Nr. 187. IayrsrmgLSRr
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öreMrllationMÄaMMe Zeitung
Das AnMcbe Arcrarr des Sonst» der ^reterr Bremern ^
Vremen. Sonntag, den 16. Juli 1935 Einzelpreis is via.
Anzeigen: hiesig« die 14 gespalten« mm-Zeil« 0.10, auswärts 6.12; im Texttetl 6.56, auswärts 0.70; Stellengesuche und Familtenanzeigen 0.06; sonstige lleine Anzeigen 0.08. Platz- vorschriften ohn« Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot u.s.w. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung d«S Bezugspreises.
Vkkttftmg
eines Geneealrakes der Wirtschaft
Berlin, 18. IM.
Der ReichSwirtschaftSmtnister gibt folgendes bekannt:
Un bei den Arbeiten der RekchSregiernng die Erfahrungen der praktischen Wirtschaft z« verwerten, beruft der Reichskanzler einen Generalrat der Wirtschaft, dessen Mitglieder die Aufgabe haben, der ReichS- regierung zur Beratung in allen wirtschaftlichen Fragen zur Verfügung zu stehen.
Der Generalrat der Witrfchaft tritt jeweils auf besonder« Einladung zusammen.
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Die bisher ernannten Mitglieder des Generalrates
Berlin, 18. Juli.
Der Reichskanzler hat zunächst in den Generalrat der Wirtschaft folgende Herren berufen:
Herbert Backe, Domänenpächter (Berlin), Professor Dr. Karl Bosch (Heidelberg),
Geheimer LandeSbaurat Dipl. ing. Böhringer, Direktor der Maxtmtlianhütt« (Rosenberg, Oberpfalz),
Generaldirektor August Dtehn, Deutsche« Soli- syndikat (Berlin),
Bankier August von Finck (München),
Dr. Otto Chr. Fischer, Präsident des Zentral» Verbandes des deutschen Bank- und Bankiergewer- beS (Berlin),
Dr. Dr. Albert Ha ckelrv erger, Fabrikbesitzer (Oeflingen, Baden),
Regierender Bürgermeister Krogmann (Hamburg),
Dr. G. Krupp von Bohlen und tzalbach (Essen), Preußischer EtaatSratSprästdent Dr. Robert Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront (Berlin),
Dr. Karl Luer, HandelSkammerprästdent, Treuhänder der Arbeit (Frankfurt a. Main),
Preußischer StaatSrat Frickrich Reinhardt, Bankdtrektor (Berlin),
Dr. Hermann Reischle, Führer der Landhan- delS und der landwirtschaftlichen Genossenschaften (Berlin),
Kurt Freiherr von Schröder, Handelskammer- präsident (Köln a. Rh.),'
Carl Friedrich von Siemens (Berlin), Preußischer StaatSrat Dr. Fritz Thyfsen (Milk- heim-Ruhr),
Bankdtrektor Dr. Albert vögler (Dortmund).
Valbo-Gefchwader in Chirags eingewogen
New york, 18. Juli.
Das Volvo-Geschwader hat das Endziel Ehikago 1S.V5 Uhr (M. E. Z.) erreicht. Während das Ge- schwadrr sich der Stadt näherte, war die ganze Stadt auf den Beinen. Hunderttausend« hatten den Mi- chigan-See und das AuSstellungsgeländ« umlagert. Sämtlich« Dächer waren besetzt. Die Autor konnten die Straße nicht mehr passieren. Die Michigan- Aoenue, CHIkagos Prunkstraße, an den die Ausstellung grenzt, war völlig schwarz von Menschen. Die Schutzleute waren machtlos, die Ordnung herzustellen. Aus dem See selbst sah man ungezählte Fahrzeuge.
Als die Flugzeuge erschienen, brach eine unge» heur« Begeisterung aus. Amerikanische Armeeslugzeuge begleiteten das ankommende Geschwader. Die Hochrufe während der Landung wollten kein Ende nehmen.
See ViererpM in Rom un ter ze i ch net
See Führer beglückwünscht Mussolini, den SchSpser dieses
Vertrages
Rom, 18. IM
Am Arbeitstisch Mussolinis tm Palazzo De« nezia ist am Sonnabend mittag 12 Uhr der Viererpakt von den Botschafter« Deutschlands, Englands und Frankreichs und von Mussolini, dem Schöpfer dieses Vertrages, unterzeichnet worden. Der Pakt ist in vier Exemplaren je in einer der Sprachen der vier Großmächte angefertigt. Die vier Originale bleibe« tm Palazzo Venezia deponiert. Als erster unterzeichnete der deutsch« Botschafter Herr von Hassel, dann die Botschafter
Englands und Frankreichs und schließlich der italienische Regierungschef.
Der wesentliche Inhalt
Berlin, 18. Juli
Am 18. IM ist in Rom daS zwischen Deutschland, Frankreich, England und lien geschlossene Uebereinkommen über ständAung und Zusammenarbeit unterzeichnet worden. ES ist damit zu rechnen, daß dieses meist kurz als ,MermLchtepakt" bezeichnete Abkommen durch die beteiligten Staatsoberhäupter auch in bälde ratifiziert und in Kraft treten wird.
Der wesentlich« Inhalt de» Biermächte- pakteS ist folgender:
1. Die vertragschließenden Teil« werden sich über alle sie angehenden Fragen verständigen und verpflichten sich, im Rahmen des Bölker-
LnndeS ein« auf die Wahrung des Friedens
gerichtete Politik wirksamer Zusammenarbeit zwischen allen Mächten nach Kräften anzustreben.
9. Unbeschadet der Befugnisse der Völkerbund-organe verpflichten die BertragSstaaten untereinander, alle Vorschläge zu prüfen,
ie sich auf die wirksame Anwendung der Böl- kerbundSsatzung und namentlich auf deren Artikel 10 (Garantie gegen äußere Angriffe), 16 (Sanktionen gegen den Angreifer), 19 (Revision) beziehen.
8. Die durch die Abrüstungskonferenz etwa nicht erledigten Fragen, die die vier Mächte besonder» betreffen, sollen gemeinsam erneut geprüft werden.
4. Schließlich bestätigen die BertragSstaaten ihren Willen, sich über alle europäischen Fragen wirtschaftlicher Art, namentlich so weit sie den wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas betreffen, zu verständigen und die Regelung dieser Fragen im Rahme» des Völkerbundes zu suchen.
der Präambel de» Paktes wirb auf die önderen Pflichten der BertragSstaaten als ständig« Mitglieder d«S VölkerbunorateS und als Unterzeichner der Locarnoverträge hingewiesen, sowie auf die Verpflichtungen, die sich ergeben au» dem Kellogg-Pakt und der im Verlaufe der Abrüstungskonferenz abgv-
befon
:benen Erklärung, wonach die Staaten auf e Anwendung von Gewalt verzichten.
Seiner grundsätzlichen Bedeutung entsprechend (st dieser auf die staatsmännische Initiative deS italienischen Regierungschefs zurückführende Viermächtepakt aus lange Sicht geschlossen, nämlich zunächst auf 10 Jahre.
Ein Lichtblick im Leben der Völker Europas
Hitler beglückwünscht Mussottut
Berlin, 18. Juli
Der Reichskanzler hat anläßlich der Unter- zeichnung de» Viermächtepaktes an den italienischen Regierungschef das folgende Telegramm gerichtet:
„Die soeben erfolgte Unterzeichnung des Biermächte-Paktes gibt mir willkommenen Anlaß, Euer Exzellenz meinen herzlichsten Glückwunsch dazu zu übermitteln, daß dieses der staatsmännische« Initiativ« Euer Exzellenz zu dankende, die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern befestigende Bcrtragswerk nach schwierigen Verhandlungen zum glücklichen Abschluß gebracht ist. Gerade angesichts der heutigen, so ernsten Weltlage ist dieses Bekenntnis der vier Mächte zu gemei nsamer Arbeit und Verständigung ein Lichtblick im Lebe» der Völker Europas.
Hitler".
Kabine« Wer beschließt Steuererleichterungen
Neugegründele Unternehmungen steuerfrei. — Sie Krastfahrzeusstener soll abgeschafft werden
Berlin, 18. Juli.
Das vom Reichskabinett beschlossene Gesetz über Steuererleichterungen stellt ein« Ergänzung de» bekannten Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit dar. In diesem Gesetz werden bekanntlich Ersatzbeschaffungen von Maschinen und sonstigen Gegenständen in der Weise begünstigt, daß der Unternehmer, der Ersatzgrgenstände anschafft, die Kosten in vollem Umfange bet der Ermittlung deS Gewinnes abziehen darf.
DaS neue Gesetz über Steuererleichterungen steht ein« Erweiterung in der Weise vor, daß auch Ju- standsctzungarbeiten und SrgSnzungSarbeitcu an Gebäuden, die einem Betrieb« diene«, in der Weise steuerlich begünstigt sind, daß zehn v. H. der Koste« für die Ergänzungsarbeiten von der Steuer (Einkommens- nnb KörperfchastSsteurr) abgesetzt «erden können.
Diese Begünstigung, die der Ankurbelung des Bau. markier dienen soll, ist an drei Voraussetzungen geknüpft: Einmal muß die Mehrlohnsumme ebenso groß sein wie die Kosten der Jnstandsetzungsarbeiten, zum anderen müßen die zur Instandsetzung verwandten Stoffe inländisches Erzeugnis sein und
schließlich müßen die Arbeiten in der Zeit vom SO. Juni d. I. bis Ende 1934 fallen.
Die zweite steuerliche Begünstigung ist vorgesehen für Lohnempfänger. Bekanntlich muß bisher jede Zuwendung der Arbeitgeber an Arbeitnehmer der Lohnsteuer unterworfen werden. Jetzt ist eine Ausnahme für dir Fäll« vorgesehen, in denen der Arbeit, geber dem Arbeitnehmer über den normalen Lohn hinaus Sonderzuwendungen macht. Für dies« Fälle wirb eine Steuererleichterung zugebilligt, Insofern die Sonderzuwendung in Bestatt von BedarsSdeckungs- scheinen erfolgt. Diese BedarsSdeckungSscheine berech- tigen zum Erwerb von Kleidung» Wäsche und HauS- grrät.
Ferner steht da» Gesetz eine Sondersreiheit für neugegründrte Unternehmungen vor. Es muß sich bei diesen Unternehmungen um solch« handeln, die der Herstellung ganz neuartiger Erzeugniße dienen und die nicht bereit- bestehenden Unternehmungen unmittelbar Konknrrenz mache«.
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Der Staatssekretär tm Reichsfinanzministerium, Fritz Reinhardt, veröffentlicht unter der Ueber- schrift „Gesetz über Steuererleichterungen* einen Ar
tikel, in dem er nach einem Rückblick auf die bisherige Steuerpolitik der Reichsregierung feststellt, daß In etwa fünf bis sechs Jahren Personenkraftwagen und Personenkrafträder Kraftfahrzeug st euer. frei sein wird. Weiter mit aller Eindeutigkeit feststellt, daß die Krastfahrzengsteuer, die sich auf Personenwagen und Personenkrafträder, die vor dem 1. April 1933 erstmalig zugelassen worden waren, keinerlei Aenderung mehr ersahren werde und daß somit den Kraftfahrern in ihrem eigrndsten Interesse nur empfohlen werden kann, von der im Gesetz vom 31. Mai 1931 vorgesehenen Ablösungsmöglichkeit Ge. brauch zu machen. Bemerkt wird weiter, daß an eine weitere Belastung des Treibstoffes nicht gedacht ist. Mit Bezug aus die Steuerfreiheit für Ersatzbe- schaffungen usw. wird darauf hingewiesen, daß die Aufwendungen für die Anschaffung voll abgezogen werden können, wenn die Anschaffung oder Herstellung deS neuen Gegenstandes nach dem 80. Juni 1933 und vor dem 1. Januar 1935 erfolgt. Es sei bei der Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen nur an Beschaffungen gedacht, die bestimmt sind, die Be- triebsanlagen zu verbessern, jedoch mit der Einschrän. kung, daß die Verbesserung nicht zu einer Minder- beschäftigung von Arbeitnehmern im Betrieb der Steuerpflichtigen führt. Das Gesetz über Steuer
freiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1. Juni 1938 er, streckt sich nur auf bewegliche Gegenstände des gr. »erblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals, nicht auch auf JnstandsetzungS- und Ergänzungskosten an DetrtebSgebäuden. Dieser Mangel werd: durch das „Gesetz für Steuererleichterungen" beseitigt Die Steuererleichterungen, die dem Gesetz gemäß sü> Instandsetzungen und Ergänzungen an Gebäuden ge' «erblicher Betriebe gewährt werde, betrage einheit lich 10 v. H. der Aufwendungen für die Instand setzungs. und Ergänzungsarbeiten an Gebäude: oder Gebäudeteilen, die einem gewerblichen Betrieb des Steuerpflichtigen dienen. Die Steuerermäßigung werde gewährt nur in dem Fall, daß im Steuerabschnitt der Instandsetzung oder Ergänzung die LLohn, summe des Betriebes des Steuerpflichtigen um min- bestens den Betrag, für den die Steuerermäßigung verlangt wird, über die Lohnsumm« des unmittelbar vorangegangenen Steuerabschnittes hinausgehe. Bei der Gegenüberstellung der Lohnsummen würden Arbeitslöhne von mehr als 3600 RM. jährlich nicht berücksichtigt. Die Erhöhung der Lohnsumme fülle als» auf eine Erhöhung der Arbettnehmerzisfer des B« triebe- zurückzuführen fein. Wo noch nicht genügend große Aufträge vorliegen, um die Belegschaftsziffer zu erhöhen, ist zu empfehlen, die Lagerbestände zu ergänzen und auf diese Weife zu einer Erhöhung der Belegschaftsziffer und der Lohnsumme zu kommen- Um den Gedanken der Unternehmer der Erhöhung der Nachfrage nach Gütern und der Verminderung der Arbeitslosigkeit zu dienen und zu stärken, Wirt durch das Gesetz über Steuererleichterungen bestimmt« daß einmalige Zuwendungen an Arbeitnehmer nicht lohnsteuerpflichtig und auch nicht schenkungssteuer« pslichttg find, wenn sie in der Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 1938 und in Form von Bedarfs, deckungSscheinen erfolgen. Die Folg« der bezeichnete« Steuererleichterung werd« hoffentlich sein, daß recht viele Unternehmer ihren Belegschaften einmalige Zu. Wendungen in der Zeit vom 1. August bis 31. Dezember 1933 gewähren. Die Lohnsteuerfreihet für einmalige Zuwendungen gelte nur für solche Arbeit« nehmer, deren vereinbarter JahreSarbeitslohn nicht mehr als 8600 RM. betrage. Die Steuerfreiheit für neue Unternehmungen, die sich mit der Entwicklung neuer Herstellungsverfahren und mit der Herstellung neuartiger Erzeugnisse befassen, bei denen ein Interesse der gesamten deutschen Volkswirtschaft gegeben ist, könne durch den Reichsminister der Finanzen bewilligt werden.
Das Gesetz über Steuererleichterungen stelle ein« Ergänzung und Fortsetzung des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit dar. Es werde gelingen, die Arbeitslosigkeit durchgreifend zu vermin« turn, wenn alle Volksgenossen mithelfen.
Die Verminderung der ArbettSloskgkeit und die Be, lebung von Wirtschaft und Finanzen führten zwangsläufig zu der Möglichkeit, die auf der deutschen Produktion ruhende Steuerlast allgemein durchgreifend zu senken und die Vereinfachung unseres gesamten deutschen SteuerwesenS herbeizuführen, die die gesamte deutsche Wirtschaft ersehne,
Industrie-und AedettsbeslhMmg
Berlin, 18. Juli.
Die Arbeiten des ReichSstandeS der Deutschen Industrie konzentrieren sich zurzeit in erhöhtem Matze auf die von der Reichsrezierung immer wieder in den Vordergrund gestellte Frage der Arbeitsbeschaffung. Dr. Krupp von Bohlen und tzalbach hat einen Sonderausschuß für ArbcitSbeschaffungSfragen gebildet und dessen Leitung Herrn Ingenieur A. Pietzsch-München übertragen. Die Arbeiten dieses Ausschusses werden unverzüglich beginnen. Dabei wird die Frage der öffentlichen wie auch der privaten Arbeitsbeschaffung grundsätzlich zu erörtern und die Reichsregierung durch Vorschläge und Anregungen bei dem großen Werke des heute schon mit sichtbarem Erfolge begonnenen Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit zu unterstützen sein.
Lins ^nivvort an Oodüüsd 2arnow und ändere
Von Gustav
Gottfried Zarnow, der bekannte Verfasser der „Geißelten Justiz", hat am 29. Mai das damals 1750 politische Schutzhästlinge fassende Konzentrationslager Dachau bei München besichtigen dürfen und darauf in der von ihm herausgegebenen Wochenschrift „Deutschenspiegel" einen ausführlichen und interessanten Bericht veröffentlicht. Bemerkenswert deshalb, well Gottfried Zarnow darin grundsätzlich untersucht, welchem Zweck ein Konzentrationslager überhaupt dienen soll und wie weit eine Notwendigkeit vorliegt, die z. B. im Dachauer Lager Festgehaltenen von der deutschen Außenwelt abzuschließen. So groß die Verdienste Zarnows um seine „Gefesselte Justiz" auch fein mögen — niemand wird sie ihm absprechen wollen — um so verblüffender mutz es anmuten, wenn ausgerechnet dteser Mann tm er- wähnten Artikel eine kräftige Lanze für jene im Konzentrationslager festgehaltenen Vaterlandsver- irecher bricht, von denen der übergroße Teil heute längst Herrn Zarnow den Hals abgeschnitten hätte, Wenn am 5. März statt der Hakenkreuzfahne Hammer und Sichel die Symbole eines neuen Staatswesens tn Deutschland geworden wären.
ES kann nicht eindringlich genug davor gewarnt werden, revolutionäre Sicherheitsmaßnahmen durch die persönliche Brille von Weichherzigen beurteilen zu lassen, die an alles, was ihnen in der Politik entgegentritt, Vergleiche aus der Familienperspektive ziehen. So und nicht anders kann es verstanden werden, wenn Herr Zarnow im Grunde genommen die Forderung stellt, die Tore der Konzentrationslager zu öffnen und allen diesen wertvollen Glie-
Etaeb«.
dern der Gesellschaft die Freiheit wiederzugeben. Zarnow schreibt u. a.:
„ES bleibt also nur die ZweckmäßigkeitSfrage, vom Standpunkt der Staatssicherheit zu prüfen: sind die im Konzentrationslager untergebrachten 1750 Arbeiter und Kleinhandwerker als anttnatio- nal wirkender „Sauerteig" anzusehen? Diese Frage ist durchweg mit: Nein! zu beantworten." Nachdem Zarnow feststellt, ohne Ausnahmen gut genährte und keine blessierten Gesichter gesehen zu haben, versteigt er sich zu der Unwahrheit, im ganzen Lager gebe es keine sogenannten Intelligenzen, Jour- nalisten, Rechtsanwälte, Schriftsteller oder Parlamentarier, sondern nur die unteren Chargon der marxistischen Funktionäre. Er vermißt weiter solche Stätten, an denen die politisch Erziehbaren gesondert gehalten werden. Alles das zeigt, wie wenig und schlecht Zarnow das Dachauer Lager besichtigt hat, oder — wie sehr er sich offenbar von vornherein bemühte, Gründe zu finden, um vor der deutschen Öffentlichkeit für die Auflösung der KonzentrationS- lager plädieren zu können.
Dieser Artikel Gottfried Zarnows gab mir Veranlassung, an die Kommandantur des Konzentrationslagers Dachau die Bitte zu richten, das Lager aus informatorischen Gesinden besichtigen zu dürfen. Nachdem ich mich in der Münchener Polizeidirektion legitimiert hatte, erhielt ich sofort einen Erlaubnisschein, mit dem ich mich sofort in einem Kraftwagen
nach Dachau begab. Wer einmal München und daS HofbräuhauS besucht hat, wird auch das Lokal ,,d' Dachauer" kennengelernt haben und dadurch auf ein größeres Dorf vor den Toren Münchens aufmerksam gemacht worden sein, das durch sein« schön« Lage und manche Sehenswürdigkeit bemerkenswert ist. In ^>er Nähe dieses Dorfes liegt eine Reihe von Häusern, die eine frühere sehr ausgedehnte Munitionsfabrik, das heutige Konzentrationslager, erkennen läßt.
Am Ziel. Riesige, zirka drei Meter hohe Stacheldrahtzäune und verschiedene Wachen mit sehr ge- nauen Kontrollen müssen passiert werden, bis ich tm Zimmer des Lager-Kommandanten, SS.-Oberführer Ticke, meinen Besichtigungsschein vorzeigen kann und SS.-Truppsührer Echeingraber, der auch Gottfried Zarnow durch das Lager geführt hat, sich bereit erklärt, mich zu führen. Ich habe es nie für möglich gehalten, daß eine große politische Kampfbewegung, Wie die NSDAP., nach ihrer Machtergreifung auch ihren tödlichsten Hassern trotz der Schutzhaft so viele Möglichkeiten bieten könnte, den Weg zu Volk, Nation und völkischer Gemeinschaft zurückzufinden, wie ich es hier gesehen habe. Daist keine kleinliche Rache am besiegten Gegner, sondern Heilung von Kranken, und jeder Wachtposten ist eher mit einem Krankenwärter zu vergleichen, als mit einem Kerkermeister. ES würde zu weit führen, alle die vielen Eindrücke hier aufzuführen. Einige allgemeine seien daher herausgegriffen, um ein.abgeschlossenes Urteil über dar Ganze geben zu können:
Die Schutzhästlinge regieren .sich gewissermaßen selbst. /Sie haben eine fgene Feuerwehr, die sie selbst bedienen,.kochen, ihr Essen.selbst in einer riesigen > Gemeinschaftsküche-(an'.dem betr.'Tage gab es Lungenhaschee mit' Kartoffeln, sehr. schmackhaft, zubereitet), an die -sich . eine. ganz s moderne Kühlanlage
wie alle sonstigen Räume eines modernen Groß- küchenbetriebes anschließen. In dem daneben liegenden Speiseraum haben 2000 Häftlinge an weiß ge- scheuerten Tischen Platz, an denen sie z. B. drei Viertelstunden lang Zeit zum Mittagessen haben, um die tägliche Mittag-ration von 45 Zentnern Kartoffeln mit Fleisch, Gemüse oder sonstigen Beilagen in Ruhe bis zum Sattwevden verzehren zu können. Ehe wir uns nun den eigentlichen Unter- kunftsräumen der Schutzhästlinge zuwandten, die in langen, massiven Baracken untergebracht sind, führte uns der Weg um eine Ecke, an der ein kom- munistischer Schutzhäftling, früher als Bildhauer tätig, einen Horst-Wessel-Gedenkstein baute.
Jetzt betraten wir das eigentliche Lager, das in- mitten der bereits erwähnten hohen Umzäunung in einem besonders gesicherten Karrö von Stacheldraht, zäunen liegt, die nachts elektrisch geladen und von Scheinwerfern grell beleuchtet sind, um jedes Entweichen unmöglich zu machen. Jetzt bekam ich die Möglichkeit, betm Durchschreiten der Baracken Zar- nows Behauptungen und Einwendungen gründlich untersuchen zu können. In allen Unterkunftsräumen herrscht eine gesunde Selbstverwaltung, ausgeübt durch Stubenälteste, die selbst Schutzhäftlinge sind und für die Insassen ihres Raumes voll verantwortlich gemacht werden. Die Schutzhästlinge werden in drei Bewertungsklassen eingeteilt. Allein diese Tatsache widerlegt Zarnow, wenn er. behauptet, es gäbe keine Unterscheidung der leichter oder schwerer Erziehbaren. Die 3. Klasse umfaßt die kriminell Vorbestraften,.die zu besonders schwerer Arbeit herangezogen werden und denen daS Rauchen verboten ist, das den anderen Klassen gestattet ist. In die L. Klasse sind die meisten eingeordnet, während der eine Insasse,der. 1. Klasse, also diejenigen, die -am ersten wieder als .gebessert betrachtet werden können, als Auszeichnung.Führen der Lagerfeuern;ehr ijj, die
wiederum nur aus Schutzhästlingen zusammengesetzt ist und gerade übte. In keinem der vielen UnterkunftSräume herrschte Bedrückung, sondern oft fröhliche Gelassenheit, die besonders tn vielen Trupps sichtbar wurde, in denen Schach und andere Gesellschaftsspiele gespielt wecken. Das bezieht sich natürlich nur auf diejenigen, die gerade Freizeit hatten, während die andere Arbeitsschicht selbstverständlich zu harter Arbeit herangezogen wird.
Ueberall herrscht peinlichste Sauberkeit. Jedem wecken alle notwendigen Totlettegegenstände von der Lagerverwaltung zur Verfügung gestellt. Jeder muß wöchentlich ein warmes Wannenbad nehmen. So zeugt auch das Lazarett mit seinen hellen Krankenzimmern und den Operationssälen von einer Menschlichkeit, die der Marxismus im umgekehrten Falle seinen niedergezwungenen Gegnern todsicher verweigert hätte.
In Hallen von gewaltigen Ausmaßen sind Werkstätten eingerichtet worden, in denen so ziemlich alles zum täglichen Leben Erforderliche hergestellt wird: Da gibt es eine Strumpfstopferci, Schuster-, Schneider-, Tischler-, Schmiede- und Schlosserwerkstätten usw., kurzum genügend Gelegenheiten, um. dem Häftling den Rückweg zu ehrlicher Arbeit möglichst zu erleichtern. Dazwischen stoßen wir wiederum auf eine Kantine, tn der so ziemlich alles außer Alkohol verabfolgt wird. Und auf weiten Rasenflächen wird Hport getrieben oder — man kann es kaum fassen — an einem großen Schwimmstadion gearbeitet, in dem sich die Häftlinge am Sonntag herumtollen können.
Jeder Häftling darf im Monat zwei Briese und zwei Karten an seine Ungehörigen schreiben, von denen er ebenfalls monatlich 1 Brief und 1 Karte empfangen darf. Er darf Pakete bis zu 10 Pfund ohne Lebensmittel, Geld in jeder Höhe entgegennehmen.