Zu den Berliner Verhandlungen der Prifidenten der Abrüstungskonferenz und ehemaligen britischen Außenminister Arthur Henderson schreibt die Deutsche Diplomatisch-Politische Korrespondenz: Die Verhand­lungen HendersonS bilden einen letzten Versuch, auf dem Boden der Konferenz die Schwierigkeiten zu überwinden, die das Schicksal der Abrüstung seit Jahr und Tag aus einer Krise in die andere treiben. Alle Schwierigkeiten und Komplikationen, die der Welt schon eine so große Skepsis gegenüber den Abrüstung;« bestrebungen eingeflößt haben, kamen daher, daß Frankreich bisher jede konkrete Einschränkung seines überhöhten Rüstungsstandes als Schädigung seiner Interessen betrachtet hat. Henderson hat stets mit Hingabe und Beharrlichkeit an einem Erfolg der Konferenz gearbeitet, und man kann zu ihm das Vertrauen haben, daß er auch in der jetzigen kri­tischen Situation alle Mittel, die ihm seine große Autorität und seine reich« Erfahrung bieten, an­wenden wird, um dar Werk des Friedens zu voll­enden, dem er seit Jahren seine ganze Kraft widmet. Es wäre nicht das erstemal, daß er in führender Stellung internationale Probleme zu einer vernünf­tigen Lösung brachte. Ohne kleinliche Bedenken und auf die Gefahr hin, gewisse Verstimmungen und Schwierigkeiten hervorzurufen, hat Henderson Ende 1929 als Außenminister die britischen Truppen aus dem Rheinlande zurückgezogen und damit die Räu­mung ins Rollen gebracht.

Wenn sich Henderson heute im Zusammenhang mit der Abrüstung wieder speziell mit Deutschland zu be­schäftigen hat, so findet er eine Situation vor, die gleichfalls einer Korrektur dringend bes.rrf.

Die Einleitung der allgemeinen Abrüstung ist die längst fällige, aber endlos ver­schleppte Erfüllung eines Gebotes des inter­nationalen Rechtes und der internationalen Moral.

Henderson selbst hat schon in seinen Reden als Außenminister bewiesen, daß er diese positive W- rüstungsverpflichtung unbedingt' anerkennt. Er ist nach Berlin gekommen und in die anderen Haupt­städte als der von Sonderinteressen unbeeinflußte Repräsentant der AbrüstungSidee, nicht als Sprach­rohr bestimmter Regierungen oder als Vermittler, was eine Gefährdung der allgemeinen Interessen der Abrüstung bedeuten würde.

Beide MeEenbms werden vereinigt

Rlbnitz, 17. Juni.

Die 7Vüjährige Stadt Ribnitz begeht jetzt ein großes Heimatfest. In seinem Rahmen wurde gestern in einer Festsitzung der Stadtverordneten dem Reichs­patthalter von Mecklenburg-Lübeck, Friedrich Hil» bebrandt, der Ehrenbürgerbries der Stadt über­reicht. In einer Ansprach« erklärte der Retchsstatt- halter, daß die Länder Mecklenburg-Schwerin und -Strekitz vereinigt werden sollen und noch im Herbst dieses Jahres die ersten Maßnahmen getroffen werden würden.

Hitler Hai in 8 Monaten mehr geleiilet. als alle Regierungen -er letzten 14 Fahre zusammen

ReichSmiailtee Dr. Goebbels spricht über alle deutschen Sender über das Thema „Voll an der Arbeit"

Berlin, 17. Juli.

Reichsminister Dr. Goebbels hielt Moatag abend über alle deutschen Sender eine Rede im Rundfunk. Der Minister sagte u. a.:

Adolf Hitler ist nun fast ein halbes Jahr an der Macht. Das von ihm geführte Reichskcwinett 'at am vergangenen Freitag in einer Dauer- itzung von morgens 11 bis nacht» 12 Uhr die letzten dringlichsten Gesetzentwürfe durchberaten und angenommen, und damit den ersten Ab­schnitt der inneren Aufbauarbeit zu einem vor­läufigen Abschluß gebracht. Man braucht nicht zu übertreiben, wenn man behauptet, daß das Kabi­nett Hittlcr im vergangenen halben Jahr mehr an staatspolitischen Taten verwirklicht hat als alle anderen ihm vorangegangenen Regierungen im Verlauf der verflossenen 14 Jahre deutschen Niederbruchs und deutscher Schande.

Der Parteienstaat gehört endgültig der Ver­gangenheit an und wird nie wieder von den Loten auferstehen. Die nationalsozialistische Be­wegung hat sich allein und auf ihr eigenes Recht zur Macht gestützt, siegreich durchgesetzt. Aus ihr ruht die zentrale starke Autorität, die in Hitlers Person vereinigt ist und die von ihm und seinen Männern eingesetzt wird zur Durchführung der schweren historischen Aufgaben, die unserer Zeit und unserer Generation gestellt sind.

Daß Hitler den Parteienstaat überwand und das ganze deutsche Volk in einem Willen und in einer Tatbereitschaft zusammenschloß, das ist

vielleicht die größte historische Leistung der ver­gangenen Monate.

Eine Regierung ohne solides, pflichtgetreues und verantwortungsfreudiges Beamtentum wird auf die Dauer keinen Bestand haben können. Darum mußte, das Kabinett Gesetze erlassen, in deren Vollzrm es möglich war, die Beamtenschaft von jenen Elementen zu reinigen, die in den vergangenen 14 Jahren auf Grund ihres Partei­buches aber unter Mangel jeglicher Fähigkeit und sittlichen Reife, für ihr hohes Amt in sie hrneingedrungen waren. Das brachte die eine oder andere Härte mit sich, war aber notwendig, wenn nicht das großangelegte Aufbauwerk dieser Regierung am Ende doch scheitern sollte. Die Reinigung des Beamtenstandes von Mens hen, die seiner nicht würdig sind, ist zwar noch nicht beendet, aber auch hier werden wir bald schon zu einem gewissen Abschluß kommen und damit auch in dieser Beziehung die allgemeine Ruhe, Sicherheit und Stabilität, die so dringen» von- nöten ist, erreicht haben.

Revolutionen sind nicht Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck. Selbstzweck ist oie Er» Haltung des Lebens unseres Volkes und des Fortbestandes unserer nationalen Raffe. Die Re­gierung hält ein wachsames Auge über jene ge­tarnten bolschewistischen Elemente, die von einer zweiten Revolution sprechen in einem Zett,-mult»

in dem das Volk und die Nation sich eben an­schicken, die Ergebnisse unserer Revolution kür oaS nächste Jahrhundert zu sichern und auszu­bauen. ES soll auch niemand glauben, daß er seinen Mangel an revolutionärem Mut in der Zeit, da wir in der Opposition standen od:r im Schatten der Macht den Staat eroberten, da­durch wettmachen könnte, daß er mit hyper- revolutionären Redensarten die Hühner auf­scheucht und die Kinder bange macht.

Etwas beseitigen darf nur der, der augenblick­lich den besseren Ersatz zur Hand hat und wer nicht zu arbeiten versteht, sondern nur Phrasen zu dreschen und laut in der Gesinnung anderer zu machen, der schweige besser in der Gemeinde.

Hitler hat unsere Revolution genau im rich­tigen Augenblick aufgefangen. Nachdem wir den Staat mit seiner ganzen Machtsülle besitzen, haben Wir es nicht mehr nötig, Positionen mit Gewalt z« erobern, die gesetzmäßig unser eigen sind.

Kurz bevor wir znr Macht kamen schrien noch unsere Gegner „ein halbes Jahr an der Re­gierung und chr seid verloren". Die ganz Schlauen unter ihnen meinten, sogar, man solle es einmal mit uns probieren, üm uns damit ein für allemal unschädlich zu machen. Wir wissen nicht, ob sie heute auch noch dieser Meinung sind. Das deutsche Volk hat es mit unS probiert, und unschädlich gemacht wurden nur unsere Feinde. Die ganze Nation schenkt Hitler chr Vertrauen. Niemals hat sich in Deutschland eine Regierung so mit Recht auf das Voll be­rufen können, wie die von ihm geführte. Sie greift mit Härte durch, wo eS vonnote» erscheint, um den Gegner aus Prinzip, auch wenn er sich tarnt, zu fassen. Sie läßt Milde und Großherzig­keit walten, wenn eS gilt, den Verführten oder noch Zweifelnden wieder in die große deutsche Volksgemeinschaft zurückzuführen. Diese Regie­rung weiß, daß sie des Volkes bedarf» wenn sie zum Ziele kommen will. Sie hat um deS Volkes willen nach einem großangelegten Plan den Krieg gegen die Zeitkrancheit der Arbeitslosigkeit eröffnet. Sie hat dabei Mut und Kühnheit be­wiesen und es ist chr in einer Kraftanspammng ohne gleichen gelungen, die schwindelnde Ziffer der Erwerbslosigkeit in einem halben Jahr schon um zwei Millionen zu senken. Hier liegt das Zentralproblem unserer Arbeit.

Es ist dieser Regierung gelungen, Steuerer­leichterungen zu schaffe», keine neuen Laste« z» dekretieren «rü> trotzdem die Leistungen für die Armen und Aermsten nicht u vermindern.

Auch die Welt wird auf die Dauer an dem Ernst, mit dem diese Regierung aus Werk ge­gangen ist, nicht teilnahmSlos Vorbeigehen können. Hitler hat den aufrichtigen Willen zum Frieden der Welt. Er hat daS in seiner Rede vor dem deutschen Reichstag feierlich bekundet.

Da» junge Deutschland ist keineswegs von der Absicht beseelt, zu provozieren und Verwirrung zu stiften. Wenn die Welt uns noch nicht ver­steht, so soll sie doch wenigstens Achtung haben vor der nüchternen Sachlichkeit, mit der wir unsere eigenen schweren Probleme zu lösen ver­suchen, ohne dabei bei anderen Staaten herum- zubetteln und unsere Sorgen biodermännisch vor der Welt zur Schau zu tragen. Der aufrechte Stolz, mit dem wir mit unserer Not zu Hause selbst fertig zu werden versuchen, wird auf die Dauer bei den Ehrlichmeinenden in anderen Völkern nicht ohne tiefen und nachhaltigen Ein­druck bleiben können.

Wenn diese Regierung — was vor ihr noch kein« andere, selbst nicht eine vorn Zentrum ge- führte, fertig brachte — sich eben anschickt, unver­wischbare Klarhert zu schaffen zwischen dem Staat und den Kirchen, und diese Klarheit in feierlichen Verträgen zu sanktionieren, so ist da» ein Zeichen dafür, wie ehrlich sie um den Frieden im Lande selbst und in der Welt besorgt ist.

Möge die ganze Welt einsehen, daß die deutsche Regierung «nd mit ihr das deutsche Volk, nichts sehnlicher wünschen, als i« Frieden und innerer und äußerer Ruhe seiner Arbeit nachzugehen «nd sich durch sie ihr tägliches Brot zu verdiene«.

Und gearbeitet haben wir: Vom Kanzler und Führer angefangen bis zum letzten Stra­

ßenkehrer. Zwar ruhen noch Millionen Hände aber schon fiebern sie danach eingesetzt zu wer­den beim Neubau von Volk und Reich.

Das ist eS auch, was uns alle so glück­lich macht: Z« wissen, daß wir von der

Liebe und voU Vertrauen des ganzen Vol­kes getragen sind und daß das Volk bereit ist, mit uns zu schaffen und ans Werk zu gehen. Gibt eS ein imposanteres Bild, als daß diese Nation, vor kurzem noch aus tau­send Wunden blutend, nun ihr Schicksal in ote Hand nimmt und mit der Not der Zeit auf ihre Art fertig zu werden versucht! Da­für gebührt de mideutschen Volk der ganze tiefgefühlte Dank der Reichsregierung, den ich hier, auch im Namen des Kanzlers und Füh­rers zum Ausdruck bringen möchte., DaS deutsche Volk verdient es, daß man sich seiner annimmt und für seine Freiheit und sein Brot arbeitet und schafft. Mit einem unbe­siegbaren Lebenswillen wird es seines Schick­sals Herr werden. Es muß nur zusammen­halten und sich auf seine eigene Kraft be­sinnen. Mut und Selbstvertrauen gehören dazu, wenn die Nation weiter wie in den vergangenen S Monaten zusammensteht, wenn sie in Treue und Disziplin die Arbeit deS Führers unterstützt und fördert, wenn sie vor der Größe der unser harrenden Aufgaben nicht zurückschreckt, dann wird uns das schwere Werk gelingen.

Dann werden wir dem verehrnngswürdi- gen Feldmarschall und Präsidenten für die Hochherzigkeit seines Entschlusses und die tiefe Weisheit, mit der er segnend die Hand über uns hält, einen besseren Dank abstatten, als durch Wort« möglich ist: Durch die Tat eines t« alle« Stämmen und Ständen geeinten deutschen Volkes, das vor der ganzen Welt wieder Ehre und Achtung genießt.

Die litauischen WelWeger

tödlich veermgliMt

Frankfurt a. O., 17. Juli.

Die beide« litauische» Weltslieger, die i« New York z« einem direkten Fluge »ach Kowno getaktet waren, find in der Neumark verunglückt. Die Trümmer des Flugzeugs wurde» am Montag früh bei Kuhdamm in der Nähe von So ldin gefunden. Die Leichen der beiden Flieger wurden unter den Trümmern geborgen. Die Untersuchung durch Vertreter des Reichskommiffa- riat» für Luftfahrt ist sofort eingeleitet worden.

Wie das Unglück geschah

Das Unglück der litauischen Flieger hat sich offenbar Montag früh um 2 Uhr ereignet. Um diese Zeit hörte ein Mann a«S dem frederizi» anische« Siedlerdorf Knhdamm ein furcht­bares Krachen. Er konnte aber nichts feststellen. Als man morgens in der Umgebung des von Wald umgebenen Dorfes nachsuchte, fand man die Trümmer des Flugzeugs, konnte

aber noch nicht feststellen, nm wen es sich han­delte, da die Maschine vollständig zertrümmert und die Leichen der Flieger grauenhaft ver­stümmelt waren. Gegen 10 Uhr vormittags stellte sich dann heraus, daß es sich um die litau­ischen Flieger handelte. Da es in der Nacht regnete und der Himmel tief verhängt war, sind die Flieger im Flachland wahrscheinlich so tief geraten, daß sie Bäume streiften und abstürzten.

Das Unglück passierte am Rande des Jagens

steuern im Dritten Reicii

Von Or. b. c. Otto ^Lgsosr

Wir find in der Lage, grundlegende Aus­führungen Dr. Wageners über die Wirt­schaftsauffassung des Nationalsozialismus erstmalig der Oeffentlichkeit zu übergeben; sie stammen aus der in den nächsten Tagen erscheinenden programmatischen Schrift Dr. Wageners: „Nationalsozialistische Wirt-

schaftsauffaffung und berufsständischer Auf­bau."

Rettung vor dem Staatskapitalismus

Ruhe wird in der Wirtschaft erst dann wieder einkehren, wenn der in der Luft liegende, sich aus der nationalsozialistischen Weltanschauung erge­bende Ilmbildungsprozetz in seinen wesentlichen Teilen durchgeführt ist und wenn das deutsche Volk ficht, daß Las wirklich geschieht, was geschehen muß. Hier helfen keine Halbheiten, hier gibt es kein Slchherumdrücken um zwingende Not­wendigkeiten!

Als selbstverständliche Folge eines ungezügelten Wirtschaftens begann der wirtschaftlich Stärkere ben Schwächeren erst zu vergewaltigen und dann zu vernichten. Nach dem Grundsatz: „Rette sich wer kann!", suchte ein Jeder, unter Eeltendma- chung des wirtschaftlichen Faustrechtes nur den eigenen wirtschaftlichen Interessen Geltung zu verschaffen, ohne Erkenntnis der- aus solcher Disziplin- und Rücksichtslosigkeit des Wirtschaf­tens zwangsläufig sich ergebenden Schäden für Las Eesamtintereffe, das Gesamtwohl von Wirtschaft und Volk Das Ende einer solchen Wirtschaftspolitik ist das Staatsmonopol, der Staatskapitalismus nach russischem Muster! Denn wo statt wirtschaftlicher Vernunft das Recht des Stärkeren Gültigkeit hat, wird stets der Staat als der stärkste der letzte Sieger sein!

Der Nationalsozialismus will und wird dafür sorgen, daß diese Gefahr von der deutschen Wirt­schaft abgewendet wird und die natürlichen Vor­aussetzungen für eine ge undc Entwicklung ge­schaffen werden.

E, ist notwendig, daß in dem Augenblick, in dem »in« Schrumpfung der Absatzmärkte erfolgt, auch

eine Planung eintritt, — nicht eine Planwirt­schaft, wie so häufig gesagt wird! Planwirtschaft wäre auch wieder ein staatskapitalistisches Ge­baren, — sondern eine Planung, eine planmäßige Wirtschaft! Darunter verstehen wir, daß sich die Wirtschaftenden Menschen des gleichen Wirtschafts­zweiges zusammensetzen und sagen:

Die Entwicklung ist nun so, daß wir uns alle unserer Haut wehren müssen, jetzt müssen die Gro­ßen darauf Rücksicht nehmen, daß die Kleinen er­halten bleiben, und die Kleinen müssen auf die Lebensbedingungen der Großen Rücksicht nehmen. Nur so kommen wir zu einer gemeinsamen, ver­trauensvollen ständischen Zusammenarbeit! Das ist das Ziel des ständischen Aufbaus, den wir anstreben. Wir werden in diesem ständischen Aufbau den Fachverbänden eine möglichst weit­gehende Selbstverwaltung überlassen. Der Staat hat nicht zu leiten, er hat zu kontrollieren! Wo er aber findet, daß man den Grundprinzipien der Volkswirtschaft entgegenarbeitet, da muß er da­für sorgen, daß eingegriffen wird!

Wir kommen dadurch auch dazu, zu prüfen, ob man nicht eine gewisse Einschränkung der Handels­und Gewerbefreiheit durchführen muß. Es ist nicht richtig, daß jeder, der zufällig genug Geld hat, eine neue Brauerei eröffnen kann, ohne das Gewerbe erlernt zu haben. Es ist auch nicht rich­tig, daß — um ein anderes Beispiel zu nehmen — wenn in einer Straße schon 5 Metzgerläden sind, die gerade den vorhandenen Bedarf decken, sich dann nach ein sechster dazwischensetzt. Ent­weder macht er dadurch einen anderen kaputt, oder sie können alle nicht mehr leben. Das dient nicht der deutschen Volkswirtschaft, sondern es schädigt sie!

Man hat auf die Preise Dinge drau geschlagen, die nicht dabin gehörten. Welche Ding- sind das? Zunächst. Die Zinsen! Zinsen kann ich aus meinem Unternehmen bezahlen, solange ich einen Gewinn hab«, der ihre Zahlung erlaub . Solange sich die Zinsen innerhalb der Gewinnmaglichkeiten

halten, ist eine Zinszahlung möglich. Wenn die Zinsen aber höher als der Gewinn werden, dann müssen sie aus der Substanz bezahlt werden, also wirken sie enteignend! Wir kommen also zu dem Ergebnis, daß einer Herabsetzung der Zin­sen die erste Notwendigkeit ist, um überhaupt wie­der den Umlauf innerhalb der eigenen Volkswirt­schaft ermöglichen zu können.

Der zweite Punkt ist dieSteuer! Jede Wirt­schaftssteuer ist in der Idee falsch. Denn man kann nur Wirtschaftssteuern bezahlen, solang« sie eben­falls wieder innerhalb der Eewinnmöglichkeit blei­ben. Dann find sie eben ein« Gewinnsteuer! So­bald aber die Wirtschafssteuern höher sind als der Gewinn, — sind sie Entelgnungssteuern! Entweder lasse ich mich enteignen, dann geh« ich in «in paar Jahren zu Grunde, oder ich schlag« das, was die Steuer fordert, aus den Preis, — dann kann ich mich nicht wundern, wenn das Volk wiederum nur weniger kaufen kann und infolgedessen die Wirt­schaft wieder schrumpft.

Die Leute, die damals immer sagten, wie Natio­nalsozialisten würden Experimente machen, — da» sind diejenigen gewesen, die in Wirklichkeit selbst Experimente gemacht haben!

Es ist überhaupt in der Wirtschaft notwendig, daß man sich von den Gedanken frei macht, man könne ohn« Einzelmaßnahmen irgendetwas errei­chen, Ich darf nicht nur aus die eigen« Produktion, auf den eigenen Absatz und auf den eigenen Ge­winn sehen, sondern ich muß auch denjenigen be­trachten und pflegen, der der Verbraucher des Produktes ist, und ich muß endlich auch auf den Rücksicht nehmen, von dem ich Rohstoffe und Ma­terialien beziehe. All« diese Teile zusammen be­wegen sich in einem großen Kreislauf, — und dieser ganze Kreislauf muß in Ordnung gehalten werden.

Ich habe zufällig gehört, daß bei den englischen Brauern vor einiger Zeit ein Beschluß dahin ge­faßt worden ist, daß st« nur englisch« Rohstoffe ver­wenden wollen, und dort wird sogar auf jeder Eti­kett auf den Flaschen geschrieben, daß das gesamte Material, daß der gesamte Inhalt nur aus engli­schen Erzeugnissen besteht. Man sieht daß man in England genau so denkt wie wir! Es wird so häutig gesagt: Ja. wenn ihr ein« solch« Autarkie tveibt — in Wirklichkeit handelt t» sich nur um

«in« gesund« Wirtschaft — dann wird das Ausland auch nicht» mehr von uns kaufen.

Da» Ausland kaust von uns sowieso nichts ab, was es selbst produziert. Denn es geht ihm nicht besser, als uns, und es sorgt deshalb dafür, daß es möglichst di« eigene Wirtschaft stärkt. Bisher wur­den im Ausland nreist dieselben Fehler gemacht, wie bei uns, — heute kommen sie alle zu den glei­chen Korrekturen!

Die Fehler entsprangen überall dem ganz fal­schen liberalistischen Wirtschaftssystem, das nicht Ordnung pflegte, sondern Willkür herrschen ließ, da» dem Stärkeren einen Freibrief gab, durch den er den Schwächeren vernichten konnte. Dieser Grundsatz entspringt nicht einem Volkswirtschaft- lichen Denken, nicht einer völkischen Moral, ja nicht einmal Treu und Glauben,

Deshalb fordert unser Führer, Adolf Hitler: Gemeinnutz gehtvorEigenutzl — Und diesem Grundsatz muß wieder zur Macht verholfen werden!

Hsroiscds Lrmst

Heroische Kunst! Das ist der Ruf der Zeit.

Er ist nicht neu; wir haben den Ruf während unserer Lebensdauer schon vernommen. Niemals freilich klang die Forderung so entschieden wie heute.

Der Kritik fällt die Aufgabe zu, geduldig jede neue Zeitforderung an den bleibenden Gestaltungs­kräften der Kunst zu messen und, wenn nötig, zu korrigieren. Während einer Menschenalters haben wir es in diesen Blättern getan; jetzt, zum Abschluß, sei es noch einmal getan; es gilt das Wesen des Heroischen in der Kunst zu untersuchen.

Liegt daS Heroische der Kunst im Stoff, im Gegen­stand, im dargestellten Vorgang? ES liegt nur be­dingt darin, nur insofern, als heroisch gestimmte Künstler gern zu den höchsten Gegenständen der Menschheit greifen, um ihren Werken auch von feiten der Idee eine erhöhte Bedeutung zu geben. Dieselben Stoffe können aber auch ohne heroische Gesinnung gestaltet werden;, sonst wäre jeder Gekreuzigte ein heroischess Kunstwerk. Michelangelos Genie konnte nicht anders als heroisch, empfinden. Darum war ihm die erhaben« Dramatik der Schöpfungsgeschichte,

agiert vom Gottvater selbst, von Propheten, Sybillen und alttestamentarischen Monumentalgestalten ange­messen. Die Schöpfungsgeschichte ist aber auch als Idylle gemalt worden; der Stoff fordert nicht unbe- dingt eine heroische Auffassung. Ebenso verhält eS sich mit den mythologischen Sujets von Rubens, der ein heiter heroisierendes Temperament war, mit den geschichtlichen Bildmotiven RethelS, der die Ro­mantik seiner Zeit heroisch gesteigert und auch mit den „heroischen Landschaften" einer Claude Lorrain oder Josef Anton Koch. Blickt man endlich auf Rem- brandt, so findet man Heroisches nicht nur in seinen Legendenbildern, sondern auch in seinen Landschaften, ja in den „Geschlachteten Ochsen" und in Zeich­nungen, worauf Gegenständlicher kaum noch er­kennbar ist.

Also ist nicht der Stoff, nicht der: Gegenstand ent- scheidend, sondern di« Art der Behandlung, das heißt: die Form.

Analysiert man diese Form, so zeigt sich, daß sie nicht nur verdichtet und stark übertragen ist — das gilt schließlich für alle Kunstformen — sondern daß sie auch szenisch erhöht, daß sie gewissermaßen auf­getürmt ist. ES braucht nicht durchaus eine ver­schönte, eine idealisierte Form zu sein; denn da» Heroische kann auch grotesk, mit Zügen des Hiß. lichen auftreten. Es kann sowohl griechisch wie gotisch sein, ägyptisch starr, aber auch. barock flüssig. Bedingung ist, daß die Form zudringlich aktiv ist, daß sie Tapferkeit ausdrückt. Eine so ge­artete Form aber kann — das liegt auf der Hand — nur spontan entstehen, als ein Niederschlag deS Willens. Heroische Form bildet sich wie von selbst, wenn heroisch gestimmte Talente Pfeifen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist; sie ist die Sprache einer bestimmten Att von Temperamenten — nämlich der kämpferischen, der tragisch-siegreichen Temperamente. Immer bedarf daS Heroische zu seiner Vollendung des Dämonischen. Dieses aber ist selten. Darum ist auch das echt Heroische selten. Es gibt verhältnis­mäßig wenige große Talente, die schlechterdings alles heroisieren, was sie berühren, denen jener erhabene Sinn von Natur eigen ist, der das Große in das Leben legt, es jedoch nicht darin sucht.

(Aus dem Juni-Heft von „Kunst und Künstler"),